XXL-Test: Audionet Vip G2 ( Seite 5 von 7 )
Bildwertung:

Skeptiker könnten bezüglich der visuellen Eigenschaften einwerfen, dass der VipG2 im Prinzip keine Bäume rausreißen kann: er basiert "lediglich" auf dem Pioneer DV-668AV (Mittelklasse DVD-Player für damals 899 €, inzwischen aus dem Programm) und bietet daher auch keine Scaling-Funktion. Doch Audionet verstand es, in sämtlichen grundlegenden Bildeigenschaften ein eindrucksvolles Paket zu schnüren. Schauen wir uns die jeweiligen Verbindungstypen mit ihren Charakteristika genauer an (die fürernsthafte Zwecke indiskutablen Composite- und S-Video Ausgänge ausgenommen).

Die gezeigte Bildschärfe ist als vorbildlich einzustufen. Sämtliche Testbilder unserer Burosch Referenz-DVD werden nuanciert und realistisch wiedergegeben. Auch kleinste Details lassen sich sehr gut erkennen, trotzdem wirkt das Bild nie überschärft bzw. aggressiv, sondern bietet stets ein hohes Maß an Natürlichkeit. Selbst bei den analogen Ausgängen begeistert der Audionet Player mit einer beeindruckenden Farbreinheit bzw. - trennung. Sowohl die Weiß- als auch die Schwarzabstufung bringt das fantastische Differenzierungsvermögen zu Tage und beweist nachdrücklich, dass die visuelle Performance weit oberhalb des Ursprungsgerätes (Pioneer DV-668) liegt. Die sechs verbauten DA-Wandler sind dem Gerät deutlich anzumerken, kein anderer uns aktuell bekannter Player bietet eine derartige Perfektion per analoger Verbindung. Die Bildgüte über den YUV Ausgang (interlaced Modus) ist derart gut, dass es im Zusammenspiel mit unserem getuntem Picture Optimizer fast an die SDI Zuspielung anderer DVD-Player herankommt. Je nach Bildwiedergabegerät und dessen D/A Wandler können wir uns sehr
gut vorstellen, dass die YUV-Verbindung sogar gegenüber HDMI zu favorisieren ist. Hier scheint sich der enorm große Aufwand sehr deutlich bemerkbar zu machen. Die hervorragenden Qualitäten der analogen Videoausgänge können (sogar) auf klassischen Röhren-Bildschirmen bewundert werden.

Dem VipG2 gelingt es in bisher unerreichter Weise, ein extrem hohes Maß an Plastizität in die Wiedergabe einfließen zu lassen. Die weite, karge Wüstenlandschaft im Action-Hit "Sahara", oder auch die Größe des Weltraumes bei "Serenity" gewinnen durch den VipG2 nochmals deutlich an Tiefenwirkung. Er perfektioniert das Verhältnis bzw. die Verteilung der Bildschärfe hinsichtlich der Tiefenstaffelung in einer Qualität, die bislang bei anderen High-End DVD-Playern nicht zu sehen war. Der Denon AVC-A1XVA muss sich hier klar geschlagen geben: In verschiedenen Waldszenen auf den "Herr der Ringe" DVDs, gelingt ihm die Differenzierung der Bildebenen nicht mit der Gesamthomogenität des Audionet-Players. Dies gilt auch für den Onkyo DV-SP1000E, der zudem auch in Bezug auf die Detaillierung feiner Bildnuancen nicht das Niveau des Vip G2 mitgehen kann. Farbübergänge gestaltet der VipG2 mit bestechender Perfektion - selbst schwierigste Testbilder bringen ihn nicht aus der Ruhe. Abseits der Burosch Test-DVD beherrscht der Audionet Player selbstverständlich auch Spielfilm-DVDs mühelos. Insbesondere bei Star Wars Episode 3 gelingt ihm ein tiefes, sattes Schwarz ohne dabei kleine Details zu verschlucken. Bei den gewaltigen Feuergefechten sorgte die exzellente Farbdynamik für
ein wahres Feuerwerk auf unserer Leinwand. 

Das Erkennen und Zusammensetzen von Film-Material gelingt dem VipG2 ohne Fehl und Tadel. Auch bei DVDs mit falsch gesetzten Flags gibt es keine Probleme, so dass Bewegungen stets flüssig ablaufen und insgesamt eine sehr hohe Bildruhe zu verzeichnen ist. Hier kann sich der VipG2 mit den Besten der Besten messen, ohne dabei als Verlierer vom Platz gehen zu müssen - weder ein Denon AVC A1 XVA, noch der Onkyo DV-SP 1000 E können den Audionet Player diesbezüglich überholen. Anders schaut die Lage bei Zuspielung von Videomaterial aus, wo die Zusammensetzung der Vollbilder jeweils vom DVD Player errechnet werden muss. Hier zeigen sich vereinzelt leichte Treppeneffekte und eine etwas nachlassende Bewegungsstabilität. Die "Jarre China-DVD" offenbart dies bei den geometrischen Figuren im Hintergrund recht deutlich. Mit Sicherheit ist aber auch in solchen Situationen ein grundsätzlich recht hohes Niveau geboten, denn viele andere Player aus der Mittelklasse spielen deutlich unschärfer und verschlucken mehr Bilddetails. Etwas ungeschickt finden wir, dass sich der De-Interlacer bei HDMI-Ausgabe nicht abschalten lässt. Dies ist insbesondere dann schade, wenn als Bildwiedergabegerät ein De-Interlacing-Könner wie der Pioneer PDP-506 XDE zum Einsatz
kommt. In solchen Fällen kann es durchaus Sinn machen, auf den hervorragenden YUV Ausgang auszuweichen, denn hier lässt sich via Geräte Setup eine permanente interlaced Signalausgabe einstellen. Unterm Strich stellt die De-Interlacing Sektion der einzige kleine Makel des VipG2 dar und fährt nur 8 Wertungspunkte ein.

Ein großer Irrglaube in der momentanen HiFi-Szene ist die Einstellung mancher Anwender, dass sich digitale Signale ohnehin nicht zwischen verschiedenen Geräten
unterscheiden können, sofern kein Hersteller extreme, bewusste Änderungen der Video- bzw. Audioausgänge anstrebt. Wer einmal das HDMI-Bild eines original Pioneer DV-668 gegen den Audionet Vip G2 vergleicht, wird alleine schon an diesem Beispiel feststellen, wie groß der Einfluss von Netzteil, jitterarmer Konstruktion und nicht zuletzt des Gehäuses ausfällt. Obwohl der Audionet Player sogar noch auf die gleiche technische Basis zurückgreift, bewirken die Umgebungsfaktoren eine nochmalige, deutliche Verbesserung in allen Bildeigenschaften. Besonders beeindrucken kann der VipG2 in Szenen, wo er seine herausragende Farbdifferenzierung ausspielen kann. Das Höhlen-Abenteuer "Descent - Abgrund des Grauens" beweist eindrucksvoll, wie viele Details ein gut konstruierter High-End Player gegenüber einem Mittelklassemodell herausholen kann. Weder ein Denon DVD-3910, Pioneer DV-898 oder der Marantz DV9600 widmen sich kleinen Nuancen so hingebungsvoll: Die feuchten Felswände, das gleißende Licht der Taschenlampen und auch die blasse Haut der geheimnisvollen (und hungrigen) Höhlenbewohner wirken realistischer sowie ausgewogener. Genau diese Eigenschaft gelingt dem VipG2 sogar noch besser als dem Denon DVD-A1XVA, da alle Einzel-Tugenden harmonisch in das Gesamtbild einfließen und nicht einzelne Stärken bzw. Schwächen das visuelle Erlebnis bestimmen.  

Wer es noch besser will, dem sei das Upgrade auf SDI empfohlen. In Zusammenspiel mit einem getuntem cinemateq Picture Optimizer Plus II SDI kann diese Kombination getrost als eine der besten DVD-Zuspielungen überhaupt angesehen werden. Beide Geräte bringen ihre jeweiligen individuellen Vorteile gewinnbringend mit ein, so dass man bezüglich der Bildqualität das volle Potential der aktuellen Medien-Generation ausschöpfen kann. Ähnlich wie beim HDMI-Interface sind auch die SDI-Schnittstellen verschiedener Player keineswegs gleichwertig. Der VipG2 positioniert sich auch in dieser Anschlussart an der Spitze aller uns bekannten DVD-Player, insbesondere die hervorragende Gesamthomogenität (Farbe, Detaillierung) sowie die sehr plastische Darstellungsweise begeisterten uns bei jeder DVD aufs Neue. In Addition zu dieser Zuspielung ergänzt der getunte Scaler den Bildgenuss mit der besten Scaling- und De-Interlacing Engine, die wir bislang angetroffen haben. Außerdem bekommt der stolze Besitzer einer solchen Traum-Kombination die vielfältigsten und effektivsten Einstellungsoptionen in Bezug auf Bildabstimmung und Anpassung an das Wiedergabegerät. Mehr zu den Vorzügen und der Arbeitsweise eines Scalers erhalten Sieim bald erscheinenden Einzeltest des cinemateq Picture Optimizers Plus II SDI.

Die zur Verfügung stehenden Video-Equalizer stellen keineswegs ein nutzloses Gimmick dar, sondern funktionieren ausgesprochen gut. Die Bildnatürlichkeit bleibt im vollen Umfang erhalten. Extrem rechenintensive bzw. aufwändige Equalizer bleiben dem VipG2 hingegen vorenthalten, so dass manch anderer Player sich diesbezüglich etwas flexibler gibt. In bestimmten Konstellationen könnte beispielsweise eine programmierbare Gammakurve helfen, das maximale Potential des Bildwiedergabegerätes abzurufen. Die vordefinierten EQ-Presets, sind für ihren jeweiligen Einsatzzweck gut geeignet, wobei wir dennoch anraten eine eigene Anpassung an das jeweilige Gerät vorzunehmen. Speziell die Voreinstellung für Projektoren könnte durchaus etwas mehr Farbbrillanz aufweisenund rutscht in der Farbskala etwas zu sehr ins Rot-/Bräunliche.

Keine Frage: wer in allen Aspekten nichts Geringeres als das Optimum will, der kommt um eine SDI-Modifikation mitsamt Scaler nicht herum. Diese Investition lohnt sich jedoch vor allem für Besitzer von hochwertigen Projektoren (ab ca. 5.000 Euro). Bei Flachbildschirmen verbessert sich die Bild-Performance zwar ebenfalls, unserer Meinung nach "reicht" auf der kleineren Diagonale auch das normale Videosignal des VipG2. Viele Panels benötigen für eine ansprechende Bildwiedergabe ohnehin ihre eigenen Rechenoperationen (bzw. Bildverbesserer), so dass die letzten Feinheiten in der Zuspielung daher nicht vom Scaler, sondern der internen Panel-Bearbeitung abhängigsind.

KriteriumRGB
(Scart)
YUV
(Component)
Digital
(HDMI)
SDI
+ ppII SDI
Bildschärfe
(inkl. Detailtreue)
8,599,510
Kontrastumfang
(inkl. Schwarzwert)
8,599,510
Farbwiedergabe8,58,5910
De-Interlacingn.v.8
abschaltbar
8
nicht abschaltbar
10
Upscalingn.v.n.v.n.v.10
Video-EQ
(Anzahl+Effektivität)
88810
Fazit Bildwertung:

Mit dem VipG2 bewiest Audionet, dass die Bochumer nicht nur die Kunst akustischer Höchstleistungen beherrschen: was hier an Bildruhe und Ausgewogenheit geboten wird, dürfte selbst die größten Skeptiker verblüffen. Gegenüber einer Bildmaschine vom Schlage eines Denon DVD-A1XVA kann sich der VipG2 zwar nicht als haushoch überlegen klassifizieren, fällt aber auch nicht nennenswert ab. In der Spitzenliga kann der Audionet Player locker mitspielen und überflügelt Mittelklassegeräte deutlich, obwohl er auf entsprechender Technik basiert.

Der VipG2 zeigt eindrucksvoll, dass die Qualität der Videoaufbereitung aus der ganzheitlichen Gerätekonstruktion resultiert. Wichtige Faktoren sind hierbei alle
mechanischen Eigenschaften (Laufwerksaufhängung, Gehäuseaufbau, etc.) als auch das ausgeklügelte Innendesign mitsamt hochwertiger Netzteilsektion. Abgesehen davon, dass sich der Vipg2 auch dem Vergleich mit einem DVD-A1XVA standgehalten hat (siehe Seite 7), kann er daher selbstverständlich auch den Neuerscheinungen in Form der beiden Denon DVD-2930- und DVD-3930 DVD-Player entspannt entgegensehen. Deren Teranex HQV-Technologie inklusive bewegeungsadaptiver Rauschunterdrückung/De-Interlacing sowie 1080p Scaling mag zwar durchaus einen nie dagesenen Standard in der Mittel- bis angehenden Oberklasse definieren, ist aber nicht gleichbedeutend mit einer solch natürlichen, homogenen Bilddarstellung wie ihn der VipG2 mit seiner High-End Architektur bietet. Mit der ab Werk direkt lieferbaren SDI-Modifikation avanciert der VipG2 (zusammen mit einem externen Scaler) ohnehin zur momentan besten Bildquelle, die wir bei unseren Gerätetests bislang kennen gelernt haben. Somit können die VipG2-Entwickler auf ihr Werk stolz sein, denn ihr Gerät gehört damit glücklicherweise nicht zu
den typischen High-End Playern, die lediglich im akustischen Bereich zu gefallen wissen und dafür die Bildwiedergabe sträflich vernachlässigen. 


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