Test: ASW Chelys High-End Standlautsprecher 


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(29.Dezember 2009 - Autor: Lars Mette )

Nachdem der deutsche Lautsprecheranbieter ASW mit seinem High-End Aushängeschild "Magadis" großen Anklang bei Musikliebhabern und Fachpresse gefunden hat, strebt Chefentwickler Willi Nienhaus nach dem nächsten Coup: das Standlautsprechermodell "Chelys" soll die Lücke zwischen Mittelklasse und dem 17.000 Euro/Paar kostendem Flaggschiff schließen und durch ähnlich gute Klangeigenschaften zu deutlich günstigeren Preisen für Furore in der Oberklasse sorgen. In nackten Zahlen ausgedrückt: der 45 kg Lautsprecher bedient sich zwei 180mm Tiefmitteltönern mit den neuesten Scanspeaktreibern, welche als D'Apolitto Anordnung um einen Mundorf Air Motion Transformer Hochtöner angeordnet sind. 300 Watt Spitzenbelastbarkeit, ein großer Wiedergabebereich von 30 - 35.000 Hertz, sowie ein günstiger Wirkungsgrad von 93,5 db (2,83 V/m) sollen das Musikhören zum Vergnügen machen. Die Chelys wechselt für einem Stückpreis von 4.500 Euro den Besitzer - besonders hochwertige Oberflächenveredelungen realisiert ASW zu verhältnismäßig günstigen Aufpreisen. Unser Test klärt, welche Qualitäten wirklich in der Chelys schlummern. 

Verarbeitung/Design:


Obwohl die Chelys mit rund 45 Kilogramm kein Leichtgewicht darstellt, so verbirgt sie ihre massive Bauweise in einem eleganten Gehäuse mit klassischen Proportionen. Mit Ausnahme der Grundplatte weist der ASW Lautsprecher von jeder Seite sanfte Rundungen auf, die dem Produkt einen gleichermaßen designorientierten sowie hochwertigen Flair verleihen. Da sich die Chelys "nur" 125 Zentimeter in die Höhe stemmt, dürfte sie von den meisten Anwender noch als wohnraumtauglich wahrgenommen werden.


Ein großer Pluspunkt bei ASW stellt die komplett firmeninterne Fertigung dar, womit dem Kunden eine fast grenzenlose Freiheit hinsichtlich der Oberflächengestaltung geboten werden kann. Neben den Standardvarianten (zu denen auch unsere kirschfarbenen Chelys gehören) sind im Prinzip sämtliche Holzfurniere realisierbar. Auch Hochglanz- oder Schleiflackoberflächen stellt für ASW kein Problem dar. Erfreulicherweise spielen sich die dafür anfälligen Aufpreise in verhältnismäßig günstigen Preisregionen ab. Ein Paar Chelys in schwarzem Klavierlack kosten gerade einmal 1.500 Euro mehr, als eines der Standard Holzfurniere. Optische Perfektionisten können sich bei ASW übrigens seit Mitte letztes Jahres sogar passende Hifi-Racks (Modellbezeichnung Ambitus, lieferbar in 2 Größen inkl. sandbefüllten Böden und Beleuchtung) anfertigen lassen - selbstverständlich ebenfalls mit derselben Vielfalt wie bei den Lautsprechern (siehe Messeaufbau von der High-End 2009 in München)



Dass ASW sein Handwerk versteht, merken Fachleute schon bei einem Blick auf die stark geschwungenen Gehäusedeckel. Die geradlinig verlaufenden Kanten glänzen mit perfekter Passgenauigkeit. Auch die Qualität der Furnierung gehört zur absoluten Oberklasse, so dass sich ein sehr harmonischer Verlauf der Maserung ergibt. Damit beide Boxen ohne Farbunterschiede zum Kunden kommen, werden die Lautsprecher paarweise hergestellt und hinsichtlich der Furniere "gematcht".


Diesselbe Genauigkeit findet sich ebenfalls bei der Einpassung der Chassis. Auch die akustisch geformte Schallwand glänzt mit makelloser Detailverarbeitung, was sich in sauber verlegten Furnieren und Übergängen widerspiegelt.


Selbst beim Blick ins Innenleben hinterlässt die Chelys eine sehr gute Figur. Nachdem wir den unteren Tiefmitteltöner herausgebaut haben, sind wir auf knapp 20mm dicke Seitenwände gestoßen. Außerdem sorgen massive Innenversteifungen, separate Kammern und sorgfältig installiertes Dämmmaterial für hervorragende akustische Bedingungen. Die Chassis werden im Gegensatz zu anderen Anbietern, nicht einfach nur mit Holzschrauben (Spax) im Gehäuse fixiert, sondern über richtige Schraubgewinde integriert. Die Servicefreundlichkeit nimmt dadurch genauso zu, wie die Langzeitfestigkeit.


Das Anschlusspanel befindet sich auf einem hochglanz-schwarz lackiertem Kunststoffelement gut zugänglich auf der Rückseite des Lautsprechers. Die Bi-Wiring Terminals sitzen weit genug auseinander, um eine komfortable Verkabelung vornehmen zu können. Als Brücken kommen hochwertige Atlas-Kabel mit vergoldeten Anschlussklemmen zum Einsatz, die dem edlen Habitus der leichtgängigen WBT Schraubterminals gerecht werden.

Fazit: Die Chelys präsentieren sich hinsichtlich ihrer Verarbeitung als typische ASW-Lautsprecher: hochwertig und detailverliebt hergestellt und obendrein auch noch individuell mit verschiedenen Oberflächenausführungen lieferbar. Dazu kommt noch ein ansprechendes Design mit einer attraktiven Formensprache, welche die wahre Größe der Chelys dezent kaschiert. Funktionell denkende Familienoberhäupter könnten hingegen Schutzgitter vermissen. Ansonsten ist die Chelys als "State-of-the-Art" zu bezeichnen und kann anderen Herstellern als Vorbild dienen. 

technischer Aufbau:


Die Chelys basiert auf einem 2 Wege Aufbau mit symmetrischer Chassisanordnung. Jedes der drei Chassis verfügt über eine eigene Kammer, wobei die beiden Tiefmitteltöner über jeweils eine Bassreflexöffnung ventiliert werden. Um gegenseitige Beeinflussungen auszuschließen, darf sich auch die Frequenzweiche über eine eigene, abgeschottetete Behausung inmitten des Schallwandlers erfreuen. Die Mulden und Verformungen in der Frontschallwand sind auf optimale Rundstrahleigenschaften abgestimmt und sollen eine exakte Tiefenstaffelung gewährleisten. Während ASW großen Wert auf eine eigene Gehäuseproduktion legt, werden die Chassis als Zukaufprodukt bezogen. Für die Chelys greift Chefentwickler Willi Nienhaus unverhohlen auf einige der edelsten Zutaten zurück, die der HiFi-Markt derzeit zu bieten hat: die Tiefmitteltöner kommen vom dänischen Edel-Chassislieferanten Scanspeak; beim Hochtöner lässt sich ASW die exklusiven Air Motion Transformer von der Kölner High-End Schmiede Mundorf liefern.



Der Air Motion Transformer (kurz: AMT) ist eine gleichermaßen teure wie hochwertige Hochtönerbestückung. Im Gegensatz zu einem Bändchenhochtöner liegt die Membran nicht als eine gesamte plane Oberfläche vor, sondern weist eine ziehharmonika-ähnliche Faltung auf. Der Antrieb erfolgt über Wechselstromimpulse innerhalb eines Dauermagnetfeldes. Durch die mäanderförmige Anordnung der Leiterbahnen wird dadurch Luft zwischen den Falten herausgedrückt, was zur Tonwiedergabe führt. Der Vorteil dieser Technologie liegt in einem extrem schnellen Impulsverhalten, da nur eine sehr geringe Masse bewegt werden muss. Außerdem zeichnen sich Air Motion Transformer durch einen hohen Wirkungsgrad aus. Durch die verhältnismäßig große Oberfläche des Hochtöners ergibt sich auch eine starke Schallbündelung. Air Motion Transformer sind hierzulande besonders in den höherwertigeren Modellen von ELAC bekannt, werden aber auch von einigen anderen Chassis- und Lautsprecherherstellern eingesetzt. ASW vertraut bei der Chelys auf eine Komponente von Mundorf, einem spezialisiertem deutschem High-End Anbieter mit eigener Entwicklung und Fertigung. Der Kölner Hersteller gibt im Datenblatt eine maximale obere Frequenz von 35 Kilohertz an und attestiert diesem Modell überlegene Messwerte in Bezug auf Frequenzgang und den Sprungantwortzeiten.



Im darunterliegenden Frequenzbereich kommt die neueste Evolutionsstufe von Scanspeak's Illuminator Chassis-Range zum Einsatz. Die 7 Zoll messenden Treiber basieren auf einer klassischen Papiermembran, welche mit ausgetüftelten Versteifungen gegen Partitialschwingungen und Eigenresonanzen gewappnet sind. Laut Hersteller zeichnet sich das Chassis durch eine außerordentlich hohe Verzerrungsarmut aus, die selbst nahe der Maximalauslenkung noch aufrechterhalten wird. Einen großen Anteil geht dafür auf das Konto des Antriebes, wo ein exakt dimensionierter Neodymium Magnet mit gleichbleibend hohem Drehmoment für stringente Kontrolle sorgt. Außerdem achtete man bei diesem Chassis im großen Maße auf einen besonders strömungsgünstigen Korb. Zusammen mit einem luftwiderstandsoptimiertem Antrieb sorgen drei hochfeste und zugleich schlanke Halterungen für eine ungehinderte Luftzirkulation, um Komprimierungseffekte und Resonanzen zu vermeiden.



Ohne guten Dirigenten würden die beiden High-End Chassis ungefähr genauso in der Luft hängen, wie ein Mittelstürmer ohne exakte Flanken: erst die Abstimmung der Frequenzweiche entscheidet über die Gesamtklangqualität. ASW setzt traditionell auf puristisch aufgebaute Schaltungen, damit möglichst wenig Bauteile zwischen dem Eingangssignal und den Chassis liegen. Hoch- und Tiefmitteltöner werden mit einer 6db Weiche bei 3600 Hertz voneinander getrennt. Die beiden Tiefmitteltöner laufen laut Datenblatt bis 30 Hertz (-3db) herunter, wo dann ein Hochpassfilter mit 18db Flankensteilheit vor extremen Auslenkungen schützt. ASW gibt für die Chelys eine maximale Musikbelastbarkeit von 300 Watt an. Ein unbestreitbarer Vorteil der gewählten Frequenzweichentechnologie liegt im günstigen Wirkungsgrad von 93,5db (2,83V/1 Meter), so dass die Chelys kein "Endstufenkraftwerk" benötigt, um souverän angetrieben zu werden. Selbst eine Kombination mit Röhrenverstärkern ist bei diesem Lautsprecher möglich.

Die wichtigsten technischen Daten in der Übersicht:

Modell / Preis ASW Chelys , Stückpreis ab 4.500 Euro
Bauart symmetrisch aufgebauter 2-Wege Lautsprecher mit Bassreflexunterstützung
Chassisbestückung 2x Scanspeak 7´´ TMT Modell 18WU/8741T
1x Mundorf Air Motion Transformer
Frequenzgang 30 - 35.000 Hertz (+-3db)
Wirkungsgrad 93,5 db bei 2,83V/1 Meter
Impedanz 4 Ohm
Leistungsaufnahme
200 Watt Sinus, 300 Watt Musik
Abmessungen 125 x 29 x 40cm (H,B,T)
Gewicht 45 Kilogramm
Testumgebung:

Gut, besser, Audionet: wenn es um Tests von hochwertigen Lautsprechern geht, vertrauen wir ausschließlich auf unsere Vor-/Endstufenkombination aus dem Ruhrpott. Was die Bochumer Edelschmiede hier auf die Beine gestellt hat, sollte fast schon mit einem Nobelpreis belohnt werden, da uns derart perfektionistische Audiokomponenten bislang noch nicht untergekommen sind. In jeder Klangdisziplin verkörpern PreG2 und Max das Maß der Dinge in Bezug auf eine authentische, ehrliche und detailreiche Umsetzung der musikalischen Kunst. Deswegen können wir sicher sein, dass die ASW Lautsprecher zur absoluten Höchstform auflaufen und keinerlei Beeinträchtigungen durch die Elektronik vorliegen. 


Ebenfalls sensationell gut: CD-Transport Drive II mit Röhrenwandler TubeDacII von Accustic Arts. Diese Kombi dürfte klanglich kaum noch zu übertreffen sein und füttert die Chelys bis zum Anschlag mit Klanginformationen. Accustic Arts versieht seine Geräte erfreulicherweise nicht mit gesoundeten Klangeigenschaften, sondern entwickelte beide Komponenten auf maximale Klangreinheit und Informationsdichte. 


Speziell bei Lautsprechern der hier vorliegenden Güteklasse können wir gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, sich der Raumakustik intensiv zu widmen. Deswegen haben wir unser Baden-Württemberg Referenzstudio umfangreich akustisch optimieren lassen. Schließlich wäre es ja absolute Verschwendung, die klanglichen Tugenden der Testgeräte nicht weitesgehend auszuschöpfen, weil Echos und Reflexionen den Klang trüben. Aufgrund der Komplexität dieser Thematik, möchten wir Interessenten für eine Chelys an dieser Stelle anraten, nicht am falschen Ende zu sparen. Lassen Sie sich am besten einen Raumakustiker zu Ihnen nach Hause kommen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die akustischen Maßnahmen auch maßgeschneidert passen und zum vollendeten Hörgenuss beitragen.

Unsere hauptsächlich eingesetzte Hardware in der Übersicht:

Elektronik Audionet PreG2+Max ( ca. 10.000 / 13.500 €)
Quellgeräte Accustic Arts Tube Dac II + Drive II (ca. 14.000 e)
Peripherie Sim2 C3X1080 mit Cinemike Tuning (ca. 30.000 €)
Image iMasque vollmaskierbar, akustisch transp. (ca. 18.500 €)

AREADVD Baden-Württemberg arbeitet hauptsächlich mit Kabeln von: Mogami (Lautsprecher), 
German High-End (NF), Silent-Wire (HDMI), Supra (Subwoofer-XLR) und Audionet (Netzkabel).

Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch optimiert.

Höreindrücke:

Im Hörtest sorgten die beiden Chelys von Anfang an für strahlende Gesichter. Der grundlegende Charakter wird von dezenten Pointierungen im Hochton- sowie Kickbassbereich geprägt, welche in eine gesamtharmonische Abstimmung gekonnt integriert sind. Die minimalen Betonungen sind keineswegs brutalisierend integriert, sondern unterstreichen lediglich gekonnt die jeweiligen Facetten der Musik. In Relation zum Gesamtmarkt ist die Chelys daher zweifelsfrei den harmonisch ausbalancierten Schallwandlern mit natürlichem Esprit hinzuzuzählen, was vor auch ein Ergebnis der nahtlosen Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen liegt. Obwohl sich das Datenblatt einen Tiefgang von 30 Hertz schmückt, werden die Chelys nicht als unübertroffene Tiefstbassartisten in die AREADVD Testhistorie eingehen. Sicherlich entlocken tiefe Orgeltöne ein bemerkenswertes Fundament aus den beiden 7 Zoll Tiefmitteltönern, doch im Vergleich mit anderen Standlautsprechern merkt man den ASW-Lautsprechern unterhalb 50 Hertz eine leichte Abnahme der Substanz und Nachhaltigkeit an. In Relation zur Membranfläche erreicht sie selbstverständlich dennoch beachtliche Ergebnisse, nur darf man eben nicht auf Basis der Herstellerangaben auf Tiefbassorgien im Stil von deutlich größeren Modellen schließen. Das hat die Chelys auch gar nicht nötig, um zu begeistern. Sie will kein Lautsprecher sein, der durch tiefes Herumdröhnen oder aufdickende Bässe die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Stattdessen bietet dieser Lautsprecher eine wahrlich fulminante Präzision, mit der sie die meisten Kontrahenten sogar deutlich überflügelt. Wenn Beats auf dem musikalischen Speiseplan stehen, zeigt die Chelys ein Antrittsvermögen, der jedem Formel-1 Wagen zur Erhre genügen würde. Die Bässe werden mit bestechender Kontrolle in die Außenwelt abgegeben, zumal die Durchzeichnungsgeschwindigkeit und Differenzierung neuen Maßstäbe in dieser Klasse setzen. Selbst die diesbezüglich vielgepriesene Nubert nuVero14 muss sich knapp der Chelys beugen, wenn schnelle Basedrums oder synthetische Beats auf die Membranen gezaubert werden müssen. Als zusätzliches Schmankerl kombiniert Willi Nienhaus in der Chelys jene hochpräzise Spielweise mit der anfangs erwähnten dezenten Betonung im Kickbassbereich, was bei Stücken mit entsprechenden Arrangements derart viel Spaß machte, dass wir sie teilweise sogar unserer absoluten Referenz (der fast vier Mal teureren Isophon Arabba, Testaufbau siehe Bild) vorgezogen haben. Das einzige, was der Hatz nach tieffrequentem Genuss irgendwann ein jähes Ende bereitet, ist der Lautstärkeregler. Bei unseren Testsessions mit Industrial-Musik kommen die Tiefmitteltöner der Chelys bei heftigen Bassgewittern und höheren Pegeln (105db am Hörplatz) "schon" teilweise an ihre Grenzen und fahren in die Kompression. Angesichts der Membranfläche sicherlich ein absolut respektables Ergebnis, zumal nur wenig Anwender überhaupt solche Pegel "fahren" dürften. Für Klangliebhaber, die ihre Musik gerne in Konzertlautstärke und großen Hörraumen genießen möchten, sind andere Schallwandler jedoch besser geeignet, wobei ASW für solche Anforderungen ja schließlich das Topmodell "Magadis" im Programm hat. Ganz im Stil von hochklassigen Lautsprechern bleibt die Chelys bis zur Belastbarkeitsgrenze sehr neutral, feinzeichnend und hochdynamisch. Auch der Hochtonbereich wahrt seine extrem durchzeichnende und stets angenehm luftige Spielweise, mit der die Chelys gesegnet ist. Ähnlich wie die Scanspeak Chassis im Bassbereich, zeichnen sich auch die beiden Air Motion Transformer durch eine rasend schnelle Modellierungsgeschwindigkeit aus und bewirken eine exzellente Hochtonwiedergabe. Den Chelys gelingt es auf diese Weise, überhalb 3.500 Hertz eine exzellente Klangtransparenz mit immenser Auflösung zu realieren, was bestens mit dem Mitteltonbereich harmoniert, wo diesselben Tugenden für Begeisterung sorgen. Ingesamt stellt sich ein Niveau hinsichtlich der Klangtransparenz ein, welches extram nah an manche(deutlich teueren) keramikmembranbestückten Lautsprechern heranreicht. Selbst die Leichtig- und Luftigkeit erinnert frappierend an die Vertreter des absoluten Klanggipfels, wobei für die Chelys keine fünfstelligen Stückpreise entrichtet werden müssen. Der feinzeichnende Mittenbereich ist gleichermaßen in der Lage, phonetische Charakteristiken mit großem Differenzierungsvermögen zu erfassen, so dass die raue Stimme von Johnny Cash und die sensiblen Laute von Norah Jones hinsichlich Tonhöhe, Sprachvolumen und vokaler Akzentuierung deutlich weiter auseinanderliegen, als dies für gewöhnlich in der 4.500 Euro Klasse der Fall ist. Aus diesem Aspekt heraus, werden glückliche Chelys Besitzer in ihrer Musiksammlung sicherlich auf viele neue Entdeckungen bzw. Klangdetails stoßen. Für diesen Effekt ist zum Großteil auch die famose Feindynamik verantwortlich. Die Chelys gehört zu den wenigen Schallwandlern (speziell in ihrer Preisklasse), die mehrere dynamische Ebenen wirklich überzeugend voneinander getrennt wiedergeben können. Selbst das zeitgleiche Umsetzen von fortissimo Staccatos mit Instrumenten in mezzopiano lösen die ASW Klangspender mit traumwandlerische Souveränität. Lediglich die minimal gebremste Grobdynamik bei extremen Einsätzen und hohen Pegeln holt den Rezipienten wieder zurück auf den Boden der Tatsachen und lässt erkennen, dass die Chelys nunmal doch kein Lautsprecher mit drei 20er Bässen ist. Hinsichtlich der Raumabbildung haben es die Chelys leichter, ihre (verhältnismäßig) kompakte Bauweise zu kaschieren und bieten ein weitläufiges Stereopanorama mit erstklassiger Lokalisiationsschärfe sowie Bühnenstaffelung. Durch die Abstrahlcharakteristik der Air Motion Transformer besitzen die Chelys einen klar definierten Sweetspot, in dem man in den Genuss einer exakten Raumausleuchtung kommt. Andere Lautsprecher (speziell von Dali) sind für größere Hörbereiche konzipiert, erreichen aber widerrum nicht die Genauigkeit hinsichtlich der Bühnenstruktur und Ortungsgenauigkeit. Dadurch eignet sich die Chelys etwas weniger als hochwertiger Schallwandler für Hintergrundbeschallungen, sondern sollte zum bewussten Musikhören (bzw. -genießen) benutzt werden, wo man es sich auf idealer Sitzposition gemütlich macht und die Gehörsinne verwöhnen lässt. 

Vergleich mit den Preisklassenreferenzen

Im Preisbereich von rund 4.500 Euro / Stück stösst die Chelys auf bekannte sowie renommierte Mitbewerber. Allen voran die EuropaII von Isophon und Quadral's Vulkan VII gelten in der Branche als feste Größen. Diese Vergleiche braucht die Chelys jedoch keineswegs zu scheuen, da sie klanglich etwas andere Schwerpunkte setzt. Die Quadral Box definiert sich vor allem durch ihre anschiebende Spielweise im Tiefbassbereich zwischen 30 und 100 Hertz, womit sie bei vielen Musikstücken für ein beeindruckendes Fundament sorgt. Was hier an Tiefgang und Druck in die Welt entlassen wird, liegt eine ganze Klasse oberhalb der Chelys. Die ASW Lautsprecher begeistern im Direktvergleich hingegen mit einer überlegenen Differenzierung sowie Präzision. Im mittleren Frequenzbereich agiert die Chelys außerdem etwas sauberer und setzt das Klanggeschehen transparenter um. Eine ähnliche Beobachtung konnten wir auch in der obersten Frequenzetage machen, wobei die geringere Brillianz und Strahlkraft der Vulkan VII mit einer insgesamt wesentlich sanfteren Abstimmung zur Quadral Klangphilosophie gehört und bei manchen Hörytpen auf ungebrochene Zustimmung stößt. Hier entwickelt die wieselflink detaillierende Chelys deutlich mehr Offensivgeist. Diese Eigenschaft adelt den ASW Lautsprecher einerseits zur besseren Wahl für Anwender, die möglichst tief in die Musik eintauchen möchten, zwingt den Hörer aber auch etwas mehr zum konzentrierten Musikgenuss, während die Vulkan VII auch vorzüglich als unaufdringliche Hintergrundbeschallung funktioniert. Weitere Diversifikationpunkte finden sich in den wesentlich (!) genügsameren Anforderungen an die Endstufen bei dem ASW Produkt, wobei die Vulkan VII die höhere Pegelfestigkeit mitbringt. Hinsichtlich der gebotenen Dynamik trennen sich beide Schallwandler mit einem Unentschieden auf hohem Niveau, bei der die Vulkan VII als Meister(in) der Grobdynamik vom Platz geht, während die Chelys ihre Akzente in einer überlegenen Abstufung feiner Schwankungen setzt.

Die Isophon Europa II liegt klanglich zwischen der Vulkan VII und der Chelys. Auch sie gehört zu den Lautsprechern mit einem intensiven Bassfundament, wo hinsichtlich Tiefgang und Klangvolumen keine Wünsche offenbleiben. Die Modellierungsgenauigkeit der EuropaII liegt überhalb dem Quadral Lautsprecher, kommt aber nicht ganz an die (unterhalb 100 Hertz) schlanker aufspielendere Chelys heran. Der größte Vorteil von ASW's 4.500 Euro Offerte liegt in diesem Vergleich jedoch in der flüssigen Einbindung des Kickbassbereiches, wo die bandpassbestückte EuropaII nicht in der Lage ist, die trockene und zugleich nachdrückliche Spielweise der Chelys zu realisieren. In Bezug auf die Mittenwiedergabe liegen beide Kontrahenten verhältnismäßig dicht zusammen, was angesichts der völlig unterschiedlichen Konzepte etwas verwunderlich ist. Die Isophon spielt vollmundiger und substanzvoller, wobei die Chelys noch ein wenig mehr tiefer in die Musik hineinleuchtet und in den hinteren Klangebenen minimal mehr Details umsetzt. Mit komplex aufgebauter Musik offenbart der ASW Schallwandler außerdem eine flüssigere und rathmischere Spielweise, wo die EuropaII mit ihrem Multichassiskonzept an ihre Grenzen stösst. Dafür bietet der Isophon Schallwander bei vergleichbarer Ortungsgenauigkeit eine weitläufigere Bühnenabbildung und besitzt einen größeren Sweetspot. Hinsichtlich der Feindynamik schenken sich beide Lautsprecher nichts, wobei die EuropaII in Bezug auf Grobdynamik und Pegelfestigkeit mehr Reserven aufbietet. Die Standardversion der EuropaII kommt mit einem Textilhochtöner, der hinsichtlich Modellierungsgeschwindigkeit und Strahlkraft erstaunlich gut mit dem Air Motion Transformer der Chelys mithalten kann, dann aber letztendlich doch den Kürzeren zieht. Mit einem Upgrade auf Keramik- oder gar Diamathochtöner würde sich das Blatt vermutlich wenden, doch dann läge die EuropaII preislich sowieso signifikant über der Chelys. Die EuropaII tendiert mit ihrer offenen, luftigen Hochtonspielweise jedoch grundsätzlich eher in Richtung der ASW Abstimmung, als die besonders seidig agierendeVulkan VII. 

Kombinationsempfehlung


NAD C375BEE und C565BEE: schnell, präzise und günstig

Aus diesem kleinen Referenzvergleich lassen sich auch Rückschlüsse in Bezug auf harmonierende Elektronikkomponenten schließen. Besonders wichtig bei der Auswahl von Verstärker und Quellgeräten sollte unbedingt die gebotene Geschwindigkeit sein. Komponenten mit glanzvollem Hochtonbereich oder einer guten Räumlichkeit mögen zwar schön und nett sein, doch wenn die Detaillierungsgeschwindigkeit "nur" auf Mittelklasseniveau spielt, würde man mit der Chelys viel Potential verschenken. Glücklicherweise findet sich solche Elektronik nicht nur in hohen Preisklassen, sondern in Form der NAD Kombi aus C375BEE und C565BEE (zusammen knapp über 2.000 €) auch schon in bürgerlicheren Regionen. Ein weiterer Vorteil der NAD-Kombi stellt die präzise Bassdarstellung und der klar ausgeleuchtete Hochtonbereich dar. Beide Attribute weiß die Chelys attraktiv umzusetzen. Elektronik mit leichtem Hang zum Weich- bzw. Schönzeichnen (z.B. Marantz PM15 Kombi) sollte man hingegen eher beim Kauf einer Vulkan VII, Swans M6 oder Wharfedale Opus² M1 in Betracht ziehen, um den warmen Klangcharakter zu unterstreichen. Wer nach absoluter Klangvollendung strebt, wird sich über die hohe Skalierbarkeit der Chelys freuen, womit die kleinen Klangfeinheiten von High-End Hardware gekonnt umgesetzt werden können. Durch den guten Wirkungsgrad und der guten (jedoch nicht bahnbrechenden) Pegelfestigkeit, muss man nicht unbedingt leistungsstrotzende Monoblöcke in das Hifi-Rack hieven: im Zweifelsfall lieber etwas mehr in eine herausragende Vorstufe oder Quellgerät investieren. Sicherlich stellt unsere Audionet Zusammenstellung von PreG2 und den Max Monos das klangliche Optimum dar, doch wir uns sehr sicher, dass die Chelys auch "schon" mit einem Pre1G3 und dem Amp1V2 extrem überzeugend aufspielen dürfte.

Fazit:

Mit der Chelys bietet die Lautsprechermanufaktur ein Produkt mit hohem Ansteckungs- bzw. Suchtpotential an: die reizvolle Klangabstimmung mit seinem brilliantem Hochtonbereich und trocken-präziser Basswiedergabe bewirkt in Kombination mit der pfeilschnellen Spielweise ein außergewöhnliches Hörerlebnis. Dass die Chelys keine neuen Bestmarken in Bezug auf die Grobdynamik oder Pegelfestigkeit erklimmt, verzeiht man ihre dabei gerne. Der tief ausleuchtende Klangcharakter mit detailorientierter und feinsinniger Akustik spricht vor allem Musikliebhaber an, die sich den musischen Künsten konzentriert hingeben wollen. Aufgrund der makellosen Verarbeitungsqualiät und ansprechenden Optik besitzt die Chelys zudem auch noch optische Qualitäten, zumal sich die hochwertige Konstruktion auch in technischer Hinsicht niederschlägt. All diese Aspekte haben dazu geführt, dass sich die Chelys mit einem "überragendem" AREADVD Testprädikat in der High-End Klasse schmücken darf. Eine Hörprobe dieser Ausnahmeschallwandler lohnt sich auf jeden Fall, wobei wir uns jetzt auch schon auf die augekündigten Surrounderweiterungen zu diesem Lautsprecher freuen.

Mit der Chelys bietet ASW ein detailorientiertes 
Präzisionsinstrument  mit Spaßgarantie für Musikgenießer an.


ASW Chelys
Stückpreis ab 4.500 Euro
Standlautsprecher High-End Klasse
Test: 29.Dezember 2009

+ sehr präzise Bassdarstellung
+ hervorragende Feindynamik
+ exzellente Auflösung im kompletten Frequenzbereich
+ hohe Klangtransparenz
+ makellose Verarbeitung
+ geringer Bedarf an Endstufenpower

- Grobdynamik und Pegelfestigkeit nicht auf allerhöchstem Niveau
- keine mitgeliefertem Schutzgitter

Website des Anbieters. www.asw-lautsprecher.de


Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:


Text: Lars Mette

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