Test: AV-Receiver Yamaha RX-V640

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume, des AV-Receivers und des Testequipments

Ausstattung

Mehr AV-Receiver für weniger Geld - dies scheint das Motto der Yamaha-Entwickler gewesen zu sein. Der nagelneue RX-V640, den wir bei unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER bereits im Sortiment vorfanden und daher umgehend testen konnte, bietet für 529 EUR - nochmals 20 EUR weniger, als für den Vorgänger RX-V630 fällig waren  - eine umfassende Ausstattung: Der RX-V640 decodiert nun auch DTS ES Matrix/Discrete 6.1 und nicht nur, wie der Vorgänger, DTS ES Compatible 6.1, gleich geblieben ist die Decodierungsmöglichkeit für Dolby Digital 5.1 EX. Natürlich ist auch Dolby Pro Logic II mit an Bord, inklusive aller Einstellmöglichkeiten im Music Mode. Angehoben hat Yamaha die Ausgangsleistung, hier stehen nun 6 x 135 W (DIN, 4 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr) zur Verfügung. Neu ist auch der "Accurate Touch"-Lautstärke-Drehregler, dessen Elektronik an der Umdrehung des Lautstärkereglers erkennt, ob der Anwender eine große oder kleine Lautstärkeveränderung erreichen möchte. Neu entwickelt hat Yamaha einen Midnight Modus, der nicht nur auf Dolby Digital- sondern auch auf DTS-Signale wirkt:

  • Begrenzung der Dynamik im oberen Bereich

  • Center Graphic Equalizer wird zwecks besserer Dialogverständlichkeit automatisch angepasst

  • Subwoofer-Pegel wird für die Kompensation des reduzierten Lautstärkeempfindens verändert

Auch wird löblicherweise von Yamaha ein Videoformat-Wandler mitgeliefert. Löblicherweise gibt es auch die Anschlussmöglichkeit für zwei Lautsprecherpaare (A und B), für alle Lautsprecher stehen Schraubverschlüsse und keine windigen Klemmen zur Verfügung. Anschlussseitig wartet der Yamaha mit Pre-Outs und YUV-Anschlüssen auf, mit insgesamt 5 Digitaleingängen (davon einer auf der Gerätefront) und einem Digitalausgang ist der AV-Receiver gut bestückt. Typisch für Yamaha-Geräte ist auch der RX-V640 wieder mit verschiedenen Cinema- und HiFi-DSP-Programmen bestückt, eine genaue Auflistung der Modi und weitere Ausführungen zur DSP-Funktion finden sich am Ende des Tests.

Sorgfalt bei den verwendeten Baugruppen

Auch in günstigeren Preisregionen darf nicht überall der Rotstift angesetzt werden - viele Elektronik-Features sind kostengünstig zu realisieren, aber wie sieht es mit den "Basics" aus?  Yamaha möchte auch hier beweisen, dass eine sehr gute Baugruppenqualität auch in "bürgerlichen" Preisklassen möglich ist und setzt bei den neuen AV-Receivern höherwertige Netzteilkondensatoren ein, die zusammen  mit einem besonders widerstandsarmen Netztrafo, einem Lautsprecher-Relais mit Goldkontakten und den sternförmig von einem Punkt ausgehenden Masseverbindungen für eine höhere dynamische Leistung und einen höheren Dämpfungsfaktor verantwortlich sein sollen. Das Stromniveau konnte angehoben werden, ferner liegt das gleiche Spannungsniveau zwischen allen beteiligten Baugruppen vom Ein- bis zum Ausgang an, was die Verzerrungen minimiert. Zudem ist die Digitalplatine aufwändiger aufgebaut und nun vierlagig. Vorteil dieses Aufbaus ist der im Vergleich zur letzten Receiver-Generation verkürzte Signalweg. 

Die Verarbeitung des RX-V640 ist sehr gut, das schöne Display und die Aluminium-Frontplatte sorgen für einen gediegenen Gesamteindruck, zu dem die mitgelieferte Fernbedienung ebenfalls beiträgt - sie ist tadellos verarbeitet. Nicht dazu passen möchte nur der Lautstärke-Drehregler, der aus Plastik ist. Insgesamt gelingt dem RX-V640 gleich in der ersten Disziplin ein starker Auftritt, denn der Kunde erhält ein sehr ansprechend ausgestattetes, prima verarbeitetes Gerät zum fairen Kurs.

Bewertung 

 

Bedienung

Das Bedienkonzept des RX-V640 ist sehr gut gelungen. Die mitgelieferte Fernbedienung liegt tadellos in der Hand, die jeweiligen Funktionsgruppen sind durch unterschiedlich große und/oder geformte Tasten gekennzeichnet. Das Navigationskreuz im unteren Teil des IR-Controllers gefällt mit dem mittig platzierten "Enter"-Knopf. Alle Tasten sind griffgünstig ausgeführt und weisen einen klaren Druckpunkt auf. Auch ansonsten lässt sich der AV-Receiver recht einfach bedienen. Noch besser wäre die Fernbedienung allerdings, wenn es für die wichtigsten Funktionselemente eine Beleuchtungsmöglichkeit gäbe. Auf der Frontplatte des Geräts selber finden sich recht viele Bedienelemente, durch die durchdachte Aufteilung aber wirkt der AV-Receiver nicht überfrachtet. Mit Erfolg angenommen haben sich die Yamaha-Entwickler dem Setup-Menü. Dieses wurde bei allen neuen Yamaha AV-Receivern (RX-V440, RX-V540, RX-V640, RX-V740) komplett überarbeitet und übersichtlich ausgeführt. Es gibt nun folgende Unter-Menüs:

  • Basic (Set Up, Speaker Level. Neu ist hier eine Raumgrößen-Einteilung, je nach Größe kann man für den Hörraum small, medium oder big auswählen)
  • Sound (Speaker Set/Speaker Distance/LFE/Dynamic Range/Center GEO (Equalizer zum akustischen Anpassen Centerlautsprechers)/Headphone Tone&Level)
  • Input (Zuweisung der Digital-Ein-/Ausgänge, Zuweisung der Video-Ein-/Ausgänge, Input Mode, Input Rename)
  • Option (Display Set, Memory Guard, Audio Mode, Zone Set)

Wahlweise kann man das Setup über die Fernbedienung oder auch direkt mittels dafür vorgesehener Tasten auf der Gerätefront durchführen. Die sinnvolle Unterteilung hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man schneller und übersichtlicher zur gewünschten Funktion kommt. Gerade auch für den Neueinsteiger ist diese Menüstruktur besser zu durchschauen. Die Lautsprecher-Justage geht nun ebenfalls leicht vonstatten, denn erfreulicherweise ist man nun auch bei Yamaha dazu übergegangen, dass der Anwender die Delay-Zeit bequem in Metern eingeben kann. Nicht hundertprozentig gelungen ist nur das Input-Menü für die frei zuweisbaren Digital-Audio- und Videoeingänge mit ihren Buchstabenabkürzungen. Hier muss man zunächst die insgesamt ordentliche Bedienungsanleitung konsultieren, mehr Sinn hätte es gemacht, gängige Abkürzungen zu verwendeten (z.B. opt. 1 für den 1. optischen Digitaleingang). Mittels des großen, sehr gut ablesbaren und Yamaha-typischen DOT-Matrix-Display wäre die Darstellung der von uns vorgeschlagenen Abkürzungen technisch kein Problem.

Bewertung 

 

Ton
Testequipment

Mit einer höheren Brillanz im Hochtonbereich, einer noch natürlicheren, klareren Stimmdarstellung, einem nochmals schnelleren Antritt und einer facettenreicheren Surround-Klangkulisse zeigt sich der RX-V640 gegenüber seinem Vorgänger - der immer noch ein sehr guter AV-Receiver ist - als wirkungsvoll überarbeitet. Bei "The Haunting" fällt in der Szene, als eine Fensterscheibe in tausende von Einzelteilen zerbricht, auf, dass die Effektwiedergabe präziser, genauer geworden ist - jede kleine Scherbe ist plötzlich zu orten, was auch die Plastizität des Gesamt-Klangbilds steigern hilft. Gleichzeitig schleudert der neue Yamaha aber auch alle Arten von Effektkombinationen mit noch mehr Wucht durch den Hörraum. Mit seinen hohen Kraftreserven kann man den RX-V640 für eine Übergangszeit auch ohne größere Schwierigkeiten an Standlautsprechern ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer betreiben. Die Basskraft ist noch immer ohne Fehl und Tadel, wenngleich wir für echtes Heimkino-Feeling und zur Entlastung des AV-Receivers im leistungsintensiven Bassbereich zumindest zur mittelfristigen Anschaffung eines entsprechend dimensionierten Basslautsprechers raten. Denn: Auch wenn die Endstufeneinheit des RX-V640 für diese Preisregionen ohne Fehl und Tadel ist, so können dennoch keine Wunder erwartet werden, die Kombination größerer Hörraum (ab 25 Quadratmeter), höhere Pegel und Standboxen ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer ist, gerade auf Dauer, bei günstigeren AV-Receivern praktisch generell nicht ideal.

Bei "Titan A.E." schlägt sich der RX-V640 blendend, hier gefällt auch der sehr runde, voluminöse Bassbereich und die insgesamt sehr dichte räumliche Darstellung. Typisch für ein Yamaha-Gerät, werden wieder verschiedene DSP-Programme mitgeliefert, die aber gerade für eine mitreißende Filmtonwiedergabe von einem nicht zu unterschätzenden Vorteil sind. So klang "Titan A.E." mit dem Sci-Fi-DSP-Programm besonders real, die große räumliche Weite, die dieser DSP-Modus bietet, unterstützt das auf dem Bildausgabegerät Gezeigte sehr stimmig. Bei "The Haunting" arbeitet das "Spectacle DSP" mit seiner klaren, durchdringenden Effektdarstellung besonders gut, wahlweise kann man hier auch das "Adventure"-DSP nutzen - vor der Auswahl sei eine direkte Gegenüberstellung beider Programme empfohlen. Im Vergleich zur Konkurrenz schlägt sich der RX-V640 hervorragend, besonders durch die Fortschritte, die in den Punkten Brillanz und Detaileinarbeitung gemacht werden konnten, stellt der 640er momentan das Gerät dar, an dem sich die Konkurrenz messen muss - die Gründe: Der im Hochtonbereich hervorragende Denon AVR-1803 erbringt im Vergleich zum Yamaha keine besseren Leistungen mehr, gegenüber dem RX-V630 war der Denon noch hörbar im Vorteil. Denon wie Yamaha klingen sehr harmonisch, der Yamaha kontert mit seinem noch runder klingenden Bassbereich. Der Denon hält mit der Möglichkeit, mittels Endstufen-Splitting gleich zwei Back Surround Lautsprecher anzuschließen, dagegen. Diese Funktion ist ein echter Vorteil des Denon, da man die Back Surround-Effekte mit der 2-LS-Anordnung noch klarer orten und zuweisen kann. Zudem sind zwei Back Surround-Boxen dann von Vorteil, wenn man häufiger mit mehreren Leuten Filme anhört. Doch der Yamaha kontert erneut: Bei weniger gut abgemischter Software klingt er kompletter, akustische Schwächen von DVDs kann der RX-V640 besser kompensieren. Außerdem schiebt der Yamaha im Vergleich zum Denon mit noch mehr Nachdruck an - mit soviel Nachdruck, dass selbst der sehr kraftvolle Kenwood KRF-V7060D kaum mithalten kann. Wer hier mehr will, muss schon zum 649 EUR teuren Pioneer VSX-D811 greifen, der für sein Geld bezüglich der möglichen Kraftausbrüche noch immer erste Wahl ist. Als  - minimal weniger vehemente - Alternative steht noch der Kenwood KRF-X9070D mit THX Select-Zertifikat bereit, der ebenfalls mit viel Durchschlagskraft und Antrittsstärke aufwarten kann. Doch selbst die teureren Kenwood und Pioneer erreichen nicht (der Kenwood verfehlt die Werte in Bezug auf Detailtreue und Transparenz knapp, der rustikaler zu Werke gehende Pioneer etwas deutlicher) die Kultiviertheit des RX-V640 - Kraft und Feinarbeit gehen beim RX-V640 also eine für diese Preisklasse fast perfekte Synthese ein. Mithalten kann nur der überragende Marantz SR-4300, mit dem teilt sich der Yamaha auch den einzigen echten Nachteil: Beide AV-Receiver verfügen nicht über einstellbare Subwoofer-Übernahmefrequenzen, hier sollten die Hersteller, gerade aufgrund der Bedeutung dieses Ausstattungsmerkmals, bei der nächsten Gerätegeneration nachbessern. Ansonsten herrscht in Bezug auf unseren Testkandidaten aber eitel Sonnenschein - dies beweist auch die Wiedergabe des U-Boot-Spektakels "U-571": Mit Wucht donnern die Wasserbomben-Explosionen durch den Hörraum, mit viel atmosphärischer Dichte gibt der Yamaha die fast unerträgliche Spannung, die bei der Crew vor den Kampfhandlungen herrscht, wieder. Sehr gut arbeitet der Yamaha die Charakteristika der Stimmen heraus - obwohl praktisch nur geflüstert wird. Eine Top-Leistung, auch bezüglich der Stimmdarstellung kann der Yamaha die Konkurrenz, hier sogar die ebenfalls sehr guten Denon und Marantz, distanzieren. Dies zeigt deutlich, mit wie viel Sorgfalt die Yamaha-Entwickler die konsequente akustische Verbesserung angegangen haben Mit einer Spitzenleistung schneidet der Yamaha auch bei der Sequenz von "Gladiator" in DTS ES Discrete 6.1 auf der 5. DTS Demo-DVD ab. Hier sind die Surround- und Back Surround-Klangkulisse äußerst dynamisch, die Präzision bei der Effektdarstellung kann absolut überzeugen. Auch bei "Gladiator" hört man die im Vergleich zum Vorgänger verbesserten Werte für Brillanz und Klarheit heraus, als die Brandkugeln und Brandpfeile abgeschossen werden und im gegnerischen Lager einschlagen, stellt der Yamaha diesen Prozess mit sehr beachtlicher Sorgfalt heraus.

Die Mehrkanal-Musikwiedergabe des Yamaha erweist sich als noch besser gelungen als beim Vorgänger - und nicht nur das: Auch etablierte Konkurrenten wie der Denon AVR-1803, der Kenwood KRF-V7060D oder die - teureren - Pioneer VSX-D811  und Kenwood KRF-X9070D müssen sich hier warm anziehen. Yamaha hat konsequent die Transparenz und Klarheit im Hochtonbereich verbessert, ebenfalls in nochmals besserer Form zeigt sich die Detaileinarbeitung. Damit ist das Klangbild insgesamt facettenreicher, durchsichtiger geworden - ohne dass die Yamaha-typische tadellose akustische Harmonie leidet. Hier kann man von einem AV-Receiver dieser Preisklasse eigentlich kaum noch mehr erwarten. Doch dies ist noch nicht alles, auch die Basswiedergabe wurde einer Überarbeitung unterzogen - mit Erfolg, was schön zu hören ist beim "Hotel California" von den Eagles: Der Bass agiert im Vergleich zum Vorgänger deutlich präziser und klarer, gerade trockene Bässe versteht der RX-V640, deutlich verbessert wiederzugeben. Auch bei Roy Orbisons "Pretty Woman" fallen diese Tugenden auf, hier arbeitet der RX-V640 noch präziser, feinfühliger, die Stimmwiedergabe wirkt noch minimall durchsichtiger. Wir hörten die genannten Konkurrenten am identischen Lautsprechersystem - eine so komplette Leistung wie der Yamaha im Mehrkanal-Musikbetrieb bot keiner, außer dem ebenfalls exzellenten Marantz SR-4300, der aber im Vergleich zum Yamaha etwas weniger kraftvoll anschiebt. 

Prima gelungen präsentiert sich die Dolby Pro Logic II-Integration. Im Film- und im Musikmodus gefällt die füllige Surround-Klangkulisse, die ebenfalls gut strukturiert ist. Auch kleinere Effekte kommen mit ordentlicher Plastizität zum Ausdruck. Die gesamte Basswiedergabe ist, auch im Music-Mode, tadellos gelungen, nur, wer direkt mit dem Stereoklang vergleicht, bemerkt beim Bass ein entschlosseneres Zupacken und eine höhere Präzision. Die Stimmwiedergabe gefällt ebenfalls, auch hier bietet der RX-V640 z.B. bei tieferen Männerstimmen ein beachtliches Volumen. Die Gesamthomogenität des Vortrags ist auch zu loben, immer höchst angenehm sorgt der Yamaha für ein entspanntes "Betriebsklima" - durch die Einstellmöglichkeiten des PLII Music-Modes kann man hier auch noch individuelle Anpassungen vornehmen, gerade die Center Width-Justagemöglichkeit zeigt hier Wirkung.  Erfreulich auch, dass der RX-V640 eine schon gut bekannte Yamaha-Tugend beibehalten hat: Auch dieser AV-Receiver klingt selbst bei nur durchschnittlicher Software (z.B. MP3-CDs oder Kauf-CDs mit höherer Dynamikkompression) noch erstaunlich komplett und sorgt für eine wirkungsvolle Aufwertung zu dünner Klangbilder - wobei hier hinzugefügt werden muss, dass auch der RX-V640 nicht zaubern kann, einen Gewinn bringt diese Art der Auslegung bei weniger guten Discs aber auf jeden Fall.

Im Stereobetrieb erbringt der RX-V640 für seine Klasse eine ausgezeichnete Leistung. Im Vergleich zum Vorgänger fällt vor allem die gesteigerte Brillanz im Hochtonbereich auf. Der RX-V640 stellt klarer da, ohne je, auch bei höheren Pegeln, aggressiv zu wirken. Immer ist eine hohe klangliche Harmonie gegeben, wie wir es schon bislang von den Yamaha-AV-Receivern her kannten, neu hinzugekommen ist aber die besser vorgetragene Lebendigkeit, gerade bei klassischer Musik, aber auch bei R&B-Tracks, kommt die Musik mit mehr Schwung in den Hörraum. Hier wirkt der 630er im Vergleich etwas träger und zurückhaltender, während der 640er die Spielfreude der Musiker treffender zum Ausdruck bringt. Mit seiner im Stereobetrieb gezeigten Leistung muss sich der neue Yamaha-AV-Receiver hinter keinem Konkurrenzgerät verstecken, im Gegenteil: Er übertrifft nicht nur seinen Vorgänger, sondern auch die anderen Konkurrenten seiner Preisklasse. Grund: Die hervorragend gelungene Mischung aus Frische, Dynamik und Homogenität, die man bei einem AV-Receiver dieser Preisklasse bislang noch nicht antreffen konnte. Sehr schön modelliert der RX-V640 auch Details heraus, auch anspruchsvollere Musikliebhaber, die häufiger einmal Musik in Stereo hören, sollten sich den 640er einmal anhören - hier hat sich eine Menge getan. Der Yamaha beweist, auch mit seiner vielschichtigen Wiedergabe z.B. von Streichinstrumenten (Violine, Violoncello) seine Talente. Der präzise, kraftvolle Bassbereich und die sehr feinfühlige, natürliche räumliche Abbildung vervollständigen unsere sehr positiven Eindrücke.

Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Dolby PLII
Bewertung Klang Stereo

 

Fazit

Der RX-V640 ist momentan das Gerät, an dem sich die Konkurrenz in der Preisklasse zwischen 500 und 600 EUR messen muss. Sein Trumpf ist die hohe Ausgewogenheit, nirgendwo scheinen ernsthafte Schwächen durch. Mit seinem Antritt, seiner akustischen Harmonie, seiner Brillanz und seiner Ausdruckskraft setzt der Yamaha im Mehrkanal-Musik- und im Filmton-Betrieb derzeit die Standards. Keine Disziplin, in der der AV-Receiver nur gute Ergebnisse erbringt, überall sind die Resultate überdurchschnittlich gelungen, somit bekommt der "Neuling" eine praktisch makellose Notenskala. Zu loben ist in diesem Zusammenhang, dass Yamaha konsequent die Bereiche erkannt hat, in denen der Vorgänger RX-V630 noch hinter der Konkurrenz lag. Durch die offenbar sehr sorgfältige, detaillierte Abstimmungsarbeit sind aus den Schwächen Stärken geworden. Doch der RX-V640 kann noch mehr, denn seine Stereo-Qualitäten sind auf einem sehr beachtlichen Level: Klar und präzise, räumlich ausgewogen und natürlich erbringt der Yamaha auch in dieser Teilwertung für seine Preisklasse erstklassige Leistungen. Zu diesem Eindruck passt die gelungene, weil sauber darstellende und voluminöse PLII-Integration. Sehr ordentlich ist es auch um den Bedienkomfort bestellt, ein Verdienst der neuen, übersichtlicheren Menüstrukturen. Nun ist es auch für den Heimkino-Neuling problemloser möglich, alle elementaren Settings schnell vorzunehmen. Nicht ganz optimal ist lediglich das Zuweisungsmenü für die Digital- und Videoanschlüsse ausgefallen, hier besteht Nachbesserungsbedarf. Das Gleiche gilt für die fehlende Möglichkeit zur Einstellung der Subwoofer-Übernahmefrequenz.  Zusammen mit der Tatsache, dass der Lautstärke-Drehregler des RX-V640 aus Plastik und nicht aus Metall ist, sind dies aber die einzigen kleinen Schwachstellen, die wir ausfindig machen konnten. Das ausgezeichnete Geräte-Display, die tadellos in der Hand liegende Fernbedienung, die exzellente Ausstattung inklusive Videonormwandler und das sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis setzen weitere Glanzpunkte.

Yamaha schlägt alle: Der RX-V640 hat das Zeug zum "Superstar"
Gesamturteil:
 
  Mittelklasse
Test 30.04 2003
Preis-/Leistungsverhältnis:
 
Pro:
  • Sehr runder, angenehmer Heimkino- und Mehrkanal-Musikklang

  • Sehr lebendige Surround-Klangkulisse

  • Natürliche, feinfühlige Stimmwiedergabe

  • Präzise, klare und homogene Stereowiedergabe

  • Aufwändig gestaltete DSP-Programme mit beachtlicher Wirkung

  • Leistungsstarke Endstufen mit spontanem Antritt

  • Sinnvolle Setup-Menüstruktur

  • Erstklassige Ausstattung inklusive Videonormwandler

  • Vorbildliches Gerätedisplay

  • Prima Fernbedienung

  • Exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis

Contra:
  • Keine einstellbare Subwoofer-Übernahmefrequenz

  • Lautstärkedrehregler aus Kunststoff

Technische Daten
  • AV-Receiver mit Dolby Digital/DTS-Decoder

  • Dolby Digital EX- und DTS ES Matrix/Discrete 6.1-Decoding

  • Dolby ProLogic II mit allen Einstellmöglichkeiten im Music Mode

  • Leistung: 6 x 135 W (DIN, 4 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr), 5 x 85 W (0,06 % Klirr, 20 Hz bis 20 kHz, 8 Ohm)

  • 96 kHz/24-Bit Audio-DACs

  • 32-Bit Yamaha DSP 

  • 15 einzelne DSP-Modi 

  • Silent Cinema für DSP-Programme via normalem Stereo-Kopfhörer

  • 4 Digitaleingänge (3 optisch, 1 koaxial), 1 Digitalausgang/optisch, (ohne Front Digi-In, alle frei zuweisbar)

  • 2 Komponenten-Video-Eingänge, 1 Komponenten-Video-Ausgang

  • 4 x Audio-Video-In/2 x Audio/Video-Out, 1 x Video-Out (Monitor), alle S-Video- und FBAS-beschaltet

  • 2 x Audio-In, 1 x Audio-Out

  • kompletter Front AV-Eingang inklusive S-Video und optischem Digitaleingang

  • Sechskanaleingang (DVD Audio-geeignet)

  • Pre-Out für alle Kanäle (für Back Surround ein Pre Out)

  • Schraubanschlüsse für alle Lautsprecher

  • RDS-Tuner mit 40 Festspeichern

  • Abmessungen (B x H x T in mm): 435 x 171 x 390

  • Gewicht: 13,0 kg

  • lieferbare Farben: Titan und Schwarz

  • Preis: 529 EUR

Anhang: DSP-Programme und DSP-Technik-Grundlagen

Wie von Yamaha-AV-Verstärkern und -Receivern gewohnt, tritt auch der RX-V640 mit unterschiedlichen HiFi-und Cinema-DSP-Programmen in verschiedenen Variationsmöglichkeiten an. Hier der Überblick:

HiFi-DSP:

  • Concert Hall: Wählbar: Große Konzerthalle mit reichem Klangeffekt. Ausgeprägte Reflexionen von allen Richtungen betonen die Ausbreitung der Klänge. Der virtuelle Sitz befindet sich in der Mitte unmittelbar vor der Bühne. Dieses DSP-Programm kann mit einer großen Pärsenz aufwarten.
  • Jazz Club: The Bottom Line (Jazz Club in New York mit Plätzen für 300 Personen. Klang recht natürlich, für einige Jazz-Aufnahmen geeignet. Auf jeden Fall aber, je nach Gusto, in normalem Stereo oder PLII Music gegen hören).
  • Rock Concert: Für dynamische Rockmusik geeignet. Die Daten stammen aus Rock-Club aus L.A. Virtueller Sitz des Hörers: Links in der Mitte der Halle
  • Entertainment: Disco (der Sound ist dicht und stark konzentriert, in der Praxis aber leider zu dumpf und hallbetont, hier lieber zu Pro Logic II Music greifen), ebenfalls vorhanden: 6-Kanal-Stereo. Hier kann der Pegel für den Center-Lautsprecher, die beiden Surround-Lautsprecher und den Back Surround Lautsprecher individuell eingestellt werden. Einstellbereich: 0 bis 100 % 

Cinema-DSP:

  • Movie Theater 1: Spectacle, weites Soundfeld eines 70 mm Filmtheaters wird kreiert. Besonders gut geeignet für Actionfilme mit vielen Effektsequenzen. Effektiv arbeitender Bassbereich mit großem Volumen und beachtlicher Präzision
  • Movie Theater 1: Sci-Fi, wirkt noch eine Spur weitläufiger als Spectacle, dafür z.B. bei Schusswechseln nicht ganz so explosiv. 
  • Movie Theater 2: Adventure, Sehr guter Kompromiss aus kräftiger Effektwiedergabe und hervorragender Gesamtharmonie. Voluminöser, voller Klang mit großer Dichte
  • Movie Theater 2: General, nicht unbedingt das beste Soundfeld. Manche ältere Produktionen oder Filme mit eher zurückhaltender Effektwiedergabe klingen damit eine Spur harmonischer, vielleicht auch die ein oder andere Komödie. Ansonsten kaum Verbesserungen gegenüber der "normalen" DD/DTS/ProLogic-Wiedergabe.
  • Straight Decode: Der eingebaute Decoder sorgt für eine präzise Wiedergabe der Tonquellensignale und der Soundeffekte. Kein DSP-Effekt ist bei diesem Programm aktiviert.
  • Enhanced Mode (DD/DTS/ProLogic): Dieses DSP simuliert die Multi Surround-Lautsprechersysteme von Kinos für 35 mm-Filme.  Ohne Verlust der Ortung des Originalsklangs soll eine gute Effektwiedergabe garantiert sein. Bei einigen Filmen Verbesserung des Volumens des Surround-Klangfelds

Nur für Audio/Video-Quellen in 2-Kanal:

  • Entertainment/Game: Tiefe und Raumgefühl für Computerspiele. In der Praxis lieber PLII Movie verwende, Concert Video für  mehr räumliche Tiefe bei Konzertvideos. Auf jeden Fall vergleichen mit PLII Movie vor der endgültigen Auswahl.
  • Music Video: Dieses Programm soll die lebhafte Umgebung eines Jazz- oder Rock-Konzertes simulieren. Daher laut Yamaha besonders für Live-Konzerte geeignet.
  • TV Theater/Variety/Sports: Für die geeignete Wiedergabe von TV-Sportsendungen, Nachrichten und TV-Shows
  •  TV Theater/Mono Movie: DSP-Aufbereitung für Mono-Filmmaterial
Yamaha DSP

DSP-Programme - die Grundlagen

Der Yamaha DSP Prozessor ist so aufgebaut, dass eine völlig unabhängige Verarbeitung des vorderen Präsenzbereiches und des hinteren Surround-Soundfeldes ermöglicht wird. Der Surroundbereich wird schon seit  der Einführung der Cinema DSP Technolgie 1990 (damals war Dolby Pro Logic der Mehrkanalstandard) mit zwei unabhängigen Klangfeldern für den linken und den rechten Kanal nachbearbeitet. Die Position der akustischen Effekte wird durch das dekodierte Eingangssignal vorgegeben, der Dekoder selbst arbeitet mit unendlich großer Kanaltrennung - in der Praxis jedoch ist ist die Kanaltrennung durch die nachfolgenden analogen Baugruppen des AV-Receivers (speziell zu nennen wäre die gemeinsame elektrische Masseverbindung) leicht eingeschränkt. 

Die Signalverarbeitung der einzelnen Kanäle durch den DSP Prozessor erzeugt aus den bis zu Vollfrequenzkanälen bei Dolby Digital und DTS, die nach dem Decodieren als relativ "punktförmige" Informationen zur Verfügung stehen, ein geschlossenes Klangbild. Die Ausdehnung und die Intensität, mit anderen Worten die Charakteristik des jeweiligen Klangbildes, variiert je nach angewähltem DSP Programm. Die Wahl des entsprechenden DSP Programms sollte sich nach dem vorliegenden Film- oder Musikmaterial richten, da nur beim optimalen Zusammenspiel vom Ausgangsmaterial und der gewählten DSP Nachbearbeitungsart eine optimale Performance erreicht werden kann.

Auf der Basis normaler Wiedergabearten wie Mono, Stereo, Dolby ProLogic Surround, Dolby Digital 5.1 oder DTS 5.1 gestalten die Yamaha-Toningenieure ihre eigenen Soundfelder. Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter her verschieden, denn die auf realen Messungen beruhenden Daten, die dann zu den verschiedenen vorkommenden Soundfeldern verarbeitete werden, unterscheiden sich. Bei den Soundfeldern differenziert Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das Soundfeld, welches sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den linken und rechten Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Die Presence- und Surround-Soundfeld-Daten zeigen sich in der Verteilung der virtuellen Klangquellen und der Echomuster. Die zwei unterschiedlichen Soundfeld-Typen werden mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und den Signalmischverhältnissen verarbeitet. Insgesamt ergibt sich so ein exakt auf das Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer zugeschnittenes Soundfeld.

Das erklärte Ziel von Yamaha DSP ist, die räumlichen und klanglichen Eigenschaften eines Kinosaals in einem möglichsten hohen Grad an Perfektion auf die heimischen "vier Wände" zu übertragen, beziehungsweise die geringere Anzahl der Lautsprecher zu Hause und die ungünstigeren räumlichen Bedingungen bestmöglich zum kompensieren. Daher erzeugt der Yamaha DSP Prozessor ein Klangfeld nach einem Reflexionsmuster, das dem eines Abhörstudios der Filmindustrie entspricht. Yamaha-typisch ist, dass im Surroundbereich nach Herstellerangaben keine Dipole erforderlich  sind, sondern auch Direktstrahler benutzt werden können. In der Praxis aber zeigt sich, dass sich bei der Verwendung von Dipole manche Vorteile der DSP Technologie eher noch deutlicher zeigen: Gerade die noch voluminösere, weitläufige Klangkulisse können hier überzeugen. So ist von einem Betrieb mit Dipolen also keinesfalls abzuraten.

DSP-Programme richtig verstehen: Spezielle Aspekte und Grenzen der Ton-Nachbearbeitung

  • Um bei Dolby ProLogic-codiertem Tonmaterial die rechts-/links-Trennung im Surroundbereich zu verbessern, stützt sich der dem Nachbearbeitungsvorgang zu Grunde liegende Algorhythmus des Prozessors - anders als bei Dolby Digital oder DTS - auch auf tonale Informationen aus den Stereokanälen. Dies kann im Einzelfall zu dem Eindruck führen, dass die Kanaltrennung vorn - hinten leicht eingeschränkt ist

  • Um ein geschlossenes Klangfeld ohne störende Klanglöcher im Heimkino-Raum zu erzeugen, werden Effektverläufe von vorn nach hinten oder auch von hinten nach vorn von einem Kanal an den anderen "übergeben". Speziell bei impulsartigen Signalen ist daher die hörbare Übernahme in den Surroundbereich sachgerecht - denn, so argumentiert Yamaha, dieses Verhalten entspricht genau dem in der realen Welt. Hier sollte eher der Vergleich zum Kino als der zu "reinem", also nicht nachbearbeiteten Dolby Digital gezogen werden. Auch die akustischen Eigenschaften des Hörraums spielen  - je nach dessen "Halligkeit" und/oder Hellhörigkeit - in die Wahrnehmung solcher eben geschilderter Effekt hinein. 

  • Ein weiterer Einfluss entsteht durch die akustischen Eigenschaften des gewählten DSP-Programms. 

  • Bei der Wiedergabe von Stereosignalen in einem der Movie Theatre-Programme wird der Dolby ProLogic-Dekoder aktiviert. Durch die einfache Struktur des Decoders wird dann das Differenzsignal L - R auf die Surroundkanäle geführt, somit wird das DSP zusätzlich unterstützt.  Da Yamaha die Movie Theatre Programme für die Wiedergabe von Mehrkanalton entwickelt hat hat, ist der Dolby ProLogic-Dekoder nicht abschaltbar und führt daher zu den vorher genannten unerwünschten Effekten bei der Wiedergabe von uncodiertem Stereomaterial. Da hilft dann nur die Wahl eins Programms ohne den vorgeschalteten Dolby PL Dekoder. 

Die Vorbilder für die Yamaha DSP-Programme

Mit den paar DSP-Programmen, die sich bei fast jedem AV-Receiver oder -Verstärker als Bonus Feature im Ausstattungsumfang befinden, sind die Yamaha DSPs kaum zu vergleichen. Die Yamaha-Variante ist darum sehr interessant, weil die Yamaha-Toningenieure für ihre verschiedenen Cinema- und Hifi-DSP-Programme real existierende Räume tonal exakt vermessen haben. Das heißt: Für die Kino-DSP-Programme dienten als Maßstab verschiedene Kinos auf der ganzen Welt, für die Hifi-DSP-Programme zum Beispiel Konzerthallen und Jazz-Clubs. So handelt es sich nicht um ausschließlich am Computer erstellte Programme, sondern um auf realen Bedingungen basierende.

Test: Carsten Rampacher

29.04.2003

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