Test: Logitech Harmony MX-1000 Touchscreen Fernbedienung
(Datum -
LM )
Maniküre für Technikfreaks: während Menschen mit
besonders hohem kosmetischem Anspruch gerne eine professionelle
Beauty-Behandlung für ihre Finger an Anspruch nehmen,
verwöhnt der technikaffine Heimkinoanwender seine Gliedmaßen
mit gänzlich anderen Methoden: eine edle Fernbedienung mit
hochwertigen Materialien, optisch dekadenter Anmutung und einer
hervorragenden Haptik mitsamt berührungssensitivem Display steht
bei vielen hoch im Kurs. Doch die anfänglich groß
erscheinende Auswahl entsprechender Geräte entpuppt sich bei
näherer Betrachtung als ein immer kleiner werdender
Kandidatenkreis: Geräte mit Farbdisplays sprengen schnell das
Budget und liegen preislich zumeist knapp unter 1000 Euro und viele
Alternativen schrecken den künftigen Besitzer mit einer
komplizierten Einrichtung oder einem altbackenem Design ab. Schlechte
Aussichten, die Controllerflut auf dem Wohnzimmertisch durch eine edle
Touchscreen-Fernbedienung zu ersetzen, zumal in den meisten Fällen
ja auch für den Familienrat einige handfeste technische Vorteile
mit einhergehen müssen, um die Investition von einigen hundert
hundert Euro durchzubringen.
Seit kurzer Zeit auf dem deutschen Markt, könnte die Logitech
Harmony 1000 eine interessante Lösung darstellen. Der schicke
Controller bietet einen 8,9 cm Touchscreen Farb-TFT, bringt einen Akku
mitsamt Ladeschale mit und soll mit seinen inneren Werten
überzeugen können. Der Hersteller verspricht die völlige
Kontrolle über ein Heimkino mit bis zu 15 integrierten
Geräten, eine "unglaubliche" Kompatibilität auf Basis einer
Internet-Programmierung (Datenbank umfasst 175.000 Geräte) und
soll auch für Gelegenheitsanwender dank Aktivitätstasten
(Makros) einfach zu beherrschen sein. In Anbetracht dieser Eckdaten
scheint die UVP in Höhe von 399 Euro durchaus angemessen, zumal
sich der Straßenpreis nicht selten um die 300 Euro einpendelt.
Wir haben uns das neue Fernbedienungs-Flaggschiff von Logitech einmal
genauer angesehen und in unserem Referenz Heimkino-System
ausführlich getestet.
Verarbeitung/Lieferumfang:

Da macht Auspacken richtig Spaß...

Logitech versteht es, den Apetitt
schon bei der ersten Kontaktaufnahme zu schüren

Verschiedene
Kartonelemente sind mit Klettband versehen und präsentieren den Inhalt in
seiner schönsten Form.

Zum Paket der Fernbedienung gehört folgende Ausstattung:
- Grundgerät
- Akku
- Ladeschale inkl. Netzteil
- USB-Kabel zur Datensyncronisation
- Softwarepaket mit minimaler Print-Anleitung
Die Harmony 1000 wird quer gehalten. Im rechten Bereich stehen
insgesamt 13 Hardkeys zur Verfügung, die sich auf ein
Navigationskreuz, zwei Schaltwippen sowie einzelnen Knöpfen
verteilen. Links oben befindet sich der Power-Button.

Die Materialauswahl wirkt erlesen und hochwertig. Die
Hauptbedienelemente bestehen aus einer Aluminiumschicht, die
Rückseite ist angenehm gummiert.
Hauptmerkmal der Harmony 1000 ist zweifelsohne das knapp 9cm
große Farbdisplay. Es hinterlässt einen hervorragenden
Eindruck und lässt sich von verschiedenen Blickwinkeln problemlos
ablesen. Sämtliche Schriften und Symbole sind klar zu erkennen und
weisen einen guten Kontrast auf. Sowohl die Helligkeit als auch die
Beleuchtungsdauer lässt sich in vielen Stufen justieren.
Bei Dunkelheit lässt sich nicht nur das Display problemlos
ablesen, sondern auch die Hardkeys. Hierfür sorgt eine blaue
Umleuchtung sämtlicher Tasten, welche sich parallel zum Display in
mehreren Schritten dimmen lassen.

Rund um das Touchscreen-Display verbindet eine sorgfältig eingefügte
Kunststoffschicht die verschiedenen Sektionen der Fernbedienung.

Der IR-Sender sitzt links vorne und ist
elegant in das Gehäuse
integriert. Der Streuwinkel erweist sich in der Praxis als sehr
groß, so dass man nicht direkt auf die Geräte zielen muss,
um einen Befehl ausführen zu lassen. Insbesondere bei Projektoren
und Makros, die mehrere Komponenten ansprechen, erweist sich dies als
großer Vorteil. Am rechten Gehäuserand befindet sich der
Mini USB EIngang. Dieser wird von einer kleinen Kunststoffkappe
verdeckt.
Die Harmony ist sehr dünn und leicht gehalten, was die Ergonomie deutlich fördert.

Größenvergleich mit anderen Controllern.
technische Features / Einrichtung:
Die Grundauslegung der Harmony ist relativ klassisch zu verstehen. Sie
kontrolliert bis zu 15 Geräte und steuert diese per Infrarot oder
Funk. Die letztgenannte Signalübetragung dient dazu, in
Kombination mit dem Harmony RF Wireless Extender (optionales
Zubehör für ca. 100 Euro) auch ohne direkte Sichtverbindung
mit den Geräten zu kommunizieren. Der Wireless Extender wandelt
die Funksignale in Infratorbefehle um und sendet diese an Geräte
in anderen Räumen oder in Schränken. Mit normalen
Baumarkt-Funksteckdosen kann die Harmony hingegen genausowenig anfangen
wie mit dem Funksystem unserer Alphaluxx-Motorleinwand. Wer die
Fernbedienung für eine Lichtsteuerung nutzen möchte, sollte
sich beim Zubehörspezialist "JB-Media" umschauen, der eine Reihe
von Lichtsteuerungssystemen anbietet, dessen Funkcodes in der Logitech
Datenbank vorhanden sind. Ein Einzeltest dieser Produkte finden sie
übrigens schon in Kürze auf AREADVD.

Sprachbegabung wird bei Logitech sehr hoch eingestuft...
Die Einrichtung und Konfiguration erfolgt komplett per PC. Die
beigelegte Software funktioniert sowohl mit Microsoft ab Windows 2000
oder Apple OS X 10.3. Auf unserem 64-Bit Vista PC stürzt die
Software bei der Datenübertragung gerne mal ab, mit Windows XP
hatten wir bis dato jedoch keinerlei Probleme. Die
Menüführung bei der Installation sollte auch
Gelegenheitsanwender nicht überfordern. Nach dem Anlegen eines
Userkontos bringt sich das Programm per Internetupdate auf den neuesten
Stand und fängt dann sogleich an, die Konfiguration des Heimkinos
abzufragen.

Diese Abfrage bedient sich aus einer umfangreichen Datenbank, die
angeblich 175.000 Geräte individuell hinterlegt hat. Doch nachdem
sogar unsere exklusive High-End Vorstufe Audionet Map1 mit allen
Sonderbefehlen funktionsfertig zur Verfügung steht, sind wir guter
Dinge, dass auch die meisten anderen Kunden auf diese Weise zu einer
erfolgreichen Einrichtung gelangen werden. Die Datenbank
beschränkt sich dabei übrigens nicht nur auf
HiFi-Komponenten, sondern beinhaltet ebenfalls Klima- und
Lichtsteuerungen verschiedener Anbieter (jeweils diejenigen, die per IR
angesprochen werden können). Sollte dennoch ein bestimmter Befehl
nicht verfügbar sein, ist auch das Anlernen von IR-Signalen
anderer Fernbedienungen möglich. Auf diese Weise sollte die
Harmony 1000 letztendlich in der Lage sein, wirklich jeden
IR-Befehl wiedergeben zu können. Geräte die über
Bluetooth angesprochen werden, wie zB. die Playstation3, können
natürlich trotzdem nicht gesteuert werden.
Direkt nach der Einrichtung der einzelnen Geräte steht die
Konfiguration der Makros auf dem Plan. Im Gegensatz zu vielen anderen
Controllern steht bei Logitechs Harmony Serie diese Funktion stets im
Mittelpunkt und ist weit mehr als nur eine optional benutzbare
Dreingabe. Ganz im Gegenteil: wer bislang keine Makros genutzt hat und
daher auch künftig ohne auskommen will, wird mit der Harmony 1000
von Anfang an auf Kriegsfuss stehen. Die zentrale Bedienstruktur sieht
die Makros als Dreh- und Angelpunkt der Bedienung. Die Geräte
können über Umwege zwar auch direkt angewählt und
dementsprechend bedient werden. Alleine schon die lieblose grafische
Aufmachung und wirre Verteilung der Befehle macht schnell klar, dass
die Geräte-Ordner eigentlich nur als Datenbank für die Makros
dienen. Stattdessen sollte man sich den Abläufen der Makros
genauer widmen. Nach Ablauf der Befehlsketten kehrt die Harmony
nämlich nicht wieder zum Ausgangspunkt zurück, sondern stellt
eine grafische Oberfläche zur Verfügung, die auf die aktuell
selektierte Aktion maßgeschneidert passt. So begrüßt
einen zB. nach Auswählen der "DVD-schauen" Funktion eine
Oberfläche zur Navigation und Bedienung des Players, nebst
Extra-Bildschirm auf den man zugehörige Funktionen wie zB. die
DSP-Selektion des AV-Receivers legen kann. Wer dies richtig angelegt,
wird nur für sehr seltene Befehle auf die klassische Bedienung mit
der Geräteauswahl zurückgreifen müssen.


Um die "Passgenauigkeit" der Makros zu optimieren, erlaubt die
PC-basierte Einrichtung vielerlei Einstellungen, wie wir sie ansonsten
kaum von anderen Geräten kennen. Die Software schlägt nach
der Geräteeinrichtung verschiedene Makros vor und geht mit dem
Anwender die jeweiligen Einstellungen schrittweise durch.
Nachträglich können immer noch Änderungen wie
Zusatzbefehle (zB. Lichtsteuerung) eingebaut werden, und auch die
Reihenfolge der Befehle sowie Verzögerungszeiten lassen sich
individualisieren. Insgesamt steuert die Harmony bis zu 15
Geräte mit der gleichen Anzahl an Makros. Dies reicht auch
für sehr umfangreiche AV-Anlagen, eine Auslegung für mehrere
AV-Zonen bietet sie hingegen leider nicht. Sowohl in der Software als
auch direkt in der Fernbedienung finden sich eine "Hilfe-Funktion" und
kann bei akuten Problem (zB. Lautstärkeregler soll vom Plasma-TV
auf Vorstufe gelegt werden) schnell und einfach Abhilfe verschaffen.
Trotz (bzw. gerade wegen) der vielen Funktionen ist die perfekte
Einrichtung der Harmony alles andere als eine schnell erledigte
Angelegenheit. Rechnen Sie durchaus mehrere Tage intensiven Nutzens,
Versuchens und Programmierens ein, ehe alles zu Ihrer Zufriedenheit
läuft. Die Harmony kann zwar viel mehr, als fast jede andere
Fernbedienung, doch zur vollen Ausschöpfung ihres Potentials muss
man viel Geduld mitbringen.
Praxiserfahrungen:
Manche Touchscreen-Fernbedienung machen nur solange Spaß, wie
man sie nicht benutzt: hakelige Bedienung und träge Navigationen
haben schon in vielen Fällen dafür gesorgt, dass
entsprechende Fernbedienungen schon nach kurzer Zeit verstauben und der
Anwender lieber zu den originalen Controllern greift. Dieses Schicksal
bleibt der Harmony 1000 erspart. Der Touchscreen arbeitet sehr exakt,
feinfühlig und schnell. Es passiert so gut wie nie, dass er einen
Tastendruck falsch versteht und nicht den richtigen Befehl sendet. Auch
das Umschalten zwischen verschiedenen Ebenen geschieht flott (auch wenn
es nach dem Geschmack des Benutzers natürlich nie schnell genug
gehen kann...). Dasselbe können wir von den Hardkeys berichten,
welche einen klar definierten Druckpunkt aufweisen und somit einen
klaren Feedback über den erfolgten Tastendruck von sich
geben.
Unsere High-End Anlage ist bei Harmony 1000 in besten Händen.
Die Harmony 1000 ist leider nicht in der Lage bidirektional mit
einem AV-System zu kommunizieren, um sich etwa die dort eingestellten
Parameter geben zu lassen. Aber sie merkt sich durchaus, in welchem
Status sich das System gerade befindet. So kann man auch hintereinander
verschiedene Makros ausgeben, ohne dass die Fernbedienung durcheinander
kommt und verschiedene Geräte irrtümlich ein- oder
ausschaltet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit kamen wir mit dem
Bedienkonzept hervorragend klar und möchten es nicht mehr missen.
Lediglich die teilweise etwas hakelige Lautstärkeregelung bei
einigen Receivern lässt erkennen, dass die Harmony beim Senden von
permanent gleichen Befehlen (in diesem Fall: Volume Up) nicht ganz den
Fluss einer Originalfernbedienung bieten kann. Hin und wieder stockt
der Volume-Regler dann halt eben doch einmal.
Unzufrieden sind wir nu an manchen sekundären Punkten. So
wünschten wir uns eine größere
Personalisierungsfreiheit. Das Hintergrundbild lässt sich frei
auswählen, aber sowohl die Makro- noch die Gerätesymbole sind
fest vorgegeben. Immerhin lassen sich beide Kategorien frei benennen,
dafür sind jedoch nur die Makros in der
Reihenfolge verschiebbar. Beim Aufladen ertönt die ersten
Sekunden ein nerviges grellen Fiepen, ehe der Bildschirm abschaltet und
die akustische Belästigung aufhört. Ansonsten sind wir von
der Harmony sehr begeistert.
Fazit:
Wer schon immer ein Faible für noble Farb-Touchscreen
Fernbedienungen hatte, wird um die Harmony 1000 wohl kaum herumkommen.
Die grundlegenden Vorteile von Knopf- und Touchscreen Controllern
kann aber auch die Harmony 1000 nicht vereinen. Was Faktoren wie die
Alltagstauglichkeit in Bezug auf Geschwindigkeit,
Schmutzunempfindlichkeit oder Ergonomie (1-Hand Bedienung) betrifft,
ist zB. eine OneforAll Kameleon8 klar im Vorteil. Doch der
Coolness-Faktor und der Spaß an der Bedienung liegt mit der
Harmony 1000 deutlich höher. Durch die Dockingsstation mitsamt
Akku, dem großen Speicher für 15 Geräte und den
fortgeschrittenen Integrationsmöglichkeiten (RF-Extender,
komplexere Lichtsteuerung) gewinnt die Logitech Fernbedienung auch
mehrere technische Kapitel für sich. Deswegen wird auch unser
High-End Heimkino fortan von dem edlen Logitech-Controller gesteuert.
Wenn man bedenkt, dass die große Harmony vielerorts schon
für um die 300 Euro angeboten wird, kommen wir nicht umher, ihr
ein besonders attraktives Preis-/Leistungsverhältnis zu
attestieren.
Hervorragender Touchscreen-Controller für große AV-Anlagen.
Ideal für Anwender, die etwas Besonderes zum günstigen Preis wollen
Logitech Harmony 1000
Universalfernbedienung , UVP 399 Euro
Test: 29.August 2007
Preis-/Leistung:          
+ Touchscreenfunktion arbeitet zuverlässig und genau
+ Akku und Ladestation im Lieferumfang
+ sehr große Gerätedatenbank mit individuellen Gerätecodes
+ mit RF-Extender erweiterbar für Steuerung von versteckten Komponenten
+ einfache Einrichtung bzw. Konfiguration
+ viele einstellbare Makrofunktionen
+ unbekannte IR-Codes können manuell erlent werden
+ edle Optik und Haptik
+ für das Gebotene sehr preiswert
- langwierige Konfiguration notwendig, bis alles perfekt abgestimmt ist
- Gerät ist auf eine Bedienung mit beiden Häden gleichzeitig konzipiert
- keine Multi-Zonen Unterstützung integriert
- steuert ausschließlich per IR (bzw. Funk per RF Extender) kein WLAN, kein Bluetooth
- Konfiguration muss zwingend per PC erfolgen und setzt USB und Internetanschluss vorraus
Text:
Lars Mette
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