"2D Blu-Ray war
gestern, die DVD ist schon lange tot - und wer auf dem
aktuellen Stand der Technik sein will, braucht eine 3D-fähige
Anlage um entsprechenden Content genießen zu können."
Dies scheint wohl der Leitspruch der führenden
Köpfe im
Heimunterhaltungssektor zu sein. Kaum ein moderner Flachbildfernseher
(sowie Blu-Ray Player) versucht nicht, durch besser
implementierte
3D-Features das High-Tech Zepter für sich zu
beanspruchen.
Obwohl
dabei schnell der Eindruck einer gänzlich neuen Ära vermittelt
wird, wurde das Prinzip der "richtigen" 3D Darstellung mit
Shutter-Brillen schon Mitte 2009 im Massenmarkt eingeführt:
die
kalifornische Firma Nvidia nutzte ihr Wissen aus Grafikkarten- sowie
Chipsatzentwicklung und kam mit ihrer "3D Vision" Sparte auf den Markt.
Diese Technologie ist komplett an die PC-Welt geknüpft,
erlaubt
darüber aber vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten.
Während man Filme bzw. Spiele für "normale"
Heimunterhaltung
(noch) an einer Hand abzählen kann, stehen für 3D
Vision
bereits mehrere hundert Applikationen zur Verfügung.
In unserem zweiteiligen Special möchten wir Ihnen
einen
Überblick darüber geben, welche Vor- bzw. Nachteile
Nvidia's
3D Vision mitbringt. Auch der Kostenfaktor sowie die Handhabung und
Praxiserfahrungen werden in unseren Beiträgen
berücksichtigt. Im
ersten Teil befassen wir uns mit der zugrundeliegenden 3D Vision
Technik und den Anforderungen an PC/Peripherie, während der
zweite
Part als Testbericht vom Acer H5360
Videoprojektor gestaltet ist. Dieser (HD-fähige) Beamer
zeichnet sich durch volle
3D-Kompatibilität bei einer unverbindlichen Preisempfehlung
von
schlanken 799 Euro aus.
Lieferumfang/Brille:
Wer sich für rund 150 Euro ein 3D Vision Kit aus dem
Fachhandel
bestellt, findet im Karton alles, was rund um die Brille
benötigt
wird. Dazu gehört (neben der Shutterbrille natürlich)
eine
relativ umfangreiche und leicht verständliche Dokumentation,
einen
Brillenetui sowie den Infrarotempfänger inklusive einem rund 2
Meter langen USB-Verbindungskabel. Die mitgelieferte Software
beinhaltet nicht nur den eigentlichen Treiber, sondern auch Programme
zur 3D Betrachtung von entsprechend aufgenommenen Bildern und Videos.
Ergänzend zum Komplettset, kann man im Handel ebenfalls auch
eine
Einzelbrille für rund 110 Euro erwerben.
Damit die Shutterbrille auf
möglichst viele Köpfe passt, legt Nvidia
zusätzlich noch
zwei verschiedene Nasenbügel bei. Mit einem Gesamtgewicht von
50
Gramm wiegt sie damit zwar immer noch etwas mehr als die
meisten
"normalen" Brillen, bewegt sich aber immer noch in einem
salonfähigen Rahmen. Im linken Bügel befindet sich
nicht nur
ein Einschaltknopf, sondern zugleich auch einen Mini-USB Eingang,
über den der integrierte Akku geladen wird. Die Brille
arbeitet
somit komplett kabellos.
Weitere Informationen zur Ergonomie bzw. den Trageeigenschaften finden
Sie in unserem Video unter der Rubrik "Praxiserfahrungen".
technische Voraussetzungen Nvidia 3D:
Um die Nvidia 3D Vision Technologie nutzen zu können,
bedarf es
neben dem 3D Vision Kit noch zwei wesentlichen Grundfaktoren
in
Bezug auf die Hardware.
3D Vision kompatibles
Bildwiedergabegerät
Die wohl größte
Einschränkung stellt das
Bildwiedergabegerät dar. 3D Vision benötigt ein
Display mit
120Hertz Wiederholfrequenz. Normale TFT-Displays oder Beamer arbeiten
jedoch nur mit 60 Hertz. Acer, Alienware, Asus, LG, Samsung und
Viewsonic bieten PC TFT Bildschirme in Größen
zwischen 22
und 24 Zoll an, die speziell für 3D Vision entwickelt wurden.
Mitsubishi hat eine Reihe von Rückprojektions-TVs im
Portfolio,
die ebenfalls 120 Hertz kompatibel sind. Von Acer (siehe Bild), DepthQ,
Light Speed
Design, Optoma sowie Viewsonic werden entsprechende Projektoren
angeboten. Außerdem sei noch erwähnt, dass
alte
Röhrenbildschirme in der Regel ebenfalls mit 120 Hertz
klarkommen
und deswegen für 3D Vision auch ohne offizielle Nvidia
Zertifizierung geeignet sind.
3D Vision kompatible
Nvidia-Grafikkarte
Nvidia ist ja bekanntermaßen
hauptsächlich in der
GPU-Entwicklung/Herstellung tätig und so dürfte es
niemanden
überraschen, dass man das 3DVision Konzept auf die hauseigenen
Grafikkarten maßgeschneidert hat. In Anbetracht der komplexen
Eingriffe in den Grafiktreiber ist dieser Schritt aber auch technisch
nachvollziehbar. Dabei wird zwar auch noch die 8800er GeForce
Generation unterstützt, doch durch den hohen Rechenaufwand
sind
die neueren Modelle in der Praxis deutlich empfehlenswerter.
Eine komplette Liste der kompatiblen Displays und Grafikkarten
finden sie hier.
In Bezug auf die unterstützten Betriebssysteme
könnte man
meinen, Bill Gates hätte seine Finger im Spiel, da der 3D
Vision
Treiber ausschließlich für Windows 7 sowie 3D Vista
zur
Verfügung steht. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die 32
oder
64 Bit Versionen eingesetzt werden. In unseren Tests liefen beide
Windows 7 Varianten gleichermaßen problemlos. Mit den
Grafikkartenmodellen GeForce GTX240 und GTX480/470 verspricht Nvidia
für die Zukunft sogar eine Kombination aus Surroundview sowie
3D
Vision. Auf diese Weise könnte man bis zu drei
3D-Bildschirme/Projektionen zusammen mit der Bildwiedergabe der
Anwendung betrauen und somit eine maximale Gesamtauflösung von
5940x1080 erhalten. Wegen dem deutlich erhöhten Rechenaufwand
werden hierfür mindestens 2 Grafikkarten benötigt.
Und wer
auch unterwegs dem Wunsch nach 3D-Gaming nachgehen will, darf sich an
Notebooks wie dem Asus G15J erfreuen, wo 3D Grafikkarte und Display
bereits darauf warten, mit 3D Vision loslegen zu können.
Funktionsweise:
Die Funktionsweise der 3D Vision Technologie ist im Grund
einfach zu
erklären und entspricht weitestgehend auch ihren Pendants aus
dem
Home Hifi/TV-Bereich: anstelle einer normalen Anzeige mit 60 Bildern
pro Sekunde, verdoppelt 3D Vision die Wiederholfrequenz auf 120 und
lässt den PC für jedes Auge ein eigenes Bild
errechnen. Die
Gläser der Shutterbrille sind als kleine LCD-Displays
ausgeführt und können für jedes Auge
getrennt
"blickdicht" geschaltet werden.
Mit Hilfe dieses Infrarotsenders synchronisiert sich die Brille mit dem
PC, so dass im Endeffekt dafür gesorgt wird, dass jede Auge
immer
nur dann für eine 1/120 Sekunde durch das Glas sehen kann,
wenn
das passende Frame auf dem Bildschirm angezeigt wird. Der 3D Vision
Treiber sorgt in Kombination mit dem normalen Nvidia Grafiktreiber
für die notwendigen Unterschiede zwischen den Bildern
für das
linke und rechte Auge. Durch diesen optischen Trick erkennt die
menschliche Sinneswahrnehmung richtige 3D-Effekte - ähnlich,
wie
es auch in Natura der Fall ist, wo wir unsere Umwelt ja
schließlich auch über zwei Blickwinkel
(Augen)
wahrnehmen und dann im Gehirn zu einem Komplettbild mit
Tiefeninformation zusammensetzen. Der IR-Sender wird über USB
angeschlossen und besitzt auf der Rückseite ein kleines
Stellrad
zur Feinanpassung der Tiefenwirkung.
An mangelnder Unterstützung an Content wird 3D Vision
definitiv
nicht scheitern: aufgrund der Flexibilität der PC-Welt eignet
sich
die Nvidia-Lösung für fast jede denkbare Form der
3D-Anwendung. Entsprechend aufgenommen Fotos können genauso in
3D
betrachtet werden, wie 3D Videos (z.B. Filmtrailer) sowie 3D
Online-Streaming Inhalte. Für diese 3 Anwendungsbereiche
liefert
Nvidia die Player-Software sogar gleich mit (inklusive
Beispielmaterial). In Kombination mit einem Blu-Ray Laufwerk und einer
3D-fähigem Abspielsoftware (z.B. Cyberlink Power DVD 10 Ultra
II)
ist auch die Wiedergabe von 3D Blu-Rays kein Problem. Und auch in
Unterstützung für Games mangelt es nicht: die 3D
Vision
Software verfügt über ca. 400 Profile. Sobald ein 3D
Vision -
kompatibles Spiel aktiv ist, genügt ein Tastendruck und schon
sorgt der Grafiktreiber für die stereoskopische 3D Berechnung.
Weder der Anwender, noch Nvidia sind somit auf Patches bzw. Entwickler
der Herstellerfirmen angewiesen. Die rund 400 Spiele werden von Nvidia
in verschiedene Qualitätsklassen eingestuft und
können hier
eingesehen werden.
Praxiseindrücke:
Zum Abschluss noch kurz ein offenes Wort in eigener Sache: diese
Form der Berichterstattung ist für uns komplett neu. Sinn der
Sache ist es, Sie noch besser an das Gerät sowie unsere
Erfahrungen heranzuführen. Wir
bitten um Nachsicht für diverse
Versprecher und würden uns über Feedback freuen. Haben Sie
Interesse daran, in Zukunft vermehrt
Video-Reviews von uns zu konsumieren, oder bevorzugen Sie die
klassische
Variante mit textbezogener Berichterstattung ? Zum Meinungsaustausch
steht Ihnen der Feedback-Bereich unseres Forums jederzeit zur
Verfügung, alternativ können Sie natürlich
auch gerne eine eMail direkt an mich (LM@AREADVD.DE) schreiben.
Vielen Dank !
Fazit:
Dass die moderne 3D-Technologie ein großes Potential
besitzt
und hervorragend funktioniert, dürfte mittlerweile kein
Geheimnis
mehr sein. Die entscheidenden Punkte liegen daher in den Details, wie
der Ergonomie, dem Content sowie natürlich den preislichen
Faktoren. NVidia hat diesbezüglich mit seiner 3D Vision
Technologie vieles richtig - und nur wenig falsch gemacht.
Zunächst die Nachteile: 3D Vision ist ausschließlich
an den
PC gekoppelt und stellt daher keine vollwertige Alternative zu
3D-Flachbildschirmen dar. Zwar kann man mit Hilfe von PowerDVD 10 Ultra
und einem Blu-Ray Laufwerk auch 3D Blu-Rays abspielen (Special hierzu
ist in Planung), doch durch die Einschränkung auf wenige
PC-Anzeigegeräte und den typischen
Integrationsproblemen (Stichwort: Fernbedienung,
Lüfter,
Platzbedarf, Design etc.) ist die Nvidia-Lösung eher nicht
fürs Wohnzimmer prädestiniert, sondern adressiert
vornehmlich
PC-Anwender mit High-Tech Ambitionen. Diese Zielgruppe dürfte
sich
auch weder an dem relativ hohem Konfigurationsaufwand, oder den
Hardware-Anforderungen in Bezug auf die PC-Geschwindigkeit
stören,
sondern höchstens an der Spieleunterstützung
leise
Kritik üben. Es ist zwar schön, dass der
Nvidia-Treiber
über 400 (!) Spielen per Knopfdruck dreidimensionales Leben
einhaucht, doch die Gewichtung zwischen alt und neu liegt dabei eher zu
Ungunsten der aktuellen Titel. Trotzdem bleibt der Content einer DER
Trümphe von NVidia, da man diesbezüglich schlichtweg
einen
gigantischen Vorsprung gegenüber allen anderen Plattformen
aufweist - zumal für die 3D-Upgrades all dieser Spiele keinen
einzigen Cent zu entrichten sind, während Sony
für eine
Compilation von vier abgespeckten HD-Games auf der PS3 satte 29,99 Euro
verlangt. Das bringt uns zum nächsten Punkt, den Kosten.
Sicherlich kann man die Notwendigkeit eines leistungsstarken PCs mit
Nvidia-Grafikkarte kontrovers diskutieren, aber insgesamt betrachten
wir die Nvidia-Lösung als
verhältnismäßig
kostengünstig. Mit Straßenpreisen von 150 Euro
für ein
3D-Vision Kit und bezahlbaren Anzeigegeräten (z.B. der Acer
H5360
3D Projektor für 799 €), gibt es in der PC-Welt
aktuell mehr
3D pro Euro, als auf irgendeiner anderen Plattform. Erfreulicherweise
muss man dafür nicht einmal qualitative Einbußen in
Kauf
nehmen und darf sich an einer erstklassigen Tiefenwirkung erfreuen.
Sicherlich schwankt sowohl die 3D-Intensität als auch
Grafikqualität von Spiel zu Spiel, aber unterm Strich
bezeichnen
wir 3D-Vision als weitesgehend ausgereift und zuverlässig.
Daher
gibt es von unserer Seite (trotz der vorhandenen Nachteile) eine dicke
Empfehlung für pc-affine Bildgourmets.