Test: Toshiba SD-510E

05.02.2002 (cr)

Das Testgerät wurde uns zur Verfügung gestellt von
Karsten Becker Hard- & Softwareentwicklung

Finish, Features und Laufwerk

Progressive Scan-Ausgabemöglichkeit bei NTSC-DVDs, Dolby Digital-Decoder, DVD Audio-Wiedergabemöglichkeit, CD-R, CD-RW und MP3-CD-Wiedergabe, und das Ganze für rund 600 € - geht nicht, werden viele Heimcineasten sagen. Geht doch. Genau zu diesem Preis bietet Toshiba den SD-510E an, dem, in schwarzer oder silberner Ausführung lieferbar, zur Vollausstattung nur noch der DTS-Decoder fehlt. Zaubern kann man eben auch bei Toshiba nicht, und es ist schon so höchst beachtlich, was der Player alles mitbringt. Optisch schlicht gehalten, aber sauber verarbeitet präsentiert sich das Gehäuse, nach dem Öffnen des Geräts herrscht zunächst Ernüchterung: Es befinden sich kaum Platinen im Geräteinneren, so dass der Verdacht aufkommt, dass vielleicht die Hälfte der Baugruppen vergessen wurden - anscheinend ist die Integration der verschiedenen Baugruppen bei Toshiba schon weit vorangeschritten.

Erst einmal in Betrieb, verfliegen solche Zweifel allerdings rasch. Leise und schnell kommt nach der Anforderung per Knopfdruck die DVD-Lade herausgefahren, sonderlich hochwertig gelagert ist sie, wie bei den meisten Konkurrenzprodukten dieser Preisrange, allerdings nicht. Hervorragend: Die bei vielen Playern oft langwierige Prozedur, eine MP3-CD einzulesen, bewältigt unser Testgerät schon fast in Rekordzeit, auch andere CDs oder DVDs liest das Laufwerk extrem schnell ein. Ordentlich ist der Klang im MP3-Modus, kleine klangliche "Unreinheiten" auf MP3-CDs, dies förderte der Testalltag zu Tage, könnte der SD-510E aber noch souveräner meistern. Aussetzer leistet sich der Toshiba beim Abspielen von MP3-CDs nur wenige und repräsentiert so den üblichen Stand der Technik. MP3-Ton kommt nicht nur aus dem analogen Ausgang, sondern auch aus dem digitalen Pendant, wenigstens ein kleiner Ausgleich für die kargen Menüs mit ihrer Beschränkung auf maximal acht Zeichen des Dateinamens. Skippen geht schnell und problemlos, aber Spulen kann man nicht innerhalb eines MP3-Tracks. Shuffle Player oder Programmierungen sind ebenfalls nicht möglich. Wohl möglich ist aber eine ausgesprochen gute SVCD-Wiedergabe. Unser Testplayer spielte das vcdhelp-Muster problemlos in tadelloser Bild- und Tonqualität und ohne Ruckeln ab.  Bezüglich der Fehlerkorrektur erreicht der DVD-Spieler ein vollauf befriedigendes Ergebnis: Beim Abspielen unserer Fehlerkorrektur-Test-DVD spielte der Player bis Track 16 ohne Probleme die Tracks mit den simulierten Fehlern ab, ab Track 17 dann blieb das Bild öfters stehen, bei Track 23 war endgültig Schluss. Einen Absturz leistete sich der Toshiba während des gesamten Testbetriebs nicht, dafür ein etwas zu dominantes Laufwerksgeräusch, auch wenn im Vergleich zum Toshiba SD-210E ein deutlicher Fortschritt erzielt werden konnte: Wer nicht mehr unmittelbar neben dem DVD-Player sitzt, wird das Geräusch nicht als störend empfinden. Trotzdem: Es geht noch leiser, wie verschiedene Konkurrenten zeigen.

 

Bewertung Fehlerkorrektur/Laufwerk 

Bezüglich der Ausstattung bietet der Toshiba gerade für die Käuferschichten, die in erster Linie ein Top-Bild von einem DVD-Player erwarten, ein exzellentes Niveau. Nichts an Anschlüssen fehlt, auch nicht eine Progressive Scan-Ausgabemöglichkeit (für NTSC-DVDs). Das einzige, was vermisst wird, ist ein Videoequalizer, aber alles kann auch Toshiba für diesen Betrag nicht mitliefern. MP3-CDs und SVCDs spielt der SD-510E ebenso ab. Die Verarbeitung des sehr schlichten Geräts ist ohne Fehl und Tadel. 

Bewertung Finish, Features insgesamt 

 

Bedienung

Nicht nur Quell der Freude ist die Fernbedienung. Obwohl recht hochwertig ausgeführt und eigentlich auch ergonomisch in Ordnung, kann die Handhabung des kleinen Steuerungs-Joysticks nicht voll überzeugen. Zu unpräzise ist die Steuerung, so gelangt man des Öfteren in ein Untermenü, in dem man eigentlich gar nichts einstellen wollte. Als hilfreich erweist es sich da, dass Toshiba eine weitaus besser zu steuernde Navigationseinheit direkt auf die Gerätvorderseite integrierte, die zum Tätigen der Grundeinstellungen auf jeden Fall der Verwendung der Fernbedienung vorzuziehen ist. Weitere kleine Schwäche im Bedienkonzept: Es muss im Menü zwischen der Ausgabe via Sechskanal-Out und der via Digitalausgang hin- und hergeschaltet werden. Die Menüs sind dafür übersichtlich strukturiert und logisch aufgebaut.  

Bewertung

 

Bild

Die visuellen Eigenschaften des SD-510 sind hervorragend und zeigen eindrucksvoll, was Player dieser Preisklasse heute zu leisten im Stande sind, wobei klar herausgestellt werden muss, dass der Toshiba in seinem Preissegment bezüglich der Bildqualität zumindest momentan den Spitzenplatz einnimmt. Im NTSC-Progressive-Betrieb erfreut der SD-510E mit den Progressive-typischen flüssigen Bewegungsabläufen, die Ränder der auf dem Bildausgabegerät gezeigten Objekte sind sauber gezeichnet, wenngleich der Toshiba hier nicht die Präzision an den Tag legt, die vor kurzem beim Kenwood DVF-R9050 beobachtet werden konnte - kein Wunder, der Kenwood spielt zum einen in einer völlig anderen preislichen Liga, zum anderen stellt er das momentan beste NTSC-Progressive-Bild überhaupt zur Verfügung. Exzellent sind  die Bildschärfe und die Detailtreue des Toshiba, dies gilt für Progressive- und Interlaced-Betrieb - hier bietet der SD-510E derart gute Leistungen, dass man spontan denkt, der Player spiele in einer ganz anderen Klasse mit.  Die etwas kalte, neutrale Farbwiedergabe, die manchen Toshiba-Playern eigen war, findet sich, wie Interlaced-Testläufe mit der "Mumie"  und der Real-Testbild-Sektion der DVD-Discovery zeigt, hier nicht mehr: Eine volle, leicht ins kräftige tendierende Farbwiedergabe trägt ihren Teil zum sehr gefälligen Gesamteindruck bei. Im Interlaced- wie auch im Progressive-Betrieb kann der Toshiba mit seiner plastischen und tiefen Schwarzwiedergabe punkten, wie Testläufe mit "Independence Day" sowie "Jurassic Park I und II" zeigten.  Noch verbesserungsfähig ist der Layerwechsel, das Bild bleibt deutlich sichtbar stehen, der Ton setzt aus - hier haben die Hersteller noch einiges zu tun. 

Bewertung

 

Ton

Die DVD Audio Integration ist gut gelungen, erfüllt aber eher den Zweck eines netten Zusatzfeatures, was in Anbetracht der sonstigen Ausstattungsmerkmale und in Relation zum Kaufpreis auch erwartet wurde. Wer auf allerhöchstem Niveau Musik von DVD-As genießen möchte, schaut sich besser bei DVD Universal-Playern um, die über eine aufwändige Audiosektion mit hochwertigen Netzteilen, Transformatoren und edlen D/A-Wandler verfügen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Toshiba SD510E klingt wirklich brauchbar, aber es fehlt dem Sound etwas das Fundament, die Spontanität und die Lebendigkeit, wie sie beispielsweise dem Denon DVD-1600 eigen ist, oder die herausragende Managen von Dynamiksprüngen, eine Spezialität des Pioneer DV-646A. So spielt der Toshiba eher die Rolle des visuellen Künstlers, der als Dreingabe noch über eine ordentliche DVD Audio-Wiedergabe verfügt, als den Part des audiophilen Akustikwunders. Wer aber ab und zu mal eine DVD Audio-Disc hören möchte, wird mit der Leistung des Toshiba vollkommen zufrieden sein, denn in allen Teildisziplinen, sei es die Plastizität, das Abbildungsverhalten im Hochtonbereich oder die Räumlichkeit der Surround-Klangkulisse bei Mehrkanal-DVD Audio-Aufnahmen (Beispiel: Steely Dan/Two Against Nature, Beehtoven-Symphonien 4&5, Warner/Teldec DVD Audio, 96 kHz 24 Bit 6-Kanal), überall erreicht der SD-510 respektable Werte. Ordentliche Leistungen erbringt der DVD-Player auch bei herkömmlichen Audio-CDs, wo er bei normalen Ansprüchen problemlos einen eventuell noch vorhandenen CD-Player ersetzen kann.  Der interne Decoder gefällt mit einer recht lebendigen Effektdarstellung (DVD: Independence Day Code 2), der Bassbereich reicht im Volumen zwar nicht an einen vollwertigen AV-Verstärker oder -Receiver heran, erreicht aber für einen DVD-Player mit internem Decoder ein beachtliches Niveau, das sich sogar mit manchem älteren Einstiegs-Receiver messen lässt. Auch die Präzision im Tiefbassbereich ist hervorzuheben - im Zusammenspiel mit einem exzellenten Magnat Omega 380 ergibt sich so eine durchaus brauchbare Bass-Performance, ähnlich wie der  Pioneer DV-646A überzeugt so der DD-Decoder voll und ganz. Gerade in Anbetracht der guten Qualität ist es schon etwas schade, dass Toshiba aus Kostengründen auf die Integration eines DTS-Decoders verzichtet hat.  Von exzellenter Qualität: Der glasklare, fein auflösende und transparente Digitalton.

Bewertung

 

Fazit

Noch nie ist uns ein vergleichbar günstiger DVD-Player mit einem derart guten Bild begegnet - der Toshiba zeigt, was visuell zu einem unverbindlichen Verkaufspreis von rund 600 EUR (der Straßenpreis dürfte sogar noch spürbar darunter liegen) Stand der Dinge ist: Mit einem absolut klaren, brillanten und scharfen Bild verweist er die Konkurrenz auf die Plätze. Mehr bietet kein vergleichbar teures anderes Modell, auch was die herausragende, plastische Schwarzdarstellung oder die Detailtreue anbelangt, setzt der Toshiba in seiner Preisklasse Glanzlichter. Bei weniger guter Software zeigt der SD-510E auslegungsbedingt die Fehler etwas deutlicher als manches tendenziell etwas weicher ausgelegtes Konkurrenzgerät, ohne das Sehvergnügen aber entscheidend zu schmälern. Hier ist ohne Zweifel ein bezüglich der Bildqualität überdurchschnittlich gutes Gerät entstanden, das im Vergleich nur mit weitaus teureren Playern visuell den kürzeren zieht, und selbst da sind es dann keine gewaltigen Unterschiede. Ebenso hervorragend in Form präsentiert sich der klare und präzise, fein auflösende Digitalton. Ordentlich ist der DVD Audio-Klang, hier muss dem Käufer aber klar sein, dass Toshiba die DVD Audio Funktion eher als zusätzliches Feature ansieht. Anders ausgedrückt: Der audiophile Genießer schaut sich besser in den Preisklassen darüber um, denn auch der Konkurrent Panasonic DVD-RA61, für sich betrachtet auch ein extrem gutes Gerät, setzt die Schwerpunkte nicht gerade im Bereich des audiophilen Hörvergnügens der Extraklasse. Günstigste Möglichkeit, hier in den Genuss erstklassiger Audioeigenschaften zu kommen, ist hier der bezüglich des DVD Audio- und CD-Klangs überragende Denon DVD-1600. Wem ein extrem kräftiger Antritt über alles geht, kann sich auch den sehr guten Pioneer DV-646A einmal anhören. Der interne DD-Decoder des Toshiba klingt auch alles andere als schlecht (vor allem der Bassbereich überzeugt auf der ganzen Linie), der Kaufinteressent wird den SD-510E aber eher wegen seines in allen Belangen begeisternden Bildes kaufen. Freunde multimedialer Wiedergabemöglichkeiten werden ebenfalls gut bedient. Problemlos las der Player unsere Test-SVCD ein, insgesamt befriedigend sind die MP3-Qualitäten, wo er sich bezüglich den Menüs und der Wiedergabequalität dem Pioneer DV-646A beugen muss. Keinem beugen muss sich der Toshiba mit seinem extrem schnellen Laufwerk, dass alles und jedes innerhalb allerkürzester Zeit zuverlässig einlas. Auch bei der Fehlerkorrektur-Prüfung konnte ein voll befriedigendes Ergebnis erzielt werden, allerdings sollte das Laufwerk bezüglich des zwar noch erträglichen, aber nicht gerade leisen Laufgeräuschs optimiert werden. 

Bezüglich der Bildqualität das Gerät, am dem sich die Konkurrenz in dieser Klasse messen muss

Obere Mittelklasse
Pro:
  • Exzellente Bildqualität im Interlaced- und im Progressive-Betrieb

  • Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis

  • Hervorragender Digitalton

  • Extrem schnelles Laufwerk

  • Praxisgerechte Ausstattung

Contra:
  • Kleine Bedienungsmängel

  • Layerwechsel verbesserungsfähig

 

Die Ausstattung und Technik:
  • DVD Audio-/Video-Player mit integriertem DD-Decoder
  • 24-Bit/192-kHz-D/A-Wandler 
  • Progressive Scan-Ausgabe von Bildsignalen bei NTSC-DVDs möglich
  • CR-R/CD-RW-Playback
  • MP3- und SVCD-Wiedergabe
  • Virtual-Surround-Funktionen 
  • 1 YUV-Ausgang (Interlaced oder Progressive Scan)
  • 1 SCART-Buchse (mit RGB- oder S-Video-Ausgabemöglichkeit)
  • Optischer und koaxialer Digitalausgang für PCM, Dolby Digital, MPEG und DTS
  • 1 x Analog-Stereo-Ausgang
  • 1 x FBAS (Composite)-Video-Ausgang
  • 5.1-Kanalausgang (für DVD-Audio, Dolby Digital)
  • 1 x Hosiden (S-Video)-Buchse
  • Abmessungen in mm (B x H x T) 430 x 81,0 x 311
  • Gewicht 3,0 kg
  • In Schwarz oder Silbern erhältlich
  • Listenpreis 1199 DM 

Test: Carsten Rampacher

06. Februar 2002