Test: AV-Receiver Yamaha RX-V640

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER
für das Bereitstellen der Hörräume, des AV-Receivers und des Testequipments
Ausstattung
Mehr AV-Receiver für weniger Geld - dies scheint das Motto der
Yamaha-Entwickler gewesen zu sein. Der nagelneue RX-V640, den wir bei unserem
Kooperationspartner HIFI-REGLER
bereits im Sortiment vorfanden und daher umgehend testen konnte, bietet für 529
EUR - nochmals 20 EUR weniger, als für den Vorgänger RX-V630 fällig
waren - eine umfassende Ausstattung: Der RX-V640 decodiert nun auch DTS ES
Matrix/Discrete 6.1 und nicht nur, wie der Vorgänger, DTS ES Compatible 6.1,
gleich geblieben ist die Decodierungsmöglichkeit für Dolby Digital 5.1 EX.
Natürlich ist auch Dolby Pro Logic II mit an Bord, inklusive aller
Einstellmöglichkeiten im Music Mode. Angehoben hat Yamaha die Ausgangsleistung,
hier stehen nun 6 x 135 W (DIN, 4 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr) zur Verfügung. Neu ist
auch der "Accurate
Touch"-Lautstärke-Drehregler, dessen Elektronik an der Umdrehung des
Lautstärkereglers erkennt, ob der Anwender eine große oder kleine Lautstärkeveränderung
erreichen möchte. Neu entwickelt hat Yamaha einen Midnight Modus, der nicht nur
auf Dolby Digital- sondern auch auf DTS-Signale wirkt:
-
Begrenzung der Dynamik im oberen Bereich
-
Center Graphic Equalizer wird zwecks besserer Dialogverständlichkeit
automatisch angepasst
-
Subwoofer-Pegel wird für die Kompensation des reduzierten
Lautstärkeempfindens verändert
Auch wird löblicherweise von Yamaha ein
Videoformat-Wandler mitgeliefert. Löblicherweise gibt es auch die
Anschlussmöglichkeit für zwei Lautsprecherpaare (A und B), für alle
Lautsprecher stehen Schraubverschlüsse und keine windigen Klemmen zur
Verfügung. Anschlussseitig wartet der Yamaha mit Pre-Outs und YUV-Anschlüssen
auf, mit insgesamt 5 Digitaleingängen (davon einer auf der Gerätefront) und
einem Digitalausgang ist der AV-Receiver gut bestückt. Typisch für
Yamaha-Geräte ist auch der RX-V640 wieder mit verschiedenen Cinema- und
HiFi-DSP-Programmen bestückt, eine genaue Auflistung der Modi und weitere
Ausführungen zur DSP-Funktion finden sich am Ende des Tests.

Sorgfalt bei den verwendeten
Baugruppen
Auch in günstigeren Preisregionen darf nicht überall der
Rotstift angesetzt werden - viele Elektronik-Features sind kostengünstig zu
realisieren, aber wie sieht es mit den "Basics" aus? Yamaha
möchte auch hier beweisen, dass eine sehr gute Baugruppenqualität auch in
"bürgerlichen" Preisklassen möglich ist und setzt bei den neuen AV-Receivern höherwertige
Netzteilkondensatoren ein, die zusammen mit einem besonders
widerstandsarmen Netztrafo, einem Lautsprecher-Relais mit Goldkontakten und den
sternförmig von einem Punkt ausgehenden Masseverbindungen für eine höhere
dynamische Leistung und einen höheren Dämpfungsfaktor verantwortlich sein
sollen. Das Stromniveau konnte angehoben werden, ferner liegt das gleiche
Spannungsniveau zwischen allen beteiligten Baugruppen vom Ein- bis zum Ausgang
an, was die Verzerrungen minimiert. Zudem ist die Digitalplatine aufwändiger
aufgebaut und nun vierlagig. Vorteil dieses Aufbaus ist der im Vergleich zur
letzten Receiver-Generation verkürzte Signalweg.

Die Verarbeitung des RX-V640 ist sehr gut, das schöne Display
und die Aluminium-Frontplatte sorgen für einen gediegenen Gesamteindruck, zu
dem die mitgelieferte Fernbedienung ebenfalls beiträgt - sie ist tadellos
verarbeitet. Nicht dazu passen möchte nur der Lautstärke-Drehregler, der aus
Plastik ist. Insgesamt gelingt dem RX-V640 gleich in der ersten Disziplin ein
starker Auftritt, denn der Kunde erhält ein sehr ansprechend ausgestattetes,
prima verarbeitetes Gerät zum fairen Kurs.
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Bedienung
Das
Bedienkonzept des RX-V640 ist sehr gut gelungen. Die
mitgelieferte Fernbedienung liegt tadellos in der Hand, die jeweiligen
Funktionsgruppen sind durch unterschiedlich große und/oder geformte Tasten
gekennzeichnet. Das Navigationskreuz im unteren Teil des IR-Controllers gefällt
mit dem mittig platzierten "Enter"-Knopf. Alle Tasten sind
griffgünstig ausgeführt und weisen einen klaren Druckpunkt auf. Auch ansonsten
lässt sich der AV-Receiver recht einfach bedienen. Noch besser wäre die
Fernbedienung allerdings, wenn es für die wichtigsten Funktionselemente eine
Beleuchtungsmöglichkeit gäbe. Auf der Frontplatte des Geräts selber finden sich recht viele
Bedienelemente, durch die durchdachte Aufteilung aber
wirkt der AV-Receiver nicht überfrachtet. Mit Erfolg angenommen haben sich die
Yamaha-Entwickler dem Setup-Menü. Dieses wurde bei allen neuen Yamaha
AV-Receivern (RX-V440, RX-V540, RX-V640, RX-V740) komplett überarbeitet und
übersichtlich ausgeführt. Es gibt nun folgende Unter-Menüs:
- Basic (Set Up, Speaker Level. Neu ist hier eine Raumgrößen-Einteilung,
je nach Größe kann man für den Hörraum small, medium oder big
auswählen)
- Sound (Speaker Set/Speaker Distance/LFE/Dynamic Range/Center GEO (Equalizer
zum akustischen Anpassen Centerlautsprechers)/Headphone Tone&Level)
- Input (Zuweisung der Digital-Ein-/Ausgänge, Zuweisung der
Video-Ein-/Ausgänge, Input Mode, Input Rename)
- Option (Display Set, Memory Guard, Audio Mode, Zone Set)
Wahlweise kann man das Setup über die Fernbedienung oder auch direkt mittels
dafür vorgesehener Tasten auf der Gerätefront durchführen. Die sinnvolle
Unterteilung hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man schneller und
übersichtlicher zur gewünschten Funktion kommt. Gerade auch für den
Neueinsteiger ist diese Menüstruktur besser zu durchschauen. Die
Lautsprecher-Justage geht nun ebenfalls leicht vonstatten, denn erfreulicherweise
ist man nun auch bei Yamaha dazu übergegangen, dass der Anwender die Delay-Zeit
bequem in Metern eingeben kann. Nicht hundertprozentig gelungen ist nur das
Input-Menü für die frei zuweisbaren Digital-Audio- und Videoeingänge mit
ihren Buchstabenabkürzungen. Hier
muss man zunächst die insgesamt ordentliche Bedienungsanleitung konsultieren,
mehr Sinn hätte es gemacht, gängige Abkürzungen zu verwendeten (z.B. opt. 1
für den 1. optischen Digitaleingang). Mittels des großen, sehr gut ablesbaren
und Yamaha-typischen DOT-Matrix-Display wäre die Darstellung der von uns
vorgeschlagenen Abkürzungen technisch kein Problem.
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Ton
Testequipment
Mit einer höheren Brillanz im Hochtonbereich, einer noch natürlicheren,
klareren Stimmdarstellung, einem nochmals schnelleren Antritt und einer
facettenreicheren Surround-Klangkulisse zeigt sich der RX-V640 gegenüber seinem
Vorgänger - der immer noch ein sehr guter AV-Receiver ist - als wirkungsvoll
überarbeitet. Bei "The Haunting" fällt in der Szene, als eine
Fensterscheibe in tausende von Einzelteilen zerbricht, auf, dass die
Effektwiedergabe präziser, genauer geworden ist - jede kleine Scherbe ist
plötzlich zu orten, was auch die Plastizität des Gesamt-Klangbilds steigern
hilft. Gleichzeitig schleudert der neue Yamaha aber auch alle Arten von
Effektkombinationen mit noch mehr Wucht durch den Hörraum. Mit seinen hohen
Kraftreserven kann man den RX-V640 für eine Übergangszeit auch ohne größere
Schwierigkeiten an Standlautsprechern ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer
betreiben. Die Basskraft ist noch immer ohne Fehl und Tadel, wenngleich wir für
echtes Heimkino-Feeling und zur Entlastung des AV-Receivers im
leistungsintensiven Bassbereich zumindest zur mittelfristigen Anschaffung eines
entsprechend dimensionierten Basslautsprechers raten. Denn: Auch wenn die
Endstufeneinheit des RX-V640 für diese Preisregionen ohne Fehl und Tadel ist,
so können dennoch keine Wunder erwartet werden, die Kombination größerer
Hörraum (ab 25 Quadratmeter), höhere Pegel und Standboxen ohne zusätzlichen
aktiven Subwoofer ist, gerade auf Dauer, bei günstigeren AV-Receivern praktisch
generell nicht ideal.
Bei "Titan A.E." schlägt sich der RX-V640 blendend, hier gefällt
auch der sehr runde, voluminöse Bassbereich und die insgesamt sehr dichte
räumliche Darstellung. Typisch für ein Yamaha-Gerät, werden wieder
verschiedene DSP-Programme mitgeliefert, die aber gerade für eine mitreißende
Filmtonwiedergabe von einem nicht zu unterschätzenden Vorteil sind. So klang
"Titan A.E." mit dem Sci-Fi-DSP-Programm besonders real, die große
räumliche Weite, die dieser DSP-Modus bietet, unterstützt das auf dem
Bildausgabegerät Gezeigte sehr stimmig. Bei "The Haunting" arbeitet
das "Spectacle DSP" mit seiner klaren, durchdringenden
Effektdarstellung besonders gut, wahlweise kann man hier auch das "Adventure"-DSP
nutzen - vor der Auswahl sei eine direkte Gegenüberstellung beider Programme
empfohlen. Im Vergleich zur Konkurrenz schlägt sich der RX-V640 hervorragend,
besonders durch die Fortschritte, die in den Punkten Brillanz und
Detaileinarbeitung gemacht werden konnten, stellt der 640er momentan das Gerät
dar, an dem sich die Konkurrenz messen muss - die Gründe: Der im Hochtonbereich
hervorragende Denon AVR-1803 erbringt im Vergleich zum Yamaha keine besseren
Leistungen mehr, gegenüber dem RX-V630 war der Denon noch hörbar im Vorteil.
Denon wie Yamaha klingen sehr harmonisch, der Yamaha kontert mit seinem noch
runder klingenden Bassbereich. Der Denon hält mit der Möglichkeit, mittels
Endstufen-Splitting gleich zwei Back Surround Lautsprecher anzuschließen,
dagegen. Diese Funktion ist ein echter Vorteil des Denon, da man die Back
Surround-Effekte mit der 2-LS-Anordnung noch klarer orten und zuweisen kann.
Zudem sind zwei Back Surround-Boxen dann von Vorteil, wenn man häufiger mit
mehreren Leuten Filme anhört. Doch der Yamaha kontert erneut: Bei weniger gut
abgemischter Software klingt er kompletter, akustische Schwächen von DVDs kann
der RX-V640 besser kompensieren. Außerdem schiebt der Yamaha im Vergleich zum
Denon mit noch mehr Nachdruck an - mit soviel Nachdruck, dass selbst der sehr
kraftvolle Kenwood KRF-V7060D kaum mithalten kann. Wer hier mehr will, muss
schon zum 649 EUR teuren Pioneer VSX-D811 greifen, der für sein Geld bezüglich
der möglichen Kraftausbrüche noch immer erste Wahl ist. Als - minimal
weniger vehemente - Alternative steht noch der Kenwood KRF-X9070D mit THX
Select-Zertifikat bereit, der ebenfalls mit viel Durchschlagskraft und
Antrittsstärke aufwarten kann. Doch selbst die teureren Kenwood und Pioneer
erreichen nicht (der Kenwood verfehlt die Werte in Bezug auf Detailtreue und
Transparenz knapp, der rustikaler zu Werke gehende Pioneer etwas deutlicher) die
Kultiviertheit des RX-V640 - Kraft und Feinarbeit gehen beim RX-V640 also eine
für diese Preisklasse fast perfekte Synthese ein. Mithalten kann nur der
überragende Marantz SR-4300, mit dem teilt sich der Yamaha auch den einzigen
echten Nachteil: Beide AV-Receiver verfügen nicht über einstellbare
Subwoofer-Übernahmefrequenzen, hier sollten die Hersteller, gerade aufgrund der
Bedeutung dieses Ausstattungsmerkmals, bei der nächsten Gerätegeneration
nachbessern. Ansonsten herrscht in Bezug auf unseren Testkandidaten aber eitel
Sonnenschein - dies beweist auch die Wiedergabe des U-Boot-Spektakels
"U-571": Mit Wucht donnern die Wasserbomben-Explosionen durch den
Hörraum, mit viel atmosphärischer Dichte gibt der Yamaha die fast
unerträgliche Spannung, die bei der Crew vor den Kampfhandlungen herrscht,
wieder. Sehr gut arbeitet der Yamaha die Charakteristika der Stimmen heraus -
obwohl praktisch nur geflüstert wird. Eine Top-Leistung, auch bezüglich der
Stimmdarstellung kann der Yamaha die Konkurrenz, hier sogar die ebenfalls sehr
guten Denon und Marantz, distanzieren. Dies zeigt deutlich, mit wie viel
Sorgfalt die Yamaha-Entwickler die konsequente akustische Verbesserung
angegangen haben Mit einer Spitzenleistung schneidet der Yamaha auch bei der
Sequenz von "Gladiator" in DTS ES Discrete 6.1 auf der 5. DTS Demo-DVD
ab. Hier sind die Surround- und Back Surround-Klangkulisse äußerst dynamisch,
die Präzision bei der Effektdarstellung kann absolut überzeugen. Auch bei
"Gladiator" hört man die im Vergleich zum Vorgänger verbesserten
Werte für Brillanz und Klarheit heraus, als die Brandkugeln und Brandpfeile
abgeschossen werden und im gegnerischen Lager einschlagen, stellt der Yamaha
diesen Prozess mit sehr beachtlicher Sorgfalt heraus.
Die Mehrkanal-Musikwiedergabe des Yamaha erweist sich als noch besser
gelungen als beim Vorgänger - und nicht nur das: Auch etablierte Konkurrenten
wie der Denon AVR-1803, der Kenwood KRF-V7060D oder die - teureren - Pioneer
VSX-D811 und Kenwood KRF-X9070D müssen sich hier warm anziehen. Yamaha
hat konsequent die Transparenz und Klarheit im Hochtonbereich verbessert,
ebenfalls in nochmals besserer Form zeigt sich die Detaileinarbeitung. Damit ist
das Klangbild insgesamt facettenreicher, durchsichtiger geworden - ohne dass die
Yamaha-typische tadellose akustische Harmonie leidet. Hier kann man von einem
AV-Receiver dieser Preisklasse eigentlich kaum noch mehr erwarten. Doch dies ist
noch nicht alles, auch die Basswiedergabe wurde einer Überarbeitung unterzogen
- mit Erfolg, was schön zu hören ist beim "Hotel California" von den
Eagles: Der Bass agiert im Vergleich zum Vorgänger deutlich präziser und
klarer, gerade trockene Bässe versteht der RX-V640, deutlich verbessert
wiederzugeben. Auch bei Roy Orbisons "Pretty Woman" fallen diese
Tugenden auf, hier arbeitet der RX-V640 noch präziser, feinfühliger, die
Stimmwiedergabe wirkt noch minimall durchsichtiger. Wir hörten die genannten
Konkurrenten am identischen Lautsprechersystem - eine so komplette Leistung wie
der Yamaha im Mehrkanal-Musikbetrieb bot keiner, außer dem ebenfalls
exzellenten Marantz SR-4300, der aber im Vergleich zum Yamaha etwas weniger
kraftvoll anschiebt.
Prima gelungen präsentiert sich die Dolby Pro Logic II-Integration. Im Film-
und im Musikmodus gefällt die füllige Surround-Klangkulisse, die ebenfalls gut
strukturiert ist. Auch kleinere Effekte kommen mit ordentlicher Plastizität zum
Ausdruck. Die gesamte Basswiedergabe ist, auch im Music-Mode, tadellos gelungen,
nur, wer direkt mit dem Stereoklang vergleicht, bemerkt beim Bass ein
entschlosseneres Zupacken und eine höhere Präzision. Die Stimmwiedergabe
gefällt ebenfalls, auch hier bietet der RX-V640 z.B. bei tieferen
Männerstimmen ein beachtliches Volumen. Die Gesamthomogenität des Vortrags ist
auch zu loben, immer höchst angenehm sorgt der Yamaha für ein entspanntes
"Betriebsklima" - durch die Einstellmöglichkeiten des PLII
Music-Modes kann man hier auch noch individuelle Anpassungen vornehmen, gerade
die Center Width-Justagemöglichkeit zeigt hier Wirkung. Erfreulich auch,
dass der RX-V640 eine schon gut bekannte Yamaha-Tugend beibehalten hat: Auch
dieser AV-Receiver klingt selbst bei nur durchschnittlicher Software (z.B.
MP3-CDs oder Kauf-CDs mit höherer Dynamikkompression) noch erstaunlich komplett
und sorgt für eine wirkungsvolle Aufwertung zu dünner Klangbilder - wobei hier
hinzugefügt werden muss, dass auch der RX-V640 nicht zaubern kann, einen Gewinn
bringt diese Art der Auslegung bei weniger guten Discs aber auf jeden Fall.
Im Stereobetrieb erbringt der RX-V640 für seine Klasse eine ausgezeichnete
Leistung. Im Vergleich zum Vorgänger fällt vor allem die gesteigerte Brillanz
im Hochtonbereich auf. Der RX-V640 stellt klarer da, ohne je, auch bei höheren
Pegeln, aggressiv zu wirken. Immer ist eine hohe klangliche Harmonie gegeben,
wie wir es schon bislang von den Yamaha-AV-Receivern her kannten, neu
hinzugekommen ist aber die besser vorgetragene Lebendigkeit, gerade bei
klassischer Musik, aber auch bei R&B-Tracks, kommt die Musik mit mehr
Schwung in den Hörraum. Hier wirkt der 630er im Vergleich etwas träger und zurückhaltender,
während der 640er die Spielfreude der Musiker treffender zum Ausdruck bringt.
Mit seiner im Stereobetrieb gezeigten Leistung muss sich der neue
Yamaha-AV-Receiver hinter keinem Konkurrenzgerät verstecken, im Gegenteil: Er
übertrifft nicht nur seinen Vorgänger, sondern auch die anderen Konkurrenten
seiner Preisklasse. Grund: Die hervorragend gelungene Mischung aus Frische,
Dynamik und Homogenität, die man bei einem AV-Receiver dieser Preisklasse
bislang noch nicht antreffen konnte. Sehr schön modelliert der RX-V640 auch
Details heraus, auch anspruchsvollere Musikliebhaber, die häufiger einmal Musik
in Stereo hören, sollten sich den 640er einmal anhören - hier hat sich eine
Menge getan. Der Yamaha beweist, auch mit seiner vielschichtigen Wiedergabe z.B.
von Streichinstrumenten (Violine, Violoncello) seine Talente. Der präzise,
kraftvolle Bassbereich und die sehr feinfühlige, natürliche räumliche
Abbildung vervollständigen unsere sehr positiven Eindrücke.
Bewertung Klang Film      
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik      
Bewertung Klang Dolby PLII      
Bewertung Klang Stereo      
Fazit
Der RX-V640 ist momentan das Gerät, an dem sich die Konkurrenz in der
Preisklasse zwischen 500 und 600 EUR messen muss. Sein Trumpf ist die hohe
Ausgewogenheit, nirgendwo scheinen ernsthafte Schwächen durch. Mit seinem
Antritt, seiner akustischen Harmonie, seiner Brillanz und seiner Ausdruckskraft
setzt der Yamaha im Mehrkanal-Musik- und im Filmton-Betrieb derzeit die
Standards. Keine Disziplin, in der der AV-Receiver nur gute Ergebnisse erbringt,
überall sind die Resultate überdurchschnittlich gelungen, somit bekommt der
"Neuling" eine praktisch makellose Notenskala. Zu loben ist in diesem
Zusammenhang, dass Yamaha konsequent die Bereiche erkannt hat, in denen der
Vorgänger RX-V630 noch hinter der Konkurrenz lag. Durch die offenbar sehr
sorgfältige, detaillierte Abstimmungsarbeit sind aus den Schwächen Stärken
geworden. Doch der RX-V640 kann noch mehr, denn seine Stereo-Qualitäten sind
auf einem sehr beachtlichen Level: Klar und präzise, räumlich ausgewogen und
natürlich erbringt der Yamaha auch in dieser Teilwertung für seine Preisklasse
erstklassige Leistungen. Zu diesem Eindruck passt die gelungene, weil sauber
darstellende und voluminöse PLII-Integration. Sehr ordentlich ist es auch um
den Bedienkomfort bestellt, ein Verdienst der neuen, übersichtlicheren
Menüstrukturen. Nun ist es auch für den Heimkino-Neuling problemloser
möglich, alle elementaren Settings schnell vorzunehmen. Nicht ganz optimal ist
lediglich das Zuweisungsmenü für die Digital- und Videoanschlüsse
ausgefallen, hier besteht Nachbesserungsbedarf. Das Gleiche gilt für die
fehlende Möglichkeit zur Einstellung der Subwoofer-Übernahmefrequenz.
Zusammen mit der Tatsache, dass der Lautstärke-Drehregler des RX-V640 aus
Plastik und nicht aus Metall ist, sind dies aber die einzigen kleinen
Schwachstellen, die wir ausfindig machen konnten. Das ausgezeichnete
Geräte-Display, die tadellos in der Hand liegende Fernbedienung, die exzellente
Ausstattung inklusive Videonormwandler und das sehr gute
Preis-/Leistungsverhältnis setzen weitere Glanzpunkte.
Yamaha schlägt alle: Der RX-V640 hat das Zeug
zum "Superstar"
Gesamturteil:

Mittelklasse
Test 30.04 2003
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
-
Sehr runder, angenehmer Heimkino- und Mehrkanal-Musikklang
-
Sehr lebendige Surround-Klangkulisse
-
Natürliche, feinfühlige Stimmwiedergabe
-
Präzise, klare und homogene Stereowiedergabe
-
Aufwändig gestaltete DSP-Programme mit beachtlicher Wirkung
-
Leistungsstarke Endstufen mit spontanem Antritt
-
Sinnvolle Setup-Menüstruktur
-
Erstklassige Ausstattung inklusive Videonormwandler
-
Vorbildliches Gerätedisplay
-
Prima Fernbedienung
-
Exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis
Contra:
Technische Daten
-
AV-Receiver mit Dolby Digital/DTS-Decoder
-
Dolby Digital EX- und DTS ES Matrix/Discrete 6.1-Decoding
-
Dolby ProLogic II mit allen Einstellmöglichkeiten im Music Mode
-
Leistung: 6 x 135 W (DIN, 4 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr), 5 x 85 W (0,06 % Klirr, 20 Hz bis 20 kHz, 8
Ohm)
-
96 kHz/24-Bit Audio-DACs
-
32-Bit Yamaha DSP
-
15 einzelne DSP-Modi
-
Silent Cinema für DSP-Programme via normalem Stereo-Kopfhörer
-
4 Digitaleingänge (3 optisch, 1 koaxial), 1 Digitalausgang/optisch, (ohne
Front Digi-In, alle frei zuweisbar)
-
2 Komponenten-Video-Eingänge, 1 Komponenten-Video-Ausgang
-
4 x Audio-Video-In/2 x Audio/Video-Out, 1 x Video-Out (Monitor), alle S-Video- und FBAS-beschaltet
-
2 x Audio-In, 1 x Audio-Out
-
kompletter Front AV-Eingang inklusive S-Video und optischem
Digitaleingang
-
Sechskanaleingang (DVD Audio-geeignet)
-
Pre-Out für alle Kanäle (für Back Surround ein Pre Out)
-
Schraubanschlüsse für alle Lautsprecher
-
RDS-Tuner mit 40 Festspeichern
-
Abmessungen (B x H x T in mm): 435 x 171 x 390
-
Gewicht: 13,0 kg
-
lieferbare Farben: Titan und Schwarz
-
Preis: 529 EUR
Anhang: DSP-Programme und DSP-Technik-Grundlagen
Wie von Yamaha-AV-Verstärkern und -Receivern gewohnt, tritt auch der RX-V640
mit unterschiedlichen HiFi-und Cinema-DSP-Programmen in verschiedenen
Variationsmöglichkeiten an. Hier der Überblick:
HiFi-DSP:
- Concert Hall: Wählbar: Große Konzerthalle mit reichem Klangeffekt.
Ausgeprägte Reflexionen von allen Richtungen betonen die Ausbreitung der
Klänge. Der virtuelle Sitz befindet sich in der Mitte unmittelbar vor der
Bühne. Dieses DSP-Programm kann mit einer großen Pärsenz aufwarten.
- Jazz Club: The Bottom Line (Jazz Club in New York mit Plätzen für 300
Personen. Klang recht natürlich, für einige Jazz-Aufnahmen geeignet. Auf
jeden Fall aber, je nach Gusto, in normalem Stereo oder PLII Music gegen hören).
- Rock Concert: Für dynamische Rockmusik geeignet. Die Daten stammen aus
Rock-Club aus L.A. Virtueller Sitz des Hörers: Links in der Mitte der Halle
- Entertainment: Disco (der Sound ist dicht und stark konzentriert, in der
Praxis aber leider zu dumpf und hallbetont, hier lieber zu Pro Logic II
Music greifen), ebenfalls vorhanden: 6-Kanal-Stereo. Hier kann der Pegel
für den Center-Lautsprecher, die beiden Surround-Lautsprecher und den Back
Surround Lautsprecher individuell eingestellt werden. Einstellbereich: 0 bis
100 %
Cinema-DSP:
- Movie Theater 1: Spectacle, weites Soundfeld eines 70 mm Filmtheaters wird
kreiert. Besonders gut geeignet für Actionfilme mit vielen Effektsequenzen.
Effektiv arbeitender Bassbereich mit großem Volumen und beachtlicher Präzision
- Movie Theater 1: Sci-Fi, wirkt noch eine Spur weitläufiger als Spectacle,
dafür z.B. bei Schusswechseln nicht ganz so explosiv.
- Movie Theater 2: Adventure, Sehr guter Kompromiss aus kräftiger
Effektwiedergabe und hervorragender Gesamtharmonie. Voluminöser, voller
Klang mit großer Dichte
- Movie Theater 2: General, nicht unbedingt das beste Soundfeld. Manche ältere
Produktionen oder Filme mit eher zurückhaltender Effektwiedergabe klingen
damit eine Spur harmonischer, vielleicht auch die ein oder andere Komödie.
Ansonsten kaum Verbesserungen gegenüber der "normalen" DD/DTS/ProLogic-Wiedergabe.
- Straight Decode: Der eingebaute Decoder sorgt für eine präzise
Wiedergabe der Tonquellensignale und der Soundeffekte. Kein DSP-Effekt ist
bei diesem Programm aktiviert.
- Enhanced Mode (DD/DTS/ProLogic): Dieses DSP simuliert die Multi
Surround-Lautsprechersysteme von Kinos für 35 mm-Filme. Ohne Verlust
der Ortung des Originalsklangs soll eine gute Effektwiedergabe garantiert
sein. Bei einigen Filmen Verbesserung des Volumens des Surround-Klangfelds
Nur für Audio/Video-Quellen in 2-Kanal:
- Entertainment/Game: Tiefe und Raumgefühl für Computerspiele. In der
Praxis lieber PLII Movie verwende, Concert Video für mehr räumliche
Tiefe bei Konzertvideos. Auf jeden Fall vergleichen mit PLII Movie vor der
endgültigen Auswahl.
- Music Video: Dieses Programm soll die lebhafte Umgebung eines Jazz- oder
Rock-Konzertes simulieren. Daher laut Yamaha besonders für Live-Konzerte
geeignet.
- TV Theater/Variety/Sports: Für die geeignete Wiedergabe von TV-Sportsendungen,
Nachrichten und TV-Shows
- TV Theater/Mono Movie: DSP-Aufbereitung für Mono-Filmmaterial
Yamaha DSP
DSP-Programme - die Grundlagen
Der Yamaha DSP Prozessor ist so aufgebaut, dass eine völlig unabhängige
Verarbeitung des vorderen Präsenzbereiches und des hinteren
Surround-Soundfeldes ermöglicht wird. Der Surroundbereich wird schon seit
der Einführung der Cinema DSP Technolgie 1990 (damals war Dolby Pro Logic der
Mehrkanalstandard) mit zwei unabhängigen Klangfeldern für den linken und den
rechten Kanal nachbearbeitet. Die Position der akustischen Effekte wird durch
das dekodierte Eingangssignal vorgegeben, der Dekoder selbst arbeitet mit
unendlich großer Kanaltrennung - in der Praxis jedoch ist ist die Kanaltrennung
durch die nachfolgenden analogen Baugruppen des AV-Receivers (speziell zu nennen
wäre die gemeinsame elektrische Masseverbindung) leicht eingeschränkt.
Die Signalverarbeitung der einzelnen Kanäle durch den DSP Prozessor erzeugt
aus den bis zu Vollfrequenzkanälen bei Dolby Digital und DTS, die nach dem
Decodieren als relativ "punktförmige" Informationen zur Verfügung
stehen, ein geschlossenes Klangbild. Die Ausdehnung und die Intensität, mit
anderen Worten die Charakteristik des jeweiligen Klangbildes, variiert je nach
angewähltem DSP Programm. Die Wahl des entsprechenden DSP Programms sollte sich
nach dem vorliegenden Film- oder Musikmaterial richten, da nur beim optimalen
Zusammenspiel vom Ausgangsmaterial und der gewählten DSP Nachbearbeitungsart
eine optimale Performance erreicht werden kann.
Auf der Basis normaler Wiedergabearten wie Mono, Stereo, Dolby ProLogic
Surround, Dolby Digital 5.1 oder DTS 5.1 gestalten die Yamaha-Toningenieure ihre
eigenen Soundfelder. Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter her
verschieden, denn die auf realen Messungen beruhenden Daten, die dann zu den
verschiedenen vorkommenden Soundfeldern verarbeitete werden, unterscheiden sich.
Bei den Soundfeldern differenziert Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das
Soundfeld, welches sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den
linken und rechten Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Die Presence- und
Surround-Soundfeld-Daten zeigen sich in der Verteilung der virtuellen
Klangquellen und der Echomuster. Die zwei unterschiedlichen Soundfeld-Typen
werden mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und den
Signalmischverhältnissen verarbeitet. Insgesamt ergibt sich so ein exakt auf
das Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer zugeschnittenes Soundfeld.
Das erklärte Ziel von Yamaha DSP ist, die räumlichen und klanglichen
Eigenschaften eines Kinosaals in einem möglichsten hohen Grad an Perfektion auf
die heimischen "vier Wände" zu übertragen, beziehungsweise die
geringere Anzahl der Lautsprecher zu Hause und die ungünstigeren räumlichen
Bedingungen bestmöglich zum kompensieren. Daher erzeugt der Yamaha DSP
Prozessor ein Klangfeld nach einem Reflexionsmuster, das dem eines Abhörstudios
der Filmindustrie entspricht. Yamaha-typisch ist, dass im Surroundbereich nach
Herstellerangaben keine Dipole erforderlich sind, sondern auch
Direktstrahler benutzt werden können. In der Praxis aber zeigt sich, dass sich
bei der Verwendung von Dipole manche Vorteile der DSP Technologie eher noch
deutlicher zeigen: Gerade die noch voluminösere, weitläufige Klangkulisse
können hier überzeugen. So ist von einem Betrieb mit Dipolen also keinesfalls
abzuraten.
DSP-Programme richtig verstehen: Spezielle Aspekte und Grenzen
der Ton-Nachbearbeitung
-
Um bei Dolby ProLogic-codiertem Tonmaterial die rechts-/links-Trennung im
Surroundbereich zu verbessern, stützt sich der dem Nachbearbeitungsvorgang
zu Grunde liegende Algorhythmus des Prozessors - anders als bei Dolby
Digital oder DTS - auch auf tonale Informationen aus den Stereokanälen.
Dies kann im Einzelfall zu dem Eindruck führen, dass die Kanaltrennung vorn
- hinten leicht eingeschränkt ist
-
Um ein geschlossenes Klangfeld ohne störende Klanglöcher im
Heimkino-Raum zu erzeugen, werden Effektverläufe von vorn nach hinten oder
auch von hinten nach vorn von einem Kanal an den anderen "übergeben".
Speziell bei impulsartigen Signalen ist daher die hörbare Übernahme in den
Surroundbereich sachgerecht - denn, so argumentiert Yamaha, dieses Verhalten
entspricht genau dem in der realen Welt. Hier sollte eher der Vergleich zum
Kino als der zu "reinem", also nicht nachbearbeiteten Dolby
Digital gezogen werden. Auch die akustischen Eigenschaften des Hörraums
spielen - je nach dessen "Halligkeit" und/oder Hellhörigkeit
- in die Wahrnehmung solcher eben geschilderter Effekt hinein.
-
Ein weiterer Einfluss entsteht durch die akustischen Eigenschaften des
gewählten DSP-Programms.
-
Bei der Wiedergabe von Stereosignalen in einem der Movie
Theatre-Programme wird der Dolby ProLogic-Dekoder aktiviert. Durch die
einfache Struktur des Decoders wird dann das Differenzsignal L - R auf die
Surroundkanäle geführt, somit wird das DSP zusätzlich unterstützt.
Da Yamaha die Movie Theatre Programme für die Wiedergabe von Mehrkanalton
entwickelt hat hat, ist der Dolby ProLogic-Dekoder nicht abschaltbar und führt
daher zu den vorher genannten unerwünschten Effekten bei der Wiedergabe von
uncodiertem Stereomaterial. Da hilft dann nur die Wahl eins Programms ohne
den vorgeschalteten Dolby PL Dekoder.
Die Vorbilder für die Yamaha DSP-Programme
Mit den paar DSP-Programmen, die sich bei fast jedem AV-Receiver oder -Verstärker
als Bonus Feature im Ausstattungsumfang befinden, sind die Yamaha DSPs kaum zu
vergleichen. Die Yamaha-Variante ist darum sehr interessant, weil die
Yamaha-Toningenieure für ihre verschiedenen Cinema- und Hifi-DSP-Programme real
existierende Räume tonal exakt vermessen haben. Das heißt: Für die
Kino-DSP-Programme dienten als Maßstab verschiedene Kinos auf der ganzen Welt,
für die Hifi-DSP-Programme zum Beispiel Konzerthallen und Jazz-Clubs. So
handelt es sich nicht um ausschließlich am Computer erstellte Programme,
sondern um auf realen Bedingungen basierende.
Test: Carsten
Rampacher
29.04.2003
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