Mafia II        

Genre

Action (Racing + Shooter Elemente in cineastischem Mix)

Vertrieb

2K Games

Preis

ca 50 Euro

Systeme 

PC-DVD, Playstation3, XBOX-360 (Testversion)

USK-Freigabe

keine Jugendfreigabe gemäß Paragraph 14

Multiplayer

kein Multiplayer

Auflösungen  

480p, 720p, 1080i, 1080p  (bezogen auf XBOX360)
Sprachen komplett deutsch (Sprachausgabe+Bildschirmtexte)
Inhalt/Gameplay: 60 %

Mit Mafia II bekommen wir von 2K ein Angebot,  von dem wir noch nicht wissen ob wir dieses ablehnen können. In der Fortsetzung geht es um den jungen Italo-Amerikaner Vito Scaletta und dessen Aufstieg in der Familie. Wegen kleinerer Probleme mit dem Gesetz muss er zu Beginn die Wahl zwischen Gefängnis oder einem Kriegseinsatz in Italien wählen und entscheidet sich, für die Army zur Waffe zu greifen. Der Spieler bekommt hierbei das Intro sowie einige einführende Tastenbelegungen zu sehen, während Vito vom Glanz und der Macht von selbsternannten Mafia "Edelmännern" fasziniert wird. Im Kampfeinsatz verletzt und mit Auszeichnungen dekoriert, darf sich Vito anschließend im Heimaturlaub erholen, wo dann auch gleich die eigentliche Spielhandlung im Jahr 1943 einsetzt. Wie gut dass der alte Kumpel Joe (der uns das ganze Spiel über begleitet) sehr gute Beziehungen hat und für eine Entlassung aus der Army sorgt. Arbeitsuchend wenden wir uns an Joe und somit kann die Gangsterkarriere starten. Joe führt uns in gewisse Kreise ein und sorgt schon mal für die ersten kleineren Jobs, wodurch wir uns fähig sowie loyal für größere Aufgaben zeigen. 

Die Story beginnt und führt uns nun wie Perlen auf einer Kette durch das gesamte Spiel. Durch die Map bekommt man anfänglich den Eindruck es könnte es sich um einen Open-World Titel handeln, doch dieser täuscht extrem. Die spielerische Freiheit beschränkt sich lediglich auf die Auswahl der Fahrzeuge oder der eigenen Garderobe. Zudem sind Freeplay-Ziele genauso so wenig vorhanden wie nicht korrupte Polizisten. Vielmehr wird man zum Handlanger degradiert und muss einfach nur tun was es als Aufgaben so gibt. Die Jobs sind überwiegend gewalttätiger Natur und nichts für Zartbesaitete. Vielleicht ist das ja so in der Mafia aber dem Spiel tut dies nicht gut, da es an Raffinesse fehlt, die wir von den Spielen aus der "Der Pate" Serie kennen. Die gelungenen Kampfeinsätze sowie die gute Umsetzung der Schiessereien sorgen dennoch für intensive kriminelle Atmosphäre im Stil eines Hollywood-Epos. Wir greifen mal zwei besondere Situationen zum Thema Atmosphäre heraus: zum Einen ist da dieser kurze aber sehr prägnante Aufenthalt im Gefängnis, bei dem wir im Kämpfen und Toiletteschrubben fortgebildet werden. Hierbei knüpfen wir in der „kriminellen Universität“ wichtige Kontakte und intensivieren unsere Fähigkeiten im Nahkampf. Zum Anderen fahren wir zwei sturzbetrunkene Mafiosi nach Hause, die auf der Fahrt versuchen bei einem Titel von Dean Martin mitzusingen. Dieser Lärm jedoch würde (wohl) jedes schwedische Nationaltier und dessen Balzgesang vor Neid erblassen lassen. Zudem erfahren wir nebenbei, das seit Tagen, eine Leiche im Kofferraum mehr oder weniger genüsslich vor sich hin vegetiert, wodurch die Herkunft für den bestialischen Gestank im Fahrzeug geklärt wird. Ein weiteres Merkmal für die Atmosphäre und den vielen Italo-Ganoven, stellt die permanente Genitalsprache dar: blutend, mitten in der Schiesserei lässt der gepflegte Mafiosi noch ein „leck mich“ fallen, bevor er das Zeitliche segnet. Irgendwie sehr lebensnah.

In virtuellen Spielen das Thema Realismus aufzugreifen ist zwar müßig, jedoch wollen wir nur kurz auf einige Erlebnisse eingehen. Straße und Verkehrsteilnehmer: hier haben die Programmierer unseren Nerv getroffen (in negativer Hinsicht).  Damit meinen wir noch nicht einmal die langen Rotphasen an der Ampel oder das rätselhafte Abbiegeverhalten - nein, es sind vielmehr diese „mobilen Evolutionsbremsen“ auf dem Highway die ein gewisses deja-vue-Erlebnis an die letzte Autobahnfahrt beim Spielen aufkeimen lassen. In diesen Situationen konnten wir dem „Mafiosi“ in uns freien Lauf lassen. Erwähnenswert, wenn auch nur als Statisten, sind unsere Freunde und Helfer: dass sich bei all der geballten Polizeipräsenz überhaupt noch Kriminalität entwickelt ist äußerst erstaunlich. Ob wir die Verkehrsregeln etwas zu unseren Gunsten auslegen oder ein geparktes Fahrzeug „umsetzen“ wollen - prompt stehen die Ordnungshüter bereit und wollen finanziell entschädigt werden. Apropos Polizei: es hat uns doch sehr verwundert dass wir während einer Verfolgungsjagd mit Ganoven noch zusätzlich wegen eines Verkehrsvergehens seitens der Polizei verfolgt wurden. Dass wir dabei von rivalisierenden Gangs sehr treffsicher beschossen wurden, haben die Gesetzeshüter schlichtweg ignoriert.

Auch innerhalb der Shoot-Sequenzen trüben die Kritikpunkte den Spielspaß deutlich: während unsereins mit der Pumpgun mehrmals aus kurzer Distanz treffen muss, um den Gegner die Kerzen auszublasen, genügt dem geübten Kriminellen schon auf der mittleren Schwierigkeitsstufe teilweise schon ein einziger Schuss aus sagenhafter Entfernung (teilweise > 100 Meter !!) um uns an den letzten Speicherpunkt zurück zu versetzen ?!  Hier liegt der nächste Kritikpunkt: es scheint manchmal als haben die Programmierer die Speicherpunkte mit dem Würfel ausgewählt. Unsinnige Wege erneut zurückzu legen um eine gescheiterte Mission wieder aufzunehmen ist nicht mehr heutiger Standard. Vielleicht wollte man damit ja auch nur die bescheiden Spielzeit von ca. 10 Std. +- !!! künstlich verlängern, um dadurch ein Spiel ohne Onlineanbindung oder Koop-Funktion zum vollen Preis an den Kunden zu bringen ? 

Man wird den Eindruck nicht los, dass in dem Spiel deutlich mehr geplant war als abgeliefert wird. Vielleicht kam ja ein „genialer“ Marketingstratege auf die glorreiche Idee erst einmal das Spiel als Basic-Version zu verkaufen, alles weitere dann über kostenpflichte Downloadcontents anzubieten und dadurch eine Profitmaximierung zu erreichen. Schließlich kann man durch mehrere DLCs ein Spiel leicht auf den doppelten Preis schrauben. Für Mafia II jedoch den vollen Preis zu verlangen ist schon mehr als unverschämt und wird sich in der Gesamtbeurteilung signifikant widerspiegeln.  Fazit: atmosphärisch gut gelungenes und stark klischeebehaftetes Spiel für Gamer die lieber reagieren als in einer wirklich freien Spielewelt zu agieren. 

Grafik: 75 %

Während die Grafik auf der DVD-Hülle den Anschein einer strahlenden, perfekt gerenderten Spielumgebung erweckt, weist die eigentliche visuelle In-Game-Gestaltung eine andere Atmosphäre auf: Mafia II wirkt stets etwas düster, dunkel und verrucht. Selbst bei hellstem Sonnenschein ist keine besonders hohe Farbbrillanz erkennbar. Insgesamt fehlt dem Spiel etwas Farbsättigung, um eine ausgewogene und natürliche Darstellung zu bieten. Ähnlich wie in manchen Hollywood-Produktionen erfüllt das Visual-Grading jedoch seine Aufgabe und gibt der Atmosphäre einen stimmigen Touch.

Bei der Detaillierung von Bay City haben sich die Entwickler große Mühe gegeben. Viele Häuse bestehen zwar nur aus einfachen Fassaden ohne nennenswert aufwendige Texturen, doch das generelle Stadtbild ist für eine offene Spielumgebung hervorragend gelungen. Viele Spezialbauten wie Kino, Krankenhaus, Sternwarte, Bahnhof, Parks etc. sorgen genauso für optische Abwechslung, wie die unterschiedlichen Stadtbezirke und glänzen mit ausgefeilter Architektur sowie Detaillierung. Ein typisches Problem für aktuelle Spiele ist aber auch hier ersichtlich, indem nur sehr wenige Gebäudefenster transparent ausgeführt sind. Dies würde wohl selbst für die XBOX360 und Co. eine zu große Rechenbelastung darstellen. Erfreulicherweise lässt sich dieser Kritikpunkt nicht auf die Fahrzeugdarstellung übertragen, wo beinahe jedes Vehikel (ausgenommen zB. ausgeschlachtete Autos auf dem Schrottplatz) detailverliebt umgsetzt wird. Sicherlich wird hier kein Gran Turismo 5 Niveau geboten, doch die verschiedenen Karroserien sind in Bezug auf zB. Heckflossen, Motorhauben oder Felgen hinsichtlich Rundungen und Flächenstruktur im Spiel derart stimmig, dass wohl so mancher Oldtimer-Fan (trotz der Fantasieautomodelle) feuchte Augen bekommen dürfte. Und im Gegensatz zur Gebäudedarstellung weisen die Fahrzeuge sogar transparente Fensterscheiben auf, bei denen ein recht guter Plastizitätseffekt erzielt wird. Die Wetterkapriolen in der virtuellen Metropole gewinnen keinen Schönheitspreis, erfüllen aber ihren Zweck ohne sich zu blamieren. Dennoch wären ausgereiftere Wasserspiegelungen oder anhäufende Schneemassen für die Zukunft wünschenwert. Die Weitsicht gibt keinen Grund zu Klage, da man lediglich beim schnellen Fahren auf den Highways in der Ferne Pop-Ups beobachten kann. Den größten Pluspunkt verdient sich Mafia II ganz klar in den (spielprägenden) Shooter-Einlagen. Sämtliche Schauplätze weisen einen referenzwürdigen Detaillierungsgrad auf: im China-Restaurant fliegen die Sushi-Teller durch die Gegend, im Schlachthof hängen verschiedene Fleischbrocken an den Haken und bei einer Museums-Schießerei haben die Exponante mitsamt ihrem Vitrinen nur eine sehr geringe Lebenserwartung. Auch das Abbröckeln von Zement bei einer Säule bzw. Wand, die wir als Deckung nehmen, ist schlichtweg grandios gelungen.  

Bis zu diesem Punkt würden wir das visuelle Erlebnis als insgesamt hochklassig einstufen, zumal auch die Charakteranimationen in den Cutscenes sowie Shooter-Sequenzen gut umgesetzt sind (von den eher starren Bewegungsabläufen der Faustkämpfe einmal abgesehen) und dem Spiel eine Grafikwertung von 85% einräumen. Wegen zwei größeren Problemzonen ist jedoch ein deutlicher Abzug nötig: Mafia II kämpft in den Fahrsequenzen teilweise mit extremem Slowdowns, was besonders beim Abbiegen in aufwändig modellierten Gegenden zu starken Rucklern führt, wobei das Spiel generell nicht besonders schnell bzw. flüssig läuft (gefühlte Frame liegt bei 30). Die zweite große Problemzone stellt die Schattendarstellung dar, wo man angesichts vieler grau karierter Übergangsbereiche zunächst fast schon von einer defekten GPU ausgeht. Wir können uns vorstellen, dass hier ein Fehler mit der Farbpalette vorliegt und hoffen auf einen Patch. Für das momentan Gebotene raufen wir uns wegen der sehr gut umgesetzten Shooter-Sequenzen zu 75 Prozent auf.

Sound: 85 %

Die Welt von Empire bay wird akustisch insgesamt sehr gut eingefangen. Positiv zu nennen ist hier zunächst die äußerst räumliche Surroundkulisse, die durch Verkehrs-/Wetter- sowie Umgebungsgeräusche für eine permanente Weitläufigkeit sorgt. Dabei kommt der Klangdarstellung die generell sehr gute akustische Diversifizierung zugute, mit der z.B. beinahe jedes der ca. 40 Automodelle mit einem eigenem, unverwechselbaren Motorgeräusch versehen wird. Auch hinsichtlich der Effektverteilung auf die einzelnen Lautsprecherkanäle gehört Mafia II fraglos zu den Spielen, wo feingeistige Hörer verwöhnt werden. Die (deutsche) Sprachwiedergabe ist ein weiterer Höhepunkt, denn wenn Vito, Joe und Co. über ihre nächsten Beutezüge sinnieren, wird der Centerspeaker mit klar herausgearbeitenden Stimmprofilen angesteuert, bei denen es weder an Brillanz oder Körperhaftigkeit mangelt. Obwohl manche Motoren durchaus tieffrequent wiedergegeben werden, brauchen selbst leistungssschwächere Subwoofer keine Angst für Überbeanspruchung zu haben. Explosionen (etc.) sind dramaturgisch eher rar gesät und zudem auch nicht sonderlich druckvoll implementiert. Die bleihaltigen Spielelemente gefallen durch saubere, klar unterscheidbare Samples sämtlicher Waffen sowie Einschschlaggeräusche, sind aber eher fein- als grobdynamisch überzeugend. Bei der In-Game Musik beschränkte man sich auf Qualität und verzichtete darauf, hunderte Songs zu integrieren. Dies ist für die Abwechslung zwar nicht förderlich, doch in klanglicher Hinsicht gefallen die Rockabilly-Hymnen durchaus. 

Inhalt/Gameplay: Lui
Grafik+Sound: Lars Mette
7.September 2010