Test: DVD-Komplettsystem
Pioneer NS-DV55

Das Testgerät wurde uns zur Verfügung gestellt von
Karsten Becker Hard- &
Softwareentwicklung
Finish, Features und Anschlüsse
Wer ein komplettes, kompaktes und elegant aussehendes
Heimkinosystem sucht, kann seit einiger Zeit auch zum
rund 2300 DM teuren Pioneer-Angebot namens NS-DV55 greifen. Schon der
Vorgänger, die etwa 4000 DM teure Komplettlösung NS-DV1
brachte sehr ähnliche Bestandteile mit: Eine DVD-Player/Tunereinheit sowie einen
aktiven Subwoofer, in dem auch die gesamte
Verstärkereinheit für alle Kanäle untergebracht ist. Mitgeliefert werden
vier identische Satellitenlautsprecher für die die zwei Front- und die zwei
Surroundkanäle. Dazu kommt ein Center, der breiter ist als die
übrigen vier Lautsprecher.
Schön und hochwertig anzusehen ist das
separate DOT-Matrix-Display, welches via Kabel an der
Verstärker/Subwoofereinheit angeschlossen wird und dann frei im Raum positioniert werden
kann. Als Fernbedienung liegt der NS-DV55 ein gegenüber dem Vorgänger
deutlich weniger aufwendig gehaltenes Teil bei, aber schließlich hat
sich der Preis des Gerätes auch fast halbiert. Diesmal handelt es
sich um eine beleuchtete und lernfähige, schön aussehende und gut
verarbeitete herkömmliche Fernbedienung im Vergleich zur
Highend-LCD-Touch-Remote Control des Vorgängers.
Dafür entschädigt ein anderes Feature: Der eingebaute Decoder
decodiert nun neben Dolby Digital auch DTS. Die Leistung der fünf
Endstufen ist mit 5 x 30 Watt identisch mit der des Vorgängers. Der Subwoofer
wurde um 5 Watt stärker und gesellt
sich mit weiteren 50 Watt dazu. Die Verarbeitungsgüte kommt nicht
mehr an das Niveau des Vorgängers heran: Anstatt aus Metall besteht
das Gehäuse der DVD-/Tunereinheit komplett aus Kunststoff, der
allerdings einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Die
Subwoofer-/Endstufen-Einheit ist genauso gut verarbeitet wie die
Satellitenboxen. Das Laufwerk ist leiser geworden, wenn auch das
Laufgeräusch nach wie vor noch vernehmbar ist. Wenigstens ist es
schnell und nimmt, wie von Pioneer-Gerätschaften bewohnt, auch CD-Rs und CD-RWs entgegen.
Durch die geringen Maße des Geräts ließ sich leider
keine Scart-Buchse an der Gehäuserückseite unterbringen: Ergo ist auch
kein RGB möglich. Also muss man
Verbindung via S-Video-Hosidenbuchse aufnehmen, will man sich nicht mit
einen qualitativ wenig bis gar nicht überzeugenden FBAS-Bild
zufrieden geben. Die
Anlage verfügt noch über 6 DSP-Programme sowie zwei Bildmodi im DVD-Betrieb:
Außer "Standard" stehen noch "Kino" und "Animation"
zur Wahl. Insgesamt eine prima Leistung in der ersten Disziplin - bis
auf die fehlende Scart-Buchse ist alles vorhanden, und wenn auch die
Verarbeitung nicht mehr ganz so hochwertig ist wie beim Vorgänger, im
Vergleich zur Konkurrenz ist sie sehr gut und dem Preis angemessen.
Bedienung
Kein allzu ruhmreiches Kapitel für die NS-DV55. Die
ergonomisch recht gut geformte Fernbedienung hat zwar eine schön
anzusehende und praktische Beleuchtung für die Bedienung im
abgedunkelten Raum, ansonsten aber leider auch den Nachteil, dass sie
extrem unübersichtlich ist: Eine Vielzahl von Taten und Knöpfen,
teilweise deutlich zu klein, machen die Suche nach der richtigen
Funktion zu einer Geduldsprobe, die ganz schön Nerven kosten kann.
Wenig
übersichtlich präsentiert sich die Fernbedienung. Zudem erschweren
die doppelt belegten Tasten die zügige Bedienung
Zusätzlich sind die Tasten noch doppelt belegt. Da hilft es auch
nicht viel, dass die Fernbedienung nicht nur vorprogrammiert, sondern
auch lernfähig ist. Am Gerät selber befindet sich praktisch keine
Taste, so dass man sich wohl oder übel mit der Fernbedienung
auseinander setzen muss. Nach einiger Zeit hat sich die Zusammenarbeit
aber etwas besser eingespielt, und die Bedienung geht etwas einfacher
von der Hand. Die On Screen-Menüs im DVD-Betrieb, von den Pioneer
DVD-Playern her bekannt, erfreuen mit einfachem und klar
strukturiertem Aufbau.
Bild
Von der Videoelektronik her entspricht der
in die Kompaktanlage integrierte DVD-Player dem Pioneer
DV-535. Dies verspricht gute bis sehr gute visuelle Resultate: Die
Bildschärfe gefällt, Konturen und Kanten gibt die NS-DV55 sauber und
exakt wieder. Der Kontrastumfang ist ebenso überzeugend wie die
natürliche Farbwiedergabe. Das Gerät fiel weder durch Fehler bei der
Farbdekompression noch durch feststellbares Farbrauschen negativ auf
und erfreute vor allem bei erstklassiger Software (Chicken Run Code 1)
mit einem detailreichen Bild. Die eingebauten Bildveränderungs-Modi
kann man allerdings unter der Rubrik "Spielerei"
unterbringen: Die "Standard"-Einstellung genügt vollauf und
gefällt durch ihre Ausgewogenheit, die beiden anderen Varianten
bieten eher Nach- als Vorteile.
Ton
Hier kann die Pioneer-Komplettlösung
auftrumpfen, denn klanglich gibt sie bei den All-In-One-Anlagen den
Ton an. Dabei sind 5 x 30 Watt für Front links/rechts, Center und
Surround links/rechts nicht gerade übermäßig viel, dazu kommen
noch 1 x 50 Watt für den aktiven Subwoofer - aber das Gebotene
reicht, um in Räumen bis 20 Quadratmeter einen wirklich ordentlichen
Raumeindruck und eine befriedigende Dynamik zu erreichen. Natürlich
lässt gerade im Hochtonbereich die Differenziertheit bei der
Wiedergabe im Vergleich zu ausgewachsenen Heimkinoanlagen deutlich zu
wünschen übrig, die anderen bereits getesteten Anlagen finden jedoch
in der NS-DV55 ihren Meister.
Kein Wunder, schließlich kostet sie
auch eine gute Stange mehr Geld, doch es ist sinnvoll angelegt: Die
Basswiedergabe erfolgt bei normalen Lautstärken harmonisch und
praktisch ohne Verzerrungen, man sollte nur nicht den Fehler begehen,
den Subwoofer zu schwach oder zu stark aufzudrehen (minimal +3,
maximal +5): Im ersten Fall ist das Klangbild dünn und wenig
räumlich, im zweiten Fall schlägt der Woofer garantiert beim ersten
größeren Effekt (Independence Day Code 2) gnadenlos durch und
verringert so den Filmspass deutlich.
Ob man die verschiedenen DSP-Programme
nutzen möchte, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, gerade
bei der Musikwiedergabe ist jedoch Vorsicht geboten: Denn schnell ist
das Klangbild verfremdet (Höhenwiedergabe unzureichend), die Bässe
schwinden, und zuviel Hall wird erzeugt.
Fazit
Die Pioneer-Komplettanlage überzeugt mit guten klanglichen
Eigenschaften, die dafür sorgen, dass die NS-DV55 unter den schon
getesteten Komplettlösungen den ersten Platz einnimmt. Selbst der
weitaus teurere Vorgänger Pioneer
NS-DV1 kommt da nicht ganz mit. Das Bild ist Pioneer-typisch
mängelfrei und erfreut mit sehr guter Schärfe, die Verarbeitung ist
ordentlich - das kann man leider vom Bedienkonzept nicht behaupten: Am
Gerät selber befinden sich praktisch keine Tasten, und die
Fernbedienung, die löblicherweise beleuchtet ist, ist mit Funktionen
überfrachtet, was sich vor allem in der lästigen Doppelbelegung der
Tasten wiederspiegelt. Hat man sich eine Weile an die Bedienung
gewöhnt, gehen Einstellprozeduren leichter von der Hand. Hier gibt es
also noch einiges zu tun, summa summarum stellt die NS-DV55 in der
Klasse der Kompaktanlagen aber zurzeit die beste, wenn auch teuerste
Lösung dar.
AREA DVD-Tipp: Teure,
aber visuell und klanglich überzeugende Komplettlösung
Pro & Contra
 |
Räumliches und ausreichend dynamisches
Bild |
 |
Bild ohne Fehl und Tadel |
 |
Überzeugende Verarbeitung |
 |
CD-R-Wiedergabe |
|
|
 |
hoher Preis |
 |
Bedienmängel |
 |
Keine Scart-Buchse aus Platzmangel |

Die Anschlussmöglichkeiten am
DVD-Hauptgerät
Technische Daten
| Eingebauter Dolby Digital/DTS-Decoder |
| Verstärker im Subwoofergehäuse untergebracht, Leistung 5 x 30
Watt für die Satelliten plus 1 x 50 Watt für den Subwoofer |
| Videoeingänge: 2 x S-Video In (Hosiden), 2 x FBAS-Video In
(Cinch) |
| Videoausgänge: 1 x S-Video Out (Hosiden) , 1 x
FBAS-Video Out (Cinch) |
| Audioeingänge: digital je 1 x optisch/koaxial, 4 x
Cinch-Zweikanal |
| Audioausgänge: Digital 1 x optisch, Digital-Systemausgang zur
Subwoofer/Verstärkereinheit, 1 x Audio Zweikanal-REC-Out |
| Bildeinstellungen Standard/Kino/Animation |
| 6 DSP-Programme |
| FM/AM-Tuner mit RDS-Funktion im UKW-Betrieb
und 24 Stationsspeichern |
| Abmessungen ( B x T x H in mm) und Gewicht (in kg): |
| DVD-Hauptgerät 280 x 240 x 83, 3,1 kg |
| Subwoofer 190 x 425 x 430, 13,8 kg |
| Lautsprecher (4 Stück, vorn
links/rechts, Surround links/rechts) 110 x 75 x 154, 0,76 kg (pro Stück) |
| Lautsprecher (1 Stück, Center): 210 x 75
x 110, 0,83 kg |
| Display 210 x 62 x 86, 0,23 kg |
| Farben: Hauptgerät silbern, Subwoofer/Verstärker
anthrazitschwarz, Satelliten silbern mit grauer Frontbespannung, Display
schwarz/acryl, FB schwarz |
| Preis 2299 DM |
13. Dezember 2000
Test: Carsten Rampacher
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