Test: Rotel Vor-/Endstufenkombination RSP-1098/RMB-1095
Ausstattung, verwendete Baugruppen und technische Daten

In der Vorstufe verbaut Rotel sehr hochwertige 24-Bit/192-kHz D/A Wandler von Crystal Semiconductors, während die Firma AKM 24-Bit-A/D Wandler mit 128fach- Oversampling beisteuert. Die Rechenarbeit übernimmt ein leistungsfähiger Cirrus Logic CS49400 32bit Prozessor. Folgende Wiedergabe- bzw. DSP Modi stehen damit zur Verfügung:

- Dolby Digital EX, Dolby Pro Logic 2/2x inklusive Movie- und voll konfigurierbaren Music Mode, aber ohne Game Mode
- DTS ES ( Matrix + Discrete), DTS 96/24, DTS Neo:6 inklusive Movie und Musik Mode 
- Rotel 7.1 XS Modus: sorgt automatisch für die richtige Decodierung und optimale Klangqualität jedes Mehrkanal-Digital-Signals zur Wiedergabe über 6.1 – und 7.1. Kanal Systemen arbeitet auch mit Signalen, welche ansonsten nicht die geeignete Decodierung aktivieren, oder mit solchen, für die es keine erweiterten Surround-Decoder gibt (z.B. DTS 5.1 , DD 5.1 )
- Automatische HDCD Dekodierung von HDCD Compact Discs
- Automatische Dekodierung von MP3 Musiksignalen
- Analoger Bypass Modus für reines 2-Kanal-Stereo ohne Digitalverarbeitung
- Vier DSP-Musi-Modi 
- 7.1 Signale über den analogen Multichannel Eingang mit vollwertigen Bassmanagement

Im Gegensatz zur Endstufe und auch zu fast allen Surround Boliden der Rotel-Liga ist die Vorstufe nicht THX - zertifiziert. Als kleinen Ausgleich hierfür gibt es einen zuschaltbaren Cinema-EQ für Dolby Digital und DTS , welcher, angelehnt an das THX Postprocessing, die Höhen etwas absenkt, um einen kinoähnlicheren Klang und keinen zu schrillen Sound zu erhalten. Neben den DSP-Modi versorgt der Cirrus Logic-Chip auf Wunsch auch noch eine 2. Zone mit Stereosignalen sowie mit Videosignalen per FBAS. Moderne AV-Receiver sind im Vergleich dazu in der Lage, bis zu 4 Zonen gleichzeitig mit Audio und Video zu versorgen. Selbst Geräte der 850 Euro-Klasse können schon bis zu 3 Zonen bedienen (Yamaha RX-V1500). Hier liegt also ein großes Manko der Rotel- Vorstufe, verglichen mit der momentanen Bestmarke bei den neuesten Surround-Boliden und selbst bei sehr viel günstigeren Modellen. Wenn wir uns den einstellbaren Optionen zur Konfiguration der Vorstufe ansehen, stellen wir fest, dass Rotel durchdachte und brauchbare Features zur Verfügung stellt. Da bei reinen Surround-Vorstufen automatische Einmesssysteme generell eher selten anzutreffen sind, wird eine möglichst genaue und vielfältige manuelle Justage umso wichtiger.  Zwar bietet die Rotel Vorstufe keine HDMI-Ports oder gar einen Video-Scaler, jedoch hat Rotel im Gegensatz zu einem Großteil der Vor-/Endstufen Konkurrenz immerhin die „Pflichthausaufgabe“ gemacht und eine einstellbare Audio Verzögerung (Lip Sync) integriert, so dass weder Beamer- noch Plasmabesitzer mit einem zeitlichen Versatz von Bild und Ton leben müssen, der dann auftreten kann, wenn z.B. zur Progressive Scan-Bildwiedergabe Videosignale durch ein rechen- und zeitintensives De-Interlacing aufbereitet werden müssen. 


Vielfältige Möglichkeiten zur Lautsprecherkonfiguration

Als eine weitere sinnvolle Option ist uns aufgefallen, dass die Rotel-Vorstufe eine unterschiedliche Lautsprecher- und Subwooferkonfiguration für jeden einzelnen Wiedergabemodus ermöglicht, was insbesondere bei der Optimierung von Surround- und Musikwiedergabe enorm praktisch ist. Außerdem sind die Bass- sowie die Höhen (Treble)- Einstellung pro Kanal und sogar pro Lautsprechergruppe spezifisch konfigurierbar mit optionaler Bypass-Funktion. Das Bassmanagement präsentiert sich insgesamt sinnvoll und praxisnah einstellbar: so ist es möglich für jede Art von Lautsprecher eine andere Übergabefrequenz festzulegen . Kleinere Kritik gibt es jedoch im Detail: Bei der Einstellung der Übernahmefrequenzen wäre eine noch feinere Abstufung als die 40/60/80/100 Option im unteren Frequenzbereich wünschenswert, außerdem sind auch die Lautsprecherabstände nur in 30cm Schritten einstellbar.  Aber selbst mit diesen kleinen Mankos sollte die RSP-1098er Vorstufe für jedes System eine gut passende Konfiguration bereitstellen.

Erstklassig: Die für jede Quelle justierbaren Subwoofer-Pegel

Vom Innenaufbau her gesehen, ist die 1098er Vorstufe referenzverdächtig: sauberste Verarbeitung und hochwertige Modulbauweise eliminieren Störgeräusche und ein Übersprechen der einzelnen Baugruppen. Wie Eingangs schon erwähnt, liegt genau an diesem Punkt DER Vorteil eines solchen Geräteaufbaus.

So geht es: Modularer Innenaufbau und beste Baugruppenqualität

Als Nebeneffekt dieser Architektur ist noch die Service- und Reparaturfreundlichkeit zu loben, da bei einem eventuellen, späteren Defekt das Tauschen einzelner Platinen möglich ist. Abgesehen vom ähnlich aufgebauten Onkyo TX-NR5000E bietet kein anderes, von uns getestetes Gerät einen solch sauberen und konsequenten, modularen Aufbau.

Sauberer innerer Aufbau der Vorstufe

"I 've got the Power": Das ist wirklich einmal eine überdimensionierte Ringkern-Trafo-Sektion!

Dreh- und Angelpunkt in der Rotel-Unternehmensphilosophie stellt das Netzteil dar, so dass die Engländer hier besonders hochwertige und selektierte Bauteile verwenden, um jede Gerätegruppe mit einer stabilen und exakten Stromversorgung zu beliefern. Gleichzeitig stehen für Stromspitzen genügend Reserven, auch für hochkomplexe Aufgaben, zur Verfügung.  In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass z.B. das Netzteil der RMB 1095 Endstufe mit 2 Stück 1,2 kVA Ringkern-Transformatoren, einer Leistungsaufnahme von 800 Watt und einer maximalen Ausgangsleistung von über 1000 Watt begeistern kann. Und vergessen Sie nicht – aufgrund des Vor-/Endstufenaufbaus steht diese Power einzig und allein der Endstufe mit Ihren 5 Kanälen zur Verfügung ! In der RMB-1095 ist zusätzlich eine Einschaltbegrenzung integriert, durch die ein Auslösen der Haussicherung verhindert wird. 

Bereit für höchste Dauerbelastung: Die RMB 1095

Rotel ist mit seinen Leistungsangeben eher konservativ, so dass die offiziellen Leistungsangaben der Endstufe erst richtig beeindrucken: satte 200 Watt an 8 Ohm bzw. 330 Watt an 4 Ohm stehen gleichzeitig für jeden der 5 Kanäle zur Verfügung. Somit stellt diese Endstufe eine der leistungsstärksten Mehrkanal-Endstufen auf dem Markt dar, wir können uns aus diesem Grund der Warnung im beiliegenden Handbuch nur anschließen und darauf verweisen, dass nur Lautsprecher an dieser Endstufe benutzt werden sollten, welche dieser Leistung standhalten können. (oder zumindest eine gut funktionierende Schutzschaltung integriert haben).

Die fünf Schutz-LEDs

Sollte man es dennoch irgendwie schaffen, die Endstufe in Bedrängnis zu bringen, sind für diesen Fall 5 „Protection LEDs“ an der Gerätefront untergebracht, welche mit rotem Leuchten über die Aktivierung des Überlastschutzes informieren.  Alle technischen Daten des Rotel Duos finden Sie zusammengefasst am Ende des Tests in tabellarischer Form.

Bewertung Ausstattung, verwendete Baugruppen und technische Daten:
Rotel RSP-1098:

+ alles was vorhanden ist, wurde perfekt umgesetzt, mit hochwertigen Bauteilen und Referenzlayout glänzen beide Komponenten
+ viele Einstelloptionen an genau den richtigen Stellen
-leider fehlen im Vergleich zu aktuellen Boliden sehr viele Features - beispielsweise eine Raumeinmessung, HDMI-, DVI- und i.link-Ports sowie die Unterstützung mehrerer Zonen mit kompletten Surround-Sound. Das Time Alignment ist nicht allzu exakt, auch ein Notch-Filter wie z.B. beim Onkyo TX-NR5000E fehlt. 

Rotel RMB 1095:

+ aus technischer Sicht ist diese Endstufe eine Offenbarung und bietet nicht einmal im Ansatz Platz für Kritik

Klang:

Nachdem wir uns mit dem Design, der Bedienung und der technischen Ausstattung beschäftigt haben, müssen uns die beiden Rotel Geräte nun in der wichtigsten Disziplin zeigen, ob und wie sich der betriebene Aufwand im Klang wiederspiegelt. 

Testequipment und Testbedingungen:

  • Lautsprecher: Front 2x Nubert NuWave125, Center: 1x Nubert NuWave, 
    Rear: 2x Nubert NuWave125, Subwoofer Nubert AW7
    DVD Player: Denon 3910 verbunden über Coaxkabel sowie analog per Cinch
    Bildwiedergabegerät: Panasonic TX32PD30D
    Raum: ca. 7x5 Meter , akustisch optimiert durch Absorber von RTFS, um den Einfluss des Raums zu minimieren und den Eigenklang der Verstärker hervorzuheben


Pegelfestigkeit

In dieser Disziplin durfte besonders die imposante Endstufe zeigen, was in ihr steckt. Auch nach mehreren Stunden basslastiger Musik auf allen 5 Kanälen bei ca. 85% hatte die RMB-1095 keine Mühe, für einen weiterhin knackigen, präzisen Punch zu sorgen. Auffallend war, dass die Endstufe nicht einmal heiß geworden ist (lediglich handwarm). Viele der aktuellen Boliden (z.B. der Harman Kardon AVR-7300) sind ebenfalls in der Lage, solche Pegel über längere Zeit mitzugehen, haben jedoch durch die deutlich höhere Wärmeentwicklung. Auf jeden Fall scheint aufgrund der enormen Pegelfestigkeit auch ein sehr großes Heimkino mit bis zu 70m² problemlos befeuert werden zu können. Erwähnenswert ist hierbei auch das Verzichten auf etwaige laute, aktive Lüftungselemente. Sowohl die Vor- als auch die Endstufe werden komplett passiv gekühlt und belästigen daher unter keinen Umständen mit einem laut laufendem Lüfter das Hörvergnügen. Für extremste Pegel bzw. Situationen hat Rotel mit der RMB-1090 eine Stereoendstufe mit 2x 700Watt an 4 Ohm im Angebot, wobei bereits die hier im Test vorliegende 1095er brachial zu Werke gehen kann und dabei keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Bilanz: Souverän und ohne Ermüdungserscheinungen meistert die 1095 unseren Testparcours. 

Bewertung Pegelfestigkeit: 

Surroundklang Filmton Multichannel ( Dolby Digital / DTS):

Die Rotel Kombi präsentiert sich ausgesprochen spielfreudig und ist stets bemüht, alle Details, besonders aus dem Mittel- und Hochtonbereich, mit größtmöglicher Plastizität in das Geschehen einzubinden. Es ist nicht so, dass die Rotel-Kombi bislang völlig untergegangene Details offenbart oder entdeckt, da diesbezüglich der Denon AVC-A1XV und der Onkyo TX-NR5000E die Messlatte schon sehr hoch legen. Man kann sich das eher so vorstellen, dass die vorhandenen Effekte noch eine Spur greifbarer herausgearbeitet werden.

Als Beispiel dient uns hier der erste Teil der Herr der Ringe Trilogie, als Gandalf mit einer Kutsche angefahren kommt. Das Klirren und Klappern des Zaumzeuges ertönt noch minimal gelöster und wird mehr in den Vordergrund gestellt, ohne dass eine unpassende Überbetonung vorliegt. Der Onkyo TX-NR5000E spielt bereits auf sehr hohem Niveau und vermag es zwar ebenfalls, alle Details aus der Tonspur rauszuarbeiten, spielt aber im direkten Vergleich ein klein wenig sanfter, so dass besonders Effekte im hohen Frequenzbereich nicht ganz als so knackig und detailliert empfunden werden können. Die Unterschiede sind jedoch sehr fein einzustufen, da bereits eine +2db Anhebung der Höhen beim Onkyo ausreicht, um beim Blindtest nicht mehr eindeutig eine Zuordnung machen zu können. 

Zu unserer Überraschung schafft es die Rotel Kombi, den klar und filigran spielenden Onkyo auch in Punkto Sprachverständlichkeit ganz leicht hinter sich zu lassen: Die Rotel- Geräte sind in der Lage, die Frauenstimme in der Einführungssequenz von HDR1 noch ein wenig klarer und akzentuierter zur Geltung zu bringen. Die Stimme ertönt noch ein wenig filigraner und zarter aus dem Centerspeaker. Eine ähnliche Beobachtung konnten wir bei der Intro-Sequenz von Pitch Black machen, als Riddick ein paar einführende Worte spricht: den metallischen Klang der Stimme kann die Rotel Kombi noch etwas natürlicher wiedergaben als der Onkyo. Dieser interpretiert die Stimme etwas weicher , und baut sie mit etwas mehr Volumen auf, was uns zeigt, dass die Rotel Kombi mehr auf höchste Präzision als auf maximales Volumen abgestimmt ist. Angesichts der mächtigen Endstufe wunderten wir uns schon etwas, aber bei mehreren Hörsessions bestätigte sich unser Gesamteindruck, was die Surround-Wiedergabe betrifft: Im Fokus bei Rotel steht eine hochdetaillierte und präzise Darstellung, besonders ab dem mittleren Frequenzbereich, so dass im Vergleich zur japanischen Konkurrenz der Klang insgesamt etwas schlanker wirkt. Speziell die unteren Mitten werden zwar sehr strukturiert dargestellt, treten aber nicht so rund und höchst gefällig in Erscheinung wie beim Onkyo. Wenn dann von der Tonspur richtige Tiefbassorgien verlangt werden, meldet sich sofort die Endstufe und entlässt ein entsprechendes Bassgewitter in den Hörraum; selbst ohne aktiven Subwoofer sind somit beeindruckende Basseffekte möglich. In dieser Disziplin konnten uns aber schon die japanischen Boliden begeistern, so dass man hier sowohl den Onkyo TX-NR5000E als auch den Pioneer VSA-AX10Ai-S als ebenbürtig ansehen kann. 

Bilanz: Beim ersten Eindruck spielen bassbetonende Verstärker wie der Denon AVC-A1XV oder der Pioneer VSA- AX10Ai-S spektakulärer auf, dafür offenbaren die Rotel-Komponenten beim zweiten Hinhören erstklassige Qualitäten im detaillierten und ausdrucksvollen Gesamtaufbau der Surroundkulisse. Bilanzierend tritt er in ernsthafte Konkurrenz zum Onkyo TX-NR5000E, der für Freude eines vollen, runden, gleichzeitig aber klaren Klangs nach wie vor erste Wahl bleibt. Bestechend beim Onkyo sind vor allem seine Universalqualitäten. Detailfanatiker sollten sich hingegen in Richtung Rotel orientieren.

Bewertung Surroundklang:

Surround-Aufpolierer Filmton/Musik ( Pro Logic II, DTS:Neo6 und Musik DSP Modi)

Leider kann man bekannterweise nicht jede Quelle als 5.1 Dolby Digital Version genießen, so dass bei zweikanaliger Zuspielung die DSP Programme wichtig sind, um ein raumfüllendes Vergnügen zu bereiten. Bei der Musik-Aufbereitung via DTS:Neo6 Music waren wir positiv von der hohen Gesamtqualität und der Verteilung der Instrumente überrascht. Leider bietet DTS:Neo6 Music hier keine einstellbaren Optionen, so dass sich alleine schon deswegen die Benutzung des Pro Logic2x Decoders empfiehlt. Unabhängig von den Einstelloptionen ist deren Integration ohnehin noch besser gelungen als beim DTS-Pendant. Anders als bei manchen AV-Receivern bleibt die Musikqualität mit PL2(x) Music auf einem sehr hohen Niveau, wird harmonisch auf die Lautsprecher verteilt und klingt trotzdem weder komprimiert noch aufgestückelt. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den jeweiligen „Movie“ Versionen ab, auch hier kann die filigrane und dennoch harmonische PL2(x) Movie-Integration begeistern und sorgt bei TV Sendungen oder DVDs ohne Dolby Digital Tonspur, wie z.B. der Indiana Jones-Trilogie für einen mit natürlichen Effekten gesegneten, aber nie übertrieben effekthascherischen Raumklang.

Die 4 verschiedenen Musik-DSP-Programme sollen dazu dienen, jeweils größer werdende Räumlichkeiten zu simulieren. Beim Testen hat sich relativ schnell herausgestellt, dass die Unterschiede zwischen diesen 4 DSPs eher marginal und kaum wirklich wahrnehmbar ausfallen. Weiterhin kommt die Klangauflösung nicht an die exzellente PL2(x) Music- Darbietung heran, da die Surroundkulisse mit etwas zu starker Hallbetonung auffällt und daher ungenauer klingt.

Was wir in dieser Sektion vermisst haben, sind weitere DSP- Programme. Abgesehen von der XBOX bieten alle anderen Video Konsolen (selbst bei digitaler Verbindung) meist nur ein Stereosignal, welches man bei (fast) jedem anderen aktuellen AV-Verstärker/Receiver per PL2x „Game“ etwas effektvoller präsentiert bekommt. Auf diese Option verzichtet die 1098er Vorstufe. Ein weiteres kleines Manko der DSP-Sektion stellt das Relaisknacken dar, welches beim gemütlichen DVD-Abend bei gerätenaher Sitzposition schon ein wenig störend in Erscheinung treten kann, da bei jedem Signalwechsel (sogar beim Kapitelspringen innerhalb einer DVD) deutlich hörbare Umschaltgeräusche der Relais zu vernehmen sind. Obwohl ansonsten alle DSPs (allen voran das exzellent integrierte ProLogic 2x) vorzügliche Arbeit leisten, gibt es für die spartanische DSP-Sektion in der Klangwertung einen kleinen Abzug, da nicht immer exakt der passende Modus zur Verfügung steht und daher manchmal klangliche Kompromisse eingegangen werden müssen. 

Bewertung Surroundaufpolierer:

Musik Stereo/Multichannel:

„Beeindruckend“ wäre unsere Antwort, wenn wir die akustische Leistung der Rotel-Kombi bei der Stereowiedergabe mit nur einem Wort beschreiben müssten. Noch mehr als in den Surroundmodi kommt der Grundcharakter zur Geltung, da die Musik durch die enorme Brillanz sehr viel an Esprit gewinnt. Ein gutes Beispiel für die detaillierte und exakte Stereowiedergabe konnten wir im Album „Sehnsucht“ von Rammstein finden: sowohl die Pfeifgeräusche am Anfang von „Engel“, als auch die synthetischen Geräusche im Intro von „Bestrafe mich“ , offenbart die Rotel Kombi als kratzig, rauh bzw. leicht übersteuernd aufgenommen. Mag man im ersten Moment denken, dass die Rotel-Geräte hier zu spitz klingen, so haben wir im Quervergleich mit einer hochwertigen Vincent Stereo-Vor-/Endstufenkombi exakt dieses Phänomenen ebenfalls ausmachen können. Solche Klangdetails werden selbst von Surround-Boliden vom Schlage eines Denon AVC-A1XV oder eines Onkyo TX-NR5000E bei weitem nicht so herausgearbeitet. 

Doch nicht nur solche Aufnahmefehler werden schonungslos offenbart, glücklicherweise verwöhnt die Rotel Kombination den Hörer bei der Wiedergabe jedes Musikinstruments mit einer überragenden Feinauflösung und erzeugt dadurch im Stereobetrieb eine emotionale, authentische Wiedergabe. Obwohl die Gesamtklangcharakteristik nicht zu sehr ins Analytische (wie etwa beim Yamaha DSP-Z9) geht, hat auch dieses Gerät eine Neigung dazu, bestimmte, ältere Musikstücke etwas zu metallisch und schlank wiederzugeben. Bei älteren CDs mit etwas schmaler Gesamtauslegung ist der Griff zum Bassregler wichtiger, als z.B. beim voluminöser aufspielenden Denon AVC-A1XV, um ein solides Bassfundament aufzubauen. Eine weitere Auswirkung der Klangauslegung zeigt sich im Praxisbetrieb: während ein Onkyo TX-NR5000E eher unauffällig und angenehm als Hintergrundbeschallung zu hören ist, fordert die Rotel-Kombi aufgrund der feinnervigeren Darbietung den Hörer quasi auf, sich zu setzen und der Musik konzentriert zu lauschen. 

Wie bei jedem Verstärker bzw. jeder Klangauslegung klingen bestimmte Musikrichtungen besser als andere – denn ganz besonders den Soul-, Jazz- und Klassikfans dürften mit dem Rotel-Gespann viele Stunden exzellenten Hörgenusses bevorstehen. Bei der Darbietung der Konzert-DVD „La Vie est belle“ von Andre Rieux auf der Berliner Waldbühne werden die verschiedenen einzelnen Instrumente des Orchesters vorzüglich dargestellt, besonders in der hochfeinen Umsetzung der Stradivari-Geige von Andre Rieux kann die Rotel-Kombi glänzen. 

Bilanz: Die filigrane Arbeitsweise der Rotel-Geräte eröffnet besonders den Freunden der feinen, zarten Musik neue Dimensionen in Bezug auf den Musikgenuss. Sicherlich klingt auch „normale“ Pop/Rock Musik extrem gut und emotional auf dem Rotel-Duo, jedoch können manche Konkurrenz-Produkte, allen voran der Onkyo TX-NR5000E, bei dieser Art von Musik Ihre Allroundtalente in die Waagschale werfen und durch eine stärkere Bassbetonung sowie einen weicheren, unauffälligerem Klang punkten. In der Summe seiner akustischen Leistungen stufen wir diese Rotel Vor/Endstufen Kombi als „audiophil“ ein. 

Bewertung Musik in Stereo:
Bewertung Musik in Surround:
Gesamt-Fazit:

Wer den Taschenrechner zückt und die Ausstattung des Rotel-Duos mit dem passendem Tuner sowie einer zusätzlichen, kleinen Stereoendstufe für die 7.1 Wiedergabe ergänzt, wird in Anbetracht eines Komplettpreises von knapp 8000 Euro eher zu einem der vollausgestatteten und damit praxisgerechteren Surroundreceiver wie dem Onkyo TX-NR5000E greifen, der mit 5499 Euro zwar auch nicht gerade ein Schnäppchen ist, mit seiner Ausgeglichenheit auf Referenzniveau aber ohne Frage ein Ausnahmeprodukt darstellt, das seinen Preis Wert ist.

Fernab von finanziellen Aspekten gilt aber: Die hier getesteten Rotel-Geräte RSP-1098 und RMB-1095 stellen eine klanglich vorzügliche und faszinierende Kombination dar, die sich keineswegs vor irgendeinem aktuellen AV-Boliden verstecken muss. Eher im Gegenteil: Es ist frappierend, wie viel Spaß ein Gerät ohne Raumeinmessung und Dutzenden anderen Features bereitet. Ganz besonders für Freunde der extrem präzisen, detailgetreuen Musikwiedergabe ist dieses Gerät hochinteressant. Diese Käuferschaft dürfte es sicherlich nicht extrem stören, dass die Materialauswahl des Gehäuses und der Bedienungskomfort nicht in allen Belangen auf höchsten Niveau zu finden ist. Im Innenleben zeigt sich Rotel dafür nicht geizig und spendiert beiden Geräten eine mustergültige technische Basis mit aufwändigem Layout.

Im Vergleich zu Surround-Vorstufen anderer Herstellern ist die RSP-1098 übrigens sehr gut ausgestattet und bietet mit dem integriertem TFT-Display ein interessantes Goodie das aktuell in keinem Surround-Boliden zu finden ist. Die Endstufe RMB-1095 hat uns im Test mit einer extrem guten Pegelfestigkeit sowie einem mustergültigen technischen Aufbau begeistert. Klanglich ist diese hochwertige, 2999 Euro kostende 5 Kanal THX-Endstufe in der Lage, auch an bürgerlichen Receivern eine enorme klangliche Aufwertung zu bewirken.  Für kompromisslose High End Käufer, die sowieso ein 5.1 System bevorzugen, sollte diese Gerätekombination aufgrund der von uns dargelegten Pluspunkte ganz oben auf der „Anhör“ Liste beim nächsten Elektronikkauf stehen.  Würde sich unsere Bewertung alleine nach dem Klang richten, gäbe es klar das Referenz-Prädikat. Da wir aber die Messlatte bei einem 6498 Euro kostenden Geräteduo bewusst in allen Bereichen sehr hoch setzen, reicht es wegen Materialanmutung , Bedienkomfort und Ausstattung nur zu einem „ausgezeichnet“

Audiophile Kombination mit brillanter Musikwiedergabe für detailverliebte Mehrkanal-Gourmets
Gesamturteil:
 
Highend-Klasse
Test 14.03 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:
Pro:

+ erstklassiger Klang in jedem Betriebsmodus
+ integrierter TFT Monitor für Quellenansicht und Gerätebedienung
+ Endstufe RMB-1095 ist bärenstark und extrem pegelfest
+ vielfältige und sinnvolle Einstellungsoptionen für Lautsprecher
+ sämtliche Anschlussterminals sind sehr hochwertig und langlebig konstruiert
+ sauberer und hochmodularer , servicefreundlicher Innenaufbau

Contra:

- hohe Anschaffungs- und Erweiterungskosten
- Materialauswahl bei den Gehäusen und der Fernbedienung könnte besser sein
- viele zum Teil wichtige Features der Boliden Konkurrenz wie Raumeinmessung, HDMI- oder i.Link Eingänge glänzen durch Abwesenheit

Die technischen Daten

Vorstufe Rotel RSP-1098

- digitaler Audio/Video-Prozessor mit Cirrus Logic CS49400 32-Bit-Prozessor-/Decoder-Baustein 
- Echtes 16:9 TFT (= thin-film transistor) Panel mit Wide-VGA-Auflösung (480 x 852 Bildpunkte) zur OSD-Anzeige bzw. mit frei anwählbarer Videoquelle 
- Dolby ® Pro Logic ® II Dekodierung (5-, 6- oder 7-kanalig) für Dolby Surround ® Analogquellen 
- Automatische Dekodierung von Dolby Digital ® 5.1- und sog. "flagged" Dolby Digital EX-Quellen 
- Optionale Decodierung von "non-flagged" Dolby-Digital-EX-Quellen 
- Automatische Dekodierung von DTS ® 5.1-Signalen, DTS Matrix 6.1- und DTS 6.1 Discrete-Signalen 
- Automatische Dekodierung von DTS 96/24 ® -Musikmaterial 
- DTS NEO:6 ® -Surround-Mode zur Ableitung von 5-, 6- oder 7-Kanal-Surround-Information aus 2-kanaligem Musikmaterial 
- Surround-Einstellungen zur Wiedergabe von Surround-Sound-Material auf 2 bzw. 3 Kanälen 
- 5-Kanal- und 7-Kanal-Stereo-Modus 
- Automatische HDCD ® (High Definition Compatible Digital)-Dekodierung von HDCD Compact Discs 
- Automatische Dekodierung von MP-3-Musiksignalen 
- 4 DSP-(Digital Signal Processing)Modi zur Erzeugung von Raumklang-Effekten auch bei herkömmlichem 2-Kanal-Musikmaterial 
- 8 (5 koaxiale und 3 optische) Digital-Eingänge, 2 koaxiale und 2 optische Digital-Ausgänge 
- Je 5 (Composite Video und S-Video-) Eingänge, je 3 (Composite Video und S-Video-) Record-Ausgänge, je 1 Monitor-Ausgang 
- 4 High Definition Component-Video-Eingänge, 1 Component-Video-Ausgang 
- Konvertierung von Composite- und S-Video-Signalen auf Component-Video-Signale 
- Zone 2 Video-Ausgang (1 Composite, 1 S-Video),
- 4 zuweisbare 12-V-Trigger-Ausgänge, 1 davon für Zone 2 
- 10 analoge Mehrkanal-Ausgänge, 8 analoge Mehrkanal-Eingänge 
- 3 ext. Infrarot-Eingänge, 2 Infrarot-Ausgänge 
- Bidirektionale RS-232-Schnittstelle zur Steuermöglichkeit mit nahezu jedem "Whole Home Control System" (Haussteuerungs-System) 
- Lernbare Fernbedienung RR-1050 zum Betrieb 8 weiterer Geräte 
- Upgrade-fähige Mikroprozessor-Software (über RS-232-Schnittstelle) für zukünftige Aufrüstmöglichkeit 
- Klirrfaktor < 0,05 %
- Intermodulationsverzerrungen < 0,05 %
- Frequenzgang 10hz – 95khz +/- 1db (Hochpegel)
- Frequenzgang 10hz – 20khz +/- 0,3db (Digital-Pegel)
- Geräuschspannungsabstand: 95 db (Stereo Analog) , 92db (AC3,DTS)
- Eingangsempfindlichkeit/ -Impedanz Hochpegel: 200mV/ 47kOhm
- Klangregelung (Bass/ Höhen) +/- 6dB bei 100Hz/ 10kHz
- Vorverstärker-Ausgangspegel 1,2 V (200mV Eingang)
- Video: Frequenzgang 3 Hz - 10MHz, +/- 3dB 
(Composite, S-Video)
- Geräuschspannungsabstand 45 dB
- Eingangsimpedanz 75 Ohm
- Ausgangsimpedanz 75 Ohm
- Ausgangsspannung 1 Volt
- Leistungsaufnahme 70 W (normal)
60 Watt (bei abgeschaltetem TFT-Display) 
7,5 Watt (Standby-Betrieb)
- Gewicht 15,7 kg
- Abmessungen (B x H x T) 432 x 164 x 435 mm
- Ausführung Bicolor Silber/Schwarz oder Schwarz
- Preis : 3499 Euro


Endstufe Rotel RMB-1095

• 5x 200W / Kanal an 8 Ohm, 5 x 330 W an 4 Ohm ehrliche ROTEL-Watt), somit geeignet zum Betrieb selbst leistungshungrigster Lautsprecher 
• 2 x 1,2kVA Ringkern-Transformatoren 
• 176.000 µF Siebkapazität mit 8 großen BHC slit foil- Becherkondensatoren 
• frei wählbarer symmetrischer 3-poliger(XLR-) Eingang oder unsymmetrischer Cinch-Eingang pro Kanal 
• DB-25-Eingang 
• Dämpfungsfaktor (8 Ohm): 400 ! 
• 12-V-Trigger-Eingang zur Fernein-/Ausschaltung in Verbindung mit einer ROTEL-Vorstufe, 12-V-Trigger-Ausgang 
• Protection-Anzeige für alle Kanäle 
• Rollen an der Verstärker-Unterseite erleichtern das Umstellen 
• Dauerausgangleistung (20 - 20.000 Hz, < 0,03 %) 200 Watt/Kanal an 8 Ohm
• DIN-Ausgangsleistung (1 kHz, 1 %) 330 Watt/Kanal an 4 Ohm
• Gesamtklirrfaktor 
(20 - 20.000 Hz, 8 Ohm) < 0,03 %
• Intermodulationsverzerrung 
(60 Hz : 7 kHz, 4:1) < 0,03 %
• Frequenzgang (+ 0,5 dB, - 3 dB) 15 bis 100.000 Hz
• Dämpfungsfaktor 
(20 - 20.000 Hz, 8 Ohm) 400
• Geräuschspannungsabstand (IHF A) 116 dB
• Eingangsimpedanz/-empfindlichkeit 33 kOhm/1,5 V (unsymmetrisch)
33 kOhm/+/- 1,5 V (symmetrisch)
• Leistungsaufnahme 800 Watt
• Abmessungen (B x H x T) 432 x 240 x 398 mm
• Nettogewicht 34 kg
• Preis: 2999 Euro

Test: Lars Mette
14. März 2005

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