XXL Test: Dali Helicon 5.1 Surround-Set (Seite 2 von 3)
Technischer Aufbau:
Bei Dali werden nicht einfach nur irgendwelche x-beliebigen
Lautsprecher hergestellt und auf den Markt geworfen. Kaum ein anderer
Hersteller besitzt eine derartig große Produktionstiefe und kann
auf eine beinahe lückenlose "In-House-Produktion" verweisen. Dadurch
steigt nicht nur die Flexibilität bezüglich speziell
angepassten Bauteile wie Chassis, Frequenzweiche oder Gehäuse,
sondern auch die Produktionsqualität. Diese Faktoren sind zum
Einen schon rein äußerlich (Verarbeitung)
erkennbar, sondern schlagen sich mit einer besonders langen
Garantiedauer von 5 Jahren (ausgenommen aktiver Verstärkung des
Subwoofers) nieder. Schauen wir uns die konstruktiven Eigenschaften
der jeweiligen Modelle einmal genauer an:

Das Schnittmodell verdeutlich sehr schön, dass die Helicon 400
auf einem soliden Grundlayout aufbaut. Beide Tieftöner
greifen auf eine eigene separierte Kammer zurück und sogar die
Frequenzweiche wurde in ein gesondertes Abteil (direkt über dem
Sockel) verfrachtet. Hierdurch verspricht der Hersteller bessere
Arbeitsbedingungen für die jeweiligen Baugruppen. Laut Dali wird
besonders die Frequenzweiche unter der Einwirkung des hohen Drucks in
ihrer Arbeitsweise empfindlich benachteiligt, wenn diese zusammen mit
Tieftönern in der gleichen Kammer untergebracht ist. Die
Helicon 400 basiert auf dem Zweieinhalb-Wege-System.
Während die Wiedergabe im Frequenzband zwischen 500 und 700Hz
hauptsächlich dem oberen Tiefmitteltöner vorbehalten ist,
übernehmen unterhalb der 500Hz Marke beide Chassis die Wiedergabe
der tiefen Frequenzen. Dadurch wirken die beiden Membran wie ein
einzelner 9´´ Woofer, was die Auswirkungen des Bafflesteps
deutlich reduziert. Dieser technische Begriff definiert den Punkt, an
dem ein Lautsprecher nicht mehr gezielt abstrahlt, sondern zunehmend
kugelförmig agiert. Bedingt durch völlig normale
Raumreflexionen, dieser ungerichteten Schallausbreitung, bekommt man
durch diese zusätzliche Abstrahlung jedoch einen
höhen Schalldruck. Dies äußert sich akustisch in
einer überzogenen,
unharmonischen sowie unpräzisen Bassdarstellung.
Die Frequenz des Bafflesteps richtet sich nach der Schallwandbreite
sowie Wellenlänge der auszugebenden Signale. Normalerweise treten
Lautsprecherentwickler dieser physikalisch Gegebenheit mit sogenannten
"-6db-Weichen" entgegen, um die Auswirkungen zu kompensieren. Je nach
Rechengenauigkeit des Ingenieurs und Qualität der Frequenzweiche
gelingt dieses Vorhaben mehr oder weniger gut, aber nicht selten werden
dadurch auch andere Problemzonen hergestellt (Dynamikverschlechterung
etc.). Dali verspricht eine deutliche Minimierung dieser Problematik,
indem beide 17´´ Chassis übereinander spielen und
durch einen Bündelungseffekt deutlich reduzierte
Bafflestep-Auswirkungen hervorrufen.

Auf der anderen Skala des Frequenzbereiches wird ebenfalls geklotzt
und nicht gekleckert: gleich zwei Hochtöner sollen das
Klangerlebnis nach oben hin abrunden und für akustische
Höhenflüge sorgen. Diese Dali-Eigenentwicklung beinhaltet
einen konventionellen Gewebekalottenhochtöner in Kombination mit
einem Bändchen-Hochtonmodul aus Ribbon. Normalerweise kommt
bei Lautsprecher immer nur ein Hochtöner zum Einsatz - alleine
schon aus Kostengründen. Dali sieht in dieser
Hybridbestückung jedoch den Vorteil, die jeweils positiven
Eigenschaften beider Materialien miteinander zu kombinieren, indem
jeder Hochtöner in seinem bevorzugtem Frequenzbereich operieren
darf. Dali bezeichnet die Helicon 400 daher auch manchmal als 2,5 + 1,5
Wege Konstruktion.
Die wichtigsten Daten der Helicon 400 in der Kurzform:
| Modellbezeichung |
Dali Helicon 400; Stückpreis 2350 € |
| Konstruktionsprinzip |
2,5-Wege System / Bassreflex |
| Chassisbestückung |
Ribbon 10x55mm Superhochtöner
25 mm Textilhochtöner
2x 6,5´´Tiefmitteltöner
|
| Frequenzumfang (+-3 db) |
31,5 - 27.000 Hz |
| Wirkungsgrad |
88 db |
| Impedanz |
4 Ohm |
| max. Belastbarkeit |
300 Watt |
| Abmessungen |
103 x 22 x 46 (B,H,T) |
| Gewicht |
31,5 kg |
Center W200
Eigentlich
gibt es zum C200 nicht mehr allzuviel zu sagen, denn technisch ist er
sehr stark an die Helicon 400 angelehnt. Die Abstimmung der 17´´
Chassis ist zwar etwas anders geraten, aber insbesondere hinsichtlich
Frequenzweiche und Hochtonmodul kommen hier fast die identischen
Baugruppen zum Einsatz. Lediglich die Übergabefrequenzen zwischen den
Chassis liegen im Schnitt um die 200Hz höher, als bei der größeren Standbox. Wir
möchten uns daher nun dem eigentlichen Membranmaterial widmen, welches
bei den Tiefmitteltonchassis der Helicon 400, W200 und natürlich auch
des C200 zum Einsatz kommt.

Dali
verfolgt die Philosophie, dass die Chassis mit möglichst leichten aber
steifen Materialien in einer exakt definierten geometrischen Form
gehalten werden sollen, um die besten Klangeigenschaften zu
realisieren. Hierfür kommt als Basis eine klassische (aber speziell
weiterentwickelte) Papiermembran zum Einsatz, welcher mit relativ
langen Holzfasern verstärkt ist. Das Verhältnis dieser Elemente ist
exakt berechnet und nicht dem Zufall überlassen. Laut Dali ist dies
einer der weltweit besten Möglichkeiten, leichte Chassis zu bauen, die
selbst schnellste Impulse blitzartig umsetzen können, dabei aber
zugleich auch höchsten Belastungen standhalten.
Die wichtigsten Daten des C200 in der Kurzform:
| Modellbezeichung |
Dali Helicon W200; Stückpreis 1950 € |
| Konstruktionsprinzip |
2,5-Wege System / Bassreflex |
| Chassisbestückung |
Ribbon 10x55mm Superhochtöner
25 mm Textilhochtöner
2x 6,5´´Tiefmitteltöner |
| Frequenzumfang (+-3 db) |
49 - 27.000 Hz |
| Wirkungsgrad |
90 db |
| Impedanz |
4 Ohm |
| max. Belastbarkeit |
250 Watt |
| Abmessungen |
21 x 65 x 44 (B,H,T) |
| Gewicht |
18,4 kg |
Rear W200
Der
W200 wurde als Rearspeaker ganz bewusst auf eine Platzierung direkt an
der Wand entwickelt und daraufhin optimiert. Durch die gleichen
Chassis wie in den Modellen Helicon 300 und 400 soll eine hervorragende
Homogenität erreicht werden, obwohl das Gehäusevolumen deutlich kleiner
ausgefallen ist. Die um 20 Grad angewinkelte Schallwand bezieht die
Wandfläche mit in ihre Abstrahlcharakteristik ein (Stichwort
"Bafflestep", siehe weiter oben), um auch unterhalb des Grundtonbereiches
sauber und linear spielen zu können. Im Gegensatz zu allen anderen Modellen
der Helicon-Baureihe (abgesehen vom Subwoofer) basiert die W200 auf
einem geschlossenem Gehäuse.
Die wichtigsten Daten des W600 in der Kurzform:
| Modellbezeichung |
Dali Helicon W200; Stückpreis 1200 € |
| Konstruktionsprinzip |
2,0-Wege System / geschlossen |
| Chassisbestückung |
Ribbon 10x55mm Superhochtöner
25 mm Textilhochtöner
1x 6,5´´Tiefmitteltöner |
| Frequenzumfang (+-3 db) |
41 x 27.000 Hz |
| Wirkungsgrad |
89 db |
| Impedanz |
4 Ohm |
| max. Belastbarkeit |
150 Watt |
| Abmessungen |
45 x 33 x 21 (B,H,T) |
| Gewicht |
9,5 kg |
Subwoofer S600

Auch beim Subwoofer haben die Entwickler lange getüftelt.
Herausgekommen ist dabei beim S600 zunächst die augenscheinlichste
Besonderheit in Form der eingearbeiteten Centerhalterung. Diese
(eigentlich genial einfache) Idee vereint mehrere Vorteile auf einmal:
zunächst wird bei einem Heimkino mit Leinwand eine wirklich
platzsparende und vollkommen symmetrische Aufstellung ermöglicht. Die
Kosten für einen Centerständer fallen weg und durch die Wölbung lassen
sich verschiedene Winkel justieren, so dass auch der C200 vom Subwoofer
profitiert und optimal ausgerichtet werden kann. Desweiteren ist es für
einen Subwoofer immer von Vorteil, ein möglichst hohes Eigengewicht
mitzubringen, um das Gehäuse zu beruhigen. Auch in dieser Hinsicht
macht die Kombination mit dem fast 20kg schweren Centerspeaker großen
Sinn. Doch all diese Gründe sind letztenendes ziemlich sekundär, denn
der Hauptvorteil liegt in der überlegenen Schallausbreitung dank der
integrierten zwei Bass-Chassis, die jeweils nach links und rechts
abstrahlen.

Zwei 12´´ große Chassis übernehmen die
Tieftonarbeit und werden dabei von einer kräftigen 300 Watt
Endstufe angetrieben. Auf ein Bassreflexrohr hat man beim S600 komplett
verzichtet, schließlich möchte man in Punkto Präzision
allerhöchsten Ansprüchen genügen. Ein fest
vorprammierter Equalizer inmitten der Endstufe sorgt
gleichermaßen für einen lineare Frequenzverlauf (bezogen auf
einen akustisch neutralen Raum, was es defakto nicht gibt) und
schneidet Töne unterhalb 20Hz ab, um die Membran vor der
auslenkunsintensiven Tiefsttonarbeit zu entlasten.

Die Rückseite des S600 sieht eher unspektakulär aus. Mehr
als die üblichen Eingänge (High-Level sowie LFE), einen
Crossover- sowie Volumeregler gibt es leider im Prinzip nicht. Die
Phaseneinstellung kann lediglich zwischen 0 und 180 Grad justiert
werden, ansonsten lässt der S600 nur noch die Auswahl
bezüglich des Betriebszustandes (On, Off, Auto) auswählen.
unserer Meinung nach eher etwas dürftig für solch einen
teuren Subwoofer, schließlich bietet schon ein 400 Euro
Nubert-Woofer diesbezüglich deutlich mehr. Unverständlich ist
uns auch, warum Dali hier ein fest verbundes Netzkabel integriert hat,
während (fast) alle vergleichbaren Modelle auf die wesentlich
komfortableren Kaltgerätestecker setzen.
Doch wir wollen nicht unfair sein: auch der S600 macht insgesamt
einen technisch hochinteressanten Eindruck. Einstellmöglichkeiten
und Netzkabel sind im Vergleich zur Gesamtkonstruktion eher unwichtige
Faktoren - und diesbezüglich macht Dali's Subwoofer einen
überzeugenden Eindruck. Wir sind sehr gespannt auf den
Hörtest.
Die wichtigsten Daten des S600 in der Kurzform:
| Modellbezeichung |
Dali Helicon S600, Stückpreis 2100 € |
| Konstruktionsprinzip |
geschlossener Subwoofer |
| Chassisbestückung |
2x 12 ´´ Chassis |
| Frequenzumfang (+-3 db) |
25 - 175 Hz |
| einstellbare Übergangsfrequenz |
45 - 120 Hz |
| Leistung |
300 Watt |
| Eingänge |
LFE und Hochpass |
| Abmessungen |
64 x 42 x 42 (B,H,T) |
| Gewicht |
40 kg |
Testumgebung / Kombinationsempfehlungen:
Während unserer Hörsessions haben uns verstärkerseitig
besonders diejenigen Kombinationen gefallen, die gleichzeitig ein hohes
Maß an Hochtondetaillierung und schneller Durchzeichnung bieten
können, dabei aber tendenziell eher kräftig/dunkel abgestimmt
sind und den Helicons somit etwas mehr Fundament und Kraft im Klangbild
verleihen. Absolut erste Wahl stellt deswegen die NAD VE-Kombination
aus M15 und M25 (ca. 7.500 Euro) dar, zumal diese Geräte auch
ausstattungsbezogen eine interessante Offerte darstellen und auch
preislich nicht aus dem Rahmen fallen.

Unsere Referenzanlage von Audionet funktioniert zwar auch
sehr gut mit den Helicons, doch eine MapV2 benötigt andere
Kaliber, um ihr volles Potential zu entfachen und
somit ihren Kaufpreis (6.000 Euro) zu rechtfertigen. Sinnvoller
wäre schon eher eine Kombination mit der günstigeren Map1
(siehe Bild), wobei wir bezüglich der Endstufen auf andere
Anbieter ausweichen würden. So faszinierend die Audionet
Leistungsverstärker auch sein mögen, die Dali Lautsprecher mögen es
im Bassbereich durchaus etwas fülliger.

Sowohl die Advance Acoustic MAA-705 Monoendstufen als auch die
abgebildete Rotel-Kombination RSP-1098+RMB-1090 haben in ihren Einzeltests
beeindruckende Resultate einfahren können und auch schon mit
etlichen Lautsprechern bestechend harmoniert - doch in diesem
Fall können wir dies leider nicht behaupten. Für unser
Hörempfinden spielen genannte Produkte beider Hersteller
schlichtweg etwas zu kühl und analytisch, um den Helicons etwas
von ihrer Schärfe im Hochtonbereich zu nehmen.

Erinnern Sie sich noch an unseren Test der Vincent Surround VE-Kombi
vom Juni 2005 ? Nun - die Vorstufe war schon damals etwas betagt und
kann bei heutigen Maßstäben erst recht keine Akzente setzen,
aber die monströse SAV-P200 Mehrkanalendstufe wäre für
die Helicons eine exzellente Wahl. Zusammen mit einer detailliert
aufspielenden Vorstufe (zB. Audiolab 8000AV) eine zugleich vorteilhafte
und budgetschonende Wahl gegenüber manch deutlich hochpreisigeren
Komponenten.

Auch ein AV-Bolide eignet sich sehr gut zum Betreiben der Dalis. Der
oben abgebildete Denon AVC-A11XVA geht sehr partnerschaftlich mit dem
Helicon-Set um, und ergänzt sich mit Ihnen zu einem
schlagkräftigen Team, wenn es um Mehrkanalanwendungen geht. Die
energische Bassabbildung und lebendige Dynamik des Denons kommen den
dänischen Schallwandlern jedenfalls sehr zu Gute.

Onkyo sollte sich tunlichst beeilen, dem mittlerweile fast 3 Jahre
alten NR-5000E endlich die versprochenen Ausstattungsupdates zu
spendieren. Klanglich überzeugt der angenehm und harmonisch
abgestimmte "Altmeister" auch heute noch auf ganzer Linie, aber schon
gegenüber der aktuellen Mittelklasse tut er sich
ausstattungsmäßig relativ schwer und verliert zunehmend
seine Position auf dem Markt als perfekter Tausendsassa. Schade - denn
wenn Onkyo endlich ein Raumeinmesssystem und eine fortgeschrittenere
Videosektion zum Nachrüsten anbieten würde, wäre der
NR-5000E weit mehr, als nur ein Geheimtipp.

Ein wunderbar harmonierendes Quellgerät war schnell gefunden:
der von Cinemike getunte Denon DVD-3930 läuft nach den
umfangreichen Modifikationen zu einer derartigen Hochform auf, dass er
nicht nur für ein perfektes Bild sorgt, sondern sowohl die
Mehrkanal- als auch Stereoambitionen der Dalis komplett aufblühen
lässt. Der ungemein feinzeichnende, aber niemals seziererische Klang
des Players reizt die Fähigkeiten der kompletten nachfolgenden
Wiedergabekette aus und treibt sie zu Höchstleistungen.
Ähnlich wie der Porsche 911 auf einem Feldweg auch nicht gerade
seine Höchstleistung ausfahren kann, verhält es sich mit
einem Oberklasse Surroundset vom Schlage der Dali Helicon Serie in
Bezug auf die Raumakustik. Sorgen Sie also für einen
adäquaten Lebensraum Ihrer neuen Schallwandler und optimieren Sie
den Raum gleichmäßig über alle Frequenzen. Wir erleben
häufig, wie manche Anwender einen hohen Betrag für ihr Hobby
investieren und nur einen Bruchteil der klanglichen Performance abrufen
können, weil keine Bereitschaft vorhanden war, direkt beim Kauf
auch die eigene Raumakustik kritisch zu hinterleuchten und mittels
Absorbern zu optimieren. Hierfür hält der Markt eine Vielzahl
von Lösungen bereit, die sich hinsichtlich
Integrationsfähigkeit, Preis und Effizienz sehr stark voneinander
unterscheiden.
Unsere hauptsächlich verwendeten Testgeräte in der Übersicht:
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