Test: Rotel Vor-/Endstufenkombination RSP-1098/RMB-1095

14.03.2005 (lm)

Overview 

Besonders die neuen Flaggschiffe von Onkyo und Denon mit ihren Preisen von rund 5500 bzw. 6000 € machen Eines deutlich: Moderne AV-Boliden stoßen mittlerweile preislich in die Regionen vor, in denen bislang kleinere, spezialisierte Anbieter Ihre hochwertigen Vor- Endstufenkombination auf dem Markt positioniert haben. Eine der bekanntesten Firmen auf diesem Gebiet ist Rotel. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Engländer einen hervorragenden Ruf in der Stereobranche erarbeitet und können daher auf eine besonders große Erfahrung im Zweikanalbereich zurückgreifen. Mit diesem Know-How im Rücken, verstärkt Rotel seit ein paar Jahren sein Engagement im hochumkämpften und aufsteigenden Surroundmarkt. Als aktuelle Speerspitze im Rotel-Portfolio fungiert hierbei die Kombination aus der 3499 € kostenden RSP-1098 7.1 Vorstufe sowie die mit 2999 € angegebene RMP-1095 5 Kanal THX Endstufe – eine reizvolle Kombination für einen Praxistest bei AREA DVD, und insbesondere der Vergleich zu den neuen, preisähnlichen Konkurrenten aus dem Bolidensegment von Onkyo und Denon wird uns interessieren. Für diejenigen, die mit dem Begriff Vor-/Endstufenkombi wenig anfangen können, schieben wir die technische Auseinandersetzung mit dem Rotel-Gespann kurz zur Seite und wollen kurz erläutern, wo die Besonderheiten dieser Geräteart liegen.

Ein „normaler“ Surroundverstärker aus der 1.000 Euro Klasse dient uns hierbei als Einstieg: Beim Blick in das Innenleben fällt auf, dass alle benötigten Bauteile relativ großzügig innerhalb eines Gehäuses beheimatet werden können. Dazu kommt noch, dass diese Verstärker ohnehin nicht auf das letzte Quentchen Klangsteigerung ausgelegt sind, und daher kein extrem großer Wert auf Signalreinheit gelegt wird.



Bei einem modernen, hochwertigen Surroundverstärker sieht das Innenleben beispielsweise so aus:

Bis an den Rand gefüllt: 10-Kanal-"Schlachtschiff" Denon AVC-A1XVA


Hier sieht schon der Laie, dass ein solches Gerät mit Technik bis zum Rand vollgepackt ist. Beim Denon AVC-A1XVA (oben im Bild) befinden sich innerhalb eines Gerätes z.B. nicht nur ganze 10 Endstufen sondern auch die Wandlereinheiten, sowie ein umfangreich ausgestattetes DSP - Board und ja nach Hersteller und Gerät noch Vieles mehr, wie beispielsweise HDMI Ports, oder Netzwerkanschlüsse.  Das führt dazu, dass solche Geräte opulente Außenmaße sowie ein sehr hohes Gewicht bekommen und zum Teil sehr ausgeklügelte Lüftungssysteme benötigen. Der größte Negativpunkt an solch einem Layout ist aber zweifelsohne die Signalreinheit: die hochsensiblen Datenflüsse sind in diesen Fällen sehr vielen Störfeldern ausgesetzt, allen voran sind es die kräftigen Netzteile, welche z.B. die Endstufen mit Strom versorgen. Denon muss beim AVC-A1XVA einen extrem hohen Aufwand betreiben, um die Signalreinheit trotz der integrierten 5(!) Netzteile zu gewährleisten.

Das führt uns nun zu dem Layout der Vor- / Endstufenkombis:

Rotel RSP-1098

Rotel RMP-1095

Sofort fällt auf, dass diese Geräte aus 2 separaten Einheiten bestehen: Einmal die Vorstufe, welche die Aufbereitung der Signalquellen übernimmt – und zum anderen die Endstufe, die lediglich die Aufgabe hat, ankommende Signale mit möglichst hoher Qualität zu den Lautsprechern zu bringen. Aber nicht nur hinsichtlich der konzeptionellen Aufteilung unterscheidet sich eine Vor/Endkombi gegenüber den Boliden: Beim Großteil dieser Geräte lautet die Maxime „so viel wie nötig“ – „so wenig wie möglich“. Dies bezieht sich auf Aspekte wie Anzahl der Quelleneingänge, DSP-Modi sowie sonstige Nachbearbeitungsparameter und hat zum Ziel, so viele Störfaktoren wie möglich zu umgehen, damit ein möglichst reiner und unverfälschter Klang gewährleistet wird. Am Beispiel unserer Rotel-Kombi können wir schon mal vorweg nehmen, dass es z.B. kein integriertes Tunerteil gibt – auch eine opulente DSP-Sektion sucht der Käufer vergebens.  Zusammenfassend möchten wir festhalten, dass es vor diesem Hintergrund sehr interessant sein wird, zu sehen, inwieweit sich die reichhaltig ausgestatteten Surround-Boliden mit ihren ausgeklügelten geschirmten Netzteilen gegen die hier getestete Rotel Vor-/Endstufenkombi schlagen werden.

Anmerkung zu den Bewertungen: Um eine möglichst transparente Bewertung zu ermöglichen, werden die einzelnen Benotungen kurz erläutert - und in Fällen, wo es notwendig ist, auch einzeln für Vor- und Endstufe vorgenommen. Ansonsten betrachten wir die hier getestete Kombination als Gesamtgerät, und deswegen wird sowohl bei der Klang- als auch bei der Endwertung eine Gesamtbenotung durchgeführt.

Aufteilung des Tests: 

Finish / Verarbeitung / Materialanmutung

Die Elite unter sich: Der Onkyo TX-NR5000E  neben dem Rotel RSP-1098

Luxuriöses Alleinstellungsmerkmal: Der TFT-Schirm der Vorstufe RSP-1098 


Wie auf den Bildern zu erkennen, sind die Rotel-Geräte sehr schön anzusehen: die zweifarbige Optik besteht aus silberfarbenen Bedienungselementen auf der Frontseite und schwarzen, seitlichen Rahmen aus massivem Aluminium - außerdem ist es Rotel bei beiden Geräten gelungen, ein symmetrisches Design zu realisieren. Kleiner Nachteil dieser Optik ist aber, dass die Kombinationsmöglichkeiten mit Komponenten anderer Hersteller etwas schlechter ausfällt. Wer also größtmöglichen Wert darauf legt, einen großen Gerätefuhrpark unterschiedlicher Hersteller miteinander zu kombinieren, sollte zu der ebenfalls angebotenen, komplett schwarzen Version der Rotel-Geräte greifen.

Beim Thema „Design“ sind wir unweigerlich bei der wohl augenscheinlichsten Besonderheit der Vorstufe angelangt: dem integriertem TFT-Display, über das die Rotel Vorstufe seinen Besitzer über die ausgewählten Parameter wie Quelle, Signalmodus und Lautstärke informiert. Das Display wird - wie das restliche Gerät- mit einer klassischen Fernbedienung bedient und verfügt über keine Touchscreen-Darstellung oder Ähnliches. Trotz des abwechslungsreichen, symmetrischen Designs und dem TFT-Panel gibt es hinsichtlich der äußeren Materialqualität leider auch Grund zur Kritik: Die gewählten Materialien entsprechen nicht ganz dem Standard, den diverse Hersteller wie Onkyo oder Denon zum Teil bereits ab der Mittelklasse anbieten.

Verarbeitung sehr gut, Materialqualität nur befriedigend: Seitenwände der Rotel Komponenten

Die seitlichen Wände der Rotel Geräte bestehen aus normalem, schwarz lackiertem Blech. Als Material der Gerätefront der Vorstufe inklusive den Drehreglern und Knöpfen kommt sandgestrahltes Aluminium zum Einsatz. 

Optisch gewöhnungsbedürftig: Front aus sandgestrahltem Aluminium

Im direkten Vergleich wirkt der Onkyo TX-NR5000E noch deutlich nobler

Zum Vergleich: Beim Onkyo TX-NR5000E lockt mit seiner perfekten Verarbeitungsqualität und Materialgüte immer wieder den Griff zum leichtgängigen und präzisen Volumeregler. Dieser Effekt bleibt bei der Rotel RSP-1098 aus.

Als Mini-Bildschirm nur eingeschränkt geeignet: Kleines TFT-Panel in der Rotel-Vorstufe

Der bereits erwähnte TFT Monitor ist zwar in der Lage , die Betriebsübersicht gestochen scharf und gut ablesbar wiederzugeben, aber im Betrieb als Mini-Bildschirm für einen DVD Player hätten wir uns eine etwas bessere Bildqualität gewünscht. Weil das Panel eine für NTSC ausgelegte Auflösung von 852 x 480 Bildpunkten hat , weist das Bild bei PAL DVDs sichtbare Pixeleffekte auf.  Ein größeres Manko ist aber die blasse Farbwiedergabe, die schwarze Szenen in dunkelgrau darstellt, und auch helle Effekte, wie Fackeln oder Kerzen nur mit wenig Leuchtkraft wiedergibt. Zum Navigieren innerhalb Musik DVDs reicht es aber allemal und daher ist zumindest der Sinn des Bildschirmes gewahrt, wenn auch ein besseres Panel in Anbetracht des Gerätepreises wünschenswert wäre. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Bilder für den internen TFT ausschließlich vom FBAS Anschluss abgegriffen werden können, S-Video- und Komponentensignale werden durchgeschleift bzw. auf Komponente umgesetzt. 

Abgesehen vom ebenfalls schwarz lackierten Blechgehäuse wirkt die Endstufe RMB-1095 in Sachen Verarbeitung und Aufbau eine Klasse besser als die Vorstufe RSP-1098. Die mächtigen, vorne angebrachten schwarzen Kühlschlitze flankieren die schmale, silberne Bedienungsleiste in der Mitte und unterstreichen die beeindruckende Optik des 24cm hohen und 34kg schweren Gerätes. Interessantes Detail sind die beiden Rollen, welche auf der hinteren Unterseite der Endstufe angebracht sind und somit ein Verschieben der Endstufe erleichtern. Von vorne sind diese kaum sichtbar, da drei klassische Gerätefüße für den sicheren Stand sorgen und Sichtschutz für die Rollen bieten.

In der Rubrik Fernbedienung vertraut Rotel auf eine klassische Komponente mit integriertem großen LCD Display und zuschaltbarer, grüner Hintergrundbeleuchtung. Wie auf dem Bildern zu erkennen, befinden sich zusätzliche (nicht beleuchtete) Bedienknöpfe unter einer kleinen verschiebbaren Abdeckung im unteren Bereich der Fernbedienung. Zur Bedienlogik folgen die Einzelheiten später, rein in Bezug auf die Materialanmutung hätten wir uns bei einer 6500 Euro teuren Gerätekombination mehr gewünscht, so wirkt, wie man auch auf dem linken Bild gut erkennen kann, der verwendete Kunststoff etwas billig.

Tadellos verarbeitet: Das Anschlussterminal

Hinsichtlich der Anschlussterminals wird eine sehr hohe Qualität geboten, die keinen Anlass zur Kritik bietet – aufgrund der symmetrischen Konzeption sei noch erwähnt, dass es bei der RSP 1098 leider keine Front-AV Eingänge zum schnellen Anstöpseln z.B. eines Camcorders zur Verfügung stehen.

Pures Highend: LS-Anschlüsse bei der RMB-1095

Bei der Endstufe RMB-1095 sind extrem hochwertige und vorbildlich verarbeitete Anschlussterminals verbaut. Hier passen problemlos Kabelschuhe, Bananenstecker und selbst sehr große Kabelquerschnitte hinein. Damit die Endstufe synchron mit der Vorstufe eingeschaltet werden kann, sind auf der Rückseite zusätzlich noch 12V Trigger-Eingänge verbaut.

Bewertung Finish: Rotel Vorstufe RSP 1098 + Endstufe RMB-1095:

+ aus der Masse herausstechendes Design (durch Bi-Color Optik, integriertem Mini-TFT und der Frontgestaltung)
+ sehr hochwertige Anschlussterminals, besonders für die Lautsprecher an der Endstufe

- die beiden großen Drehregler der Vorstufe wirken nicht hochwertig
- die Gehäuseabdeckungen bestehen bei beiden Geräten nur aus lackiertem Blech
- Fernbedienung ist trotz Beleuchtung und Display nicht hochwertig genug 

Zwar sind die Negativpunkte nicht von massiver Art und Weise, also durchaus verschmerzbar, aber in Anbetracht der Klassenstandards, welche von den Boliden gesetzt werden, können hier nur 4,5 Punkte vergeben werden.

Bedienung 

Die komplette Bedienung ist auf den integrierten TFT zugeschnitten, mit allen Vor- aber auch Nachteilen, die sich daraus ergeben: Zunächst einmal wird es für Freunde der sachlichen, nüchternen Optik sehr schön sein, dass die sonst übliche Ansammlung auf der Gerätefront, bestehend aus leuchtenden LEDs, blauen Leuchtringen etc., komplett umgangen wird. Auf Knopfdruck der Fernbedienung wird auf dem TFT (und auf Wunsch ebenfalls auf dem eigentlichen, großen Bildwiedergabegerät) folgendes Übersichtsmenü aufgerufen:

Sieht klasse aus, ist aber nicht immer der einfachste Weg zur schnellen Kommunikation: Menüführung via TFT

Alle wichtigen Daten, wie Eingangsquelle, Signalart, gewählter DSP Modus , Lautstärke und momentan aktive Lautsprecherkanäle werden dort übersichtlich angezeigt. Wirklich eine tolle und übersichtliche Lösung. Soweit so gut, doch leider gestaltet sich die aktive Bedienung etwas komplizierter: Wer nun die Eingangs-Quelle ändern will, muss den oben erwähnten Statusbildschirm per Enter-Taste bestätigen und landet im Hauptmenü. Hier muss dann zuerst noch einmal mit „Enter“ betätigt werden, um in die Quellenwahl zu kommen. Dort angelangt, kann man die gewünschten Änderungen per Cursor-Navigation tätigen. Per Fernbedienung lässt sich die Quellenwahl aber ebenfalls noch ändern : die Tasten Video 1-5 auf der Fernbedienung etc. dienen bei kurzen Drücken lediglich der Umschaltung der Fernbedienung auf die entsprechenden Geräte, bei einem längerem Drücken wird dann auch die Vorstufe auf die gewählte Quelle umgeschaltet. Die Fernbedienung selber lässt sich mit Geräte-Presets, erlernbaren IR Codes und bis zu 6 Makros füttern - außerdem lassen sich zur besseren Übersicht die Beschriftungen der Geräte im großen LCD Display ändern. Leider aber fristen viele der Tasten ihr Dasein unter einer Plastikabdeckung und kommen erst beim Aufschieben der Fernbedienung zum Vorschein: Darunter sind nicht nur die Zusatztasten für die Audio- oder Subtitle-Änderung bei DVD-Playern, sondern auch Direktwahltasten für den DSP-Modus.

Mit deutschen Menüs: RSP-1098

Weiterhin fiel uns noch die manchmal etwas hakelige Lautstärkesteuerung mittels Fernbedienung auf, so dass man nicht einfach mit dem Finger auf der Taste bleibt, sondern für jede Änderung einzeln drücken muss. Die Änderungsschritte lassen sich in 1 , 2 und 3 db Schritten konfigurieren. Aufmerksamen Lesern ist bereits aufgefallen, dass die Menüs der 1098er Vorstufe komplett in Deutsch gehalten sind, was leider bei keinem klassischen Boliden der Fall ist. Acht andere Sprachen lassen sich im Menü bequem auswählen. 

Bewertung Bedienung/Handling: 
Vorstufe RSP 1098: 

+ integrierter TFT Monitor erleichtert das Navigieren bei DVDs ohne angeschlossenes Bildwiedergabegerät
+ sehr praktisches und schönes Informationsmenü 
+ auswählbare Sprache für die OSD Menüs

- Fernbedienung reagiert etwas träge, ist etwas altbacken und hat viele versteckte Tasten 
- entweder sehr umständliche und langsame Lautstärkeänderung (1db Modus) , oder sehr ungenau (3db Modus)

Die positiven Punkte in Sachen Bedienung überwiegen zwar, aber bei einer 3500 Euro Vorstufe sollte nicht so viele kleine Mankos den Spaß trüben. Daher nur 5 von 6 Sternen.

Endstufe RMB 1095: 

+ vorbildlich verarbeitete und leichtgängige Anschlussterminals
+ Cinch- und XLR-Eingänge vorhanden
+ rückwärtige Rollen erleichtern das Umstellen 

Bei der Endstufe bleiben hinsichtlich des Handlings keine Wünsche offen. Hier hat Rotel alles richtig gemacht. 

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