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ARD hält auch bei DVB-T2 an 720p fest – Anzahl der HDTV-Progamme noch offen

Die ARD will auch bei der zukünftigen Ausstrahlung ihrer HDTV-Programme via DVB-T2 weiterhin an 720p als Sendeformat festhalten. „Für die ARD steht das derzeitige Ausstrahlungsformat 720p nicht in Frage“, teilte NDR-Sprecherin Ilka Steinhausen auf Anfrage mit. Die ARD hat zwar die Absicht erklärt, via DVB-T2 mit dem HEVC/H.265-Codec auch HDTV-Programme auszustrahlen. In welchem Umfang dies geschehen wird, will man aber derzeit noch nicht sagen: „Wie die konkrete Programmbelegung und die Ausstrahlungsqualitäten gestaltet werden steht jedoch heute noch nicht fest. Dies ist auch nicht notwendig, da bis zum Start 2016/17 noch genügend Zeit ist“.

Die Bundesregierung setzt darauf, so schnell wie möglich die bisherigen DVB-T-Ausstrahlungen im 700 MHz-Band einzustellen und diese Frequenzen ebenso wie das bereits für LTE genutzte 800 MHz-Band für den Mobilfunk umzuwidmen. Die ARD unterstützt mit ihrem gestrafften Zeitplan die Ausbaupläne der Bundesregierung zur Breitbandversorgung, setzt sich derzeit aber dafür ein, dass diese Frequenzen noch bis zum Abschluss des Umstieges auf DVB-T2 (bis Mitte 2019) für den Rundfunk zur Verfügung stehen. Zumindest für den Simulcast wird das 700-MHz-Band zwingend benötigt.

Dieser Auffassung ist auch Holger Meinzer, Leiter der Business Unit „TV“ beim Sendenetzbetreiber Media Broadcast: „Nach unseren Planungen ist ein Start der DVB-T2-Einführung Mitte 2016 möglich, was allerdings noch keine Aussage über die Abschaltung von Programmen im bisherigen Standard zulässt. Aktuell finden auch insofern noch Abstimmungen mit verschiedenen Marktteilnehmern statt. Die Landesmedienanstalten engagieren sich hier stark bei der Koordinierung eines abgestimmten Konzeptes zur Einführung von DVB-T2. Je nach Ausgang dieser Gespräche wird es dann Klarheit darüber geben, wann welche Kapazitäten auf DVB-T2 umgestellt werden. Allen Beteiligten ist dabei an einem verbraucherfreundlichen Prozess gelegen, um die breite Akzeptanz von DVB-T bei fast 5 Mio. TV-Haushalten in Deutschland auch für DVB-T2 zu sichern und noch weiter steigern zu können“.

Bei vorzeitiger Aufgabe des 700 MHz-Bandes müsste ein harter Umstieg auf DVB-T2 ohne Simulcastphase erfolgen. Für DVB-T2 sollen zukünftig weiterhin die Frequenzen 470 – 694 MHz im UHF-Bereich zur Verfügung stehen.

In welchem Umfang der Wechsel von DVB-T in MPEG2-Standard-Auflösung auf DVB-T2 mit HEVC/H.265-Komprimierung auch zu einem größeren Programmangebot in HDTV führen wird, ist auch bei Media Broadcast derzeit noch offen, wie Holger Meinzer erklärte: „Die Zahl der HD-Programme, die auf der neuen Plattform übertragen werden, steht aktuell noch nicht fest. Dies ist gegenwärtig noch Gegenstand regulatorischer, geschäftlicher und technischer Abstimmungen mit den Marktpartnern.  Wir gehen jedoch davon aus, dass durch die Verbindung von DVB-T2 und dem neuen Kodierstandard HEVC pro Kanal mehr Programme in HD als in der heutigen Technologie in SD möglich sein werden. Unser Pilotversuch ab Herbst diesen Jahres wird hier Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Hardware geben. Generell gilt also: Die Zahl der Programme, die via DVB-T übertragen werden, erhöht sich signifikant, und das Angebot wird selbstverständlich auch Sender im HD-Standard umfassen“.

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass in England bei „Freeview HD“ bis zu fünf HDTV-Sender auf einem DVB-T2-Kanal übertragen werden. Dort wird ebenso wie bei „SimpliTV“ in Österreich das Angebot in H.264 komprimiert. Da die HEVC/H.265-Komprimierung im Vergleich zu H.264 noch einmal die erforderliche Bandbreite halbieren soll, könnten theoretisch in der Kombination DVB-T2/HEVC rund 10 HDTV-Programme auf einem Kanal empfangbar sein und somit DVB-T2 gerade für Haushalte mit einem Kabelanschluss, wo nicht einmal alle frei empfangbaren HDTV-Sender von ARD und ZDF eingespeist werden, zukünftig eine Alternative darstellen. Allerdings wird dies auch davon abhängen, wieviele Frequenzen überhaupt insgesamt für DVB-T2 zur Verfügung stehen werden, wenn zukünftig das derzeit noch genutzte 700 MHz-Band nicht mehr genutzt werden kann. In vielen Regionen funken die derzeitigen DVB-T-Sender noch zu einem beträchtlichen Teil im 700 MHz-Band, so dass hier Einschnitte in der Verfügbarkeit von Frequenzen für DVB-T2 wahrscheinlich werden. Und da die Privatsender auch noch auf die Verschlüsselung ihrer HD-Sender setzen, kann man nur bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern mit einem freien DVB-T2-Empfang rechnen.

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