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Test: Marantz SR-6004  - HDMI 1.3 Receiver inkl. Bluetooth für 999 Euro


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(23.Dezember 2009 - Autor: Lars Mette )

Der SR-6003 war ein absoluter Volltreffer: für überschaubare 1.000 Euro schnürte Marantz ein zeitgemäßes Ausstattungspaket mit solider Verarbeitung und ansprechenden Klangeigenschaften, welches auf großen Anklang innerhalb der Zielgruppe stieß. Durch Detailoptimierungen bei Ausstattung und Klang möchte der japanische Hersteller beim kürzlich erschienenen (preisgleichen) Nachfolgemodell, dem SR-6004, noch mehr Kaufanreize schaffen. Zu diesem Zweck verfügt die aktuelle Modellgeneration über Dolby ProLogic2z zur Einbindung von zusätzlichen Effektlautsprechern, Audyssey Dynamic EQ und Volume. Außerdem spendiert Marantz noch ein Bluetooth-Modul, mit dem eine drahtlose Klangwiedergabe von Handy- oder Computerinhalten ermöglicht wird. Die sieben Endstufen leisten nochmal 10 Watt mehr und werden nun mit 110 Watt@8Ohm im Datenblatt angegeben. Ansonsten haben sich die Japaner auf Detailverfeinerungen der ohnehin bereits komplett bestückten Baugruppen konzentriert. Die HDMI1.3 Sektion umfasst 4 Ein-, sowie 2 schaltbare Ausgänge, die Videosektion bietet Normwandlung, De-Interlacing sowie Scaling. Desweiteren verfügt auch der SR-6004 über eine Audyssey-Einmessung, grafische On-Screen-Menüs und Decoder für sämtliche aktuellen Tonformate. Im folgenden Testbericht möchten wir uns den klanglichen und ausstattungsbezogenen Änderungen widmen, um diese in Relation zum (guten) Vorgänger sowie den aktuellen Mitbewerbern zu bewerten. 

Verarbeitung/Optik:

Der aktuelle Jahrgang von Marantz' 6er Serie kleidet sich im selben Gewand wie die Vorgängergeneration. Mit Ausnahme der Typenbeschriftung sind keine Detailveränderungen in der Frontansicht zu erkennen. Dieser Umstand stellt jedoch kein Negativmerkmal dar, denn schließlich gehörte schon der SR-6003 zu den schönsten Geräten der 1.000 Euro Klasse. Mit Ausnahme von Lautstärke- und Quellenregler (sowie dem obligatorischem Power-Button) versammeln sich sämtliche Bedienelemente unter einer großen Klappe. In Kombination mit der geschmackvoll eleganten Linienführung ergibt sich somit ein aufgeräumter und optisch ansprechender Auftritt.


Beim Blick auf die Seite erspähen wir die übliche Gehäuseverschraubung in dieser Preisklasse. Massive Seitenverkleidungen aus Aluminium ohne sichtbare Verschraubungen behält sich Marantz (wie auch die anderen Hersteller) für hochwertigere Geräte auf. Das verwendete Blech ist ähnlich dünnwandig wie bei vergleichbaren Geräten von Denon, Yamaha und Co. Bei den Passungen der verschiedenen Chassiselemente gibt es keinen Anlass zur Klage, die Spaltmaße fallen sehr gleichmäßig aus. Zusätzlich zu unserem silberfarbenem Testgerät liefert Marantz den SR-6004 auch in schwarz. 



Die Anschlussbuchsen sind solide ausgeführt und erweisen sich als zweckmäßig und robust. Die Rückwand verbiegt sich auch beim kräftigen Einstecken von Kabeln nicht. Bei den Lautsprecherterminals sind Menschen mit großen Fingern aufgrund der engen Positionierung etwas im Nachteil, aber ansonsten gehen auch diese Schnittstellen in Ordnung. Speziell bei Verwendung von Lautsprecherkabeln jenseits des 2,5mm² Kabeldurchmessers empfiehlt sich der Einsatz von Bananensteckern, welche im SR-6004 sicheren Halt finden. 


Die Abdeckplatte des Bedienpanels besitzt eine Aluminiumschicht und fügt sich deswegen nahtlos in die Gesamtoptik ein. Hinsichtlich der mechanischen Integration überzeugt die Konstruktion. Die Klappe gleitet zwar nicht ganz so stark bedämpft wie zB. bei einem Yamaha RX-V1900 herunter, weist aber eine zufriedenstellende Passgenauigkeit und Solidität auf.



Die beiden Drehregler aus poliertem Aluminium besitzen eine exzellente Anfassqualität, könnten aber durchaus noch etwas präziser und leichtgängiger laufen. Ein hübsches Detail stellt die ringförmige Einfassung dar, mit dem die ein optisch ansprechender Übergang zwischen den verschiedenen Gehäuseelementen geboten wird. Auf eine Illumination (wie zB. bei den aktuellen Onkyo Modellen) verzichtet Marantz.



Je nach Lichteinfall sorgt der verwendete Materialmix für einen leichten Bicolor Effekt: im mittleren Frontbereich kommt geschliffenes Aluminium zum Einsatz, während die Seitenteile aus lackiertem Spezialkunststoff bestehen. Laut Marantz liegt der Grund jener Zusammenstellung in einer besseren akustischen Dämpfung des Gehäuses. Anstelle eines Standby-Buttons verfügt der AV-Receiver über einen klassischen Netzschalter, der das Gerät komplett stromlos setzt. Im untersten Stockwerk glänzt das Gerät mit optisch ansprechenden Standfüssen aus Kunststoff mit Alumiumbeschichtung.


Das integrierte Gerätedisplay gehört zu den besseren seiner Art: es informiert in zweizeiliger Schrift über gewählte Quelle/Surroundmodus, sowie Lautstärke. Erfreulich ist die Tatsache, dass die Schriftgröße recht groß ausfällt, was die Ablesbarkeit auch aus größeren Entfernungen erleichtert. Zusätzlich beinhaltet das Display noch einige kleine Piktogramme bzw. Symbole, um diverse Betriebszustände zu visualisieren. Eine stufenweise Dimmfunktion besitzt der SR-6004 zwar nicht, aber immerhin lässt sich das Display komplett deaktivieren (es blendet sich dann lediglich bei Statusänderungen kurz ein).



Die gelant-geschwungenen Seitenteile unterstreichen den Designfaktor des SR-6004, wobei der Blick zu höheren Preisdimensionen verdeutlicht, dass es im Detail noch besser geht. Die generelle Verarbeitungsqualität geht für die 1.000 Euro Kaufpreis absolut in Ordnung: Kantenverarbeitung und Materialauswahl liegen diesbezüglich absolut im grünen Bereich. Der größte Eyecatcher stellt aber zweifellos die puristisch-unerschütterliche Optik mit einer Prise Bolidenflair dar, mit dem sich der SR-6004 im Händlerregal von seinen Kontrahenten distanziert.
technischer Aufbau:


In Bezug auf den Lieferumfang hat sich Marantz nicht lumpen lassen und packt dem SR-6004 viele Goodies in den Karton. So finden sich (neben dem Gerät mitsamt Handbüchern und Stromkabel) noch zwei Antennen, ein Einmessmikrofon, eine LCD-Fernbedienung und der Bluetoothempfänger RX101 im Zubehörfundus. In Anbetracht des Kaufpreises kann man diesbezüglich absolut nicht meckern. Gut informierten Heimkino-Enthusiasten dürfte bekannt sein, dass Marantz mit dem SR-5004 eine minimal abgespeckte Version des SR-6004 für 699 Euro anbietet. Das günstigere Modell kommt ohne Bluetooth-Empfänger (lässt sich für 119 Euro aber nachrüsten), mit einer einfacheren Fernbedienung und muss ohne USB-Anschluss und zweitem HDMI-Ausgang auskommen. Außerdem sind die Endstufen um 10 Watt pro Kanal schwächer. Ansonsten entspricht die technische Basis dem hier getesteten Modell, so dass sich budgetbewusste SR-5004 Interessenten in Bezug auf Funktionsvielfalt und Bauweise an unserem folgendem Ausflug in die Innereien des SR-6004 ebenfalls orientieren können.



Unter der Haube erkennt man dem SR-6003 an, dass er viele Weiterentwicklungen gegenüber seinem Vorgänger genossen hat: das grundsätzliche Layout (Kühlkörper quer hinter Frontplatte, Netzteilsektion auf der linken Seite) blieb unverändert, doch speziell hinsichtlich Bestückungsdichte und Verkabelung sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Der SR-6004 wirkt nochmals aufgeräumter und besser strukturiert. Marantztypisch verteilen sich die Baugruppen auf drei Hauptboards, die sich jeweils um die Verstärkung, sowie die digitale und analoge Signalverarbeitung kümmern.



Das oberste Platinenstockwerk wird aus Platzgründen verkehrt herum (bestückte Seite nach unten) montiert. Deswegen war es notwendig, die komplette Platine herauszuschrauben, um weitere Eindrücke des inneren Aufbaus zu erlangen (siehe Bild oben). Wie bei modernen AV-Receivern mit HDMI 1.3 Sektion üblich, befinden sich auch beim SR-6004 sämtliche digital operierenden Baugruppen auf einer Platine. Die prominentesten Vertreter jener Gattung stellen Videoprocessing und DSP-Sektion dar. Auf dem großen Platinenbereich erfolgt somit gleichzeitig die Signalannahme, das Decoding, sowie das Postprocessing für Audio UND Video. Die rechts angesteckte kleinere Platine ist für die Annahme der analogen Videosignale zuständig und leitet die Informationen an den zentralen Videoprozessor weiter, der dann (u.a.) für die Normwandlung zuständig ist. Im darunterliegenden Stockwerk sind die analogen Audioschaltkreise beheimatet. Im Kellergeschoss findet man die Endstufenzüge sowie Vorstufenausgänge. Die Steuerung des Bluetooth-Moduls erfolgt über eine separate Platine an der linken Gehäuseseite (bezogen auf das Bild).


Der SR-6004 besitzt 7 Endstufen mit diskretem Schaltaufbau, die laut Marantz bis zu 7x110 Watt/8Ohm an allen Kanälen gleichzeitig mobil machen. Diese umfassende Leistungsausbeute soll laut Hersteller auf großdimensionierte Transformatoren sowie Kondensatoren zurückzuführen sein. Marantz spricht in diesem Zusammenhang von "beeindruckend" hohen kapazitiven Widerständen, um eine überdurchschnittlich souveräne Verstärkung zu gewährleisten. Die beiden größen Elektrolytkondensatoren fallen durch ihre kompakte Bauweise zwar nicht direkt ins Auge, weisen aber (laut Aufdruck) eine beeindruckende Siebkapazität von 20.000 Microfarad auf - pro Stück wohlbemerkt. Dieser Wert wäre eigentlich sogar bei vielfach teueren AV-Boliden absolut angemessen, so dass wir hier gleichermaßen skeptisch wie auch gespannt sind, was die Praxistests hinsichtlich der Pegelfestigkeit ergeben. Normalerweise ist solch ein großer Stromspeicher nur mit deutlich größeren (und sehr teuren) Kondensatoren zu bewerkstelligen und findet sich üblicherweise in hochpreisigeren Geräten.

Die sieben Endstufen lassen sich sehr variabel nutzen. Ein kleiner Kippschalter auf der Rückseite dient dazu, ein Lautsprecherpaar "C" zu versorgen, womit man dann zB. für Surround und Stereo auf verschiedene Schallwandler zurückgreifen könnte. Über das Gerätemenü sind viele weitere Konfigurationen realisierbar, so dass sich insgesamt folgende Konstellationen/Möglichkeiten ergeben:

LS in Hauptzone Optionen
5.1 Setup - Front B Lautsprecher an den unbenutzten Front-Height Buchsen. Diese können dann umgeschaltet und auch zusammen mit Front A betrieben werden. Hierüber ist dann auch eine Möglichkeit zum Bi-Amping gegeben.
- Front C Lautsprecher kann an den Surroundback-Terminals angeschlossen werden, so dass man noch eine dritte Umschaltmöglichkeit besitzt.
- Powered Zone 2: Verstärkung der Stereo Signale für den zweiten Hörbereich
7.1 Setup - mit Surroundback Lautsprechern
- mit Front-Height Lautsprechern
9.1 Setup - grundsätzlich kann man SB und FH gleichzeitig anschließen, es ist aber NICHT möglich, beide Paare simultan ansteuern zu lassen. Die Wiedergabe erfolgt ENTWEDER per PL2z (FH) oder PL2x(SB)


Widmen wir uns den technischen Funktionen der verbauten VPU (Video Processing Unit). Der IP00C773 von i-Chips kam auch schon im SR-6003 zum Einsatz und realisiert über einen 10-bit Bus bewegungsadaptives De-Interlacing sowie Scaling bis hin zu 1080p. Auch die Generierung der On Screen Menüs findet in diesem Chip statt. I-Chips positioniert den IP00C773 als preisgünstige VPU (benötigt außerdem auch nur eine SDRAM Bank zum Arbeiten) mit überragenden Bildeigenschaften. Die Entwickler versprechen nicht nur Bestwerte hinsichtlich des De-Interlacings, sondern achteten auch auf Bildschärfe, Farbechtheit und eine artefaktfreie Bildbearbeitung. Das Scaling erfolgt über eine 6x6 Interpolation mit FIR Filter, mit dem z.B. diagonale Linien in SD-Material exakt erfasst werden sollen. Sämtliche Videofunktionen lassen sich ausschließlich auf analog eingespeiste Videosignale anwenden - HDMI-Streams schalter er lediglich um. Als Normwandler kommen AD-Konverter von Analog Devices zum Einsatz, womit der SR-6004 in der Lage ist, analoges Videomaterial zu digitalisieren. Die Ausgabe von jenen Signal kann dann sowohl über einen gleich- oder höherwertigeren analogen Videoausgang , oder per HDMI erfolgen. Eine Abwärtswandlung oder Analogausgabe von HDMI-Signalen ist nicht möglich. 

Im Praxistest zeigt die Marantz SR-6004 hinsichtlich seiner Videofunktion diesselbe gute Performance wie sein Vorgänger: die analogen Signale werden sauber umgesetzt, Farbschattierungen und -verläufe arbeitet das Gerät bei der Normwandlung gut heraus, das Scaling erzeugt saubere Kantenverläufe sowie scharfe Konturen. Das De-Interlacing von analog eingepeistem Videomaterial gelingt dem SR-6004 verhältnismäßig detailreich sowie bewegungsstabil und liegt diesbezüglich nur knapp hinter der absoluten KLassenspitze im 1.000 Euro Segment. Auf HDMI-Ebene bietet der Marantz Receiver zwar keine fortgeschrittenen Video-Operationen an, schleift aber sämtliche Signale zuverlässig und ohne erkennbaren Qualitätsverlust durch. Das Umschalten zwischen den beiden HDMI-Ausgängen funktioniert gleichermaßen problemlos und schnell. Lediglich in Kombination mit dem Denon DBP-4010UD und einem einzelnem 15-Meter Kabel mussten wir uns mit Handshake-Problemen auseinandersetzen, die uns leichte "Schneeeffekte" auf schwarzen Bildbereichen einbrachten. Da jene Peripherie an anderen Geräten (zB. Denon AVR-4310) anstandlos läuft, ist davon auszugehen, dass der Signalverstärker im SR-6004 in bestimmten Konstellationen an seine Grenzen kommt. Von diesem Einzelfall abgesehen, gibt die Qualität der Videosektion absolut keinen Grund zur Kritik und dokumentiert eindrucksvoll das hohe Leistungsniveau in der Mittelklasse.



Mit seinen vier HDMI Eingängen ist der Marantz Receiver für seine Preisklasse etwas spärlich ausgestattet. Die meisten aktuellen Mitbewerbergeräte besitzen mittlerweile mindestens 5 - in manchen Fällen sogar 6 Eingänge. Dafür kann der SR-6004 mit zwei HDMI-Ausgängen aufwarten, zwischen denen per Fernbedienung umgeschaltet werden kann. Dabei unterstützt das Gerät sogar unterschiedliche Ausgangsauflösungen (im Gegensatz zum etwas günstigeren Modell SR-5004). Die HDMI Sektion dieses Gerätes unterstützt Deep Color, jedoch keine CEC Kontroll-/Steuerungsfunktionen. Entsprechende Befehle, die von Quellgeräten kommen, leitet der SR-6004 jedoch an das Bildwiedergabegerät weiter, sofern es am HDMI-Ausgang Nummer 1 steckt. Als Lipsync Funktion steht sowohl eine Auto-Schaltung, als auch eine manuelle Zeitverzögerung zur Verfügung. Diese kann global über die Fernbedienung in 10-ms Schritten bis zu einem Wert von 200ms eingestellt werden. 


Die DSP-Sektion basiert auf der TMS320D7 Chipreihe vom Halbleiterspezialist Texas Instruments. Über diesen 32-Bit Digitalsignalprozessor ist das Gerät in der Lage, alle aktuellen Tonformate, inkl. HD-Audio-Streams, zu dekodieren. Die nachfolgende Wandlung erfolgt auf allen Känalen mit einer Auflösung von 192 kHz bei einer Wortbreite von 24-Bit, so dass an diesem wichtigem Punkt ein hohes Niveau geboten wird. Die integrierten DSP-Programme umfassen nicht nur Dolby Prologic2x sowie DTS:Neo6, sondern ebenfalls das Marantz-eigene Circle Surround II. In Bezug auf sonstige DSP-Programme gibt sich der Receiver spartanisch und verzichtet auf Simulationsprogramme diverser Lokalitäten wie Kirchen oder Nachtclubs. Zur Verbesserung der MP3 Wiedergabe verfügt das Gerät über eine Funktion mit der Bezeichnung M-Dax. Der Marantz Dynamic Audio Expander soll dazu dienen, die klanglichen Einbußen bei komprimierten Audiofiles zu kompensieren. M-Dax lässt sich bei der Wiedergabe entsprechender Medien in drei Stufen (Off, Low und High) justieren. Bei unseren Tests stellte sich die mittlere Stufe als beste Variante heraus, da sie einen guten Mittelweg zwischen dynamischer Nachwürzung sowie natürlicher Musikwiedergabe bietet. Für die räumliche Wiedergabe ohne Surroundlautsprecher beinhaltet der SR-6004 zusätzlich die Dolby Virtual Speaker Technologie. Kopfhörerfreunde werden sich über den integrierten Dolby Headphone-Modus freuen, der über Phasenverschiebungen eine räumliche Darstellung beim Tragen von Köpfhörern anbietet.

Neu beim SR-6004 ist die Unterstützung von Dolby PrologicIIz, über welches zwei Front-Höhenlautsprecher angesteuert werden können. Dolby ProLogicIIz ist in fast sämtlichen Betriebsmodi hinzuschaltbar, kann wegen der sieben Endstufen allerdings nicht gleichzeitig mit ProLogic2x betrieben werden. Der analoge Mehrkanaleingang leitet sämtliche Daten  grundsätzlich unbearbeitet direkt an die Endstufen weiter (ohne Bass-Management, Equalizer und sonstige Klangregelungsfunktionen). Bei ProLogic2x muss man beachten, dass es sich (im Gegensatz zum Klassenstandard) nicht auf DTS-Streams anwenden lässt, so dass die Surround-Back Lautsprecher stumm bleiben. PCM-Zuspielungen können jedoch mit PL2x aufgespannt werden. 

Die DSP Modi des SR-6004 in der Übersicht

Dolby Dolby Digital 2.0, 5.1 inkl. EX
Dolby True HD , Dolby Digital Plus
Dolby ProLogicIIx + Cinema und Musik, voll konfigurierbar - funktioniert bei Dolby - und PCM Zuspielung (auch Mehrkanal)
auf sämtliche Tonformate lässt sich PL2x zur Generierung der Surroundback anwenden
Dolby ProLogicIIz - zur Ansteuerung von Front-Höhenlautsprechern, lässt sich auch auf DTS-Streams anwenden
DTS DTS 5.1, 24/96, DTS-ES 6.1 Matrix/Discrete
DTS Neo:6 Movie und Musik, voll konfigurierbar
DTS-HD High Resolution, DTS-HD Master Audio
auf DTS-Formate ist PL2x NICHT anwendbar
sonstige Stereo (inkl. Downconverting von Mehrkanalquellen)
Pure-Audio (Abschaltung sämtlicher nicht Stereo-relavanten Schaltkreise und Umgehung jeglicher DSP-Eingriffe, lässt auf alle Eingänge inkl. HDMI anwenden)
Circle SurroundII
Dolby Virtual Speaker
Dolby Headphone
M-Dax
PCM über HDMI, mit nachträglicher Anwendung von PL2x



Hinsichtlich der Anschlussbestückung orientiert sich der SR-6004 an den Bedürfnissen seiner Zielgruppe: mit 6 herkömmlichen/"alten" Digitalschnittstellen bietet er diesbezüglich eine recht großzügige Bestückung und mit drei Component Video-Eingängen verfügt er auch diesbezüglich über ein überdurchschnittliches Niveau. Die vier HDMI-Ports sollten den meisten Anwender reichen - der Klassenstandard liegt jedoch bei 5 oder 6 Schnittstellen. Dafür bietet der Marantz Receiver jedoch die beiden schaltbaren Ausgänge. Aufgrund der 7-kanaligen Datenverarbeitungsstruktur, steht dementsprechend auch "nur" ein 7.1 Pre-Out Anschlusspanel zur Verfügung, so dass man auch mit Hilfe von externen Endstufen keine 9.1 Wiedergabe (mit Surroundback- UND Front Height Lautsprechern) realisieren kann. Die S-Video Buchsen sind der Modellpflege fast komplett zum Opfer gefallen, es befindet sich lediglich noch ein solcher Eingang unter der Frontklappe. Zum Anschluss von Geräten mit Eurosteckern steht noch ein Netzanschluss mit bis zu 150 Watt zur Verfügung. Die Anschlussbuchse für das Bluetooth-Modul ist im rechten Bereich unterhalb der Toslink-Schnittstellen untergebracht.

Die Anschlüsse des Marantz SR-6004 in der Übersicht:

Audio digital 2x coaxialer Eingang 
4x optischer Eingang / 1x optischer Ausgang
1x USB
Audio analog 7x Stereo analog Eingang / 3x Ausgang
1x 7.1 Channel analog Eingang
1x Stereo Pre-Out für Zone 2
1x 7.1 Channel analog Ausgang als Pre-Out
Video digital 4x HDMI 1.3a Eingang / 2x HDMI 1.3a Ausgang
Video analog 5x FBAS Eingang / 2x Ausgang
1x S-Video Eingang 
3x Component Eingang / 1x Ausgang
sonstige Bluetoothmodul, RS232, Antenne, DC-Trigger, Remote in/Out


Hinter der Frontklappe findet sich (fast) alles, was sich das Heimkinoherz wünschen kann: neben analogen Audio- und Videoeingängen, offeriert der SR-6004 auch einen optischen Digitaleingang sowie eine USB Schnittstelle. Zusätzlich stehen noch Direktzugriffstasten für die Quellenwahl und ein Navigationskreuz zur Verfügung. Auch Kopfhörer und Messmikrofon werden hinter der Frontklappe entgegengenommen. Insgesamt eine sehr gute Lösung, weil der SR-6004 auf diese Weise trotz seiner aufgeräumten Optik viele Funktionen bietet. Trotzdem gibt es noch Raum für Verbesserungen: so wäre ein Front HDMI Eingang genauso wünschenswert, wie eine coaxiale Digitalschnittstelle. Unerreicht ist nach wie vor die Lösung von Harmon Kardon, wo die vergleichbaren Receiver eine Umschaltmöglichkeit zwischen Ein- und Ausgabe bei den Frontschnittstellen anbieten. 

Als akzeptierte Geräte an der USB-Buchsen nennt Marantz (neben USB-Sticks und mobilen Festplatten) iPods ab der fünften Generation, sowie die Modelle iPod nano, classic, touch und das iPhone. Sämtliche Audiodaten werden digital im PCM-Verfahren ausgelesen und auf dem Display angezeigt. Der SR-6004 akzeptiert sämtliche Apple-relevanten Formate, zu denen wav, MP3, WMA und natürlich AAC gehören. Der verlustfreie Audiocodec FLAC unterstützt das Gerät hingegen leider nicht, wie es zB. beim (teureren) Denon AVR-4310 der Fall ist. Die Datenstruktur funktioniert bist auf eine Tiefe von 8 Ordnern; maximal werden 700 Ordner bzw. 65535 Dateien auf einem Datenträger erkannt.

 

Die größte ausstattungsbezogene Besonderheit stellt die Bluetooth-Funktion dar, die über das oben abgebildete schwarze Kästchen realisiert wird. Die Anbindung zum Receiver erfolgt über den MX-Port, einer Eigenentwicklung von Marantz zur nachträglichen Funktionserweiterung über externe Peripherie.  Der Drahtlosempfänger mit der Bezeichnung RX101 bietet drei verschiedene Funktionen:

- als Bluetooth-Empfänger für Audioübertragung von sämtlichen Geräten mit entsprechender Ausgabeschnittstelle. Hierzu gehören nicht nur die meisten Handys inklusive dem beliebten iPhone, sondern auch Bluetooth-bestückte Notebooks bzw. PCs. Die Verbindungsherstellung ist denkbar einfach und unkompliziert: es muss lediglich ein kleiner Knopf zur Verbindungsinitialisierung auf dem Modul gedrückt werden. Anschließend ist lediglich eine Bestätigung des Pairings auf dem Ausgabegerät notwendig. Hierüber können dann sämtliche zweikanaligen Audioformate übermittelt werden, die das jeweilige Ausgabegerät beherrscht. Die Klangqualität bzw. Verbindungszuverlässigkeit gab in unseren Tests keinen Anlass zur Klage, so dass man diese Funktion als ausgereift und alltagstauglich bezeichnen kann.

- Steuerung von Wiedergabelisten über die SR-6004 Fernbedienung. Aufgrund einer bidirektionalen Bluetooth-Verbindung ist es sogar möglich, die Grundfunktionen der gängigsten PC-Abspielpogramme über den AV-Receiver vorzunehmen. Auch die meisten Handys sind mit dieser Steuerung kompatibel.

- über einen kleinen Schalter am RX101 ist es außerdem möglich, das Modul als externen Infrarotempfänger zu konfigurieren. In dieser Konstellation leitet das Modul sämtliche Fernbedienungssignale an den SR-6004 weiter, was natürlich insbesonder dann von Vorteil ist, wenn das Gerät durch (z.B. einen Schrankeinbau) keinen direkten Sichtkontakt zum Controller hat. Durch die Remote-In/Out Buchsen kann der SR-6004 die empfangenen Signale an zusätzliche Geräte weitergeben.



Bei AV-Receivern der 1.000 Euro Klasse gehört eine leistungsfähige Raumanpassung mittlerweile zum guten Ton. Marantz vertraut hierfür (wie auch Denon und Onkyo) auf das Einmessverfahren MultEQ von Audyssey. Beim SR-6004 kommt eine Version zum Einsatz, welche bis zu 6 Positionen im Hörraum einmisst bzw. optimiert. Gegenüber den Vorgängermodell verfügt die aktuelle Generation über die Funktionen Dynamik EQ und Volume.  Die Audyssey MultEQ Einmessung arbeitet mit FIR (Finite Impulse Response)-Filtertechnik und Advanced Low Frequency Correction (ALFC), um eine exakte Anpassung an den Hörraum und den dortigen Gegebenheiten zu ermöglichen. Es stehen verschiedene auswählbare Kurven zur Verfügung: Die Audyssey MultEQ Referenzkurve und ihre Ableger Audyssey Flat (flach über den gesamten Frequenzgang) und Audyssey Bypass Front (Referenzkurve ohne Korrektur der Front L/R-Lautsprecher). Zusätzlich bringt der SR-6004 auch einen manuell einstellbaren grafischen Equalizer mit.  Im Detail bevorzugte das Einmessverfahren eine höhere Trennung zwischen Satelliten und Subwoofer, stellte aber dennoch flüssige Übergänge her. Lediglich die Einpegelung des Subwoofers musste in einigen Fällen manuell wieder etwas angehoben werden, um ein adäquates Bassfundament zu bekommen. Zur besseren Einordnung des Klangcharakters beziehen sich unsere Höreindrücke im weiteren Verlauf dieses Testberichts auf die Wiedergabe ohne Einflüsse von Equalizern. Letztendlich sind dessen spezifischen Eingriffe sehr stark vom Raum, der Aufstellung, sowie den Lautsprechern abhängig. Damit die errechneten EQ-Werte ihre Wirkung voll entfalten können, deaktiviert der SR-6004 bei Benutzung von Audyssey die Klangfarbenregler (Bass+Höhen Einstellung). Die Audyssey Equalizer-Modi stehen übrigens nicht allen Eingängen und Surroundarten zur Verfügung: abgesehen vom analogen Mehrkanaleingang unterstützt der SR-6004 auch bei der Wiedergabe von Dolby True HD, Dolby Digital Plus und DTS-HD Signalen keine Nachbehandlung via Audyssey. Die Grundparameter (LS-Konfig, Bass-Management, Kanalpegel und Delay) bleiben jedoch erhalten und werden auch bei HD-Spuren angewandt. 

Mit den Zusatzfunktionen "Dynamic EQ" und "Dynamic Volume" bietet der Marantz SR-6004 zwei interessante Ergänzungen für den Alltagsbetrieb: 

Dynamic EQ realisiert eine dynamische(!) exakte Anpassung an die jeweilige Lautstärke. Die Frequenzbereiche werden somit in Echtzeit an die jeweilige Lautstärke angepasst. Dynamic EQ arbeitet auf sämtlichen Lautsprecherkanälen, funktioniert im jedem DSP-Modus (ausgenommen Pure Direct) und lässt sich auch unabhängig von MultiEQ anwählen. Die Bandbreite ist sogar derart hoch, dass es auch umgekehrt arbeitet und ebenfalls bei hohen Pegeln eine Anpassung des Frequenzverlaufs an die menschliche Hörsensivität vornimmt. Das Ziel ist hierbei nicht nur eine tonale Optimierung, sondern zugleich auch eine Verbesserung der Dynamik und Differenzierung.

Dynamic Volume stellt eine optimierte/intelligente Lautstärkeregelung dar. Fast jeder Besitzer einer Heimkinoanlage kennt die verschiedenen Szenen, wo große Pegelunterschiede für Probleme sorgen können: im klassischen Fall stört sich die Ehefrau/der Nachbar über den spätabendlichen Filmgenuss, doch mittlerweile sorgt auch aggressiv abgemischte TV-Werbung für große (ungewollte) Dynamiksprünge. In beiden Fällen äußert sich das Problem auf die gleiche Weise, indem der Zuschauer fast permanent mit der Fernbedienung auf der Lauer liegen muss, um die Lautstärke zwischen leisen Dialogen, krachenden Explosionen oder Tampon-Werbung zu regulieren. Für solche Fälle bietet zwar fast jeder AV-Receiver einen klassische Dynamik-Reducer (zB. der "Night-Mode" bei Denon), allerdings lässt deren Wirkungsweise oft zu wünschen übrig. Die Anpassung der Lautstärke erfolgt hier teilweise sehr sprunghaft, so dass Actionsequenzen mitunter leiser dargestellt werden, als geflüsterte Dialoge. In vielen Fällen wird die ursprüngliche Charakteristik des Filmmaterials auf brutalisierende Weise verändert. Außerdem arbeiten bisherige Dynamik-Reducer fast ausschließlich mit Dolby Digital 5.1 Streams. Beide Probleme umgeht Dynamic Volume. Im Gegensatz zum Night-Modus wird hier nicht mit festen Operanden aus dem Dolby Track gearbeitet, sondern eine permanente Abtastung des Audiosignals vorgenommen, um daraus eine sinnvolle Audioanpassung zu errechnen. Auf diese Weise funktioniert Dynamic Volume mit sämtlichen Dateneingangsformaten sowie DSP-Modi. Es daher sowohl möglich, eine DTS HD-Master Audio Tonspur mit Dynamic Volume zu komprimieren, wie auch das Stereosignal eines TV-Senders. 

Die wichtigsten technischen Daten in der Zusammenfassung (Herstellerangaben):

Gerät/Preis Marantz SR-6004 / 999 Euro
Aufbau HDMI 1.3 AV-Receiver mit 7 Endstufen
Leistung 7x 110 Watt an 8 Ohm
wichtigste Funktionen 4x HDMI 1.3 in, 2x HDMI 1.3 out
Decoder für alle aktuellen Formate inkl. HD-Streams
Scaling + De-Interlacing für analoge Quellen
Normwandlung für analoge Quellen
Audyssey MultEQXT mit Dynamic Volume und EQ
iPod kompatibler USB-Eingang
Besonderheiten Bluetooth-Modul
Dolby Proglogic II Z
Abmessungen 44,0 x 16,0 x 38,8cm (B,H,T)
Gewicht 13,2 Kilogramm
Bedienung und Einstelloptionen


Die Bedienung direkt am Gerät geht denkbar leicht von der Hand: über den Powerknopf (unten links) wird der Receiver eingeschaltet; für die Quellenwahl greift man zum linken Drehregler, während das rechte Pendant für die Lautstärke zuständig ist. Nach Öffnen der Klappe gibt der Receiver genügend Buttons frei (siehe drittletztes Bild), um sämtliche Funktionen auch ohne Fernbedienung steuern zu können. Interessantes Detail: wer will, kann die kompletten Fronttasten unter der Klappe sperren, um unerwünschte Bedienvorgänge zu sperren (Tasten "Pure Direct" und "Exit" gleichzeitig für 3 Sekunden gedrückt halten).

Die mitgelieferte Marantz-Fernbedienung verströmt durch ihre konventionelle Machart nicht unbedingt einen sonderlich exklusiven Flair auf dem Couchtisch. Durch ihre gute haptische Materialanmutung und der praktischen Tastenbelegung, stellt sich jedoch eine tadellose Alltagstauglichkeit ein, von der speziell die aktuellen Denon-Controller nur träumen können. Dank der integrierten Lernfunktion dirigiert die Fernbedienung bis zu 6 weitere Geräte innerhalb der Heimkinoanlage. Wer will, kann dem Controller sogar ein paar Makros beibringen. Damit Sie beim abendlichen Filmgenuss auch immer den perfekten Überblick haben, lässt sich der Controller per Knopfdruck komplett hinterleuchten. Im oberen LCD-Display wird das aktuell gesteuerte Gerät angezeigt. Im Receiver-Modus sorgen Direktzugriffstasten für z.B. LipSync, Dynamic EQ oder - Volume für unkomplizierte und schnelle Bedienvorgänge. 


Obwohl sich Marantz mit einem verschönertem On Screen Menü rühmt, hinkt man diesbezüglich immer noch deutlich hinter der Klassenspitze (Pioneer, Onkyo) her. Aber auch wenn der SR-6004 damit keinen Schönheitspreis gewinnt, so muss man wenigstens anerkennen, dass eine hervorragende Übersichtlichkeit und Struktur gegeben ist. Sämtliche Menüpunkte weisen eine sinnvolle Gliederung auf, mit der man schnell zu den gewünschten Funktionen gelangt. Wünschenswert wäre es, wenn Marantz bei der nächsten Modellgeneration auch eine deutschsprachige Menüführung integriert. 


Der erste Menüpunkt befasst sich mit sämtlichen quellenbezogenen Einstellungen, wie zB. die Eingangsbenennung oder die oben angezeigte Schnittstellenzuweisung. Doppelbelegungen sind dabei nicht möglich, so dass z.B. ein HDMI-Port immer nur einem Gerät zugewiesen werden kann. Zusätzlich steht in einem seperaten Menü noch eine Detailkonfiguration für die Pegeleinstellung des analogen 7.1 Eingangs zur Verfügung.


Laut Produktbeschreibung von Marantz verfügt der SR-6004 über optisch ansprechende dreidimensionale Grafiken für das Lautsprechersetup. Sicherlich erweist sich die Illustration als zweckdienlich und hilft bei der Konfiguration, doch als Augenweide ist das Gebotene nicht unbedingt zu bezeichnen. Etwas irreführend könnten unerfahrene Anwender die Darstellung bei einer 9.1 Konfiguration empfinden, wo man nicht über die Einschränkung aufgeklärt wird, dass immer "nur" maximal 7.1 Lautsprecher gleichzeitig angesteuert werden können. Die weiteren Menüpunkte beim Lautsprechersetup befassen sich mit den üblichen Optionen: das Delay ist in 0,3 Meter Schritten einstellbar, der Kanelpegel wird in 0,5db Schritten definiert. Das Bass-Management besitzt eine globale einstellbare Trennfrequenzen (40, 60, 80, 100, 120, 140). Darüberhinaus kann der Anwender wählen, ob der Bassanteil der Frontlautsprecher zusätzlich noch auf den Subwoofer gegeben werden soll (Funktion "both"), oder ob eine getrennte Wiedergabe (Funktion "mix") bevorzugt wird. Diese Einstellung wirkt sich jedoch nur bei PCM oder analoger Stereozuspielung aus. Bei den DSP-Modi "Pure Direct" sowie "Source Direct" wird die Kanalpegelung umgangen.



Im Surroundsetup finden sich alle Einstellungen, die sich mit der Funktionsweise der DSP-Modi befassen. Die wichtigsten Menüpunkte stellen die Parameter der Surroundaufpolierer von Dolby, Circle Surround und DTS dar, welche sich in den Musikausführungen in jeweils vollem Umfang an den Geschmack anpassen lassen. Die Funktion "HT-EQ" bietet eine THX-ähnliche Hochtonabsenkung, außerdem lässt sich der LFE-Pegel definieren. Die M-DAX Funktion stellt einen Marantz-eigenen Klangaufbereiter dar, mit dem man komprimierte Audiofiles im Hochtonbereich wieder auffrischen lassen kann.


Die Funktion im Video Setup sind weitesgehend selbsterklärend. Von besonderer Bedeutung ist die Auswahl und Konfiguration des HDMI Ausgang, wo man verschiedene Ausgangsauflösungen festlegen kann. Der Componentausgang kann wahlweise die Videodaten des Hauptbereiches oder der zweiten Zone ausgeben. Weitergehende Videoeinstellungen wie z.B. Helligkeits-, oder Schärferegler sucht man genauso vergeblich, wie eine individuelle Abschaltmöglichkeit des Scalers/De-Interlacer für einzelne Eingänge.


Bei der automatischen Einmessung ermittelt der Receiver über maximal 6 Messpunkte verschiedene Grundeinstellungen sowie Frequenzgänge für alle Lautsprecher. Wie bei Audyssey üblich, gehören dazu die EQ-Modes "Front" (frontbetonte Abstimmung der Rearspeaker), "Audyssey" (Voreinstellung und Empfehlung des Herstellers) sowie "Flat" (Frequenzgangslinearisierung aller LS).  Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit eines selbstkonfigurierten Equalizers. Die Auswahl der EQ-Setting erfolgt entweder über eine Direktzugriffstaste der Fernbedienung, oder das oben angezeigte Menü "Acoustic EQ". Hier besteht dann zugleich auch die Möglichkeit, sich die ermittelten Werte anzuschauen und eine Feinjustierung von Audyssey Dynamic und Volume vorzunehmen. Das Dynamic EQ Adjustment erlaubt dabei eine Änderung der Pegelreferenz, um dem Hörgeschmack vom Anwender besser entsprechen zu können. Über die Fernbedienung stehen noch Bass- und Höhenregler zur Verfügung. In den Modi Source Direct, Pure Direct, 7.1 ch Input, Dolby Virtual Speaker,• Dolby Headphone, Dolby True HD, Dolby Digital Plus, DTS-HD und 176,4/192 kHz PCM (sowie während der Anwendung eines Audyssey EQs und der M-DAX Funktion) werden sie jedoch automatisch außer Kraft gesetzt, um ein ungetrübtes Klangerlebnis zu gewährleisten.


Die EQ-Settings der einzelnen Kanäle visualisiert der Marantz Receiver in Form eines Neun-Band-EQs. Leider lassen sich die, von Audyssey errechneten, Werte nicht in den manuelle Speicherbank hineinkopieren, um ihn noch etwas an den Hörgeschmack anzupassen. Obwohl auch der Subwoofer eine automatische Frequenzgangskorrektur erfährt, bleibt er beim Audyssey-Check komplett außen vor. Und auch im selbstkonfigurierbaren Equalizer wird der Subwooferkanal schlichtweg totgeschwiegen. Hier sollte Marantz bei der nächsten Modellgeneration nachbessern, um versierten Anbietern die gleichen Optimierungsmöglichkeiten zu geben, wie es bei Pioneer , Onkyo und Yamaha der Fall ist. 

Testumgebung:

Der Marantz SR-6004 durfte sich in unserem High-End Studio komplett verausgaben und im Zusammenspiel mit einigen der edelsten Komponenten hinsichtlich Lautsprecher, Quellgeräte und Projektor alles aus sich herauskitzeln. Dank optimierter Raumakustik und farbkalibrierter Bildwiedergabe ist sichergestellt, dass sämtliche Erkenntnisse auch tatsächlich dem Receiver zuzuschreiben sind. Zusätzlich haben wir das Gerät auch in einem Wohnraumstudio installiert, wo es seine Alltagstauglichkeit hinsichtlich weniger optimalen Rahmenbedingungen beweisen muss.  

Unsere hauptsächlich eingesetzte High End Referenz-Hardware in der Übersicht:

Lautsprecher Isophon Arabba+ FRC + MA Platinum Sub 7.4 Set (ca. 94.000 €)
Monitor Audio Platinum 7.1 Surroundsystem (ca. 20.000€)
Elektronik Audionet AmpVII  (ca. 10.000 €)
Audionet PreG2 + MapV2 ( ca. 10.000 / 6.000 €)
Cinemike AVP-A1HDA (ca. 13.000 €)
Pioneer SC-LX90 (ca. 7.000 €)
Surround
Quellgeräte
Cinemike DVD-A1UD (ca. 7.000 €)
Pioneer BDP-LX91 (ca. 2.500 €)
Stereo
Quellgeräte
Accustic Arts Drive II
Accustic Arts Tube-DacII SE
(LW+Wandler Kombi, ca. 14.000€)
Peripherie Sim2 C3X1080 mit Cinemike Tuning (ca. 30.000 €)
Image iMasque vollmaskierbar, akustisch transp. (ca. 18.500 €)

AREADVD Baden-Württemberg arbeitet hauptsächlich mit Kabeln von: Mogami (Lautsprecher), 
German High-End (NF), Silent-Wire (HDMI), Supra (Subwoofer-XLR) und Audionet (Netzkabel).

Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch optimiert.

Praxiseindrücke:

Gegenüber dem Vorgängermodell schlägt der SR-6004 im Hörtest etwas andere Töne an. Wo der SR-6003 noch einen leicht warmen Einschlag hinsichtlich der Tonalität aufweist, orientiert sich der Nachfolger an einer analytischeren Klangwiedergabe. Besonders im Hoch-, sowie dem oberen Mitteltonbereich kleidet er das akustische Geschehen mit weit überdurchschnittlicher Akribie aus, was zu einer direkteren bzw. strahlungskräftigeren Charakteristik führt. Bei der Bass- und Sprachumsetzung konzentriert sich der SR-6004 auf eine trocken-präzise Spielweise, so dass sich kein übermäßig substanzvoll-anschiebender Grundtonbereich einstellt. Der Marantz Receiver besetzt in seiner Preisklasse die Position des audiophilen Musterschülers, der nicht durch vordergründige Tricksereien (Bass-Anhebung) glänzen will, sondern auf Basis von Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit nach Erfolg strebt. Demzufolge scheint es nur logisch, dass seine besonderen Fähigkeiten nicht unbedingt im grobdynamischen Antritt oder einem fulminantem Bassdruck zu finden sind. Dafür besticht der SR-6004 mit facettenreichen und klar differenzierenden Klangfarben und kann allgemein mit einer bestechenden Transparenz aufwarten. Im Surroundbetrieb sorgen feine Kanalübergänge für eine Extraportion Filmspaß, während die Stereowiedergabe von einer exzellenten Bühnenstaffelung geprägt wird. Wir haben nachfolgend ein paar Filmbeispiele vorbereitet, um Ihnen die Akustik des SR-6004 detailliert vorzustellen.

Mit dem SR-6004 im Gepäck begeben wir uns in das New York der heutigen Zeit und begleiten Peter Parker alias Spiderman im dritten Leinwandabenteuer durch die Hochhausschluchten der US-Metropole. In Kapitel 19 wird der flüchtige Larry Flint (Sandman) von 2 Streifenpolizisten enteckt und muss sich daher seiner Verfolger entledigen. Schon direkt beim Szenenanfang überzeugt der SR-6004 durch eine gute Umsetzung des Scores, indem sowohl die tief spielenden Blasintrumente, als auch das Hi-Hat hinsichtlich Detaillierung und Dynamik klar herausgearbeitet werden. Auch der herausrieselnde Sand bei der Kopfbewegung von Spiderman's Widersache geht nicht unter, sondern erscheint dank einer hohen Klangtransparenz im akustischen Vordergrund. An dieser Szene merkt man jedoch auch, dass akustisch leistungsfähigere Receivern noch mehr Feinschliff aufbringen und auch die Umgebungsgeräusche im Hintergrund (belebte Straße mitten in New York) differenzierter herausarbeiten. Für seine Preisklasse bietet das Marantz Gerät jedoch eine tadellose Vorstellung, insbesonders die LFE-Impulse bei der Untersuchung des Schuttladers erscheinen mit einer außergewöhnlichen Präzision und Trockenheit. Die anschließende Flugeinlage eines Polizisten inklusive unsanfter Landung auf der Frontscheibe eines PKWs, quittiert der SR-6004 mit einer gut ausbalancierten Einflechtung der Glasscherben (von Sicherheitsglas hält man in Hollywood scheinbar nicht viel..), wobei der hysterische Aufschrei der Fahrerin bei den besten Geräten in der 1.000 Euro Klasse noch etwas "anspringender" bzw. dynamischer umgesetzt wird. Anderseits gefällt der Marantz in jener Szene durch seine stets kontrollierte Art, bei der keine unangenehme Schärfe vorliegt. Zurück zum Film: nachdem die Situation nun einen etwas feindseligeren Flair aufweist, zücken die verbliebenen Polizisten hektisch ihre Pistolen und nehmen den ominösen Sandmann unter Beschuss. Während der bleihaltigen Auseinandersetzung bietet der SR-6004 eine stimmige Balance zwischen den Schusseffekten auf den Frontspeakern, sowie dem subtilen Score, der hauptsächlich über die rückwärtigen Lautsprecher eingebunden ist. Die hohe Ausgeglichenheit bleibt auch ein paar Sekunden noch gewahrt, wo sich der vermeintliche Bösewicht in Form eines Sandsturms aus dem Staub macht. Obwohl diese Aktion ein völlig gegensätzliches Surroundarrangement aufweist (Effekte schwenken von hinten nach vorne, Musik tritt in den Hintergrund), punktet der Marantz Receiver auch diesbezüglich mit ausgeglichener Raumdarstellung sowie guten Kanalübergängen. Beides ist in der vorliegenden Preisklasse keineswegs selbstverständlich, da manchmal auch ganz bewusst effektverstärkende Ansteuerungen der Rearspeaker zu beobachten sind. Der SR-6004 zählt jedenfalls nicht zu der Sorte von AV-Receivern, die Klangkultur für Effekthascherei opfern, so dass er sich insbesondere für Anwender mit dem Wunsch nach realistisch-anmutender Klangwiedergabe empfiehlt.

Nach der Sony-typischen Hochglanzproduktion mit brachialen Effekten und "Bombastsound" wenden wir uns mit dem Titel "Die Stadt der Blinden" einem Filmbeispiel mit gänzlich anderen akustischen Vorzeichen zu. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von José Saramago kommt auf Blu-Ray mit einem exzellent-sensiblen DTS-HD High Resolution Mix. Das Anfangskapitel beginnt mit einer rund zweiminütigen Einstellung, bei der eine stark befahrene Kreuzung inmitten einer Großstadt im Mittelpunkt steht. Die akustischen Informationen bestehen aus typischen Umgebungsgeräuschen (Hupen, Motoren, Fußgänger, Wetter) und werden vom SR-6004 derart sensibel auf allen Kanälen akribisch modelliert, so dass sich eine überdurchschnittlich authentische Abbildung ergibt. Im Detail begeistert der japanische Mehrkanaljongleur hierbei durch seine Fähigkeit, die Effekte besser von den Lautsprechern zu lösen, als es in der vorliegenden Geräteklasse üblich ist. Außerdem spielt der Receiver weniger punktuell und schafft eine einhüllende Surrounddarstellung. Die exzellent abgemischten Hochtoneffekte erfasst das Testgerät mit hoher Brillianz und Durchzeichnungstiefe. Gegenüber den direkt konkurrierenden Modellen von Onkyo und Denon fällt der SR-6004 durch ein etwas höheres Maß an Strahlkraft und Prägnanz auf, während die Mitbewerber einen leicht seidigen Einschlag im höchsten Frequenzspektrum aufweisen. In einer ungünstigen Lautsprecherkonstellation vermag diese Eigenschaften zwar duchaus eine leichte Überschärfung in die Wiedergabe einfließen zu lassen, doch andererseits steht die (isoliert betrachtet glasklare Hochtonwiedergabe) den meisten Schallwandler sogar ausgesprochen gut. Bei der Umsetzung der Filmdialoge zeichnet sich der SR-6004 vor allem bei Frauen- und Kinderstimmen mit einer guten oberen Mitteltontransparenz aus. Vokale Feinheiten erscheinen hinsichtlich Feindynamik, Tonlage und Intonation mit hoher Differenzierung aus dem Centerspeaker. Bilanzierend betrachtet, demonstriert der Marantz SR-6004, dass er gut genug ist, um die feinen Nuancen von gut abgemischten HD-Tonspuren nicht im Keim zu ersticken, sondern bemüht ist, deren Informationen an die Lautsprecher weiterzugeben. Es wäre übertrieben von einer perfekten Umsetzung der vielen subtilen Surroundarrangements zu sprechen: hierfür muss man sich in deutlich höheren Preisklassen umschauen, zumal schlichtweg oft auch die typischen Lautsprecherkombination in der SR-6004 Klasse keine Meister der Feinauflösung sind. Doch in Relation zum Klangvermögen der üblichen Peripherie trifft der SR-6004 das richtige Maß an Klangkultur und Feinnervigkeit, um einen maximalen Benefit aus guten HD-Abmischungen zu erlangen, ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen. Aufgrund der deutlich überdurchschnittlichen Klangdetaillierung und Feindynamik, stufen wir den SR-6004 sogar als einen der HD-tauglichsten AV-Receiver der 1.000 Euro Klasse ein !

Bei "Terminator 4 - Die Erlösung" sind Klangfeinheiten größtenteils eher Fehl am Platz. Stattdessen stellt das Actionspektakel rund um Christan ("Batman") Bale extreme Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Endstufen. Während den Endzeitkämpfen im Jahre 2018 treiben stampfende Syntaxbaum, Explosionen sowie Dramaturg Basseffekte jedem Kondensator die Schweißperlen auf das Dielektrikum. Der Marantz Receiver hält dieser Extrembeanspruchung selbst bei sehr hohen Pegeln verhältnismäßig wacker stand. Wie schon das Vorgängermodell pflügt sich auch der SR-6004 recht standhaft durch Bassgewitter, ohne übermäßig an Druck, Dynamik oder Präzision zu verlieren. Selbst bei kompletter Siebenkanalbestückung mit einem Nubert nuLine-Surroundsystem reicht die Performance für gut wahrnehmbare Dynamiksprünge. Der Mittel-/Hochtonbereich neigt verhältnismäßig langsam zum Überschärfen, so dass trotz der strahlungskräftigen Spielweise eine weniger aggressive Spielweise zu beobachten ist, als bei manch anderen Geräten mit weicherem Grundcharakter. Selbst beim Raketenanschlag auf ein U-Boot (gegen Ende des Filmes) bleibt eine gute Portion Luftigkeit in den restlichen Effektebenen vorhanden. Insgesamt kann man festhalten, dass Marantz mit dem SR-6004 eine solide Performance bietet, die für sämtliche alltäglichen Hörsituationen eines normalen Anwenders in einem 25m² Raum locker ausreicht, sondern selbst im Vergleich mit den stärksten Vertretern  der 1.000 Euro AV-Receiver-Klasse nicht übermäßig zurückfällt.

Weitere Eindrücke in der Zusammenfassung:

Wer seinen AV-Receiver auch gerne nutzt, um sich den stereofonen Genüssen hinzugeben, wird mit dem SR-6004 die womöglich beste Wahl in jener Preisklasse treffen. Die grundlegende Charakteristik mit Fokussierung auf feingliedrige Detailumsetzung mit hoher Detailausleuchtung sorgt selbstverständlich auch im Zweikanalbetrieb für eine überzeugende Akustik. Die Darstellung des Bassbereiches erfolgt knackig-trocken und geht Hand in Hand mit einer überdurchschnittlich guten Durchzeichnungsgeschwindigkeit. Der SR-6004 baut zwar nicht das substanzvollste Bassfundament auf, versieht das Klanggeschehen jedoch stets mit dem notwendigen Maß an Körperhaftigkeit und verwöhnt seine Rezipienten mit einer (vergleichsweise) hochpräzisen sowie differenzierten Spielweise. Die Abbildung von Stimmen im Pure Direct Modus ist besonders geprägt von einer klaren, durchsichtigen Umsetzung, wo fast schon ein Klangniveau von reinrassigen Stereokomponenten der Mittelklasse geboten wird. In der höchsten Frequenzetage arbeitet der Marantz Receiver mit der gewohnten Hochtonbrillianz, die wir schon im Surroundbetrieb zu schätzen gelernt haben. Das Gerät beschreitet dabei auch im Stereo-Modus eine stimmige Symbiose zwischen prägnanter Strahlkraft und musikalischer Sensibilität, ohne dabei einen übertrieben analytischen Flair zu vermitteln. Endgültige Begeisterung herrschte bei unseren Stereotests bei der Bewertung von Feindynamik sowie Raumdarstellung, wo sich der SR-6004 (ganz in der Tradition des Vorgängers) an die Klassenspitze setzt. Angesichts der sehr guten Tiefenstaffelung und Loslösung vom Lautsprecher schließt der Marantz-Receiver erstaunlich dicht auf reinrassige Stereokomponenten auf und lässt sich seine Abstammung als AV-Receiver kaum anmerken. Fazit: mit musikalischen Material kommt der SR-6004 bestens zurecht und empfiehlt sich somit auch für stereofone Einsatzzwecke.

Die Wiedergabe über Bluetooth erwies sich im Test als wertvolles und praktisches Feature: sicherlich erreicht man über jene Schnittstelle nicht ganz die audiophile Klasse einer herkömmlichen Zuspielung, doch was hier (mit guten Aufnahmen) an Klangtransparenz, Präzision und Dynamik geboten wird, dürfte selbst anspruchsvolleren Anwendern bei alltäglichen Hörsituationen zufriedenstellen. Aussetzer, Störgeräusche oder Grundrauschen sind dem SR-6004 völlig fremd und mit einer Reichweite von bis zu 5 Metern (abhängig von dem Raumbegebenheiten und Sender) erweist sich auch die Flexibilität als großer Pluspunkt. 

Die Audyssey-Einmessung arbeitet beim Marantz Receiver in gewohnter Manier und ist in der Lage, bei problembehafteten Räumen für eine Verbesserung der Klangqualität zu sorgen. Die Anbindung des Subwoofers gelang unserem Testgerät sehr gut (was eher selten der Fall ist), zumal auch das generelle Bass-Management stets einen stimmigen Eindruck hinterließ. In unserem (akustisch unoptimiertem) Hörraum hielt sich die Audyssey-Einmessung erfreulicherweise mit allzu heftigen Korrekturen (bzw. Eingriffen) zurück. Als Negativpunkt muss jedoch die fehlende Information über das Subwoofer-Equalizing genannt werden, außerdem bewirkt die Anwendung von Audyssey wie bei jedem Receiver einen mittelstarken Einbruch hinsichtlich Transparenz, Präzision und (ganz besonders) der Dynamik. Als Fausregel gilt: je besser der Raum, desto vorsichtiger sollte man mit der Nutzung von Auto-Equalizern sein. Deswegen erachten wir es auch nicht als sonderlich schwerwiegend, dass der SR-6004 bei HD-Tonspuren keine Audyssey-Funktionen realisieren kann. 

Wieder einmal mussten wir feststellen, dass sich Marantz mit seinen Receivern auf einfache Weise einen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb verschafft, was die Surroundaufpolierer betrifft: zwar verzichtet der SR-6004 auf eine überbordende DSP-Sektion mit zig Simulationsprogrammen, doch dafür verfügt er über eine sehr gut funktionierende ProLogicII (x/z) Integration und setzt als Sahnehäubchen das nochmals bessere Circle Surround II obendrauf. Wie schon bei vielen anderen Marantz Receivern zuvor, begeistert jener Modus auch beim SR-6004 durch eine hervorragend austarierte Mischung als Klangnatürlichkeit und Raumwirkung. Insbesondere hinsichtlich der Basspräzision, Feindynamik und Hochtontransparenz arbeitet Circle Surround II derart ausgezeichnet, dass musikbegeisterte Anwender nicht einmal mehr im Traum daran denken würden, stattdessen auf die entsprechenden Derivaten von Dolby oder DTS zurückzugreifen.

Markteinordnung:

Für 1.000 Euro bekommt man zwar noch keinen absolut perfekten AV-Receiver, doch es ist erstaunlich welch hohe Leistungen in der Klassenspitze mittlerweile vorherrschen. Insbesondere im Surroundbereich wird teilweise ein hohes Detaillierungsniveau aufgeboten, mit dem früher so mancher Bolide froh gewesen wäre. Der Marantz SR-6004 gehört dieser Kategorie an und erweist sich zudem noch als ausgesprochener Spezialist für musikalische Anwendungen. Der Onkyo TX-NR 807 besitzt eine seidigere, "weichere" Spielweise und erreicht nicht ganz die Durchzeichnungsgenauigkeit des Marantz. Stimmen gibt der Onkyo mit etwas mehr Timbre wieder, zumal auch der Bassantritt mehr Vehemenz besitzt. Mehrkanalig definieren beide Geräte (zusammen mit dem Denon AVR-3310) die Spitze der Preisklasse in Bezug auf die Weitläufigkeit und Kohärenz innerhalb der Surroundkulisse. Auch hinsichtlich der Pegelfestigkeit schenken sich die Geräte fast nichts, wenngleich der Onkyo noch ein wenig mehr Energie an die Lautsprecher ausliefern kann. Wenn Stereokost auf dem Speiseplan steht, zieht sich der 807 zwar achtbar aus der Affaire, muss sich aber dem SR-6004 recht deutlich geschlagen geben. Speziell das Lösen des Klanges von den Lautsprechern gelingt dem Marantz Receiver eine Klasse besser, zumal auch er im Bassbereich mehr Konturen aufzeigt. Der Denon AVR-2310 erleidet ein ähnliches Schicksal, wobei er durch seine luftigere Hochtondarstellung (gegenüber dem Onkyo) entspannter klingt und sich somit neben dem hochauflösenderem SR-6004 mit einer anderen Abstimmung als Alternative anbietet. Die Endstufen des AVR-2310 komprimieren und verzerren früher als jene Sektionen beim Gegenspieler aus dem Hause Marantz, daher klingt der SR-6004 bei bassgewaltigen Filmszenen spritziger/dynamischer und vermittelt mehr Spielfreude. Wer es noch ein gutes Stückchen besser haben will, sollte einen Blick die 1.500 - 2.000 Euro Klasse werfen, wo Marantz aktuell leider kein Eisen im Feuer hat. Momentan stechen hier insbesondere der Denon AVR-4310, sowie der Onkyo TX-NR 3007 heraus. Beide Geräte vermitteln noch mehr Klangkultur (Auflösung, Räumlichkeit, Feindynamik) und locken außerdem mit größeren Leistungsreserven, was sich in Bezug auf Pegelfestigkeit, Basswiedergabe und Impulsivität positiv auswirkt. Wer aber kein hochwertiges Lautsprechersystem einsetzt (oder sowieso eine schlechte Raumakustik besitzt), wird mit dem halb so teuren Marantz SR-6004 die sinnvollere Investition machen.

Tonalität/Grundcharakter strahlungskräftiger oberer Mitten+Hochtonbereich, trockene Bassabstimmung, gute Klangtransparenz + Brillianz, Pegelfestigkeit absolut ordentlich aber kein neuer Klassenrekord, Grobdynamik ok - Feindynamik sehr gut.generell besitzt das Gerät einen audiophilen Anstrich
besondere Merkmale
- Surround -
Übergänge bzw. Timing zwischen den Kanälen gelingen dem SR-6004 sehr gut, die LFE-Ansteuerung liegt auf oberem Niveau hinsichtlich Präzision und Differenzierung, in komplexen Szenen behält er eine bessere Übersicht als fast alle anderen direkten Mitbewerber. Wegen der guten Auflösungsgabe und Feindynamik sehr gut für Konzert-Aufnahmen geeignet.
besondere Merkmale
- Stereo -
bietet eine überdurchschnittliche Ruhe im Klangbild und agiert nicht so nervös und hektisch wie andere Geräte. Präzise Detaillierung in allen Frequenzbereichen, insbesondere im Bass wenngleich ein wenig mehr Körperhaftigkeit nicht schaden könnte. Bühnenstaffelung/Räumlichkeit meistert der Receiver für seine Preisklasse ausgezeichnet und liegt diesbezüglich ganz vorne.
sonstige Bemerkungen - Circle Surround II erweist sich (wieder einmal) als wertvoller Surroundaufpolierer, der sehr natürlich und dennoch räumlich klingt
- durch die Klangauslegung eignet sich der SR-6004 ganz besonders gut, um akustische Feinheiten von HD-Streams zu genießen.
Hörprofil fortgeschrittene Anwender, die nach ihrer Bass-Phase auf Klangdetails und Stereowiedergabe aus sind. Wenn Präzision und Differenzierung als wichtiger erachtet werden, wie Maximalpegel und grobdynamische Orgien, empfiehlt sich der SR-6004 als günstigen Einstieg in die feingeistigen Klänge.
Kombinierbarkeit mit
Lautsprecher
- keine THX-Lautsprecher, da andere Klangauslegung
- vorzugsweise 5.1 Sets mit gutem bis mittlerem Wirkungsgrad und Fokussierung auf Feinheiten - gerne auch leicht analytisch klingende Lautsprecher mit präzisem Subwoofer. Wichtig ist auch ein möglichst exaktes räumliches Abstrahlverhalten. Empfehlungen: Monitor Audio Bronze Reference, ASW Opus, Wharfedale Vardus 
Fazit:

Oberflächlich betrachtet, bietet der Marantz SR-6004 alle klassenüblichen Feaatures für den modernen Hausgebrauch: HDMI1.3, USB-Schnittstelle, leistungsfähige VPU, Audyssey-Einmessung inkl. Dynamic EQ+Volume und PL2z lassen den japanischen AV-Receiver als multimediale Komplettlösung erscheinen. Mit dem mitgeliefertem Bluetooth-Modul besitzt der adrette Mehrkanaljongleur sogar noch über ein gleichermaßen innovatives wie nützliches Goodie. In seinem Herzen ist er jedoch ein absoluter Charaktertyp, der sich nicht scheut, etwas gegen den Strom zu schwimmen und die typische Ausstattungsgigantomanie nicht bis zum Äußersten mitzumachen. Im Detail fällt nämlich auf, dass die Entwickler nicht auf eine absolut perfektionistische Funktionstiefe abgezielt haben. Technikbegeisterte Anwender mit Hang zur Experimentierfreudigkeit, werden sich daher an der Audyssey Zwangsabschaltung bei der Wiedergabe von HD-Streams genauso stören, wie dem fehlendem ProLogic2x Support für DTS Mehrkanalsignale. Auch die relativ schlichten On Screen Menüs oder die spartanische DSP-Auswahl dürften bei manchen Käufergruppen nicht unbedingt extrem ekstatische Zustände hervorrufen. Der SR-6004 setzt seine Schwerpunkte dafür in den Bereichen Optik/Verarbeitung, Bedienbarkeit und natürlich der Klangqualität. Hier punktet das Gerät durch eine detailfreudige Spielweise mit hoher Präzision in sämtlichen Betriebsarten. Die audiophil angehauchte Feinabstimmung besticht (unter anderem) durch eine famose Klangtransparenz sowie guter Raumdarstellung. Zusammen mit der guten dynamischen Differenzierung und dem hohen Auflösungsvermögen eignet sich der SR-6004 sowohl für HD-Filmsoundtracks, wie auch Stereo-Hörsessions, ausgesprochen gut und setzt diesbezüglich neue (Teil)Maßstäbe. Für ein Referenzprädikat reicht es wegen der teilweise geringen Funktionstiefe dennoch nicht ganz, doch für Klang-Gourmets lässt sich derzeit kaum etwas Besseres für 1.000 Euro finden ! 

Ehrlicher Mehrkanaljongleur mit viel Sinn fürs Feine.
Dank Bluetooth-Schnittstelle erweist sich der SR-6004
zudem auch noch als überaus flexibler Alltagsbegleiter.

Marantz SR-6004
AV-Receiver, Preis 999 Euro
Test: 23.Dezember 2009

+ in Bezug auf die Stereowiedergabe eines der besten Geräte dieser Preisklasse
+ hochwertige und praktische Fernbedienung
+ Bluetooth-Modul erweist sich als praktisches Feature 
+ Circle Surround II
+ einfache Bedienung
+ ansprechendes, "erwachsenes" Design mit guter Verarbeitungsqualität
+ hochwertiger Innenaufbau

- kein Audyssey-Modus bei HD-Tracks anwendbar
- ProLogic2x
- wenig DSP-Programme zur Raumsimulation integriert
- optisch schlichtes On Screen Menü
- kein manueller EQ für den Subwooferkanal / keine EQ-Anzeige für Sub nach Auto-Einmessung

Website des Anbieters. www.marantz.de

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:

Text: Lars Mette

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