Im Alltag gibt es technische Begleiter, die man braucht - und
welche, die man einfach unbedingt haben will. Die ExtremeMac Luna möchte zu
der seltenen Gattung gehören, die Nutzwert und Begehrlichkeit
miteinander verbindet. Als komplett ausgestattetes iPod/iPhone
Soundsystem beweist der kompakte Klangspender große
Entertainer-Qualitäten: die Featureliste umfasst dabei nicht nur
die obligatorische Nutzungsmöglichkeit von mobilen
Apple-Geräten, sondern auch einen AM/FM Tuner, eine Aux-In
Schnittstelle sowie eine Digitaluhr mit verschiedenen
Weckfunktionen. Mit Hilfe von hochwertigen 2-Zoll
Breitbandlautsprechern, vielen Komfortmerkmalen und einem trendigen
Design, will Luna die Gunst ihrer Interessenten erobern und nicht
nur als multimedialer Lastesel für den täglichen
Gebrauch gesehen werden. Am finanziellen Investment dürfte es
dabei kaum scheitern. Bisher bewegte sich die UVP bei 179 Euro, doch seit kurzer Zeit wird dieses Produkt über die Website www.audiophiles.de direkt vom europaweiten Distributeur für 99 Euro angeboten. Unser nachfolgender Kurztest soll klären, wie es um
die Qualitäten der Luna bestimmt ist.
Verarbeitung und Optik:
Die Luna besitzt ein Design, welches
direkt von Apple kommen könnte: strenge, harte Konturen sucht man
vergeblich, stattdessen wird die Optik von Rundungen dominiert.
Ähnlich wie beim Weltkonzern ist es auch den Luna-Entwicklern
gelungen, eine gute Symbiose zwischen Design und
Zweckmäßigkeit zu finden. Die Lautsprecher sind unscheinbar
neben dem zentral gelegenem Display positioniert, während die
vier Knöpfe in Chromoptik eine vollständige Bedienung
ermöglichen. Die schwarz-weiße Optik nimmt auch die
Farbensprache von Apple hervorragend auf, alternative Colorierungen
sind nicht lieferbar.
Unter dem Aspekt der finanziellen
Rahmenbedingungen erweist sich die Materialauswahl und
Verarbeitungsgüte als hervorragend. Die verwendeten Kunststoffe
sind passgenau zusammengefügt, die Lackierung gibt keinen Grund
zur Klage und auch die Knöpfe in Chromoptik hinterlassen einen
guten Eindruck. Lediglich bei der Haptik merkt man dem Gerät seine
Preisklasse an, wo relativ laute Druckgeräusche zu vernehmen sind
und auch die mechanische Präzision nicht mit absoluter Perfektion
versehen ist.
Das hochauflösende LCD-Display
dient als zentrale Informationsquelle und gibt eine qualitativ
makellose Vorstellung ab: sämtliche Schriften werden scharf
abgebildet, so dass sich eine exzellente die Lesbarkeit ergibt. Der
große seitliche Blickwinkel zwingt den Anwender nicht dazu,
für jede Information direkt mittig vor dem Gerät stehen zu
müssen. Schade ist lediglich, dass Titelinformationen vom iPod
nicht auf dem Display übermittelt werden. Dank einer
zwanzigstufigen(!) Dimmfunktion passt sich die Luna jeder Umgebung
perfekt an. Bitte beachten Sie, dass unsere Bilder starke
Farbverfälschungen aufweisen ! Die Displayfarbe ist nicht in
Blautönen gehalten, sondern besitzt graue Schriften auf schwarzem
Hintergrund, wie sie auf dem offiziellen Herstellerfoto besser sehen können.
Bedienung:
Damit sich der Anwender gleich von
Anfang an mit Luna anfreundet, informiert eine Schablone über die
Funktionen der vier Bedienelemente am Gerät. Der vordere linke
Regler übernimmt die Quellenwahl, schaltet das Gerät ein bzw.
aus und dient über seine Drehfunktion zugleich auch als
Lautstärkeregler. Das Setup Menü eröffnet sich durch
einen Druck auf den rechten vorderen Knopf, mit dessen Dreh- und
Bestätigungsfunktion die Navigation erfolgt. Die beiden hinteren
Knöpfe besitzen lediglich einen einfachen Druckmechanismus und
dienen jeweils zum Aktivieren von Weckfunktion 1 bzw. 2.
Viele Befehle bzw. Einstelloptionen
können alternativ auch über die beigelegte Fernbedienung
vorgenommen werden. Der Infrarot Controller weist ein schlankes Design
mit 18 Drucktasten auf und ist vornehmlich für Bedienung im Alltag
konzipiert. Zu diesem Zweck besitzt er hauptsächlich iPod/iPhone
bezogene Steuerungstasten, worüber sich (u.a.) verschiedene
Playlisten und die Zufallswiedergabe dirigieren lassen. Neben der
obligatorischen Lautstärke- und Quellenregelung besitzt der
Controller Direktzugriffstasten für die Bass- und
Höhenregelung, was sich in der Praxis als praktisches Detail
herausgestellt hat.
technischer Aufbau und Funktionen:
Der Lieferumfang lässt keine
Wünsche aufkommen: abgesehen von der Fernbedienung und dem
Grundgerät liefert der Hersteller zwei Antennen, ein gedrucktes
Handbuch sowie einen Satz Batterien mit. Diese sind für die
Rückseite der Luna bestimmt, wo sie bei einem eventuellen
Stromausfall für Betriebssicherheit sorgen und sämtliche
Einstellungen über mehrere Stunden speichern. Für den Klang
sorgen zwei Breitbandlautsprecher mit einer Chassisgröße von
2 Zoll, die nach dem Bassreflexprinzip arbeiten. Als
Ventilationsöffnung dienen die Kühlschlitze in der
Geräteseite. Ein digitaler Zweikanalverstärker sorgt für
den nötigen Antrieb.
Obwohl Luna ohne Zusatzadapter aus dem
Karton purzelt, verspricht der Hersteller über die
Universalschnittstelle eine Kompatibilität zu sämtlichen
iPod/iPhone Modellen (Stand August 2009). Die mobilen Geräte
werden dabei nicht über über die Schnittstelle gesteuert und
klanglich ausgelesen, sondern auch aufgeladen. Bei unseren Test
funktionierte sowohl das iPhone (Generation 2), als auch ein iPod
Classic völlig problemlos. Das Einstecken in die Schnittstelle
ging problemlos vonstatten und obwohl die Stabilität in
der Dockingstation noch etwas besser sein könnte, genügt
die Alltags-Ergonomie den gängigen Ansprüchen.
Beim Betrachten der zahlreichen
Funktionen schlägt Luna's große Stunde: die
Softwareprogrammierer haben an vielen Punkten mitgedacht, so dass sich
eine ganze Wagenladung praktischer Details finden lassen.
Zusätzlich zu einer Einschlaffunktion verfügt das Gerät
über zwei Alarm-Timer zum Aufwecken. Diese lassen sich getrennt
voneinander konfigurieren und erlauben nicht nur die Wahl zwischen den
verschiedenen Quellgeräten (sowie 3 Alarmtönen), sondern auch
die gewünschte Lautstärke. Es besteht sogar die
Möglichkeit, einer frei einstellbaren, stufenweise Pegelanhebung
(Ramp Time) damit man nicht gleich senkrecht im Bett steht, wenn die
Heavy-Metal Playlist zu frühmorgendlicher Stunde aus den Federn
bittet. Über eine Preview-Funktion erlaubt Luna einen Check der
getroffenen Einstellungen, was den immensen Bedienkomfort noch einmal
unterstreicht.
Obwohl man über ein iPhone ja
eigentlich schon ein Tor zur Welt besitzt, verfügt Luna über
drei weitere Signaleingänge. Zwei davon entfallen auf
Radiofunktionen, die über UKW und Mittelwelle realisiert werden.
Erfreulicherweise arbeitet das Gerät dabei nicht in 100kHz
Schritten, wie bei vielen amerikanisch-entwickelten Geräten,
sondern tastet sich 50kHz-weise vor. Nicht ganz perfekt ist
hingegen der Frequenzbereich realisiert, der erst bei 87.7 KHz beginnt,
zumal ein guter Empfang nur bei stärkeren Signalen
gewährleistet ist.
Zusätzlich steht noch ein Line Eingang zur Verfügung,
der über einen 3,5mm Klinkenstecker Verbindung mit fast jedem
Quellgerät aufnehmen kann. Obwohl Luna leider keine
USB-Schnittstelle besitzt, bietet sie insgesamt eine große
Variabilität.
Höreindrücke:
In Bezug auf die klanglichen Leistungen bietet die Luna
überraschend hochwertige Gehörgangsverköstigung.
Sicherlich wird kein einziger Audiogourmet dafür seine
High-End einmotten, doch für einen Einsatz in sekundären
Bereichen (z.B. Büro, Schlafzimmer etc.) eignet sie sich selbst
bei anspruchsvollen Hörern, ohne bei den
Rezipienten Unmut aufkommen zu lassen. In Anbetracht der Tatsache,
dass wir hier von einem 99 Euro kostenden Kompaktsystem sprechen, darf
man diese Aussage als großes Lob einstufen. Der Grund für
die überzeugende Vorstellung beginnt bei der recht ausgewogenen
tonalen Balance, welche nicht den Trend zur Bass- und Hochtonanhebung
beschreitet und sich daher durch eine realistische Durchzeichnung im
Mittenbereich auszeichnet. Viel Lob sichert sich das Testgerät
durch den bemerkenswerten Tiefgang, sowie einem hohen Maß an
Körperhaftigkeit im Grundtonbereich. Die Luna besitzt zwar
keine Bassgewalt im Sinne von guten Subwoofer/Satelliten-Systemen, doch
zu keinem Zeitpunkt lässt sie an Fundament vermissen. Durch die
flüssigere und nahtlosere Spielweise erarbeitet sich die Luna in
Bezug auf Basswiedergabe von Timing-kritischem Musikmaterial (Jazz,
Blues) sogar Vorteile, speziell gegenüber effektlastig
abgestimmten Systemen bei denen lediglich Diskomusik gut spielt. Die
differenziert agierende Feindynamik sorgt in Kombination
einem klar durchzeichnendem Mittenbereich für eine
Klangcharakteristik mit einer großen Portion audiophiler DNA:
Transparenz und Klangfarbenreichtum liegen deutlich über dem
üblichen Niveau der vorliegenden Geräte-/Preisklasse. Das
Timbre von Stimme wird gewissenhaft aufgearbeitet, nasale
Verfärbungen oder aufgedunsene Sprachwiedergabe kennt Luna nicht.
Selbst das Ein-/Ausschwingverhalten (z.B. kurz gezupfter
Gitarrensaiten) liegt fast auf dem Niveau von kleinen HiFi-Anlagen. Im
Hochtonbereich gibt sich der multimediale Entertainer unaufgeregt -
gewissenhaft und erledigt seine Aufgabe solide.
Übermäßig prosperierende Brillianz ist genauso wenig zu
attestieren, wie blutleere Zurückhaltung. Tendenziell dürfte
bei den Hörern jedoch eher der Wunsch nach etwas mehr Strahlkraft
aufkommen, was sich über die Klangregler auch problemlos
realisieren lässt. Mit einer minimalen Hochtonanpassung (wir
präferieren eine Anhebung um 1 oder 2 Punkte) lässt sich eine
gute Luftigkeit und Auflösung entlocken, ohne dabei die tonale
Balance zu opfern. Grobdynamisch reißt Luna keine Bäume
raus und lässt die Grenzen ihrer mechanischen Belastbarkeit
erkennen. Die erzielbare Maximallautstärke zollt der relativ
geringen Membranfläche genauso ihren Tribut, wie auch hinsichtlich
der Grenzdynamik. Solange man die Luna nicht als Partybeschallung
zweckentfremden will, reicht das gebotene Niveau jedoch völlig
für ihre typisches Nutzungsprofil aus und besitzt genügend
Reserven für eine etwas flottere Gangart. Aufgrund der geringen
Distanz zwischen den beiden eingebauten Lautsprechern ist es nicht
verwunderlich, dass Luna kein ausschweifendes Stereopanaroma aufbauen
kann. Sie verzichtet auf absichtliche Phasenfehler, um einen
künstlichen Raumklang "aufzublasen", weshalb man hingegen bei
kurzen Hörabständen (und exakt mittiger Position) mit einer passablen Ortungsgenauigkeit verwöhnt wird.
Klangfazit: Die Luna ist nicht auf Effekthascherei oder Extrempegel
aus, sondern bietet in jeder Disziplin absolut seriöse Leistungen,
die sich für eine breite Palette an Anwendungen hervorragend
eignen. Das dürften besonders anspruchsvollere Anwender zu
schätzen wissen, die anstelle aufgedickter Bässe und scharfer
Höhen mehr Wert auf saubere Durchzeichnung und Natürlichkeit
legen.
Fazit:
Die ExtremeMac Luna gilt schon seit ihrer Markteinführung vor
rund 2 Jahren ein heißer Tipp unter Freunden des guten Klanges.
Nach der aktuellen Preissenkung auf 99 Euro gilt die Titulierung als
Schnäppchen mehr denn je: die Luna weist eine ordentliche
Verarbeitung auf und besitzt einen wertvollen Funktionsumfang, der sie
nicht nur für die Nutzung als audiophil-angehauchter Radiowecker
adelt. Während jene Attribute durchaus auch manch anderen
Mitbewerbern nachgesagt werden können, so distanziert sich die
Luna spätestens beim Hörtest. Ihre erwachsene Akustik ist
eine klare Hommage an die Hifi-Tugenden und grenzt sich klar von
badewannen-abgestimmten Konkurrenten ab. Dank einfacher Steuerung
(inklusive vollwertiger Fernbedienung) sowie bestechender
Zuverlässigkeit stellt sich eine hohe Alltagstauglichkeit
ein. Wer mit dem verbesserungsbedürftigem Tuner leben kann,
erhält mit der Luna einen praktischen Klangspender für
Nebenräume wie Büro, Schlafzimmer und Co., wie man ihn sich
für die 99 Euro eigentlich nicht besser wünschen kann.
Besser kann man für so wenig Geld wohl nicht iPod hören:
die Luna klingt erwachsen, ist komplett ausgestattet
und bietet einen enormen Gegenwert für den Kaufpreis
ExtremeMac Luna, Preis 99 Euro
iPod Komplettanlage mit Weckfunktion
Test: 4.November 2009
+ erwachsene/ Hifi-orientierte Klangcharakteristik
+ inklusive AM/FM Tuner und Line Eingang
+ großer Funktionsumfang
+ angemessene Verarbeitungsqualität
+ einfache Bedienung inklusive Fernbedienung
+ sehr günstiger Kaufpreis
- Tuner Empfang bei schwachen Sender verbesserungsfähig
- keine alternativen Farbvarianen lieferbar
- kein USB-Eingang für MP3 Sticks
- keine Titelanzeige auf Display