Test: AV-Receiver Marantz SR-6003 


Dieser Artikel wurde auf Amisos-PCs verfasst.

(16.Februar 2009 - Autor: Lars Mette )

Mit dem Marantz SR-6003 möchte sich der japanische Hersteller einen großes Stück vom Kuchen der 1.000 Euro AV-Receiver Klasse abschneiden. Damit die Zielsetzung auch von Erfolg gekrönt ist, bringt der Traditionshersteller seinen Zögling mit einer Komplettausstattung an den Start: neben einer HDMI1.3a Bestückung mit Decodern für Dolby TrueHD und DTS-HD, verfügt der SR-6003 über eine hochwertige Videosektion sowie viele weitere Goodies wie zB. die Audyssey Multi-EQ Einmessung, ein grafisches Userinterface oder die USB-Schnittstelle. Selbstverständlich kann man mittlerweile alleine durch praktische Features keinen Blumentopf mehr gewinnen, so dass Marantz dem SR-6003 auch in Bezug auf seine akustische Eigenschaften eine sorgfältige Entwicklung angedeihen ließ. Wir haben den mit 999 Euro gelisteten AV-Receiver genauer inspiziert, um ihn mit dem aktuellen Platzhirschen (allen voran dem Denon AVR-2809) zu vergleichen. 

Die wichtigsten Ausstattungsmerkmale in der Zusammenfassung:
- 7x 100 Watt Leistung (an 8Ohm)
- Decoder für Dolby TrueHD, DTS-HD sowie die niedrigeren Derivate
- Videoskalierung + De-Interlacing für analoge Quellen bis 1080p
- HDMI1.3   3x Eingang / 2x Ausgang
- USB Eingang + MDAX Schaltung zur Verbesserung komprimierter Audiofiles
- Raumeinmessung via Audyssey MultiEQ 
- grafische Benutzeroberfläche
- UVP 999 Euro

Verarbeitung und Design:

Im Gegensatz zu den vorherigen Gerätegenerationen wirkt die aktuelle Serie weniger kantig und besitzt fließendere Formen. Durch die aufgeräumte Front entstehend eine massiv wirkende Optik, die ein wenig Bolidenflair vermittelt. Mit Ausnahme des Einschaltknopfes und diverser Beschriftungen/Logos glänzt der SR6003 mit einer symmetrischen Anordnung der Bedienelemente. Die beiden Drehregler übernehmen jeweils die Quellenwahl sowie Pegelstellung und weisen eine klassenübliche Usability auf. Der Lauf könnte etwas präziser ausgeführt sein, die Anfassqualität der aluminiumbeschichteten Bedienelemente geht jedoch in Ordnung. Etwas schade finden wir, dass die blauen LEDs überhalb der Regler dem Modellwechsel zum Opfer gefallen sind, die beim SR6001 noch für eine optische Auflockerung gesorgt haben.


Beim Blick auf die Seite erspähen wie die übliche Gehäuseverschraubung in dieser Preisklasse. Massive Seitenverkleidungen aus Aluminium ohne sichtbare Verschraubungen behält sich Marantz (wie auch die anderen Hersteller) für hochwertigere Geräte auf. Das verwendete Blech ist ähnlich dünnwandig wie bei vergleichbaren Geräten von Denon, Yamaha und Co. Bei den Passungen der verschiedenen Chassiselemente gibt es keinen Anlass zur Klage, die Spaltmaße fallen sehr gleichmäßig aus. 

Hinsichtlich der Materialqualität findet sich gleichermaßen Licht und Schatten: während rings um Display und Frontklappe eine hochwertige gebürste Aluminiumfront das Gerät ziert, ziehen die seitlich angebrachten Kunststoffelemente das haptische Niveau etwas nach unten. Fairerweise muss man aber an dieser Stelle erwähnen, dass eine geschwunge Frontverkleidung aus 2mm dickem Alumiumprofil in dieser Preisklasse ohnehin unüblich wäre. Außerdem ist der Materialmix in optischer Hinsicht nur bei genauem Blick zu erkennen. Laut Marantz besitzen die eigensetzten Kunststoffelemente eine störungsabsorbierende Funktion und kommen bei den Kunden sehr positiv an. 


Die Abdeckplatte des Bedienpanels besitzt eine Aluminiumschicht und fügt sich deswegen nahtlos in die Gesamtoptik ein. Hinsichtlich der mechanischen Integration überzeugt die Konstruktion. Die Klappe gleitet zwar nicht ganz so stark bedämpft wie zB. bei einem Yamaha RX-V1900 herunter, weist aber eine zufriedenstellende Passgenauigkeit und Solidität auf.



Im untersten Stockwerk lässt sich Marantz nicht lumpen und spendiert dem SR6003 optisch ansprechende Standfüsse aus Kunststoff mit Alumiumbeschichtung. Wem das schwarze Kleid des SR6003 nicht gefällt, kann sich den Marantz-Receiver übrigens auch in einer silbernen Ausführung (mit goldfarbener Nuancierung) bestellen.



Das integrierte Gerätedisplay gehört zu den besseren seiner Art: es informiert in zweizeiliger Schrift über gewählte Quelle/Surroundmodus, sowie Lautstärke. Erfreulich ist die Tatsache, dass die Schriftgröße recht groß ausfällt, was die Ablesbarkeit auch aus größeren Entfernungen erleichert. Zusätzlich beinhaltet das Display noch einige kleine Piktogramme bzw. Symbole, um diverse Betriebszustände zu visualisieren. Eine stufenweise Dimmfunktion besitzt der SR6003 zwar nicht, aber immerhin lässt sich das Display komplett deaktivieren (es blendet sich dann lediglich bei Statusänderungen kurz ein).


Die Anschlussbuchsen sind solide ausgeführt und erweisen sich als zweckmäßig und robust. Die Rückwand verbiegt sich auch beim kräftigen Einstecken von Kabeln nicht. Bei den Lautsprecherterminals sind Menschen mit großen Fingern aufgrund der engen Positionierung etwas im Nachteil, aber ansonsten gehen auch diese Schnittstellen in Ordnung. Speziell bei Verwendung von Lautsprecherkabeln jenseits des 2,5mm² Kabeldurchmessers empfiehlt sich der Einsatz von Bananensteckern, welche im SR6003 sicheren Halt finden. 

Technischer Aufbau und Features:

In Bezug auf seinen Grundaufbau orientiert sich der SR6003 am Standardlayout in dieser Preisklasse. Die Netzteilsektion beansprucht die linke Flanke des Gerätes, während die Endstufen in einen zentral angebrachten Kühlkörper (quer hinter dem Frontpanel) münden. Die Signalelektronik teilt sich auf mehrere Ebenen auf und nimmt die hinteren Bereiche des Gerätes ein. Die Steuersignale für Teile der Displayelektronik werden mit Hilfe eines kleinen Platinenstegs über den Kühlkörper transportiert, was uns nicht ideal erscheint. 


Die Netzteilsektion des SR6003 basiert auf einem EI-Stromtransformator mit großen Entbrummkondensatoren. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass die intern verlegten Stromkabel einerseits mustergültig sauber miteinander verdrillt sind, andererseits aber keinen sonderlich massiven Eindruck hinterlassen und kaum von den Signalkabeln zu unterscheiden sind. Die Leistungsaufnahme wird mit max. 600 Watt angegeben, womit der SR6003 laut offizieller Angabe 100 Watt/8 Ohm Sinusleistung über seine 7 Endstufen ausgibt.


Aus dieser Perspektive kann man den 3-lagigen Aufbau sehr schön erkennen. Durch die große Anzahl einzelner Platinen wirkt der SR6003 etwas unaufgeräumter als manche seiner Kollegen. Im obersten Stockwerk thront die Videoverarbeitung mitsamt der HDMI-Sektion. Die digitale Audiosignalverarbeitung inkl. Processing und D/A Wandlung (192 kHz/24-Bit für jeden Kanal) ist auf der mittleren Platine beheimatet, während im Keller des SR6003 hauptsächlich analoge Audioschaltkreise vorzufinden sind. Die zahlreich vorzufindenden Flachbandkabel realisieren kurze Verbindungswege und verdeutlichen in Kombination mit der stark aufgegliederten Platinenstruktur, die großen Bemühungen von Marantz nach optimalen Arbeitsbedingungen sämtlicher Baugruppen.

Hinter der Frontklappe findet sich (fast) alles, was sich das Heimkinoherz wünschen kann: neben analogen Audio- und Videoeingängen, offeriert der SR6003 auch einen optischen Digitaleingang sowie eine USB Schnittstelle, über die man den Receiver problemlos und schnell mit Musik (MP3, WAV, WMA und AAC) füttern kann. Zusätzlich stehen noch Direktzugriffstasten für die Quellenwahl und ein Navigationskreuz zur Verfügung. Auch Kopfhörer und Messmikrofon werden hinter der Frontklappe entgegengenommen. Insgesamt eine sehr gute Lösung, weil der SR6003 auf diese Weise trotz seiner aufgeräumten Optik viele Funktionen bietet. Trotzdem gibt es noch Raum für Verbesserungen: so wäre ein Front HDMI Eingang genauso wünschenswert, wie eine coaxiale Digitalschnittstelle. Unerreicht ist nach wie vor die Lösung von Harmon Kardon, wo die vergleichbaren Receiver eine Umschaltmöglichkeit zwischen Ein- und Ausgabe bei den Frontschnittstellen anbieten. 


Der Blick auf die Anschlussektion bringt keine Überraschungen zu Tage: der SR6003 besitzt eine preisklassenübliche Schnittstellenvielfalt, inklusive Pre-Out Buchsen. Ungewöhnlich ist hingegen die HDMI Bestückung, wo das Gerät lediglich drei Eingänge aufweist, dafür aber gleich zwei Ausgänge besitzt. Details zur Steuerung der beiden HDMI Outputs finden Sie im weiteren Verlauf dieser Rubrik. Sämtliche Digitaleingänge (inkl. HDMI) sowie die Component-Videoeingänge lassen sich den Quellen frei zuweisen. Der analoge Mehrkanaleingang ist für 7.1 ausgelegt und besitzt eine eigene Einpegelungskonfiguration. DSPs, Delay oder Equalizereinstellung sind bei diesem Eingang nicht aktivierbar. Die nicht vorhandenen Netzwerk- oder iPod Schnittstellen wird durch die USB Buchse wieder ausgeglichen. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, besitzt der Receiver insgesamt 9 Paar Lautsprecherbuchsen, die im Standardlayout für eine 7.1 Konfiguration mit Front A/B Schaltung vorgesehen sind. Die Umschaltung zwischen den beiden Lautsprecherpaaren erfolgt via Fernbedienung. Wer nur ein 5.1 Setup betreibt, kann die brachliegenden beiden Endstufen wahlweise für den Zone2-Ausgang oder zum Bi-Amping der Frontlautsprecher nutzen. Die hierfür notwendige Konfiguration gestaltet sich jedoch etwas kompliziert, da die Zuordnung jener Endstufen für die Zone2 über das GUI erfolgt, während der Bi-Amping Modus mit Hilfe eines kleinen Schalters auf der Geräterückseite aktiviert wird. 

Übersicht der Schnittstellen:

Audio digital 2x coaxialer Eingang 
4x optischer Eingang / 1x optischer Ausgang
Audio analog 7x Stereo analog Eingang / 3x Ausgang
1x 7.1 Channel analog Eingang
1x Stereo Pre-Out für Zone 2
1x 7.1 Channel analog Ausgang als Pre-Out
Video digital 3x HDMI 1.3a Eingang / 2x HDMI 1.3a Ausgang
Video analog 5x FBAS Eingang / 2x Ausgang
4x SVideo Eingang / 2x Ausgang
3x Component Eingang / 2x Ausgang
sonstige RS232, Antenne, DC-Trigger, Remote in/Out


An Decodern fährt der SR6003 alles auf, was Rang und Namen hat. Dabei werden auch sämtliche aktuellen HD-Tonformate von Dolby sowie DTS (Auflistung siehe weiter unten) unterstützt. Die integrierten DSP-Programme umfassen nicht nur Dolby Prologic2x sowie DTS:Neo6, sondern ebenfalls das Marantz-eigene Circle Surround II. In Bezug auf sonstige DSP-Programme gibt sich der Receiver spartanisch und verzichtet auf Simulationsprogramme diverser Lokalitäten wie Kirchen oder Nachtclubs. Zur Verbesserung der MP3 Wiedergabe verfügt das Gerät über eine Funktion mit der Bezeichnung M-Dax. Der Marantz Dynamic Audio Expander soll dazu dienen, die klanglichen Einbußen bei komprimierten Audiofiles zu kompensieren. M-Dax lässt sich bei der Wiedergabe entsprechender Medien in drei Stufen (Off, Low und High) justieren. Bei unseren Tests stellte sich die mittlere Stufe als beste Variante heraus, da sie einen guten Mittelweg zwischen dynamischer Nachwürzung sowie natürlicher Musikwiedergabe bietet. Für die räumliche Wiedergabe ohne Surroundlautsprecher beinhaltet der SR6003 zusätzlich die Neural THX sowie Dolby Virtual Speaker Technologie.

Die DSP Modi des SR6003 in der Übersicht

Dolby Dolby Digital 2.0, 5.1 inkl. EX
Dolby True HD , Dolby Digital Plus
Dolby ProLogicIIx Cinema und Musik, voll konfigurierbar
auf sämtliche Tonformate lässt sich PL2x zur Generierung der Surroundback anwenden
DTS DTS 5.1, 24/96, DTS-ES 6.1 Matrix/Discrete
DTS Neo:6 Movie und Musik, voll konfigurierbar
DTS-HD High Resolution, DTS-HD Master Audio
auf sämtliche Tonformate lässt sich PL2x zur Generierung der Surroundback anwenden
sonstige Stereo (inkl. Downconverting von Mehrkanalquellen)
Pure-Audio (Abschaltung sämtlicher nicht Stereo-relavanten Schaltkreise)
Circle SurroundII
Dolby Virtual Speaker
Neural THX
M-Dax
PCM über HDMI, ohne nachträgliche Anwendung von PL2x

Bei AV-Receivern der 1.000 Euro Klasse gehört eine leistungsfähige Raumanpassung mittlerweile zum guten Ton. Marantz vertraut hierfür (wie auch Denon und Onkyo) auf das Einmessverfahren MultEQ von Audyysey. Beim SR6003 kommt eine Version zum Einsatz, welche bis zu 6 Positionen im Hörraum einmisst bzw. optimiert. Auf die Funktionserweiterungen DynamicEQ+Volume hat man im Hause Marantz verzichtet. Audyssey MultEQ arbeitet mit mit FIR (Finite Impulse Response)-Filtertechnik und Advanced Low Frequency Correction (ALFC), um eine exakte Anpassung an den Hörraum und die dortigen Gegebenheiten zu ermöglichen. Es stehen verschiedene auswählbare Kurven zur Verfügung: Die Audyssey MultEQ Referenzkurve und ihre Ableger Audyssey Flat (flach über den gesamten Frequenzgang) und Audyssey Bypass Front (Referenzkurve ohne Korrektur der Front L/R-Lautsprecher). Zusätzlich bringt der SR6003 auch einen manuell einstellbaren grafischen Equalizer mit. Leider lassen sich die, von Audyssey errechneten EQ-Settings nicht in den manuellen EQ hineinkopieren, um ihn noch etwas an den Hörgeschmack anzupassen. Glücklicherweise stellt das aber kein Beinbruch dar, denn bei unseren Testreihen erwiesen sich die ermittelten Frequenzgänge stets als korrekt. Im Detail bevorzugte das Einmessverfahren eine höhere Trennung zwischen Satelliten und Subwoofer, stellte aber dennoch flüssige Übergänge her. Lediglich die Einpegelung des Subwoofers musste in einigen Fällen manuell wieder etwas angehoben werden, um ein adäquates Bassfundament zu bekommen. Zur besseren Einordnung des Klangcharakters beziehen sich unsere Höreindrücke im weiteren Verlauf dieses Testberichts auf die Wiedergabe ohne Einflüsse von Equalizern. Letztendlich sind dessen spezifischen Eingriffe sehr stark vom Raum, der Aufstellung, sowie den Lautsprechern abhängig.



Als Videozentrale werkelt im SR6003 der IP00C773 von "i-Chips", einem spezialisiertem Anbieter für Bildverarbeitung und Visualierung. Dieser Chip beherrscht Up-Conversion analoger Quellen auf HDMI und bietet bietet auch zugleich ein Upscaling (bis zu1080p) sowie ein bewegungsadaptives Deinterlacing an. Die Rechenoperationen erfolgen mit einer Auflösung von 10 Bit und sind auf alle in Frage kommenden analogen Eingangssignale (576i/p, 720p, 1080i) anwendbar. Großes Augenmerk lag den Entwicklern auf eine überzeugende Bildqualität, damit dieses Feature einen echten Mehrwert für Besitzer von analogen Videoquellen bietet. Im Vergleich zu den aktuellen Produkten von Onkyo und Harman/Kardon bietet der SR6003 jedoch keine weitergehenden Justagemöglichkeiten der Bildattribute. HDMI Videosignale schleift das Gerät unbearbeitet durch, was sich in einer fehlerfreien/unkomplizierten Alltagsnutzung äußerte. Auch mit 24p Signalen war der SR6003 nicht aus der Ruhe zu bringen. Details zur Konfiguration der beiden HDMI Ausgänge finden Sie in der nächsten Rubrik.

Die wichtigsten technischen Daten in der Zusammenfassung:

Modell / UVP Marantz SR-6003 / 999 Euro
Aufbau 7.1 AV-Receiver
7 Endstufen á 100 Watt
Leistungsaufnahme max 600 Watt
Audio-Features Audyssey Raumeinmessung für bis zu 6 Sitzplätze
Dekodierung sämtlicher aktuellen Tonformate gemäß HDMI1.3a
2. Zone, Stereo wahlweise per SB-Endstufe oder Pre-Out
3. Zone, Stereo über Digitalausgang
Video-Features analoge Quellen -> i/p Wandung+Scaling bis 1080p
HDMI Quellen -> unbearbeitete Weiterleitung
2 HDMI Ausgänge, schaltbar
Besonderheiten grafisches Userinterface (GUI)
USB Frontschnittstelle zur Audiowiedergabe komprimierter Dateien
Abmessungen 44,0 x 16,5 x 38,8cm (B,H,T)
Gewicht 13,2 Kilogramm
Bedienung und Einstelloptionen


Laut Marantz (Quelle: Website) wird die Einrichtung des SR6003 mit der beigelegten LCD-Fernbedienung nicht nur ein einfaches, sondern zugleich auch freudiges Erlebnis. Und wir müssen zugeben: was sich zunächst nach typischer Hersteller-Schönfärberei anhört, entpuppt sich in der Praxis erfreulicherweise als absolut zutreffend. Der Controller verströmt durch seine konventionelle Machart aber nicht unbedingt einen sonderlich exklusiven Flair auf dem Couchtisch. Durch seine gute haptische Materialanmutung und die praktische Belegung, stellt sich jedoch eine tadellose Alltagstauglichkeit ein, von der speziell die aktuellen Denon-Controller nur träumen können. Dank der integrierten Lernfunktion dirigiert die Fernbedienung bis zu 6 weitere Geräte innerhalb der Heimkinoanlage. Damit Sie beim abendlichen Filmgenuss auch immer den perfekten Überblick haben, lässt sich der Controller per Knopfdruck komplett hinterleuchten.



Das Graphical User Interface verdient zwar streng genommen seinen Namen nicht unbedingt (schließlich ist von Grafiken recht wenig zu sehen), wirkt aber sehr aufgeräumt und gut strukturiert. Sämtliche Optionen sind im Hauptmenü sinnvoll untergliedert, so dass man ohne Umschweife zu den gewünschten Parametern gelangt. Im Vergleich zu den Vergängergenerationen ist Marantz hier ein großer Schritt gelungen. Wir möchten Ihnen nachfolgend die wichtigsten Funktionen vorstellen, damit Sie einen Eindruck der Bedienungsfreundlichkeit erhalten.



Der erste Menüpunkt befasst sich mit quellenbezogenen Parametern. Hier erfolgt die Zuordnung von digitalen Audioeingängen sowie der HDMI- und Component Videoschnittstellen (Function Input Setup). Der nächste Menüpunkt legt die Parameter für den analogen 7.1 Eingang hinsichtlich Einpegelung und Videoquelle fest. Außerdem ist eine Umbennung der Eingänge möglich (bis zu 10 Zeichen). Was wir vermissen, ist eine quellenspezifische Möglichkeit zur Konfiguration der Kanalpegel, sowie unterschiedliche LipSync Settings.



Unter "Speaker Setup" befindet sich der Zugang zur automatischen Einmessung, sowie der manuellen Konfiguration. Wie auf obiger Abbildung zu erkennen ist, bietet der SR6003 über das manuelle Setup lediglich eine zentrale Trennfrequenz für die auf "small" definierten Lautsprecher. Als Übernahmefrequenzen stehen 60, 80, 100, 120, 140, 160 und 180 Hertz zur Auswahl, die Entfernung wird in 3cm Schritten gemessen und erlaubt unterschiedliche Werte für die beiden Frontkanäle. Die Option "Bass Mix" betrifft lediglich die Stereo Wiedergabe und legt fest, ob der Subwoofer bei Fullrange Lautsprecher mitlaufen soll.



Im Surround Setup werden hauptsächlich die DSP-Modi parametrisiert. Zur Auswahl stehen die üblichen Justagen für ProLogicIIx Musik und Neo:6. Das hauseigene Circle SurroundII erlaubt eine Anpassung hinsichtlich Bassintensität (Trubass) und Sprachwiedergabe (SRS Dialog). Auch die zweite Marantz-spezifische Wiedergabenorm lässt sich in diesem Menü konfigurieren, indem der zuvor bereits vorgestellte M-Dax (Marantz Dynamic Audio Expander) drei verschiedene Stufen zur Arbeitsweise bereithält. Außerdem noch erreichbar über "Surround Setup": die Einpegelung der Kanäle (Channel / LFE Level) sowie die Aktivierung der Hochtonabsenkung (HT-EQ).



Wenig überraschend, befasst sich der Menüpunkt "Video Setup" mit sämtlichen visuellen Aspekten des SR6003. Wie Sie sehen, umfassen die Optionen lediglich die Grundfunktionen und erlauben keine fortgeschrittenen Operationen wie zB. Schärfe- oder Helligkeitsregler. Ebenfalls zu bemängeln ist der Umstand, dass man den Video Converter sowie De-Interlacing lediglich global ein-/ausschalten kann und nicht quellenspezifisch. Lob verdient sich Marantz hingegen für die einfache Steuerung des aktiven HDMI Ausgangs, bei dem man jeweils eine unterschiedliche Ausgangsauflösung hinterlegen kann.



Unter "Preference" versammeln sich sämtliche Einstellungen, welche die Gesamtheit des Gerätes betreffen. In diesem Menüpunkt erfolgt nicht nur die Konfiguration der zusätzlichen Zonen, sondern auch die Nutzung der Surroundback-Endstufen, sowie den Umgang mit den HDMI Daten (HDMI Audio/HDMI LipSync). Die manuelle Justage der LipSync Einstellung ist übrigens nicht über das GUI zu finden, sondern wird direkt über die Fernbedienung vorgenommen.



Der letzte Menüpunkt führt zu den Equalizer-Settings, wo man sich die ermittelten Audyssey-Ergebnisse kanalweise betrachten kann und außerdem auch noch eine eigene Speicherbank zum Anlegen einer eigenen Konfiguration bekommt. Mit dem oben abgebildeten grafischen 9-Band Equalizer erlaubt das Gerät eine Modifkation über einen Großteil des Frequenzbereiches. Leider steht diese Möglichkeit nicht für den Subwoofer zur Verfügung, obwohl gerade hier eine eine manuelle Anpassung des Frequenzgangs Sinn machen würde. Eigentlich auch nicht weiter schlimm, denn schließlich wäre der Equalizer im unteren Frequenzbereich sowieso zu grob gerastert gewesen (lediglich 63Hz und 125Hz), um eine exakte Abschwächung von Raummoden vorzunehmen. Hier könnte die automatische Einmessung weiterhelfen, denn laut Hersteller werden jene Dröhnfrequenzen von Audyssey entschärft. Das Problem ist nur, dass die hierbei ermittelten Frequenzgangänderung mit demselben 9-Band Equalizer dargestellt werden, so dass man über die genauen Ergebnisse im unteren Frequenzbereich leider nicht richtig informiert. Daher bleibt dem Anwender nichts anderes übrig, als der Audyssey-Einmessung blind zu vertrauen. In diesem Punkt müssen wir aber nicht nur den Marantz SR6003 kritisieren, sondern auch alle anderen Hersteller darauf hinweisen, dass der Informationsgehalt der automatischen Einmessungen noch großes Verbesserungspotential aufweist. Ein Silberstreifen am Horizont könnte der bald erscheinende Sherwood Newcastle R-972 darstellen (Preis ca. 1.900 €). Nach der Einmessung generiert das Gerät eine Datei mit sämtlichen Informationen, welche der Anwender entweder per USB oder direkt über die Netzwerkschnittstelle an den Hersteller senden kann, um eine Analyse mitsamt Konfigurationseinstellungen zurückzubekommen. Diese Produktankündigung muss man zwar mit Vorsicht genießen (schließlich wäre es nicht die erste Seifenblase aus dem Hause Sherwood), doch es zeigt ganz klar, wohin der Weg gehen könnte, um dem Anwender mehr Transparenz in die Eingriffe von Audyssey und Co. zu geben.
Testumgebung:

Aufgrund der neutral abgestimmten Spielweise setzen wir für diesen Test hauptsächlich ein 5.1 Surroundsystem aus der Cantius Serie von ASW ein. Mit einem Preis von 3.850 Euro platziert sich das Ensemble im preislichen Mittelfeld. Diese Wahl erwies sich im Verlauf der Hörtests als harmonierende Zusammenstellung, weil beide Komponenten hinsichtlich der Feinfühligkeit und Klangdetaillierung eine ähnliche Ausrichtung verfolgen. Obwohl die Firma ASW nicht die Marktpräsenz wie zB. Nubert oder Teufel verfügt, braucht sich die Cantius-Serie keineswegs vor ihren Mitbewerbern verstecken. Speziell die hohe Homogenität innerhalb der  Klangkulisse erreicht ein außerordentliches Niveau für HiFi-Lautsprecher. Sie liegt fast auf dem Level von identisch-bestückten THX-Sets, während die Ohren mit einer besseren Auflösung und räumlicherer Wiedergabe verwöhnt werden. 

Als Silberscheibenleser fungiert ein Duett aus den beiden Denon Geräten DVD-2500BT sowie dem DVD-3930. Für optimale Wiedergabeeigenschaften haben wir die Geräte von Cinemike modifizieren lassen, was sich akustisch vornehmlich durch gesteigerte Basspräzison, Dynamik und Klangtransparenz bemerkbar macht. Das Tuning zielt zwar normalerweise auf deutlich hochpreisigere Umgebungen, doch andererseits können wir dem Marantz SR6003 dadurch sein maximales Entfaltungspotential entlocken. 

Für die Bildwiedergabe dient der Pioneer PDP-6090. Als FullHD Plasma-TV der neunten Generation greift dieses Modell auf ausgeklügelte Technologien zurück, um eine hervorragende Bildqualität zu gewährleisten. Damit wir den SR6003 auch mit den beliebten Projektoren aus der Einstiegsklasse testen können, haben wir unserem Sim2 C3X1080 eine kurze Auszeit gegönnt und greifen stattdessen auf einen Mitsubishi HC6000 zurück.

Unsere hauptsächlich eingesetzte Hardware in der Übersicht:

Lautsprecher 5.1 Set ASW Cantius
Monitor Audio Platinum Set
Blu-Ray Denon DVD-2500BT Cinemike Edition (Test folgt)
DVD Denon DVD-3930 Cinemike Edition Stufe 3
HDMI Kabel Thunderflash Peak Line
Silent Wire Referenz
Bildwiedergabegerät Pioneer PDP-6090
Mitsubishi HC6000
Praxiseindrücke:

Der SR6003 bläst zum Angriff auf die Herrschaft in der 1.000 Euro Zone. Sein Rüstzeug ist auf dem aktuellen Stand der Technik, so dass wir der japanischen Offensive mit Interesse entgegenblicken. Um sich zu beweisen schicken wir den tapferen Mehrkanalkrieger gleich direkt an die Front: mit der Blu-Ray Version von "Pearl Harbor" befindet sich der SR6003 direkt im Kampfgetümmel und muss sich seinen Weg durch komplexe Surroundarrangements bahnen:

Zunächst beginnen wir mit dem ersten Kapitel, wo Dany und sein Kumpel Rave unfreiwillig eine kleine Spritztour mit einem Doppeldecker unternehmen und dabei ihre Faszination an der Fliegerei entdecken. Der Marantz SR6003 gibt den startenden Propeller wuchtig sowie dynamisch wieder, bleibt daber aber sets sehr kontrolliert und verströmt eine hohe Souveränität. Seine beeindruckende Klangruhe beweist er wenig später, indem er die Geigen beim einsetzenden Score mit hoher Strahlkraft und Feinauflösung wiedergibt, während sich die Gesamtbalance zwischen der musikalische und effektbezogenen Ebene sehr harmonisch erweist. Der SR6003 besitzt damit eine Gabe, die man in der vorliegenden Preisklasse in dieser Qualität ansonsten nur vom Denon AVR-2809 kennt. Er ist nicht darauf getrimmt, spezielle klangliche Schokoladenseiten in die Waagschale zu werfen, um andere Wiedergabeaspekte zu kaschieren, sondern bietet eine rundum gelungene Abstimmung auf hohem Niveau. Interessanterweise erinnert uns auch die Tonalität an den Denon Receiver, denn beim Marantz SR6003 haben die Entwickler ebenfalls eine minimale Betonung im unteren Mittenbereich vorgenommen und mit einer kernig-straffen Basswiedergabe, sowie seidigen Hochtondarstellung kombiniert. Im Gegensatz zu manch früherem Marantz-Receiver erfolgt die Klangfärbung lediglich in einem sehr dezentem Maße, so dass das Quellmaterial nicht auf brutalisierende Weise entfremdet wird. Stattdessen erfolgt lediglich eine gekonnte Betonung, bereits vorhandener Klangdetails, was sich in einer natürlichen und zugleich nachdrücklich/intensiven Spielweise wiederspiegelt. Ein Schlüsselfaktor für eine emtional-berührende Wiedergabe stellen bei unserem Filmbeispiel speziell die Kategorien Grobdynamik, Bassdruck und Surroundabbildung dar, womit sich der Testproband ganz besonders in Kapitel 21 beweisen kann:

Beim Luftangriff auf den Marinestützpunkt sorgt der japanische Mehrkanaljongleur schon bei den ersten einfliegenden Zeros für einen großzügigen Raumeindruck. Der hierbei eintretende Übergang zwischen hinteren und vorderen Lautsprechern erfolgt flüssig und ohne wechselnde Klangfarben. An dieser Stelle sind schon manche Mitbewerber aus der AV-Receiver Einstiegs- und Mittelklasse gescheitert, indem mit guten Lautsprecher nicht verheimlicht werden konnte, dass die Surroundkanäle mit einer differierenden Signalansteuerung bestückt sind. Die Folge aus solch einer Konfiguration sind abweichende Klangeinfärbungen bei bewegenden Objekten zwischen Front- und Rearachse. Der SR6003 meistert diese Hürde jedenfalls mit Bravour: die Flugzeuggeräusche werden an sämtliche Kanäle mit dem gleichen hohen Maß an Klangdetaillierung und tonaler Integrität ausgegeben. Sehr gut gelingt dem Testgerät ebenfalls die Umsetzung der druckvollen Explosionen, welche mit einer impulsiven Dynamik das Trommelfell verwöhnen. Für die angestammte Preisklasse erweist sich das Niveau an Bassdruck sowie Kontrolle als vorzüglich und generiert eine Akustik, die sogar einer höheren Preisklasse noch würdig wäre. Ein Extralob verdient sich der SR6003 für die permanent hohe Souveränität, die sich das Gerät selbst inmitten von MG-Gefechten und komplexen Effektsequenzen aufrechterhält. Sicherlich wird hier nicht ganz die dynamische Differenzierung, oder Detaillierungstiefe (deutlich teurer) AV-Receiver Flaggschiffe erreicht, doch in Relation zur beheimateten Preisklasse agiert der Marantz Receiver mit erstaunlichen Durchsichtigkeit und Informationsreichtum. 

Der SR6003 besitzt genug Potential, um selbst friedfertige Nachbarn auf die Palme zu treiben. Obwohl manche Konkurrenzprodukte mit massiveren Kühlkörpern glänzen können, so kann sich der SR6003 inmitten der performancestarken Mittelklasse gut behaupten. Der Marantz Receiver macht auch lange Partynächte mit hohen Pegeln klaglos mit, ohne in störendem Maße einzubrechen. Dabei ist zwar eine starke Erwärmung zu beobachten, doch eine Verbrennungsgefahr beim Anfassen des Geäuses, wie bei anderen Geräten, besteht glücklicherweise nicht. Mit wirkungsgradstarken Lautsprecher hat das Gerät auch jenseits der 100db Schwelle noch genug Power, um grobdynamische Abstufungen zu realisieren. Hinsichtlich gebotenem Nachdruck bzw. Basshärte klingt der AV-Receiver erst bei Pegeln zunehmend kraftlos, die im normalen Wohnzimmer ohnehin kaum jemand fahren kann. Von größerer Bedeutung für die anvisierte Zielgruppe ist die positive Tatsache, dass der SR6003 unter Belastung seine kultivierte, angenehme Spielweise beibehält und nicht zu den Gerät gehört, die ihre Besitzer mit einem aggresiv-stechendem Klangbild malträtiert. Auf diese Weise wird auch der lautstarke Konsum von Konzert-DVDs nicht zu einer masochistischen Hörerfahrung, sondern bietet eine erwachsene Performance im oberen Drittel dieser Preisklasse. Wer nicht gerade eine Privatdisko betreibt und/oder einen Hörraum mit mehr als 25m² beschallt, wird mit der gebotenen Pegelfestigkeit mit allergrößer Wahrscheinlich locker auskommen. 

So schön es auch ist, mit dem SR6003 das Heimkino zum Beben zu bringen, möchten wir natürlich auch die etwas feineren Klangattribute auf Her(t)z und Nieren prüfen. Hierfür haben wir die Komödie "Mitten ins Herz" aus dem Regal gezogen und die HD-DVD Version über den Cinemike-getunten Toshiba HD-XE1 an den SR6003 weitergeben lassen. Wenn Hugh Grant und Drew Barrymoore ihre Stimmbänder zu 80er Jahre Pop-Musik schwingen, steht jedem Wiedergabekanal anspruchsvolle Arbeit bevor. Das rund 2 minütige Musikvideo zu Beginn des Filmes gibt der Marantz Receiver mit straffer Bassumsetzung und guter Grunddynamik wieder. Die Wiedergabe der hochtonlastigen Synthesizereffekte wird nicht von maximaler Herausarbeitung/Isolierung geprägt - stattdessen verfolgt der SR6003 eine Klangauslegung mit Schwerpunkt auf gesamtheitlicher Harmonie und verzichtet dabei auf spezielle Betonung einzelner Wiedergabeaspekte. Beispielsweise der Pioneer LX-51 agiert bei dieser Szene etwas ruppiger/auffälliger, indem er bestimmte Bass- und Hochtoneffekte leicht dominierend ausgibt, dabei allerdings weder der Luftigkeit noch der insgesamt lässig-souveränen Klangkultur des SR6003 Paroli bieten kann. Speziell die gleichermaßen informationsreiche wie angenehm seidig-luftige Wiedergabe hoher Frequenzen, sorgt bei der Wiedergabe anspruchsvollerer Filmkost für einen akustischen Klassenunterschied. "Mitten ins Herz" besitzt aber weit mehr, als nur ein anspruchsvoll umzusetzendes Intro: abgesehen von den zahlreichen, hochqualitativen Musikuntermalung, kann sich der Marantz SR6003 auch mit der hervorragend angemischten Sprachwiedergabe vorteilhaft in Szene setzen. Die deutsche Syncronstimme von Hugh Grant wird mit einem realistischem Maß an Grundtonvolumen wiedergegeben, welches zudem auch sauber konturiert ist. Dabei schält der SR6003 viele akustische Nuancierungen und Detailinformationen aus der Sprachwiedergabe heraus und sorgt auf diese Weise für eine First-Class Akustik. Auch die oftmals leicht piepsige Syncronstimme seiner Leinwandgenossin (Drew Barrymoore) ertönt natürlich und verfärbungsfrei aus dem Centerspeaker, zumal der SR6003 speziell bei Frauenstimmen aufgrund seiner enormen Klangtransparenz sowieso ein hohes Begeisterungspotential besitzt. 


Der SR6003 (oben rechts) in einem unserer Test-Studios.

Besondere Anerkennung verdient sich der SR6003 während zweikanaliger Sessions. Auch im Stereobetrieb findet sich die stimmige, leicht anschiebende Tonalität wieder, mit dem der Receiver schon im Mehrkanalbetrieb zu gefallen wusste. Überraschend ist dabei die hohe Qualität der Bühnenabbildung, die wir in dieser Qualität nur selten in der 1.000 Euro vorgetroffen haben. Dem SR6003 gelingt es, die Bühne weitesgehend von den Lautsprechern zu lösen und die Akteure im Hörraum zu positionieren. Und auch wenn man eine Preisklasse höher schaut, wird es schwierig, eine bessere Tiefenstaffelung zu finden. Erst mit AV-Boliden vom Schlage eines Denon AVC-A1HD oder reinrassigen Stereokomponenten kann man den SR6003 klar überflügeln. Von bemerkenswerter Güte stellt sich bei unserem Testgerät nicht nur die gebotene Räumlichkeit, sondern ebenfalls auch die feindynamische Sorgfalt heraus. Zusammen mit einer guten Detaillierungstiefe gewinnt der Marantz Receiver damit an Vielschichtigkeit und Struktur, so dass das Klangbild zu keinem Zeitpunkt oberflächlich oder lustlos wirkt. Die klar gegliederte Mittenwiedergabe löst das musikalische Geschehen nuanciert auf, während der Hochtonbereich gleichermaßen informationsreich, wie angenehm zu Werke geht. Basslastige Stücke meistert der Receiver zu unseren Zufriedenheit, allerdings merkten wir beim Einsatz der Vincent Monoblöcke SP996 (Stückpreis ca. 300 Euro), dass die integrierten Endstufen speziell hinsichtlich Impulsfreudigkeit und Geschwindigkeit etwas bremsen. Diese Tendenz ist aber bei sämtlichen, uns bekannten AV-Receivern zu beachten, zumal sich der SR6003 in seiner Preisklasse sogar noch am mit Besten aus der Affaire zieht und verhältnismäßig temperamentvoll auftritt. Anwender mit normalen Ansprüchen dürften mit dem Marantz Receiver sehr zufrieden sein, denn im Vergleich zu anderen Geräten generiert der SR6003 seine voluminöse Basswiedergabe nicht auf Kosten der Kontrolle und verfolgt stets eine konturierte, präzise Abstimmung.

Obwohl der SR6003 im Vergleich mit einem Yamaha RX-V1900 auf den ersten Blick nicht gerade als DSP-Spezialist auftritt, so kann er dennoch mit seinen Surroundaufpolierern Akzente setzen. Die integrierten ProLogicIIx- sowie DTS Neo:6 Codecs gehen ihrer Arbeit in gewohnt überzeugender Manier nach und harmonieren dabei vortrefflich mit der Klangauslegung des SR6003. Das Dolby Derivat gefällt durch ein gutes Grundtonfundament sowie kraftvollem Antritt, während das DTS Programm etwas schlanker und feinfühliger in Erscheinung tritt. Einen klaren Sieger kann man hier nicht küren, da sich beide DSP-Modi in der Praxis gegenseitig sehr gut ergänzen. Zur Verstärkung des Raumeindrucks bei TV-Sendungen oder Dolby 2.0 Abmischung haben wir stets PL2-Movie bevorzugt, doch um klassische Aufnahmen besser zur Geltung zu bringen, gefiel uns wiederrum die fernnervigere, analytische Vorgehensweise von DTS Neo:6 Music etwas besser. Wem das nicht reicht, kann sich beim SR6003 sogar noch bei einem drittem Surroundaufpolierer bedienen: Circle SurroundII stellt im Gegensatz zu ProLogicII und DTS Neo:6 eine proprietäre Entwicklung aus dem Hause Marantz dar und ist speziell auf deren Geräte abgestimmt. Daher wundert es nicht, dass der SR6003 in diesem Modus noch ein wenig besser klingt und mit mehr Feinschliff sowie einer höheren Dynamik agiert, was sich speziell bei komplexen Musik-Arrangements sehr schön heraushören lässt. Hier haben die Kontrahenten aus dem Hause Denon, Pioneer und Yamaha wenig entgegenzusetzen und müssen dem SR8001 diesbezüglich das Feld überlassen. 

In Bezug auf die Bildeigenschaften punktet der Testproband mit einer zuverlässigen HDMI Umschaltung. Sämtliche Formate werden fehlerlos durchgeschleift und erscheinen ohne sichtbaren Qualitätsverlust auf dem Bildschirm. Die Umschaltzeiten erweisen sich als recht flott, auch das GUI baut sich zügig auf. Bei der Konvertierung und Bearbeitung analoger Videoquellen bietet der SR6003 solide Leistungen, erreicht aber nicht ganz das Niveau der Klassenspitze. Der gebotene Kontrastumfang und die Farbreinheit ist über alle Zweifel erhaben, allerdings könnte sowohl die Vollbildwandlung als auch das Scaling noch etwas besser sein. Beim Test mit Star Wars Episode III per S-Video Zuspielung zeigten sich schon bei der gelben Laufschrift kleinere Unsauberkeiten sowie minimal zitternde Buchstaben, zumal die gesamte Wiedergabe auch nicht völlig flüssig vonstatten lief. In der anschließend ablaufenden Weltraumschlacht manifestiert sich der Ersteindruck: Farbwiedergabe und Detaillierungstiefe sind überdurchschnittlich, wenngleich die Bildschärfe nicht ganz an die Klassenspitze herankommt. Das De-Interlacing arbeitet ohne große Fehler, allerdings haben wir die Raumgleiter auch schon flüssiger durch die Galaxis fliegen sehen. Das gebotene Niveau ist mit Sicherheit keineswegs als schlecht zu klassifizieren - der SR6003 übertrumpft immerhin so manches Bildwiedergabegeräte mit seiner Videoverarbeitung. Sein nicht-überdurchschnittliches Abschneiden ist vielmehr dem generell sehr hohen Niveau geschuldet, welches mittlerweile in der AV-Receiver Mittelklasse hinsichtlich der Bildverarbeitung herrscht. Wir möchten an dieser Stelle aber eine Lanze für Marantz brechen: isoliert betrachtet, stellt eine gute Videoarbeitung sicherlich ein tolles Feature dar. Allerdings kann man über die Sinnhaftigkeit solcher Funktionen geteilter Meinung sein. Nach Ansicht des Autors, sollte ein AV-Receiver ausschließlich auf die akustischen Aspekte ausgerichtet sein. Es ist nur allzu logisch, dass jedes hinzugewonnene Feature nicht nur die Signalreinheit sowie interne Stromversorgung belastet, sondern zugleich auch einen Kostenfaktor darstellt, den man anderweitig wieder ausgleichen muss. Außerdem wäre durchaus die Frage erlaubt, wozu man in Zeiten von Blu-Ray, HD-Konsolen (PS3+XBOX360) oder HD-Receivern überhaupt noch Wert auf eine hochwertige analoge Videoverarbeitung legen sollte. Doch unabhängig von der persönlichen Meinung des Autors möchten wir ganz nüchtern festhalten, dass der SR6003 bezüglich der Videoverarbeitung nicht ganz auf absolutem Referenzniveau operiert und deswegen bei Anwendern mit entsprechendem Bedarf etwas im Nachteil ist.

Denon AVR-2809

Im Vergleich zu seinem Klassenkameraden aus dem Hause Denon erkämpft sich der SR6003 ein Unentschieden auf hohem Niveau. Der Marantz Receiver muss zwar mit einem HDMI Eingang weniger vorlieb nehmen und hinkt auch in Bezug auf die Videoperformance etwas hinterher, doch dafür arbeitet er feine Klangnuancen minimal besser heraus und klingt insgesamt etwas filigraner. Die kultivierte Klangcharakteristik mit leicht warmer Einfärbung ist bei beiden Modellen vergleichbar, auch die gute Pegelfestigkeit liegt auf demselben Niveau. Im Surroundbetrieb besitzt sowohl der AVR-2809 als auch der SR6003 aufgrund der erwachsenen Spielweise ein großes Faszinationspotential, wobei der SR6003 die Zügel im Frequenzkeller noch etwas straffer in der Hand hält, während der AVR-2809 eine Spur temperamentvoller agiert. Freunde des Stereoklangs finden sowohl im Denon- als auch Marantz Gerät die wohl beste Performance in dieser Preisklasse, allerdings schiebt sich der SR-6003 durch die strukturiertere Bühnenstaffelung hauchdünn in Führung. 
Marantz SR-7500

Der Vergleich zum Vor-Vorgänger hat sich angeboten, da sich ein entsprechendes Gerät zum Testzeitpunkt zufällig in der Redaktion befand. Auf diese Weise konnten wir die Weiterentwicklung sehr schön überprüfen. Der SR-7500 wurde vor 2 Jahren für 999 Euro angeboten und kann daher (trotz höherer Typisierung) als Vergleichsmaßstab herangezogen werden. Von seiner Gesamtkonzeption klingt der SR6003 bei gleicher Detailfülle etwas seidiger/luftiger und druckvoller, während der SR-7500 eine kältere Klangauslegung verfolgt und geringfügig souveräner bei der Pegelfestigkeit agiert. HDMI, Scaler und De-Interlacer sucht man beim SR-7500 vergeblich, so dass ein Vergleich der Videosektion nicht möglich ist Lässt man die unterschiedliche Tonalität außer Acht, liegen beide Geräte auf einem sehr ähnlichen Niveau, was die Wiedergabe von Stereo und 5.1 Dolby Digital Tracks betrifft. Klare Vorteile in Bezug auf Dynamikabstufungen und Nuancierung feiner Klangdetails kann der SR6003 bei gut abgemischten Blu-Rays mit HD-Tonformaten für sich verbuchen, dem sein Kontrahent naturgemäß nichts entgegenzusetzen hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass man beim SR6003 für beste Ergebnisse eine Zuspielung via HDMI realisieren sollte, während der SR-7500 diese Leistung über die konventionellen Digitaleingänge realisiert, während das neuere Gerät hier nachlässt. Fazit: der Generationenvergleich war hochinteressant und hat gleichermaßen das Maß an technischer Weiterentwicklung aufgezeigt, aber auch dokumentiert dass speziell die konventionellen Digitalanschlüsse unter den hinzugekommenen Features gelitten haben. 
Pioneer LX-51

Pioneer schickt in der 1.000 Euro den LX-51 ins Rennen um die Gunst der Käufer. Der bolidenähnliche Koloss besitzt eine leistungsfähige DSP-Engine und kann sogar im 5.1 Dolby Digital/DTS Betrieb DSP-Programme zur Feinabstimmung des Klanges anwenden (zB. Action DSP zur Betonung von Score und LFE-Effekten). Sowohl der SR-6003 als auch der Denon sind hierzu nicht in der Lage und fokussieren eine 1:1 Umsetzung des akustischen Geschehens. Diese Charakteristik merkt man den verschiedenen Effekten schon bei der Grund-Tonalität an: der LX-51 versteht sich als Entertainer und engagiert sich speziell bei der Auskleidung im unteren und oberen Frequenzbereich, wo der SR6003 mehr Wert auf Balance und audiophil-veranlagte Klangdetaillierung liegt. Ähnliche Beobachtungen haben wir auch im Mittentonbereich festgestellt, hier vermittelt der Marantz mehr Emotionen und Feingefühl, wo der LX-51 etwas körperlos erscheint. Im Stereobetrieb diversifizieren sich die Geräte entsprechend weiter: der Pioneer konzentriert sich auf Druck und Grobdynamik, während der SR6003 das Klanggeschehen besser vom Lautsprecher löst und insgesamt ausgeglichener und lockerer aufspielt. Bei der Pegelfestigkeit schlägt die große Stunde des Pioneers, wo er sich vom SR6003 in Extremsituationen etwas absetzen kann. Bei den Videofeatures geht der Pioneer dank seiner noch gekonnteren Analog-/Digitalwandlung in Führung, was allerdings nur für Anwender mit entsprechenden Quellgeräten von Relevanz ist, da sich die Geräte beim Durchschleifen von HDMI-Signalen nichts schenken.
Fazit:

Der Marantz SR6003 entpuppt sich bei unserem Test als hervorragender AV-Receiver, der nur knapp die Tabellenführung in der 1.000-Euro-Liga verpasst. Das gute Abschneiden verdankt er seinen kräftigen, durchtrainierten Endstufen, die auch bei einem langen Heimkino-Abend nicht vorzeitig schlapp machen. Außerdem punktet das japanische Kraftpaket auch mit feingeistigen Qualitäten und sichert sich durch eine detailreiche, homogene Klangabstimmung eine große Fangemeinde. Der SR6003 bringt ein außerordentlich hohes Maß an Ausgewogenheit in die 1.000 Euro Klasse und eignet sich akustisch gleichermaßen hervorragend für Stereoanwendungen und hochauflösenden Filmton. Schade, dass Marantz mit den HDMI-Eingängen etwas geizt und beim Videoprocessing der analogen Quellen nicht ganz auf absolutem Referenzniveu operiert. Doch wer sich an diesen Details nicht stört, erhält mit dem SR6003 zweifelsfrei ein hervorragendes Gerät, welches darüberhinaus auch mit Details, wie zB. die flexibel nutzbaren Endstufen oder der eleganten Optik, viel Freude beim täglichen Umgang beschert. Dank der hervorragenden Fernbedienung und des übersichtlichen On Screen Displays, kann sich der SR6003 zudem auch noch mit einem gutem Bedienkonzept schmücken. Marantz beweist mit diesem Gerät, wieviel Klang man schon für 1.000 Euro erwarten kann, ohne dafür an der Ausstattung/Komfort sparen zu müssen - aus diesem Grund können wir dem SR6003 auch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für akustisch versierte Anwender aussprechen. 

Ausstattungsvielfalt, Bedienkomfort und speziell die 
ausgewogene Klangabstimmung vereinen sich im
Marantz SR6003 zu einem der besten AV-Receiver seiner Klasse.


Marantz SR6003 , 999 Euro
AV-Receiver
Test: 16. Februar 2009
Preis-/Leistung:

+ universelle Klangeigenschaften mit hoher Ausgewogenheit und natürlicher Tonalität
+ Circle Surround II sorgt für natürlichen Raumklang bei Stereoquellen
+ solide Pegelfestigkeit
+ 7. Endstufe flexibel einsetzbar für Surround-Back, Zone2 oder Bi-Amping
+ ansprechendes Gerätedesign
+ übersichtliches GUI, einfaches Bedienkonzept, hochwertige Fernbedienung

- nur 3 HDMI Eingänge
- Videoprocessing bei analoger Bildverarbeitung nicht perfekt
- wenig DSP Modi
- etwas zu grobes Lautsprechersetup
- Gerätefront teilweise aus Kunststoff

Website des Anbieters. www.marantz.de

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Text: Lars Mette

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