".. oben wird die Luft eben immer dünner..." ist eine typische
Verkäufer-Phrase, wenn der Kunde nach einem Grund für
unverhältnismäßig hohe Aufschläge
von
Luxusartikeln fragt. Andererseits ist das Ausschöpfen der
letzten
Reserven tatsächlich fast immer mit einem
überproportionalen Aufwand verbunden - sei es bei einem
Fahrzeug
vom Schlage eines BMW M3 CRT oder einem fulminant bestückten
High-End Lautsprecher.
Die schwedische Newcomer-Marke XTZ (unseren Lesern bestens
bekannt durch den 99W12.18ICE
Subwoofertest vom 23.Juni 2010) schickt sich an, jene
Gesetzmäßigkeiten gründlich auf den Kopf zu
stellen.
Dank einer Kombination aus kosteneffizienter Fertigung in Fernost,
hohen Stückzahlen sowie schlankem Vertrieb, sind die
Skandinavier
in der Lage, ein Lautsprecher-Flaggschiff mit extremen
Materialaufwand auf den Markt zu bringen,
welches gefühlte
10.000 Euro unter dem marktüblichen Preisniveau liegt.
In Zahlen bzw. Fakten ausgedrückt:
- 3-Wege Konstruktion
- Visaton Keramik Hochtöner,
- Seas 25cm Aluminium Woofer
- original Thiel (Accuton®) Keramik Mitteltöner
- aufwändiges Gehäuse mit über 70kg Gewicht
- Tri-Wiring Anschlussterminals mit zahlreichen Möglichkeiten
zur Feineinstellung
- vorbereitet für aktiven und passiven Betrieb
Die wohl beeindruckendste Zahl findet sich am Preisetikett,
denn
für ein Paar dieser Lautsprecher ruft XTZ gerade einmal 5.000
Euro
auf. In Relation zum Materialaufwand vergleichbarer Mitbewerbermodelle
stellt die XTZ-Offerte fraglos eine absolute Kampfansage dar.
Aktuell
gibt es die Divine 100.49 (so die offizielle komplette Bezeichnung) als
Standlautsprecher in hochglanz schwarz sowie Nussbaum
Furnier; für die Zukunft sind passende
Surroundlautsprecher
eingeplant. Wir sind sehr gespannt,
ob der XTZ-Lautsprecher seine überragende Papierform auch in
die
Praxis umsetzen kann und werden ihn sowohl mit preisgleichen, als auch
teureren High-End Schallwandlern vergleichen.
Verarbeitung/Design
technischer Aufbau
Die XTZ Divine 100.49 ist als
klassischer
3-Wege Lautsprecher konzipiert. Die beiden Tieftöner werden
über ein Bassreflexsystem ventiliert, wobei der Hersteller
diesbezüglich über zwei mitgelieferte Pfropfen viele
verschiedene Feinabstimmungsmöglichkeiten anbietet. Die
verhältnismäßig breite Schallwand hilft
dabei, das
Rundstrahlverhalten im Mittelhochtonbereich zu reduzieren. Durch die
stärkere Bündelung in Richtung Hörplatz
werden
(gegenüber einem schlanken LS-Modell) weniger Raumechos
generiert,
weshalb eine grundsätzliche Tendenz zur
Abbildungsschärfe
gegeben sein sollte, während auf künstliche
Räumlichkeit verzichtet wird.
Wie im Video bereits
erläutert, ist
die Schallwand außerdem leicht schräg gehalten. Auf
diese
Weise minimiert XTZ das Groupdelay zwischen den verschiedenen Treibern.
Musikfreunde, die sich an den einzelnen Abdeckgittern stören,
können jene Schutzvorrichtungen an den beiden Bass-Chassis
abnehmen - bei den empfindlichen Keramikmembranen des Mittel- sowie
Hochtöners ist dies nicht möglich. Zum
Schutz unseres
Teppichbodens haben wir bei den Fotoaufnahmen auf die Montage der
mitgelieferten Spikes verzichtet - im Normalfall sollte man
die Divines jedoch damit ausstatten, um eine bessere
Ankopplung zu
erreichen (bezogen auf Teppichböden).
Im Inneren gibt sich die Divine genauso imposant und
kompromisslos,
wie von außen: die massiven MDF-Wände weisen eine
Materialstärke von bis zu 9cm auf,
außerdem
sorgen zahlreiche Horizontalversteifungen (siehe Bild) für
eine
hohe Verwindungs-/Vibrationsresistenz. Die Seitenwände messen
28mm, sind aus zwei verschiedenen MDF Lagen gefertigt,
hochfest
miteinander verleimt und für zusätzliche
Verwindungssteifigkeit zusätzlich noch gebogen.
Bei der Frontschallwand
kommen ebenfalls
zwei verschiedene MDF-Schichten zum Einsatz, die es zusammen auf eine
Dicke von 38mm bringen. Aber auch an jeder anderen Stelle
zeugt die
Divine von einem immensen Materialaufwand: der Gehäusedeckel
besteht aus 30mm starken MDF und wird von Querstreben
zusätzlich
stabilisiert, bei der Rückseite sowie dem Sockel kommen je
zwei
MDF-Schichten mit einer Gesamtstärke von 90mm bzw.
75mm zum
Einsatz.
Insgesamt besitzt die Divine vier getrennte Kammern
für Chassis
und Frequenzweiche. Die Baugruppen stören sich somit in Bezug
auf
Wechselwirkungen (z.B. Luftdruck) wesentlich weniger.
Außerdem
kann jede Kammer speziell für die jeweiligen
Bedürfnisse in
Bezug auf Volumen und Dämmmaterial abgestimmt werden. Die
gemeinsame Kammer für beide Bass-Chassis besitzt beispielweise
gleich drei Sorten von Akustikwolle, um bestmöglich
mit den
beiden unterschiedlich abgestimmten Bassreflexrohren zu harmonieren.
Ein
Sonderlob verdient sich die interne Verkabelung für die
gebotene
Materialqualität (Kabel, Stecker, Lötstellen etc.)
als
auch die saubere Verlegung/Integration in das Gehäuse.
Im Bassbereich kommen zwei
25cm Treiber vom skandinavischen Anbieter SEAS zum Einsatz.
Jene Woofer
besitzen
eine weich aufgehängte Membran aus reinem Aluminium. Der Korb
ist
gleichermaßen leicht
sowie strömungsoptimiert gefertigt
und soll in Kombination mit dem starken Magnet einen
exakten
Antrieb ohne störende Luftreflektionen/-strömungen
gewährleisten. Wie bereits zuvor erwähnt, setzt XTZ
eine
ausgeklügelte Kombination verschiedener
Dämmmaterialien (darunter sowohl syntethische wie
auch
organische Produkte) ein, um eine bestmögliche Abstimmung in
Bezug
auf Bassgeschwindigkeit, Tiefgang sowie Resonanzverhalten zu erhalten.
Das technologische
Aushängeschild
des XTZ Flaggschiffs stellt
zweifelsfrei der original C173-6-090 Keramiktreiber von
Thiel&Partner dar. Er zählt zu den weltweit besten
Komponenten
seiner Art und ist dementsprechend in einigen der absoluten
Referenzlautsprechern zu finden (wie z.B. die Isophon Arabba).
Die
Membran ist dünner als eine Eierschale und muss daher
zwingend
von
dem fest installierten Gitter geschützt werden.
Zu den Vorteilen von
"richtigen" (schließlich gibt es ja auch noch
Keramikbeschichtungen) Keramiktreibern:
obwohl Membranen auf Basis von Papier schon
seit Jahrzehnten von vielen verschiedenen Alternativen
abgelöst
werden sollten (z.B. aus Kunststoffen, Kohlefaser oder Kevlar) konnten
sie sich im Laufe der Zeit nicht nur im Mainstream-Bereich behaupten,
sondern sich in weiterentwickelten Versionen (spezielle Beschichtungen)
auch im High-End Segment einer großen Beliebtheit erfreuen.
Generell geht es bei Membranen immer darum, grundverschiedene
Materialeigenschaften gleichzeitig bieten zu können. Steife
bzw.
harte Membranen sind für die Wiedergabe von tiefen Frequenzen
ideal, resonieren und bündeln aber bei mittleren bis hohen
Frequenzen zu schnell. Weiche Membranen kämpfen wiederum mit
anderen Problemen und sind nicht in der Lage, einen
kräftigen "Punch" mit Nachdruck und Kraft
wiederzugeben. Dazu
kommen noch
Einbußen hinsichtlich der Dynamik, so dass das Klangbild dazu
neigt, etwas müde zu klingen. Keramik gehört zu den
steifen Werkstoffen, weist aber in keinster Weise die gravierenden
Probleme von Metallmembranen auf, da es bei gleicher Steifheit sehr
viel leichter ist. Störende Resonanzen treten hingegen erst in
Bereichen auf, die ansonsten Metallmembranen aufweisen.
Selbstverständlich müssen diese natürlich
auch bei einem Keramikchassis per Filter unterdrückt werden,
so dass der Frequenzweiche eine besondere Bedeutung zukommt.
Die hauchdünne
Keramikmembran wird
von einem leistungsfähigen Antrieb gesteuert. Durch
die
Nutzung von kleinen, hochfesten Streben als Korbaufhängung
zeichnet sich dieses Chassis außerdem durch einen besonders
niedrigen Strömungswiderstand aus. Die zwei schwarzen Punkte
(siehe vorletztes Bild) werden schon vom Hersteller implementiert und
bewirken eine Optimierung des Eigenresonanzverhaltens.
Vollkeramikmembranen sind
akustisch
höchst transparent - durch die dünne Membran gelangt
der
Schall aus dem Boxengehäuse wesentlich stärker bzw.
lauter
zum Hörer, als z.B. bei Aluminium- oder Polypropylenchassis.
Deswegen fällt dem Gehäuseaufbau sowie der
Dämmung eine
besondere Rolle zu. Die XTZ Ingenieure haben dem Mitteltonbereich
deswegen eine eigene Kammer zur Verfügung gestellt. Diese ist
in
V-Form (Verminderung interner Resonanzen durch Vermeidung paralleler
Wände) gehalten und mit verschiedener Dämmwolle
versehen, um
bestmögliche Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
Auch im Hochtonbereich
haben sich die
schwedischen Entwickler nicht lumpen lassen. Die Divine
verfügt
über den KE 25 SC Keramiktreiber aus dem Hause Visaton, der
ebenfalls als absolute Referenzkomponente bekannt ist. Sie
verfügt
über einen Membrandurchmesser von 25mm, einer
Polkernbohrung
mit strömungsgünstigen Rundungen und einer
belüfteten
Schwingspule. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass dieser
Treiber
über eine magnetische Abschirmung sowie aufwendige
Dämpfung
verfügt. Das festinstallierte Schutzgitter trägt
einen
akustischen Tiefpass, mit dem sowohl das Eigenresonanzen
über 25 kHz, als auch das Rundstrahlverhalten verbessert
werden.
Beim Blick auf das
Anschlusspanel
dürfte so mancher Technikfan feuchte Augen bekommen:
die
Divine bietet nicht nur eine äußerst (!)
hochwertige
Verarbeitung, sondern schöpft zugleich auch in Bezug auf die
Funktionalität aus dem Vollen. Über die drei
oberen Steckbrücken lassen sich folgende Justagen vornehmen:
- Hochtöner: neutral oder angehoben (+3dB)
- Mitteltöner: neutral oder abgesenkt (-2dB)
- Bass: neutral oder angehoben (+3dB) (zusätzlich
gibt es
noch die Feinabstimmungsmöglichkeit über die beiden
Bassreflex-Pfropfen)
Auf diese Weise lässt sich die Divine in Bezug auf ihren
Frequenzgang umfangreich auf den Hörgeschmack bzw.
Aufstellung/Raumakustik anpassen. Sofern man auf diesem Niveau
überhaupt von Kritik sprechen darf, so würden wir uns
bei
künftigen Modellversionen lediglich eine etwas sanftere
Abstufung
wünschen (3dB ist schon ein sehr großer Schritt).
Doch in
Anbetracht der Mitbewerbermodelle, die zumeist auf
solche Funktion
verzichten, sollte man der Divine dieses Detail nicht
übermäßig ankreiden.
Als weitere Besonderheit verfügt das XTZ-Flaggschiff
über
Tri-Wiring-Terminals - und davon sogar gleich zwei Stück! Auf
diese Weise kann man die Divine (wie gewohnt) als Passivlautsprecher
betreiben, während das untere Anschlussfeld für eine
Nutzung
als aktiv betriebene Box vorgesehen ist. Die Steckbrücken im
mittleren Bereich werden dann entfernt und bewirken eine komplette
Umgehung der Frequenzweiche, so dass jedem Lautsprecher über
das
entsprechende Anschlussterminal vollkommen direkt zugespielt werden
kann. Die Funktion der Frequenzweiche kann (bzw. muss) im
Verstärker erfolgen, was mannigfaltige
Abstimmungsmöglichkeiten offenbart.
Selbstverständlich sollte
man dabei bedenken, dass jene Lösung nur für absolute
Kenner
in Betracht zu ziehen ist, da man bei falschen Einstellungen sehr
schnell Gefahr läuft, die Chassis (besonders den
Mitteltöner)
zu beschädigen. XTZ arbeitet übrigens bereits an
einem
DSP-bestückten Stereo Vollverstärker für
unter 2.000
Euro, mit dem eine aktive Steuerung der Divine für
verhältnismäßig wenig Geld
möglich ist.
Die Frequenzweiche an sich,
befindet
sich direkt hinter dem Anschlusspanel in einer eigenen Kammer, wo sie
vor Resonanzen/Vibrationen geschützt ist. Laut Hersteller
kommen ausschließlich besonders hochwertige Bauteile zum
Einsatz,
um die Signale unverfälscht und zeitrichtig weiterzugeben. Die
Trennpunkte liegen bei 250 sowie 2500 Hertz mit einer akustischen
Flankensteilheit
von 18dB. Wir sind gespannt, wie diese Konzeption in der Praxis
aufgeht, da fast alle anderen Lautsprecher zwischen Tief- und
Mitteltonbereich schon im Bereich von 400 Hertz trennen. Die
XTZ-Lösung hat somit zwar den großen Vorteil eines
breitbandig genutzten (hervorragenden) Mitteltöners, zwingt
ihn
aber somit aber auch, in auslenkungsintensiveren Bereichen zu spielen.
Mit einem guten Wirkungsgrad von 89dB, sollte das Betreiben
dieser
riesigen Lautsprecher in der Praxis unkomplizierter sein, als
bei
manchen
Kompaktlautsprechern.
Wir sind sehr gespannt, was unsere Praxiserfahrungen zeigen werden.
Die wichtigsten technischen Daten in der Zusammenfassung
(Herstellerangaben)
Modell / Stückpreis
XTZ Divine 100.49/ 2.500 Euro
Aufbau
3 Wege Bassreflex Standlautsprecher
Chassisbestückung
1x KE 25 SC Keramikkalotte, Visaton
1x C173-6-090 Keramikmembran, Accuton
2x L26RFX/CP Tieftöner, SEAS
Frequenzumfang
keine Herstellerangabe
Impedanz
4 Ohm
max. Leistungsaufnahme
450 Watt Sinus / 900 Watt Impuls
Abmessungen
123,0 x 42,3 x 60,0 cm (H,B,T)
inkl. Spikes und Sockel
Gewicht
69 Kilogramm
Besonderheiten
Feinabstimmung für Bass, Mitten und
Höhen
Tri-Wiring Terminals
aktiver + passiver Betrieb möglich
Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch
optimiert.
Praxiseindrücke:
Beim Hörtest sorgten die beiden Divines für
große Freude - die hochwertige Technik ist den Lautsprechern
sofort anzuhören: insbesondere im Mitteltonbereich fasziniert
der typische "Accuton-Keramik-Chassis-Klang" mit seiner unnachahmlichen
Transparenz sowie dem extrem feingliedrigen Klangcharakter. Der
Hochtonbereich spielt bei den XTZ-Lautsprechern mit
großer Klarheit und Prägnanz. In Bezug auf das
Detaillierungsvermögen harmoniert er exzellent mit dem
Accuton-Mitteltöner. Die XTZ-Flaggschiffe gehören
dabei
nicht zu den Lautsprechern, die sich im HT-Bereich einer
seidig/zurückhaltenden Spielweise verschrieben haben, sondern
fokussieren eine ungebremste Informationstiefe mit hoher
Strahlkraft. Diesbezüglich können wir uns
vorstellen,
dass die
Mehrzahl der Hörer (speziell diejenigen mit großen,
halligen Räumen) von einer Höhenabsenkungsoption mehr
Nutzen hätten, als von der vorhandenen +3dB
Anhebungsmöglichkeit.
Unabhängig davon,
präsentieren sich die Testprobanden mit einer gut
ausbalancierten Tonalität. Speziell in
größeren Räumen (>35 m²),
etwas
stärkerer Bedämpfung spielen sie sehr
natürlich auf. Sollte man nicht in der Lage sein, mindestens
ca. 1,5 Meter Abstand von der Rückwand einzuhalten, erweist
sich der Einsatz der Schaumstoffpfropfen als vorteilhaft. Wenn man den
Divines in Bezug auf die Aufstellung die nötige
Aufmerksamkeit zuteil kommen lässt, belohnen sie ihren
Besitzer mit einer schlichtweg atemberaubenden Bass-Performance: selten
haben wir einen Lautsprecher mit solch einem Bassdruck erleben
dürfen, zumal sowohl Tiefgang als auch Präzision
ebenfalls auf
allerhöchstem Niveau liegen. Einzig der Übergang zum
Mitteltöner ist nicht ganz perfekt geraten, weil die beiden
Bass-Chassis ihrer Arbeit mit etwas mehr Volumen nachgehen, als der
tendenziell eher filigran spielende Mitteltonbereich.
Hinsichtlich der Klangdynamik begeistern die Divines besonders bei
grobdynamisch fordernden Stücken mit einer
sehr lebendigen Spielweise - während gleichzeitig
auch die feindynamischen Schattierungen auf einem hohem Niveau
umgesetzt werden. Die Raumabbildung fällt
unspektakulär - aber absolut korrekt aus: die Divines
produzieren keine künstliche Räumlichkeit und
beschränken sich darauf, die vorhandenen Rauminformationen
umzusetzen. Im Vergleich zu manch anderen Lautsprechern mag man daher
zunächst das Gefühl einer kleineren
Klangbühne erlangen, bei der sich die
Instrumente/Sänger etwas weniger vom Lautsprecher zu
lösen scheinen. Tatsächlich aber, spielen die Divines
einfach nur ehrlich - und wer sie mit Bedacht aufstellt (Sweetspot ist
durch die Bündelung relativ klein) darf sich über
eine ungeschminkte Bühnenstaffelung mit hoher
Ortungsgenauigkeit erfreuen.
Weitere Klangeindrücke sowie Markteinordnungen finden
Sie in
der
nachfolgenden "Klartext" Tabelle. Hier wird mit kurzen,
klaren
Sätzen vermittelt,
welche
Klangeigenschaften die Testgeräte mit den jeweiligen
Sequenzen an den Tag legen. Die Titel sind in Hinblick auf
verschiedene Klangaspekte ausgewählt. Damit sie deren
Besonderheiten
nachvollziehen können, haben wir diese im rechten Bereich der
Tabelle vermerkt. Das Ziel dieser kompakt gehaltenen Klangbeispiele
soll dazu beitragen, die Charakteristiken gleichzeitig
aussagekräftiger, vergleichbarer und effektiver zu vermitteln,
als
dies bei (lang) ausformulierten Einzelbeispielen
möglich ist. Die Beispiele beziehen sich auf, die von uns
präferierte Konfiguration, mit komplett neutral eingestellten
Steckbrücken, sowie einem geschlossenem BR-Rohr.
(sämtliche Angaben und Noten sind in Relation zur
Preis-/Geräteklasse zu betrachten !!)
Interpret: Alison Kraus
Titel: Down to the River to Pray
Album: A Hundred Miles or More
äußerst klare, direkte Spielweise
ohne jeglichen "Schleier" bzw. Schönfärberei.
Aufnahme wird sehr "offen" und unmittelbar umgesetzt. Auch der Chor im
Hintergrund ertönt mit einer exzellenten Differenzierung in
Bezug auf vokale Details sowie feindynamischer Ebenen. Dieser
Titel liegt dem Accuton-Mitteltöner schlichtweg.
Note 1
Die Stimme von Alison Krauss dient uns zur Ermittlung
der
Klangtransparenz. Der vorliegende Track kommt komplett (!) ohne
jegliche
instrumentale Arrangements aus und muss daher einzig über die
vokalen Elemente überzeugen. Zusammen mit der etwas
untergeordneten Begleitung ist eine Bewertung von Feindynamik und
Detaillierung im oberen Mittenbereich sehr gut möglich.
Interpret: ASP
Titel: Krabat (Club Version)
Album: Horror Vacui
Geigenspiel ertönt tendenziell
etwas scharf, dadurch fehlt es minimal an
Feinauflösung. Zupfinstrumenteneinsatz wird
sorgfältig herausgestellt und mit hoher
Präzision versehen. Beim Einsatz des Refrains liefern die
Divines ein beeindruckendes/wuchtig-knackiges Bassfundament mit viel
Volumen und hervorragender Dynamik
Note 2
atmosphärischer Song, dessen
anfängliches
Geigenspiel sehr schnell künstlich/überspitzt oder
auflösungsarm wirken kann. Die choralen Einsätze
müssen
"voll" und mehrstimmig/differenziert wiedergegeben werden.
Interpret: Britney Spears
Titel: whats like to he me
Album: Britney
Obwohl dieser Track so gut wie keinen
natürlichen Bezug herstellt und fast vollständig mit
synthetischen Elementen arbeitet, hat man mit den Divines sofort den
Eindruck, den Song perfekt zu hören. Die prägnanten
Synthie-Effekte, der treibende Bass meistern die Boxen genauso
mit Bravour, wie die Umsetzung der dynamischen Ebenen. Die
Raumabbildung fällt nicht automatisch extrem
weitläufig aus, dafür genießt man am
Sweetspot rasiermesserscharf platzierte Sounds.
Note 1,5
Weder Britney's Musik, noch die persönlichen
Eskapaden muss man
mögen - aber die Abmischung vieler Titel glänzt mit
einer
hervorragenden räumlichen Abmischung, die sich bei guten
Equipment
nicht nur vollständig löst, sondern (wie bei diesem
Stück) auch sehr direktional und präzise ortbar ist.
Interpret: Erich Kunzel
Titel: T-Rex
Album The Great Fantasy Adventure
Selbst ein Steinzeit-Dino in Fresslaune zwängt
die Divines nicht in die Knie! Die >20 Hertz Geräusche
werden fast komplett wiedergegeben - und das sogar extrem
präzise und kraftvoll bis in höchste Pegelregionen
ohne Strömungsgeräusche. Überraschenderweise
braucht man dafür nicht einmal unbedingt absolute High-End
Verstärker - kräftige Amps der Mittelklasse (z.B.
unser NAD C375BEE) lassen ebenfalls die Wände beben und
entfesseln mit den XTZ-Lautsprechern eine martialische Grobdynamik.
Note 1
Ein Saurier aus der Kreidezeit inmitten unserer bunt
gemischten Test-Tracks ? Nun - sonderlich viele musikalische Adjektive
vermag dieses Beispiel sicherlich nicht zu beantworten, doch
dafür
haben wir bei diesem Soundfile einen extrem ausgeprägten
Tiefbass
sowie Grobdynamik. Strömungsgeräusche,
Chassis-Anschlagen und
sogar -Brüche sind hier durchaus möglich.
Interpret: Iced Earth
Titel: Hold at all costs
Album: The gloriuos Burden
Die Umsetzung von Akustikgitarren war schon
immer eine DER Schokoladenseiten von Lautsprechern mit dem Accuton
Mitteltöner und macht auch die Divine keine Ausnahme.
Besser/präziser kann man das Ein-/Ausschwingen in der
vorliegenden Preisklasse nicht bekommen, zumal auch die weiteren
Klangelemente mit ihren jeweiligen Charakteristiken sehr authentisch
wiedergegeben werden.
Note 1
Episch - massiv und schlichtweg gewaltig: so muss "Hold
at
all Costs" erklingen. Der ungewöhnlich gute abgemischte
Heavy-Metal Song beinhaltet nicht nur offensive, "harte" Passagen,
sondern bietet auch gefühlvolle Elemente inkl. Akustikgitarre
und
chorale Elemente. Hier gilt es, die Balance zu wahren.
Interpret: Tanz der Vampire
Titel: Gott ist tot
Album: Soundtrack
Die reine Sprachauflösung bzw.
-verständlichkeit befindet sich zweifelsohne auf
Referenzniveau, allerdings vermissen wir etwas
Körperhaftigkeit in der Männerstimme. Für
eine perfekte Wertung wünschten wir uns außerdem
noch ein Quäntchen mehr Feindynamik bei den
Klavieranschlägen,
sowie Luftigkeit der Arrangements im Hintergrund. Insgesamt klingt das
schwierige Stück sehr gut und detailliert, aber minimal zu
analytisch. Hier klingen "weicher"/softer abgestimmte Lautsprecher
für unseren Hörgeschmack noch etwas
gefühlvoller.
Note 2
Dieser Mitschnitt vom bekannten Musical weist
einen
großen "Gänsehaut-Faktor" auf - wenn die Technik
mitspielt.... dafür muss die Sprachwiedergabe,
Klangnatürlichkeit und Dynamik stimmen. Im Idealfall wird der
Sänger komplett losgelöst, während die
begleitenden
Arrangements links und rechts im Raum aufgefächert werden und
minimal weiter vorne platziert sind. (exakt so - wie eben auch im
richtigen Musical)
Interpret: Combichrist
Titel: Like to thank my Buddies
Album: Everybody hates you
schnell, schneller, Divine: die trocken und exakt
konturierten Kickbässe fliegen uns im Hörraum in
einer derartigen Qualität entgegen, dass uns die Superlative
ausgehen! Generell fällt auf, dass diese Lautsprecher ungemein
schnell und flüssig spielen/detaillieren. Dadurch bleibt der
musikalische Fluss auf hohem Niveau erhalten. Außerdem
erweist sich die Hochtonabstimmung für diese Sorte von Musik
als vortrefflich, da die komplette Prägnanz der Effekte
erhalten bleibt. Zusammen mit der impulsiven Dynamik kann es hier nur
die Bestnote geben.
Note 1
typischer Dancefloor Titel im 4/4 Takt - dieser
elektronische Song gibt uns Aufschluss über die
Präzision im
Kickbassbereich, außerdem muss das Testgerät auch
die
Synthieeffekte schnell durchzeichnen und dabei luftig und offen
klingen. Der Hochtonbereich darf nicht künstlich "abgesoftet"
werden.
Interpret: Hans Zimmer
Titel: Davy Jones
Album: Soundtrack Pirates of the C. 2
Die Spieluhr zu Beginn des Stückes flutet in
kristallklarer Weise unseren Hörraum, auch die feinsten
Nebengeräusche werden exakt abgebildet. Orgel- und
Paukeneinsatz
ist geprägt von vortrefflichem/perfektem Tiefgang sowie
substanzvoller und zugleich akkurater Durchzeichnung. Selbst in den
komplexeren Passagen musizieren die Divines absolut souverän
und
bietet eine ausgezeichnete Klangtransparenz. Sogar bei hohen Pegeln
setzen die Lautsprecher sämtliche Grobdynamiksprünge
impulsiv
um. Die Klangbühne ist dabei etwas kleiner, wie bei den
meisten
anderen Lautsprechern, besticht dafür mit einer guten
Staffelung.
Note 1
Der Score aus dem zweiten Teil von "Pirates of
the
Caribbean" enthält im dritten Stück "Davy Jones"
gleich
mehrere Herausforderungen bereit und gilt deswegen
als
schwierigste Hürde unsere Parcours. Gefragt ist neben einer
guten
Detaillierung sämtlicher feingliedriger Aspekte (besonders am
Anfang) auch eine gute Umsetzung der dynamischen Sprünge bei
Laufzeit 1:14 und 1:43 ohne dabei die tonale Balance,
Auflösung
oder Raumabbildung zu vernachlässigen.
Markteinordnung:
Unserer
absoluten Lautsprecherreferenz (Isophon Arabba, Stückpreis
18.500
Euro) kommen die Divines in Teilbereichen überraschend nah:
insbesondere hinsichtlich Bass-Performance, Grobdynamik und
Detaillierungsvermögen, bietet das 5.000 Euro
Päärchen
ein weit überdurchschnittliches Klangniveau. Die ca. 7,5-fach
teueren schwäbischen Lautsprecher bieten in Bezug auf
die
Klangfülle im Mitteltonbereich, der Feindynamik und der
Feinauflösung schlichtweg noch ein bißchen
mehr. Vergleicht
man die XTZ-Lautsprecher hingegen mit Modellen mit Paarpreisen zwischen
5.000 und Preisbereich, distanziert sie ihre Mitbewerber teilweise in
erschreckender Weise. die modular aufgebaute Swans F2.2
(Stückpreis 3.000 Euro) wird speziell im
Mittel-/Hochtonbereich hinsichtlich der Auflösung
übertroffen, der Aurum Vulkan VIII
(Stückpreis 3.250
Euro) ergeht es ähnlich, wobei dieses Modell im HT-Bereich
generell softer abgestimmt ist und trotz vielgepriesenem
Druckkammer-System mit 320mm Tieftöner auch im Bassbereich
weder
an Tiefgang, Präzision und Pegelfestigkeit der Divines
heranreicht. Sowohl der Swans, als auch Aurum Lautsprecher spielen
subjektiv betrachtet, räumlicher und "wärmer",
während
die Divines einen größeren "Monitor-Charakter" mit
sich
bringen. Im Vergleich zur Nubert nuVero14 (Stückpreis 1.800
Euro)
punktet das schwäbische Flaggschiff durch eine
ebenbürtige
Bass-Performance , die sogar noch etwas trockener und linearer
ausfällt, als der leicht punchige Klangansatz der XTZ
Tieftonabteilung. Dafür bietet die Divine in Bezug eine
klarere
Strukturierung im Mittel/Hochtonbereich und zeichnet die
schärfere
Bühne im Hörraum.
Fazit:
die Divine macht absoluten High-End Lautsprechern (trotz ihres
Mitteltöners) zwar nur bedingt direkte Konkurrenz,
kann es
aber mit Mitbewerbern aufnehmen, die bis zum doppelten kosten.
Fazit:
Wir legen uns fest: mehr
Box fürs Geld gibt es in dieser Preisklasse nirgends.
Sicherlich kennen auch wir nicht alle Schallwandler dieser Welt, doch
in Relation zu den uns geläufigen Modellen, entuppt sich die
XTZ
Divine
schlichtweg als Kriegserklärung an den kompletten Markt. Was
hier an technischem Aufwand betrieben wurde und nun für 5000
Euro/Paar auf Musikfreunde losgelassen wird, dürfte bei
einigen
Mitbewerbern zu eilig einberufenen Krisenbesprechungen führen.
Das
XTZ-Flaggschiff befindet sich aber nicht nur wegen der
schieren
Materialschlacht in Bezug auf die Gehäuseverarbeitung auf der
Gewinnerstraße. Sie profitiert ebenfalls von
ihrer intelligenten Konstruktionsphilosophie, rings um einen
der
weltweit besten Mitteltöner einen herausragenden Lautsprecher
zu
bauen, der dank raffiniert zusammengestellter Komponenten
gleichermaßen hochklassig, aber auch bezahlbar ist. Obendrein
garniert XTZ sein Prunkstück noch mit einem Anschlussterminal,
dessen Klanganpassungsmöglichkeiten sowie
Variabilität neue
Maßstäbe setzen. Unserer Meinung nach, eignet sich
die XTZ
Divine deswegen vorwiegend für (hör)erfahrene
Anwender, zumal
auch die Aufstellung bzw. Raumakustik von großer Wichtigkeit
ist,
um das komplette Potential aus den Lautsprechern zu schöpfen.
In
klanglicher Hinsicht können die XTZ Divines ihr technisches
Potential in ein hohes Maß an Klangqualität
umwandeln und
spielen auf dem obersten Niveau der vorliegenden
Preisklasse. Ein
"Schönsprecher" mit der Tendenz zum weichzeichnen ist dieses
Modell dabei definitiv nicht - die grundlegende Klangcharakteristik ist
auf Ehrlichkeit, Detailreichtum und Geschwindigkeit getrimmt. Dabei
stoßen die Divines in einigen Aspekten sogar in noch
höhere (Preis) Sphären vor -gesamtheitlich
betrachtet,
können sie den besten Lautsprechern mit fünfstelligen
Preisetiketten zwar natürlich nicht ganz Paroli bieten, aber
selbst das scheint
mit einigen Anpassungen/Modifikationen für
künftige
Modellgenerationen nicht völlig unmöglich! Und als
absoluten
"Geheimtipp" möchten wir versierten Anwendern dazu
raten, die
Divines aktiv zu betreiben - und somit die exzellenten Chassis mitsamt
dem aufwändigen Gehäuse komplett nach eigenem
Geschmack in
allen Punkten abstimmen zu können. Unter diesem Aspekt kann
man
die Divine sogar als absolut konkurrenzlos bezeichnen!
Extrem detailreich
aufspielender Lautsprecher
mit einem bislang unerreichten Materialaufwand
sowie Ausstattung in der vorliegenden Preisklasse
SENSATIONELLES PREIS-/LEISTUNGSVERHÄLTNIS
XTZ Divine 100.49
Standlautsprecher
Stückpreis: 2.500 Euro
Test: 7.9.2011