XXL Test: High-End Standlautsprecher Isophon Cassiano - Frontalangriff auf die Sinne ? ( Seite 3 / 3 )
Klang:
Mit einer Mischung aus Skepsis und Vorfreude stecken wir die
Oehlbachkabel in die WBT-Terminals der beiden silbrig
glänzenden Cassianos. Zweifelsohne liegt die Messlatte in dieser
Preisklasse sehr hoch, zumal die schlanken Isophon-Lautsprecher vom optischen Auftreten
inmitten der Konkurrenzprodukte durchaus als etwas unscheinbar
wahrgenommen werden könnten. Andererseits haben wir bislang noch
nie ein enttäuschendes Produkt der schwäbischen Firma kennengelernt und auch die
edlen technischen Zutaten sorgen durchaus für Optimismus. Mit
leicht schwitzenden Händen legen wir also den ersten Silberling in
den VipG2, fixieren den Puck inmitten der aktuellen Norah-Jones CD und
schließen die mattschwarze Aluminiumlade. Trennen uns nur noch
wenige Sekunden vom absoluten Musikgenuss ? Oder macht sich gar eine
leichte Ernüchterung breit, da unsere hohe Erwartungshaltung
ohnehin kaum zu befriedigen ist ? Nun - nach schier endlosen fünf
Sekunden des Einlesevorgangs und den ersten Minuten gebannten
Musikhörens, steht das erste Urteil schon fest: die Cassianos
gehen direkt ins Herz.
Die gebotene Detailfülle und Gesamtharmonie wurde von uns
spontan als "atemberaubend" tituliert. Die Cassiano verleiht
Sänger und Instrumenten eine derartige Präsenz, die fast
schon unheimlich wirkt. Nie zuvor hat es ein Lautsprecher-Paar
geschafft, die Grenze zwischen Wiedergabe und Live-Atmosphäre so
beeindruckend verschmelzen zu lassen. Insgesamt präsentieren sich
das Cassianos als extrem harmonisch und kultiviert abgestimmt. Hier
spielen sich keine einzelnen Frequenzbereiche in den Vordergrund.
Stattdessen glänzt die Akustik mit einer beispiellosen
Ausgewogenheit, welche für eine sehr natürliche Wiedergabe
sorgt. Dazu passt auch die optische Wirkung der beiden Schallwander,
schließlich hat Dr. Gauder absichtlich keine großen bzw.
auffälligen "Kisten" entwickelt, sondern eine wohnraumfreundliche
und dezente Optik gewählt: die Lautsprecher sollen sich nicht
selbst zum Mittelpunkt machen, sondern vornehmlich die Musik. Schon
nach den ersten Höreindrücken stand für uns fest, dass
dieses Credo zu kaum einem Schallwandler so gut passt, wie zu den
beiden Cassianos.
Der Keramikhochtöner überzeugt im Gesamtkonzept und
fügt sich sehr angenehm in das Klangbild. Er liefert dabei eine
beeindruckende Informationsdichte, ohne aufdringlich zu wirken. Wo
andere Konstruktionen schnell dazu neigen, manchmal etwas spitz und
schrill zu klingen, bleibt die Cassiano auf der richtigen Spur und
umgarnt die Klangdetails mit angenehmer Luftigkeit. Im Direktvergleich
kommt selbst die PiegaTC70x ( mit ihrem hochgelobten Bändchen
Mittel-/Hochtöner) nicht ganz an die akribische Trennung aller
hochfrequenten Schallereignisse heran und klingt zudem etwas
stokastischer und angestrengter. Auch gegenüber der EuropaII
fällt auf, dass die Cassiano ihr Schwestermodell fest im Griff hat
und (beispielsweise) das feine Schwingen von Geigen mit einer
höheren Auflösung umsetzen kann. Nach wie vor würde es uns ebenso reizen, ein Paar Cassianos mit
Diamandhochtöner kennenzulernen, aber nach dem Hörerlebnis
mit der wesentlich günstigeren Keramikvariante steht fest, dass
diese es sehr schwer haben dürften, ihren Aufpreis zu
rechtfertigen. Jedenfalls besticht die Cassiano auch ohne Edelsteine
bereits mit sehr brillanten Höhen, so dass zumindest die Augen der
Zuhörerschaft glitzern werden.
Bemerkenswerte Leistungen vollbringen die Cassianos ebenfalls in
Bezug auf die Herausarbeitung von Gesangselementen. Die beswingte,
zarte Stimme von Norah Jones verwöhnt unsere Ohren mit einer
wahren Detailfülle und trotzdem legt sie nicht wie ein
Betonklotz auf der restlichen Musik, sondern fügt sich harmonisch
und transparent in das gesamte Klanggeschehen ein. Selten war die
Beschreibung "vielschichtig" und "facettenreich" derart angebracht, wie
in diesem Fall. Die beiden Lautsprecher beschränken sich
nämlich nicht nur darauf, den Stimmcharakter in Bezug auf
Tonalität und Detaillierung glaubhaft abzubilden, sondern sind
darüberhinaus sogar in der Lage, die Größendarstellung
und Positionierung im Hörraum zu berücksichtigen. Hier
müssen viele Kontrahenten der Cassianos die Segel streichen,
selbst manch deutlich hochpreisigere Produkte von zB. Pioneer oder
Canton können nicht mit dieser sensiblen und dennoch
kontrollierten Spielweise aufwarten. Im Direktvergleich wirkt es
manchmal durchaus so, als wären alle Akteure gleich groß und
würden -wie festzementiert- jedes Mal exakt am gleichen Punkt
zwischen den Lautsprechern stehen und sich keinen Deut bewegen.

Akustisch optimierter Raum, edle Elektronik: hier können die Cassianos zeigen, was sie können
So beeindruckend die bisher aufgezählten Klangattribute auch sein
mögen: in den Disziplinen räumliche Darstellung sowie Dynamik
setzen die Cassianos ihre absoluten Ausrufezeichen und katapultieren
sich auf die Liste der weltweit besten Lautsprecher überhaupt.
Besonders die Kombination aus diesen beiden Tugenden sorgt für
eine kaum vorstellbare Vitalität im Klangbild - es ist
äußerst schwierig, die Faszination beim Hören in Worte
zu verpacken, die gleichzeitig informativ aber nicht blumig auf Sie als
Leser wirkt. Sicherlich ist zur vollen Entfaltung eine potente
Elektronik essentiell wichtig, doch vor allem mit der
Audionet-Zusammenstellung aus MapV2, EPS, VipG2 und AmpIIG2
blühten die Cassianos in unseren Testreihen regelrecht auf. Die
hierbei freigesetzte Intensität definiert ein neues Kapitel des
Hörvergnügens. Wo andere Lautsprecher tendenziell gerne etwas
diffus in die Breite spielen und sich damit begnügen, irgendwo die
einzelnen Akteure abzubilden, lässt es sich die Cassiano nicht
nehmen, gleich ein ganzes Orchester punktgenau in Höhe, Breite
und Tiefe im Hörraum zu platzieren. Erstmalig schaffte es ein
Lautsprecher derart frei und losgelöst loszuspielen, dass
man bei geschlossenen Augen in große Verlegenheit käme,
den genauen Standort der Lautsprecher zu lokalisieren. Außerdem
erzeugen die Isophon-Lautsprecher ein derart weitläufiges, fast
schon grenzenloses Klangpanorama, welches weit über die
Dimensionen des eigentliches Hörraumes hinaus ragt. Teilweise
reproduziert das Isophon-Duett sogar die Bedingungen bei der
urspünglichen CD-Aufnahme/Masterring so genau, dass man bei
choralen Elementen heraushört, welche Sänge nebeneinander
jeweils an einem Mikrofon standen. Bevor nun selbsternannte Propheten
des wahren HiFi-Glaubens lautstark ihren Unmut verkünden, sei an
dieser Stelle prophylaktisch erwähnt, dass die Cassiano definitiv
nicht zu der Sorte von Lautsprechern gehört, die eine
künstliche Räumlichkeit durch absichtliche
Phasenverschiebungen hervorrufen. Solche Lautsprecher gibt es durchaus
(leider) nicht wenige. Oft ist zu beobachten, dass die Spitzenmodelle
von bekannten Volumenherstellern (und teilweise auch sehr prominenten
High-End Manufakturen) lediglich darauf getrimmt sind, den Klang
irgendwie von der Schallwand zu lösen. Doch manchmal endet diese
Mission in einem völlig diffusen, undefiniertem Klangbild, welches
dann auch noch als besonderes Merkmal von High-End Lautsprechern
angeführt wird. Diese "Masche" mussten
wir Isophon-Lautsprechern bislang noch nie attestieren - und ganz
besonders die Cassiano ist davon ungefähr genauso weit entfernt,
wie Bayern München vom diesjährigen Meistertitel. Der
Unterschied liegt darin, dass die Cassianos jedes kleinste Detail an
Rauminformation bedingungslos aufgreifen und gekonnt umsetzen. So
ertönen auch vermeintlich leblose, platte Aufnahmen mit einer
überraschenden Lebendigkeit - dennoch wird die Cassiano nie etwas
dazu erfinden, oder die Klangfülle künstlich aufblasen, nur
um gefälliger zu klingen.
In Symbiose mit diesem holografischen Darstellungsvermögen,
können die dynamischen Tugenden ihre absoluten Schokoladenseiten
richtig zur Geltung bringen. Die Cassiano beherrscht dabei das
komplette Repertoire vom explosiven Bassgewitter bis hin zur feinen
Betonung sanft angeschlagener Klaviertasten mit einer Perfektion, die
absolute Maßstäbe setzt. Ähnlich wie in Bezug auf die
Räumlichkeit setzt die Cassiano dabei aber auch wieder auf
konsequente Glaubwürdigkeit, anstelle blinden Aktionismus. Die
Abstufung verschiedener Klangereignisse meistert die Cassiano
jedenfalls mit Bravour, zumal keine andere (uns bekannte) Box die
Fähigkeit parieren kann, in gleichzeitig spielenden, verschiedenen
musikalischen Ebenen derart souverän und zielsicher jedem
Instrument die richtige Dosis an Dynamik zu verpassen. Die meisterliche
dynamische Hingabe zeichnet sich übrigens nicht nur überhalb
Zimmerlautstärke ab. Anwender, die ihre Musikaufnahme gerne in
moderater Lautstärke genießen, werden wohl kaum eine
Alternative zur Cassiano finden, die schon bei niedrigen Pegeln derart
viel Dynamik und Faszination freisetzen kann. Diese Eigenschaft ist
selbst bei hochwertigen Lautsprechern eher selten anzutreffen und
trennt somit die Spreu vom Weizen. Selbst absolute Könner vom
Schlage einer Quadral Aurum Titan/Vulkan, EuropaII oder die Piega TC70x
sind nicht in der Lage, bei niedrigen Pegeln eine vergleichbare
Lebendigkeit zu entfesseln. Trotzdem bedarf es einer gehörigen
Portion Selbstdisziplin, mit einem Paar Cassiano deutlich unterhalb von
Zimmerlautstärke zu hören. Ähnlich wie bei einem
potenten Sportwagen, gieren die Cassianos förmlich danach,
"getreten" zu werden. Nicht selten ertappt man sich dabei, dass die
spätabendliche Hörsession im Laufe weniger Minuten zu einem
intensiven Erlebnis, jenseits der gesetzlichen Grenzen mutiert - eben
genau wie bei der Kurvenhatz mit einem fahraktiven Auto...
Wer Lautsprecher der Marke Isophon mit Modellen wie der Indigo,
Vertigo oder Europa assoziert, wird in Bezug auf die Bassdarstellung
umdenken müssen. Zwar visiert auch die Cassiano eine sehr tiefreichende
Basswiedergabe an, doch die schier endlose Schwärze und
Massivität wird hier zugunsten eines knackig-präzisen
Antrittsvermögen etwas hinten angestellt. Überraschenderweise setzt die
schlanke Isophox-Box somit ihre Akzente in Bereichen, die man
allgemeinhin nicht unbedingt Bassreflexkonstruktionen zutraut. Die
Differenzierung und dynamische Berücksichtung der einzelnen
Bass-Impulse setzt kaum eine andere Box gekonnter bzw. reizvoller um.
Selbst schnellste Technobeats können die Cassianos nicht
ermüden - stets wirkt das Klangbild absolut souverän und klar
gegliedert. Teilweise waren wir selbst bei oft gehörten
Stücken sehr überrascht, welche Feinheiten auch im
tieffrequenten Bereich bislang im Verborgenen geblieben sind. Unterhalb
des Kickbass-Bereiches widmet sich die Cassianos ebenfalls mit Hingabe
den verschiedenen Aufgaben und verleugnet niemals ihre Intension, Musik
möglichst ehrlich und vor allem mit höchster Präzision
wiederzugeben. Im Vergleich mit einer Quadral Titan VII fällt
hingehen unterhalb von ca. 60Hz auf, dass viele andere Schallwandler
zwar nicht an die Präzision und beeindruckende Feindynamik
herankommen, wohl aber etwas mehr Volumen bzw. "Körper" bei extrem
tiefspielenden Musikinstrumente aufbauen können. Sehr deutlich wird diese
Eigenschaft auch bei synthetischem Material (Erich Kunzel, Fantasy Adventure Album, Track 03, T-Rex
Fusstapfen - geht bis ca. 20Hz) - hier erreichen die Cassianos durchaus
eine beeindruckende Tiefe. Doch alles was sich unterhalb von ca. 35Hz
abspielt, können manch andere (größere) Lautsprecher
etwas müheloser und kräftiger aus dem Korpus schütteln
- speziell bei höheren Pegeln.
Generell muss die gebotene Pegelfestigkeit leicht
zurückstecken. Die Cassiano ist prinzipiell durchaus in der Lage,
sehr intensive Pegel zu realisieren. In Kombination mit Tiefbass
(unterhalb 60Hz) wäre es dennoch ratsam, sich nicht völlig
ohne Selbstdisziplin dem Pegel-Vergnügen hinzugeben, da sonst die
Chassis anschlagen
könnten. Wer es bedingungslos "krachen" lassen möchte, wird
mit einer EuropaII besser bedient sein - dieses Modell bleibt auch mit
diskowürdigen Pegeln in jeder Frequenzlage absolut souverän
(eine kräftige Endstufe vorausgesetzt...). Jene Charakteristik
trifft auf die Cassianos nur bedingt zu: an mangelndem Eifer und
Engagement mangelt es den schlanken Boxen sicherlich nicht. Man merkt
förmlich, dass sie förmlich danach betteln, immer
lauter spielen zu dürfen, denn sie wollen keinerlei Abstriche
bei Tiefgang,
Präzision und Dynamik eingehen. Dadurch allerdings kommt
relativ überraschend der Punkt, an dem die Bassenergie zu
groß für die beiden 17cm Tieftöner wird und sich eine
unsaubere Spielweise einstellt.
Auffällig an den ersten Hörsessions war übrigens, die
recht geringe Auswirkung des Einspielens. Unserem Hörempfinden
nach, steigerte sich die räumliche Loslösung und die
Gesamtpräzision zwar im Laufe der ersten 100 Stunden durchaus
etwas, aber Die Situation war weit von den Zuständen bei
Piega entfernt, wie beispielsweise bei der TC70x, die direkt
aus dem Karton fast unhörbar aufspielte
und erst nach und nach zu ihrer wahren Form gefunden hat. Im
übrigen zeigt sich die Cassiano als relativ
aufstellungsunkritisch. Mit Sicherheit ist eine gute Raumakustik ein
elementarer Bestandteil, um ihre Faszination erleben zu können,
doch angesichts der ebenso peniblen wie langwierigen
"Aufstellungsorgien" anderer Modelle gibt sich die Isophon-Box sehr
umgänglich. In unseren Hörräumen fanden sich die
Cassianos auf Anhieb sehr gut zurecht - sowohl im normalen,
mäßig bedämpfen Wohnraum, als auch im akustisch
optimiertem Studio stellte sich sehr schnell ein hervorragender Klang
ein. Optimale Ergebnisse erzielten wir bei einer leicht reduzierten
Basisbreite sowie einer minimalen Anwinklung auf den Hörplatz.
Unter diesen Vorrausetzungen konnte nicht nur die Räumlichkeit am
meisten überzeugen, auch die Größe des Sweetspots war
nicht zu sehr auf einen kleinen festen Punkt fixiert. Als Teil eines
Surroundsets fügen sich die Cassianos ebenfalls sehr
gewinnbringend ein. Da viele Musik über die vorderen
Frontlautsprecher ertönt, machen sich die Lautsprecher durchaus
positiv bemerkbar. Obwohl die Tonalität mit anderen neutral
abgestimmten Lautsprecher eigentlich gut harmonieren dürfte, ist
es alles andere als leicht, wirklich passende Surroundergänzungen
für die Cassianos zu finden. Nicht einmal die bestehenden
Isophon-Lautsprecher können da mithalten und fallen bei bewegenden
Surroundeffekten etwas zurück. Hier wäre es für
anspruchsvolle Mehrkanalfans also durchaus ratsam auf kommende Produkte
(siehe Interview) zu warten, oder auch für die anderen Kanäle
auf Cassianos zu setzen. Trotz der etwas eingeschränkten
Pegelfestigkeit kann die Cassiano problemlos als "Large" Speaker in
einem Surroundset betrieben werden - lediglich die LFE-Arbeit sollte
tunlichst auf einen Subwoofer abgegeben werden. Hierfür sie nun
wirklich zu schade und auch vom Pegel recht schnell am Ende.

Im zweiten Teststudio mussten sich die Cassianos unter Wohnraumbedingungen beweisen.
Anhänger von Kammermusik oder "Kreativ-Jazz" Aufnahmen mögen
es uns verzeihen, aber wir haben die Cassianos nicht nur mit dem
(weithin auch als klassisch-audiophil bezeichnetem) Standardrepartoire
der üblichen Saitenzupfer und "Stöhn-Akrobaten"
gefüttert. Nein - wir erwarten von High-End Lautsprechern, dass
sie mit jeder Musikrichtung klarkommen und deren unterschiedlichen
Charakteren Ausdruck verleihen können. So erholsam eine Hörsession mit
Katie Mulea und Co. auch sein mag - nichts ist (unserer Meinung nach)
für einen Luxus-Schallwandler peinlicher, als wenn einem bei Rammstein oder
Manowar nur ein laues Lüftchen aus den Boxen entgegenweht, und selbst so
manches 1000 Euro Mittelklasse-Modell mehr Hörspaß verbreitet.
Beginnen wir mit dem gleichnamigen Album von Britney (Spears).
Momentan macht diese Künstlerin fast nur noch außerhalb der Musikwelt
Schlagzeilen, was aber nichts daran ändert, dass manche ihrer bestehenden
Aufnahmen mit einem High-End Schallwandler große Freude bereiten
können. Durch vielerlei kurze Effekte entsteht eine weiträumige
Abmischung, welche die beiden Cassianos sehr reizvoll umzusetzen
wissen. Die dabei eingeflochtenen Background-Sänger werden dabei vom
restlichen Klanggeschehen schön losgelöst und geben der Musik einen
Hauch Leichtigkeit. Gleichzeitig sorgen die Cassianos durch
antrittsstarke sowie hervorragende Bass-Differenzierung für ein solides
Fundament, auf dem die Musik aufbaut. An bestimmten Stellen gelingt es
den schwäbischen Boxen sogar, die Entfaltung der Musik von einer
punktuellen räumlichen Fokussierung, auf ein plötzlich aufspannendes
Surroundpanorama offenzulegen - diese CD-Eigenschaft ist uns bislang
mit keinem anderem Schallwandler in dieser Form aufgefallen.
Auch
mit Musik einer gänzlich anderen künstlerischen Richtung bereiten die
Cassianos großen Hörspaß. Wir haben die "Aderlass Vol.4 " eingelegt,
einer Compilation von verschiedenen Gothic, Electro sowie Dark-Wave
Titeln. Fast allen Stücken ist gemeinsam, dass die Stimmungslage von
einem düsterem, schleppendem musikalischen Aufbau generiert wird. Der
hohe Spielfluss und das großartige Rythmusgefühl der Cassianos
transportieren diese Atmosphäre direkt zum Hörer und bauen damit eine
emotionale Brücke zwischen Kunst und Technik auf. Die wenigen
Gesangselemente bestehen größtenteils aus weitläufigen Begleitungen an
den Flanken des Hörraumes, was für Lautsprecher recht schwierig
umzusetzen ist. Den schwierigen Spagat zwischen einer zu dominanten
bzw. versteckten Wiedergabe beschreiten die Cassianos mit höchstem
Erfolg. Es ist frappierend, mit welcher Lebendigkeit auch Nebeneffekte
noch umgarnt werden und dennoch die Kohärenz der Musik erhalten bleibt.
Die stampfenden, tief hinabreichenden Bässe mag eine Quadral Titan
VII zwar etwas mächtiger wiedergeben, dafür spielt die
Cassiono wie aus einem Guss und bleibt in jeder Situation im Einklang
mit dem restlichen musikalischen Geschehen. Keine einzelnen
Instrumente, Passagen oder Effekte spielen sich in den Vordergrund. Man
ist richtiggehend
enttäuscht, diese Musik am Wochenende in verschiedenen Clubs zu
hören, und erkennt diesselben Lieder teilweise kaum noch. Hier wird
einem sehr schnell klar, wieviel Klangdetails fast alle PA- oder Studio
Installationen unter den Teppich kehren. Die Cassianos hingegen
offenbaren die oftmals überraschend hohe Abmischungsqualität der
entsprechenden CDs, und bilden die vielfältigen Synthie-Effekte
gleichzeitig stabil an mehreren Punkten im Raum ab, versehen jedes
Element mit dynamischer Ausdruckskraft und begleiten das Ganze dazu
noch mit einem drückendem Bass. Wer behauptet, High-End Schallwander
würden nur mit "Klimper-Musik" zur Hochform auflaufen, sollte sich
definitiv bei einer ausgiebigen Cassiano-Hörsitzung etwas Besseren
belehren lassen.
Unser
nächster musikalischer Ausflug führt in das Mittelalter. Auf der
Best-Of-CD "Kein Blick zurück" von In Extremo findet sich eine
hörenswerte Mischung aus modernen Rockelementen mit großen Einflussen
aus vergangenen Zeitepochen. Durch die Hinzunahme von antiken
Musikinstrumenten (zB. Drehleier, Cister oder Hackbrett) gestaltet sich
die Musik nicht nur sehr abwechslungsreich und ungewöhnlich, sondern
stellt für Lautsprecher eine große Herausforderung dar. Der klangliche
Aufbau zeichnet sich in vielen Stücken durch eine große Komplexität
aus, zumal auch Tempowechsel und verschiedene Arrangements von den
Lautsprechern verwaltet werden müssen. Diese CD gehört zu den
Aufnahmen, die auf vielen Anlagen schnell als platt und undynamisch
erscheinen. Jedenfalls haben wir sie mit den Cassianos neu entdeckt und
schätzen gelernt. Wo sich viele andere Lautsprecher in dem Gewirr aus
E-Gittaren, Sängern, Schlag- Streich und Blasinstrumenten verzetteln,
offenbarten die Isophox-Boxen große Qualitäten und managten selbst
diffizielle Passagen mit Leichtigkeit. Besonders bemerkenswert ist
übrigens jedes Mal der Genuss von Track 6 "Pavane". Der Song wird von
einem einmütigem Dudelsack-Solo eingeleitet, welches mit einer
bestechenden Körperhaftigkeit, Auflösung und Präsenz direkt vor dem
Hörplatz umgesetzt wird. Die feinen Schwingungen werden von den
Cassianos ungemein feinfühlig und höchstdetailliert herausgearbeitet.
Kurz darauf beweisen die beiden Lautsprecher, dass auch die Grobdynamik
überzeugen kann, als im Anschluß daran mehrere Gitarrenriffs und
Schlagzeugsalven mit brachialer Energie auf den Hörer losgelassen
werden. Eine weitere Herausforderung stellt auch der nachfolgende Track
("rotes Haar") dar: 2 mächtige tiefe (< 30Hz)
Beckenschläge lassen Bass-Chassis und Hörraum gleichermaßen erzittern.
Hierbei ist auffallend, wie sehr insbesondere der zweite Schlag
pointiert, sowie impulsgenau verarbeitet wird. Die Trennung dieser
beiden Elemente ist alleine schon ein Kriterium, welches nur selten in
dieser Qualität erfüllt wird. Oft schwingen die Bass-Chassis vom ersten
Schlag noch nach, wenn die Musik schon beim nächsten Impuls angekommen
ist. Die Cassianos zeigen sich aber nicht nur in dieser Hinsicht von
ihrer Schokoladenseite, sondern differenzieren jeden einzelnen
Beckenschlag hinsichtlich Bassdruck und Schlagintensität absolut
bravourös. Unabhängig davon, ob wir nun InEx, Rammstein oder Manowar
mit den Cassianos hören: es macht alleine schon deswegen großen Spaß,
weil die Gitarren nicht an den Lautsprecher kleben, sondern
differenziert, klar und unglaublich detailliert im Raum abgebildet
werden. Hier hat man (endlich) nicht das Gefühl von gegeneinander
spielenden Musikern, sondern fühlt das Miteinander, wenn vier
gleichzeitig agierende Zupfinstrumente am Werk beteiligt sind.
Die
Aufzählungen könnten wir noch anhand vielen anderen Musik-Genres
weiterführen und letztendlich jedes Mal das Gleiche berichten: die
Cassianos machen schlichtweg Spaß. Sie verleihen der Musik
Ausdruckskraft, ohne selbst künstlerisch tätig zu werden. Sie folgt dem
Ideal eines Lautsprecher und bietet dem Material große
Entfaltungsmöglichkeiten. Diese Eigenschaft alleine wäre noch kein
Alleinstellungsmerkmal, doch kaum ein anderes Modell eines Mitbewerbers
kann eine derartige universelle, harmonische sowie beeindruckende
Umsetzung verschiedenster Stilrichtungen vorweisen, wie die Cassiano.
In Einem waren sich unsere Tester beim Probehören einig: vom
Klassikliebhaber bis zum Metal-Fan kam als erster Ausdruck stets das
berühmte Adjektiv mit den vier Buchstaben über die Lippen...
Fazit: Die Cassiano besitzt einen Klangcharakter, der in sich absolut
schlüssig ist und viele Freunde finden wird. Obwohl sie von
vorneherein nicht als Tiefbass-Champion konzipiert wurde, bietet sie
eine reizvolle, äußerst präzise Basswiedergabe und
bleibt diesbezüglich noch in Sichtweite der etwas
stärker/kräftiger abgestimmten Kontrahenten. Dass die
Pegelfestigkeit nicht dazu geeignet ist, das halbe Stadtviertel zu
beschallen ist ebenfalls ein Tribut an ihre gesamtheitliche Konzeption.
Die Cassiano soll eben ein Lautsprecher für Genießer und
Anspruchsvolle sein, für die Klangqualität wichtiger als
Bass-Intensität und Maximalpegel ist. Und genau dieser Zielvorgabe
folgt die Cassiano unbeiirt. Dank ihrer hervorragenden Tugenden in
allen weiteren Klangdisziplinen, kann man sie eigentlich nicht auf dem falschen
Fuss treffen. Alle unsere CDs verwandelten die Isophon-Lautsprecher mit
höchster künstlerischer Genauigkeit zu einem Erlebnis
für unser Trommelfell. Die Cassiano spielt dabei derart
überzeugend auf, dass sie in zwei Rubriken sogar eine
gänzlich neue Referenzmarke setzt und dafür mit jeweils
einem Extrapunkt belohnt wird.
| Tonalität / Neutralität |
10 |
| Bass-Performance |
9 |
| Stimmdarstellung |
10 |
| Auflösung/Hochtonbereich |
10 |
| Raumabbildung |
10 + 1 |
| Dynamik |
10 + 1 |
| Pegelfestigkeit |
8 |
Unsere Testkriterien
Interview mit dem Entwickler
Dr. Roland Gauder zählt bereits seit
1989 zur Isophon-Mannschaft. Seit der Aufteilung in zwei verschiedene
Geschäftsbereiche im Jahr 1997 ist er komplett eigenverantwortlich für
Herstellung und Vertrieb der Isophon HiFi-Lautsprecher. Unter der Feder
des promovierten Physikers entstanden in den letzten 10 Jahren viele
Modelle (zB. Europa II), die weit über die Grenzen der schwäbischen
Manufaktor in Renningen zu großem Ruhm bei Endkunde und Presse erlangt
sind und auch international einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt haben.
Sowohl mit der hier getesteten "Cassiano" - als auch der jüngsten
Neuentwicklung, dem größeren Schwestermodell "Arabba" konnte sich
Isophon sowohl auf der High-End 2005 (München) als auch auch auf der
diesjährigen CES in Las Vegas die Träphe "Best Sound of the Show"
sichern und damit eindrucksvoll die exponierte Marktstellung von
Isophon Lautsprechern unterstreichen.
Um Ihnen ein paar
interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Cassiano bieten
zu können, haben wir mit Hrn. Dr. Gauder ein kurzes Interview
durchgeführt.
AREADVD: Hallo Herr Dr. Gauder. Vielen Dank, dass Sie
sich für unser Interview die Zeit nehmen. Wir haben ja nun schon
mehrere ihrer Lautsprecher bei uns getestet. Dabei ist uns aufgefallen,
dass es kaum einen anderen Hersteller gibt, der innerhalb seines
Produktsortiments derart unterschiedliche Konstruktionsansätze
beheimatet, wie es beispielsweise im Vergleich einer EuropaII mit einer
Cassiano der Fall ist. Sind Sie noch auf der Suche nach der
bestmöglichen Lösung, oder betreiben Sie bewusst eine Produktpoltik mit
solch unterschiedlichen Konstruktionen ?
Dr. Gauder: Nein, mit Produktpolitik hat das nichts zu tun, wir haben
immer nur ein Ziel: den perfekten Lautsprecher zu bauen. Und das geht eben auf
verschiedenen Wegen. Bei der Cassiano z.B. sind die Keramikchassis von Thiel
das Herzstück und wir versuchen sie optimal einzusetzen. Für den Mitteltöner
bedeutet das, Einsatzfrequenz 185 Hz und damit wird eine Basswiedergabe über
ein Bandpasssystem extrem erschwert,
weil es durch die große Bandbreite (30 Hz – 185 Hz Anm. d. Red.) sehr ineffektiv
wird. Ein Bassreflexsystem ist hier viel besser geeignet. Bei der Corvara war
das geschlossene Prinzip besser geeignet, da bei einem ventilierten
Mitteltonsystem immer die Gehäuseresonanzen über das Rohr hörbar sind. Deshalb
kommt bei uns je nach Anwendungsprinzip das bestgeeignete System zum Einsatz.
Und Firmen, die sich durch eine Firmenphilosophie selbst in eine Ecke gedrängt
haben und nicht mehr raus können, ohne das Gesicht zu verlieren, haben es da
viel schwerer.
AREADVD: Bislang haben
wir bei jedem Isophon-Lautsprecher einen relativ großen Bedarf an
Endstufen-Power festgestellt - speziell die EuropaII verlangt besonders
nach einem phasenstabilen Verstärker. Was entgegnen Sie anderen
Lautsprecherentwicklern, die bei ihren Produkten ganz besonders auf
einen günstigen Wirkungsgrad überhalb der 90db Schwelle achten und
grundsätzlich die Ansicht vertreten, dass nur ein solches Konzept für
hochwertigste Klangwiedergabe geeignet sei ?
Dr. Gauder: Eigentlich sollte jeder wissen, dass
man in der Physik sich
mit jedem Vorteil einen Nachteil einhandelt. Der Wirkungsgrad wird ja
praktisch
immer von den Basslautsprechern vorgegeben. Im Klartext: wenn ein
Lautsprecher
tief runtergehen soll, muss er entweder sehr groß sein oder in
der Ecke stehen.
Es gilt halt eben mal, dass wenn ich eine Oktave tiefer gehe, z.B. Von
60 Hz
auf 30 Hz untere Grenzfrequenz, dann habe ich nur noch ein Achtel des
Wirkungsgrads. Außerdem gibt es den perfekten Mitteltöner
nicht, praktisch jede
Mitteltonmembran zeigt Resonanzen und eine Welligkeit des
Frequenzgangs. Und
die kann ich nur linearisieren, wenn ich die Überhöhungen
einglätte. Eigentlich müssten wir ja froh sein, dass wir
nicht mehr im
Jahr 1960 leben, wo nur ein paar Watt Verstärkerleistung zur
Verfügung standen.
Es gibt ja heute eine Vielzahl von guten, bezahlbaren und
leistungsfähigen
Verstärkern, auch im Röhrenbereich. Und diesen
technologischen Fortschritt
sollten wir doch nutzen. Was nützt der beste Wirkungsgrad, wenn
die Box total
verfärbt, extrem bündelt oder riesig
groß ist? Außerdem wäre es auch wenig sinnvoll, eine Europa mit einem
300-Euro-Verstärker anzutreiben, der sie weder in Dynamik, Basskontrolle oder
Auflösung auch nur annähernd ausreizen könnte. Ich beobachte eigentlich noch häufig, dass die Kunden mehr Geld für
Verstärker als für Lautsprecher ausgeben.
AREADVD: Kommen wir zur
Cassiano. Gab es einen eigentlich einen besonderen Grund, warum Sie
sich für einen Ort in Südtirol als Namenspate entschieden haben ?
Dr. Gauder: Nun, dadurch, dass wir weltweit tätig sind, brauchen wir
Namen, die überall möglichst gleich ausgesprochen werden. Und danach suche ich
eben die Namen für meine Lautsprecher aus. Zudem war ich in den Dolomiten sehr
oft mit großem Vergnügen Skifahren.
AREADVD:
Viele Hersteller propagieren bei ihren High-Systemen, dass es keine
Alternative zu koaxial aufgebauten Systemen gäbe. Wie ist Ihre Meinung
dazu - schließlich findet sich im Isophon-Programm kein einziger
Schallwandler, der entsprechend aufgebaut ist ?
Dr. Gauder: Auch Koaxsysteme haben Nachteile. Schauen Sie, meine
Vorgänger bei Isophon erhielten 1949 ein Weltpatent auf die Entwicklung eines
Koaxzweiwegesystems mit Schallführungslinsen. Eigentlich könnte ich da ja
weiter machen. Die Psychoakustik hat
aber gezeigt, dass die seitlich abgestrahlten Schallanteile sehr wichtig für
die Transparenz und Auflösung sind. Koaxe sind da schon benachteiligt. Der Vorteil eines Koax sollte doch die
Punktschallquelle sein: Amplitude und Phase aus einem einzelnen Punkt. Wenn Sie
aber einen Hochtöner in einen Konus einbauen, bündelt der Konus und verfälscht
damit die Hochtonwiedergabe. Die Transparenz und Luftigkeit bleiben auf der
Strecke. Schieben Sie den Hochtöner nach vorne aus dem Konus heraus, strahlt er
viel zu früh ab, das gute Zeitverhalten ist dahin und der Vorteil ist weg. Zwei
meiner Mitbewerber haben ja immer schon auf das Koaxprinzip geschworen, haben
aber oben noch schön einen Hochtöner aufgesetzt, damit ihre Boxen nicht zu stark
näseln. Aber ich will jetzt da gar nicht über andere reden. Ich gehe meinen
Weg. Ich versuche durch Zeitverzögerung des Hochtöners, extrem steilflankige,
phasengekoppelte Filter und sehr breitabstrahlende Mehrwegsysteme zum Ziel zu
kommen. Und wenn Sie einmal die Referenzboxen der Magazine weltweit anschauen,
stellen Sie fest, dass es sich fast ausschließlich um Drei-Wege-Systeme
handelt. Aber letztlich entscheidet der
Kunde, welche Bauweise ihm am besten gefällt. Wenn der Händler ihm die
Möglichkeit dazu gibt und er seine Vorurteile zu Hause lässt.
AREADVD: Was waren
für Sie (aus Sicht des Ingenieurs) die größten
Besonderheiten/Herausforderung bei der Entwicklung der Cassiano vor
rund zwei Jahren ?
Dr. Gauder: Zum einen die Komplexität der Berechnungen zu Beginn, dann
das In-den-Griff-Bekommen der Keramikchassis. Die Keramikchassis sind wie
Vollbluthengste, sie sind zu Extremleistungen fähig, aber sie wollen auch perfekt
beschaltet werden. Die Chassis allein machen nicht den guten Klang aus, die
Beschaltung, der Gehäuseeinbau und die Bedämpfung sind die großen Geheimnisse.
Und das lässt sich nur bis zu einer gewissen Grenze berechnen. Dann hilft nur
noch eins: eine Theorie aufstellen und mit Musik nachprüfen. Hören, hören,
hören. Stundenlang, tagelang, wochenlang, immer die gleichen Stücke, immer
wieder konzentriert anhören. Und immer wieder die Theorie verwerfen und neue
Wege beschreiten. Wir waren bei der Cassiano zu Beginn schon sehr weit, aber
dann haben wir noch einmal alles verworfen und neu angefangen. Und diese
Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Die Cassiano wird überall auf der Welt
extrem gelobt, auch in Ländern, wo wir deutschen Entwickler bisher mehr mit Vorurteilen
als mit Konkurrenzprodukten kämpfen mussten. Die Cassiano ist ein großer Erfolg
für uns kleine Firma.
AREADVD: Wir bekommen von unseren Lesern häufig
Anfragen, warum es zu bestimmten High-End Stereolautsprechern nur
selten entsprechende Mehrkanalerweiterungen gibt. Wie sieht es
diesbezüglich mit der Cassiano aus ?
Dr. Gauder: Nun, wenn Sie auf unser Produktprogramm schauen, sehen Sie,
dass wir mit dem Solaris und dem Comet zwei extrem aufwändige und auf dem
Weltmarkt technologisch einzigartige
Center- und Rearspeaker haben. Wir haben hier viel Hirnschmalz und
Technik
reingesteckt. Die Frage ist, ob es dem Kunden wert ist, so viel Geld
für eine
Multikanalerweiterung auszugeben. Wir meinen, es lohnt sich. Auf der
High-End
in München präsentieren wir dieses Jahr einen zur Cassiano
passenden, wie ich
meine, sehr gelungenen Center- und Rearspeaker, der sich in Verbindung
mit
einem Subwoofer auch hervorragend als Frontspeaker eignet. Auch er
wird, wie
alle unsere Lautsprecher, technologisch sehr
aufwändig und kann deshalb nicht ganz billig sein. Wir
fertigen nun eben
mal in Deutschland mit ausschließlich höchstwertigen,
zumeist deutschen
Bauteilen, mit eigenem Gehäusebau, eigener Lackiererei. Das geht
eben nicht so
billig wie China-Massenware. Dafür macht Musikhören mit
unseren Lautsprechern
aber auch unglaublich viel Spaß und Sie bekommen ein hervorragend
verarbeitetes, langlebiges Produkt mit 20 Jahren Garantie. Freude vom
ersten Augenblick
an!
AREADVD: Zum Abschluss noch
eine ganz allgemeine Frage: in welchem Verhältnis steht für Sie die
Mathematik und das Hören bei einer Neuentwicklung ? Wo setzen Sie ihre
Schwerpunkte ?
Dr. Gauder: Wie ich schon bei der Cassiano gesagt habe: beides ist
wichtig. Ein Entwickler, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wird nie
eine musikalisch vollkommen stimmige Box bauen können. Gewisse Dinge lassen
sich nun einmal mathematisch zeigen und durch das Ohr verifizieren. Welligkeiten
beim Frequenzgang, Phasenfehler
durch falsche Weichenübergänge und Frequenzgangfehler lassen
sich ganz leicht
heraus hören. Erst wenn das physikalisch-mathematische Gerüst
eines
Lautsprechers stimmt, erst dann beginnt die Arbeit. Dann kommen die
nächtelangen Hörsitzungen, mit denen man noch das letzte
Quäntchen Transparenz und
Luftigkeit heraus zu kitzeln versucht. Aber auch hier gilt: es
genügt nicht,
dass man die Fehler hört, man muss auch wissen, wie man sie
abstellt. Und man
muss die Geduld und den Willen haben, nicht schon gleich bei den ersten
Tönen
zu sagen, toll, das war’s, das reicht. Nein, man muss weiter
machen. Kritisch
zu sich selbst sein. Bei uns spielt sich bei jeder Entwicklung ein
ständiger Disput
zwischen vier Leuten ab. Jeder vertritt seine Ansicht und fordert noch
mehr.
Wenn drei zufrieden sind, krittelt bestimmt der Vierte immer noch rum. Diese Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern,
das ständige Noch-besser-werden-wollen, das ist es letztlich, was bei uns den
Erfolg ausmacht. Ein einzelner Entwickler gibt sich schon lange vorher mit dem
Resultat zufrieden. Das habe ich bei all unseren Entwicklungen in den letzten
Jahren bei uns nicht erlebt. Meine Mitarbeiter hatten immer etwas zu bemängeln,
forderten noch mehr, und genau das hat uns nach vorne gebracht.
AREADVD: Vielen Dank für das informative Gespräch !
Fazit:
Eines steht fest: beim Überreichen
des Kaufpreises von 12.300 Euro ist ein mulmiges Gefühl zwar
nachvollziehbar, doch angesichts der akustischen Glanztaten hat man
eigentlich keinen Grund dazu: die Isophon Cassiano ist nicht nur jeden
Cent absolut wert, sondern verwöhnt seinen Besitzer mit (akustischen)
Erlebnissen, die eigentlich unbezahlbar sind. Wer sich die Ruhe und
Muse nimmt, sich den schwäbischen "Wunderboxen" zu widmen, wird unweigerlich
die Augen schließen und von ihr in andere Welten entführt. Und genau
deswegen sind wir von diesen Isophon-Lautsprechern auch derart
begeistert, dass wir eine Masterpiece-Auszeichnung aussprechen: die
Cassiano verköprt genau jene Tugenden, die wir bei einem solchen
Lautsprecher für wichtig halten. Sie ist unaufdringlich in ihrer
äußeren Erscheinung und bezieht ihre Reize nicht aus irgendwelchen
Unwichtigkeiten, sondern vornehmlich mit ihrem grandiosen
Klangerlebnis.
Gänsehautgarantie: die Isophon
Cassiano berührt die Sinne wie kein anderer Lautsprecher ihrer
umliegenden Preisklassen.

Isophon Cassiano, Paarpreis 12.300 Euro
Stereolautsprecher, Kategorie: High-End
7. Mai 2007
Preis-/Leistung:          
Website des Anbieters: www.isophon.de
+ fabulöse Klangeigenschaften, sehr harmonische/neutrale Tonalität
+ seltene Gabe bei High-End Lautsprechern: klingt sowohl leise als auch laut hervorragend und macht Spaß
+ exzellente Feindynamik
+ zum Mehrkanalset erweiterbar
+ hochwertige Verarbeitung, große Auswahl an Ausführungen
- der Kaufpreis von 12.300 Euro mag zwar angemessen sein, ist aber dennoch eine stolze Summe
- keine Bi-Amping/Wiring Terminals
- recht anspruchsvoll, was Elektronik betrifft
Raumakustische Optimierung unserer Studios mit Wallpanels und Absorbern von:
Dieser AREA DVD High-End Test wurde durchgeführt mit Kabeln von:

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:

Redaktion:
Lars Mette
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