XXL Test: High-End Standlautsprecher Isophon Cassiano - Frontalangriff auf die Sinne ? ( Seite 1 / 3 )

(7.Mai 2007 - Lars Mette)

In Momenten der höchsten Erregung neigt der menschliche Instinkt dazu, die Augen zu schließen. Wir möchten Ihnen im Rahmen dieses Testberichtes einen Lautsprecher vorstellen, der solch eine Reaktion sowohl durch seinen Preis, als auch durch akustische Leistungen hervorrufen könnte -bzw. möchte. 

Mit Sicherheit spricht ein Lautsprecher-Paar für 13.000 Euro nicht den typischen Massenmarkt an. Doch es gibt einen kleinen exklusiven Kreis gut situierter HiFi-Anwender, deren Budgets auch eine solche Invesition erlauben. Die Vorraussetzung für eine Umwandlung eines 5-stelligen Betrages gegen zwei Stereo-Lautsprecher variiern zunächst recht deutlich: je nach Interessent sind Kaufaspekte wie Optik, Prestige oder technischer Aufbau unterschiedlich gewichtet. Allen gemeinsam hingegen ist das Bestreben nach höchsten Klangerlebnissen sowie einer emotionalen Verbindung zwischen Mensch und Technik. 


An dieser Stelle kommt die Isophon Cassiano ins Spiel. Rein formell gibt sich die schlanke Lautsprecherkonstruktion betont dezent und zurückhaltend. Obwohl der schwäbische Hersteller fast jeden Kundenwunsch in Bezug auf Oberflächengestaltung erfüllen kann (Furniere, Lacke, Leder, Chrom), bleibt die Cassiano im Vergleich zu manchen Preisklassen-Deriveraten eine eher klassische Erscheinung. Je nach Ausführung würden Unbedarfte eventuell sogar die Preisklasse dieser Boxen falsch einordnen. Doch wer sich mit Produkten von Isophon schon etwas intensiver beschäftigt hat, erwartet spätestens nach den ersten paar Takten, dass die Boxen mit akustischer Perfektion,  souverän jeglichen Zweifel vom Tisch wischt. 

Regelmäßige AREADVD-Leser wissen bereits um die außerordentlich erfolgreichen Tests anderer Isophon-Modelle. Kaum ein anderer Hersteller konnte gleichbleibend große Erfolge innerhalb der letzten beiden Jahre feiern. Der Grund hierfür ist eigentlich recht einfach erklärt: Isophon Chefentwickler Dr. Roland Gauder zählt zu den fähigsten Physiker/Mathematiker in der gesamten Branche und ist zudem auch ein sehr hörerfahrener Boxenbauer. Jedes Modell wird sorgfältig entwickelt - technische Innovationen/Fortschritte werden dabei emotionslos von Modetrends bzw. Marketing-Features getrennt, um den bestmöglichen Klang zu gewährleisten. So kommt es, dass beispielsweise keine Bändchenhochtöner in Isophon-Boxen anzutreffen sind, und manche Konstruktionen in optischer Hinsicht keine Anwärter auf Design-Awards darstellen - ganz nach dem Motto: Form follows Funktion. 

Doch zurück zur Cassiano. Damit die jeweils xxx Euro kostenden Luftmassenbeschleuniger gegenüber ihren günstigeren Isophon-Geschwistern die Nase vorne haben, versammelt Dr. Gauder einige der edelsten Zutaten in dem tropfenförmigen Cassiano-Gehäuse. So egalisiert alleine schon die Frequenzweiche (angesichts der verwendeten Bauteile) den Wert anderer Komplettlautsprecher. Die größte Besonderheit der Cassiano stellen jedoch zweifelsohne die edlen Thiel-Keramikchassis dar, welche sich gleich in vierfacher Ausfertigung auf der Schallwand tummeln. Diese High-Tech Komponenten treiben nicht nur den Preis nach oben, sondern (laut Hersteller) auch die klanglichen Attribute in ungeahnte Sphären. Ob dem tatsächlich so ist, möchten wir mit dem nachfolgendem Test aufklären.

Seite 2: technischer Aufbau, Testumgebung

Seite 3: Klangwertung, Interview mit dem Entwickler, Schlussfazit

Verarbeitung:

Das schlanke und tropfenförmige Gehäuse macht die Cassiano zu einer ausgeprochen wohnraumfreundlichen Lautsprecher, der mit seinen maßvollen Proportionen keinerlei Probleme mit der Ehefrau hervorrufen sollte. Der Aufbau erfolgt als "Doppelsandwichkonstruktion" (3-fach kreuzverleimt, flexible Tischlerplatte, geschlitzte-MDF-Platte). In die Wände des Gehäuses werden 6 kg Sandfüllung eingefüllt. Außerdem sorgen zwei gelochte Versteifungsbretter, 1 Mitteltontrennbrett dafür, dass das Gehäuse der Cassiano zu einer extrem resonanzarmen Heimat für die Chassis wird und die idealen Eigenschaften (hervorragend Bedämpfung, wenig Eigenschwingung) mitbringt.


Die Seitenwände bestehen aus einer speziellen Kombination auf Basis einer Biegesperrholzplatte (mehr dazu in der nächsten Rubrik) und sind sehr sorgfältig mit den anderen Korpuselementen zusammengeführt. Sämtliche Stosskanten erfreuen sich einer exakten Verarbeitung. Durch die Verbannung der Anschlussterminals auf die Unterseite (siehe technischer Aufbau), wirken die Cassianos auch in der Rückansicht nicht technisch sondern sehr elegant.



Wie bei Lautsprechern in diesem Preissegment üblich, wartet die formschöne Schwäbin mit einer perfekten Chassiseinpassung auf. Die Rundungen sind sehr exakt ausgeführt und die Membran befindet sich exakt zentriert in der Mitte der Aussparrung, so dass rund um das Chassis absolut gleichmäßige Spaltmaße vorherrschen. 

Bei fast jedem Lautsprecher steht der Anwender vor der Problematik, zwischen Optik und Schutz entscheiden zu müssen. Die Cassiano nimmt ihm diesen Zweispalt ab, denn jedes Chassis ist von einem fest montiertem Schutzgitter umgeben, damit die hochsensiblen Keramikchassis keinen Schaden nehmen können. Auch der Hochtöner ist per Gitter gegen mechanische Einwirkungen geschützt. 

Relativ unspektakulär wirken die mitgelieferten Füsse. In die vorhanden M8 Schraubgewinde können kleine Spikes reingeschraubt werden. Für Hörräume mit Parketböden liegen kleine Unterlegscheiben bei. Auf Baumwollhandschuhe oder eine kleine Wasserwaage, wie es zB. bei Monitor Audio zum Lieferumfang gehört, muss der Isophon Kunde leider verzichten. 

Auf der letztjährigen High-End demonstrierte Isophon eine kleine Auswahl an verschiedenen Ausführungen, in welche die Cassianos geliefert werden können. Die von uns getestete Version mit geriffelter Oberfläche und silberner Lackierung stellt die Basisvariante dar. Während andere Farbgebungen sogar noch ohne Aufpreis umgesetzt werden, sind weitere Sonderwünsche gegen (geringen) Aufpreis machbar. So sind (fast jede) Echtholzfurniere genauso möglich wie Lederoberflächen oder verchromte Gehäusedeckel mit gravierten Schriftzügen. Jede Cassiano wird speziell auf Kundenwunsch gefertigt und kann daher so individuell an die Wünsche seines künftigen Besitzers angepasst werden.

Fazit:

In der verliegenden Ausführung leisten sich die Cassianos zwar keine Patzer, doch gegenüber den teilweise aufsehenerregenden Konstruktionen anderer Hersteller, vermitteln die Isophon-Boxen eher wenig Luxusflair: sie wirken eben typisch deutsch und fokussieren Designelemente wie Zeitlosigkeit bzw. Understatement. Selbstverständlich ist dies keineswegs ein grundsätzlich negatives Merkmal, denn viele Käufer entscheiden sich ganz bewusst für zurückhaltende und unaufdringliche Einrichtungsgegenstände. Weitere Vorteile liegen in der handwerklich soliden Machart sowie der kostenlosen Lackierung in einer der 300 Ral-Farben. Gegen geringen Aufpreis fertigt Isophon auch in beliebigen Holzfurnieren und auch der momentane Trend zu Klavierlackversionen (bei Isophon übrigens mit der originalen "Steinway" Politur) ist ohne Probleme umsetzbar. Sehr gut hat uns das Prinzip mit den fest montierten Schutzgittern gefallen, die einen sehr guten Kompromiss aus Optik und Schutz bieten. Insgesamt liefert die Cassiano eine überzeugende Vorstellung hinsichtlich der Verarbeitungsqualität ab, ohne dabei aber neue Bestmarken aufzustellen.    

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