FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006   

Genre

Sportspiel / Fussball

Vertrieb

Electronic Arts

Preis

59.99 EUR

VÖ-Termin

27. April 2006

USK-Freigabe

freigegeben ohne Altersbeschränkung

Multiplayer

4 Spieler an einer Konsole / online bis zu insgesamt 2 Spieler

Auflösungen  

480p, 720p, 1080i
Sprachen komplett deutsch

Mal abgesehen von der Diskussion über leidige Steuererhöhungen, bestimmt vor allem die heute startende Fußball-Weltmeisterschaft die momentane Medienlandschaft. Ob Fernsehreportage, Werbung oder Sammelbildchen: König Fußball ist allgegenwärtig. Was für manch sport-uninteressierten Zeitgenossen die nächste Zeit zu einer kleinen Qual macht, beschert dem Fußballfan DAS Highlight der zurück- sowie vorliegenden Jahre. Doch Fußball lebt nicht nur vom passiven Betrachten bei Bier und Chips. Wer keine Lust (oder körperliche Eignung) für die Betätigung im örtlichen Fußballverein aufbringen kann, darf nun zumindest virtuell am Spiel mit dem runden Leder teilhaben: EASports brachte vor kurzer Zeit die WM-Edition zum heimischen Sportereigniss in die Konsolen aller Sportfreunde. Ob Ur-XBOX, PS2, PC, Gamecube oder die von uns getestete XBOX360 Version, das Spiel obliegt einer ungemein großen Erwartungshaltung. Auch der Hersteller steht unter Zugzwang, müssen doch die intensiven Werbemaßnahmen wieder hereingeholt werden. Auf Microsofts aktueller Edel-Konsole konnte der Vorgänger (FIFA - Road to the World Cup) in manchen Punkten gefallen, doch insbesondere der Spielumfang und Teile der Spielmechanik überzeugten uns nicht restlos. Andererseits hat EA im Verlauf der letzten Jahre regelmäßig mit herausragenden Adaptionen dieses Sports geglänzt, so wie beispielsweise im Jahr 2002 mit der damaligen WM-Edition.

Schauen wir uns das Game einmal genauer an, und beantworten wir die bange Frage, ob es seinem Ruf als Titelaspirant gerecht wird, oder schon in der Vorrunde an den Konkurrenzgames überraschend scheitert.

Gameplay: 

Die erste Kontaktaufnahme im Hauptmenü hinterlässt ein gutes Gefühl. Die Anzahl der Spielmodi beschränkt sich nicht nur auf die WM-Endrunde in Deutschland, sondern erlaubt auch die Durchführung einer kompletten WM-Qualifikationsrunde. Je nach erzielten Spielerfolgen sind die vielfältigen Spielmodi auswählbar. Unserer Meinung nach ein guter Ansatz, um den Spieler nach einer erfolgreich durchgespielten WM noch Freude mit dem Spiel zu bieten. Der drößte Kritikpunkt des Vorgängers wurde damit schon einmal ausgemerzt. Die EA-Programmierer beschränkten sich erfreulicherweise nicht darauf, "nur" die WM Stadien originalgetrau umzusetzen, sondern integrierten ca. 1 dutzend der weltweit bekanntesten Fußball-Arenen. Die Detailtreue aller Spielerorte ist beeindruckend gelungen, auch Details, wie der zentral über dem Spielfeld, per Seilen befestigte Videowürfel, in der Frankfurter Commerzbank-Arena, oder die blaue Tartanbahn im Berliner Olympiastadion, finden sich in der virtuellen Welt wieder.

Die Präsentation bzw. Aufmachung der Spiele geriet EA-typisch sehr bild- und effektgewaltig. Dank schöner Kameraschwenks über Spielfeld und die jubelnden Zuschauer, zieht die mitreißende WM-Atmosphäre in das eigene Heimkino ein. Nette Details wie interessante Infos zu den jeweiligen Ländern (während der kurzen Ladepausen) lockern die Präsentation auf. Doch obwohl die dichte Atmosphäre zweifelsohne zu den großen Stärken dieses Spieles gehört, möchten wir an diese Stelle an 2 Punkten Kritik üben: wenn schon die Kamera alle Spieler vor dem Anpfiff in Nahaufnahme beim "Spalierstehen" zeigt, wäre es ein nettes Detail, hier auch die entsprechenden Nationalhymnen erschallen zu lassen. Stattdessen hört der Spieler jedesmal die gleiche, heroisch trommelnde musikalische Untermalung. (Diese hört sich glücklichweise nicht mehr ganz so sehr nach militärischem Exekutionskommando an, wie noch beim Spiel zur WM2002) Der zweite Kritikpunkt betrifft auch wieder nur ein kleines Detail: eine effektvolle Inszenierung ist ja schön und gut, doch wenn während eines Spieles permanent dutzende Luftballons und Feuerwerkseffekte zu sehen sind, ist dies einfach nur reichlich übertrieben. Davon abgesehen ist es einfach nur unrealistisch, wenn riesige Nationalflaggen auch während des Matches permanent ganze Ränge bedecken. Wollen die virtuellen Zuschauer etwa nicht das Spiel sehen ? Nun gut, zugegeben, mehr als ein kleines Haar in der Suppe stellen beide Kritikpunkte definitiv nicht dar. Und - eine übetrieben inszenierte Darstellung ist bei einer Fußball-WM Umsetzung auf jeden Fall besser, als langweilige Animationen, die ein adäquates Niveau zum Abschneiden unserer Elf bei der EM-2004 darstellen würden.

Aber auch außerhalb des Fußballplatzes fährt EA große Geschütze auf, um die Konsoleros zu begeistern. Ein ausgeklügeltes Punktesystem und Herausforderungen (z.B. mit 4 Toren Vorsprung zu gewinnen), belohnen den Spieler für gute Leistungen (unter anderem sind Spieler wie Franz Beckenbauer freischaltbar). Im übrigen gibt es nicht nur Punkte, für Herausforderungen, die "zufällig" während eines regulären Matches bewältigt wurden. Wer will, kann spezielle Missionen auswählen, wo es dann zum Beispiel gilt, bei noch 20 restlichen Spielminuten aus einer Rückstand noch einen Sieg zu machen. Die insgesamt erzielten FIFA-Punkte, schalten nicht nur die offiziellen XBOX-Points frei, sondern auch neue Trikots, Spielmodi etc.

Zwischen den Spielen einer WM bekommt der Spieler neben statischen Informationen zu seiner Mannschaft auch unterhaltsame, andere Deteils geboten. So gibt es zwei WM-Magazine, und zahlreiche (gedruckte) Kommentare ausgeschiedener, oder erfolgreicher Trainerkollegen.

Sämtliche Spielernamen und deren Konterfeis entsprechen selbstverständlich den realen Daten. Da das Spiel lange vor der Nominierungsfrist programmiert wurde, konnte z.B. Klinsmanns überraschende Berufung von David Odonkor nicht berücksichtigt werden. Ansonsten gibt sich der Kader relativ aktuell, zumal vor Antritt einer WM von einem ca. 30 Spieler umfassenden, erweitertem Kader ausgewählt werden darf. Schalke-Fans dürfen also den schmollenden Kevin Kurani wenigstens im virtuellen Aufgebot berücksichtigen, und wer Angst hat, dass Jens Lehmann auch in der WM-Endrunde fleißig rote Karten sammelt, stellt kurzerhand den Torwart-Titanen Oliver Kahn wieder in den Kasten - auch wenn es ihm mit einem Weizen-Gebräu zusammen mit "Weißbier-Waldi" auf der Bank wohl momentan auch ganz gut gefällt...

Spielmodi, Aufmachung und Originalspieler sind aber nur nebensächliche Attribute eines Fußballspiels. Die Spielmechanik bzw. das eigentliche Gameplay bestimmen den Großteil des Spielspaßes. FIFA WM-2006 lässt sich zwar nicht grundlegend anders steuern, doch gegenüber "RTWC" spielte es sich  etwas flexibler und weniger steif. Dank übersichtlicher und eingängiger Bedienung sind Doppelpässe und Tacklings recht einfach zu bewältigen, Profis können fortgeschrittene Moves anwenden, indem das rechte Steuerkreuz und die Shoulder-Buttons noch mit eingebunden werden. Die Dosierung der Schusskraft ist bei Fernschüssen nach wie vor sehr schlecht, und auch Freistösse lassen sich nur sehr selten zum Torerfolg nutzen. Das Gameplay ist so ausgelegt, dass fleißiges Passspiel im Mittelfeld mit einem überraschendem Steilpass am ehesten zu einer Chance wird. Solos und Distanzschüsse sollte man hingegen besser nicht versuchen. Die Computergegner sind auch im niedrigen Schwierigkeitslevel so zweikampfstark, dass man mit einem Stürmer kaum eine Chance hat, an einem Abwehrspieler vorbeizukommen. Sollte dann der Gegner in Ballbesitz sein, so resultieren daraus häufig (für den Spieler) nervige Momente: statt dem Ball einem Gegenspieler zu spielen, schlägt der angegriffene CPU-Spieler Haken, wie ein Feldhase! Teilweise rennt dieser 20 Meter mit dem Ball im Mittelfeld herum, und dreht sich dabei so schnell und unüblich um die eigene Achse, dass Hape Kerkeling von "Let`s Dance" neidisch werden könnte. Wir haben diesem Treiben oftmals mit einer beherzten Grätsche ein Ende setzen müssen, und dafür gelbe und rote Karten kassiert. Spaß macht FIFA natürlich trotzdem, denn die Spiele bieten viele Torraumszenen und sind ungemein unterhaltsam. Insbesondere die fordernde Schusstechnik beim Elfmetertechnik sorgt für schweißnasse Hände und spannende Fußballabende.

Der Spielspaß per XBOX Live konnte uns indes nicht überzeugen: selbst mit einer schnellen DSL Leitung haben wir desöfteren mit starken Rucklern zu kämpfen gehabt, teilweise wurden wir ohne Vorwarnung auch vom Server rausgeworfen. Vor einem Online-Spiel kann nach Staaten und Schwierigkeitsgraden ausgewählt werden, wer will startet auch ein Spiel nach eigenen Regeln (Halbzeitlänge, Schwierigkeit, Abseits, Karten etc.) zusammenstellen. Auf Wunsch ist es vor dem Anstoss möglich, dass Spiel als Ranglistenmatsch auszutragen.

Grafik: 

FIFA WM-2006 kann grafisch größtenteils überzeugen. Die Spieleranimationen sind flüssig und nicht abgehakt, und dank der hohen Detaillierung ihrer Gesichter, ist der Wiedererkennungswert sehr hoch. Die Stadien können ebenfalls überzeugen und wirken gegenüber dem Vorgänger in Bezug auf Texturqualität und Farbgebung realistischer. Der größte Kritkpunkt des Vorgängers "RTWC" trat bei "WM-2006" während unserer Tests kaum noch auf: störendes Ruckeln findet sich nun auch in den Abschlags-/Einwurf und Wiederholungssequenzen nur noch sehr gelegentlich. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass EA in zwei Aspekten grafisch etwas nachgelassen hat: die gezielte Nutzung der Tiefenschärfe fehlt ebenso, wie der detaillierte Rasen. Speziell Letzteres stellt bei WM-2006 einen großen Rückschritt dar: wo beim Vorgänger noch einzelne Grashalte zu erkennen waren, wirkt die Rasenfläche im aktuellen Spiel eher wie eine grüne, verfilzte Fläche.  Wirklich sehr schade, denn bei einer Nex-Gen Konsole, sollte man ein ruckelfreies Gameplay eigentlich nicht durch grafische Einbussen realisieren...  Der Unterschied zwischen HDTV- und PAL Darstellung ist so groß, dass viele Fußballfans (neben der Premiere-HD Übertragung) nun noch ein zweites Kaufargument für einen schicken Plasma-TV bekommen. Mit der 576er PAL Auflösung verliert das Spiel deutlich an grafischem Charme und Begeisterungsentfachung. Unsere Wertung bezieht sich daher auf die HDTV-Version.

Sound: 

Danke EA !!!! Die zum Teil unsäglich dämlichen Kommentare des Vorgängers bleiben uns glücklicherweise bei "WM-2006" erspart. Doch wer denkt, dass nun Grund zur uneingeschränkten Freude besteht, dürfte schon nach ein paar Minuten eines Besseres belehrt sein. Die beiden Kommentatoren versprühen den Spaßfaktor und die Emotionalität einer Steuererklärung. Zudem sind viele Statements schlichtweg falsch. Beispielsweise wird ein herausgespieltes Tor als erfolgreicher Einwurf tituliert, nur weil 3 Minuten vorher der Ball vom eigenen Spieler eingeworfen wurde. Anderes Beispiel: der Torwart hält nach 10 Minuten einen einfach geschossenen Schuss des gegnerischen Stümers. Obwohl dies der erste Angriff überhaupt, und zudem noch ungefährlich war, attestiert der Kommentator dem Torwart Weltklasse-Leistungen, der seine Gegner heute zum Verzweifeln bringt. Abgesehen von den inhaltlichen Schwächen, stören wir uns zudem noch an der technischen Qualität des Kommentatoren-Duos: vermutlich wollten die Sound-Programmierer bei EA den Charme von Herbert Zimmermann's legendärem WM-Final-Kommentar von 1954 einfangen, zumindest ist die kratzig, übersteuernde Sprachausgabe über den Centerkanal fast auf dem Niveau eines alten Transistor-Radios. Man gewöhnt sich zwar nach ein paar Spielminuten an die üble Sprachqualität, aber wer in einem High-End Heimkino sitzt, wird sich von den Programmierer ziemlich veralbert vorkommen.

Die weiteren Effekte bewegen sich auf gutem FIFA-üblichem Niveau, wobei wir uns mehr Differenzierung auf den Rearkanälen wünschen. Hier wären ein paar zusätzlich, einzeln herausgestellte Klangdetails sehr empfehlenswert gewesen, zumal sich der Zuschauer-Applaus eher am Meeresrauschen, denn an einer frenetisch feiernden Menschenmasse orientiert. Im Übrigen würden wir EA gerne fragen, warum die deutschen Fans während einer WM im eigenen Land ständig "Auswärtssieg" rufen ?! Gut hingehen ist die Einbindung der Musik in den Hauptmenüs, als auch die Gesamt-Surroundkulisse während der Spielpräsentationen. Und sogar unsere A.C.T. Subwoofer dürfen kurz zeigen, was in Ihnen steckt. Der Zoom auf die WM-Ausstragungsstädte und diverse Feuerwerkseffekte beeinhalten sogar ein wenig Tiefbass. Unterm Strich aber leider nur Mittelmaß, in akustischer Hinsicht hat uns "FIFA-RTWC" besser gefallen.

Fazit:

Unsere holländischen Freunde werden zwar sowieso nicht Weltmeister, doch es lohnt sich trotzdem, die neue FIFA WM-Edition in das XBOX360-Laufwerk zu legen. Peinlichkeiten, wie der geringe Spielumfang und das infantile Reporterduo leistet sich "WM-2006" nur bei der großangelegten Werbekampagne, und bietet insgesamt viel Spielspaß. Überraschendweise entpuppte sich die neue Version, in technischer Hinsicht, als nicht in allen Belangen besser, wie der Vorgänger. Doch bei den entscheidenden Tugenden, haben die EA-Programmierer zugelegt. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt dieses Mal aus zwei Gründen: einerseits bietet Fifa WM-2006 mehr Spielspaß und -Umfang, andererseits befindet sich der Straßenpreis bei ca. 55 Euro (Vorgänger 70 Euro). Trotz unserer Kritikpunkte können wir den Kauf dieses Spieles wegen des Spielspaßes und der gut eingefangenen Atmosphäre empfehlen - bleibt nur zu hoffen, dass die deutsche Nationalmannschaft auf dem echten Rasen noch mehr Grund zur Freude bieten wird, und das Spiel nicht nur als Frustbewältigung herhalten muss. In diesem Sinne wünschen wir nicht nur den Konsoleros viel Spaß beim Zocken, sondern unserem Team auch viel Erfolg bei der WM !



GUT/BEFRIEDIGEND
XBOX360 Games: Sportspiel
Test: 9.6.2006
Preis-/Leistung:

+ tolle Stadionatmosphäre
+ Langzeitmotivation durch verschiedene Spielmodi und freischaltbare Features
+ Grafik kann auf HDTV-Geräten trotz Kritikpunkten gefallen
+ original Spieler-/Mannschaftsdaten
+ einfach erlernbares Spielsystem

- Kommentatoren reden oft am Spiel vorbei und nerven
- gegnerisches Verhalten ist nicht realistisch, wenn in Ballbesitz
- zu geringe Aussichten auf Torerfolg bei Distanzschüssen


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Wir wollen nicht die Ersten, sondern die Kritischsten sein: Unsere Testkriterien

Text und Test: Lars Mette

8.6.2006

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