Test: AV-Receiver Sony STR-DA 50ES

14.02.1999 (ks)

Wer HIFI-Geräte aus dem Hause Sony kauft, der kann in der Regel damit rechnen, ein Optimum an Ausstattung zu bekommen. Mit dem neuen Spitzenreceiver aus der Esprit-Serie STR-DA 50 ES sieht es nicht viel anders aus. Es gibt eigentlich nichts, was der Sony nicht könnte. Der Listenpreis für das Gerät liegt in der schwarzen Ausführung bei 2300 DM. Für einen Hunderter Aufpreis bekommt man den Receiver auch im champagnerfarbenen Design. Und diese 100 DM sind gut investiert, da erst im Edel-Look der Receiver so richtig zur Geltung kommt. Zudem passt der Receiver dann hervorragend zum SONY-DVD-Player DVP-S7700, mit dessen Design er auf einer Linie liegt.
Bei HIFI-Versendern gibt es den SONY gar schon für 1750 (schwarz) bzw. 1850 DM (champagner), womit der Verkaufspreis gerade einmal knapp 150 DM über dem Listenpreis des kleineren Bruders STR-DB 925 liegt.
Wie der kleine SONY auch, verfügt der STR-DA 50ES nicht nur über einen eingebauten Decoder für Dolby Digital sondern auch für DTS und ist somit für alle wichtigen Digitaltonformate gewappnet. Für den Fall, dass die Totgeburt MPEG2 als Mehrkanaltonnorm für das Digitalfernsehen vielleicht eines Tages eine Renaissance erleben sollte, steht außerdem noch ein separater 5.1-Eingang zur Verfügung. Auch wenn dies wirklich nur auf lange Sicht möglich erscheint, da die hierzulande den Set-Top-Boxen-Markt dominierende d-box höchstens Dolby Pro Logic - codierte Stereosignale über ihre zwei Chinch-Buchsen ausgeben kann, hält man sich dank dieses Features alle Möglichkeiten für die Zukunft offen.
Auch ansonsten ist der Sony-Receiver sehr anschlussfreudig: Er verfügt über die imposante Anzahl von insgesamt acht Hochpegeleingängen. Für Nostalgiker steht noch ein weiterer Eingang zum Anschluss eines Plattenspielers zur Verfügung.
Bei den Anschlüssen zeigt sich die Liebe fürs Detail: Der Receiver hat auch noch separate Pre-Outs zum Anschluss externer Endstufen für alle Kanäle. Und den Chinch Y-Adapter für den aktiven Subwoofer kann man getrost liegen lassen, da der Sony diesen Ausgang gleich in doppelter Ausführung hat.

 

Für die Kontaktaufnahme mit digitalen Signalquellen besitzt der SONY insgesamt vier optische Digitaleingänge. Für den DVD-Anschluß steht noch ein koaxialer Eingang zur Verfügung. Mit digitalem 5.1 - Mehrkanalton von NTSC-Laserdiscs kann der Receiver allerdings nichts anfangen, da die RF-Signalverarbeitung eingespart wurde. Gleiches gilt für einen Rec-Out Selector: Kopieren bei gleichzeitigem Hören einer anderen Signalquelle ist nicht möglich. Um CD-Digitalkopien möglich zu machen, hat der Receiver einen optischen Digitalausgang für Mini Disc oder DAT. Wichtig: Quellen, die digital angeschlossen wurden, lassen sich nicht analog über die Rec Out-Buchsen kopieren. Mit einem Trick klappt es zumindest mit Stereo-Signalen, indem man die Aufnahme über die Front-Pre-Out-Ausgänge erledigt.Auch für Videoquellen ist der SONY gut vorbereitet. An den fünf Videoeingängen (einer davon befindet sich als Fronteingang hinter der goldenen Klappe) akzeptiert der Receiver sowohl Composite-Signale als auch das für optimale Bildqualität erforderliche S-Video. Leider wandelt der Receiver nicht Composite in S-Video und umgekehrt. Wenn möglich sollte man aber ohnehin nicht den Receiver als Videoschaltzentrale verwenden, sondern die Geräte direkt mit dem Fernseher verbinden.

Obwohl die Beschriftung der Signalquellen mit "DVD", "Mini Disc" & "LD" auf dem neuesten Stand der Technik ist, läßt Sony dem Käufer die Wahl frei, mit welchemText diese im Schönschriftdisplay des Receivers erscheinen. Bis zu acht Stellen lassen sich einstellen.
Gleiches gilt auch für den FM-AM-Tuner, der dank Radio Data System bei den meisten Sendern immer den Sendernamen in Schönschrift anzeigt. Für Sender, dieüber Satellit ins Kabelnetz eingespeist werden und keine RDS-Codierung tragen, lassen sich dann per Hand die Sendernamen einstellen. Für Info-Junkies, die auf das nervige Geplärre des deutschen Senderwaldes verzichten, aber dennoch die Nachrichten nicht verpassen möchten, hat SONY auch die RDS-Funktion EON (Enhanced Other Networks) eingebaut. Wird diese aktiviert und sendet der Senderdie EON-Kennung aus, so schaltet der Verstärker automatisch auf den Tuner um - auch wenn gerade eine CD gehört wird - und geht auf die ursprünglich selektierte Quelle nach Ende der Nachrichten zurück.

Der Sony bietet, wie man es für diese Preisklasse auch erwarten kann, nicht nur reinen Surround-Betrieb für die Wiedergabe von DVD´s sondern darüber hinaus auch noch eine Vielzahl von Surroundmodi, die sich auch noch sehr vielfältig kalibrieren lassen. Neben den bekannten Surround-Modi "Hall", "Church" etc. sind gerade die für den Movie-Betrieb gedachten DSP-Programme dazu gedacht, dem Hörer mehr Lautsprecher vorzugaukeln, als eigentlich im Raum stehen. Die Anpassung auf die Raumverhältnisse geht sehr einfach, weil der Receiver nach Einstellung der Boxenabstände sowie Position und Höhe der Surroundlautsprecher bereits startklar ist. Außerdem ist noch ein Equalizer mit an Bord, der mit unglaublicher Präzision die Anpassung jedes einzelnen Lautsprechers an das persönliche Hörempfinden ermöglicht. Hierzu läßt sich für Front, Center und Surround jeweils im Tiefen-, Mitten- und Höhenbereich die Eckfrequenz auswählen, an der man den Pegel dann erhöht oder absenkt.



Sony - Systemfernbedienung

Eindeutiges Aushängeschild dieses Receivers ist seine Fernbedienung. "Fernbedienung" ist eigentlich eine gewaltige Untertreibung, denn der Remote Commander mit seinem großflächigen Touch Screen - Display soll für die gesamte Anlage als Kommandozentrale dienen. Neben den Receiver- und Tunereinstellungen lassen sich nämlich auch die angeschlossenen Geräte mit der Fernbedienung steuern - sogar wenn sie nicht aus dem Hause Sony stammen. Da die Fernbedienung obendrein auch noch bidirektional arbeitet, kann man auf dem Display z.B. die Sendereinstellungen des Tuners sehen. Wie auch alle anderen Einstellungen, die direkt am Gerätedisplay zu sehen sind, kommuniziert die Fernbedienung mit dem Benutzer nur in Englisch.
Was in der Theorie wie eine phantastische Idee erscheint und die Hoffnung erweckt, endlich mit einer Fernbedienung das komplette System zu steuern, hat in der Praxis allerdings einige Geburtsfehler. Das Display ist nämlich viel zu dunkel geraten, so daß der Betrieb ohne die eingebaute Hintergrundbeleuchtung praktisch nicht möglich ist. Diese muß man dann immer umständlich über eine kleine Taste links unten einschalten.
Und das hat natürlich immense Konsequenzen für den Stromverbrauch. Im Schnitt dürften die mitgelieferten Batterien gerade einmal ca. 14 Tage halten. Und auch wer auf umweltfreundliche Akkus umsteigen will, der kann sich darauf einstellen, das Ladegerät zweimal in der Woche anzuwerfen. Je nach Nutzungsgrad halten 1,2 V NIMH-Akkus zwischen drei und vier Tagen.
Während man sich hiermit noch abfinden kann, ist es viel folgenschwerer, daß die Fernbedienung zwar die Gerätecodes vieler Hersteller gespeichert hat, sie aber nicht lernfähig ist. Codes von Geräten wie die der nicht unterstützten d-box können also der Fernbedienung nicht beigebracht werden.
Zudem ist die Codeliste auch nicht vollkommen bugfrei: Wer z.B. versucht, mit der SONY-Fernbedienung den Panasonic DVD A-350 in "Pause" zu versetzen, der kann vergeblich warten. Außerdem ist eines deutlich zu bemerken: Selbst wenn alle Gerätecodes laufen, beschränkt sich der Steuerungsumfang wirklich nur auf die allernötigsten Funktionen. Von den unterstützten DVD-Playern z.B. lassen sich nur die Sony-Modelle vernünftig steuern, da der Aufruf der Menüfunktion bei anderen Marken nicht unterstützt wird.
Ausgesprochen komfortabel geht aber zumindest die Steuerung der Receiver-eigenen Funktionen. Bis auf das Basis-Setup lassen sich nahezu alle Einstellungen des Gerätes über die Fernbedienung erledigen.
Für viele Funktionen reicht es zudem aus, das Jog-Rad an der rechten Seite zu drehen und per Druck auf das Rad die gewünschte Funktion zu aktivieren. Zum Glück hat sich Sony nicht vollkommen auf die Bedienung via Touch Screen eingeschworen, die entweder mit dem Finger oder dem auf der Unterseite des Commanders versteckten Stift möglich ist. Die Lautstärkeregelung läuft noch über konventionelle Drucktasten.

Wie klingt es nun, das gute Stück? Auffällig ist vor allem, dass der Sony für ein Gerät seiner Preisklasse übermäßig stark rauscht. Gerade in den zahlreichen DSP-Modi wird das Rauschen noch einmal etwas auffälliger. Doch keine Panik: Was im theoretischen Test im CD-Pause-Betrieb auffällt, macht sich zum Glück im normalen Spielbetrieb mit Pop, Rock oder Technomusik eigentlich nicht bemerkbar. Lediglich für Klassik-Fans, die gerne auch leise Passagen bei hoher Lautstärke hören, könnte der SONY hier kritisch werden.
CD´s und Mini Disc´s gibt der Sony mit einer sehr kraftvollen Dynamik und guten Leistungsreserven wieder. Voraussetzung hierfür ist allerdings das aktivierte "Auto Format Decoding", welches die DSP-Effekte ausschaltet, da insbesondere der Bass in den DSP-Modi sehr stark abfällt. Bei Pop-, Rock- und Technoaufnahmen klingt der Sony mit den DSP-Effekten etwas lau. Anders sieht es bei Klassik aus: Hier erzeugt der Signalprozessor des Receivers ein sehr räumliches und harmonisches Klangbild, das aber eben leider nicht ganz frei von Rauschen ist.

Signale von analogen Signalquellen, die mit matrixcodiertem Dolby Surround auskommen, decodiert der Sony nicht im Auto-Modus. Hier muß man manuell, und dies geht mit der Fernbedienung hervorragend, in den Surround-Modus oder eines der zahlreichen DSP-Programme gehen. Leider hat auch dies wieder die Konsequenz, daß die Dynamik spürbar nachläßt. Der Raumklang ist insgesamt ein wenig dürftig. Was die DSP-Programme angeht, so ist auf jeden Fall Experimentieren angesagt. Mir persönlich reicht bereits der normale Surround-Modus. Allzu viel sollte man von den DSP-Effekten ohnehin nicht erwarten. Sie unterscheiden sich nur in Nuancen.

Viel besser gibt sich der Receiver in seinem Hauptaufgabengebiet, der Wiedergabe von digitalem Mehrkanalton in Dolby Digital 5.1 oder DTS. Wenn das Dolby Surround - Signal in Dolby Digital 2.0 vorliegt, ist der Sound schon weitaus besser als mit rein analogen Surround-Quellen. So richtig in Fahrt kommt der Receiver aber erst mit diskretem Mehrkanalton im 5.1 - Format. Hier stimmt wirklich alles. Der Raumklang ist dann wirklich sehr überzeugend und gibt keinen Anlaß zur Klage. Auch der Bass spielt hervorragend mit. Natürlich kann man auch hier nur wieder empfehlen, die Finger von den DSP-Spielereien lieber wegzulassen, da der Receiver im Auto-Mode einfach mehr Druck macht.

DTS konnte ich leider noch nicht an DVD´s sondern nur an entsprechend codierten Klassik-CD´s testen. Die vielgestellte Frage, ob DTS denn nun wirklich besser als Dolby Digital ist, kann ich daher leider jetzt noch nicht persönlich beantworten. Bei reiner Musikwiedergabe macht DTS aber schon eine sehr gute Performance und lässt normale Stereo-CD´s ganz schön alt aussehen.

Fazit: Insgesamt macht der Sony STR-DA 50 ES einen hervorragenden Eindruck. Vom Klang ist der Receiver im Digital-Betrieb wirklich ausgezeichnet. Insbesondere die Leistungsreserven sorgen dafür, dass auch bei höherer Lautstärke der Spaß nicht aufhört. Der etwas spärliche Klang mit matrixcodiertem Dolby Surround lässt sich verschmerzen, da in der Regel eh der diskrete 5.1 - Digitalton auf dem Programm stehen sollte.
Eindeutig nachbesserungsbedürftig ist indes die Systemfernbedienung, die zwar mit Einschränkungen wirklich viele Möglichkeiten zur Einstellung des Systems bietet, aber ohne ständig aktivierte Hintergrundbeleuchtung praktisch unbrauchbar ist. Außerdem erscheint es inkonsequent, zwar eine Fernbedienung zu konstruieren, die das gesamte Equipment steuern soll, dann aber nicht einmal fähig ist, auch neue Infrarotcodes zu lernen. Vom Branchenprimus Sony hätte man hier eigentlich mehr erwarten dürfen.
Von der Ausstattung her bietet der Sony eine enorme Vielfalt an Anschluss- und Einstellmöglichkeiten, so dass man auch für die Zukunft mit diesem Receiver sehr gut gerüstet sein dürfte.


Karsten Serck

14.02.1999