Der deutsche Lautsprecherhersteller ASW begann Ende 2010
damit,
seine beliebte Genius Serie zu erneuern. In diesem Zusammenhang haben
wir bereits den Kompaktlautsprecher Genius 110 getestet und aufgrund
seiner Klangeigenschaften sowie Verarbeitung gelobt. Nachdem die
Lautsprecherschmiede aus dem Münsterland nun
auch Stand- und
Centerspeaker vom Technologietransfer der hauseigenen High-End Modelle
profitierten, wurde uns für diesen Testbericht ein
Surroundsystem
zur Verfügung gestellt. Obwohl die technische
Bestückung
(u.a. hochwertige Chassis und Gehäuse) auf sehr hohem
Niveau
liegt, bleibt die Genius Serie ihrer preislichen Heimat in der (oberen)
Mittelklasse treu. Die Transfersumme für unser 5.2 Testsystem
liegt bei ca. 6.200 Euro (abhängig von der gewählten
Oberfläche) und besteht aus folgenden Modellen:
Die Genius 410 (ab 1599 Euro/Stück) ist die
größere
der beiden Standboxen aus der neuen Genius Serie. Sie
verfügt
über einen symmetrischen Aufbau auf Basis von zwei speziellen
180mm Holzfaser Membranen und wird über zwei
Bassreflexöffnungen ventiliert. Die 4Ohm Konstruktion soll
einen
linearen Frequenzgang zwischen 35 und 30.000 Hertz bieten und besitzt
eine Nennbelastbarkeit von 160 Watt.
Der Filmspezialist des ASW-Ensembles trägt die
Bezeichnung
Genius 210 (ab 749 Euro/Stück). Der symmetrisch aufgebaute
Centerspeaker arbeitet nach dem 2-Wege Bassreflex Prinzip. Die
Holzfaser Membranen im TMT-Bereich fallen mit 150mm minimal kleiner aus
und werden 200 Hertz später getrennt, als bei der
Genius 410
- der 25mm Keramikhochtöner ist hingegen identisch.
Nennbelastbarkeit sowie Grenzfrequenz sorgen mit 120 Watt bzw.
50
Hertz für hohe Erwartungen.
Auf den Surroundkanälen sorgen zwei
Kompaktlautsprecher vom Typ
Genius 110 (ab 599 Euro/Stück) für Beschallung. ASW
hat
großen Wert auf erwachsene Klangeigenschaften gelegt, so dass
die
bassreflexbeatmete Box auf einen -3db Punkt von 43 Hertz kommt und 80
Watt Nennbelastbarkeit aufweist. Der verbaute 180mm
Tiefmitteltöner sowie der Hochtöner sind in dieser
Konstellation auch in der Genius 410 zu finden.
Derzeit arbeitet ASW noch an einem neuen Genius-Subwoofer,
doch
damit unserem Testsystem auch jetzt schon ein hervorragender
Tiefbassbereich zur Verfügung steht, lieferte ASW
zwei
Subwoofer vom Typ Cuby 150 (ab 549 Euro/Stück). Dieses
Modell ist als Downfire Woofer mit Bassreflexunterstützung
konzipiert, verfügt über eine hochwertige Endstufe mit 150
Watt Sinusleistung und spielt bis 30 Hertz hinunter.
Verarbeitung:
Gegenüber
der Vorgängerserie weist die neue Genius Generation
eine
völlig neue und andersartige Formensprache auf. Wo
früher
eine nüchtern-kantige Erscheinung in schlanker Statur
geboten
wurde, setzen die neuen Modelle auf ausladende Rundungen. Die
charakteristische Wölbung auf der Oberseite kennen
wir schon
von den High-End Modelle Magadis und Chelys. Einzig die beiden
Subwoofer fallen diesbezüglich natürlich etwas aus
der Rolle
und sind in klassischer Kastenform gehalten. In Bezug auf die
Verarbeitungsqualität bleibt alles beim Alten - und
das ist
gut so: sämtliche Lautsprecher bestechen mit exzellenten
Gehäuseübergängen und Chassiseinpassungen.
Unser
Testsystem wirkt zugegeben etwas zusammengestückelt, soll
Ihnen
aber die Vielfalt im Hause ASW vermitteln: neben den hier gezeigten
Versionen in Mattlack, unbehandelten sowie hochglanzlackierten
Echtholzfurnier sind auch Klavierlackoberflächen genauso
lieferbar, wie fast jedes Furnier oder RAL-Farben Lackierung. Dank
einer kompletten Fertigung inkl. Lackierung in den eigenen Werkshallen
in Vreden ist ASW sehr flexibel und kann sogar ausgefallene
Wünsche relativ günstig realisieren. Besonders gut
haben uns
die hochwertigen Anschlusspanels mitsamt den tadellosen
Kabelbrücken gefallen. Die Genius 410 wird durch einen
schwarzen
Sockel optisch aufgewertet und für hervorragende
Klangeigenschaften sorgen die mitgelieferten Soundcare Superspikes.
Für Anwender mit Teppichböden legt ASW
zusätzlich noch
klassische Spikes bei. Wer will, kann alle Lautsprecher mit einem
schwarzen Stoffrahmen schützen, der über
klassische Aufnahmelöcher befestigt wird. Und
für
markentreue Musikliebhaber kommt der Centerspeaker noch mit einer
kleinen ASW-Plakette zum Selbst Aufkleben. Fazit: Optisch geht die
aktuelle ASW Serie neue Wege, die Verarbeitung ist auf gewohnt hohem
Niveau und gehört zum Besten, was man in der vorliegenden
Klasse
bekommen kann.
Technik:
Der
technische Aufbau aller der Genius 410 basiert auf einem 2-Wege Konzept
mit symmetrisch angeordneten Treibern mit
Bassreflexunterstützung.
Das Gehäusevolumen ist nicht getrennt und steht beiden
Chassis gemeinsam zur Verfügung. Im Gegensatz zu den meisten
anderen Lautsprechern befindet sich die Frequenzweiche bei der Genius 410 nicht
auf der Rückseite der Anschlusspanels, sondern ist auf der
Höhe des unteren Tiefmitteltöners
platziert. Die
Frequenzweiche basiert auf dem ausgeklügelten Layout der größeren Chelys und trennt Tiefmittel- und
Hochtöner
bei 1800 Hertz. Dabei wird der Tiefmitteltöner nach oben mit
6db/Oktave sanft ausgeblendet, während der Hochtöner
eine
Flankensteilheit von 18db/Oktave aufweist. Diese ungewöhnliche
Lösung hat ihren Ursprung in zahlreichen Hörtests und
bietet laut Chefentwickler Willi Nienhaus eine exzellente Harmonie
zwischen den verwendeten Treibern.
Der Tiefmitteltöner im Detail: der Treiber kommt von Tymphany, genauer gesagt aus der
NE-Line unter der Peerlees Platinum Serie. Es handelt sich hier um eine
spezielle 8 Ohm Version mit 180mm Membran aus Papierholzfaser, die dank
einem angeschnittenem Konus sowie asymmetrischer Sicke ein
hervorragendes Verhältnis aus Leichtigkeit und Steifigkeit
besitzt. Ein verwindungssteifer Aluminiumdruckgusskorb mit schlanken
Streben sorgt für hervorragende Arbeitsbedingungen bei
geringem
Luftwiderstand. Abgerundet wird das High-End Chassis von einem starken
Neodym Eisen Boron Magnet als Antrieb, sowie einem
Schwingspulenträger aus Titan. Dieser Tiefmitteltöner
kommt
in selber Form auch bei der Genius 110 zum Einsatz, beim Centerspeaker
ist das Chassis 30mm kleiner, aber ansonsten identisch.
Bei den Gehäusen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: die
gerundeten Gehäuseelemente minimieren stehende Wellen im
Inneren
und damit die Konstruktion auch mechanisch belastbar ist, bestehen
sämtliche Elemente aus 20mm starken MDF Platten.
Zusätzlich
finden sich im Inneren noch zwei dieser Streben, deren Gestaltung und
Positionierung durch aufwändige Messungen mit
Beschleunigungssensoren ermittelt wurden. Der 25mm Hochtöner
mit
feinauflösender Keramikmembran sitzt in einer geschlossenen
Aluminiumkammer und kann daher ungestört musizieren.
Der Genius 210 Centerspeaker basiert ebenfalls auf einem 2-Wege
Bassreflexsystem. Membran- , Gehäuse- und
Frequenzweichenphilosophie orientieren sich an der Standbox und
unterscheidet sich nur in zwei Punkten vom größeren
Modell: die Tiefmitteltöner fallen mit 150mm
Chassis
etwas kleiner aus und übergeben 200 Hertz später an
den
Hochtöner. Bei Betrachtung der technischen Daten wie zB. den
120
Watt Nennbelastbarkeit oder den -3bb Punkt von 50 Hertz wird schnell
klar, dass ASW hier einen absolut vollwertigen Lautsprecher auf den Weg
gebracht hat.
Regelmäßige AREADVD Leser kennen dieses Modell
bereits sehr
gut, denn die Genius 110 haben wir ja bereits einzeln als Stereopaar
schon getestet. Dieser Kompaktlautsprecher greift auf denselben 180mm
Tiefmitteltöner zurück, den wir Ihnen bei der 410er
schon
vorgestellt haben. Auch beim Hochtöner treffen wir einen
Bekannten, denn der 25mm Keramiktreiber findet sich auch bei den beiden
zuvor gezeigten Modellen wieder. Ein praktisches Detail der
Genius
110 sind die beiden Schraubgewinde auf der Unterseiten, dank denen die
Box sicheren Halt auf den Stativen von ASW findet. Weitere
Informationen zur Genius 110 finden Sie in unserem Testbericht vom 30.
November 2010.
Last but not least, werfen wir natürlich auch einen Blick auf
die
Tieftonmeister unseres Testensembles. Der Cuby 150 ist als
wohnraumfreundlicher Kompaktsubwoofer konzipiert und verfügt
über eine Downfire Anordnung mit Bassreflex Schlitz. Der 200mm
Langhub Tieftöner weist eine äußerst steife
Membran mit
hoher Belastbarkeit auf, die Aufhängung ist ebenfalls relativ
hart
geraten. Elektronikseitig spendiert ASW seinem Cuby ein sauber
aufgebautes Netzteil. Der integrierte Verstärker leistet 150
Watt
Sinus und kann auf 20.000 Mikrofarad Siebkapazität
zurückgreifen. Ein Ausstattungswunder ist der Cuby aber leider
nicht - er beschränkt sich auf die wichtigsten Features, wie
Crossover und Volume Regelung und verschiedene Chinch Eingänge.
Die
Phase kann leider nicht stufenlos justiert werden. Und wer auf DSP oder
Equalizer Funktionen Wert legt, wird im Cuby sowieso nicht den
richtigen Partner finden. Dafür verspricht ASW einen
präzisen, kraftvollen und vor allem tiefreichenden Klang. Bis
knapp
unter die 30 Hertz Marke soll der kleine Tieftonjongleur spielen, so
dass wir voller Spannung auf die kommenden Hörtests
blicken.
Testumgebung:
Das ASW Cantius System kam vorwiegend in unserem High-End
Referenzstudio zum Einsatz. In Kombination mit erlesener Elektronik
sowie einer optimierten Raumakustik konnte es die ca. 55m²
nach besten Kräften beschallen, ohne durch äußere
Einflüsse beeinträchtigt zu werden. Zusätzlich mussten
die Schallwandler aber auch in normalen Wohnräumen ihr Können
unter Beweis stellen. Durch diese Doppelinstallation lernen wir
einerseits das komplette Potential der Schallwandler kennen, sammeln
aber auch Erfahrungen unter praxisgerechteren Bedingungen. Als
Absolutreferenz dient ein 7 Kanal System mit
Keramik-/Diamantbestückung von der süddeutschen Manufaktur
Isophon im Wert von ca. 81.000 €.
Unsere hauptsächlich eingesetzte Hardware in der
Übersicht:
Endstufen
Audionet
AmpVII 7ch Endstufe (ca. 10.000 €)
Audionet Amp (Monoblock a ca. 4.000 €)
Cinemike
POA-A1HD 10ch Endst.(ca. 12.000 €)
Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch
optimiert.
Praxiseindrücke:
Bei den Hörtests brauchen die ASW Lautsprecher nicht lange, um
sich in unsere Gunst zu spielen. Abgesehen von der ganzheitlich
harmonischen Abstimmung mit einer detailorientierten,
audiophil-angehauchten Spielweise, erobern die Genius Schallwandler
besonders wegen ihrer famosen Raumabbildung große Sympathien.
Sämtliche Modelle tragen das Klangbild schlichtweg GRANDIOS
gelöst in den Raum - sicherlich wird jenes Attribut auch
anderen Lautsprechern der vorliegenden Preisklasse zugesprochen, doch
selbst gegenüber den dichtesten Verfolgern, können
sich die ASW-Testprobanten durch ihre exakte
Lokalisationsschärfe nochmals etwas absetzen. Die Kombination aus
sphärischer, weitläufiger Spielweise und der gezielten
Platzierung sämtlicher Schallereignisse erinnert uns an
einige (diesbezüglich referenz-setzenden) Lautsprecher aus dem
Hause Isophon. Ähnlich wie bei dem schwäbischen High-End
System in unserem Referenzstudio (siehe Testumgebung) bieten somit auch
die ASW Lautsprecher einen großen Sweetspot ohne das innere
Gefüge in Bezug auf Platzierung sowie Ortung in Mitleidenschaft zu
ziehen (wie wir es speziell von einigen LS-Modellen mit
Doppelhochtönern kennen - z.B. die DALI Mentor Serie).
Unserem vielfach teureren Referenz-Setup Obwohl
können die Genius Testkandidaten in Bezug auf das
Auflösungsvermögen sowie Klangtransparenz
naturgemäß
nicht das Wasser reichen. Doch sie fallen diesbezüglich
erfreulicherweise weniger ab, als dies in Anbetracht der
Preisunterschiede zu erwarten ist. In Relation zu ihren direkten
Mitbewerbern zeichnen sich die ASW Lautsprecher sogar durch ihre
besonders feinsinnige/audiophile Abstimmung aus! Der
Mittel-/Hochtonbereich spielt sehr schnell, wirkt dabei aber
niemals hektisch oder überfordert. Insgesamt klingen die
Schallwandler sehr "offen" bzw. "luftig". Als übertrieben scharf
bzw. unangenehm prägnant haben wir die ASW Lautsprecher dabei
niemals empfunden - ganz im Gegenteil: die feine Auflösungsgabe,
gepaart mit einem tendenziell eher seidigen Akzent, erinnert uns ein
weiteres Mal an unser Referenz-System.
Der mittlere Frequenzbereich wird harmonisch und gut ausbalanciert
wiedergegeben. Besonders die Genius 410 punktet dabei mit einer tiefen,
vielschichtigen Ausleuchtung. Trotz der hohen Klangtransparenz
sind die Lautsprecher immer noch in der Lage, der Klangwiedergabe ein
adäquates Maß an Druck sowie Volumen einfließen zu
lassen. Diesbezüglich versagen nicht wenige (auf audiophil
getrimmte) Mitbewerbermodelle in der oberen Mittelklasse, indem
ein durchsichtiger, filigraner Klangcharakter oft mit
Einbußen der Klangfülle in den unteren Mitten "erkauft"
wird.
Die tonale Abstimmung ist grundsätzlich recht neutral
gehalten, wobei sämtliche Modelle ein kleines Maß an
zusätzlichem Hochtonglanz mitbekommen. Der hörsensible
Mitteltonbereich zeichnet sich über den kompletten Bereich
durch eine hohe Linearität aus. Im Bassbereich verfolgt ASW eine
sehr ehrliche Spielweise, so dass die Lautsprecher vergleichsweise
zurückhaltend klingen, wenn man sie mit den vielen Mitbewerbern
vergleicht, die durch eine entsprechende Überhöhung einen
massiveren, "fetteren" Sound bieten (z.B. die RX8 von Monitor
Audio).
Wenn Sie sich bis hierhin bereits gefragt haben, warum wir fast
sämtliche Klangattribute auf das komplette Set beziehen,
können wir Ihnen nun eine äußerst erfreuliche Nachricht
geben: die konzeptionelle bzw. klangliche
Abstimmung innerhalb der Fullrange-Modelle ist nämlich
erfreulicherweise deutlich homogener gehalten, als dies allgemein
üblich ist. Abgesehen von Unterschieden im Bassbereich (mehr dazu
im nächsten Absatz) verfügen sowohl Stand-, Center- als auch
die Kompaktlautsprecher über dieselbe (sehr gelungene)
Klangcharakteristik in Bezug auf Detaillierung, Präzision sowie
Tonalität. Zusammen mit der herausragenden räumlichen
Darstellung ergeben sich somit exzellente Eigenschaften für den
Mehrkanalbetrieb.
Steigen die ASW Lautsprecher in den Frequenzkeller hinab, so haben
vornehmlich Anwender mit dem Wunsch nach einer präzisen und
maßvollen Basswiedergabe Grund zur Freude: keiner der
Fullrange-Modelle weist die Neigung auf, untenrum aufzudicken oder
besonders vordergründig zu agieren. Die ASW Lautsprecher streben
eindeutig nach Differenzierung und Präzision, was Ihnen auch
anstandslos gelingt. Außerdem zeichnet sich jedes Modell durch
einen überraschend guten Tiefgang aus. Als absolute
Bass-Spezialisten würden wir die Testkandidaten dennoch nicht
uneingeschränkt kategorisieren: obwohl sich ihr hohes Maß an
tieffrequentem Differenzierungsvermögen (für audiophil
ausgerichtete Ohren) wohltuend vom Großteil des Marktes absetzt,
können die ASW-Lautsprecher ihre vergleichsweise kleinen
Membranflächen nicht völlig kaschieren. Eine Canton Vento
890DC ist (gegenüber der Genius 410) mit ihren zwei dedizierten
200mm Tieftönern ist schon rein physikalisch wesentlich potenter,
tieffrequente Kost mit mehr Druck und Entschlossenheit in den
Hörraum zu liefern.
Solange der Lautstärkeregler eher im linken Bereich beheimatet
ist, merkt der Anwender von der vergleichsweise geringen
Membranfläche nichts: die Genius Modelle liefern präzise
Basskost ohne störende Ventilationsgeräusche aus den
BR-Öffnungen und bieten eine überdurchschnittliche
Leistung. Selbst die gebotene Klangdynamik verdient sich Bestnoten -
ganz speziell im feindynamischem Bereich. Doch sobald kilometerlange
Raumschiffe oder wildgewordene Riesenaffen in Pegelregionen jenseits
der 90 db Marke über die Leinwand huschen, können die
Lautsprecher in Bezug auf Bassdruck und Grobdynamik nicht mehr ganz im
selben Maße zulegen, wie es für eine perfekt ausgeglichene
Wiedergabe wünschenswert ist. Da wir hier jedoch schon in
Bereichen sind, die sich sowohl typischen Wohnzimmerverhältnissen,
wie auch den (üblichen) nachbarschaftlichen Toleranzgrenzen
entziehen, kommt dieser Aspekt "lediglich" für pegelhungrige
Heimkino-Enthusiasten mit "Freifahrtsschein" in Betracht.
Anwendungsbeispiele:
Star Wars Episode 1 , dt. Dolby Digital Ton.
Beim wohlbekannten Podrace in Kapitel 20 konzentriert sich das ASW
System nicht nur auf die prägnanten/brachialen Effekte, sondern
bietet eine gesamtheitlich ausgewogene Performance auf hohem
Niveau: die Bassintensität beim Anlassen der Motoren gelingt den
beiden Subwoofer druckvoll und präzise - gleichzeitig darf sich
der Hörer aber auch über eine gute Sprachwiedergabe (z.B.
gute Abstufung des Sprachvolumens beim Gespräch zwischen Qui Gon
und Padme beim Betreten der Zuschauerbühne) sowie
der Detailausarbeitung (z.B. Klang + Nachhall des Gongs bei 57:29
min. // Elektronikgeräusche der Podrenner) erfreuen. Der Start von
Sebulba wird grobdynamisch gut herausgearbeitet, wobei typische
"Krach-Bumm-Systeme" diesbezüglich bei höheren Pegeln noch
mehr Intensität vermitteln. Die ASW Lautsprecher kontern hingegen
mit einer exzellenten(!) Räumlichkeit der
Splitsurround-Effekte. Auch das Panning zwischen den einzelnen
Lautsprechern gelingt den homogen abgestimmten Lautsprechern
vorbildlich. Den jeweils eher kurz einsetzenden Tiefbass während
den Rennsequenzen meistern die Subwoofer mit einer nuancierten und gut
getimten Wiedergabe. Für ihre Preis- sowie Volumenklasse spielen
sie recht tief, wobei einige Extremszenen(zB. Einsetzen der Turbine bei 58:25 min. )
mit manchen Subwoofern aus höheren Klassen
(erwartungsgemäß) noch mehr Hosenflattern produzieren. Die
Motorgeräusche während der Fahrt durch die
Canyon-Landschaft sind mehrheitlich auf den Frontlautsprechern
platziert, wo sie (gegenüber aufdickenden Systemen) nicht
übermäßig voluminös, dafür
aber differenziert erklingen. Fazit: insgesamt klingt das ASW
System mit diesem Filmbeispiel nicht spitz und aggressiv, lässt
aber auch keinen Zweifel an seiner auflösungs-/detailbezogenen
Spielweise. Anwender, die ihr akustisches Wohl primär an der
Klangwucht ausmachen, werden mit anderen Lautsprechern wahrscheinlich
glücklicher. Wer hingegen auch in Actionsequenzen ein hohes
Maß an Klangkultur zu schätzen weiß,
dürfte besonders an der tonal höher
gewichteten Mittel-/Hochtondarstellung großen Gefallen
finden. Die beiden ASW Subwoofer demonstrieren dabei wieder einmal
eindrucksvoll die immensen Vorteile beim Einsatz von zwei
Tieftonlieferanten (bei korrekter Ein- und Aufstellung). Neue Bestwerte
hinsichtlich Präzision, Druck oder Tiefgang werden zwar nicht
aufgestellt, doch sie bieten für ihre Klasse eine sehr gute
Gesamtbalance und fügen sich hervorragend ein.
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1, engl. DTS-HD Master Audio
Das neueste Abenteuer in der Welt des weltweit bekanntesten
Zauberers setzt akustisch andere Schwerpunkte als das
vorangegangene Beispiel aus dem Star Wars Universum: mehr subtile
Arrangements, dafür weniger Bombast-Sound. Wir steigen gleich
zum Filmbeginn ein, wo feine Geräusche innerhalb einer
sphärischen Kulisse klar durchgezeichnet werden müssen, kurz
bevor ein sanftes Glockenspiel sowie schrille Ambient-Sounds das
akustische Repertoire mitsamt einem bedächtig/bedrohlichen
Subwoofer-Einsatz spannen. All dies beherrschen die ASW Lautsprecher
mit einer vorzüglichen Klangtransparenz und Ausgeglichenheit, ohne
beim gleichzeitig langsam zunehmenden Pegel
Ungleichmäßigkeiten in Bezug auf die tonale Balance oder
Durchzeichnung zu offenbaren. Auch der abrupte Cut-Off mit
anschließender hochdetaillierter Sprachwiedergabe (Rede des
Zaubereiministers) gelingt den Lautsprechern hervorragend. Bill Nighys
Stimme gelangt speziell in den oberen Mitten mit einem ausgezeichnetem
phonetischem Differenzierungsvermögen in das Auditorium, zumal
auch die feindynamische Herausarbeitung als exzellent einzustufen ist
(gut zu hören bei der Betonung des Satzanfangs beim zweiten Satz).
Trotz der eher kompakten Lautsprecherabmessungen des Genius 210 bleibt
auch der sonore tief-raue Charakter mit seinem großem
Stimmvolumen in seiner Grundcharakteristik gut erhalten. Die additiven
Schallanteile auf den Rears sind bei den Genius 110 in guten
Händen, da sie mit jenen Effekten aufgrund ihres Timings, der
Detailherausarbeitung sowie Feindynamik einen sehr guten bzw.
realistischen Raumeindruck generieren.
Der unterstreichend einsetzende LFE-Kanal wird vom ASW System nicht
entfremdet und wird wohldosiert mit guter Pointierung in das Geschehen
integriert. Trotz der reduzierten Effekttiefe bei gleichzeitig tiefer
Frequenz, sind von den Subwoofern in der Praxis keine
Strömungsgeräusche am Hörplatz zu vernehmen. Beim
Umschwenk auf die zweite Filmszene (nach ca. 1 Minute) beweisen die
Lautsprecher bei der Umsetzung eines Gewitters (vornehmlich auf den
Rearspeakern), wie gut Sie das Klanggeschehen von den Membranen
lösen und zwischen den Kanälen räumlich bewegen
können. In besonderen Maße ist im weiteren Verlauf dieser
Sequenz noch die generelle Klangtransparenz sowie das
Auflösungsvermögen zu loben: während der Score sehr
feingliedrig inszeniert wird, bleiben die weiteren Klangebenen (z.B.
der prasselnde Regen oder diverse Dialoge) deutlich
heraushörbar. Fazit: mit dieser Abstimmung trifft der
Film exakt die akustische Schokoladenseite der Genius-Lautsprecher, was
zu einer tiefgreifenden und vielschichtigen Akustik höchster
Klasse führt. Viel besser können es selbst viele
der teureren Lautsprechersysteme nicht umsetzen, während
effekt-/bassorientierte Konkurrenzprodukte mit diesem Film einen
(kleinen) akustischen Offenbarungseid abgeben und wesentlich
oberflächlicher agieren.
Kurzvergleich mit einigen Referenzen als Hilfe zur akustischen Grobeinordnung:
Monitor Audio Gold GS Serie
Die MA-LS unterscheiden sich tonal durch ihre Anhebungen im
Bass sowie Hochtonbereich. Dadurch klingen die ASW-LS in den Mitten
etwas voller, untenrum aber weniger substanzvoll. Die Basspräzision
ist bei beiden gleichermaßen gut, in den oberen Frequenzen
spielen die MAs schärfer und direkter; die ASW-LS wirken bei
ähnlicher Auflösung kultivierter. Pegelfestigkeit und Dynamik
gehen an Monitor Audio, dafür überflügelt ASW den
Mitbewerber auf hohem Niveau in Bezug auf Gesamthomogenität,
außerdem ist die Raumabbildung gelöster bzw.
weitläufiger.
Nubert nuVero Serie
Die selbsternannten High-End LS aus dem Schwabenland sind
eine harte Nuss für die ASWs - dies kann man im Bassbereich sogar
wörtlich nehmen, wo die nuVero in ihrer Klasse die
Maßstäbe in allen Belangen setzt (Tiefgang, Druck,
Präzision, Pegelfestigkeit, Grobdynamik) und auch die Genius-LS
distanziert. Auch die variable Tonalität (Kippschalter) verdient
Applaus. Im HT-Bereich detaillieren beide Serien ähnlich
hervorragend (gute Detaillierung ohne Aufdringlichkeit), allerdings
wirken die ASW-LS insgesamt "offener" und luftiger. Dies ist zum
Wesentlichen am transparenteren Mitteltonbereich, sowie der besseren
Räumlichkeit begründet.
Dali Mentor Serie
Bei den dänischen Lautsprechern kümmern
sich gleich zwei Hochtöner um die oberen Frequenzen - doch
obwohl die Räumlichkeit auf dem extrem guten Niveau der ASW LS
liegt, sind die Konzepte nicht vergleichbar. Die Dali Schallwandler
bieten keine vergleichbare Ortungsgenauigkeit. Tonal sind sich
beide Serien sehr ähnlich (kein aufdickender Bass, minimale
Betonung der Höhen) und auch hinsichtlich der Pegelfestigkeit
begegnen sich beide auf Augenhöhe. In in Bezug
auf Durchzeichnung und Präzision liefern die ASW-LS die
audiophileren, "feineren" Leistungen und setzen sich daher in unserer
Gunst klar ab.
Fazit:
Raumwunder gibt es nicht nur im Klein-/Kompaktwagensegment, sondern
spätestens seit ASW's neuer Genius Serie nun auch innerhalb der
Lautsprechermittelklasse: was Chefentwickler Willi Nienhaus hier
vollbracht hat, wird besonders Mehrkanalliebhaber mit Wunsch nach
audiophiler Klangdetaillierung ein Strahlen ins Gesicht zaubern. In der
oberen Mittelklasse ist uns eine solch gelungene Kombination aus
weitläufiger Raumabbildung, hohem Auflösungsvermögen
sowie tonaler Homogenität bislang noch nicht begegnet! Damit
empfehlen sich die Lautsprecher für ein breites Einsatzspektrum,
wobei wir insbesondere die Eignung als klangstarkes Wohnzimmersystem
für musikalisch veranlagte Hörer herausstellen möchten.
Lediglich Anwender,
die ein Lautsprechersystem primär durch den Bassdruck bei hohen
Pegeln bewerten, sind bei Modellen mit größerer
Membranfläche womöglich besser aufgehoben. Der
Technologietransfer aus den ASW High-End Modellen beschert der Genius
Serie somit glücklicherweise nicht nur eine gute technische Basis,
sondern resultiert auch in entsprechenden Klangeigenschaften. Und wo
andere Anbieter ihre Lautsprecher zunehmend in Osteuropa oder Asien
fertigen lassen, schreinert ASW in Vreden seine eigenen
Gehäuse selbst - ohne dabei an preislicher Attraktivität zu
verlieren. Ganz im Gegenteil: der Käufer darf sich nicht nur
über eine erstklassige Verarbeitung freuen, sondern kommt sogar in
den Genuss von individuellen Oberflächenvariationen zu moderaten
Konditionen, sowie 10 Jahren Garantie. Insgesamt lautet daher unser
Schlussfazit, dass die neue ASW Genius Serie in vielerlei Hinsicht
Maßstäbe in ihrer Klasse setzt und daher mit dem
Referenzprädikat gewürdigt wird.
ASW Cantius Surroundsystem
Preisbereich: obere Mittelklasse
Grundpreis des Systems: 6.200 Euro
Test: 18.4.2011