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Apple Music-Start mit begrenztem Angebot? Indie-Labels kritisieren langen Gratis-Test (Update)

Apple Music

Am 30.06.2015 will Apple seinen Musik-Streaming-Service „Apple Music“ starten. Doch es könnte sein, dass Apple zunächst ohne die Musik vieler kleiner Plattenfirmen auskommen muss. Denn unter den Indie-Labels macht sich Unmut über die Konditionen von Apple breit. Drei Monate lang sollen Interessenten Apple Music zunächst gratis testen können – und wenn in in dieser Woche bekannt gewordene Informationen zutreffen, die Plattenfirmen in dieser Zeit auch zunächst kein Geld erhalten. Als Ausgleich dafür will Apple den Labels nach den drei Monaten etwas mehr als im die im Branchendurchschnitt 70 % der Einnahmen zahlen. Wie Apple-Manager Robert Kondrk, der die Verträge mit den einzelnen Musik-Labels für Apple ausverhandelt, gegenüber Re/Code erklärte, sollen in den USA 71.5 % des Umsatzes und in anderen Ländern durchschnittlich 73 % an die Rechte-Inhaber der Musik gehen.

Doch einzelne Indie-Labels wollen nicht drei Monate auf Einnahmen verzichten, da sie befürchten, dass sich der Start von Apple Music ohnehin negativ auf ihre Einnahmen aus dem iTunes-Verkauf auswirken wird. Die „American Association of Independent Music“ A2IM empfiehlt daher ihren Mitgliedern, sich nicht mit einem Vertragsabschluss mit Apple zu beeilen. Da man davon ausgeht, dass viele Musik-Fans das Test-Angebot direkt ab Ende Juni nutzen werden, sieht man bei der A2IM keinen Anreiz für kleine Labels, vor dem 1. Oktober ihre Musik bei Apple Music anzubieten.

Auch ausserhalb der USA stößt Apple auf Hürden: Andy Heath von der britischen Lobby-Gruppe UK Music erklärte dem britischem Telegraph, ihm sei bislang noch kein britisches Independent-Label bekannt, welches die Bedingungen von Apple akzeptiert habe. Im Unterschied zu den drei großen Labels, die bereits mit Apple Verträge unterzeichnet haben, sind die Margen bei den kleinen Anbietern oft geringer, weil dort weniger Top-Acts unter Vertrag stehen, die für sichere Einnahmen sorgen und sie Einnahme-Ausfälle von drei Monaten aufgrund der laufenden Kosten nicht einfach überbrücken können.

Auch andere Streaming-Dienste haben eine kostenlose Testphase. Diese ist aber meist gerade einmal einen Monat lang und wird z.B. von Spotfy auch bezahlt.

Wenn Apple Music am 30. Juni startet, darf man daher gespannt sein, wie umfassend das Musik-Angebot sein wird und ob es Apple bis dahin gelingt, noch weitere Labels unter Vertrag zu nehmen.

In Deutschland wird das Abo voraussichtlich für eine Einzelperson 9,99 EUR im Monat oder 14,99 EUR für ein „Famlienabo“ kosten, welches von bis zu sechs Personen genutzt werden kann.

Das „Apple Music“-Abo umfasst eine Streaming-Flatrate mit einer Bitrate von voraussichtlich 256 kbps, iTunes Match und einer Offline-Wiedergabefunktion. Zusätzlich gibt es mehrere Radio-Kanäle mit verschiedenen Themengebieten. Der u.a. von dem BBC Radio 1-DJ Zane Lowe moderierte 24 Stunden-Sender „Beats 1“ wird auch für Nicht-Abonnenten kostenlos sein. Ebenso wird auch die Künstler-Plattform „Connect“, auf der Künstler neue Songs oder Videos präsentieren können, Benutzern ohne Abo mit leichten Einschränkungen zur Verfügung stehen.

„Apple Music“ startet zunächst als App für iOS-Geräte und wird auch in ein Update von iTunes integriert. Eine  „Apple Music“-App für Android soll im Herbst kommen.

Update: Auch in Deutschland äußern Plattenfirmen jetzt ihren Unmut über die Apple-Geschäftsbedingungen. In einem offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook kritisiert der Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT), dass Apple kein Startup sei sondern in der Lage sein dürfte, die Plattenfirmen und Künstler bereits innerhalb der dreimonatigen Testphase zu bezahlen. Nicht die Künstler sollten das Risiko des Starts von „Apple Music“ tragen. Der Verband tritt mit seinen Forderungen ziemlich selbstbewusst auf: Nach Angaben von VUT-Chef Jörg Heidemann sollen die Mitglieder rund 35 % des Musikmarkts in Deutschland ausmachen.

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