Preview: Teufel Ultima 5

28.02.2005 (cr)

Musik in Stereo zu genießen ist nach wie vor "in" - auch wenn komplette Mehrkanallautsprechersysteme inzwischen überdurchschnittlich stark gefragt sind, so wächst das Häuflein Aufrechter, die am guten alten Zweikanalklang festhalten, wieder - ein Trend, in diesem Fall Multichannel-Home Audio, löst auch immer einen Gegentrend nach dem Motto "Back to the Roots" aus. Dieser zugegebenermaßen noch verhältnismäßig geringe, aber doch spürbaren Aufwind für Stereoprodukte ist auch der Firma Teufel, traditionell der Home Theatre-Fraktion verbunden, nicht entgangen: Teufel goes Stereo - warum eigentlich nicht?

Gerade designverliebte Anwender, die zudem noch hochwertigen Klang wünschen, werden äußerst angetan sein von den "neuen alten Teufeln" - denn die optisch identische Box gab es bereits für kurze Zeit im fernen Jahr 1991, damals wurde der Lautsprecher sogar als als „Design-Innovation“ des Design-Zentrums Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Das Innenleben der "wiederbelebten" Ultima 5 ist natürlich nicht mehr identisch mit den damals verwendeten Teilen, vielmehr kommt moderne Lautsprecher- und Frequenzweichentechnik zum Einsatz. 

Durch ihren schlanken Auftritt passt die silberfarbene Ultima sehr gut in die heutige Zeit. Das von oben gesehen quadratische Gehäuse hat nur eine Kantenlänge von 17 Zentimetern und steht auf einem breiteren, schwarzen Sockel, der auch die Frequenzweiche und die vergoldeten, für Bi-Wiring-Betrieb geeigneten Anschlussklemmen aufnimmt. Teufel führt als Vorteil dieser Konstruktion an, dass die Frequenzweiche dort unten im Sockel besonders gut vor Vibrationen geschützt ist. Auch macht die Ultima 5-Box durch die halbrunden LS-Chassis-Abdeckungen, die aus mit Stoff bespannten Metallgittern bestehen und somit sehr hochwertig wirken, auf sich aufmerksam. Auf den ersten Blick scheinen diese willkürlich auf der Frontwand verteilt zu sein - doch wie so oft trügt der Schein, folgt doch die Platzierung der Chassis gleichermaßen akustischen, technischen und ästhetischen Regeln: Die Lautsprecher-Anordnung entspricht dem sogenannten "Goldenen Schnitt", einer seit der Antike als ideale geometrische Proportion geltenden Regel. Der Goldene Schnitt stellt aus mathematischer Perspektive gesehen ein bestimmtes Teilungsverhältnis einer gesamten Strecke dar. Dabei wird die Gesamtstrecke so in zwei Teilstrecken unterteilt, dass die größere Teilstrecke (genannt "Major") sich in proportionalem Verhältnis zur Gesamtstrecke verhält wie die kleinere Teilstrecke (genannt "Minor") zur größeren Teilstrecke. 

Der Goldene Schnitt beinhaltet, dass die menschliche Sinnesempfindung die Aufteilung einer Fläche oder Strecke im Verhältnis von etwa 3 : 5  als besonders Harmonie spendend wahrnimmt. Ein in dieser Weise asymmetrisches Teilungsverhältnis, das den hier erläuterten Grundsätzen folgt, wird vom Betrachter nachweislich als natürlich, das heißt in Übereinstimmung mit der Natur, bewertet. Schon die alten Griechen, in Bezug auf Kultur und Ästhetik besonders hochstehend, kannten dieses ideale Teilungsverhältnis, das sich ihrer Meinung auch in den einzelnen Proportionen unseres Körpers finden lässt, und genau aus diesem Grund wird es als besonders stimmig und passend empfunden.  So weit, so gut - zurück zur Ultima 5: Hier strahlt der Hochtöner genau in Ohrhörer der sitzenden Zuhörer ab, der darunter sitzende Mitteltöner hat ebenso wie die beiden im Parallelbetrieb schwingenden Tieftöner eine eigene Gehäusekammer, wobei der Bass zusätzlich durch Reflexöffnungen unterstützt wird (Bassreflex-Lautsprecher). Schließlich verhindern die plan in die Frontwand eingesetzten Chassisabdeckungen unerwünschte Beugungen und Brechungen des Schalls, wie sie bei eingerahmten und somit hervorstehenden Lautsprecherbespannungen die Regel sind. 

Aufwändige Technik  kommt auch bei den durchweg magnetisch abgeschirmten Chassis zum Einsatz. Als Tief- und Mitteltöner fungieren 130 mm-Treiber, als Hochtöner wird ein Ringstrahler verwendet. Dieser weist mit seiner doppelt gewellten und zweifach gelagerten Membran eine ganz spezielle Bauform auf. Da nur eine extrem geringe Masse bewegt werden muss, reicht der lineare Frequenzgang bis jenseits von 30 Kilohertz, was die Ultima auch für DVD-Audio- und SACD-Liebhaber interessant macht. Ein Dorn im Zentrum des Ringstrahlers sorgt außerdem für ein optimales Abstrahlverhalten. 

Bleibt die wichtige Frage zu klären, was soviel Hightech kostet - 499 € pro Box sind nicht zuviel, allerdings liefert Teufel die Ultima nur paarweise für 998 € aus. In Einzelfällen wird eine Box bei telefonischer Anfrage extra geliefert - das schafft Spielraum für neue Erwägungen: Fünf Ultima 5 können dann, den nötigen Platz vorausgesetzt, als hochwertiges Musik-Multichannel-Set eingesetzt werden. Soll es nicht an tieffrequentem Fundament fehlen, um auch z.B. Actionfilme genießen zu können, bietet sich der kompakte, preisgünstige und leistungsstarke M3100 an, der mit 450 € pro Stück und dicken 400 Watt Musikleistung (250 Watt sinus) kräftig antritt. Besonders schmackhaft wird eine solche Anlage dann, wenn man sich gleich zwei M3100 anschafft, diese unauffällig im Raum verteilt (denn solche optischen Leckerbissen wie die Ultima 5 sind diese eher nüchtern-sachlichen Subwoofer nicht), die Ultima 5 via Bi-Wiring anschließt (Hoch-/Mittel- und Tieftöner werden dann von zwei getrennten Endstufeneinheiten angesteuert) und dann noch einen sehr potenten AV-Verstärker einsetzt - dann hat man für sein Lautsprechersystem insgesamt knapp 3.400 € gezahlt und erhält dafür enorm viel Performance.


Denn: Die Ultima 5 überzeugt in der Praxis auf der ganzen Linie, dies zumindest ist unser Eindruck nach einem kurzen Kennen lernen. Das sauber verarbeitete MDF-Gehäuse ist ebenso als Pluspunkt zu vermerken wie die hochwertigen Anschlussterminals. Die elegant-schlichte Form sorgt durch ihren gekonnten Minimalismus für Aufsehen und bringt dem Lautsprecher nicht nur eine Funktion als Schallwandler, sondern auch als Designobjekt in der eleganten Wohnlandschaft ein. Die Ultima 5 muss man nicht verstecken - im Gegenteil, durch die einfachen, streng geometrischen Formen verbunden mit den progressiven Chassisabdeckungen sind sie ein echter Blickfang, ohne durch optische Aufdringlichkeit zu stark auf sich aufmerksam zu machen. 

In Aktion haben wir die Ultima 5 in einem reinen Stereoaufbau erlebt und waren von den Leistungen ohne die tatkräftige Unterstützung eines zusätzlichen aktiven Subwoofers tief beeindruckt. Trotz der schlanken Bauweise spielt sie erstaunlich rund und voluminös auf. Sicherlich, es können keine Basswunder erwartet werden, aber vom bassarmen, schmalen Sound vieler säulenartig aufgebauten Konkurrenzmodelle distanziert sich die Ultima doch deutlich. Der Lautsprecher spielt mit erstaunlicher Souveränität bis auf 50 Hz hinunter, was gerade in Bezug auf die musikalischen Qualitäten für viele Bedürfnisse ausreicht. Dabei wirkt die Basswiedergabe nie schwammig oder undefiniert, sondern gefällt durch Klarheit und feine Struktur. 

Auch vor hohen Pegeln schrecken die Ultima nicht zurück, sie hatten mit unserem Test-AV-Verstärker, einem Denon AVC-A1SRA, keinerlei Probleme. Die klare Wiedergabe, die im Hochtonbereich durch die angenehme, detaillierte und nie aggressive Charakteristik überzeugt, bleibt auch bei großen Lautstärken praktisch vollkommen erhalten. Durch die hohen Belastungswerte und das souveräne Handling großer Pegel eignet sich die Ultima 5 für die Kombination mit sehr vielen Verstärkern und Receivern - auch richtige Boliden stellen kein Problem für Teufels schmale Säulen dar, im Gegenteil: Gerade sehr hochwertige Verstärker sind gut geeignet, um das Potential der Ultima auszuschöpfen. In etwa 4 bis 5 Wochen erscheint der endgültige Test, dann allerdings nicht in einer 2.0-Konfiguration, sondern aller Voraussicht nach in einer 5.0- oder einer 5.2-Konfiguration. 

Datenblatt
  • Belastbarkeit nach IEC-Norm Long Term 140 Watt 
    Belastbarkeit nach IEC-Norm Short Term 200 Watt 
    Empfohlene Mindest-Verstärkerleistung 30 Watt 
    geeignet zum Anschluss an Verstärker mit einer 
    Impedanz von 4-8 Ohm 
    Tieftöner 2 x 130 mm ø, beschichtete Zellulose 
    Tiefmitteltöner 1 x 130 mm ø, beschichtete Zellulose 
    Hochtöner Ringstrahler, 25 mm ø 
    akustisches Prinzip Bassreflex 
    magnetisch abgeschirmt 
    CE-konformes Teufel-Anschlussfeld mit vergoldeten 
    Schraubklemmen 
    Abmessungen (BxHxT) 28.00 x 146.00 x 28.00 cm 
    Gewicht 20.00 kg 
    Bi-Amping möglich
    Säulen-Abmessungen (Sicht von oben) 17 x 17 cm 

Preview: Carsten Rampacher
28. Februar 2005

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