Test: DVD-Player Philips DVD1010

Das Testgerät wurde uns zur Verfügung gestellt von
Karsten Becker Hard- & Softwareentwicklung

Finish, Features und Anschlüsse

Philips hat mit dem silbernen DVD1010, der zum Preis von 1699 DM feilgeboten wird, eine wahre Odyssee hinter sich: Zunächst sollte der neue DVD Video-Topliner, noch unter dem ursprünglichen Namen DVD1000, mit einem Progressive Scan-fähigen VGA-Ausgang ausgerüstet werden, somit hätte der Philips auch PAL-Progressive Scan ausgeben können. Doch das war den Wächtern über den DVD-Standard dann doch zu viel, und da PAL Progressive auch in den nächsten zwei Jahren nach dem bisherigen Stand der Dinge kein Thema sein soll, wurde Philips die Auslieferung eines DVD-Players mit der Möglichkeit zur Ausgabe von PAL-Progressive-Bildsignalen kurzerhand nicht gestattet. Wenig erfreulich, wieso bleibt dem PAL-Publikum wieder, wie schon so oft, eine verheißungsvolle Neuerung verwehrt. Ärgerlich, denn die Philips-Idee versprach einiges.

Nun blieb leider nichts mehr von Progressive Scan übrig, der YUV-Ausgang des DVD-1010 gibt auch die Bildsignale von NTSC-Discs nicht in progressiver Form aus. Dieser Nachteil dürfte bei den sonstigen Vorzügen des Geräts aber zu verschmerzen sein: So ist die Verarbeitung schlichtweg überragend, das Gleiche gilt für die formschöne und wertige Fernbedienung. Das einzige, was nicht zum sonstigen Anspruch des Players passt, ist das zu grob auflösende Display, das zudem einen nicht so schön anzusehendem Blauton mit leichtem Grünstich aufweist. Aber das können viele Konkurrenten auch nicht besser. Lobenswerte Ausnahmen sind hier die Displays des Matsushita-Duos Panasonic DVD-A7 und Technics DVD-A10 sowie der Kenwood DVF-R9030. Ansonsten herrscht aber eitel Sonnenschein: Die Frontplatte ist sehr schlicht gehalten, damit sieht der Philips schon fast wie ein Player für den professionellen Einsatz aus. Das ganze Gehäuse ist massiv ausgeführt, das immense Gewicht von 9 kg macht dem Besitzer deutlich, mit dem DVD1010 ein sehr hochwertiges Produkt erworben zu haben. Manchmal aber gilt der Leitsatz: Außen hui, innen pfui - einer tollen Gehäuseverarbeitung steht dann ein Innenleben gegenüber, das aussieht, als hätte man alle Bauteile einfach wahllos in das Gerät hineingeworfen in der Hoffnung, dass es nie wieder jemand öffnet, sondern im Falle des Versagens direkt auf den Schrottplatz schmeißt. 

Hochwertiges Innenleben: Der Philips DVD1010 überzeugt nicht nur oberflächlich

Nicht so beim Philips DVD1010: Ihn von innen zu betrachten, ist für den technisch Begeisterten ein Vergnügen: Die einzelnen Baugruppen sind effektiv zur Vermeidung gegenseitiger Störungen voneinander abgeschottet, das Netzteil ist aufwendig gestaltet, die verwendeten Bauteile sind allesamt von bester Qualität.

Das verspricht Philips auch von der im DVD1010 eingesetzten Digital Natural Motion (DNM) genannten Technik, die mittels ausgefeilter Bewegungskorrektur schnelle Bewegungsabläufe im Bild "glättet". Somit soll ein besonders natürlicher Eindruck von Bewegungen entstehen, das manchmal lästige Ruckeln gehört damit der Vergangenheit an. Ob dies auch so klappt wie beschrieben, dazu mehr im Bildtest auf Seite 2. Ferner verfügt der DVD1010 über einen "Video Modus". Hinter dieser eher unscheinbaren Bezeichnung verbirgt sich die "Active Control", die ständig das DVD-Bildsignal überprüft und gegebenenfalls korrigiert.  Sinn der Sache soll eine bestmögliche Bildqualität und ein gleicher visueller Eindruck unabhängig von der Software sein. Ebenfalls der Steigerung der Bildqualität ist der interne Videoequalizer dienlich, der neben verschiedenen Werkseinstellungen auch die Möglichkeit der individuellen Bildjustage bietet.

An Anschlüssen bringt der DVD1010 das volle Spektrum mit: Zweimal Scart (Nr. 1 mit RGB), einen Komponentenausgang, ebenso S-Video Hosiden und zweimal FBAS-Cinch, audioseitig sorgt Philips mit gleich zwei optischen und einem koaxialen Digitalausgang sehr gut vor, hinzu kommt noch ein Zweikanal-Cinch-Ausgang in doppelter Ausfertigung. 

Der Laufwerks-Check

Mit der Test-DVD von Burosch Audio-/Video-Technik 

Der Philips DVD bietet bezüglich der Fehlerkorrektur absolut überzeugende Leistungen und meisterte selbst noch den Track Nr. 30 ohne nennenswerten Anstatz von Artefaktebildung - erstklassig. Das Laufwerk, wie bei Philips üblich auch zur Wiedergabe von CD-Rs und CD-RWs geeignet, überzeugte im Test mit einer relativ flotten Einlesegeschwindigkeit, es wurde nie aufdringlich laut und las alle DVDs und CDs ohne jegliche Schwierigkeiten ein. Die leise herausfahrende DVD-Lade, die rasch auf den "Open"-Befehl reagierte, trug ihren Teil zum sehr guten Gesamteindruck bei.

Bewertung Fehlerkorrektur: 24 von 30 Tracks abgespielt

Summa summarum ein Spitzenergebnis für den DVD-1010: Das Super-Finish innen und außen, ein tadelloses Laufwerk und die großzügige Ausstattung lässt den Progressive Scan-Mangel und das nicht allzu schöne Display schnell vergessen. 

Bewertung


Bedienung

Schon beim Test der anderen Philips-Modelle der aktuellen Generation lobten wir die übersichtliche und gut gegliederte Menüführung.  Da macht auch der DVD1010 keine Ausnahme, mittels der etwas zu langen, ansonsten in jeder Beziehung tadellos ausgeführten Fernbedienung, die durch ihre angenehme Haptik zusätzlich punkten kann, macht das Navigieren richtig Spaß, auch wenn die Enter-Taste sich im Navigationskreuz noch besser machen würde. Hier ist Philips wirklich ein bemerkenswert eleganter und guter IR-Controller gelungen. 

Eleganter und praktischer IR-Controller

Dies muss umso mehr betont werden, ist doch aufgrund der interaktivern Einsatzmöglichkeiten die Verwendung der Fernbedienung des DVD-Players von einer weitaus höheren Intensität geprägt als bei anderen Bausteinen der Heimkinoanlage - und nicht jeder Heimkino-Liebhaber verfügt auf die in diesem Zusammenhang gern genannten Universalfernbedienungen mit Touch Screen. Innerhalb kürzester Zeit ist der Philips-Player so startklar für den jeweiligen individuellen Einsatz. Wer allerdings am Gerät selber mal den Titel der CD oder das Chapter der DVD wechseln will, hat Pech: Zwar befinden sich die Knöpfe zur Aktivierung der Digital Natural Motion-Schaltung und des Video Modes auch am Gerät selber, sinnvoller wäre aber die Unterbringung einer Skip-Taste direkt auf der Frontplatte gewesen.  Beim Nachfolger kann Philips dann gleich noch ein DOT-Matrix-Display einbauen - dann wäre der Bedienkomfort perfekt.

Bewertung

Bild

Der eingebaute Video-Equalizer hat auch beim DVD1010 vier vorprogrammierte Einstellungen, nämlich "natürlich", "weich", "warm" und "Animation". Wem das noch nicht reicht, der kann das Bild nach seinen eigenen Anforderungen in punkto Kontrast, Sättigung und Helligkeit justieren, auch ein Schärferegler ist vorhanden. Wie auch schon bei anderen Philips-Modellen zu beobachten, macht sich der Video-Equalizer auch noch tatsächlich in bezug auf die Bildqualität bemerkbar: Besonders gefiel dem Tester auch hier die Einstellung "natürlich", die mit plastisch wirkenden Farben, einem großen und feinnervigen Kontrastumfang und einer angenehm realen Bildhelligkeit aufwarten konnte. Den Schärferegler kann man guten Gewissens auf "+1" anheben, damit wird bei guter Software das Bild noch etwas detaillierter. Insgesamt ist der Video-Equalizer gut ausgestattet, an den erstklassig bestückten des Pioneer DV-737 kommt der in den DVD1010 integrierte aber nicht heran. Sehr anspruchsvolle Projektorenbesitzer mit entsprechend hochwertigen Beamern oberer Preisklassen könnten in den Einstellmöglichkeiten die eine oder andere Lücke finden, während der normale Projektoreneigner sowie die Besitzer eines hochwertigen Front- oder Rückpro-TVs vollauf mit der Ausstattung zufrieden sein dürften. Bei den 16:9-Testbildern der BUROSCH Referenz-DVD gefiel der Philips mit seiner frischen, kräftigen Farbwiedergabe (beispielsweise sichtbar beim Testbild mit dem Heißluftballon) und gefiel besonders durch die sehr reine Darstellung von Rot- Grün- und Blautönen sowie durch die einwandfreie Farbdekomprimierung ohne Ansätze zur Bildung von artefaktebasierten Rauschmustern. Die Bildschärfe ist über jeden Zweifel erhaben, die Detailtreue ist ausgezeichnet. Satt und klar erscheint der blaue Himmel mit den plastisch herausgearbeiteten Wolken im dazugehörigen 16:9-Testbild. Fein detailliert sind die Fensterfronten der Hochhäuser im nächsten Testbild. Hervorragend die Darstellung des weiß angestrichenen Leuchtturms, wo auch feine Nuancen sichtbar gemacht werden.

Bei den Filmbeispielen (ID4, X-Men, Inspector Gadget) gefiel der Philips ebenfalls mit einem sehr plastischen, scharfen Bild. Bewegungsabläufe laufen mit eingeschalteter DNM-Funktion einen Tick weicher und flüssiger ab. Fairerweise muss aber hinzugefügt werden, dass ein Unterschied erst nach genauerem Studium der Test-DVDs auffällt, aber trotzdem: Während oftmals von vielen Funktionen die Rede ist, die angeblich so großartige Verbesserungen mit sich ziehen sollen, in der Praxis aber praktisch nichts bewirken, so bringt DNM doch unauffällig mehr Flüssigkeit und Perfektion in die Bewegungen. Da der Philips über ein äußerst scharfes, detailreiches Bild verfügt, kann es bei DVDs, die auf einem älteren und damit nicht perfekten Master basieren (z.B. "Top Gun") schon mal des Guten zuviel sein: Die Softwareschwächen werden dann klar herausgestellt, das Bild wirkt leicht überschärft, manchmal treten Doppelkonturen in minimaler Form auf. Abhilfe: Schärfe leicht zurücknehmen, aber die Softwareschwächen sind immer noch gut sichtbar. Da hilft auch der Video-Mode, der ein gleichbleibendes Niveau bei der DVD-Darstellung möglich machen soll, nicht viel. Aber man kann nicht alles haben, und bei visuell hochkarätigen DVDs genießt  der Filmfreund z.B. in der Anfangssequenz von Inspector Gadget ein knackig scharfes, sehr klar gezeichnetes Bild mit sehr natürlichen Farben und einer großartigen Detaillierung im hochfrequenten Bereich. Nicht ganz überzeugend: Der Layerwechsel. Das Bild bleibt für etwa eine Sekunde stehen, der Ton setzt aus. Aber das können die meisten Konkurrenten auch nicht besser.

Bewertung


Ton

Wer den Philips DVD1010 digital anschließt, kann mit dem Gebotenen hochzufrieden sein, denn die qualitativ hochwertigen Baugruppen zeigen auch hier, dass man an nichts gespart hat: Lupenrein, ohne jegliche störende Einflüsse, klingt der Philips, transparent und sehr dynamisch agierte er beispielsweise bei "X-Men" oder bei "Independence Day". Sehr gefällig auch sein feiner, nuancierter Klang bei herkömmlichen CDs.

Bewertung



Fazit

Philips ist mit dem DVD1010 ein sehr guter Wurf gelungen. Die Bildqualität ist hervorragend zeigt eindrucksvoll, dass der Player hier auf Anhieb einen Platz an der Klassenspitze einnimmt - er muss sich auch hinter den Besten nicht verstecken. Die Philips-Neuentwicklung DNM optimiert die Bewegungsabläufe und sorgt für eine flüssige Darstellung. Die erstklassige, hochwertige Verarbeitung ist ebenfalls zu loben, nur das wenig schöne Display fällt hier aus dem Rahmen. 

Alles vorhanden bis auf die NTSC-Progressive Scan-Ausgabe via YUV-Ausgang: Die Rückseite des Philips DVD1010

Das Laufwerk überzeugt mit sehr guter Fehlerkorrektur, Abstürze waren unserem Testgerät fremd. Bis auf wenige Kleinigkeiten hält der Bedienkomfort das hohe Gesamtniveau. Kleine Abzüge gibt es für die nicht vorhandene Progressive Scan-Funktion und den nicht perfekten Layerwechsel.

Sehr empfehlenswerter DVD Video-Player mit äußerst scharfem und natürlichem Bild


Obere Mittelklasse

Pro & Contra

Exzellente Bildqualität
Hervorragende Verarbeitung
Insgesamt durchdachtes Bedienkonzept mit sehr guter Fernbedienung
Laufwerk liest CD-Rs und CD-RWs
Bei NTSC-DVDs keine Progressive Scan-Ausgabe über YUV
Layer-Wechsel verläuft nicht überzeugend

Wichtige Daten

Videoausgänge: 2x SCART (Nr. 1 mit RGB), 1 x Hosiden (S-Video), 2 x Cinch (Composite), 1 x Component
Audioausgänge: Digital 2 x optisch, 1 x koaxial, analog 2 x Cinch 2-Kanal Downmix
Farbe: silbern
Maße (B x H x T): 435 x 110 x 330 mm
Gewicht: 9 kg
Preis: 1699 DM (UVP)

09. April 2001

Test: Carsten Rampacher

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