Erste Digitalreceiver für DVB-T erhältlich

28.06.2002

Bis 2010 soll in Deutschland nach optimistischen Planungen die komplette TV-Übertragung digitalisiert werden. Während in den meisten Bundesländern erst 2002/2003 überhaupt terrestrische Ausstrahlungen in DVB-T in größerem Umfang beginnen, soll in Berlin sogar schon bis Ende 2003 die komplette TV-Ausstrahlung auf DVB-T umgestellt werden und das analoge Fernsehen eingestellt werden. Bereits jetzt sind in Berlin rund 20 TV-Programme und mehrere Radiosender via DVB-T zu empfangen. (Siehe Infos bei www.garv.de). Ein weiterer, wenn auch nicht ganz so umfangreicher Modellversuch findet derzeit in Niedersachsen entlang der Autobahnstrecke zwischen Braunschweig und Bremerhaven statt (www.dvb-t-nord.de). Während diese Ausstrahlungen bislang mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, gibt es jetzt auch die ersten Empfänger, mit denen sich DVB-T-Programme auch für Otto Normalverbraucher empfangen lassen:

Als einer der ersten Hersteller überhaupt liefert nämlich jetzt die Firma Digenius ihren DVB-T-Receiver "tvbox T" in Deutschland aus. Der Receiver ist als reiner Free TV-Empfänger ausgelegt und wird mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 199 EURO angeboten. Der Receiver soll alle Programmparameter selbständig finden und somit lästige Eingaben von einzelnen Übertragungsparametern ersparen. Das Gerät ist mit zwei SCART-Buchsen ausgestattet, die sich auch auf RGB und S-Video einstellen lassen sollen. Eine zweite SCART-Buchse ermöglich das Durchschleifen anderer Geräte. Einen Digitalausgang gibt es bei diesem Gerät nicht. Dafür bietet es Funktionen wie OSD-Teletext, ein voll ausgebautes DVB-EPG inklusive Tagesübersichten und Genreanzeige sowie einen Timer für bis zu 12 Aufnahmen. Updates lassen sich über eine serielle Schnittstelle einspielen. Der Haken bei diesem Gerät ist allerdings, dass der Digenius-Receiver bislang nur das UHF-Band unterstützt. Da aber später auch das VHF-Band für DVB-T-Übertragungen genutzt wird und dort nach Feldstudien die Empfangsbedingungen sogar günstiger sind, ist dieser Receiver hierfür zunächst nicht nutzbar. Digenius will allerdings in ca. einem Monat das Gerät auch mit VHF-Empfangsmöglichkeit ausliefern und für zuvor gekaufte Geräte ein Hardware-Upgrade anbieten.

Auch Nokia wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte mit dem Mediamaster 210 T einen hierfür erforderlichen Digitalreceiver anbieten, mit dem man dann DVB-T bereits mit einer Zimmerantenne empfangen können soll. Neben Free TV-Programmen ist das Gerät durch sein Common Interface auch offen für mögliche Pay TV-Programme. Unterstützt wird die anamorphe Bildwiedergabe in 16:9. Das Bild kann über SCART in RGB abgegriffen werden, im Gegensatz zu den meisten SAT-Receivern bietet der Mediamaster aber auch einen HF-Generator. Der Ton kann auch über einen Digitalausgang ausgegeben werden. Betriebssystem-Updates sollen über das Internet möglich sein. Hierfür ist der 210 T mit einer seriellen Schnittstelle ausgestattet. Eine Preisangabe liegt für den Nokia nicht vor. Es soll derzeit auch noch einige Probleme geben, die die Markteinführung verschieben könnten.

Der Preis des Digenius-Receivers dürfte hier allerdings schnell Druck auf die anderen Hersteller anbieten. Denn die Preisvorstellungen der meisten Anbieter für ihre Erstlinge lagen bisher meist eher bei 300-400 EURO. Ab August will auch der Lübecker Anbieter Galaxis erste DVB-T-Receiver anbieten. Von weiteren Firmen sind auch in den nächsten Monaten DVB-T-Receiver zu erwarten.

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