Special: Entstehung des neuen AREADVD-Referenzstudios.
Teil 1: Grundplanung 


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(30.September 2009 - Autor: Lars Mette)

Teil 1: Grundplanung 
Teil 2: Komponentenzusammenstellung 
Teil 3: Bau des Studios / Umsetzung 
Teil 4: Bilder des fertigen Raumes

Dank Ihnen, werte Leser, konnte sich AREADVD in den letzten Jahren über einen starken Anstieg der Besucherzahlen freuen. Die Kombination aus knackfrischen News, aussagekräftigen Reviews sowie praxisorientierten Hardwaretests stösst auf große Beliebtheit. Demzufolge wird die Redaktion aber auch mit einer zunehmenden Anzahl von Wünschen in Bezug auf die Testauswahl konfrontiert. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir uns für einen Umzug der Niederlassung Baden-Württemberg entschlossen. 

Unsere ehemalige High-End Anlage konnte zwar mit einem bemerkenswert hohen audiovisuellen Niveau bestechen, doch über die Zeit erwies sich der geringe Platz als (wortwörtlich) einengender Faktor bei Hardwaretests. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Dachzimmer nur über eine schmale Wendeltreppe zu erreichen war und sich das Ganze inmitten eines Mehrfamilienhauses abgespielt hat, ist eine strukturell tiefgreifende Veränderung notwendig geworden. 

Nach intensiver Suche haben wir dann eine hervorragende Lösung unweit des alten Standortes gefunden. Normalerweise sind große heimkinofähige Räume selbst in neuen Häusern eher selten, so dass wir anfangs oft daran dachten, ein geeignetes Haus von Grund auf selbst bauen zu lassen. Doch wie der Zufall so will, stießen wir doch noch auf eine junge Immobilie (großes, freistehendes Haus) mit entsprechender Eignung. Früher war im Keller ein Großraumbüro mit einer Fläche von ca. 50m² beheimatet, welches fast perfekt unseren Vorstellungen des künftiges Testraumes entspricht. 

Mit dem folgenden Special möchten wir Ihnen einen Einblick in die Planung und Realisierung unseres Referenzstudios geben. Sie lernen somit nicht nur unsere Testumgebung besser kennen, sondern können vielleicht auch für Ihre eigene Anlage ein paar Ideen aufgreifen und wiederverwerten. Die Berichterstattung wird in folgende vier Teile gegliedert:

Teil 1: Grundplanung 
Teil 2: Komponentenzusammenstellung 
Teil 3: Bau des Studios / Umsetzung 
Teil 4: Bilder des fertigen Raumes

Zielsetzung:

Damit ein Referenzstudio seinen Zweck erfüllen kann, ist eine möglichst hohe Bild- und Ton-Performance selbstverständlich. Dafür bedienen wir uns bei den besten Komponenten, die wir im Lauf der Zeit kennengelernt haben, um sie zu einer außergewöhnlichen Symbiose zu verschmelzen. Als Grundlage dient unser altes Studio, von dem wir rund 80% übernehmen und sinnvoll ergänzern/erweitern. Die detaillierte Hardwarezusammenstellung betrachten wir im zweiten Teil - in diesem Part möchten wir zunächst ein paar Stichpunkte bzw. Zielsetzungen für das neue Studio sammeln.

- hervorragende Raumakustik mit trockener Abstimmung und linearen, niedrigen Nachhallzeiten
- möglichst kompromisslose 7.1 Aufstellung für ideale Filmtonwiedergabe
- gleichzeitig soll aber auch die Stereo-Performance erstklassig sein
- um möglichst tief in einen Film einsinken zu können, wird eine große Bildfläche angestrebt
- der Raum muss auch für Pegel über 100 Dezibel geeignet sein (keine klappernden Bauten oder Möbel)
- praxisgerechte Testmöglichkeiten, um den Alltag gut zu meistern
- Unterstützung einer breiten Medienpalette unter maximaler Ausschöpfung der Qualität

Bilder des Originalzustands


Der Grundriss des neuen Teststudios: etwas mehr als 50m² warten darauf, mit edler Technik bevölkert zu werden. Die Erker bzw. Ausbuchtungen sind in Bezug auf die Raummoden zu vernachlässigen.



Gute Rahmenbedingungen ergeben sich durch die Umstände, dass sich der Raum im Untergeschoss auf einer massiven Bodenplatte befindet (deutlich besser als zB. eine Hohldecke im Dachbereich). Außerdem ist der Sicherungskasten in unmittelbarer Nähe platziert, was für eine recht einstreuungsfreie Stromzufuhr spricht und das Legen von zusätzlichen Leitungen deutlich erleichtert. Praktisch für den Testbetrieb: ein großer Abstellraum befindet sich gleich daneben (hintere Tür). Mit dem dunkelblauen Teppich hatten wir großes Glück, da er optisch hervorragend geeignet ist, um Kino-Ambiente zu verströmen. Ein Austausch des Fußbodens ist somit nicht notwendig.



Beim Blick in den hinteren Bereich kommt die Raumgröße schön zur Geltung. Vor dem Studio befindet sich noch ein kleines Vorzimmer mit eigenem Hauseingang, was für die Anlieferung von Vorteil ist. Diesen Raum werden wir für die Medien- und Kabelaufbewahrung nutzen, außerdem wird hier Platz für Testgeräte entstehen um Blindtests bei Elektronikvergleichen zu ermöglichen. In Bezug auf die Stromkreise herrscht im neuen Redaktionsgebäude ebenfalls schon ein erfreuliches Niveau: das Vorzimmer ist auf einer eigenen Sicherung und der Testraum verfügt standardmäßig schon über 3 getrennte Linien (Kabelkanal, Licht+Wandsteckdosen, Jalousiesteuerung).
Grundplanung Raumakustik und LS-Aufstellung:


Bei Betrachtung des Grundrisses wird dem Kenner sicherlich schon auf dem ersten Blick klar sein, dass der Raum unbedingt der Länge nach genutzt werden sollte. Hiermit kann man den Raum am besten ausschöpfen. Der limitierende Faktor stellt die Raumbreite dar, die im vorderen Bereich bei 5,80 Meter liegt. Wir haben uns daher dazu entschlossen, die seitlichen Rearspeaker noch in diesem Gebiet zu positionieren, aber soweit wie möglich nach hinten zu platzieren. Die Leinwand könnte nun rein theoretisch links oder rechts im Raum aufgestellt werden, wobei die Installation vor dem Erker mit Abstand am meisten Sinn macht, weil hier eine größere Breite möglich ist und man den dahinterliegenden Bereich sehr gut nutzen kann. Außerdem stehen dann auch die Stereo-Lautsprecher hervorragend und besitzen einen großzügigen seitlichen Wandabstand. Die Backsurrounds können wir sogar perfekt auf der 45 Grad Achse inmitten des Radius platzieren, den DTS für eine 7.1 Aufstellung vorsieht. Lediglich bei den Frontspeakern streben wir absichtlich eine minimal größere Distanz an, damit eine breitere Leinwand dazwischen Platz hat.

Das Hifi-Rack haben wir im Bereich des seitlichen Erkers eingeplant. Auf diese Weise steht es nicht zwischen Sitzplatz und Frontboxen, so dass man beim Stereo-Hören keine Beeinflussung durch unterschiedliche Schallreflektionen zwischen linker und rechter Seite zu befürchten braucht. Außerdem stören beim Filmgenuss auch keine LEDs oder sonstige Betriebsanzeigen. Und durch die Lösung mit dem Erker gestaltet sich auch die Verkabelung deutlich einfacher als bei wandnaher Aufstellung. In Bezug auf die Kabelstrecken ergeben sich recht kurze Wege zu den Rearspeaker sowie Projektor, allerdings benötigen wir für die Frontlautsprecher sowie Subwoofer bis zu 12 Meter. Dies werden wir in Form von entsprechenden Produkten Rechnung tragen. Mehr dazu auf der nächsten Seite.


Bei der raumakustischen Grundplanung haben wir zunächst alle Elemente unserer vorherigen Testräume verplant und bestehen aus folgenden drei Typen: die schwarzen Dreiecke symbolisieren Cornerblöcke (Bassabsorber) und finden sich in den Ecken des Raumes. Die blau eingezeichneten Wallpanels (Breitbandabsorber) kommen an den Seitenwänden zum Einsatz, um direkte Reflektionen/Flatterechos zu unterbinden. An der Rückseite platzieren wir Sirrahs, die als Diffusor arbeiten. Diese Elemente fungieren im Bass- und Mitteltonbereich als Absorber, streuen die Schallanteile im Hochtonbereich aber minimal zurück. Hierdurch ergibt sich eine bessere Räumlichkeit, zumal man dadurch einem Hochton-überdämpftem Klangbild entgegenwirkt, was aufgrund des verlegten Teppichs schnell eintreten könnte. Die Sitzposition wird ca. 1 Meter hinter der Raummitte (gestrichelte Linie) zu finden sein. Ein exakte Positionierung im Mittelpunkt wäre nicht nur problematisch in Bezug auf die geplante Bildbreite, sondern wegen der 1. (Längs-) Raummode auch akustisch extrem unvorteilhaft. Da wir die Tests vornehmlich mit wenigen Personen durchführen und keine Ambitionen hegen, eine halbe Fußballmannschaft zu unterhalten, können wir auf eine große Bestuhlung verzichten und den Hörbereich gezielt für die kleine Couch optimieren.

Knackpunkt Subwoofer: alleine über dieses Thema ließe sich mühelos ein eigener Bericht von epischer Länge schreiben. Tiefe Frequenzen sind mit Abstand am schwersten zu bändigen bzw. auf hohem Niveau zu realisieren. Wegen der etwas verwinkelten Raumbeschaffenheit ist ein perfektes Double Bass Array nicht zu realisieren, zumal wir mit früheren Versuchen keine vollends zufriedenstellende Ergebnisse in Bezug auf kurze Bassimpulse erzielen konnten. Die nächste Alternative wäre ein Single Bass Array, bei dem die Frontwand absolut gleichmäßig angeregt wird. Aber auch diese Variante ist wegen dem Erker nicht umsetzbar, außerdem möchten wir wegen befürchteten Schwingungen keine Subwoofer hinter der Leinwand haben. Deswegen haben wir uns für eine konservative Lösung mit mehreren Subwoofern entschieden, die dann unter der Leinwand beheimatet sein werden. Für eine möglichst gute Tiefbassperformance werden wir der genauen Aufstellung große Aufmerksamkeit schenken und einen großen Aufwand hinsichtlich der Tiefbass-Raumakustik betreiben, um niedrige Nachhallzeiten unterhalb der 100 Hertz zu erhalten. Zu guter Letzt haben wir auf einen integrierten DSP-Equalizer zur Feinabstimmung geachtet.

Die Bedämpfung bzw. Absorption im vorderen Bereich zwischen den Frontlautsprechern stellt uns vor besondere Herausforderungen. Zum Einen erweist sich jene Stelle hinsichtlich der Psycho-Akustik als Besonders wichtig, während hier aber gleichzeitig wegen der Leinwand gar kein Platz für entsprechende Elemente zur Verfügung steht. Dazu kommt noch ein negativer Einfluss des verwendeten Leinwandtuches, welches (ja nach Hersteller) durch die Gummi-/Gewebebeschaffenheit einen großen verfälschenden Einfluss besitzt. Hier liegt der Hauptgrund, warum ein dediziertes Stereosystem fast immer besser klingt, als Heimkinoanlagen. (Flachbildschirme sind hier übrigens auch nicht viel besser, da sie eine ähnliche akustische Wirkung wie eine nackte Betonwand aufweisen).
Grundplanung Leinwand/Bildgröße
Da wir jedoch den Anspruch haben, eine möglichst gute Akustik (Stereo UND Surround) zu erhalten, haben wir für das neue Studio nach einer besseren Lösung gesucht. Alternative Nummer 1 bestand in der Verwendung einer Motorleinwand, welche wir bei Stereonutzung kurzerhand einfahren können, um dahinterliegende Absorber bestmöglich arbeiten zu lassen. Die Nachteile wären jedoch recht groß gewesen, da selbst bei den besten Modellen keine 100% Faltenfreiheit langfristig garantiert ist, zumal die Anlage im Surroundbetrieb auch weiterhin mit dem akustischen Nachteil einer "Gummimatte" im kritischen Frontbereich kämpfen müsste.

Letztendlich haben wir den kompromisslosesten Weg eingeschlagen: unser neues Studio wird mit einer akustischen transparenten Rahmenleinwand geplant. Auf diese Weise können dahinterpositionierte Absorber in BEIDEN Betriebsarten ihre Wirkung (fast) vollständig entfalten. Mit einer guten Rahmenleinwand ist außerden eine absolut plane Bildoberfläche möglich, zumal die Absorber durch die Anordnung auch gleich versteckt sind.

Die Festlegung auf eine akustisch transparente Leinwand beeinflusst natürlich auch viele andere Aspekte der Raumnutzung in großem Umfang. Im Idealfall wäre es ja schließlich auch gleich möglich, den Centerspeaker dahinter zu positionieren. Dadurch könnten wir widerrum eine größere Bildfläche installieren, da wir nicht mehr an den 100 Zentimeter Bodenabstand gebunden sind, den wir bei halbwegs sinnvoller Centerspeakeraufstellung (akustisches Zentrum im Vergleich zu den Frontspeakern) ansonsten benötigt hätten. Bei 2,4 Meter Raumhöhe würde somit (unter Berücksichtung von jeweils 10cm Rahmen) eine 16:9 Größe von 2,13x1,20mtr resultieren. Cinemascope-Filme hätten eine effektive Bildfläche von 2,13x0,91mtr., was deutlich unter unseren Wünschen liegt.


Bei 16:9 sind 2,4 Meter Raumhöhe schnell sehr limitierend.

Deswegen stand relativ schnell fest, dass wir nach der besten verfügbaren akustisch transparenten Leinwand Ausschau halten sollten, die der Markt bereithält. Nach intensiver Marktrecherche sowie Bild- und Tonvergleichen haben wir uns für einen Anbieter entschieden und uns zum Vorab-Testen ein Stoffmuster zuschicken lassen. Erfreulicherweise konnte uns dieses Produkt (mehr Infos auf Seite zwei) derart überzeugen, dass wir in Bezug auf die Leinwand Planungssicherheit hatten. Das akustische Tuch kostet zwar um die 5-10% an Hochtonbrillanz, war aber ansonsten ausgesprochen überzeugend - insbesondere im Bereich der Bildqualität. Für die minimale Klangverfärbung haben wir später noch ein paar Gegenmaßnahmen getroffen (Details siehe Seite drei), zu denen unter anderen der Wechsel auf denselben Standlautsprechertyp gehört, den wir auch für den linken und rechten Kanal verwenden. Alleine durch diesen Wechsel steigt die Klangqualität im Vergleich zum bisher eingesetzten Centerspeaker größer an, als das was uns das Tuch wegnimmt. Außerdem profitiert die Pegelfestigkeit, Homogenität und (ganz wichtig:) es entsteht eine identische Höhe innerhalb der Frontachse.

Zurück zur Leinwand: nachdem wir nun nicht mehr an die 100cm Abstand zum Boden gebunden sind, haben wir deutlich an Platz gewonnen. Durch den Sitzabstand von ca. 3,5 Meter sowie einer Stereobreite von ca. 3,7 Meter (Distanz zwischen beiden Stereo-LS) konnten wir nun in größeren Maßstäben rechnen. Nach diversen Berechnungen bzw. Zeichnungen wuchs die Idee einer Projektion nach dem VCH-Verfahren (Vertical-Constant-Height), bei dem sämtliche Bildformate in derselben Bildhöhe projeziert werden und dafür in die jeweilige Breite wachsen. Dies ermöglicht bei uns nicht nur eine perfekte Raumnutzung, sondern stellt auch ideale Vorrausetzungen für das menschliche Auge dar. Bestellt haben wir dann letztendlich eine Leinwand im Cinemascope-Format mit einer Bildfläche von 3,5 x 1,5 Meter. Und damit auch variierende Formate und 16:9 Inhalte möglichst perfekt zur Geltung kommen, haben wir uns in diesem Zusammenhang zugleich für die vollmaskierbare Version entschieden. Vier integrierte Maskierungen werden hierbei über ein Motor-/Funknetzwerk miteinander syncronisiert und von einer RF-Fernbedienung in das gewünschte Bildformat dirigiert. Durch die Kaschierung ist bei jedem Bildsignal eine makellose Umrahmung in tiefstem Schwarz garantiert, was das subjektive Kontrastempfinden gewissermaßen "austrickst" und das Bild wesentlich(!) kontraststärker erscheinen lässt.

Das entsprechende horizontale Strecken des Bildes sollte zunächst über anamorphotische Vorsatzlinsen erfolgen, was sich beim Pre-Check allerdings nicht bewährt hat. Die Vorteile (mehr Helligkeit, Kontrast) waren kaum bemerkbar, während die Nachteile (Konvergenz- und Schärfeprobleme) deutlich sichtbar auftraten. Aufgrund der extremen Licht- und Kontraststärke des eingesetzten Projektors hat sich das simple Aufzoomen des Bildes als deutlich überlegene Lösung dargestellt. Dies werden wir vorerst so betreiben und auf bessere Vorsatzlinsen warten/hoffen.
Zusammenfassung Grundplanung:
Die erste Teil über den Bau unseres Referenzstudios sollte Ihnen unsere grundsätzlichen Überlegungen und Planung vermitteln. Deswegen haben wir bewusst auf die Nennung von Produkten bzw. Herstellern verzichtet. Welche Komponenten wir für den Einsatz im Referenzstudio gewählt haben, beleuchten bzw. begründen wir auf Seite zwei. Nachfolgend haben wir noch einmal alle Aspekte übersichtlich zusammengefasst:

- Raumgröße 50m² mit Längsnutzung und Kreisaufstellung
- Multi-Subwoofer Integration ohne DBA oder SBA
- Integration der vorhandenen Raumakustikelemente mit anschließender Messung sowie gezielter Restbestückung.
- Unterbringung des Racks an sinnvoller Stelle innerhalb des Raumes, sowie sinnvolle Einbindung der umliegenden Räume für Blindtests (Doppelverkabelung) sowie Lagerung.
- Konzeption auf Basis einer 3,5 Meter breiten Cinemascope Rahmenleinwand mit akustisch transparentem Tuch und Vollmaskierung

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