Special: Nvidia 3D Vision - Technik und Praxis


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(23. August 2010 - Autor: Lars Mette )

"2D Blu-Ray war gestern, die DVD ist schon lange tot - und wer auf dem aktuellen Stand der Technik sein will, braucht eine 3D-fähige Anlage um entsprechenden Content genießen zu können."  Dies scheint wohl der Leitspruch der führenden Köpfe im Heimunterhaltungssektor zu sein. Kaum ein moderner Flachbildfernseher (sowie Blu-Ray Player) versucht nicht, durch besser implementierte 3D-Features das High-Tech Zepter für sich zu beanspruchen. 

Obwohl dabei schnell der Eindruck einer gänzlich neuen Ära vermittelt wird, wurde das Prinzip der "richtigen" 3D Darstellung mit Shutter-Brillen schon Mitte 2009 im Massenmarkt eingeführt: die kalifornische Firma Nvidia nutzte ihr Wissen aus Grafikkarten- sowie Chipsatzentwicklung und kam mit ihrer "3D Vision" Sparte auf den Markt. Diese Technologie ist komplett an die PC-Welt geknüpft, erlaubt darüber aber vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Während man Filme bzw. Spiele für "normale" Heimunterhaltung (noch) an einer Hand abzählen kann, stehen für 3D Vision bereits mehrere hundert Applikationen zur Verfügung. 

In unserem zweiteiligen Special möchten wir Ihnen einen Überblick darüber geben, welche Vor- bzw. Nachteile Nvidia's 3D Vision mitbringt. Auch der Kostenfaktor sowie die Handhabung und Praxiserfahrungen werden in unseren Beiträgen berücksichtigt. Im ersten Teil befassen wir uns mit der zugrundeliegenden 3D Vision Technik und den Anforderungen an PC/Peripherie, während der zweite Part als Testbericht vom Acer H5360 Videoprojektor gestaltet ist. Dieser (HD-fähige) Beamer zeichnet sich durch volle 3D-Kompatibilität bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von schlanken 799 Euro aus.

Lieferumfang/Brille:

Wer sich für rund 150 Euro ein 3D Vision Kit aus dem Fachhandel bestellt, findet im Karton alles, was rund um die Brille benötigt wird. Dazu gehört (neben der Shutterbrille natürlich) eine relativ umfangreiche und leicht verständliche Dokumentation, einen Brillenetui sowie den Infrarotempfänger inklusive einem rund 2 Meter langen USB-Verbindungskabel. Die mitgelieferte Software beinhaltet nicht nur den eigentlichen Treiber, sondern auch Programme zur 3D Betrachtung von entsprechend aufgenommenen Bildern und Videos. Ergänzend zum Komplettset, kann man im Handel ebenfalls auch eine Einzelbrille für rund 110 Euro erwerben. 


Damit die Shutterbrille auf möglichst viele Köpfe passt, legt Nvidia zusätzlich noch zwei verschiedene Nasenbügel bei. Mit einem Gesamtgewicht von 50 Gramm wiegt sie damit zwar immer noch etwas mehr als die meisten "normalen" Brillen, bewegt sich aber immer noch in einem salonfähigen Rahmen. Im linken Bügel befindet sich nicht nur ein Einschaltknopf, sondern zugleich auch einen Mini-USB Eingang, über den der integrierte Akku geladen wird. Die Brille arbeitet somit komplett kabellos.

Weitere Informationen zur Ergonomie bzw. den Trageeigenschaften finden Sie in unserem Video unter der Rubrik "Praxiserfahrungen".
technische Voraussetzungen Nvidia 3D:

Um die Nvidia 3D Vision Technologie nutzen zu können, bedarf es neben dem 3D Vision Kit noch zwei wesentlichen Grundfaktoren in Bezug auf die Hardware.



3D Vision kompatibles
Bildwiedergabegerät
Die wohl größte Einschränkung stellt das Bildwiedergabegerät dar. 3D Vision benötigt ein Display mit 120Hertz Wiederholfrequenz. Normale TFT-Displays oder Beamer arbeiten jedoch nur mit 60 Hertz. Acer, Alienware, Asus, LG, Samsung und Viewsonic bieten PC TFT Bildschirme in Größen zwischen 22 und 24 Zoll an, die speziell für 3D Vision entwickelt wurden. Mitsubishi hat eine Reihe von Rückprojektions-TVs im Portfolio, die ebenfalls 120 Hertz kompatibel sind. Von Acer (siehe Bild), DepthQ, Light Speed Design, Optoma sowie Viewsonic werden entsprechende Projektoren angeboten.  Außerdem sei noch erwähnt, dass alte Röhrenbildschirme in der Regel ebenfalls mit 120 Hertz klarkommen und deswegen für 3D Vision auch ohne offizielle Nvidia Zertifizierung geeignet sind. 

3D Vision kompatible
Nvidia-Grafikkarte
Nvidia ist ja bekanntermaßen hauptsächlich in der GPU-Entwicklung/Herstellung tätig und so dürfte es niemanden überraschen, dass man das 3DVision Konzept auf die hauseigenen Grafikkarten maßgeschneidert hat. In Anbetracht der komplexen Eingriffe in den Grafiktreiber ist dieser Schritt aber auch technisch nachvollziehbar. Dabei wird zwar auch noch die 8800er GeForce Generation unterstützt, doch durch den hohen Rechenaufwand sind die neueren Modelle in der Praxis deutlich empfehlenswerter.

Eine komplette Liste der kompatiblen Displays und Grafikkarten finden sie hier.

In Bezug auf die unterstützten Betriebssysteme könnte man meinen, Bill Gates hätte seine Finger im Spiel, da der 3D Vision Treiber ausschließlich für Windows 7 sowie 3D Vista zur Verfügung steht. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die 32 oder 64 Bit Versionen eingesetzt werden. In unseren Tests liefen beide Windows 7 Varianten gleichermaßen problemlos. Mit den Grafikkartenmodellen GeForce GTX240 und GTX480/470 verspricht Nvidia für die Zukunft sogar eine Kombination aus Surroundview sowie 3D Vision. Auf diese Weise könnte man bis zu drei 3D-Bildschirme/Projektionen zusammen mit der Bildwiedergabe der Anwendung betrauen und somit eine maximale Gesamtauflösung von 5940x1080 erhalten. Wegen dem deutlich erhöhten Rechenaufwand werden hierfür mindestens 2 Grafikkarten benötigt. Und wer auch unterwegs dem Wunsch nach 3D-Gaming nachgehen will, darf sich an Notebooks wie dem Asus G15J erfreuen, wo 3D Grafikkarte und Display bereits darauf warten, mit 3D Vision loslegen zu können.

Funktionsweise:

Die Funktionsweise der 3D Vision Technologie ist im Grund einfach zu erklären und entspricht weitestgehend auch ihren Pendants aus dem Home Hifi/TV-Bereich: anstelle einer normalen Anzeige mit 60 Bildern pro Sekunde, verdoppelt 3D Vision die Wiederholfrequenz auf 120 und lässt den PC für jedes Auge ein eigenes Bild errechnen. Die Gläser der Shutterbrille sind als kleine LCD-Displays ausgeführt und können für jedes Auge getrennt "blickdicht" geschaltet werden.


Mit Hilfe dieses Infrarotsenders synchronisiert sich die Brille mit dem PC, so dass im Endeffekt dafür gesorgt wird, dass jede Auge immer nur dann für eine 1/120 Sekunde durch das Glas sehen kann, wenn das passende Frame auf dem Bildschirm angezeigt wird. Der 3D Vision Treiber sorgt in Kombination mit dem normalen Nvidia Grafiktreiber für die notwendigen Unterschiede zwischen den Bildern für das linke und rechte Auge. Durch diesen optischen Trick erkennt die menschliche Sinneswahrnehmung richtige 3D-Effekte - ähnlich, wie es auch in Natura der Fall ist, wo wir unsere Umwelt ja schließlich auch über zwei Blickwinkel (Augen) wahrnehmen und dann im Gehirn zu einem Komplettbild mit Tiefeninformation zusammensetzen. Der IR-Sender wird über USB angeschlossen und besitzt auf der Rückseite ein kleines Stellrad zur Feinanpassung der Tiefenwirkung. 

An mangelnder Unterstützung an Content wird 3D Vision definitiv nicht scheitern: aufgrund der Flexibilität der PC-Welt eignet sich die Nvidia-Lösung für fast jede denkbare Form der 3D-Anwendung. Entsprechend aufgenommen Fotos können genauso in 3D betrachtet werden, wie 3D Videos (z.B. Filmtrailer) sowie 3D Online-Streaming Inhalte. Für diese 3 Anwendungsbereiche liefert Nvidia die Player-Software sogar gleich mit (inklusive Beispielmaterial). In Kombination mit einem Blu-Ray Laufwerk und einer 3D-fähigem Abspielsoftware (z.B. Cyberlink Power DVD 10 Ultra II) ist auch die Wiedergabe von 3D Blu-Rays kein Problem. Und auch in Unterstützung für Games mangelt es nicht: die 3D Vision Software verfügt über ca. 400 Profile. Sobald ein 3D Vision - kompatibles Spiel aktiv ist, genügt ein Tastendruck und schon sorgt der Grafiktreiber für die stereoskopische 3D Berechnung. Weder der Anwender, noch Nvidia sind somit auf Patches bzw. Entwickler der Herstellerfirmen angewiesen. Die rund 400 Spiele werden von Nvidia in verschiedene Qualitätsklassen eingestuft und können hier eingesehen werden. 

Praxiseindrücke:

Teil 1 - Brille / Technik




Zum Abschluss noch kurz ein offenes Wort in eigener Sache: diese Form der Berichterstattung ist für uns komplett neu. Sinn der Sache ist es, Sie noch besser an das Gerät sowie unsere Erfahrungen heranzuführen. Wir bitten um Nachsicht für diverse Versprecher und würden uns über Feedback freuen. Haben Sie Interesse daran, in Zukunft vermehrt Video-Reviews von uns zu konsumieren, oder bevorzugen Sie die klassische Variante mit textbezogener Berichterstattung ? Zum Meinungsaustausch steht Ihnen der Feedback-Bereich unseres Forums jederzeit zur Verfügung, alternativ können Sie natürlich auch gerne eine eMail direkt an mich (LM@AREADVD.DE) schreiben.

Vielen Dank !

Fazit:

Dass die moderne 3D-Technologie ein großes Potential besitzt und hervorragend funktioniert, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Die entscheidenden Punkte liegen daher in den Details, wie der Ergonomie, dem Content sowie natürlich den preislichen Faktoren. NVidia hat diesbezüglich mit seiner 3D Vision Technologie vieles richtig - und nur wenig falsch gemacht. Zunächst die Nachteile: 3D Vision ist ausschließlich an den PC gekoppelt und stellt daher keine vollwertige Alternative zu 3D-Flachbildschirmen dar. Zwar kann man mit Hilfe von PowerDVD 10 Ultra und einem Blu-Ray Laufwerk auch 3D Blu-Rays abspielen (Special hierzu ist in Planung), doch durch die Einschränkung auf wenige PC-Anzeigegeräte und den typischen Integrationsproblemen (Stichwort: Fernbedienung, Lüfter, Platzbedarf, Design etc.) ist die Nvidia-Lösung eher nicht fürs Wohnzimmer prädestiniert, sondern adressiert vornehmlich PC-Anwender mit High-Tech Ambitionen. Diese Zielgruppe dürfte sich auch weder an dem relativ hohem Konfigurationsaufwand, oder den Hardware-Anforderungen in Bezug auf die PC-Geschwindigkeit stören, sondern höchstens an der Spieleunterstützung leise Kritik üben. Es ist zwar schön, dass der Nvidia-Treiber über 400 (!) Spielen per Knopfdruck dreidimensionales Leben einhaucht, doch die Gewichtung zwischen alt und neu liegt dabei eher zu Ungunsten der aktuellen Titel. Trotzdem bleibt der Content einer DER Trümphe von NVidia, da man diesbezüglich schlichtweg einen gigantischen Vorsprung gegenüber allen anderen Plattformen aufweist - zumal für die 3D-Upgrades all dieser Spiele keinen einzigen Cent zu entrichten sind, während Sony für eine Compilation von vier abgespeckten HD-Games auf der PS3 satte 29,99 Euro verlangt. Das bringt uns zum nächsten Punkt, den Kosten. Sicherlich kann man die Notwendigkeit eines leistungsstarken PCs mit Nvidia-Grafikkarte kontrovers diskutieren, aber insgesamt betrachten wir die Nvidia-Lösung als verhältnismäßig kostengünstig. Mit Straßenpreisen von 150 Euro für ein 3D-Vision Kit und bezahlbaren Anzeigegeräten (z.B. der Acer H5360 3D Projektor für 799 €), gibt es in der PC-Welt aktuell mehr 3D pro Euro, als auf irgendeiner anderen Plattform. Erfreulicherweise muss man dafür nicht einmal qualitative Einbußen in Kauf nehmen und darf sich an einer erstklassigen Tiefenwirkung erfreuen. Sicherlich schwankt sowohl die 3D-Intensität als auch Grafikqualität von Spiel zu Spiel, aber unterm Strich bezeichnen wir 3D-Vision als weitesgehend ausgereift und zuverlässig. Daher gibt es von unserer Seite (trotz der vorhandenen Nachteile) eine dicke Empfehlung für pc-affine Bildgourmets.  

Website des Anbieters. www.nvidia.de

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Text: Lars Mette