Großes Special: Surround-Aufpolierer und DSP-Programme

02.02.2004

Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 5.1 EX, dts 5.1, dts ES Matrix 6.1 und dts ES Disrete 6.1 ermöglichen diskreten Mehrkanal-Sound von tadelloser Qualität - je nach verwendeter Software können die Ergebnisse teilweise sogar ausgezeichnet sein. Doch noch lange nicht alle Medien liegen in einem der genannten Formate vor. Es gibt Unmengen von CDs, deren Ton in PCM-Stereo aufgenommen wurde sowie viele Videokassetten und Fernsehsendungen in Stereo oder in Dolby Pro Logic. Wer die akustische Güte solcher Signalquellen verbessern möchte, hat vielfältige Möglichkeiten - denn Dolby, dts & Co. haben ausgeklügelte Systeme entwickelt, mit denen man prinzipiell jedes Stereo- oder Dolby Surround/Pro Logic Surround-Material aufpolieren kann. Zusätzlich bieten die AV-Verstärker/-Receiver-Hersteller noch selbst entwickelte DSP-Programme an, mit denen man Quellmaterial nachträglich bearbeiten kann - auch Quellmaterial, welches in diskreten Mehrkanal-Tonformaten vorliegt. Dieses Special soll Surround-Aufpolierer und DSP-Programme, deren Anwendung und Nutzen vorstellen. 

Dolby Pro Logic 2:

Anfangen wollen wir mit dem momentan am weitesten verbreiteten Surround-Aufpolierer, Dolby Pro Logic 2. Vor geraumer Zeit als Nachfolger des schon damals veralteten Dolby Pro Logic vorgestellt, hat sich PL2 rasch zu einem Standard-Feature in allen AV-Verstärker- und -Receiver-Preisklassen entwickelt. Auch wenn es mit Dolby Pro Logic 2x einen Nachfolger gibt - wir stellen ihn im folgenden Verlauf des Textes auch ausführlich vor - ist Dolby Pro Logic 2 momentan noch sehr stark auf dem Markt vertreten. 

Ein Hauptunterschied zwischen Pro Logic I und Pro Logic 2 liegt darin, dass bei PL I die Bandbreite der Surroundkanäle auf 7 kHz limitiert war, PL 2 arbeitet hier ohne eine Limitierung, was eine transparentere, klarere und weniger mittenbetonte Darstellung der Surround-Klangkulisse ermöglicht. So bietet Pro Logic 2 einen sowohl im Bass- als auch Höhenbereich eine realistischere Akustik, die man so bislang nicht von Pro Logic kannte. Zweiter wichtiger Unterschied: Während Pro Logic I bei der Wiedergabe von Musik in Surround nur äußerst unbefriedigende Resultate erzielte, da auf den Surround-Kanälen nur ein Mono-Signal wiedergegeben wurde und sich das System damit eigentlich nur der Einsatz beim Anhören von Filmmaterial empfahl, geht PL 2 einen Schritt weiter: Dolby Pro Logic 2 ermöglicht auch auf den Surround-Kanälen Stereo-Wiedergabe und ermöglicht damit einen Klangeindruck, der sich akustisch dem Ergebnis annähert, das man von echtem 5.1-Ton kennt. Um die Film- und Musikwiedergabe weiter zu verbessern, besteht bei Pro Logic 2 die Möglichkeit zwischen den zwei Betriebsarten "Music" und "Movie". Diese beiden Betriebsarten hat praktisch jeder AV-Verstärker oder -Receiver mit Pro Logic 2-Support mit an Bord. 

Dolby Pro Logic 2 Music

Bei der Version von Dolby Pro Logic 2 Music muss man aber zwei unterschiedliche Varianten unterscheiden:

  • Eine "Light-Version" von PL 2, hier hat der Benutzer im Music Mode keine Einstellmöglichkeiten.
  • Eine "Vollversion von PL 2, hier kann der Benutzer die im folgenden genannten Parameter justieren:

Die einzelnen Features von PL 2 Music in der Vollversion

  • Dimension Control: Der Benutzer kann das Klangfeld in Bezug auf die Rear-Lautsprecher und die Frontlautsprecher einstellen und die Balance stufenlos von vorne nach hinten verschieben. 
  • Center Width Control: Der Modus für den Center-Lautsprechers kann zwischen dem schon bekannten „Phantom Mode“, wo die Tonwiedergabe bei den Frontlautsprechern nur über den rechten und linken Hauptlautsprecher erfolgt, und einer Schaltung, bei der vorne ausschließlich der Center läuft, stufenlos variiert werden. Auf diesem Wege lässt sich der bei der Musikwiedergabe die Intensität der Wiedergabe des Center-Kanals, die manchmal als zu hoch empfunden wird, anpassen.
  • Panorama Mode: Soll bei der Wiedergabe von Musik ein weiträumiges Klangfeld schaffen. In der Praxis zeigten sich bei vielen Musikarten nicht allzu bahnbrechende Veränderungen. Bei sehr guten Aufnahmen konnte der "Panorama Mode" ein luftigeres, weitläufigeres Klangbild vermitteln.

Dolby Pro Logic 2 bietet bei sorgfältiger Integration immer noch eine gute Qualität bei der Musikwiedergabe. Lobenswert ist vor allem, dass der übertriebene Hall-Anteil, der bei Pro Logic 1 für ein unnatürlich-dumpfes Klangbild sorgte, stark reduziert werden konnte. Das Raumgefühl ist natürlicher, das gesamte Klangbild wird klarer und mit umfangreicherer Struktur vorgetragen. Die Stimmwiedergabe präsentiert sich natürlicher und akkurater aufgebaut. Ordentlich gelungen ist der Bassbereich. Hier lieferte Pro Logic gerade im Musikeinsatz keine überzeugenden Ergebnisse, der Bass war zu unpräzise und zu wenig differenziert. Somit ist Pro Logic 2 immer noch eine brauchbare Möglichkeit, Stereo-CDs für den Surroundeinsatz zu optimieren. Nur der akustisch sehr anspruchsvolle Stereohörer wird noch bemerken, dass in den Punkten Transparenz, Natürlichkeit, Prägnanz, Präzision und Gesamtstruktur noch ein Unterschied zwischen der Stereo- und der Dolby Pro Logic 2-Music-Wiedergabe besteht. 

Dolby Pro Logic 2 Movie

Auch in diesem Modus zahlt sich die Arbeitsweise des PL 2-Decoders aus: Während Pro Logic I-Decoder so arbeiteten, dass sie den phasenverdrehten Anteil des Stereo-Signals erkannten und auf beide Surround-Kanäle gleichzeitig, also in Mono, legten, wird bei Pro Logic 2 zusätzlich die Stereo-Information ausgewertet. Tritt also nur auf dem linken Kanal eine solche Phasenverdrehung auf, so wird diese auch nur dem linken Surround-Kanal zugewiesen. Auf diesem Wege ist es also auch bei Pro Logic 2 z.B. möglich, die "Enterprise" wirklich hinten links in der Ecke verschwinden zu lassen, wenn sie durch das Bild fliegt.

Bei Filmen, die ursprünglich lediglich in Dolby Pro Logic Surround vorlagen, wird durch den Einsatz des PL 2 Movie-Decoders der Raumeindruck weitläufiger, auf den Surroundlautsprechern ertönt die gesamte Klangkulisse weniger mittenbetont und blechern. Nur gegen die undifferenzierte Stimmwiedergabe vieler älterer Produktionen ist auch PL II machtlos. Bei sehr guten 5.1-DVD, via Downmix-Ausgang analog angeschlossen (so dass auch hier die PL II-Funktion gecheckt werden konnte), konnte sich PL II Movie  ordentlich in Szene setzen und agierte erstaunlich natürlich, mit einer gut aufgebauten Surround-Klangkulisse und einer kräftigen, präzisen Effektwiedergabe. 

Doch PL 2 Movie kann noch mehr, dann nämlich, wenn man es mit THX Post Processing kombiniert. Beispiel: "Top Gun", Code 2, deutsche Tonspur (Dolby Surround). Was hier an klanglicher Präzision in Anbetracht des Ausgangsmaterials geboten wird, überrascht, ebenso die runde, im Vergleich zum Movie Mode ohne THX Nachbearbeitung nochmals verbesserte Stimmwiedergabe, der es nur immer noch an Transparenz in den Höhen fehlt - aber zaubern kann eben auch die Kombination aus PLII und THX Post Processing nicht. Dafür sind unangenehme Spitzen in den Höhen "glattgebügelt", der Klang ist stets homogen. Bei der Surround-Klangkulisse  zeigt sich der Unterschied zu PL 2 Movie ohne THX Postprocessing in einer noch weitläufigeren, runderen Klangspektrum. Fazit: Bei der Integration von Dolby PLII Movie macht sich die THX Nachbearbeitung vor allem in einer weiter gesteigerten Gesamthomogenität bemerkbar, was den Spaß am Anschauen verschiedener DVDs, die ältere Filmvorlagen enthalten, wirksam steigert.

Fazit: Dolby Pro Logic 2 ist noch immer ein "Universaltalent" für eine wirklich brauchbare Musik- und Filmwiedergabe in Surround. Insgesamt ist es ein richtiger Quantensprung von PLI auf PL 2, die lebendige Surround-Klangkulisse, der sattere und präzisere Bass, der verbesserte Hochtonbereich und der natürliche Raumeindruck ohne viel unpassende Hallbeimengungen sind die Eckpfeiler für ein klares Mehr an Klanggenuss. Weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Surround-Aufpolierern, die nur in ausgesuchten Geräten einzelner Hersteller zum Einsatz kommen, ist PL2 praktisch in jedem, auch günstigen, AV-Receiver aller Marken vertreten. Zwar wächst die Performance des Systems natürlich auch mit der Güte des AV-Receivers/-Verstärkers, aber selbst in einem preiswerten Gerät ist der große Unterschied zu herkömmlichem Pro Logic gut zu hören.

Dolby Pro Logic 2x
 

Nach dem durchschlagenen Erfolg von Pro Logic 2 gibt es eine Weiterentwicklung der Dolby-Soundexperten, die auf den Namen Dolby Pro Logic 2x hört. Es ist zu erwarten, dass auch hier ein rascher "Siegeszug" in vielen AV-Verstärker- und -Receivermodellen folgt. Sehr viele Geräte, die jetzt neu auf den Markt kommen, bringen PL2x bereits mit. Hier eine kleine Auswahl an PL2x-Geräten:

Dem allgemeinen Trend zu 6.1- beziehungsweise 7.1-Lautsprechersystemen folgend, ist Dolby Pro Logic 2x in Hinblick auf die Extended Surround-Funktionalität opitmiert worden und weitet Stereo- und 5.1-Quellmaterial auf 6.1 und 7.1 Kanäle aus. Auf Wiedergabesystemen mit vier Surroundlautsprechern soll PL 2x einen natürlicheren, raumfüllenderen und dichteren Klang ermöglichen. Die Anwendungsmöglichkeiten für Dolby PL2 x sind vielfältig. Jedes Quellmaterial von reinem Stereo bis zu Dolby Digital 5.1 EX wird, so Dolby, wirkungsvoll aufpoliert. 


Dolby Pro Logic IIx für 5.1- und Surround EX-Programme


Dolby Pro Logic IIx für Stereoquellen

Wie bereits bei Dolby Pro Logic 2 (siehe oben), bietet auch PL 2x zwei Betriebsarten - den Music Mode und den Movie Mode, je nach dem, ob Musik- oder Filmmaterial decodiert werden soll. Dolby PL 2x ermöglicht auch die Aufpolierung von 192 kHz/24-Bit-Quellen und von 96 kHz/24-Bit-Quellen. Damit ergeben sich ganz neue Einsatzmöglichkeiten, denn wenn der DVD-Player mittels einer digitalen Highspeed-Verbindung mit dem Prozessor im AV-Verstärker oder AV-Receiver verbunden ist und der Verstärker/Receiver über ein entsprechendes DSP und ein Bassmanagement verfügt, kann die PL 2x-Nachbearbeitung auch bei DVD Audio- oder SACD-Quellen angewendet werden. Neu bei PL 2x ist ein optionaler Game Mode, der die besonders einschlagenden niederfrequenten Surroundeffekte auf den Subwoofer des Multichannel-Systems umleitet. Im Music Mode, der laut Dolby-Informationen den Klang gleichmäßig unter allen Surroundlautsprecher aufteilt und so besonders nützlich bei ursprünglich in Stereo aufgenommenen Quellen ist, bleiben die drei bereits bekannten Einstellmöglichkeiten erhalten: 

  • Dimension Control: Der Benutzer kann das Klangfeld in Bezug auf die Rear-Lautsprecher und die Frontlautsprecher einstellen und die Balance stufenlos von vorne nach hinten verschieben. 
  • Center Width Control: Der Modus für den Center-Lautsprechers kann zwischen dem schon bekannten „Phantom Mode“, wo die Tonwiedergabe bei den Frontlautsprechern nur über den rechten und linken Hauptlautsprecher erfolgt, und einer Schaltung, bei der vorne ausschließlich der Center läuft, stufenlos variiert werden. Auf diesem Wege lässt sich der bei der Musikwiedergabe häufig als störend empfundene Center-Kanal ausblenden.
  • Panorama Mode: Soll bei der Wiedergabe von Musik ein weiträumiges Klangfeld schaffen. In der Praxis zeigten sich bei vielen Musikarten nicht allzu bahnbrechende Veränderungen. Bei sehr guten Aufnahmen konnte der "Panorama Mode" ein luftigeres, weitläufigeres Klangbild vermitteln, ohne die musikalische Präzision zu sehr leiden zu lassen.

Eine volle DD 5.1 EX-Funktionalität bringt Dolby Pro Logic IIx im Movie Mode mit. Wird dieser für die 6.1 Wiedergabe verwendet, erzeugt das System, wie üblich beim Dolby Dolby Digital 5.1 EX Decoding, bei der Reproduktion des Back Surround-Lautsprecherkanals  auf Dolby Digital 5.1 EX-Tonspuren als ein einzelnes Monosignal. Um alle Vorteile von Dolby Pro Logic IIx auszukosten, empfiehlt Dolby jedoch ein 7.1 System, das ein weiteres, umfassenderes Raumgefühl bereit stellt und das Problem der "Hot Spots", die direkt hinter dem Hörer auftreten, aufgrund der Beschallung mit zwei Lautsprechern nicht mitbringt. Die psychoakustische Lokalisierung der Effekte als aus der Mitte hinter dem Zuhörer kommend ist bei einem System mit zwei Back Surround Lautsprechern besser gegeben als bei einem System mit nur einem Back Surround-Lautsprecher. 


Dolby Pro Logic IIx: Viele Anwendungsmöglichkeiten

In ersten Hörtestreihen konnte Dolby Pro Logic 2x im Vergleich zu Dolby Pro Logic mit einer dichteren, homogeneren Surround-Klangkulisse aufwarten. Die Tiefenstaffelung und die Präzision des Front-Klangfelds präsentieren sich ebenfalls deutlich verbessert, so dass der Gesamteindruck eines umfassenden, klaren, dreidimensionalen Hörerlebnisses entsteht. Nicht nur für die Wiedergabe von Filmton, auch für die Musikwiedergabe ist PL2x nochmals besser geeignet als PL2, denn der gesamte Klangeindruck ist realistischer und plastischer. Fazit: Pro Logic 2x ist eine klare akustische Verbesserung und ein wirksames Werkzeug, 2-Kanal-Tonquellen 6.1- oder 7.1. Klang-Flair zu verleihen.

Logic 7

Logic 7, das in verschiedenen Harman Kardon-AV-Receivern und in den edlen Lexicon-Decodern zum Einsatz kommt, ist ein harter Konkurrent für Dolby PL2 und für Dolby PL2x, denn bezüglich der Klangreinheit wird eine Menge geboten. In der 7.1 Konfiguration laufen alle 7 Lautsprecher und der aktive Subwoofer voll mit, ebenso wie bei Dolby Pro Logic 2x. Schade nur, dass im Musikeinsatz eine Einstellmöglichkeit für die Center/Frontlautsprecher-Balance fehlt. In Harman Kardons "Topliner" AVR-8500 wird Logic 7 sogar in einer nochmals aufwändigeren Form installiert. Hier eine Übersicht über unsere Testerfahrungen mit Logic 7:

Musikbetrieb

Laut HK soll im Musik-Betrieb folgendes realisiert werden:

  • Besonders für Stereomaterial (zum Aufpolieren auf Surround) geeignet

  • Verbreiterung der Klangbühne

  • Größere Räumlichkeit im Surround-Klangfeld

  • Volle Integration des aktiven Subwoofers

Bezüglich der Stimmwiedergabe bei klassischer Musik ist das System, vorausgesetzt, es wird ein hochwertiger Center-Lautsprecher eingesetzt, besonders gut gelungen. In den Punkten Räumlichkeit, Hochtonbrillanz und Bassgewalt erreicht Logic 7 gerade bei der Wiedergabe hochwertiger Software Bestleistungen. Damit ist dieser Modus auch durchaus für die Liebhaber klassischer Musik kein Tabu mehr, denn der bislang noch ein gutes Stück von der Perfektion entfernten Hochtonwiedergabe hat man sich bei Harman mit Erfolg gewidmet: So klang Tschaikowskys "1812 Ouvertüre" sehr klar und prägnant, auch die Streicher verwischten nicht, sondern behielten einen Großteil der im Stereobetrieb vorhandenen detaillierten Darstellung. Herausragend agierte Logic 7/7.1 bei Carl Orffs "Carmina Burana": Gleich zum Auftakt begeisterte der Surround-Aufpolierer mit einem großartig aufbereiteten Raumgefühl. Nur im Bassbereich war ein leichtes Verschwimmen feststellbar, was sich aber in beachtlich engen Grenzen hielt. Die Wiedergabe der Choralstimmen verliert gegenüber dem Stereo-Modus kaum an Brillanz, hier wurde tatsächlich ganze Arbeit geleistet - im Hochtonbereich leistet Logic 7 gerade bei klassischer Musik noch mehr als das minimal verhaltener wirkende Dolby PL2 und liegt in etwa auf dem Level von Dolby Pro Logic 2x - wobei alles letztendlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, der Raumakustik, der verwendeten Lautsprecher, der Qualität der Integration des jeweiligen Surround-Aufpolierers in den AV-Receiver und der Software ist.

Extra-Modus für Bassliebhaber

  • Logic 7 Enhanced primär für Musikbetrieb (nur 5.1 Konfiguration)

  • Breitere und tiefere Wiedergabe, Bass kommt von allen Seiten

Tatsächlich: Wer noch mehr Bassvolumen wünscht und dafür auf die Mitarbeit der Back Surround Lautsprecher verzichten kann, für den arbeitet der Enhanced-Modus genau richtig: Es werden die tiefen Frequenzen zwischen 40 und 120 Hz nicht nur dem Subwoofer, sondern auch den Haupt- und den Surroundlautsprechern (die dann, um einen Effekt zu erzielen, entsprechend gut für die akkurate Basswiedergabe gerüstet sein müssen) zugeführt. Bei unserer Test-CD (Toni Braxton/Secrets) funktionierte dies ganz vorzüglich, mit einer voluminösen, zugleich aber nie unpräzisen, sondern angenehm klaren Wiedergabe konnte der Harman hier Akzente setzen. Aber auch gerade die Liebhaber effektbetonter Trance- und Progressive House-Musik dürften viel Freude an diesem Modus haben.

Cinema-Modus

Laut HK soll mittels des Cinema-Modus folgendes realisiert werden:

  • Besonders für z.B. Dolby Surround-codiertes Material vorgesehen

  • Höhere Verständlichkeit des Centerkanals

  • Bessere Ortbarkeit des Klanggeschehens

  • Besonders viel Detailreichtum auch in Bezug auf die Surround-Klangkulisse

  • Volle Integration des aktiven Subwoofers

Dass dies nicht nur leere Versprechungen sind, zeigt die Praxis -  das Ergebnis mit einem weitläufigen Raumeindruck und einer erstaunlich klaren Klangcharakteristik ist sehr beachtlich, auch wenn der etwas mittige Gesamtwiedergabe älterer Film auf DVD auch das tadellose Logic 7 7.1 Cinema nicht wegzaubern kann. Bei höher wertiger Software fällt schon nach kurzer Zeit die sehr klare, realistische Wiedergabe der Stimmen und die im Hochtonbereich sehr facettenreich aufgebaute Surround-Klangkulisse auf, die teilweise nicht ganz so voluminös wie bei mancher PL2Kino-Integration wirkt, dafür transparenter im Hochtonbereich klingt und insgesamt noch minimal natürlicher und detailreicher ausgelegt ist. Prima gelungen auch der Bassbereich: Besonders zu loben ist die Präzision, das Volumen ist gut bis sehr gut - hier hängt es selbstverständlich auch stark von der Güte das Subwoofers und der Software ab. Mit Dolby Pro Logic 2x ist aber nun ein schlagkräftiges Konkurrenzsystem entstanden, das leichte Vorteile in Bezug auf eine kräftige Basswiedergabe mitbringt.

Fazit: Besonders die brillante Stimmwiedergabe, das natürliche Volumen ohne jegliche Anflüge von unnatürlichem Hall sowie der saubere Hochtonbereich sind die Glanzpunkte. Aufgrund der Tatsache, dass umfangreiche Einstellungen, die Schwächen im Lautsprecherequipment kompensieren helfen, nicht vorhanden sind, empfiehlt sich der Einsatz von Logic 7 ganz besonders in Verbindung mit hochwertigen Lautsprechern, die für eine klare Hochtonwiedergabe und eine detailreiche Wiedergabe geeignet sind. Speziell zu achten ist auf einen größervolumigen Center, damit die Qualitäten bei der Stimmwiedergabe voll entfaltet werden können. Ein zu kleiner oder nicht entsprechend hochwertiger Center schmälert den Hörgenuss gerade bei Logi 7 beträchtlich, denn es gibt im Gegensatz zu Dolby Pro Logic 2 und Dolby Pro Logic 2x auch im Musik-Modus keine Einstellmöglichkeiten.

Circle Surround II

Circle Surround II bringt vielerlei Variationsmöglichkeiten mit - wenn das System komplett implementiert wurde. Es gibt auch Versionen von CS Surround II mit "Light-Ausstattung". Immer mit zum CS II Konzept gehört die Bassunterstützung "TruBass". Meist gibt es verschiedene Einstellmöglichkeiten für die TruBass-Signalbearbeitung.

Die Bassunterstützung "TruBass" im CS II-Betrieb und ihre Wahlmöglichkeiten für die verbesserte Bassausgabe: 

  • TruBass OFF
  • TruBass SW (nur wirksam auf Subwoofer)
  • TruBass L/R (nur wirksam auf den linken und den rechten Frontlautsprecher)
  • TruBass SW + L/R (TruBass wirksam auf den Subwoofer und den linken und den rechten Frontkanal)

Bei allen TruBass-Ausgabearten kann der Pegel zwischen 0 ( = "off") und 10 eingestellt werden, wobei sich Werte von 3 bis 6, je nach Geschmack und Boxenequipment, in der Praxis empfehlen. Ein zu starkes Aufdrehen zerstört nachhaltig die gesamte akustische Harmonie, zu kleine Werte sorgen dafür, dass man die Arbeit des Systems überhaupt nicht bemerkt.

So funktioniert TruBass:

Bezüglich der Basswiedergabe arbeitet das System folgendermaßen: Wenn nach der TruBass-Theorie 2 Frequenzen zum menschlichen Ohr gelangen, z.B. 150 Hz und 100 Hz, werden folgende Frequenzen registriert: 

  • 100 Hz
  • 150 Hz
  • 150+100 Hz=250 Hz
  • 150 Hz-100 Hz=50 Hz

Die tatsächlich gehörten tiefen Frequenzen kommen jedoch nicht direkt vom Lautsprecher. TruBass generiert daher, um diesen Effekt zu erreichen und tiefe Frequenzanteile aus dem Signal zu gewinnen, Differenzsignale, die vom menschlichen Gehirn als Tiefbass registriert werden. Die TruBass zugrunde liegende Technologie ist daher kein Equalizing-Effekt, sondern psychoakustischen Ursprungs. Arbeitsweise: Ein 80 Hz-Frequenzanteil beispielsweise hat bei 160 und 240 Hz seine harmonischen Vielfachen, die von fast allen Lautsprechern wiedergegeben werden können. TruBass filtert nun die 80 Hz-Grundwelle heraus und nutzt die Oberwellen 1. und 2. Ordnung. Zwei Dinge ermöglichen diese Vorgehensweise: Zum einen das nichtlinear arbeitende menschliche Gehör, zum anderen die Tatsache, dass das Gehirn aus den beiden harmonischen Vielfachen die Differenz bildet, die der ursprünglichen Grundwelle, also den genannten 80 Hz, entspricht. Dies klingt kompliziert, in der Praxis aber ergeben sich laut Circle Surround-Anbieter SRS folgende Vorteile: Geringere Anforderungen an die Verstärkerleistung ermöglichet kleinere Geräteabmessungen, auch geht von den Tiefbasssignalen, die mittels TruBass erzeugt wurden, kein Körperschall aus. Die unerwünschte Bassübertragung in Nebenräume wird ebenfalls reduziert. 

Einstellmöglichkeiten im CS II-Betrieb (optional und nicht bei jeder Integration vorhanden):

  • Center Focus: Auch wenn die Beschreibung der Bedienungsanleitung hier nicht allzu genau ist: Im Grunde handelt es sich hier um die Funktion, die unter dem Namen "Center Width Control" bei Dolby PLII Music anwählbar ist. Man kann den Wirkungsbereich des Centers von "Off" (nur Signalausgabe über die Hauptlautsprecher) bis zu "+ 10" einstellen (in dieser Position übernimmt der Center einen großen Klanganteil, zu empfehlen ist ein Wert von 3 bis 7, je nach der Qualität des Centers und dem persönlichen Hörempfinden)
  • Rear Delay: Für eine optimierte Wiedergabe über die Surroundlautsprecher kann hier die Delayzeit zwischen 0 und 25 ms variiert werden. 
  • CS II Gain: Anhebung des Eingangspegels in einem Einstellbereich zwischen 0 und 18.
  • Auch Circle Surround 2 kann im 6.1- und 7.1 Betrieb genutzt werden.

In der Praxis arbeitet Circle Surround mit unterschiedlich guten Ergebnissen, die vom jeweiligen Gerät sowie vom Umfang und von der Sorgfalt der Integration abhängen. Bei AV-Receivern mit hervorragend gelungener Circle Surround-Funktion ist das System eine ernst zu nehmende Konkurrenz für PL2, PL2x und Logic 7. Besonders empfehlenswert ist Circle Surround in Verbindung mit bass- und effektstarker Techno- und Trance-Musik. Hier wird der Eindruck einer sehr kräftigen, effektbetonten Wiedergabe erreicht. Nach unseren Gesamteindrücken nicht so gut agiert CS II bei Jazz oder Klassik. Hier ist dann entweder gar kein Bassdruck oder gleich zu viel des Guten das Resultat der Surround-Überarbeitung. 

Im Filmbetrieb sind die akustischen Leistungen ordentlich, die Surround-Klangkulisse wirkt gerade beim 7.1 Einsatz sehr weitläufig und schafft so eine gute räumliche Atmosphäre mit einer durchsetzungsfreudigen Effektwiedergabe. Die Güte des Ergebnisses hängt hier aber auch vom Lautsprecherequiment, der Raumakustik und vom persönlichen Geschmack ab.  

Fazit: Zusätzlich zu Dolby Pro Logic 2 und Dolby Pro Logic 2x ein interessanter Surround-Aufpolierer, dessen Güte aber stark, je nach Integrationsaufwand, schwankt.

Gerätetests von Komponenten mit Circle Surround 2:


DTS Neo:6:

DTS Neo:6 ist das älteste der hier vorgestellten Systeme. Aufgabe ist auch hier, herkömmliche Zweikanal- oder Surroundsignale mittels eines präzisen Decoders, der auch bei der DTS ES 6.1 Matrix-Schaltung Verwendung findet, auf bis zu 6.1 Kanäle aufzupolieren. Eine genaue Eingangssignal-Kennung und die Matrix in Kombination erlauben für alle 6.1-Kanäle eine Reproduktion des gesamten, von 20 Hz bis über 20 kHz reichenden Frequenzspektrums. Auch soll eine sehr gute Kanaltrennung möglich sein, DTS spricht vom selben Pegel wie dem beim digitalen diskreten System. Damit Neo:6 auch optimal angewendet werden kann, gibt es  auch hier zwei Betriebsarten: Kino und Musik. im Musik-Modus werden die beiden Front links/rechts Kanäle direkt wiedergegeben und umlaufen die Decoderschaltung. Dadurch entsteht kein Qualitätsverlust beim Klang. Der vom Center- und von den Surroundkanälen ausgegebene Effekt soll dann das Klangfeld effektiv räumlich weiten. In der Praxis zeigt sich, dass man mit Neo:6 bei einigen CDs (Musik-Modus) und auch bei verschiedenen DVDs (Kino-Modus) noch ordentliche Resultate erzielen kann - besonders der Bassdruck ist, je nach Raumakustik, verwendetem AV-Receiver/-Verstärker und Software, noch immer sehr brauchbar. Gerade in akustisch kräftig gedämpften Hörräumen lässt sich mit Neo:6 Music eine atmosphärisch dichte Vorstellung realisieren. Bei akustisch lebendigen Räumen jedoch wirkt DTS Neo:6 Music einem homogenen Klangbild eher entgegen und produziert zu viel Hall, was zu einer gewissen Unausgewogenheit führt. DTS Neo:6 wird bei jedem AV-Verstärker und -Receiver mitgeliefert, der einen DTS ES Matrix/Disrete-Decoder an Bord hat.

Hier eine kleine Auswahl an Geräten mit DTS Neo:6:

DSP-Programme

Praktisch alle etwas höherwertigen AV-Verstärker und -Receiver haben eine mehr oder weniger große Anzahl an DSP-Programmen auf der Feature-Liste stehen. Diese DSP-Programme sind, je nach ihrer Auslegung, für das Aufpolieren von Mono-, Stereo- oder Pro Logic-Signalen gedacht. Es gibt auch DSP-Programme, die Dolby Digital- oder DTS-Signale nachbearbeiten. Freude eines streng natürlichen Klangbildes nutzen diese Signal-Nachbearbeitung in den wenigsten Fällen, da ihrer Ansicht nach das akustische Gesamtbild negativ beeinflusst wird: Der Sound wird verfälscht, es entstehen Effekte, die in der unbehandelten Original-Abmischung gar nicht vorhanden waren. Der Einsatz von DSP-Programmen ist daher Geschmackssache - unserer Ansicht nach kann man aber je nach den Voraussetzungen mittels von DSP-Programmen Detailoptimierungen vornehmen, z.B. in folgenden Fällen:

  • Wenn ein klanglich sehr fader Soundtrack wiedergegeben werden soll

  • Wenn die akustischen Bedingungen ungünstig sind und z.B. der Raum akustisch eher tot ist

  • Wenn der Anwender eine besonders effektbetonte Wiedergabe erreichen möchte

  • Wenn eine besonders weitläufige Wiedergabe erreicht werden soll

  • Wenn die räumlichen Bedingungen und die Aufstellung des Lautsprecherequipments suboptimal ist

Mit einem DSP-Programm kann man folgende Parameter beeinflussen:

  • Das Hallverhalten

  • Die räumliche Dichte

  • Das Gefühl der Intensität der Reflexionen

  • Die Breiten- und Tiefenwirkung des Sounds

  • Die Stärke und die Struktur des Bassbereichs

Mit gut gemachten DSP-Programmen wie sie z.B. von Yamaha, Onkyo und Pioneer angeboten werden, kann man mit Geduld und Hörvermögen wirkungsvolle Detailoptimierungen vornehmen. Weniger gut gemachte DSP-Programme besonders in günstigeren AV-Receivern bringen aber auch Nachteile mit. Beispiele:

  • Ein zu starker Hall 

  • Eine eingeschränkte Hochtonwiedergabe

  • Eine unnatürlichere Stimmwiedergabe

  • Ein zu hohler, zu Dröhnungen neigender, störender Bass ohne Substanz und Fundament

  • Eine mangelhafte Präzision bei der Effektdarstellung

Insgesamt ist zu bemerken, dass sich die verschiedenen Nachteile von DSP-Programmen besonders bei anspruchsvoller Musik (z.B. Jazz oder Klassik) bemerkbar machen. Gerade die für klassische Musik und für Jazzmusik vorgesehenen DSP-Programme sind somit selbst bei hochwertigen Geräten mit Vorsicht zu genießen. Und selbst wenn ein DSP-Programm (z.B. "Orchestra" oder "Church") akustisch prinzipiell mit großer Sorgfalt erstellt wurde, so muss der Hörer in der Praxis erst einmal eine CD beziehungsweise DVD in seinem Sortiment ausfindig machen, die mit den akustischen Parametern des DSP-Programms zumindest einigermaßen übereinstimmt. Beispiel: Ein DSP-Programm "Church" hat einen großes Münster oder einen großen Dom als akustisches Vorbild. Sie als Anwender nehmen nun eine CD mit Orgelmusik, die in einer kleinen Kirche auf dem Lande aufgezeichnet wurde. Klar, dass diese räumlich kleine Kirche eine ganz andere Akustik hat als der große Dom. Wenn man es so gekonnt macht die Yamaha und in der Bedienungsanleitung genau erwähnt, welche Akustik des DSP mitbringt, dann sind Enttäuschungen nahezu ausgeschlossen, wenn man aber einfach nur generelle Aussagen trifft wie "die Akustik einer Kirche wird simuliert", dann werden viele Anwender enttäuscht sein.

Yamaha nimmt in der DSP-Entwicklung eine führende Rolle ein. Verschiedene Tests hier bei uns belegen dies. Hier eine Auswahl zum Nachlesen:

Dass die Yamaha-DSPs in unseren Testreihen so gute Ergebnisse erzielen konnten, liegt daran, dass die DSP-Technik mit zur Unternehmensphilosophie gehört und somit die AV-Verstärker- und -Receiverentwicklung maßgeblich beeinflusst. Im folgenden erfahren Sie alles über Yamahas DSP-Technik.

Yamahas DSP-Programme - die Grundlagen 

Der Yamaha DSP Prozessor ist so aufgebaut, dass eine völlig unabhängige Verarbeitung des vorderen Präsenzbereiches und des hinteren Surround-Soundfeldes ermöglicht wird. Der Surroundbereich wird schon seit  der Einführung der Cinema DSP Technolgie 1990 (damals war Dolby Pro Logic der Mehrkanalstandard) mit zwei unabhängigen Klangfeldern für den linken und den rechten Kanal nachbearbeitet. Die Position der akustischen Effekte wird durch das dekodierte Eingangssignal vorgegeben, der Dekoder selbst arbeitet mit unendlich großer Kanaltrennung - in der Praxis jedoch ist ist die Kanaltrennung durch die nachfolgenden analogen Baugruppen des AV-Receivers (speziell zu nennen wäre die gemeinsame elektrische Masseverbindung) leicht eingeschränkt. 

Die Signalverarbeitung der einzelnen Kanäle durch den DSP Prozessor erzeugt aus den bis zu Vollfrequenzkanälen bei Dolby Digital und DTS, die nach dem Decodieren als relativ "punktförmige" Informationen zur Verfügung stehen, ein geschlossenes Klangbild. Die Ausdehnung und die Intensität, mit anderen Worten die Charakteristik des jeweiligen Klangbildes, variiert je nach angewähltem DSP Programm. Die Wahl des entsprechenden DSP Programms sollte sich nach dem vorliegenden Film- oder Musikmaterial richten, da nur beim optimalen Zusammenspiel vom Ausgangsmaterial und der gewählten DSP Nachbearbeitungsart eine optimale Performance erreicht werden kann.

Auf der Basis normaler Wiedergabearten wie Mono, Stereo, Dolby ProLogic Surround, Dolby Digital 5.1 oder DTS 5.1 gestalten die Yamaha-Toningenieure ihre eigenen Soundfelder. Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter her verschieden, denn die auf realen Messungen beruhenden Daten, die dann zu den verschiedenen vorkommenden Soundfeldern verarbeitete werden, unterscheiden sich. Bei den Soundfeldern differenziert Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das Soundfeld, welches sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den linken und rechten Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Die Presence- und Surround-Soundfeld-Daten zeigen sich in der Verteilung der virtuellen Klangquellen und der Echomuster. Die zwei unterschiedlichen Soundfeld-Typen werden mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und den Signalmischverhältnissen verarbeitet. Insgesamt ergibt sich so ein exakt auf das Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer zugeschnittenes Soundfeld.

Das erklärte Ziel von Yamaha DSP ist, die räumlichen und klanglichen Eigenschaften eines Kinosaals in einem möglichsten hohen Grad an Perfektion auf die heimischen "vier Wände" zu übertragen, beziehungsweise die geringere Anzahl der Lautsprecher zu Hause und die ungünstigeren räumlichen Bedingungen bestmöglich zum kompensieren. Daher erzeugt der Yamaha DSP Prozessor ein Klangfeld nach einem Reflexionsmuster, das dem eines Abhörstudios der Filmindustrie entspricht. Yamaha-typisch ist, dass im Surroundbereich nach Herstellerangaben keine Dipole erforderlich  sind, sondern auch Direktstrahler benutzt werden können. In der Praxis aber zeigt sich, dass sich bei der Verwendung von Dipole manche Vorteile der DSP Technologie eher noch deutlicher zeigen: Gerade die noch voluminösere, weitläufige Klangkulisse können hier überzeugen. So ist von einem Betrieb mit Dipolen also keinesfalls abzuraten.

DSP-Programme richtig verstehen: Spezielle Aspekte und Grenzen der Ton-Nachbearbeitung

  • Um bei Dolby ProLogic-codiertem Tonmaterial die rechts-/links-Trennung im Surroundbereich zu verbessern, stützt sich der dem Nachbearbeitungsvorgang zu Grunde liegende Algorhythmus des Prozessors - anders als bei Dolby Digital oder DTS - auch auf tonale Informationen aus den Stereokanälen. Dies kann im Einzelfall zu dem Eindruck führen, dass die Kanaltrennung vorn - hinten leicht eingeschränkt ist

  • Um ein geschlossenes Klangfeld ohne störende Klanglöcher im Heimkino-Raum zu erzeugen, werden Effektverläufe von vorn nach hinten oder auch von hinten nach vorn von einem Kanal an den anderen "übergeben". Speziell bei impulsartigen Signalen ist daher die hörbare Übernahme in den Surroundbereich sachgerecht - denn, so argumentiert Yamaha, dieses Verhalten entspricht genau dem in der realen Welt. Hier sollte eher der Vergleich zum Kino als der zu "reinem", also nicht nachbearbeiteten Dolby Digital gezogen werden. Auch die akustischen Eigenschaften des Hörraums spielen  - je nach dessen "Halligkeit" und/oder Hellhörigkeit - in die Wahrnehmung solcher eben geschilderter Effekt hinein. 

  • Ein weiterer Einfluss entsteht durch die akustischen Eigenschaften des gewählten DSP-Programms. 

  • Bei der Wiedergabe von Stereosignalen in einem der Movie Theatre-Programme wird der Dolby ProLogic-Dekoder aktiviert. Durch die einfache Struktur des Decoders wird dann das Differenzsignal L - R auf die Surroundkanäle geführt, somit wird das DSP zusätzlich unterstützt.  Da Yamaha die Movie Theatre Programme für die Wiedergabe von Mehrkanalton entwickelt hat hat, ist der Dolby ProLogic-Dekoder nicht abschaltbar und führt daher zu den vorher genannten unerwünschten Effekten bei der Wiedergabe von uncodiertem Stereomaterial. Da hilft dann nur die Wahl eins Programms ohne den vorgeschalteten Dolby PL Dekoder. 

Die Vorbilder für die Yamaha DSP-Programme

Mit den paar DSP-Programmen, die sich bei fast jedem AV-Receiver oder -Verstärker als Bonus Feature im Ausstattungsumfang befinden, sind die Yamaha DSPs kaum zu vergleichen. Die Yamaha-Variante ist darum sehr interessant, weil die Yamaha-Toningenieure für ihre verschiedenen Cinema- und Hifi-DSP-Programme real existierende Räume tonal exakt vermessen haben. Das heißt: Für die Kino-DSP-Programme dienten als Maßstab verschiedene Kinos auf der ganzen Welt, für die Hifi-DSP-Programme zum Beispiel Konzerthallen und Jazz-Clubs. So handelt es sich nicht um ausschließlich am Computer erstellte Programme, sondern um auf realen Bedingungen basierende.

Die Parameter zur akustischen Optimierung

Ein DSP-Programm in Werkseinstellung ist nicht für jeden Raum die optimale Lösung. Es kann beispielsweise sein, dass das Programm im Prinzip sehr gut programmiert ist - jedoch auf eine akustisch eher toten Raum ausgelegt ist. Sie zu Hause haben jedoch einen akustisch lebendigen Hörraum  - und verteufeln das DSP-Programm wegen der wenig gefälligen Halldarstellung. Aufwändige AV-Receiver und -Verstärker mit hochwertiger DSP-Technik bieten daher dem Anwender verschiedene Möglichkeiten, die Programme für den jeweiligen Einsatzzweck individuell zu konfigurieren. Ebenfalls haben diese AV-Boliden verschiedene Nachbearbeitungsmöglichkeiten, die Klangfehler des Ausgangsmaterials zu einem beträchtlichen Teil kompensieren können. Hier zwei Beispiele:

Onkyo TX-DS989 Upgrade 2

  • RE-EQ/Academy. Je nach Hörmodus kann man Re-EQ ein- oder ausschalten oder zwischen Re-EQ, Academy oder Off wählen. Re-EQ (Re-Equalization) hat die Aufgabe, dem Heimkinoklang die Schärfe oder "Helligkeit" zu nehmen (was auch beim THX Post Processing geschieht), um die Tatsache zu kompensieren, dass der für Kinos abgemischte Ton zu hell klingen kann, wenn er über ein Heimkinolautsprechersystem wiedergegeben wird. Die Academy-Einstellung soll sich besonders um ältere monaurale Filmtonabmischungen kümmern. Bei diesen Tonspuren wurde zur Gewährleistung eines angemessen balancierten Tons eine Verstärkung der hohen Frequenzen vorgenommen, um zu vermeiden, dass man das durch die Kornstruktur des Films bedingte Geräusch bei der Projektion zu laut hörte. Einige Filme wurden ohne Dämpfung der hohen Frequenzen auf Video übertragen und haben daher einen zu hohen, zischenden Ton. Der TX-DS989 bringt den Academy-Filter mit, der auf der zeitgenössischen Wiedergabepraxis für solche Filme mit Breitbandsystemen beruht. In der Praxis ist die Academy-Einstellung brauchbar, denn sie verbessert die Gesamt-Hörqualität gerade bei älteren Filmen deutlich. Stimmen und Hintergrundgeräusche verschwinden nicht in einem schwer verständlichen Gemisch aus verschiedenen Störgeräuschen, sondern sind klarer und akzentuierter wahrnehmbar.
  • Front Effect: Einige Live-Aufnahmen enthalten akustischen Nachhall. Wenn Tonquellen dieser Art wiedergegeben werden, wird vom digitalen Signalprozessor noch mehr Nachhall hinzugefügt, was dann insgesamt dazu führt, dass zuviel Nachhall wiedergegeben wird. Der Ton wird im Hochtonbereich zu stumpf, insgesamt zu blechern und zu unpräzise. Daher ist in solchen Fällen die Option "Front Effect" auf "Off" zu stellen. Dann wird der Ton originalgetreu und ohne zusätzlichen Nachhall wiedergegeben.
  • Reflect Level. Mit Hilfe dieses Parameters kann man den Grad der direkten Schallreflexion im Einklang mit der Wiedergabequelle, der Akustik des Raums und anderen Faktoren einstellen. Die Justage kann innerhalb eines Bereiches von -5 bis +5 dB in Schritten von einem dB vorgenommen werden. Hier sollte man sich, möchte man wirkungsvoll optimieren, etwas Zeit nehmen, denn für das Feintuning ist diese Funktion gut zu verwenden.
  • Reverb Level. Mittels dieser Funktion kann die Tiefe des akustischen Nachhalls im Einklang mit der Wiedergabequelle, der Akustik des Raums und anderen Faktoren eingestellt werden. Die Justage ist  in einem Bereich von -5 dB bis +5 dB durchführbar, und zwar in Schritten von 1 dB. In der Praxis ebenfalls fürs Feintuning gut. Man sollte aber die akustischen Gegebenheiten im eigenen Hörraum gut kennen.
  • Room Size hilft, die Größe des virtuellen für jeden Surround-Modus Raums festzulegen. Es besteht die Wahl zwischen "Large", "Mid-Large", "Middle", "Mid-Small" und Small". 
  • Listening Angle. Der Hörwinkel ist der vom Hörer aus gesehene Winkel, der vom linken und vom rechten Lautsprecher eingeschlossen wird. Die Einstellungen von 20 und 40 Grad sind nur Richtwerte. Zu wählen ist der Wert, der dem aktuellen Hörwinkel am nächsten liegt. 
  • Center. On/Off-Einstellung.
  • Front Expander. Breitet den Ton der Frontlautsprecher aus. 
  • Virtual Surround Level. Von -3 dB bis +3 dB ist die Stärke des virtuellen Surround-Effekts einstellbar. 
  • Dialog Enhance. Bei "On" werden die Sprachfrequenzbereiche des Centerlautsprechers erhöht. 

Yamaha DSP-AZ1

  • EFFECT TRIM +/- 3 dB-Variation des Effektpegels gegenüber der Hauptpegeleinstellung
  • INIT.DLY (Initial Delay = Anfängliche Verzögerung): Mit dieser Funktion kann der wahrgenommene Abstand vom Quellensound verändert werden: Die Verzögerung zwischen dem direkten Klangbild und der ersten wahrgenommenen Reflektion kann hier in einem Steuerungsbereich von 1 bis 99 Millisekunden eingestellt werden. Je kleiner der Wert ist, umso näher scheint der Quellenklang akustisch am Hörer zu liegen, bei einem großen Wert entfernt sich der Quellenklang akustisch weiter. Ein kleiner Wert ist für einen kleinen Hörraum, ein großer für einen großen Hörraum zu empfehlen
  • P.INIT.DELAY: Die obige Funktion in Bezug auf das Presence-Soundfeld.
  • ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die wahrnehmbare Größe des Surround-Soundfeldes ein. Je größer der Wert, umso größer wird das Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 0,1 bis 2,0. Da der Klang wiederholt in einem Raum reflektiert wird, kommt es mit zunehmender Größe der Halle dazu, dass die Zeit zwischen dem ursprünglich reflektierten Sound und den nachfolgenden Reflexionen zunimmt. Durch die Möglichkeit der Steuerung der Zeit zwischen den reflektierten Sounds kann man die wahrnehmbare Größe des virtuellen Saales ändern. Wenn der Parameter von 1 auf zwei verdoppelt wird, verdoppelt sich die wahrzunehmende Länge des Raumes
  • P.ROOM.SIZE: Die selbe Funktion wie zuvor beschrieben für das Präsenz-Soundfeld
  • LIVENESS (Lebendigkeit): Dieses Tool stellt das Reflexionsvermögen der virtuellen Wände in der Halle ein, indem die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen geändert wird. Einstellbereich 0 bis 10. Einsatzbereich dieser Funktion: Da die frühzeitigen Reflexionen einer Klangquelle in einem Raum mit hoher Akustikabsorbation viel schneller abklingen als in einem Raum mit stark reflektierenden Wänden, kann mit dem LIVENESS-Parameter die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen von  einem "toten" Raum (Raum mit hoher Absorbationsrate) zu einem "lebendigen Raum (Raum mit stark reflektierenden Wänden) verändert werden
  • S.DLY (Surround Delay = Surround-Verzögerung): Wie die Funktionen zuvor, diesmal geht es um die Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion in einem Surround-Soundfeld. Einstellbereich 0 bis 49 Millisekunden, abhängig vom Digitalformat
  • S.INIT.DELAY: Anfängliche Surround-Verzögerung, Regelbereich 1 - 49 ms. Einstellung der Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion auf der Surround-Seite des Klangfeldes
  • S.ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die anscheinende Größe des Surround-Soundfeldes ein (Regelbereich 0,1 - 2,0)
  • S.LIVENESS (Surround-Lebendigkeit): Einstellmöglichkeit von 0 bis 10 für das wahrnehmbare Reflexionsvermögen der virtuellen Wände im Surround-Soundfeld. Je größer der Wert, umso reflektierender werden die Wände des Surround-Soundfeldes
  • RC.INIT.DLY (Rear Surround Center Initial Delay = Anfängliche Verzögerung des hinteren Center-Sound-Feldes): Wie Funktion davor, nur geht es diesmal um das hintere Center-Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 1 bis 49 Millisekunden
  • RC ROOM SIZE (Rear Center Room Size): Einstellmöglichkeit für die wahrnehmbare Größe des hinteren Center-Surround-Soundfeldes. Einstellbereich 0,1 bis 2,0, je größer der Wert, umso größer die Reflektion der Wände des Presence-Soundfeldes. Eine leichte Anhebung kann, zusammen mit S.Liveness, je nach Reflexionsverhalten, für eine leicht weiträumigeres Klangfeld sorgen.
  • RC.LIVENESS (Hintere Center-Lebendigkeit) siehe Funktion zuvor, diesmal für den Rear Surround Center
  • REV.TIME (Reverbation Time = Widerhallzeit):  Stellt die Zeitspanne ein, die für das Abklingen des dichten, nachfolgenden Widerhall-Sounds um 60dB (bei 1 kHz) benötigt wird. Folge: Die wahrnehmbare Größe des akustischen Umfeldes wird über einen sehr weiten Bereich geändert. Einstellbereich: 1,0 bis 5,0 Sekunden. Empfehlung: Bei "toten" Signalquellen und/oder Hörräumen längere Widerhallzeit, bei "lebendigen" Signalfelder und/oder Hörräumen eine kürzere, denn zuviel Widerhall sorgt genauso für eine unnatürliche Klangkulisse wie zuviel. Hier sollte man zunächst genauere Untersuchungen über die akustischen Eigenschaften des Hörraums anstellen. (Material der Wände? Wenig/viele Möbel? Teppichboden oder Parkett? usw.)
  • REV.DELAY (Reverbation Delay = Widerhallverzögerung): Einstellmöglichkeit von 0 bis 250 Millisekunden für die Zeitdifferenz zwischen dem Beginn des direkten Klangs und dem Beginn des Widerhalls. Je größer der Wert, umso später beginnt der Widerhall. Ein späterer Beginn des Widerhalls erzeugt ein Klangfeld, das den Eindruck vermittelt, in einem größeren akustischen Umfeld zu sein. Vorsicht bei der Einstellung: Wer es zu gut meint, erreicht nur einen unnatürlichen Klangeindruck, der weder zum Hörraum noch zum wiedergegebenen Material passt.
  • REV.LEVEL (Reverbation Level = Widerhallpegel): Stellt die Lautstärke des Widerhalls ein (0 bis 100 %), je höher der Wert, umso lauter der Widerhall
DSP Fazit

Insgesamt muss man sagen - so hart es klingt - dass man von den meisten DSP-programmen gerade in günstigeren Modellen bis auf wenige Ausnahmen die Finger lassen sollte. Die vielen Nachteile können durch die wenigen Vorteile kaum aufgewogen werden. Gerade wenn man ein Liebhaber von klarem, transparenten, facettenreichen und präzisem Klang ist, sorgen die meisten DSP-Programme gerade im Musikbetrieb für Sorgenfalten auf der Stirn. In verschiedenen aufwändigen AV-Verstärker oder -Receiver sind die mit Sorgfalt implantierten DSP-Modi jedoch zur wirkungsvollen Detailoptimierung gerade für besondere Wünsche des Hörers und für qualitativ nicht völlig überzeugende Soundtracks geeignet. Auf jeden Fall bringt ein DSP-Programm erst dann optimalen Nutzen, wenn der Anwender zumindest einige wenige Parameter selbst einstellen und somit das akustische Gesamtergebnis positiv beeinflussen kann.

Hier noch einige AV-Verstärker und -Receiver mit guten DSP-Programmen:

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Test: Carsten Rampacher
02. Februar 2004

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