Test: Piega Premium 50.2 Standlautsprecher - Eleganz und Klangkultur perfekt vereint?

von: Lars Mette

Inmitten des dicht gedrängten Lautsprechermarktes haben sich die beiden Entwickler Kurt Scheuch und Leo Greiner einen Sonderstatus aufgebaut: wenn eine hochklassigen Symbiose aus Ästhetik und Klang gewünscht wird, greifen besonders anspruchsvolle Musikliebhaber auf der ganzen Welt vornehmlich zu ihren Piega Lautsprechern, die in der Schweiz seit exakt 25 Jahren unter höchsten Qualitätskritieren hergestellt werden. Während die meisten anderen Anbieter auf klassische Holz- , oder dünnwandige Kunststoffgehäuse setzen, spezialisierten sich die Eidgenossen auf die Produktion von kompromislos-aufwendigen Vollaluminiumkonstruktionen. In Bezug auf die Chassis-Technologie besitzt das Team um Scheuch und Greiner mit ihren selbstgebauten Bändchen Hoch-/Mitteltönern ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, welches als Synonym für Piega fungiert.


Die Piega Premium 50.2 bietet all diese Technik in ihrer neuesten Evolutionsstufe. Nachdem das Vorgängermodell über 4 Jahre erfolgreich im Revier der mittelgroßen High-End Standlautsprecher wilderte, haben sich die Entwickler für die aktuelle Generation sämtlichen Aspekten gewidmet, um noch mehr Klangqualität herauszukitzeln. Herausgekommen ist ein steiferes Gehäuse, ein leistungsfähigerer Hochtöner sowie eine ausgeklügelte Gesamtabstimmung im Bereich der Frequenzweichen. Die Ablösesumme für die beiden Klangspender liegt bei 6.500 Euro (Paarpreis) - unsere schwarz eloxierten Testgeräte verlangen nach zusätzlichen 800 Euro. Abgesehen vom ästhetischen Erscheinungsbild, verspricht der Hersteller ein tiefgreifendes Musiklerlebnis und höchste Klangnatürlichkeit. Aufgrund des günstigen Wirkungsgrades empfiehlt sich die Premium 50.2 dabei nicht nur für dynamische Heimkinounterhaltung, sondern könnte auch für Röhrenliebhaber einen intensiven Blick wert sein. Der nachfolgende Testbericht soll Ihnen Aufschluss über die äußeren und inneren Qualitäten dieser High-End Lautsprecher geben. Viel Spaß beim Lesen.

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Gehäuseverarbeitung/Design:


Stimmige Proportionen, puristisches Design sowie hohe Handwerkskunst sorgen für eine zeitlos-elegante Optik der beiden Schallwandler. Wie (fast) alle Lautsprecher von Piega verfügt auch die Premium 50.2 über ein Aluminiumgehäuse, dem maßgeblichen Anteil am optischen Auftritt zufällt. Jede Box verfügt über zwei vertikale Riefen, die als Aufnahme für die Metallschutzgitter dienen (siehe Foto in Einleitung). Auf diese Weise besticht dieser Lautsprecher auch bei "nackter" Aufstellung mit einer attraktiven Optik ohne störende Aufnahmelöcher. Kleiner Kritikpunkt am Rande: die Montage der Schutzgitter ist zuweilen etwas fummelig geraten und erfordert neben Geduld ein ruhiges Händchen, da diese gleichmäßig unter Spannung in die Riefen gedrückt werden müssen.



Als Abkömmling der neuen Premium Gehäuseform verfügt die 50.2 nicht mehr über eine Trapezform, sondern fällt etwas geschwungener aus. Obwohl diese Formgebung hauptsächlich das Ergebnis akustischer Faktoren ist (Optimierung von Gehäuseresonanzen), erweist sich das neue Design auch in optischer Hinsicht als sehr gelungen. Zusammen mit der Gehäusebreite von 26 cm und der Höhe von knapp über einem Meter, treffen die Lautsprecher damit die goldene Mitte in Bezug auf Wohnraumfreundlichkeit und notwendiger Größe (Innenvolumen).


Wer Piega bestellt, erwartet perfekte Verarbeitung - und genau die wird bei unseren beiden Premium 50.2 auch geboten, sowohl bei den Gehäuseübergängen, -Kanten sowie Chassiseinpassungen. Die 800 Euro Aufpreis für die schwarze Gehäuseausführung dürfte bei den meisten Anwendern übrigens schon beim Auspacken ad acta gelegt sein, wenn die extrem noble bzw. "coole" Optik der, in schwarz getünchten, gebürsteten Aluminiumoberfläche zum Vorschein kommt. Alternativ gibt es die Premium 50.2 in silber eloxiert sowie weißem Schlaflack.



Auch bei Details wie der schwarz gehaltenen Innenverkleidung des Bassreflextunnels überzeugen die Lautsprecher. Interessanterweise gehören die Premium 50.2 übrigens zu den (wenigen) Schallwandlern, die beim Betrachten unweigerlich das Begehren wecken, berührt zu werden - und wer dann einmal mit seinen Fingerkuppen über die kühle, glatte Oberfläche mit ihren perfekt entgrateten Kanten streicht (siehe z.B. die oben abgebildete Bassreflexöffnung), wird anschließend auch die beeindruckende Haptik in das Loblied einschließen. 



Das Anschlussterminal folgt der Maxime des Gesamtwerks: weniger Show-Effekt, dafür Hochwertigkeit im Detail. Die Entwickler haben auf spektakuläre Anschlussmulden oder Klanganpassungsbrücken/schalter verzichtet und spendierten der 50.2 sehr hochwertige WBT-Terminals mit perfekter Ergonomie. Absolute Perfektionisten werden höchstens an den simplen Kabelbrücken Kritik üben, doch dieser Malus lässt sich glücklicherweile schnell ändern.



Im Untergeschoss sorgen 4 höhenverstellbare Metall-Tellerfüße für einen soliden Stand. Anwendern mit Teppichböden empfehlen wir, Diese komplett herauszudrehen und in die M6 Schraubgewinde ersatzweise "richtige" Spikes einzudrehen (welche übrigens leider nicht mitgeliefert werden). Wie Sie außerdem sehen, verwendet Piega eine Metallbodenplatte mit hoher Materialstärke, die mit sechs Schrauben felsenfest mit dem Korpus verbunden wird und somit zur stabilen Gesamtkonstruktion beiträgt.
technischer Aufbau

Die Piega Premium 50.2 ist ein klassischer 2,5 Wege Lautsprecher. Den Hochtonbereich übernimmt das LDR-Bändchen, darunter spielen zwei Tiefmitteltöner, von denen jeweils ein Treiber mehrheitlich für den mittleren bzw. unteren Frequenzbereich zuständig ist. Die schlitzförmige Bassreflexöffnung auf der Vorderseite ventiliert das gemeinsame Koppelvolumen. Gegenüber Lautsprechern mit rückseitig angebrachten Bassreflexöffnungen erweist sich das Konzept der 50.2 als aufstellungsunkritischer bei wandnaher Positionierung; außerdem generiert solch ein breiter Schlitz tendenziell etwas weniger Luftresonanzen/Strömungsgeräusche als typische Rohre.



Nach Demontage der verschraubten Bodenplatte zeigt uns die Premium 50.2 ihr Innerstes. Wie Sie sehen, verbaut Piega ein durchgängig hergestelltes Aluminiumgehäuse - die Frontplatte ist nicht angesetzt oder geklebt, sondern wird in einem Stück zusammen mit den geschwungenen Seiten aus einem Aluminiumblock gepresst (übrigens weltweit einmalig mit dem immensen Druck von 7300 Tonnen). Gegenüber dem Vorgängermodell wurde die Materialstärke von 4 auf 6mm erhöht, um noch mehr Steifigkeit als ohnehin schon zu bieten. Zusätzliche Holzverstrebungen und Dämmmateralien sorgen für möglichst perfekte Gehäuseeigenschaften, bei der die Chassis nicht von internen Reflektionen, Schwingungen oder Vibrationen in ihrer Arbeit beeinträchtigt werden. Dies ist die maßgebliche Aufgabe und Herausforderung bei jedem Lautsprechergehäuse. Piega profitiert diesbezüglich sehr stark von ihren Aluminiumgehäusen. Diese sind zwar in der Herstellung teurer als klassische Holzkonstruktionen, erweisen sich aber als deutlich verwindungssteifer. Außerdem genügen hier vergleichweise geringe Materialstärken (6 mm gegenüber 4 cm dicken MDF-Wänden), womit dem Lautsprecher mehr Innenvolumen für die Basswiedergabe zur Verfügung steht.



Die Premium 50.2 besitzt eine Gehäusekammern, die somit von beiden Tiefmitteltönern gemeinsam genutzt wird. Die Frequenzweiche ist auf Höhe des unteren Tiefmitteltöners untergebracht, was außerordentlich kurze Kabelverbindungen zu den einzelnen Chassis ermöglicht. Der offene und frontgerichtete Bassreflexschacht (links im Bild) ist relativ kurz geraten und nicht als Transmission-Line ausgeführt, was man aufgrund der Formgebung vielleicht erwarten würde. Der Gehäusebedämpfung kommt der Piega 50.2 insbesondere wegen jener großer Öffnung eine besondere Bedeutung zu, da man ansonsten sehr intensiv am akustischen Innenleben des Lautsprechers partizipieren würde. Um die Gehäuseeigenschaften noch weiter zu optimieren, befinden sich selbstklebende Resonanzpads im vorderen Bereich des Korpus. Außerdem schön zu erkennen: die Frontwand ist zusätzlich mit einer MDF-Platte versehen, die zur Aufnahme der Treiber verwendet wird. Auf diese Weise sind die Chassis zugleich auch vom Aluminiumgehäuse entkoppelt.



Bei den Frequenzweichen setzen die Schweizer auf Minimalismus sowie Effizienz. Auf diese Weise soll das Musiksignal möglichst unverfälscht sowie zeitrichtig zu den jeweiligen Treibern dirigiert werden. Piega setzt in der Premium 50.2 (wie übrigens auch in allen anderen Lautsprechern) Linkwitz/Riley Filter 4. Ordnung mit einer Flankensteilheit von 24db pro Oktave ein. Neu ist jedoch die Eingliederung bzw. Abstimmung der Chassis untereinander: dank Modifizierungen am Hochtöner (siehe übernächster Absatz) kann dieser nun deutlich niedriger angekoppelt werden. In Zahlen ausgedrückt: die Übernahmefrequenz wurde von 4500 Hertz (bei der Premium 50) auf ca. 3100 Hertz gesenkt und befindet sich dadurch in einem weniger hörsensitiven Bereich. Des weiteren verfügen sämtliche Filter über eine Entzerrung der oberen Spitze der Impedanzkurve, womit eine präzisere Wiedergabe im mittleren und oberen Bassbereich fokussiert wird. Eine weitere Eigenschaft der verwendeten Frequenzweichenphilosophie findet sich im günstigen Wirkungsgrad (92Watt, 1 Watt, 1 Meter), so dass dieser Lautsprecher eine hohe Eignung für den Betrieb mit leistungsschwachen Röhrenverstärkern ist.



Nein - hier hat sich nicht Freddy Kruger ausgetobt! Die verwendeten Scanspeak Tiefmitteltöner verfügen standardmäßig über solche Schlitze auf ihren 7 Zoll apiermembranen, um das Eigenresonanzverhalten zu optimieren. Die Kombination aus harter, verwindungssteifer Membran, einer weichen Sicke und einem starken Antrieb besticht durch eine besonders ausgeprägte Breinbandcharakteristik: der Scanspeak 18W8531G spielt standardmäßig schon ohne zusätzliche Filterung zwischen 50 und 10.000 Khz annähernd linear, was sich (in der Praxis) positiv auf die klangliche Ausgewogenheit und den Klirr auswirken sollte.



Ebenfalls neu: das verbaute LDR Bändchen in der Ausführung 2842 MKII. Bändchentreiber gehören zu Piega, wie der Heckantrieb zu BMW - kaum ein anderer Anbieter hat sich derart auf ein Gebiet spezialisiert, wie die Schweizer mit ihren selbstentwickelten sowie produzierten elektrostatischen Chassis. Das LDR (steht übrigens für "Linear Drive Ribbon") Bändchen in der Premium 50.2 verfügt gegenüber der Vorgängergeneration über eine vergrößerte Fläche von 24x48mm² und unterscheidet sich auch in zwei weiteren entscheidenden Bereichen: der Antrieb wurde verbessert, indem nun auf jeder Seite ein Magnet für perfekte und schnelle Kontrolle der nur 0,02mm dicken Membran sorgt. Außerdem wurde ein festdefiniertes Luftvolumen angekoppelt. Insgesamt soll sich das neue Bändchen durch mehr Auflösung, einen größeren Übertragungsbereich sowie einen höheren Wirkungsgrad auszeichnen.



Unsere Frequenzgangsmessungen erfolgen (leider) NICHT in einem absolut schalltoten Raum und erheben daher keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit. Wir möchten damit vielmehr einen Grundcheck einiger Basisparameter durchführen sowie einzelne Grundtendenzen herausfiltern - im Fall der hier gemessenen Piega Premium 50.2 zeichnet sich ein recht linearer Frequenzgang mit leichter Bassbetonung zwischen 60 und 100 Hertz ab. Bei unseren Messungen ließ sich ein linearer Bassverlauf bis ca. 50 Hertz dokumentieren, was für einen Lautsprecher dieser Größenklasse ein solider/üblicher Wert darstellt, aber weit von den 26 Hertz entfernt ist, die im offiziellen Datenblatt angegeben sind. Im (vermeintlichen) Übergangsbereich zum Mitteltöner ist eine kleine Sicke zu erkennen, was jedoch der Sprachverständlichkeit wegen der daraus resultierenden geringeren Parallelabstrahlung zugute kommen sollte. Zu den Höhen steigt der Pegel leicht an, wobei der Bändchenhochtöner noch deutlich höher spielt, als es unsere MEssungen festhalten können. Laut Datenblatt erreicht die Premium 50.2 50 Kilohertz. Die Übergangsfrequenz zwischen Hoch- und Tiefmitteltonbereich liegt bei ca. 3100 Hertz, das Ein- und Auskoppeln erfolgt mit einer mittelstarken Flankensteilheit.

die wichtigsten technischen Daten in der Zusammenfassung (Herstellerangaben)

Modell / Paarpreis Piega Premium 50.2 / ab 6.500 Euro
Aufbau 2,5 Wege Bassreflex
Chassis
Bestückung
1x Piega LDT Hochtonbänchen 
2x Scanspeak Tiefmitteltöner
Wirkungsgrad 90db bei 1 Watt und 1 Meter
Frequenzgang 26  - 50.000 Hz
Belastbarkeit 250 Wat
Besonderheiten aufwendiges Aluminiumgehäuse mit hoher struktureller Steifigkeit
Abmessungen 102 x 26 x 33 cm (H,B,T)
Gewicht 37 Kilogramm
Testumgebung:
Praxiseindrücke:

Im Hörtest gefielen uns die Piega Premium 50.2 auf Anhieb nicht besonders gut, was sich aber nach vielen Stunden des Einspielens änderte. Die Lautsprecher musizieren besonders im Hochtonbereich sehr engagiert. Die tiefe und knackige Basswiedergabe stellt einen hervorragenden Gegenpart zum extrem auflösenden Bändchenhochtöner dar. Der Mitteltonbereich wird grundsätzlich ebenfalls hochklassig wiedergegeben, erreicht aber bei bestimmtem Material nicht immer ganz das herausragende Niveau der darüber bzw. darunter liegenden Frequenzbereiche. Insbesondere das Volumen und Detaillierungsvermögen in den unteren Mitten dürfte gerne noch etwas höher ausfallen. Allerdings reden wir hier von Kritik auf hohem Niveau, zumal natürlich auch alle anderen Lautsprecher dieser Preisklasse (zumindest, die uns bekannten) nicht perfekt sind und jedes Modell irgendwo Schwachstellen aufweist.


Die Piega Premium 50.2 (mittlere Standbox) in einer unserer Test-/Vergleichsaufbauten.

In ihrer Gesamtheit haben wir die Piega Premium 50.2 als analytische und detailorientierte Präzisionsgeräte zu schätzen gelernt, die den Hörer stets möglichst tief bzw. umfangreich in die Musik eintauchen lassen wollen. Sie sind nicht warm oder schönfärberisch abgestimmt, tendieren mit ungünstigen Verstärkerkombinationen jedoch etwas ins Analytische/Scharfe. Der Hauptgrund für jene Eigenschaft ist in den Hochtönern zu finden, die außerordentlich auflösend spielen, das letzte Quentchen an Seidigkeit aber missen lassen. Im Vergleich zum Vorgängermodell erweist sich der obere Mittenbereich als ausgewogener, ist aber immer noch nicht zur Gänze perfekt austariert. Auch in Bezug auf die Räumlichkeit kann die Premium 50.2 zulegen: die Piega Lautsprecher sind nach wie vor nicht auf maximale Rundstrahlcharakteristik getrimmt, generieren gegenüber der letzten Modellgeneration jedoch eine breitere Bühne und lösen das Klangbild besser von den Schallwänden.

Die Pegelfestigkeit liegt, in Relation zur vorliegenden Membranfläche, im üblichen Bereich und stellt ausreichende Reservern für den angedachten Einsatzzweck als hochwertiger Wohnraumlautsprecher zur Verfügung. Interessanterweise spielen die Lautsprecher auch bei hohen Pegeln verhältnismäßig sauber (keine anschlagenden Membranen oder Ventilationsgeräusche), beginnen dafür jedoch über ca. 93db in Bezug auf die grobdynamische Impulsdarstellung zu komprimieren. Ungeachtet dessen erweisen sich die beiden Schallwandler als wahre Künstler der Feindynamik - speziell was die Differenzierung verschiedener Klangebenen betrifft. 

Weitere Klangeindrücke sowie Markteinordnungen finden Sie in der nachfolgenden "Klartext" Tabelle. Hier wird mit kurzen, klaren Sätzen vermittelt, welche Klangeigenschaften die Piegas mit den jeweiligen Sequenzen an den Tag legen. Die Titel sind in Hinblick auf verschiedene Klangaspekte ausgewählt. Damit sie deren Besonderheiten nachvollziehen können, haben wir diese im rechten Bereich der Tabelle vermerkt. Das Ziel dieser kompakt gehaltenen Klangbeispiele soll dazu beitragen, die Charakteristiken gleichzeitig aussagekräftiger, vergleichbarer und effektiver zu vermitteln, als dies bei (lang) ausformulierten Einzelbeispielen möglich ist. Sämtliche Angaben und Noten sind in Relation zur Preis-/Geräteklasse (Standlautsprecher mit einem Paarpreis zwischen 5.000 und 8.000 Euro zu betrachten.)

Interpret: Alison Kraus
Titel: Down to the River to Pray
Album: A Hundred Miles or More
Der Gesang wird mit einem insgesamt soliden Maß an Natürlichkeit umgesetzt, wobei der untere Mittenbereich durchaus noch etwas mehr  Informationstiefe und Volumen vertragen könnte. Die Lautsprecher klingen bei diesem Stück tendenziell eher technisch, da die choral eingesungenen Elemente gleichwohl sehr auflösend rüberkommen, aber noch ein wenig Klangwärme vermissen lassen. -Note 3,0 Die Stimme von Alison Krauss dient uns zur Ermittlung der Klangtransparenz. Der vorliegende Track kommt komplett (!) ohne jegliche instrumentale Arrangements aus und muss daher einzig über die vokalen Elemente überzeugen. Zusammen mit der etwas untergeordneten Begleitung ist eine Bewertung von Feindynamik und Detaillierung im oberen Mittenbereich sehr gut möglich.
Interpret: ASP
Titel: Krabat (Club Version)
Album: Horror Vacui
Das hervorragend aufgelöste Geigenspiel bietet sehr viel Feinheiten und wird auch dynamisch exzellent umgesetzt.  Trotzdem driften die Premium 50.2 bei diesem Stück nicht ins übertrieben Analytische, da die Bass-Arrangements durch eine knackig, massive Wiedergabe begeistern, zumal generell eine gute Ausgewogenheit und Transparenz bei diesem Stück vorherrscht. - Note 1,5
atmosphärischer Song, dessen anfängliches Geigenspiel sehr schnell künstlich/überspitzt oder auflösungsarm wirken kann. Die choralen Einsätze müssen "voll" und mehrstimmig/differenziert wiedergegeben werden. 
Interpret: Britney Spears
Titel: whats like to he me
Album: Britney
Tonal minimal zu hell, dafür im oberen Bereich sehr offen, spritzig und spielfreudig, ohne die S-Laute zu unangenehm zu überschärfen. Das weiträumige Klangpanorama wird ordentlich eingefangen, extrem sphärisch spielen die Lautsprecher nicht, dafür aber mit einer hohen Lokalisationsschärfe und einer breiten Stereobühne inklusive einer guten Loslösung von den Lautsprechern. Der Sweetspot fällt gegenüber dem Vorgängermodell etwas größer aus, insgesamt weisen aber auch die Premium 50.2 einen eher kleineren Hörbereich auf, wo die bestmögliche tonale Balance sowie Raumabbildung  zu genießen ist -Note 2,5 Weder Britney's Musik, noch die persönlichen Eskapaden muss man mögen - aber die Abmischung vieler Titel glänzt mit einer hervorragenden räumlichen Abmischung, die sich bei guten Equipment nicht nur vollständig löst, sondern (wie bei diesem Stück) auch sehr direktional und präzise ortbar ist.
Interpret: Erich Kunzel
Titel: T-Rex
Album The Great Fantasy Adventure
Sehr saubere Wiedergabe ohne Stör-/Nebengeräusche bei extrem tieffrequenten Impulsen. Dafür lässt die Klangdynamik proportional zum Tiefbass und der Lautstärke recht schnell nach - auch im Hochtonbereich. Der gebotene Tiefgang ist (genau wie auch die gesamte Pegelfestigkeit) für einen Lautsprecher dieser Größenklasse angemessen, erreicht aber keine neuen Rekordwerte - unterhalb 40 Hertz passiert nicht mehr viel, so dass der spürbare Bassbereich etwas ausgeblendet wird -Note 2,5 Ein Saurier aus der Kreidezeit inmitten unserer bunt gemischten Test-Tracks ? Nun - sonderlich viele musikalische Adjektive vermag dieses Beispiel sicherlich nicht zu beantworten, doch dafür haben wir bei diesem Soundfile einen extrem ausgeprägten Tiefbass sowie Grobdynamik. Strömungsgeräusche, Chassis-Anschlagen und sogar -Brüche sind hier durchaus möglich.
Interpret: Iced Earth
Titel: Hold at all costs
Album: The gloriuos Burden
Hier ist Gänsehaut angesagt: bei den Rythmusgitarren begeistern die Boxen durch eine ausgezeichnete Präzision/Auflösung, während das Schlagzeug ebenfalls sauber und druckvoll umgesetzt wird. Exzellente Balance zwischen sämtlichen Elementen inklusive einer referenzwürdigen Klangtransparenz und Dynamik. Und da auch die Stereobühne gewissenhaft umgesetzt wird und der Gesang ebenfalls sehr klar zur Geltung kommt, gibts die Bestnote - 1,0 Episch - massiv und schlichtweg gewaltig: so muss "Hold at all Costs" erklingen. Der ungewöhnlich gute abgemischte Heavy-Metal Song beinhaltet nicht nur offensive, "harte" Passagen, sondern bietet auch gefühlvolle Elemente inkl. Akustikgitarre und choraleme Elemente. Hier gilt es, die Balance zu wahren.
Interpret: Tanz der Vampire
Titel: Gott ist tot
Album: Soundtrack
Ähnlich wie bei Alison Kraus agieren die Lautsprecher auch bei diesem Stück technisch einwandfrei sauber, lassen aber  Klangwärme vermissen, um den Eindruck einer leicht sterilen Wiedergabe komplett abzustreifen. Die Einarbeitung der E-Gitarre sowie Klavieranschläge erfolgt ausdrucksstark und dynamisch; der Frauenchor im Refrain ist in  Bezug auf die Tiefenstaffelung etwas zu nah am Solisten platziert. - Note 2,5 Dieser Mitschnitt vom bekannten Musical weist einen großen "Gänsehaut-Faktor" auf - wenn die Technik mitspielt.... dafür muss die Sprachwiedergabe, Klangnatürlichkeit und Dynamik stimmen. Im Idealfall wird der Sänger komplett losgelöst, während die begleitenden Arrangements links und rechts im Raum aufgefächert werden und minimal weiter vorne platziert sind. (exakt so - wie eben auch im richtigen Musical)
Interpret: Combichrist
Titel: Like to thank my Buddies
Album: Everybody hates you

Wenig überraschend, gehört elektronische Musik ebenfalls zur Schokoladenseite der Schweizer Boxen: was hier besonders im Hochtonbereich an kristallklarer und unlimitierter Spielfreude zelebriert wird, würde selbst in höheren Preisklassen zur Spitzenklasse gehören. Der untere Frequenzbereich  profitiert in diesem Fall von seiner dezenten Betonung im Kickbassbereich und bietet eine hohe Präsenz, viel Druck und Volumen. Selbst extrem schnelle Beats bringen die Premium 50.2 nicht in Verlegenheit. Note 1,0 typischer Dancefloor Titel im 4/4 Takt - dieser elektronische Song gibt uns Aufschluss über die Präzision im Kickbassbereich, außerdem muss das Testgerät auch die Synthieeffekte schnell durchzeichnen und dabei luftig und offen klingen. Der Hochtonbereich darf nicht künstlich "abgesoftet" werden.
Interpret: Hans Zimmer
Titel: Davy Jones
Album: Soundtrack Pirates of the C. 2
Und zum Abschluss gibt es noch einmal eine gute Zensur, denn die Art und Weise, wie Klangdetails und Feindynamik der Spieluhr eingefangen werden, gehört genauso zum Besten dieser Preisklasse, wie die famose Klangtransparenz in den komplexeren Stellen. Die Premium 50.2 agieren souverän und haben auf sämtliche Herausforderungen eine passende Antwort - inklusive einer imposanten grobdynamischen Umsetzung (im Rahmen der Pegelfestigkeit) des Pauken- und Orgeleinsatzes bei Minute 1:14. Note 1,5 Der Score aus dem zweiten Teil von "Pirates of the Caribbean" enthält im dritten Stück "Davy Jones" gleich mehrere Herausforderungen bereit und gilt deswegen als  schwierigste Hürde unsere Parcours. Gefragt ist neben einer guten Detaillierung sämtlicher feingliedriger Aspekte (besonders am Anfang) auch eine gute Umsetzung der dynamischen Sprünge bei Laufzeit 1:14 und 1:43 ohne dabei die tonale Balance, Auflösung oder Raumabbildung zu vernachlässigen. 

Damit sie die Klangcharakteristik bzw. -performance der Piega Premium 50.2 besser einordnen können, haben wir nachfolgend ein paar kurze Quervergleiche zu einigen Referenzlautsprechern der umliegenden Preisklassen vorgenommen.

Gauder Akustik (Isophon)
Arcona 80
Paarpreis ca. 4.000 Euro

Die brandneue Arcona 80 aus der Feder von Dr. Roland Gauder weist mit ihren angehobenen Kickbässen sowie der 200 Hertz Senke eine ähnliche Tonalität wie die Premium 50.2 auf. Die Arcona 80 spielt mit ihren Air Motion Hochtönern noch auflösender und dabei stressfreier, als die Piega - auch im Mitteltonbereich musiziert sie noch einen Tick sauberer und transparenter, klingt dabei sogar noch etwas vollmundiger. Dafür steigt die Piega (bei gleicher Präzision) etwas tiefer in den Basskeller. Das Rundstrahlverhalten der Arcona 80 ist ausgewogener, was sich in einer besseren Lokalisationsschärfe und Räumlichkeit widerspiegelt. Fazit: ähnliche Klangbalance, ebenfalls sehr detaillierend - und dabei in vielen Disziplinen besser und nebenbei deutlich günstiger.
XTZ
Divine
Paarpreis ca. 6.000 Euro
Die schwedische Mammutbox (knapp 80 kg pro LS) lässt sich über zahlreiche Klangregler in Bezug auf die Tonalität einstellen, besitzt aber stets gewisse Grundcharakteristiken: der Mitteltonbereich erscheint in Bezug auf die Körperhaftigkeit etwas dünner, aber auch feingliedriger wie die Premium 50.2. Der Keramikhochtöner erreicht zwar fast das Detaillierungsniveau, spielt jedoch schärfer als das Piega-Bändchen. Im unteren Frequenzbereich reicht die Divine noch tiefer hinab, differenziert und konturiert nicht ganz so präzise. Dafür ist die XTZ insgesamt pegelfester. Die Raumabbildung ist bei beiden Lautsprechern ähnlich.
Swans
F2.2
Paarpreis ca. 6.000 Euro
Die F2.2 war noch nie DAS Präzisionswerkzeug und setzt sich daher akustisch recht deutlich von der Premium 50.2 ab. Die dreiteilig aufgebauten Lautsprecher besitzen eine wohldosierte warme Mitteneinfärbung, schieben im unteren Bereich substanzvoll an und verzichten im oberen Bereich auf extreme Strahlkraft. Diese etwas weiche Abstimmung erreicht zwar nicht das Maß an Klangtransparenz und Spielfluss wie die Piega Boxen, besitzt aber seinen eigenen Charme und generiert bei guten Gesangsaufnahmen sehr viel Gänsehaut, wozu auch die größere Räumlichkeit beiträgt.
Monitor Audio 
Platinum 300
Paarpreis ca. 8.000 Euro
Das Flaggschiff des britischen Lautsprecheranbieters gehört durchaus zu den großen Hausnummern in diesem Marktsegment, da sie sich keine richtigen Schwächen leistet und eine gesamtheitlich sehr ausgewogene Abstimmung mit hoher Informationsdichte sowie Klangnatürlichkeit bietet. Dies ist auch ihr Trumpf gegenüber der Premium 50.2, die im Hochtonbereich luftiger und offener agiert, als die leicht seidig-abrundende (teurere) PL300. Im Bassbereich spielt die Monitor Audio Box kräftiger, tiefer und pegelfester - bei der reinen Präzision liegt die kleinere Premium 50.2 jedoch gleichauf. Vorteil Monitor Audio: bei ähnlicher Lokalisationsschärfe, fächert sie den Klang breiter und tiefer im Hörraum auf. Außerdem besitzt sie den größeren Sweetspot. 
ASW
Chelys
Paarpreis ca 9.000 Euro
Auch in der ASW Chelys finden sich zwei Tiefmitteltöner von Scanspeak, allerdings werden diese von einem Mundorf Air Motion Transformer flankiert und als symmetrisches 2-Wege System beschaltet. Ähnlich wie die Piega ist auch die ASW-Box mit einem sehr hohen Wirkungsgrad versehen, was beide Lautsprecher gleichermaßen verstärkerfreundlich macht. Klanglich spielen beide Konstruktion gar nicht mal so verschieden und setzen auf eine schnelle, transparente Durchzeichnung, die von den jeweiligen (exzellenten) Hochtönern sehr offen, luftig und angenehm angeführt werden. Die Chelys spielt im Bass etwas trockener und linearer; die Pegelfestigkeit ist bei beiden Modellen ähnlich begrenzt. Größere Unterschiede finden sich hauptsächlich in der Tiefenstaffelung und der Ortungsgenauigkeit, wo die Chelys vorne liegt. 
Fazit:

Die Piega Premium 50.2 empfehlen sich für Hörer, bei denen Klangdetails höher gewichtet sind, als das letzte Quentchen Pegelfestigkeit und Klangwärme. Aufgrund der tiefreichenden Basswiedergabe inklusive minimaler Kickbassbetonung generieren diese Schallwandler bereits bei niedrigeren Pegeln ein solides Klangfundament. Dabei agieren die Hochtöner schnell und auflösend, stellenweise aber etwas zu scharf. Die Premium 50.2 stellen deswegen nicht unbedingt die perfekten Klangspender für Hörtypen mit Fokussierung auf eine möglichst seidige-weiche Klangcharakteristik dar: anstelle einer warmen Klangeinfärbung setzen die Lautsprecher ihren Schwerpunkt auf eine analytisch geprägte Ausleuchtung. Daher ergibt sich auch die Tendenz, dass die beiden Testgeräten mit zunehmender musikalischer Komplexität überzeugen. Die Piega Premium 50.2 verkörpert weniger den Typus von Lautsprecher, der für Norah Jones & Co. gebaut wurde, sondern speziell mit klassischer/anspruchsvoller Musik seine Klasse unter Beweis stellt.

Edle Verarbeitung, analytischer Klang
 - die Piega Premium 50.2 ist ein Fall
für Genießer, aber kein perfekter Allrounder

Piega Premium 50.2
Standlautsprecher Oberklasse
Paarpreis: ab 6.500 Euro
Test: 18. Februar 2013

Homepage des Herstellers: www.piega.ch

produziert und veröffentlicht von Lars Mette/Takeoff Media für AREADVD

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