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„Analog True Definition Television“: Das „High End“-Fernsehen startet im Mai (Update)

Nach der Abschaltung der analogen Satelliten-TV am 30. April 2012 werden die deutschen Kabelnetzbetreiber ihren Kunden auch weiterhin das gewohnte TV-Angebot im analogen Kabel bieten. Doch damit nicht genug: Erklärtes Ziel einiger Kabelanbieter ist es, die Attraktivität des analogen Kabels noch weiter zu steigern. Daher wurde in den letzten Monaten mit "Analog True Definition Television" (ATDTV) eine neue Technik für den analogen Kabelanschluss entwickelt, mit der gleich mehrere deutsche Kabelnetzbetreiber die Bildqualität noch einmal deutlich erhöhen wollen.

Ein mit der Angelegenheit vertrauter Insider, der an der Entwicklung von ATDTV beteiligt ist aber ungenannt bleiben wollte, zog den Vergleich zur Renaissance der Langspielplatte, die in den letzten Jahren trotz CD und MP3 wieder Aufwind bekommt. "Fernsehbilder sind ähnlich wie Musik nicht einfach beliebige Zahlen sondern Schwingungen, die einen natürlichen Ursprung haben. Während die digitalen Formate DVD-Audio und SACD inzwischen bedeutungslos sind, erlebt die LP gerade den zweiten Frühling und genau deswegen wollen wir unseren Kunden dieses originalgetreue Erlebnis auch beim analogen Fernsehen bieten".

Während Kunden mit Satellitenempfang ab Mai nur noch digitale Bilder sehen können und dafür auch einen digitaltauglichen Receiver benötigen, lässt sich ATDTV am Kabelanschluss mit jedem Fernseher mit bewährtem Analog-Tuner nutzen. Insbesondere Röhrenfernseher, die wegen ihrer hohen Farbtreue und dem exzellenten Schwarzwert immer noch so manchen Flachbildschirm übertrumpfen, können mit ATDTV ihre Stärken ausspielen. Bislang umfasst das ATDTV nur das gewohnte analoge TV-Angebot. Sollte ATDTV beim Kunden gut ankommen, so ist man auf eine Ausweitung des Senderangebots um weitere analoge Kanäle bereits vorbereitet. Zum derzeitigen Zeitpunkt ist noch nicht genau bekannt, welche Kabelnetzbetreiber ATDTV anbieten werden.

Das Herzstück von ATDTV sind modernste Bildverarbeitungsmethoden, die das analoge TV-Signal in Echtzeit optimieren. Dazu wird direkt an die Kabelanschlussdose eine spezielle ATDTV-Box angeschlossen. Diese verfügt über einen IP-Rückkanal über den Referenzdaten abgerufen werden. Dabei wird das Bildsignal, welches beim Zuschauer ankommt, direkt mit dem Signal aus den Playout-Centern der deutschen TV-Sender verglichen. Der in die ATDTV-Box eingebaute Quad Core-Grafikprozessor ersetzt dann automatisch die Bildpunkte, die aufgrund von Störungen auf dem Signalweg fehlerhaft ankommen mit dem Referenzwert.

Das optimierte Bild wird dann über den integrierten analogen Signalgenerator auf einem UHF/VHF- oder Kabel-Sonderkanal übertragen. In die ATDTV-Box ist eine Bewegungserkennung ähnlich Microsofts "Kinect" integriert. Über einen externen Sensor an der Decke erkennt die ATDTV-Box automatisch anhand der Fingerbewegungen auf der Fernbedienung, auf welchen Sender der Kunde gerade umschalten will, wählt entsprechend das zu optimierende Programm aus und ersetzt das überarbeitete Programm direkt auf der gleichen Frequenz auf der der Sender übertragen wird. Der Kunde bekommt davon überhaupt nichts mit. Selbst der Umschaltvorgang ist genau der gleiche da für den Empfang der bewährte Analog-Tuner zum Einsatz kommt.

Zur Installation muss der Kunde nur einmal durch seine auf dem Fernseher abgespeicherten Programme durchzappen und die ATDTV-Box erkennt mit Hilfe des Sensors automatisch welcher Sender auf welchem Programmplatz des Fernsehers abgespeichert ist. Eigens entwickelte Algorithmen optimieren ausserdem die Schärfe in Abhängigkeit von der Bildschirmgröße und dem Betrachtungsabstand des Benutzers. Im Rahmen des Pilotprojekts konnten die meisten Tester bei Blindtests auf einem 32 Zoll-Bildschirm aus einem Abstand von sechs Metern kaum einen Unterschied zwischen dem ATDTV-Bild auf einem Röhrenfernseher und einem HDTV-Bild auf einem Full HD-Bildschirm erkennen.

Auch auf den guten Ton wird natürlich viel Wert gelegt. Dieser wird über den IP-Kanal der ATDTV-Box im gerade von audiophilen Kennern geschätzten FLAC-Format übertragen und von hochwertigen Burr Brown-Wandlern als analoger Stereo-Ton decodiert. Sämtliche Bild- und Tonsignale sind mit Laufzeitinformationen versehen, die dafür sorgen, dass Bild- und Ton absolut synchron laufen. ATDTV ist auch multimedia-tauglich: Die Box ersetzt ebenso Darstellungsfehler in Videotext-Seiten.

Auch ausserhalb der High End-Szene sieht man für ATDTV Potential. Denn aufgrund der Anbindung an ein dediziertes Hochgeschwindigkeits-Datennetz mit geringer Latenz funkioniert die komplexe Technik ohne merkliche Verzögerung. Das ist z.B. beim Fußball vorteilhaft: Denn während Zuschauer mit Satellitenempfang erst eine bis zwei Sekunden zu spät sehen, wenn ein Tor fällt, sind ATDTV-Kunden wirklich fast live dabei.

Die ATDTV-Box kann für 9,90 EUR im Monat pro TV-Gerät mit einer Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren gemietet werden. Aus Gründen des Signalschutzes wird das ATDTV-Signal verschlüsselt. Die entsprechende Smartcard können Kunden für 9,90 EUR im Monat pro TV-Gerät nutzen. Hinzu kommen die regulären Kosten für den Kabelanschluss. Zum Start der Vermarktung gibt es ein spezielles Paket zu Sonderkonditionen: Wer ATDTV an gleich zwei Anschlüssen in seinem Haushalt erleben will, bekommt das zweite Smartcard/ATDTV-Paket in den ersten vier Wochen mit einem Rabatt von 25 Prozent. Die Installation sowie jährliche Einmessung des Systems kostet 99 EUR.

In Vorbereitung ist auch bereits eine ATDTV+ Box. Dies ist zusätzlich mit einem Festplattenrecorder mit vergoldeten Anschlüssen ausgestattet, der im verlustfreien Motion-Bitmap-Verfahren aufnimmt. Da die großen Hollywood-Studios einer verlustfreien ungeschützten Aufzeichnung nicht zustimmen würden, müssen die Aufnahmen allerdings erneut verschlüsselt werden und dürfen auch nur ohne Unterbrechnung abgespielt werden. Daher können auch Werbeblöcke nicht übersprungen werden.

Die enormen Entwicklungskosten für ATDTV will man neben den direkten Einnahmen aus den Kabelhaushalten auch durch eine Lizensierung des Systems wieder hereinholen und setzt dabei auch auf Interessenten aus dem Ausland. Denn diese Spitzentechnologie Made in Germany könnte nach Auffassung der beteiligten Kabelnetzbetreiber zu einem Exportschlager werden.

Ein Hindernis könnte allerdings die geringe Verbreitung des analogen Fernsehens in vielen Ländern sein, die schon früher das Digitalfernsehen einführten. Ausserdem sind auch die analogen Röhrenfernseher mit großen Bilddiagonalen nur noch selten im Handel zu finden. Daher wird bereits über eine Kooperation mit einer bekannten Traditionsmarke nachgedacht, die entsprechende Röhren-TVs mit integriertem ATDTV-Modul anbieten könnte.

Update: Der Start von ATDTV wurde kurzfristig auf den 1. April vorgeschoben. Aufgrund einer Strategieänderung der Investoren wird das Angebot allerdings vorerst nur für Kunden auf den deutschen Halligen nutzbar sein.

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