Test: Yamaha DSP-AX3200

Finish, Features und Anschlüsse

Den Nachfolger des Yamaha DSP-AX2, der auf den Namen DSP-AX3200 hört, kommt gerade auf den deutschen Markt - für uns ein Grund, rechtzeitig zur Markteinführung einen Test des "neuen Familienmitglieds" anbieten zu können. Mit dem wahlweise in schwarzer oder titanfarbener Ausführung lieferbaren DSP-AX3200 bekennt sich Yamaha bei den Top-Modellen zum reinen Verstärker, denn der Receiver RX-V3000RDS bekommt keinen Nachfolger. Die technischen Daten der Neuentwicklung lesen sich vielversprechend: So decodiert der AV-Verstärker DTS ES Discrete/Matrix 6.1 und ist mit Dolby ProLogic II in Vollversion ausgestattet. Die Endstufen erbringen eine Leistung von 6 x 180 W (nach DIN, 4 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr). Weiterhin setzt Yamaha im Back Surround-Bereich auf einen Lautsprecher, dessen Performance auch für fast alle Anforderungen ausreicht. Beim ersten Betrachten des Geräts glaubt man, einen guten alten Bekannten vor sich zu haben: Im Design unterscheidet sich der DSP-AX3200 nicht grundlegend von seinem Vorgänger, und das ist, um ein seit einiger Zeit häufig strapaziertes Zitat zu verwenden, "auch gut so": Denn ebenso wie schon der DSP-AX2 gefällt der DSP-AX3200 mit einer hervorragenden Verarbeitung bis ins Detail: Massiv ist die Klappe an der Gerätevorderseite ausgeführt, hinter der sich seltener benötigte Tastengruppen befinden. Präzise arbeitet der Lautstärke-Drehregler, alle Bedienelemente überzeugen mit einer tadellosen Haptik.  Die Optik ist elegant und zeitlos - keine Frage: Gerade in der titanfarbenen Ausführung ist der DSP-AX3200 ein echter Blickfang im Geräte-Rack, erst recht, wenn er eingeschaltet wird: Das großflächige bernsteinfarbene Display in ansprechender Auflösung ist von der Gestaltung und der Ablesbarkeit her noch immer unübertroffen. Kleiner Schönheitsfehler: Ein vergoldetes Anschlussterminal auf der Geräterückseite würde sich noch besser machen. Ebenfalls könnten die Schraubanschlüsse für den Lautsprecheranschluss noch etwas größer ausfallen, was das Einführen von breiteren Kabelquerschnitten vereinfachen würde. Yamaha-typisch sind wieder vielfältige DSP-Features integriert, im Anhang am Ende des Test finden interessierte Leser einen ausführlichen Überblick über alle Features des DSP-AX3200.

Die Anschlüsse in der Übersicht: Audio/Video: 5 optische und 2 koaxiale Digitaleingänge, 2 optische Digitalausgänge,  6 Audio- und 6 AV-Eingänge (S-Video-beschaltet),  2 Audio- und 2 AV-Ausgänge, 2 Komponenteneingänge, 1 Komponentenausgang, 2 Mono-Subwoofer-Pre-Outs, Pre-Outs für alle 4 sonstigen Kanäle, 100 kHz-fähiger Sechskanaleingang, kompletter Front-AV-Eingang mit S-Video-Beschaltung und optischem Digitaleingang.

Bewertung 
Bedienung

Mittels der schon hinlänglich aus der letzten Gerätegeneration bekannten Fernbedienung, die zwar Schokoladentafel-Format hat, dafür sehr übersichtlich ist und mit einem guten Druckgefühl der Tasten aufwarten kann, und den gut strukturierten On Screen Menüs ist der Verstärker schnell betriebsfertig justiert. Wer zum ersten Mal ein Gerät aus dem Hause Yamaha gekauft hat, muss sich allerdings, möchte er den tieferen Sinn mancher Zusatzfunktion verstehen und diese richtig einsetzen, einige Minuten in die insgesamt zufrieden stellende Bedienungsanleitung einlesen, die nur manchmal noch ein wenig ausführlicher und sprachlich präziser sein könnte. Insgesamt aber gestaltet sich die Bedienung problemlos, auch die Bedienelemente am Gerät selber gefallen mit einem tadellosen Bedienkomfort. 

Bewertung 
 
Ton

Testequipment:

Software:

  • Mission To Mars (Code 2 Tonspur DTS ES Discrete 6.1)

  • Sleepy Hollow (Code 2 Tonspur DTS ES Discrete 6.1)

  • DTS Demo DVD Nr. 3

  • Independence Day (Code 2 DD 5.1)

  • Wild Wild West (Code 2 DD 5.1)

  • Peter Tschaikowsky, Der Nussknacker (Code 0, DD 5.1)

  • TDK Collection, Staatsoper unter den Linden, Berlin: Berliner Philharmoniker unter Daniel Barenboim, Ludwig van Beethovens 8. Symphonie (Code 0, DD 5.1)

  • Toni Braxton, Secrets (Audi-CD)

  • Peter Tschaikowsky, 1812 Ouvertüre (Audio-CD)

  • Carl Orff, Carmina Burana (Audio-CD)

  • Diverse Trance/Techno-CDs, qualitativ gute MP3-Aufnahmen auf CD

Film

Die klanglichen Qualitäten zeigten sich  in Bestform: Yamaha-typisch verwöhnt der DSP-AX3200 im Heimkinobereich wieder mit einem runden, homogenen, stimmigen und vollen Klangbild. So brachte der Verstärker bei "Independence Day" die erbitterten Luftschlachten zwischen den Erdenbürgern und den angriffswütigen Aliens hervorragend zur Geltung, überdurchschnittlich dynamisch aufgebaut zeigte sich die voluminöse Surround-Klangkulisse. Daher gilt auch: Bei "ID4" kann bedenkenlos die Back Surround Matrix aktiviert werden. Wenn man dann noch den Cinema DSP Mode "Spectacle" einsetzt, kann man sich den Kinobesuch getrost schenken - der DSP-AX3200 entfacht wahre Effekt-Höllenfeuer, "Pegeltreiber" können auch in Räumen zwischen 40 und 50 Quadratmetern noch begeistert von der Leistung auch bei hohen Lautstärken sein - ein kräftiger aktiver Subwoofer ist für ein noch mehr tiefbassgeladenes Effektfeuerwerk aber eine sinnvolle Ergänzung. An der Leistung des Subwoofers sollte nicht gespart werden, runde 180 bis 200 W sollte er schon an Mindestleistung mitbringen, wenn in entsprechend großen Hörräumen Druck gemacht werden soll. Hier gibt es ein paar Kauftipps - dann ist der "Wild(e) Wild(e) West(en)" noch wilder: In Kooperation mit einem Yamaha YST-SW320 ergibt sich ein sehr erfreulicher Klangeindruck. Gerade eben bei der nicht gerade zurückhaltend abgemischten "Wild Wild West"-DVD kommen die Tugenden des Yamaha-Verstärkers vor allem bei Verwendung des "Adventure"-DSPs wieder voll zum Tragen: Der sehr gut abgestimmte, nie überbetonte, aber stets kraftvoll zupackende Bass (übrigens ist das Ergebnis auch ohne Subwoofer noch immer erstaunlich vehement) und die sehr dynamische Surround-Klangkulisse können gefallen. Wer einen nochmals heftigeren Antritt und eine noch facettenreichere Surround-Klangkulisse wünscht, muss dann sich dann schon in anderen Preisklassen, in denen beispielsweise der Denon AVC-A11SR oder der Kenwood KRF-X9995D durch ihre brillanten Heimkino-Qualitäten hervorstechen, umtun. Yamaha wird in diese Preisrange in Kürze mit dem neuen DSP-AZ1 für frischen Wind sorgen.  Für seinen Kaufpreis von 1599 EUR bietet aber auch der DSP-AX3200 hervorragende Leistungen und zeigt deutlich, dass es zwar keine Soundrevolution mehr gibt von Generation zu Generation, aber eine hörbare Evolution, gerade bezüglich der Heimkino-Klangqualität. Hervorragend gefällt die Darbietung des DSP-AX3200 bei "Mission To Mars" (DTS ES Discrete 6.1): So ist die räumliche Dichte hervorragend, so wird der schöne Music Score des Marsabenteuer-Films zu einem richtigen Erlebnis, da der Zuhörer förmlich die unendlichen Weiten des Universums spüren kann: Der Klang ist homogen und weitläufig. Auffällig bei "Mission To Mars" sind, Yamaha-typisch, wieder die gelungenen Übergänge vom Mitten- in den Bassbereich, wo die Übergänge schön fließend sind und daher störende Frequenzlöcher oder Disharmonien erst gar nicht in Erscheinung treten. Lobenswert: Die natürliche, klare und passende Stimmwiedergabe. Der Basseinsatz (Beispiel: Anfang des 12. Kapitels) ist voluminös und sauber. Der Back Surround Center ist tadellos eingearbeitet, lediglich, wenn gleich einige Personen den Film genießen wollen, würde sich ein zweiter Back Surround Lautsprecher empfehlen. Sinn der zwei Back Surround Speaker ist es, die klanglichen Veränderungen, die bei lediglich einem Back Surround Speaker durch eine leicht veränderte Sitzposition oder durch Bewegungen des Zuhörers Disharmonien beim Empfinden der Räumlichkeit der von hinten kommenden Geräusche verursachen können, durch einen zusätzlichen Lautsprecher zu kompensieren. In der Praxis aber ergeben sich auch bei zwei Personen, die zusammen auf der Couch den Film anhören, keine störenden akustischen Nachteile. Glänzend schlägt sich der Yamaha auch bei "Sleepy Hollow" (DTS ES Discrete 6.1), doch wird hier wieder die unterschiedliche Auslegung von AV-Verstärkern und -Receivern verschiedener Hersteller deutlich: Während die Denon-Geräte mit einer unglaublichen Transparenz im Hochtonbereich eine bestechende Präzision im Surround-Bereich vorlegen, kontert der Yamaha mit einem großartigen, in dieser Art von keinem Konkurrenten dieser Preisklasse erreichten Volumen, in der Hochtondarstellung kommt der DSP-AX3200 aber nicht ganz an den vergleichbaren Denon AVR-3802 heran. Der sehr harmonisch, weitläufige Klang des DSP-AX3200 macht auch den "Titanic"-Trailer auf der dritten DTS Demo DVD zu einem Erlebnis. So bleibt es im Endeffekt dem Kaufinteressenten überlassen, mit welcher Auslegung er sich noch lieber anfreunden möchte, ein Spitzen-Gerät erwirbt er auf jeden Fall. Wir empfehlen jedoch, niemals "ungehört" zu kaufen, sondern vor dem Erwerb ausführlich Probe zu hören.

Musik

Bei Tschaikowskys "Nussknacker" gefiel erneut die stimmige, angenehme Darstellung des Yamaha, der einen natürlichen und lebendigen Raumeindruck vermitteln konnte. So kann die gesamte DVD auch in konzertsaaltauglichen Pegeln angehört werden, ohne dass die Nerven der Zuhörer durch zu aggressive Höhen, einen zu dominanten Mittenbereich oder durch unregelmäßige Frequenzübergange strapaziert werden - die Harmonie ist immer auf beachtlichem Niveau. Damit bekennt sich der DSP-AX3200 eindeutig zur Gattung der leicht warm abgestimmten Verstärker, die den Schwerpunkt klar auf eine homogene Gesamtdarstellung legen: Die Herausarbeitung einzelner Instrumente könnte allerdings noch mit minimal mehr Prägnanz erfolgen, was dem sehr erfahrenen Klassikliebhaber auffallen dürfte. Eine absolut überragende Vorstellung konnte der DSP-AX3200 bei Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 8 abliefern: Dieses anspruchsvolle Musikstück, abgelegt in DD 5.1 auf der DVD "TDK Collection - Berliner Philharmoniker unter Daniel Barenboim (Staatsoper unter den Linden, Berlin)": Mit welcher Dynamik er den Orchestereinsatz in den Hörraum trägt, ist überdurchschnittlich gut, so kann der Zuhörer die Spielfreude der Musiker hervorragend miterleben. Dabei neigt der Yamaha nie zur Überbetonung einzelner Teile, sondern legt größten Wert auf eine gefällige Wiedergabe, was auch sehr gut gelingt. Besonders schön: Die Streicher verhindern nicht durch eine zu aggressive Darstellung, dass nur mit limitieren Pegeln gehört werden kann. Das giftige Ansprechen bei der Übertragung diffizil darstellbarer Streicher ist dem Yamaha völlig fremd. Für eine Überraschung sorgte der neue Yamaha-Verstärker im Musikbereich: Hier tritt er (ohne den zusätzlichen Betrieb eines aktiven Subwoofers!) mit einem tadellos abgestimmten, voluminösen Bassbereich an: Bei Toni Braxtons "Un-Break My Heart" von ihrer CD "Secrets" bietet der Yamaha einen ausgewogenen und runden Bass, der hervorragend ins tonale Gesamtgefüge eingearbeitet ist. Im Steroebetrieb fällt dies ebenso auf wie beim Einsatz von Pro Logic II Music: Erstaunlich ist, wie gering der (trotzdem noch hörbare) Verlust an Bassstärke im PL II Music Betrieb ist. Weiter minimiert wird der Bassverlust, wenn ein potenter Subwoofer seinen Dienst verrichtet - das Ergebnis ist dann tatsächlich verblüffend, denn auch im PLII Music Betrieb, wie Testläufe mit verschiedenen bassoptimierten MP3 Tracks zeigte (hier ging es nicht um musikalische Qualität, sondern um einen einen schlichten Basscheck) zeigten, ist die gebotene Bassgewalt tadellos. Überhaupt ist festzustellen, dass sich der DSP-AX3200 hervorragend bei der Wiedergabe von kräftig abgemischter Dancefloor- oder Trance-Musik schlägt, wo wiederum das exzellente Gesamtvolumen dem Klang eine besondere Note verleiht. Auffällig: Für eine akkurate Wiedergabe eignet sich der sehr gut integrierte PL II Music Mode weitaus besser als das mit zu viel Hall und zu wenig druckvollem Bass agierende "Disco" HiFi-DSP-Programm. Yamaha verbaut PLII Music in der Vollversion inklusive aller Einstellmöglichkeiten, was die Anpassung des Geräts an die eigenen Hörgewohnheiten, die Raumakustik und die gehörte Musik verbessert.

Im Sechskanal-Stereo-Modus, für den Veranstalter ausgelassener Privat-Parties ein willkommenes "Goodie", kommt der DSP-AX3200 mit Vehemenz zur Sache, von Leistungsmangel keine Spur - auch hier testeten wir ohne aktiven Subwoofer, um auch einen Eindruck betreff der Leistungsfähigkeit der Endstufen zu bekommen, da bekanntermaßen gerade der Bassbereich viel Leistung benötigt, um eine optimale Performance zu entfalten. Ein angeschlossener, kraftvoller aktiver Subwoofer nimmt den Endstufen im Verstärker einiges an leistungsintensiver Arbeit ab. Auch wenn klar ist,  dass die in den Datenblättern nach DIN-Norm versprochenen 180 Watt nicht bei gleichzeitiger Aussteuerung aller Kanäle bereit stehen (was ja im Dolby ProLogic II-,Dolby Digital-  oder DTS-Einsatz im Gegensatz zum Sechskanal Stereo Mode auch eher selten vorkommt), so ist das verbleibende Leistungspotential mehr als ausreichend. Dass dem Yamaha solche Belastungen nicht viel ausmachen, zeigte auch die nach anderthalb Stunden moderate Erwärmung. Leistungsmangel gibt es somit nicht, in unserem rund 50 Quadratmeter großen Hörraum konnte der DSP-AX3200 auch bei forcierten Pegeln mit einem sehr guten Leistungsvermögen gefallen. Erschöpfungserscheinungen wie eine hörbare Kompression im Bassbereich oder unschöne Verzerrungen waren nicht herauszuhören. 

Die klanglichen Leistungen im Stereobereich zeigen den Wandel: Standen Yamaha AV-Verstärker vor noch nicht allzu langer Zeit noch im Ruf, spitz und im Hochtonbereich aggressiv zu klingen, ist hier klar eine Anpassung an den runden, homogenen Mehrkanalton herauszuhören, kurzum: Eine tadellose Leistung, nur derjenige, der viel klassische Musik in Stereo hört, vermisst etwas Transparenz und Prägnanz beispielsweise bei der Wiedergabe von Streichern. Die gesamte Harmonie ist dafür hoch, der Klang bei Tschaikowskys "1812 Ouvertüre" und bei Orffs "Carmina Burana" sehr angenehm. Hier sind also klare Fortschritte zu verzeichnen, die sich auch in einer insgesamt höheren Plastizität des Klanges niederschlagen. Trotzdem: Ganz gleich, von welchem Hersteller, selbst hervorragende AV-Verstärker können nur eingeschränkt einen guten Stereoverstärker ersetzen, was angesichts der anderen Prioritätensetzung bei der Entwicklung und Konstruktion auch kein Wunder ist. Stereofans sollten daher ihr altes Gerät für die Stereowiedergabe durchaus weiterverwenden, um so Enttäuschungen vorzubeugen. 

Bewertung Klang insgesamt
Bewertung Klang Preis/Leistung
Bewertung Klang Musik
Bewertung Klang Film

 

Fazit

Mit dem DSP-AX3200 ist Yamaha eine überzeugende Evolution der Vorgängerserie gelungen. In allen Belangen konnte die Qualität verbessert werden: So klingt der Yamaha im Bassbereich noch druckvoller, was gerade bei der effektiven Beschallung größerer Hörräume von Nutzen ist. Selbst ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer ist die tieffrequente Performance auf einem sehr guten Level. Im Heimkinobetrieb gefällt die weitläufige, dynamische Surround-Soundkulisse, zur weiteren Optimierung greifen hier die Yamaha-typischen, exzellent abgestimmten Cinema DSP-Programme, die zeigen, dass zusätzliche DSP-Programm-Optionen vielleicht bei vielen AV-Verstärkern lediglich eine nette Spielerei sind, bei einigen wenigen Geräten aber auch ein wirklich wertvolles Feature darstellen: Dass die Yamaha DSPs noch in vielerlei Hinsicht nach dem eigenen Geschmack und bezüglich der Akustik des Hörraums zu justieren sind, ist immer wieder hervorzuheben. Sehr gut klingt der DSP-AX3200 auch bei mehrkanaliger Musik, hier aber hört man am besten in den meisten Fällen "pur" und ohne zusätzliches HiFi DSP-Programm. Zwar sind einzelne Programme für sich betrachtet erfreulich gut, doch muss die zur virtuellen Raumakustik des DSP-Programms passende Software ermittelt werden, was recht zeitaufwändig sein kann. Im Mehrkanal-Musikbereich legt der DSP-AX3200 viel Wert auf einen kraftvollen und voluminösen Antritt und auf eine tadellose, überdurchschnittlich hohe Gesamtharmonie. Die Transparenz im Hochtonbereich und die Brillanz mancher Instrumente ist dafür bei einigen Konkurrenten besser. Welche Auslegung man bevorzugt, sollte man am besten in einem ausführlichen Hörtest herausfinden. Von bester Qualität ist die Integration von Dolby PLII , hier sind besonders das Volumen und der Basseinsatz zu nennen. Sonst gibt es wenig am Yamaha-Verstärker auszusetzen: Die Bedienung ist problemlos, die vielfältigen Zusatzfunktionen erfordern allerdings etwas mehr Beschäftigung mit dem Gerät. Die Fernbedienung gefällt, auch wenn das Design hausbacken wirkt. Wie es sich für ein Yamaha-Gerät der gehobenen Preisklasse gehört, ist auch die Verarbeitung wieder überdurchschnittlich gut, alles wirkt langlebig und hochwertig. 

Der DSP-AX3200  begeistert mit exzellenter Klangharmonie und Effektdarstellung

Oberklasse
Pro:
  • Herausragende klangliche Harmonie und Effektwiedergabe

  • Nützliche DSP-Programme

  • Überragende Verarbeitung

  • Sehr gute Ausstattung mit vielen Zusatzfeatures

  • Brauchbarer Stereoklang

  • Exzellent integriertes Dolby PLII

  • Problemlose Bedienung

Contra:
  • Nur eine Endstufe für den Back Surround-Bereich

  • Lautsprecher-Schraubverschlüssen könnten größer dimensioniert sein

Ausstattung und DSP-Technik

Wie von Yamaha-AV-Verstärkern und -Receivern gewohnt, tritt auch der DSP-AX3200 mit 30 verschiedenen HiFi-und Cinema-DSP-Programmen in 52 Variationsmöglichkeiten an. Hier der Überblick:

HiFi-DSP:

  • Concert Hall 1: Wählbar: Europe Hall A (große, fächerförmige Konzerthalle mit etwa 2500 Sitzen, wenig Reflexionen von den Wänden, der Klang breitet sich fein aus), Europe Hall B (Große kastenförmige Konzerthalle in Frankfurt/Main mit weniger als 2400 Sitzplätzen. Solides, kraftvolles Klangbild. Der virtuelle Sitz des Zuhörers befindet sich im rechten mittleren Abschnitt des ersten Geschosses)
  • Concert Hall 2: USA Hall C (große Konzerthalle mit 2600 Plätzen, traditionelles europäisches Design, Betonung der mittleren und hohen Frequenzen), Live Concert (Große, runde Konzerthalle mit reichen Klangeffekten, starke Reflexionen von allen Richtungen betonen die Extension des Klangs. Der virtuelle Sitz des Zuhörers ist vorn in der Mitte in Bühnennähe)
  • Church: Freiburg (lange Nachhallverzögerung, frühzeitige Reflexionen eher klein), Royaumont (Akustik des Speiseraums im mittelalterlichen Kloster Royaumont, bei Paris gelegen)
  • Jazz Club:The Bottom Line (Jazz Club in New York mit Plätzen für 300 Personen. Klang recht natürlich, für einige Jazz-Aufnahmen geeignet. Auf jeden Fall aber, je nach Gusto, in normalem Stereo oder PLII Music gegen hören), Village Gate (New Yorker Jazzclub, der sich im Keller befindet, virtuelle Sitzposition links in Richtung Raummitte).
  • Rock Concert: The Roxy Theatre (Für dynamische Rockmusik geeignet. Die Daten stammen aus Rock-Club aus L.A. Virtueller Sitz des Hörers: In der Mitte der Halle), Arena (Klassische, kastenförmige Konzerthalle, lange Verzögerungszeiten zwischen dem direkten Sound und den Effekten mit dem Raumgefühl einer großen Arena)
  • Entertainment: Disco (der Sound ist dicht und stark konzentriert - so schreibt es Yamaha. Leider ist das Hallverhalten zu ausgeprägt. Daher bevorzugen wir für Disco-Feeling ProLogicII Music und für die Privatparty Sechskanal-Stereo), 6-Kanal-Stereo (das richtige Programm für die Privatparty)

Cinema-DSP:

  • Movie Theater 1: Spectacle, weites Soundfeld eines 70 mm Filmtheaters wird kreiert. Besonders gut geeignet für Actionfilme mit vielen Effektsequenzen. Hier rangiert die hervorragende Effektwiedergabe vor der Gesamtharmonie, letztere ist aber immer noch sehr gut . Effektiv arbeitender Bassbereich mit großem Volumen und beachtlicher Präzision
  • Movie Theater 1: Sci-Fi, wirkt noch eine Spur weitläufiger als Spectacle, dafür z.B. bei Schusswechseln nicht ganz so explosiv. 
  • Movie Theater 2: Adventure, Sehr guter Kompromiss aus kräftiger Effektwiedergabe und hervorragender Gesamtharmonie. Voluminöser, voller Klang mit großer Dichte
  • Movie Theater 2: General, nicht unbedingt das beste Soundfeld. Manche älteren Produktionen klingen damit eine Spur harmonischer, vielleicht auch die ein oder andere Komödie. Ansonsten kaum Verbesserungen gegenüber der "normalen" DD/DTS/ProLogic-Wiedergabe.
  • Enhanced Mode (DD/DTS/ProLogic): Dieses DSP simuliert die Multi Surround-Lautsprechersysteme von Kinos für 35 mm-Filme.  Ohne Verlust der Ortung des Originalsklangs soll eine gute Effektwiedergabe garantiert sein. Bei einigen Filmen Verbesserung des Volumens des Surround-Klangfelds

Nur für Audio/Video-Quellen in 2-Kanal:

  • Entertainment/Game: Tiefe und Raumgefühl für Computerspiele. In der Praxis lieber PLII Movie verwenden
  • Concert Video: Pop&Rock, Opera
  • TV Theater: Mono Movie/Variety&Sports

Mini-Exkurs: Die Soundfeld-Bilder eines DSP-Programms

Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter der verschiedenen vorkommenden Soundfelder her unterschiedlich. Alle Daten beruhen, wie schon erwähnt, auf realen Messungen, zum Beispiel in großen Kinosälen. Bei den Soundfeldern unterscheidet Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das Soundfeld, welches sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den linken und rechten Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Zusätzlich kreiert die DSP-Elektronik im RX-V1200 noch ein weiteres Soundfeld und den Back Surround-Lautsprecher, damit eine möglichst homogene und zugleich exakte klangliche Ausleuchtung möglich wird. Die Presence- und Surround-Soundfeld-Daten finden ihren Ausdruck in der Verteilung der virtuellen Klangquellen und der Echomuster. Da jedoch die zwei unterschiedlichen Soundfeld-Typen mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und den Signalmischverhältnissen ausgedrückt verarbeitet werden, werden sie als ein auf dem Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer beruhendes Soundfeld ausgedrückt - was sich in der Praxis vor allem durch einen harmonisches, rundes Klangbild, eine kräftige Effektwiedergabe und eine hohe Klangdichte bemerkbar macht - auch wenn dies nicht für alle DSP-Programme gleichermaßen gilt. So ist ProLogic II summa summarum den meisten HiFi-DSPs überlegen, vor allem die sinnvollen Einstellmöglichkeiten, kombiniert mit dem natürlichen Klangbild ohne den Einfluss störenden Halls, sorgt für universelle Einsatzmöglichkeiten. Einige der Cinema-DSPs hingegen beeindrucken mit einer gelungenen Filmtonwiedergabe. 

Für den wahren Heimkino-Fan mit einigem Sachverständnis bietet Yamaha auch noch verschiedene Nachbearbeitungsfunktionen für die DSP-Programme:

  • INIT.DLY (Initial Delay = Anfängliche Verzögerung): Mit dieser Funktion kann der wahrgenommene Abstand vom Quellensound verändert werden: Die Verzögerung zwischen dem direkten Klangbild und der ersten wahrgenommenen Reflektion kann hier in einem Steuerungsbereich von 1 bis 99 Millisekunden eingestellt werden. Je kleiner der Wert ist, umso näher scheint der Quellenklang akustisch am Hörer zu liegen, bei einem großen Wert entfernt sich der Quellenklang akustisch weiter. Ein kleiner Wert ist für einen kleinen Hörraum, ein großer für einen großen Hörraum zu empfehlen
  • P.INIT.DELAY: 
  • ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die wahrnehmbare Größe des Surround-Soundfeldes ein. Je größer der Wert, umso größer wird das Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 0,1 bis 2,0. Da der Klang wiederholt in einem Raum reflektiert wird, kommt es mit zunehmender Größe der Halle dazu, dass die Zeit zwischen dem ursprünglich reflektierten Sound und den nachfolgenden Reflexionen zunimmt. Durch die Möglichkeit der Steuerung der Zeit zwischen den reflektierten Sounds kann man die wahrnehmbare Größe des virtuellen Saales ändern. Wenn der Parameter von 1 auf zwei verdoppelt wird, verdoppelt sich die wahrzunehmende Länge des Raumes
  • P.ROOM.SIZE: Die selbe Funktion wie zuvor beschrieben für das Präsenz-Soundfeld
  • LIVENESS (Lebendigkeit): Dieses Tool stellt das Reflexionsvermögen der virtuellen Wände in der Halle ein, indem die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen geändert wird. Einstellbereich 0 bis 10. Einsatzbereich dieser Funktion: Da die frühzeitigen Reflexionen einer Klangquelle in einem Raum mit hoher Akustikabsorbation viel schneller abklingen als in einem Raum mit stark reflektierenden Wänden, kann mit dem LIVENESS-Parameter die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen von  einem "toten" Raum (Raum mit hoher Absorbationsrate) zu einem "lebendigen Raum (Raum mit stark reflektierenden Wänden) verändert werden
  • S.DLY (Surround Delay = Surround-Verzögerung): Wie die Funktionen zuvor, diesmal geht es um die Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion in einem Surround-Soundfeld. Einstellbereich 0 bis 49 Millisekunden, abhängig vom Digitalformat
  • S.INIT.DELAY: Anfängliche Surround-Verzögerung, Regelbereich 1 - 49 ms. Einstellung der Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion auf der Surround-Seite des Klangfeldes
  • S.ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die anscheinende Größe des Surround-Soundfeldes ein (Regelbereich 0,1 - 2,0)
  • S.LIVENESS (Surround-Lebendigkeit): Einstellmöglichkeit von 0 bis 10 für das wahrnehmbare Reflexionsvermögen der virtuellen Wände im Surround-Soundfeld. Je größer der Wert, umso reflektierender werden die Wände des Surround-Soundfeldes
  • RC.INIT.DLY (Rear Surround Center Initial Delay = Anfängliche Verzögerung des hinteren Center-Sound-Feldes): Wie Funktion davor, nur geht es diesmal um das hintere Center-Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 1 bis 49 Millisekunden
  • RC ROOM SIZE (Rear Center Room Size): Einstellmöglichkeit für die wahrnehmbare Größe des hinteren Center-Surround-Soundfeldes. Einstellbereich 0,1 bis 2,0, je größer der Wert, umso größer die Reflektion der Wände des Presence-Soundfeldes. Eine leichte Anhebung kann, zusammen mit S.Liveness, je nach Reflexionsverhalten, für eine leicht weiträumigeres Klangfeld sorgen.
  • RC.LIVENESS (Hintere Center-Lebendigkeit) siehe Funktion zuvor, diesmal für den Rear Surround Center
  • REV.TIME (Reverbation Time = Widerhallzeit):  Stellt die Zeitspanne ein, die für das Abklingen des dichten, nachfolgenden Widerhall-Sounds um 60dB (bei 1 kHz) benötigt wird. Folge: Die wahrnehmbare Größe des akustischen Umfeldes wird über einen sehr weiten Bereich geändert. Einstellbereich: 1,0 bis 5,0 Sekunden. Empfehlung: Bei "toten" Signalquellen und/oder Hörräumen längere Widerhallzeit, bei "lebendigen" Signalfelder und/oder Hörräumen eine kürzere, denn zuviel Widerhall sorgt genauso für eine unnatürliche Klangkulisse wie zuviel. Hier sollte man zunächst genauere Untersuchungen über die akustischen Eigenschaften des Hörraums anstellen. (Material der Wände? Wenig/viele Möbel? Teppichboden oder Parkett? usw.)
  • REV.DELAY (Reverbation Delay = Widerhallverzögerung): Einstellmöglichkeit von 0 bis 250 Millisekunden für die Zeitdifferenz zwischen dem Beginn des direkten Klangs und dem Beginn des Widerhalls. Je größer der Wert, umso später beginnt der Widerhall. Ein späterer Beginn des Widerhalls erzeugt ein Klangfeld, das den Eindruck vermittelt, in einem größeren akustischen Umfeld zu sein. Vorsicht bei der Einstellung: Wer es zu gut meint, erreicht nur einen unnatürlichen Klangeindruck, der weder zum Hörraum noch zum wiedergegebenen Material passt.
  • REV.LEVEL (Reverbation Level = Widerhallpegel): Stellt die Lautstärke des Widerhalls ein (0 bis 100 %), je höher der Wert, umso lauter der Widerhall

Weitere nützliche Ausstattungsmerkmale:

  • Silent Cinema: DSP-Programme können via Kopfhörer genossen werden. 

  • Als wertvolles Feature verfügt der Yamaha DSP-AX3200RDS auch noch über einen Equalizer für die Anpassung des vorderen Centers. Dieser ermöglicht es, die Klangcharakteristik des vorderen Center-Speakers der der Hauptlautsprecher anzupassen (Regelbereich -6 bis +6 dB). Fünf Frequenzbänder (100 Hz, 300 Hz, 1 kHz, 3 kHz und 10 kHz) ermöglichen eine präzise Anpassung im gesamten Frequenzspektrum. Die Vorzüge in der Praxis: Wer einen Center mit klanglichen Eigenschaften verwendet, die sich von denen der Hauptlautsprecher unterschieden (das ist der Fall, wenn der Center von einer anderen Marke als die Hauptlautsprecher sind oder von der gleichen Marke, aber aus einer anderen Serie und daher mit anderer Klangcharakteristik versehen). Gleichzeitig kann mit Hilfe des Grafik-Entzerrers die oftmals zu mittenbetonte Charakteristik des Center-Speakers korrigiert werden. 

  • Als ebenfalls nützliches Tool zum Anpassen des Equipments stellt sich die Low Frequency Test-Funktion heraus. Hiermit kann die Lautstärke des Front-Subwoofers an die Lautstärke der anderen Lautsprecher angepasst werden, damit keine Über- oder Unterbetonung und somit ein unausgeglichenes Klangbild die Folge ist. 

  • Via "Input Rename" können den Eingängen eigene Namen zugewiesen werden

Die technischen Grunddaten:
  • DD/DTS-AV-Verstärker mit Decoderierung von DD 5.1 EX, DTS ES Discrete/Matrix 6.1 sowie Dolby PLII in Vollversion
  • 6 x 180 W (nach DIN, 4 =hm, 1 kHz, 0,7 % Klirr)
  • Neuer Yamaha-eigener 32-Bit-Fließkomma-Prozessor (YSS 938)
  • 96 kHz/24-Bit Audio-DACs für alle Kanäle
  • 30 Surround-Programme mit insgesamt 52 Variationsmöglichkeiten
  • SILENT Cinema
  • Anschlüsse Audio/Video: 5 optische und 2 koaxiale Digitaleingänge, 2 optische Digitalausgänge,  6 Audio- und 6 AV-Eingänge (S-Video-beschaltet),  2 Audio- und 2 AV-Ausgänge, 2 Komponenteneingänge, 1 Komponentenausgang, 2 Mono-Subwoofer-Pre-Outs, Pre-Outs für alle4 sonstigen Kanäle, 100 kHz-fähiger Sechskanaleingang, kompletter Front-AV-Eingang mit S-Video-Beschaltung und optischem Digitaleingang
  • Multi-Room-fähig
  • RS232-Schnittstelle
  • Vorprogrammierte und lernfähige IR-Fernbedienung mit LC-Display
  • Gewicht 21 kg
  • Maße (B x H x T in mm): 449 x 191 x 468
  • Gehäusefarben in Deutschland: Schwarz und Titan
  • Preis: 1599 EUR

Test: Carsten Rampacher

19. März 2002 

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