XXL Test: High-End Standlautsprecher Isophon Cassiano - Frontalangriff auf die Sinne ? ( Seite 3 / 3 )
Klang:

Mit einer Mischung aus Skepsis und Vorfreude stecken wir die Oehlbachkabel in die WBT-Terminals der beiden silbrig glänzenden Cassianos. Zweifelsohne liegt die Messlatte in dieser Preisklasse sehr hoch, zumal die schlanken Isophon-Lautsprecher vom optischen Auftreten inmitten der Konkurrenzprodukte durchaus als etwas unscheinbar wahrgenommen werden könnten. Andererseits haben wir bislang noch nie ein enttäuschendes Produkt der schwäbischen Firma kennengelernt und auch die edlen technischen Zutaten sorgen durchaus für Optimismus. Mit leicht schwitzenden Händen legen wir also den ersten Silberling in den VipG2, fixieren den Puck inmitten der aktuellen Norah-Jones CD und schließen die mattschwarze Aluminiumlade. Trennen uns nur noch wenige Sekunden vom absoluten Musikgenuss ? Oder macht sich gar eine leichte Ernüchterung breit, da unsere hohe Erwartungshaltung ohnehin kaum zu befriedigen ist ? Nun - nach schier endlosen fünf Sekunden des Einlesevorgangs und den ersten Minuten gebannten Musikhörens, steht das erste Urteil schon fest: die Cassianos gehen direkt ins Herz. 

Die gebotene Detailfülle und Gesamtharmonie wurde von uns spontan als "atemberaubend" tituliert. Die Cassiano verleiht Sänger und Instrumenten eine derartige Präsenz, die fast schon unheimlich wirkt. Nie zuvor hat es ein Lautsprecher-Paar geschafft, die Grenze zwischen Wiedergabe und Live-Atmosphäre so beeindruckend verschmelzen zu lassen. Insgesamt präsentieren sich das Cassianos als extrem harmonisch und kultiviert abgestimmt. Hier spielen sich keine einzelnen Frequenzbereiche in den Vordergrund. Stattdessen glänzt die Akustik mit einer beispiellosen Ausgewogenheit, welche für eine sehr natürliche Wiedergabe sorgt. Dazu passt auch die optische Wirkung der beiden Schallwander, schließlich hat Dr. Gauder absichtlich keine großen bzw. auffälligen "Kisten" entwickelt, sondern eine wohnraumfreundliche und dezente Optik gewählt: die Lautsprecher sollen sich nicht selbst zum Mittelpunkt machen, sondern vornehmlich die Musik. Schon nach den ersten Höreindrücken stand für uns fest, dass dieses Credo zu kaum einem Schallwandler so gut passt, wie zu den beiden Cassianos. 

Der Keramikhochtöner überzeugt im Gesamtkonzept und fügt sich sehr angenehm in das Klangbild. Er liefert dabei eine beeindruckende Informationsdichte, ohne aufdringlich zu wirken. Wo andere Konstruktionen schnell dazu neigen, manchmal etwas spitz und schrill zu klingen, bleibt die Cassiano auf der richtigen Spur und umgarnt die Klangdetails mit angenehmer Luftigkeit. Im Direktvergleich kommt selbst die PiegaTC70x ( mit ihrem hochgelobten Bändchen Mittel-/Hochtöner) nicht ganz an die akribische Trennung aller hochfrequenten Schallereignisse heran und klingt zudem etwas stokastischer und angestrengter. Auch gegenüber der EuropaII fällt auf, dass die Cassiano ihr Schwestermodell fest im Griff hat und (beispielsweise) das feine Schwingen von Geigen mit einer höheren Auflösung umsetzen kann. Nach wie vor würde es uns ebenso reizen, ein Paar Cassianos mit Diamandhochtöner kennenzulernen, aber nach dem Hörerlebnis mit der wesentlich günstigeren Keramikvariante steht fest, dass diese es sehr schwer haben dürften, ihren Aufpreis zu rechtfertigen. Jedenfalls besticht die Cassiano auch ohne Edelsteine bereits mit sehr brillanten Höhen, so dass zumindest die Augen der Zuhörerschaft glitzern werden. 

Bemerkenswerte Leistungen vollbringen die Cassianos ebenfalls in Bezug auf die Herausarbeitung von Gesangselementen. Die beswingte, zarte Stimme von Norah Jones verwöhnt unsere Ohren mit einer wahren Detailfülle und trotzdem legt sie nicht wie ein Betonklotz auf der restlichen Musik, sondern fügt sich harmonisch und transparent in das gesamte Klanggeschehen ein. Selten war die Beschreibung "vielschichtig" und "facettenreich" derart angebracht, wie in diesem Fall. Die beiden Lautsprecher beschränken sich nämlich nicht nur darauf, den Stimmcharakter in Bezug auf Tonalität und Detaillierung glaubhaft abzubilden, sondern sind darüberhinaus sogar in der Lage, die Größendarstellung und Positionierung im Hörraum zu berücksichtigen. Hier müssen viele Kontrahenten der Cassianos die Segel streichen, selbst manch deutlich hochpreisigere Produkte von zB. Pioneer oder Canton können nicht mit dieser sensiblen und dennoch kontrollierten Spielweise aufwarten. Im Direktvergleich wirkt es manchmal durchaus so, als wären alle Akteure gleich groß und würden -wie festzementiert- jedes Mal exakt am gleichen Punkt zwischen den Lautsprechern stehen und sich keinen Deut bewegen. 


Akustisch optimierter Raum, edle Elektronik: hier können die Cassianos zeigen, was sie können

So beeindruckend die bisher aufgezählten Klangattribute auch sein mögen: in den Disziplinen räumliche Darstellung sowie Dynamik setzen die Cassianos ihre absoluten Ausrufezeichen und katapultieren sich auf die Liste der weltweit besten Lautsprecher überhaupt. Besonders die Kombination aus diesen beiden Tugenden sorgt für eine kaum vorstellbare Vitalität im Klangbild - es ist äußerst schwierig, die Faszination beim Hören in Worte zu verpacken, die gleichzeitig informativ aber nicht blumig auf Sie als Leser wirkt. Sicherlich ist zur vollen Entfaltung eine potente Elektronik essentiell wichtig, doch vor allem mit der Audionet-Zusammenstellung aus MapV2, EPS, VipG2 und AmpIIG2 blühten die Cassianos in unseren Testreihen regelrecht auf. Die hierbei freigesetzte Intensität definiert ein neues Kapitel des Hörvergnügens. Wo andere Lautsprecher tendenziell gerne etwas diffus in die Breite spielen und sich damit begnügen, irgendwo die einzelnen Akteure abzubilden, lässt es sich die Cassiano nicht nehmen, gleich ein ganzes Orchester punktgenau in Höhe, Breite und Tiefe im Hörraum zu platzieren. Erstmalig schaffte es ein Lautsprecher derart frei und losgelöst loszuspielen, dass man bei geschlossenen Augen in große Verlegenheit käme, den genauen Standort der Lautsprecher zu lokalisieren. Außerdem erzeugen die Isophon-Lautsprecher ein derart weitläufiges, fast schon grenzenloses Klangpanorama, welches weit über die Dimensionen des eigentliches Hörraumes hinaus ragt. Teilweise reproduziert das Isophon-Duett sogar die Bedingungen bei der urspünglichen CD-Aufnahme/Masterring so genau, dass man bei choralen Elementen heraushört, welche Sänge nebeneinander jeweils an einem Mikrofon standen. Bevor nun selbsternannte Propheten des wahren HiFi-Glaubens lautstark ihren Unmut verkünden, sei an dieser Stelle prophylaktisch erwähnt, dass die Cassiano definitiv nicht zu der Sorte von Lautsprechern gehört, die eine künstliche Räumlichkeit durch absichtliche Phasenverschiebungen hervorrufen. Solche Lautsprecher gibt es durchaus (leider) nicht wenige. Oft ist zu beobachten, dass die Spitzenmodelle von bekannten Volumenherstellern (und teilweise auch sehr prominenten High-End Manufakturen) lediglich darauf getrimmt sind, den Klang irgendwie von der Schallwand zu lösen. Doch manchmal endet diese Mission in einem völlig diffusen, undefiniertem Klangbild, welches dann auch noch als besonderes Merkmal von High-End Lautsprechern angeführt wird. Diese "Masche" mussten wir Isophon-Lautsprechern bislang noch nie attestieren - und ganz besonders die Cassiano ist davon ungefähr genauso weit entfernt, wie Bayern München vom diesjährigen Meistertitel. Der Unterschied liegt darin, dass die Cassianos jedes kleinste Detail an Rauminformation bedingungslos aufgreifen und gekonnt umsetzen. So ertönen auch vermeintlich leblose, platte Aufnahmen mit einer überraschenden Lebendigkeit - dennoch wird die Cassiano nie etwas dazu erfinden, oder die Klangfülle künstlich aufblasen, nur um gefälliger zu klingen. 

In Symbiose mit diesem holografischen Darstellungsvermögen, können die dynamischen Tugenden ihre absoluten Schokoladenseiten richtig zur Geltung bringen. Die Cassiano beherrscht dabei das komplette Repertoire vom explosiven Bassgewitter bis hin zur feinen Betonung sanft angeschlagener Klaviertasten mit einer Perfektion, die absolute Maßstäbe setzt. Ähnlich wie in Bezug auf die Räumlichkeit setzt die Cassiano dabei aber auch wieder auf konsequente Glaubwürdigkeit, anstelle blinden Aktionismus. Die Abstufung verschiedener Klangereignisse meistert die Cassiano jedenfalls mit Bravour, zumal keine andere (uns bekannte) Box die Fähigkeit parieren kann, in gleichzeitig spielenden, verschiedenen musikalischen Ebenen derart souverän und zielsicher jedem Instrument die richtige Dosis an Dynamik zu verpassen. Die meisterliche dynamische Hingabe zeichnet sich übrigens nicht nur überhalb Zimmerlautstärke ab. Anwender, die ihre Musikaufnahme gerne in moderater Lautstärke genießen, werden wohl kaum eine Alternative zur Cassiano finden, die schon bei niedrigen Pegeln derart viel Dynamik und Faszination freisetzen kann. Diese Eigenschaft ist selbst bei hochwertigen Lautsprechern eher selten anzutreffen und trennt somit die Spreu vom Weizen. Selbst absolute Könner vom Schlage einer Quadral Aurum Titan/Vulkan, EuropaII oder die Piega TC70x sind nicht in der Lage, bei niedrigen Pegeln eine vergleichbare Lebendigkeit zu entfesseln. Trotzdem bedarf es einer gehörigen Portion Selbstdisziplin, mit einem Paar Cassiano deutlich unterhalb von Zimmerlautstärke zu hören. Ähnlich wie bei einem potenten Sportwagen, gieren die Cassianos förmlich danach, "getreten" zu werden. Nicht selten ertappt man sich dabei, dass die spätabendliche Hörsession im Laufe weniger Minuten zu einem intensiven Erlebnis, jenseits der gesetzlichen Grenzen mutiert - eben genau wie bei der Kurvenhatz mit einem fahraktiven Auto...

Wer Lautsprecher der Marke Isophon mit Modellen wie der Indigo, Vertigo oder Europa assoziert, wird in Bezug auf die Bassdarstellung umdenken müssen. Zwar visiert auch die Cassiano eine sehr tiefreichende Basswiedergabe an, doch die schier endlose Schwärze und Massivität wird hier zugunsten eines knackig-präzisen Antrittsvermögen etwas hinten angestellt. Überraschenderweise setzt die schlanke Isophox-Box somit ihre Akzente in Bereichen, die man allgemeinhin nicht unbedingt Bassreflexkonstruktionen zutraut. Die Differenzierung und dynamische Berücksichtung der einzelnen Bass-Impulse setzt kaum eine andere Box gekonnter bzw. reizvoller um. Selbst schnellste Technobeats können die Cassianos nicht ermüden - stets wirkt das Klangbild absolut souverän und klar gegliedert. Teilweise waren wir selbst bei oft gehörten Stücken sehr überrascht, welche Feinheiten auch im tieffrequenten Bereich bislang im Verborgenen geblieben sind. Unterhalb des Kickbass-Bereiches widmet sich die Cassianos ebenfalls mit Hingabe den verschiedenen Aufgaben und verleugnet niemals ihre Intension, Musik möglichst ehrlich und vor allem mit höchster Präzision wiederzugeben. Im Vergleich mit einer Quadral Titan VII fällt hingehen unterhalb von ca. 60Hz auf, dass viele andere Schallwandler zwar nicht an die Präzision und beeindruckende Feindynamik herankommen, wohl aber etwas mehr Volumen bzw. "Körper" bei extrem tiefspielenden Musikinstrumente aufbauen können. Sehr deutlich wird diese Eigenschaft auch bei synthetischem Material (Erich Kunzel, Fantasy Adventure Album, Track 03, T-Rex Fusstapfen - geht bis ca. 20Hz) - hier erreichen die Cassianos durchaus eine beeindruckende Tiefe. Doch alles was sich unterhalb von ca. 35Hz abspielt, können manch andere (größere) Lautsprecher etwas müheloser und kräftiger aus dem Korpus schütteln  - speziell bei höheren Pegeln. 

Generell muss die gebotene Pegelfestigkeit leicht zurückstecken. Die Cassiano ist prinzipiell durchaus in der Lage, sehr intensive Pegel zu realisieren. In Kombination mit Tiefbass (unterhalb 60Hz) wäre es dennoch ratsam, sich nicht völlig ohne Selbstdisziplin dem Pegel-Vergnügen hinzugeben, da sonst die Chassis anschlagen könnten. Wer es bedingungslos "krachen" lassen möchte, wird mit einer EuropaII besser bedient sein - dieses Modell bleibt auch mit diskowürdigen Pegeln in jeder Frequenzlage absolut souverän (eine kräftige Endstufe vorausgesetzt...). Jene Charakteristik trifft auf die Cassianos nur bedingt zu: an mangelndem Eifer und Engagement mangelt es den schlanken Boxen sicherlich nicht. Man merkt förmlich, dass sie förmlich danach betteln, immer lauter spielen zu dürfen, denn sie wollen keinerlei Abstriche bei Tiefgang, Präzision und  Dynamik eingehen. Dadurch allerdings kommt relativ überraschend der Punkt, an dem die Bassenergie zu groß für die beiden 17cm Tieftöner wird und sich eine unsaubere Spielweise einstellt. 

Auffällig an den ersten Hörsessions war übrigens, die recht geringe Auswirkung des Einspielens. Unserem Hörempfinden nach, steigerte sich die räumliche Loslösung und die Gesamtpräzision zwar im Laufe der ersten 100 Stunden durchaus etwas, aber Die Situation war weit von den Zuständen bei Piega entfernt, wie beispielsweise bei der TC70x, die direkt aus dem Karton fast unhörbar aufspielte und erst nach und nach zu ihrer wahren Form gefunden hat. Im übrigen zeigt sich die Cassiano als relativ aufstellungsunkritisch. Mit Sicherheit ist eine gute Raumakustik ein elementarer Bestandteil, um ihre Faszination erleben zu können, doch angesichts der ebenso peniblen wie langwierigen "Aufstellungsorgien" anderer Modelle gibt sich die Isophon-Box sehr umgänglich. In unseren Hörräumen fanden sich die Cassianos auf Anhieb sehr gut zurecht - sowohl im normalen, mäßig bedämpfen Wohnraum, als auch im akustisch optimiertem Studio stellte sich sehr schnell ein hervorragender Klang ein. Optimale Ergebnisse erzielten wir bei einer leicht reduzierten Basisbreite sowie einer minimalen Anwinklung auf den Hörplatz. Unter diesen Vorrausetzungen konnte nicht nur die Räumlichkeit am meisten überzeugen, auch die Größe des Sweetspots war nicht zu sehr auf einen kleinen festen Punkt fixiert. Als Teil eines Surroundsets fügen sich die Cassianos ebenfalls sehr gewinnbringend ein. Da viele Musik über die vorderen Frontlautsprecher ertönt, machen sich die Lautsprecher durchaus positiv bemerkbar. Obwohl die Tonalität mit anderen neutral abgestimmten Lautsprecher eigentlich gut harmonieren dürfte, ist es alles andere als leicht, wirklich passende Surroundergänzungen für die Cassianos zu finden. Nicht einmal die bestehenden Isophon-Lautsprecher können da mithalten und fallen bei bewegenden Surroundeffekten etwas zurück. Hier wäre es für anspruchsvolle Mehrkanalfans also durchaus ratsam auf kommende Produkte (siehe Interview) zu warten, oder auch für die anderen Kanäle auf Cassianos zu setzen. Trotz der etwas eingeschränkten Pegelfestigkeit kann die Cassiano problemlos als "Large" Speaker in einem Surroundset betrieben werden - lediglich die LFE-Arbeit sollte tunlichst auf einen Subwoofer abgegeben werden. Hierfür sie nun wirklich zu schade und auch vom Pegel recht schnell am Ende.


Im zweiten Teststudio mussten sich die Cassianos unter Wohnraumbedingungen beweisen.

Anhänger von Kammermusik oder "Kreativ-Jazz" Aufnahmen mögen es uns verzeihen, aber wir haben die Cassianos nicht nur mit dem (weithin auch als klassisch-audiophil bezeichnetem) Standardrepartoire der üblichen Saitenzupfer und "Stöhn-Akrobaten" gefüttert. Nein - wir erwarten von High-End Lautsprechern, dass sie mit jeder Musikrichtung klarkommen und deren unterschiedlichen Charakteren Ausdruck verleihen können. So erholsam eine Hörsession mit Katie Mulea und Co. auch sein mag - nichts ist (unserer Meinung nach) für einen Luxus-Schallwandler peinlicher, als wenn einem bei Rammstein oder Manowar nur ein laues Lüftchen aus den Boxen entgegenweht, und selbst so manches 1000 Euro Mittelklasse-Modell mehr Hörspaß verbreitet. 

Beginnen wir mit dem gleichnamigen Album von Britney (Spears). Momentan macht diese Künstlerin fast nur noch außerhalb der Musikwelt Schlagzeilen, was aber nichts daran ändert, dass manche ihrer bestehenden Aufnahmen mit einem High-End Schallwandler große Freude bereiten können. Durch vielerlei kurze Effekte entsteht eine weiträumige Abmischung, welche die beiden Cassianos sehr reizvoll umzusetzen wissen. Die dabei eingeflochtenen Background-Sänger werden dabei vom restlichen Klanggeschehen schön losgelöst und geben der Musik einen Hauch Leichtigkeit. Gleichzeitig sorgen die Cassianos durch antrittsstarke sowie hervorragende Bass-Differenzierung für ein solides Fundament, auf dem die Musik aufbaut. An bestimmten Stellen gelingt es den schwäbischen Boxen sogar, die Entfaltung der Musik von einer punktuellen räumlichen Fokussierung, auf ein plötzlich aufspannendes Surroundpanorama offenzulegen - diese CD-Eigenschaft ist uns bislang mit keinem anderem Schallwandler in dieser Form aufgefallen.

Auch mit Musik einer gänzlich anderen künstlerischen Richtung bereiten die Cassianos großen Hörspaß. Wir haben die "Aderlass Vol.4 " eingelegt, einer Compilation von verschiedenen Gothic, Electro sowie Dark-Wave Titeln. Fast allen Stücken ist gemeinsam, dass die Stimmungslage von einem düsterem, schleppendem musikalischen Aufbau generiert wird. Der hohe Spielfluss und das großartige Rythmusgefühl der Cassianos transportieren diese Atmosphäre direkt zum Hörer und bauen damit eine emotionale Brücke zwischen Kunst und Technik auf. Die wenigen Gesangselemente bestehen größtenteils aus weitläufigen Begleitungen an den Flanken des Hörraumes, was für Lautsprecher recht schwierig umzusetzen ist. Den schwierigen Spagat zwischen einer zu dominanten bzw. versteckten Wiedergabe beschreiten die Cassianos mit höchstem Erfolg. Es ist frappierend, mit welcher Lebendigkeit auch Nebeneffekte noch umgarnt werden und dennoch die Kohärenz der Musik erhalten bleibt. Die stampfenden, tief hinabreichenden Bässe mag eine Quadral Titan VII zwar etwas mächtiger wiedergeben, dafür spielt die Cassiono wie aus einem Guss und bleibt in jeder Situation im Einklang mit dem restlichen musikalischen Geschehen. Keine einzelnen Instrumente, Passagen oder Effekte spielen sich in den Vordergrund. Man ist richtiggehend enttäuscht, diese Musik am Wochenende in verschiedenen Clubs zu hören, und erkennt diesselben Lieder teilweise kaum noch. Hier wird einem sehr schnell klar, wieviel Klangdetails fast alle PA- oder Studio Installationen unter den Teppich kehren. Die Cassianos hingegen offenbaren die oftmals überraschend hohe Abmischungsqualität der entsprechenden CDs, und bilden die vielfältigen Synthie-Effekte gleichzeitig stabil an mehreren Punkten im Raum ab, versehen jedes Element mit dynamischer Ausdruckskraft und begleiten das Ganze dazu noch mit einem drückendem Bass. Wer behauptet, High-End Schallwander würden nur mit "Klimper-Musik" zur Hochform auflaufen, sollte sich definitiv bei einer ausgiebigen Cassiano-Hörsitzung etwas Besseren belehren lassen. 

Unser nächster musikalischer Ausflug führt in das Mittelalter. Auf der Best-Of-CD "Kein Blick zurück" von In Extremo findet sich eine hörenswerte Mischung aus modernen Rockelementen mit großen Einflussen aus vergangenen Zeitepochen. Durch die Hinzunahme von antiken Musikinstrumenten (zB. Drehleier, Cister oder Hackbrett) gestaltet sich die Musik nicht nur sehr abwechslungsreich und ungewöhnlich, sondern stellt für Lautsprecher eine große Herausforderung dar. Der klangliche Aufbau zeichnet sich in vielen Stücken durch eine große Komplexität aus, zumal auch Tempowechsel und verschiedene Arrangements von den Lautsprechern verwaltet werden müssen. Diese CD gehört zu den Aufnahmen, die auf vielen Anlagen schnell als platt und undynamisch erscheinen. Jedenfalls haben wir sie mit den Cassianos neu entdeckt und schätzen gelernt. Wo sich viele andere Lautsprecher in dem Gewirr aus E-Gittaren, Sängern, Schlag- Streich und Blasinstrumenten verzetteln, offenbarten die Isophox-Boxen große Qualitäten und managten selbst diffizielle Passagen mit Leichtigkeit. Besonders bemerkenswert ist übrigens jedes Mal der Genuss von Track 6 "Pavane". Der Song wird von einem einmütigem Dudelsack-Solo eingeleitet, welches mit einer bestechenden Körperhaftigkeit, Auflösung und Präsenz direkt vor dem Hörplatz umgesetzt wird. Die feinen Schwingungen werden von den Cassianos ungemein feinfühlig und höchstdetailliert herausgearbeitet. Kurz darauf beweisen die beiden Lautsprecher, dass auch die Grobdynamik überzeugen kann, als im Anschluß daran mehrere Gitarrenriffs und Schlagzeugsalven mit brachialer Energie auf den Hörer losgelassen werden. Eine weitere Herausforderung stellt auch der nachfolgende Track ("rotes Haar") dar: 2 mächtige tiefe (< 30Hz) Beckenschläge lassen Bass-Chassis und Hörraum gleichermaßen erzittern. Hierbei ist auffallend, wie sehr insbesondere der zweite Schlag pointiert, sowie impulsgenau verarbeitet wird. Die Trennung dieser beiden Elemente ist alleine schon ein Kriterium, welches nur selten in dieser Qualität erfüllt wird. Oft schwingen die Bass-Chassis vom ersten Schlag noch nach, wenn die Musik schon beim nächsten Impuls angekommen ist. Die Cassianos zeigen sich aber nicht nur in dieser Hinsicht von ihrer Schokoladenseite, sondern differenzieren jeden einzelnen Beckenschlag hinsichtlich Bassdruck und Schlagintensität absolut bravourös. Unabhängig davon, ob wir nun InEx, Rammstein oder Manowar mit den Cassianos hören: es macht alleine schon deswegen großen Spaß, weil die Gitarren nicht an den Lautsprecher kleben, sondern differenziert, klar und unglaublich detailliert im Raum abgebildet werden. Hier hat man (endlich) nicht das Gefühl von gegeneinander spielenden Musikern, sondern fühlt das Miteinander, wenn vier gleichzeitig agierende Zupfinstrumente am Werk beteiligt sind. 

Die Aufzählungen könnten wir noch anhand vielen anderen Musik-Genres weiterführen und letztendlich jedes Mal das Gleiche berichten: die Cassianos machen schlichtweg Spaß. Sie verleihen der Musik Ausdruckskraft, ohne selbst künstlerisch tätig zu werden. Sie folgt dem Ideal eines Lautsprecher und bietet dem Material große Entfaltungsmöglichkeiten. Diese Eigenschaft alleine wäre noch kein Alleinstellungsmerkmal, doch kaum ein anderes Modell eines Mitbewerbers kann eine derartige universelle, harmonische sowie beeindruckende Umsetzung verschiedenster Stilrichtungen vorweisen, wie die Cassiano. In Einem waren sich unsere Tester beim Probehören einig: vom Klassikliebhaber bis zum Metal-Fan kam als erster Ausdruck stets das berühmte Adjektiv mit den vier Buchstaben über die Lippen...

Fazit: Die Cassiano besitzt einen Klangcharakter, der in sich absolut schlüssig ist und viele Freunde finden wird. Obwohl sie von vorneherein nicht als Tiefbass-Champion konzipiert wurde, bietet sie eine reizvolle, äußerst präzise Basswiedergabe und bleibt diesbezüglich noch in Sichtweite der etwas stärker/kräftiger abgestimmten Kontrahenten. Dass die Pegelfestigkeit nicht dazu geeignet ist, das halbe Stadtviertel zu beschallen ist ebenfalls ein Tribut an ihre gesamtheitliche Konzeption. Die Cassiano soll eben ein Lautsprecher für Genießer und Anspruchsvolle sein, für die Klangqualität wichtiger als Bass-Intensität und Maximalpegel ist. Und genau dieser Zielvorgabe folgt die Cassiano unbeiirt. Dank ihrer hervorragenden Tugenden in allen weiteren Klangdisziplinen, kann man sie eigentlich nicht auf dem falschen Fuss treffen. Alle unsere CDs verwandelten die Isophon-Lautsprecher mit höchster künstlerischer Genauigkeit zu einem Erlebnis für unser Trommelfell. Die Cassiano spielt dabei derart überzeugend auf, dass sie in zwei Rubriken sogar eine gänzlich neue Referenzmarke setzt und dafür mit jeweils einem Extrapunkt belohnt wird.

Tonalität / Neutralität 10
Bass-Performance 9
Stimmdarstellung 10
Auflösung/Hochtonbereich 10
Raumabbildung 10 + 1
Dynamik 10 + 1
Pegelfestigkeit 8

Unsere Testkriterien

Interview mit dem Entwickler

Dr. Roland Gauder zählt bereits seit 1989 zur Isophon-Mannschaft. Seit der Aufteilung in zwei verschiedene Geschäftsbereiche im Jahr 1997 ist er komplett eigenverantwortlich für Herstellung und Vertrieb der Isophon HiFi-Lautsprecher. Unter der Feder des promovierten Physikers entstanden in den letzten 10 Jahren viele Modelle (zB. Europa II), die weit über die Grenzen der schwäbischen Manufaktor in Renningen zu großem Ruhm bei Endkunde und Presse erlangt sind und auch international einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Sowohl mit der hier getesteten "Cassiano" - als auch der jüngsten Neuentwicklung, dem größeren Schwestermodell "Arabba" konnte sich Isophon sowohl auf der High-End 2005 (München) als auch auch auf der diesjährigen CES in Las Vegas die Träphe "Best Sound of the Show" sichern und damit eindrucksvoll die exponierte Marktstellung von Isophon Lautsprechern unterstreichen. 

Um Ihnen ein  paar interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Cassiano bieten zu können, haben wir mit Hrn. Dr. Gauder ein kurzes Interview durchgeführt.

AREADVD: Hallo Herr Dr. Gauder. Vielen Dank, dass Sie sich für unser Interview die Zeit nehmen. Wir haben ja nun schon mehrere ihrer Lautsprecher bei uns getestet. Dabei ist uns aufgefallen, dass es kaum einen anderen Hersteller gibt, der innerhalb seines Produktsortiments derart unterschiedliche Konstruktionsansätze beheimatet, wie es beispielsweise im Vergleich einer EuropaII mit einer Cassiano der Fall ist. Sind Sie noch auf der Suche nach der bestmöglichen Lösung, oder betreiben Sie bewusst eine Produktpoltik mit solch unterschiedlichen Konstruktionen ? 

Dr. Gauder: Nein, mit Produktpolitik hat das nichts zu tun, wir haben immer nur ein Ziel: den perfekten Lautsprecher zu bauen. Und das geht eben auf verschiedenen Wegen. Bei der Cassiano z.B. sind die Keramikchassis von Thiel das Herzstück und wir versuchen sie optimal einzusetzen. Für den Mitteltöner bedeutet das, Einsatzfrequenz 185 Hz und damit wird eine Basswiedergabe über ein  Bandpasssystem extrem erschwert, weil es durch die große Bandbreite (30 Hz – 185 Hz Anm. d. Red.) sehr ineffektiv wird. Ein Bassreflexsystem ist hier viel besser geeignet. Bei der Corvara war das geschlossene Prinzip besser geeignet, da bei einem ventilierten Mitteltonsystem immer die Gehäuseresonanzen über das Rohr hörbar sind. Deshalb kommt bei uns je nach Anwendungsprinzip das bestgeeignete System zum Einsatz. Und Firmen, die sich durch eine Firmenphilosophie selbst in eine Ecke gedrängt haben und nicht mehr raus können, ohne das Gesicht zu verlieren, haben es da viel schwerer.

AREADVD: Bislang haben wir bei jedem Isophon-Lautsprecher einen relativ großen Bedarf an Endstufen-Power festgestellt - speziell die EuropaII verlangt besonders nach einem phasenstabilen Verstärker. Was entgegnen Sie anderen Lautsprecherentwicklern, die bei ihren Produkten ganz besonders auf einen günstigen Wirkungsgrad überhalb der 90db Schwelle achten und grundsätzlich die Ansicht vertreten, dass nur ein solches Konzept für hochwertigste Klangwiedergabe geeignet sei ?

Dr. Gauder: Eigentlich sollte jeder wissen, dass man in der Physik sich mit jedem Vorteil einen Nachteil einhandelt. Der Wirkungsgrad wird ja praktisch immer von den Basslautsprechern vorgegeben. Im Klartext: wenn ein Lautsprecher tief runtergehen soll, muss er entweder sehr groß sein oder in der Ecke stehen. Es gilt halt eben mal, dass wenn ich eine Oktave tiefer gehe, z.B. Von 60 Hz auf 30 Hz untere Grenzfrequenz, dann habe ich nur noch ein Achtel des Wirkungsgrads. Außerdem gibt es den perfekten Mitteltöner nicht, praktisch jede Mitteltonmembran zeigt Resonanzen und eine Welligkeit des Frequenzgangs. Und die kann ich nur linearisieren, wenn ich die Überhöhungen einglätte. Eigentlich müssten wir ja froh sein, dass wir nicht mehr im Jahr 1960 leben, wo nur ein paar Watt Verstärkerleistung zur Verfügung standen. Es gibt ja heute eine Vielzahl von guten, bezahlbaren und leistungsfähigen Verstärkern, auch im Röhrenbereich. Und diesen technologischen Fortschritt sollten wir doch nutzen. Was nützt der beste Wirkungsgrad, wenn die Box total verfärbt, extrem bündelt oder riesig groß ist? Außerdem wäre es auch wenig sinnvoll, eine Europa mit einem 300-Euro-Verstärker anzutreiben, der sie weder in Dynamik, Basskontrolle oder Auflösung auch nur annähernd ausreizen könnte. Ich beobachte eigentlich noch häufig, dass die Kunden mehr Geld für Verstärker als für Lautsprecher ausgeben.

AREADVD: Kommen wir zur Cassiano. Gab es einen eigentlich einen besonderen Grund, warum Sie sich für einen Ort in Südtirol als Namenspate entschieden haben ? 

Dr. Gauder: Nun, dadurch, dass wir weltweit tätig sind, brauchen wir Namen, die überall möglichst gleich ausgesprochen werden. Und danach suche ich eben die Namen für meine Lautsprecher aus. Zudem war ich in den Dolomiten sehr oft mit großem Vergnügen Skifahren.

AREADVD: Viele Hersteller propagieren bei ihren High-Systemen, dass es keine Alternative zu koaxial aufgebauten Systemen gäbe. Wie ist Ihre Meinung dazu - schließlich findet sich im Isophon-Programm kein einziger Schallwandler, der entsprechend aufgebaut ist ? 

Dr. Gauder: Auch Koaxsysteme haben Nachteile. Schauen Sie, meine Vorgänger bei Isophon erhielten 1949 ein Weltpatent auf die Entwicklung eines Koaxzweiwegesystems mit Schallführungslinsen. Eigentlich könnte ich da ja weiter machen.  Die Psychoakustik hat aber gezeigt, dass die seitlich abgestrahlten Schallanteile sehr wichtig für die Transparenz und Auflösung sind. Koaxe sind da schon benachteiligt. Der Vorteil eines Koax sollte doch die Punktschallquelle sein: Amplitude und Phase aus einem einzelnen Punkt. Wenn Sie aber einen Hochtöner in einen Konus einbauen, bündelt der Konus und verfälscht damit die Hochtonwiedergabe. Die Transparenz und Luftigkeit bleiben auf der Strecke. Schieben Sie den Hochtöner nach vorne aus dem Konus heraus, strahlt er viel zu früh ab, das gute Zeitverhalten ist dahin und der Vorteil ist weg. Zwei meiner Mitbewerber haben ja immer schon auf das Koaxprinzip geschworen, haben aber oben noch schön einen Hochtöner aufgesetzt, damit ihre Boxen nicht zu stark näseln. Aber ich will jetzt da gar nicht über andere reden. Ich gehe meinen Weg. Ich versuche durch Zeitverzögerung des Hochtöners, extrem steilflankige, phasengekoppelte Filter und sehr breitabstrahlende Mehrwegsysteme zum Ziel zu kommen. Und wenn Sie einmal die Referenzboxen der Magazine weltweit anschauen, stellen Sie fest, dass es sich fast ausschließlich um Drei-Wege-Systeme handelt.  Aber letztlich entscheidet der Kunde, welche Bauweise ihm am besten gefällt. Wenn der Händler ihm die Möglichkeit dazu gibt und er seine Vorurteile zu Hause lässt.

AREADVD: Was waren für Sie (aus Sicht des Ingenieurs) die größten Besonderheiten/Herausforderung bei der Entwicklung der Cassiano vor rund zwei Jahren ? 

Dr. Gauder: Zum einen die Komplexität der Berechnungen zu Beginn, dann das In-den-Griff-Bekommen der Keramikchassis. Die Keramikchassis sind wie Vollbluthengste, sie sind zu Extremleistungen fähig, aber sie wollen auch perfekt beschaltet werden. Die Chassis allein machen nicht den guten Klang aus, die Beschaltung, der Gehäuseeinbau und die Bedämpfung sind die großen Geheimnisse. Und das lässt sich nur bis zu einer gewissen Grenze berechnen. Dann hilft nur noch eins: eine Theorie aufstellen und mit Musik nachprüfen. Hören, hören, hören. Stundenlang, tagelang, wochenlang, immer die gleichen Stücke, immer wieder konzentriert anhören. Und immer wieder die Theorie verwerfen und neue Wege beschreiten. Wir waren bei der Cassiano zu Beginn schon sehr weit, aber dann haben wir noch einmal alles verworfen und neu angefangen. Und diese Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Die Cassiano wird überall auf der Welt extrem gelobt, auch in Ländern, wo wir deutschen Entwickler bisher mehr mit Vorurteilen als mit Konkurrenzprodukten kämpfen mussten. Die Cassiano ist ein großer Erfolg für uns kleine Firma.

AREADVD: Wir bekommen von unseren Lesern häufig Anfragen, warum es zu bestimmten High-End Stereolautsprechern nur selten entsprechende Mehrkanalerweiterungen gibt. Wie sieht es diesbezüglich mit der Cassiano aus ?

Dr. Gauder: Nun, wenn Sie auf unser Produktprogramm schauen, sehen Sie, dass wir mit dem Solaris und dem Comet zwei extrem aufwändige und auf dem Weltmarkt technologisch einzigartige Center- und Rearspeaker haben. Wir haben hier viel Hirnschmalz und Technik reingesteckt. Die Frage ist, ob es dem Kunden wert ist, so viel Geld für eine Multikanalerweiterung auszugeben. Wir meinen, es lohnt sich. Auf der High-End in München präsentieren wir dieses Jahr einen zur Cassiano passenden, wie ich meine, sehr gelungenen Center- und Rearspeaker, der sich in Verbindung mit einem Subwoofer auch hervorragend als Frontspeaker eignet. Auch er wird, wie alle unsere Lautsprecher, technologisch sehr  aufwändig und kann deshalb nicht ganz billig sein. Wir fertigen nun eben mal in Deutschland mit ausschließlich höchstwertigen, zumeist deutschen Bauteilen, mit eigenem Gehäusebau, eigener Lackiererei. Das geht eben nicht so billig wie China-Massenware. Dafür macht Musikhören mit unseren Lautsprechern aber auch unglaublich viel Spaß und Sie bekommen ein hervorragend verarbeitetes, langlebiges Produkt mit 20 Jahren Garantie. Freude vom ersten Augenblick an!

AREADVD: Zum Abschluss noch eine ganz allgemeine Frage: in welchem Verhältnis steht für Sie die Mathematik und das Hören bei einer Neuentwicklung ? Wo setzen Sie ihre Schwerpunkte ? 

Dr. Gauder: Wie ich schon bei der Cassiano gesagt habe: beides ist wichtig. Ein Entwickler, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wird nie eine musikalisch vollkommen stimmige Box bauen können. Gewisse Dinge lassen sich nun einmal mathematisch zeigen und durch das Ohr verifizieren. Welligkeiten beim Frequenzgang, Phasenfehler durch falsche Weichenübergänge und Frequenzgangfehler lassen sich ganz leicht heraus hören. Erst wenn das physikalisch-mathematische Gerüst eines Lautsprechers stimmt, erst dann beginnt die Arbeit. Dann kommen die nächtelangen Hörsitzungen, mit denen man noch das letzte Quäntchen Transparenz und Luftigkeit heraus zu kitzeln versucht. Aber auch hier gilt: es genügt nicht, dass man die Fehler hört, man muss auch wissen, wie man sie abstellt. Und man muss die Geduld und den Willen haben, nicht schon gleich bei den ersten Tönen zu sagen, toll, das war’s, das reicht. Nein, man muss weiter machen. Kritisch zu sich selbst sein. Bei uns spielt sich bei jeder Entwicklung ein ständiger Disput zwischen vier Leuten ab. Jeder vertritt seine Ansicht und fordert noch mehr. Wenn drei zufrieden sind, krittelt bestimmt der Vierte immer noch rum.  Diese Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern, das ständige Noch-besser-werden-wollen, das ist es letztlich, was bei uns den Erfolg ausmacht. Ein einzelner Entwickler gibt sich schon lange vorher mit dem Resultat zufrieden. Das habe ich bei all unseren Entwicklungen in den letzten Jahren bei uns nicht erlebt. Meine Mitarbeiter hatten immer etwas zu bemängeln, forderten noch mehr, und genau das hat uns nach vorne gebracht.

AREADVD: Vielen Dank für das informative Gespräch !

Fazit:

Eines steht fest: beim Überreichen des Kaufpreises von 12.300 Euro ist ein mulmiges Gefühl zwar nachvollziehbar, doch angesichts der akustischen Glanztaten hat man eigentlich keinen Grund dazu: die Isophon Cassiano ist nicht nur jeden Cent absolut wert, sondern verwöhnt seinen Besitzer mit (akustischen) Erlebnissen, die eigentlich unbezahlbar sind. Wer sich die Ruhe und Muse nimmt, sich den schwäbischen "Wunderboxen" zu widmen, wird unweigerlich die Augen schließen und von ihr in andere Welten entführt. Und genau deswegen sind wir von diesen Isophon-Lautsprechern auch derart begeistert, dass wir eine Masterpiece-Auszeichnung aussprechen: die Cassiano verköprt genau jene Tugenden, die wir bei einem solchen Lautsprecher für wichtig halten. Sie ist unaufdringlich in ihrer äußeren Erscheinung und bezieht ihre Reize nicht aus irgendwelchen Unwichtigkeiten, sondern vornehmlich mit ihrem grandiosen Klangerlebnis.

Gänsehautgarantie: die Isophon Cassiano berührt die Sinne wie kein anderer Lautsprecher ihrer umliegenden Preisklassen.


Isophon Cassiano, Paarpreis 12.300 Euro 
Stereolautsprecher, Kategorie: High-End
7. Mai 2007
Preis-/Leistung:

Website des Anbieters: www.isophon.de

+ fabulöse Klangeigenschaften, sehr harmonische/neutrale Tonalität
+ seltene Gabe bei High-End Lautsprechern: klingt sowohl leise als auch laut hervorragend und macht Spaß
+ exzellente Feindynamik
+ zum Mehrkanalset erweiterbar
+ hochwertige Verarbeitung, große Auswahl an Ausführungen

- der Kaufpreis von 12.300 Euro mag zwar angemessen sein, ist aber dennoch eine stolze Summe
- keine Bi-Amping/Wiring Terminals
- recht anspruchsvoll, was Elektronik betrifft


Raumakustische Optimierung unserer Studios mit Wallpanels und Absorbern von:



Dieser AREA DVD High-End Test wurde durchgeführt mit Kabeln von:

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:

Redaktion: Lars Mette

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