Test: Bowers&Wilkins 5.1 Set Serie 600 - Klasse
für die Masse ? (Seite 1 / 3)

Dieser Artikel wurde auf Amisos-PCs verfasst.
(15. Juli 2008 -
Autor: Lars Mette )
Nur wenigen Lautsprecherherstellern ist es vergönnt,
weltweite
Bekanntheit zu erlangen. Bei Bowers & Wilkins kann man
sich
jedoch nicht nur einer hohen Marktdurchdringung erfreuen, sondern
darüberhinaus sogar auf zahlreiche legendäre Modelle
(bzw.
Technologien) zurückblicken. Keine Frage: als John Bowers 1966
mit
seinem langjährigem Freund Peter Hayward die ersten
Gehversuche im
Bereich der aufblühenden Hifi-Branche startete, war noch nicht
abzusehen, dass aus dem einstigen südenglischen Kleinbetrieb
innerhalb weniger Jahrzehnte, der wohl markbedeutendste Hersteller von
Lautsprechern unserer Zeit hervorgehen würde. Diese
Ausnahmestellung erarbeitete sich John Bowers durch sein
unermüdliches Bestreben nach naturgetreuer Musikreproduktion,
weshalb er sehr enge Verbindungen zu führenden Tonmeistern,
bzw.
Aufnahmestudios pflegte. Ein weiterer Schlüssel zum
Firmenerfolg
liegt in dem großen Aufwand begründet, den
B&W
hinsichtlich Forschung und Entwicklung betreibt. Viele technische
Innovationen (zB. Membranen mit Kevlargewebe) haben ihren Ursprung
in den Bowers & Wilkins Labors. Schon seit einiger Zeit ist der
Hersteller daher sogar auf allerhöchstem Niveau etabliert und
kooperiert mit einigen der berühmtesten Film- und Musikstudios wie zB.
Skywalker Sound oder die Abbey Road Studios.

Die Produktpalette von Bowers & Wilkins beginnt im
gehobenen
Einsteigerersegment und erstreckt sich bis hin zu absoluten High-End
Konstruktionen. Für unseren Test steht eine attraktive 5.1
Zusammenstellung der aktuellen 600er Serie zur Verfügung,
die
hohe akustische Ansprüche bedienen soll und dabei im
preislichen
Mittelfeld positioniert ist. Das Set verspricht gleichermaßen
hohe Stereoperformance, hohe Klanghomogenität und sollte auch
in
größeren Räumlichkeiten
überzeugend aufspielen
können. Falls Sie sich von diesem Testbericht angesprochen
fühlen, jene Schallwandler zu erwerben, sollten sie im Besitz
von
3.194 Euro sein. Hierfür bekommen Sie ein System mit folgender
Zusammenstellung:

Die B&W 683 (Stückpreis 699 €)
bildet die Basis des
Systems und verkörpert eine Standbox mit
wohnraumtauglichen
Abmessungen. Die 3-Wege-Bassreflexkonstruktion bedient sich eines
hochentwickelten Aluminiumhochtöners, einem
kevlarbeschichteter
Mitteltöner, sowie Bass-Chassis mit hochfester
Aluminiumlegierung. Dank der fortgeschrittenen Treibertechnologie
hatten die
Entwickler die Möglichkeit, ein Frequenzweichendesign zu
realisieren, bei der die Bestückung zugunsten einer
besseren Klangqualität enorm reduzieren konnte.

Damit der mittlere Frontkanal auf identischem Niveau
wiedergegeben
wird, schickt B&W mit dem HTM61 einen ausgewachsenen
Centerspeaker
ins Rennen, der den Standboxen ebenbürtig sein
dürfte.
Preislich liegt dieser Lautsprecher bei 599 Euro. In technischer
Hinsicht
greift der HTM61 auf eine Chassisbestückung
im 3-Wege Prinzip zurück und orientiert sich damit an der
soeben vorgestellten Standbox. Um eine möglicht flexible Integration
zu erreichen, lässt sich der HTM61 sowohl horizontal als
auch
vertikal betreiben.

Die Surroundkulisse vertraut das B&W Set den
Kompaktboxen vom
Typ 685 (Stückpreis 299 €) an. Neben dem
serientypischen
Aluminium-Hochtöner, steht dem Regallautsprecher ein 165mm
großer Kevlar-Tiefmitteltöner mit
Bassreflexunterstützung zur Verfügung. Laut
technischen Daten
erreicht die 685 einen Tiefgang von 49Hz (-3db), so dass sie durchaus
in der Lage sein könnte, tieffrequente Reareffekte druckvoll
umzusetzen. Doch nicht nur als Ergänzungslautsprecher wollen
wir
die 685 betrachten und widmen uns daher im Verlauf des Tests auch ihren
Qualitäten als Stereolautsprecher.

Das Subwoofermodell ASW610 (599 €) nimmt
sich der Tiefbassarbeit an. Dafür sorgt eine 200
Watt Digitalendstufe, die ihre Kraft an ein Langhubchassis mit 250mm
Durchmesser abgibt. Als Membranmaterial kommt eine spezielle Mischung
aus mehreren Werkstoffen zum Einsatz, um den enormen Kräfte Stand
zu halten, ohne dabei an Präzision zu verlieren. In diesem
Zusammenhang dürfte sich auch das geschlossene Gehäuse als
vorteilhaft
erweisen. Verschiedene Einstellmöglichkeiten zur
Basscharakteristik stehen als besondere Ausstattungsmerkmale zur
Verfügung.
Wir sind sehr gespannt, wie sich das B&W Set
im Vergleich zum Wettbewerb schlägt. Immerhin tobt speziell im
Preisbereich der 3.000 - 4.000 Euro 5.1 Surround-Systeme ein starker
Wettkampf, der zu einer sehr hohen Leistungsdichte
geführt hat.
Seite 2 - technischer Aufbau und konstruktive Details
Seite 3 - Höreindrücke und Schlussfazit
Verarbeitung:
Die Bowers & Wilkins 600er Serie verfolgt ein eher
sachliches Erscheinungsbild mit klassischen Proportionen.
Sämtliche Komponenten empfehlen sich durch ihre schlanke,
hochgestrecke Bauweise auch für Anwender, denen ein
unaufdringlich-ästhetisches Design sehr am Herzen
liegt. Die extravagante Chassisbestückung sorgt in Kombination
mit den farblich abgesetzten Frontschallwänden für
einen optischen Anziehungspunkt, so dass dieses Lautsprecherensemble
(trotz seiner puristischen Gehäuseformen), schon auf den
ersten Blick einen sehr exklusiven, hochwertigen Eindruck vermittelt.
Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass sich
die 600er Serie nicht mit Echtholzfurnieren schmückt, sondern
stattdessen (im Gegensatz zu fast allen direkten Mitbewerbern)
lediglich eine folierte Oberfläche bietet. Der hierdurch
entstandene Nachteil hält sich jedoch in Grenzen, da sich die
verwendete Folie als recht natürlich erweist. Die
Ausführung der Gehäusekanten fällt ohne
jegliche Rundungen aus, sämtliche Gehäusekomponenten
sind sehr sauber miteinander verfugt. Auch die schwarzlackierte
Frontschallwand aus MDF-Material weist eine makellose Passgenauigkeit
auf. Alternativ zu unserer Testausführung in Wenge-Optik,
liefert B&W diese Lautsprecher auch in den Varianten Eiche hell, Kirsche rot sowie Esche schwarz
an.
Dieselbe Sorgfalt lässt sich ebenfalls auf sämtliche
Chassis übertragen, welche stets mit einer exakten Zentrierung
aufwarten können. Abweichende Spaltmaße am
Chassiskorb sucht man hier vergeblich. Interessantes Detail am Rande:
B&W fixiert die Chassis versenkt in der 30mm starken
Frontschallwand und verkleidet die Aufhängung mit einer
Zierleiste. Auf diese Weise trübt keine
einzige Schraube den Blick auf die Frontansicht. Die Schallwandler
wirken somit weniger technisch, zumal hierdurch
das hochwertige Membranmaterial noch schöner zur Geltung kommt.
Die beiden 683 ragen jeweils knapp einen Meter in die Luft.
Damit sie dennoch einen sicheren Stand haben, thronen diese Modelle auf
großflächigen Bodenplatten. Durch die
anthrazitfarbene Ausführung, passen diese Komponenten
hervorragend zu den Frontschallwänden und bilden mit ihnen
eine optische Einheit. Die Kontaktaufnahme zum Boden erfolgt wahlweise
über Gummifüße oder Metallspikes, die sich
in die vorhanden Schraubgewinde einführen lassen und jeweils
beide im Lieferumfang enthalten sind.
Keinen besonders mondänen Eindruck hinterlassen die
Schutzgitter. Hier verfolgt B&W lediglich das Maxime der
Zweckmäßigkeit und lässt bei diesen
Accessoires keine besondere Hingabe erkennen. Die stoffbezogenen
dünnen Kunststoffrahmen reichen jedoch allemal für
den primären Zweck aus und bieten ausreichend Schutz vor den
Tücken des Familienalltags. Trotzdem wären
hochwertige Metallgitter wie bei der Nubert nuLine-Serie
wünschenswert.
Die verbauten Bi-Wiring Lautsprecherterminals
erfüllen auch hohe Ansprüche: zur besseren
Kontaktaufnahme kommen vergoldete Bauteile zum Einsatz,
außerdem lassen sich die Terminals leichtgängig
verschrauben. Wer die Plastikpropfen entfernt, kann die Lautsprecher
auch mit Bananensteckern füttern, wenngleich
größere Modelle hier nicht mit
größmöglicher Passgenauigkeit im
Terminal sitzen und etwas mehr Halt vertragen könnten. Andere
Hersteller integrieren in dieser Preisklasse noch etwas opulentere
Anschlussfelder, wie zB. Wharfedale oder Monitor Audio.
Fazit Verarbeitung / Design:          
Die gefällig wirkenden Lautsprecher bieten eine einzigartige
ambivalente Optik, die zugleich formell zurückhaltend/elegant
wirkt, gleichzeitig aber auch technischen Esprit dokumentiert. In
objektiver Hinsicht liefert Bowers & Wilkins eine absolut solide,
routinierte Verarbeitungsqualität ab, wobei der Verzicht auf
Echtholzfurnierung für manche Anwender sicherlich ein recht
schwerwiegender Aspekt darstellt. Doch aufgrund der natürlich
wirkenden Dekore, sollte man sich die Lautsprecher im Zweifelsfall
erstmal einmal "live" selbst anschauen, bevor man sie deswegen
vorschnell aus dem Favoritenkreis entfernt. Für eine makellose
10-Sterne Wertung reicht es daher in dieser Disziplin nicht ganz, doch
in Anbetracht der ansonsten fast durchweg makellosen
Verarbeitungsqualität vergeben wir dennoch sehr respektable 8,5
Punkte.
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