Test: DVD+RW-Recorder Philips DVDR 1000

25.10.2001 (ks)

Das Testgerät wurde uns zur Verfügung gestellt von
Karsten Becker Hard- & Softwareentwicklung

Einleitung

Viele Skeptiker, und an denen mangelt es ja bekanntlich nie, bemängelten bei der Markteinführung der DVD im Jahre 1997, dass das System keine Chance haben würde, solange es nicht auch die Möglichkeit zur Aufnahme gäbe. Trotzdem wurde die DVD ein Erfolg. Vier Jahre später kommen jetzt die ersten DVD-Recorder auf den europäischen Markt. In Europa kann sich Philips damit rühmen, als erster Hersteller einen DVD-Recorder als Standalone-Gerät in der entsprechenden PAL-Version nicht nur als Prototyp, sondern als fertiges Produkt anbieten zu können. Der Philips DVDR 1000 ist seit der Internationalen Funkausstellung 2001 zu einem Preis von rund 2000 Euro im Handel erhältlich. Das ist eine Menge Geld, und dieser Test soll klären, ob sich, sofern das Kapital vorhanden ist, diese Investition lohnt.

 

Ausstattung

Der erste DVD-Recorder von Philips ist ein wuchtiges und solide verarbeitetes Gerät. Er ist zwar keine Design-Schönheit, doch macht er zumindest einen sehr professionellen Eindruck ohne überflüssige Spielereien. Der DVDR 1000 bietet so ziemlich alles an Ein- und Ausgängen, was man sich vorstellen kann. Aufnahmen sind entweder über die DV-Schnittstelle möglich, was in erster Linie Hobby-Regisseure freuen dürfte. Ansonsten gibt es die Eingänge, die man auch von gut ausgestatteten Videorecordern bereits kennt. SCART, S-Video und FBAS fürs Bild und Cinch (Stereo) für den Ton. Ein 5.1-Input fehlt, der Ton wird nur in Stereo aufgenommen. Und um es gleich zu sagen: DVDs lassen sich mit dem Recorder eh nicht 1:1 kopieren, da die gesamten Features wie Menüstruktur, Untertitel und verschiedene Sprachen nicht übernommen werden können. Der Recorder kopiert nicht die Datenstruktur einer DVD, wie es ein DVD-Brenner tun würde, sondern nimmt jeweils die Bilder und Töne auf auf, die am S-Video-Eingang anliegen. Und wie jeder Videorecorder auch, reagiert der Philips auf den Macrovision-Kopierschutz. Positiv fällt auf, dass dem Recorder mehrere Cinch-Kabel beiliegen, und zwar nicht nur irgendwelche Billig-Strippen, sondern richtig gut konfektionierte Kabel. Praktisch für den Betrieb als Schnittgerät sind die Front-Eingänge, doch hier hat Philips ein wenig zu kurz gedacht. Denn die Front-Anschlüsse sind hinter einer von einem Motor betriebenen Klappe versteckt. Diese fährt sofort runter, wenn man auf den entsprechenden Eingang wechselt, was störend ist, wenn man quasi nur mit der Fernbedienung durchzappen wollte und im Anschluss die Klappe nur über den Knopf am Gerät wieder hochgefahren bekommt. Ansonsten fährt die Klappe automatisch hoch, sobald das Gerät ausgeschaltet wird. Wer nicht auf Dauer riskieren will, dass der Motor irgendwann seinen Geist aufgibt, muss also die Kabel, die sich der hochfahrenden Klappe in den Weg stellen, vorher immer entfernen, bevor das Gerät ausgeschaltet wird. Hier hätte Philips durch eine simple mechanische Klappe oder eine nicht ganz so forsch mitdenkende Elektronik diese beiden Konfliktpunke beheben können. Ansonsten steckt in dem Philips aber auch viel Intelligenz. So kann der Recorder z.B. anamorphe 16:9-Quellen im richtigen Format aufnehmen und gibt bei der anschließenden Wiedergabe auch die 16:9-Kennung wieder mit aus. Der Ton kann wahlweise automatisch und manuell ausgesteuert werden. Im zweiten Fall verwandelt sich das große Geräte-Display in eine riesige Aussteuerungsanzeige. Normalerweise zeigt dieses Display in der oberen Zeile immer Daten wie Laufzeit und Programmplatz an, bei Aufnahmen dann Sender und Aufnahme-Uhrzeit, es lassen sich dann wahlweise aber auch eigene Titel erstellen. Am Display selbst hat Philips aber wieder gespart, das ist zwar groß, aber die grobe Darstellung der Zeichen erinnert an ein Uhrenradio. Ein richtiges Dot-Matrix-Display wäre hier weitaus sinnvoller gewesen.

  • 2 x SCART (EURO-AV mit S-Video und RGB)
  • Videoeingänge: 1 x FBAS, 1 x S-Video, 1 x S-Video (Front), 1 x DV-IN (Front), 1 x FBAS (Front)
  • Videoausgänge: 1 x FBAS, 1 x S-Video
  • Audio-Eingänge: 2 x Stereo (Cinch), davon 1 x Front 
  • Antenne IN/OUT (kein HF-Signalgenerator)
  • Digitalausgänge (Ton): 1 x Optisch, 1 x Coax
  • Im Lieferumfang: 1 x DVD+RW (4,7 GB), Demo-DVD
Bewertung 

 

Aufnahmeformate

Noch mehr als über die Recorder an sich wurde in den letzten Jahren vor allem über den drohenden Krieg der Systeme geredet, da wie einst Anfang der achtziger Jahre mit VHS, Video 2000 und Betamax auch bei der wiederbeschreibbaren DVD die verschiedenen Anbieter von Unterhaltungselektronik sich mal wieder nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen konnten. Stattdessen propagieren die Firmen um Philips (DVD+RW), Pioneer (DVD-RW) und Panasonic (DVD-RAM) jeweils ihr eigenes System, die für Otto Normalverbraucher alleine schon aufgrund der in der Bezeichnung kaum merkbaren Unterschiede verwirrend sein können. Die damit verbundene Unsicherheit dürfte ein Störfaktor für den Verkauf der ersten Recorder sein.

Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die heutige Diskussion um die DVD-Aufnahmeformate überhaupt nicht die Relevanz des VHS-Systemkrieges der achtziger Jahre hat, denn damals ging es um einen Standard sowohl für Leerkassetten und Kaufmedien. Davon kann heute nicht die Rede sein, denn mit der 1997 eingeführten DVD-Video gibt es bereits den Standard für vorbespielte DVDs. Das Dilemma von Handel und Videotheken, von Kinohits unterschiedliche Versionen anbieten zu müssen, wird also nicht auftreten. Die einzige Frage, die verbleibt, ist, ob sich die auf dem eigenen Recorder aufgenommenen DVD-Aufnahmen auch auf dem DVD-Player oder Recorder der Konkurrenz abspielen lassen werden. 

In dieser Hinsicht bereitet das DVD+RW-Lager um Philips prinzipiell die wenigsten Probleme. Denn der DVDR 1000 legt seine Videodaten ebenso wie vorbespielte DVDs in einem Ordner namens "Video_ts" als VOB-, IFO- und BUP-Dateien ab, erzeugt also im Prinzip ganz normale DVDs.

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Diese sollen von praktisch jedem DVD-Player ausgelesen werden können, so als ob er eine Standard-DVD vor sich hätte. Lediglich die im "Video_rm"-Ordner abgelegten Daten für zusätzliche Informationen können nur von einem DVD+RW-Recorder verwendet werden und ermöglichen die Funktionen zum Editieren der DVDs. Aber das reine Abspielen von DVD+RWs stellt so theoretisch zunächst einmal kein Problem dar, während für DVD-RW Anpassungen an den Abspielgeräten erforderlich sind (Pioneer bemüht sich, das möglichst viele Hersteller diese in neuen Geräten vornehmen) und DVD-RAM ein Format ist, das bislang nur im Computer-Bereich Verwendung findet. Eine Garantie übernimmt Philips freilich nicht, dass die Eigenaufnahmen auf jedem DVD-Player laufen, denn auch wenn die Reflexionseigenschaften einer DVD+RW einer herkömmlichen DVD recht ähnlich sind, kann es zu Problemen kommen. Und ein kurzer Check mit den gerade verfügbaren Playern ergab auch, dass dies wohl auch immer mit ein wenig Glück zu tun hat, ob der Laser die DVD+RW wirklich lesen kann. Der Pioneer DV-737, ein Player, der so ziemlich alles abspielt, was rund ist und 12 cm Durchmesser hat, behandelte die angefertigte Test-DVD ohne Probleme, ebenso ein Sony DVP-NS 900V. Hingegen weigerte sich der DVD-Player-Veteran Panasonic DVD-A350, die DVD überhaupt einzulesen, genauso erging es auch der Playstation 2 von Sony.

Zur Aufnahme stehen derzeit DVD+RW mit 4,7 GB Speicherkapazität zur Verfügung sowie neuerdings DVD+RW mit 9,4 GB Speicher. Die DVD+RW mit der doppelten Kapazität müssen allerdings ebenso wie die alten "Flipper"-DVDs umgedreht werden. Dual Layer-Aufnahmemedien analog zur DVD-9, die inzwischen das Standard-DVD-Format für Spielfilme geworden ist, gibt es bislang noch nicht. Momentan sind die Aufnahmemedien ebenso wie die Recorder noch sehr teuer: Für eine 4.7 GB DVD+RW müssen rund 50 DM auf den Tisch gelegt werden. Wer sich mit der nur einmal bespielbaren DVD-R begnügt, bekommt diese schon ab rund 25 DM für 4.7 GB. 

Die Aufnahmen erfolgen im MPEG2-Format mit variabler Bitrate, die abhängig vom gewählten Modus zwischen 1.7 und 9.7 Mbps liegen. Eine noch höhere Bitrate wie z.B. die 14.1 Mbps, die von D-VHS-Recordern wie dem JVC-HM-DR 10000 verwendet werden, ist nicht anwählbar, da der DVD-Video-Standard diese nicht vorsieht und damit keine Kompatibilität zur DVD-Video mehr gegeben wäre. Der Ton wird in Dolby Digital 2.0 auf der DVD abgelegt. Damit wird Dolby Digital jetzt vom bloßen Wiedergabeformat auch ein Aufnahmeformat. Aufnahmen in Dolby Digital 5.1 sind allerdings nicht möglich, hierzu ist der Encoder nicht ausgelegt und es fehlen auch bereits die erforderlichen Eingänge. Interessant ist, dass abweichend von den üblichen Datenraten auf vorbespielten DVDs hier Dolby Digital 2.0 nicht mit 192 kbps sondern mit 256 kbps und im HQ-Modus sogar mit 384 kbps encoded wird.

Der DVDRW 1000 besitzt insgesamt vier verschiedene Aufnahme-Modi, die wir zusammen mit der maximal möglichen Spieldauer bei 4.7 GB pro DVD-Seite aufgelistet haben:

Modus

Bitrate

Audio-Bitrate

Spieldauer

HQ

ca. 9.7 Mbps 384 kbps ca. 60 min.

SP

ca. 4.9 Mbps 256 kbps ca. 120 min.

LP

ca. 2.5 Mbps 256 kbps ca. 180 min.

EP

ca. 1.7 Mbps 256 kbps ca. 240 min.

Gerade die letzten beiden Modi erinnern von den Werten an die Formate Video CD und Super Video CD. Zwar unterstützt der DVDR 1000 die Wiedergabe dieser Exoten-Formate, Aufnahmen sind allerdings nicht möglich. Unbeschriebene CD-Rs und CD-RWs erkennt der Philips-Recorder erst gar nicht. Bespielte CD-Rs und CD-RWs werden aber zumindest wiedergegeben, auch als VCD und SVCD.

Erfreulicherweise ist der Philips-Recorder als Multinorm-Gerät ausgelegt, was bei Videorecordern bislang immer eine Seltenheit war: Er kann nicht nur in PAL, sondern auch in NTSC aufnehmen. Der Recorder geht dabei aber streng nach den DVD-Standards vor, es sind also jeweils nur PAL oder NTSC-Aufnahmen auf einer Disc möglich, aber nicht beides auf einer DVD. Hingegen erlaubt es der Recorder, auch Aufnahmen in unterschiedlichen Qualitätsstufen auf einer DVD unterzubringen.

Die bislang möglichen Laufzeiten sind nicht gerade berauschend, denn selbst wenn man einfach nur einen 120 Minuten langen Film aus dem Fernsehen aufzeichnen will, muss man bereits in den LP-Modus umschalten, da die Werbepausen der Privatsender eine solche Ausstrahlung ja zusätzlich noch verlängern. Obwohl der eingebaute Encoder mit variabler Bitrate arbeitet, hält sich die Bitrate meist sehr konstant um den gemessenen Wert, selbst bei sich nicht mehr verändernden Bildern, wo theoretisch die Bitrate deutlich absinken müsste, da keine neuen Informationen hinzukommen. Wäre der Encoder hier etwas flexibler ausgelegt, ließe sich die maximal mögliche Aufnahmedauer hingegen noch geringfügig verlängern.

 

Aufnahmen und Bildqualität

Der Philips funktioniert nach dem aus dem Computer-Bereich bekannten WYSIWYG-Prinzip, soll heißen, dass man direkt auf dem Bildschirm genau das Bild sieht, welches später in der gleichen Qualität auch auf der DVD sein wird. Der MPEG2-Encoder des Recorders läuft permanent mit, wenn man im Tuner-Modus ist. Daher ist auch der Wechsel zwischen einzelnen Programmplätzen nicht so flink, wie man es von einem bisherigen Videorecorder kennt, sondern erfolgt immer mit einer leichten Verzögerung. Dieses Prinzip der "Hinterbandkontrolle" hat aber den Vorteil, dass man sofort entscheiden kann, ob die gewählte Qualitätsstufe den eigenen Ansprüchen genügt und kann entsprechend zwischen den vier Qualitätsstufen auswählen. Leider muss man zur Änderung des Aufnahme-Modus immer umständlich in das Installations-Menü des Recorders gehen, eine Änderung der Qualitätsstufe via Knopfdruck oder noch besser, eine stufenlose Änderung der Videobitrate wäre hier weitaus praktischer gewesen, gerade weil man aufgrund der relativ geringen Speicherkapazität der Aufnahmemedien hier oft Änderungen vornehmen muss, wenn man z.B. am Wochenende mehrere Sendungen aufnehmen möchte und hierfür in den LP oder EP-Modus wechseln muss, um überhaupt genügend Laufzeit zur Verfügung zu haben.

Doch gerade diese beiden Modi lohnen sich wirklich nur, wenn man die Laufzeit nötig hat und die Aufnahme ohnehin nicht länger archivieren möchte. Denn hier bekommt man nicht die Bildqualität geboten, für die man einen DVD-Recorder kauft. Im EP-Modus entspricht die erzielte Bildqualität der Qualität einer VHS-Aufnahme oder einer Video CD. Das Bild fällt durch eine geringe Detailauflösung auf und zeigt gerade in größeren Flächen oder feinen Farbabstufungen deutliche Blockmuster.

Der LP-Modus ist hier schon etwas besser, das Bild ist zwar immer noch sehr verschwommen, doch bereits deutlich ruhiger. Artefakte sind aber auch hier gerade bei schnellen Bewegungen immer noch zu sehen. Die Bildqualität liegt zwischen VHS und S-VHS-Niveau.

Sowohl der EP als auch der LP-Modus bieten zusätzlich die Wahl zwischen einem Standard- und einem Sportmodus. Die generelle Qualität ändert sich hier nur geringfügig. Der Sportmodus bewirkt lediglich eine etwas höhere Bildschärfe, sorgt allerdings gleichzeitig für mehr Artefakte im Bild. Diese beiden Aufnahmemodi sollten wirklich nur etwas für den Notfall sein, doch kommt man nicht hieran vorbei, wenn man mehr als zwei Stunden Video aufnehmen will.

Richtig interessant werden die Aufnahmen erst im SP-Modus mit einer Bitrate von rund 4.9 Mbps. Hier erreicht das Bild endlich ein zumindest akzeptables Niveau, vor allem gewinnt es ein deutliches Plus an Detailauflösung. Das Bild wirkt endlich nahezu ruhig, wenn auch etwas weichgezeichnet. Die Qualität entspricht noch nicht ganz dem Niveau vorbespielter DVDs, sie liegt eher zwischen einer guten S-VHS-Aufnahme und der DVD. Andererseits: Bereits heute bieten viele TV-Sender eine Sende-Qualität, die auch nicht besser ist, gerade bei den bereits heute im Digital TV zu empfangenden Sendern ist aufgrund der niedrigen Bitraten eine deutliche Verschlechterung gegenüber der analogen Ausstrahlung via Antenne oder Kabel zu beobachten. Somit entspricht dieser Modus zumindest befriedigender TV-Qualität, sofern das Aufnahmematerial scharf genug ist und der durch die Kompression verursachte Schärfeverlust nicht ganz so fatale Folgen hat, erreicht man sogar ein Niveau, welches der durchschnittlichen Qualität der meisten TV-Sender entspricht. Lediglich sich deutlich abgrenzende feine Konturen wie z.B. Schriftzüge erscheinen aber immer noch etwas unleserlich.

Aber wir haben es schließlich mit einem DVD-Recorder zu tun, und daher sollte wenigstens der HQ-Modus, der mit einer Bitrate um die 9.7 Mbps deutlich größere Datenmengen zur Verfügung hat, die bis an das Limit dessen gehen, was der DVD-Standard erlaubt, zeigen, dass man mit einem DVD-Recorder auch Aufnahmen in DVD-Qualität machen kann. Und in der Tat: In diesem Modus sind die Aufnahmen schon richtig gut. Sie sind sehr detailtreu und lassen sich auf Anhieb kaum vom Original unterscheiden. Die Schärfe kommt bis auf leichte Nuancen an die Qualität des Originals heran, was generell auch gar nicht so schlimm ist, denn die leichte Unschärfe, die noch vorhanden ist, wirkt nämlich gleichzeitig wie ein dezenter Rauschfilter. Die Farbwiedergabe ist sehr gut und gibt die Töne des Originals nahezu unverfälscht wieder. Man möchte wirklich meinen, hier eine echte DVD in Demo-Qualität vor sich zu haben. 

Allerdings: Bei einer einer längeren Untersuchung mit Bildmaterial aller Art, von TV-Aufnahmen, DVDs, Testbildern der DVD-Discovery und selbst angefertigten Testbildern, die von einer Digital-Kamera als hochwertige MPEG-Stills in voller PAL-Auflösung auf Video-CD gebrannt und überspielt wurden, zeigte sich bei genauer Beobachtung stellenweise, dass trotz der gewaltigen Bitrate von 9.7 Mbps auch im bestmöglichen Qualitätsmodus stellenweise noch Fehler auffallen die so eigentlich nicht zu erwarten sind. Denn vorbespielte DVDs haben selbst mit niedrigeren Bitraten schon häufig ein Top-Bild, weswegen man meinen könnte, dass bei dieser hohen Bitrate zwischen Original und Kopie kaum noch merkliche Unterschiede festzustellen sein sollten. Während die meisten Aufnahmen von typischem Material wie Spielfilmen mit vielen Details und unterschiedlichen Farben diesen Anspruch schon fast erfüllen, kann es bei Bildmaterial anderer Art durchaus vorkommen, dass schon einmal leichte Artefakte auftauchen. Vorwiegend sind dies Bilder von Objekten aus kurzer Distanz, die leichte Schwächen zeigen. In Großflächenaufnahmen mit sanften Farbverläufen, wie man sie oft als Hintergrundbilder von Studio-Sendungen im Fernsehen sieht, erscheinen stellenweise Blockmuster. Gerade bei Macroaufnahmen der zum Kauf angepriesenen Waren der Homeshopping-Sender QVC und HOT, sind teilweise sehr deutlich und in erstaunlicher Größe solche leicht violett schimmernden Blockmuster zu entdecken. Außerdem fällt gelegentlich auch ein leichtes Helligkeitsflimmern auf, welches so im Original nicht vorhanden war. Allergisch reagiert der Recoder auch auf kräftige Farben in Signaltönen wie Rot oder Blau. Hier wird sehr schnell Blockrauschen sichtbar. Bei Sport-Übertragungen von Fussball-Spielen kommt der Encorder ebenfalls ab und zu auch leicht aus dem Tritt und pixelt bei ruckartigen Bewegungen kurz ein wenig. Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei schnellen Helligkeitsschwankungen auf. Im Großen und Ganzen hängen diese Effekte aber auch wirklich davon ab, was man genau aufnimmt. Mit den meisten Bildquellen hat der Philips im HQ-Modus wenige Probleme. Es sind nur extreme Beispiele wie schnelle Sportaufnahmen oder Nahaufnahmen mit vielen Details in hellen Tönen, wo Störungen auftreten. An der Bitrate an sich kann es eigentlich nicht liegen, denn vorbespielte DVDs haben selbst mit einer nicht ganz so hohen Bitrate schon oft ein besseres Bild. Das Problem liegt daher wohl vielmehr im Encoder, denn der muss in Realtime das Bild komprimieren, was selbst am PC schon bei weitaus geringeren Datenraten auch heute noch einige Probleme macht und vor allem meist Stunden dauert. Andererseits haben wir als Referenz immer wieder den D-VHS-Recorder HR-DM 10000 von JVC herangezogen, der zwar auch mit einer höheren Bitrate arbeitet, aber selbst bei genauem Hinsehen keinerlei Unterschied zwischen Original und Kopie entdecken lässt, selbst bei den problematischen Bildern, bei denen der Philips-Recorder etwas schwächelte. Auch wenn der Philips-Recorder nicht ganz uneingeschränkt das Top-Bild liefert, dass man sich wünscht, so kann man insgesamt doch noch ganz zufrieden mit dem Gerät sein. Schließlich hat man so eine Qualität bislang auf einem wiederbeschreibbaren Disc-Medium im Consumerbereich noch nicht erleben dürfen. Bei der Wiedergabe von vorbespielten DVDs macht sich der Philips-Recorder übrigens recht gut. Diese gibt er recht plastisch wieder und obwohl der Philips nicht von der ganz scharfen Sorte ist, machen die Bilder einen sehr harmonischen Eindruck.

Bewertung
Bedienung

Wie von vielen Philips-Geräten gewohnt, arbeiten die On Screen-Menüs mit kleinen Icons anstelle von Beschriftungen. Das erfordert zunächst ein wenig Übung, intuitiv findet man zumindest angesichts der etwas kryptischen Zeichen nicht sofort das richtige Menü.  Leider ist auch die gewählte Schriftart des OSD etwas klein geraten, so dass aus weiterer Entfernung nur noch schlecht abzulesen ist, was jetzt auf dem Bildschirm steht. Das ist schade, denn ansonsten ist das On Screen-Menü ansprechend gestaltet und hält wahlweise auch Informationen wie aktuelle Uhrzeit oder Programm-Platz parat. Eine kleine Hürde ist dann aber wieder die Fernbedienung. Sie ist solide verarbeitet und macht auch optisch etwas her, allerdings ist die Anordnung der Bedienungselemente recht schwerfällig. Es dominieren runde Knöpfe in vielfach gleicher Größe, deren Beschriftung bei Dunkelheit nur schwer zu erkennen ist. Die wichtigsten Knöpfe für die Wiedergabefunktionen sind ganz oben am Rande der Fernbedienung angebracht, so dass man diese meist etwas merkwürdig halten muss. An die Bedienung gewöhnt man sich nur schwer und in vollkommener Dunkelheit gelingt es oft nicht einmal, die richtige Taste für Stop oder Wiedergabe zu finden. Intuitiv, wie es sein sollte, ist diese Fernbedienung leider nicht, und es dauert ein wenig, bis man sich genau an die Eigenheiten der Benutzerführung gewöhnt hat.

Bewertung 

 

Editiermöglichkeiten

Im Philips-Recorder ist ein richtiges kleines Authoringstudio eingebaut, welches selbständig nach jeder Aufnahme neue Menüs generiert und diese dann auf die DVD schreibt. Das merkt man zunächst erst gar nicht, wenn man nacheinander schnell ein paar Aufnahmen macht, und sich über dass leise Surren im Gerät wundert, sondern meist erst, wenn man die DVD in einen anderen DVD-Player einlegt und sich dann wundert, dass man plötzlich genau die gleichen On Screen-Menüs aus dem Philips-Recorder sieht. Deren Hintergründe werden für die erzeugten DVD-Menüs nämlich als Hintergrund verwendet. Für jede neue Aufnahme legt der Recorder einen neuen Track an, auf Wunsch gibt es die Möglichkeit, automatisch während der Aufnahme in regelmäßigen Abständen eine Unterteilung in Kapitel vorzunehmen. Diese lassen lassen sich nachträglich noch hinzufügen und auch löschen, indem man während dem Betrieb auf die "Edit"-Taste drückt und dann die entsprechende Funktion in dem auftauchenden On Screen-Menü auswählt. Etwas verwirrend ist hier allerdings, dass hier sowohl von Kapiteln als auch Markierungen die Rede ist, obwohl damit das Gleiche gemeint ist. Zusätzlich lassen sich Tracks auch aufteilen. Auf diesem Weg kann man Material schneiden, indem man es zunächst aufteilt und dann den nicht gewünschten Teil löscht, ähnlich wie man es von der Mini Disc kennt. Und noch ein kleines Gimmick am Rande: Auch die Index-Bilder, die in den Menüs angezeigt werden, lassen sich aktualisieren, indem man ein gewünschtes Bild anwählt und dann dieses selektiert. Ebenso wie der Disc-Name lässt sich auch der Name des jeweiligen Titels ändern. Leider wurden diese gesamten Schnittfunktionen aber nicht in einem Menü untergebracht. Zur Änderung oder Löschung eines Titels muss man die DVD stoppen, dann im Menü das jeweilige Icon auswählen und durch Navigation nach Rechts in ein ein zweites Menü gehen. Ähnlich wie bei Videorecordern gibt es auch einen Schreibschutz, den man auswählen kann, um versehentliches Überschreiben einer DVD zu verhindern. Dadurch, dass der Recorder immer direkt die jeweiligen Befehle ausführt und im Hintergrund das Inhaltsverzeichnis und die Menübilder neu generiert, ist es möglich, ohne großen Aufwand etwas aufzunehmen und dann sofort in einem DVD-Player abzuspielen. Das Finalisieren, wie man es von CD-R und CD-RW kennt, ist hier nicht erforderlich. Dieses Verfahren sorgt allerdings dafür, dass es immer ein paar Sekunden nach jeder Aufnahme oder Änderung dauert, um auf die DVD zugreifen zu können. Daran hat man sich aber schnell gewöhnt. Umdenken muss man auch von den Gewohnheiten eines Videorecorders, der in dem Moment, wo man auf Stop geht, direkt auf den Tuner umschaltet. Der Philips-Recorder verbleibt hier zunächst in seinem eigenen DVD-Menü und wechselt erst durch Druck auf die "TV"-Taste in den Tuner-Modus. Ausgefuchsten Video-Profis mögen zwar die Schnittfunktionen etwas mager vorkommen, doch wer diesen Recorder nur dazu nutzt, eigene TV-Aufnahmen und Überspielungen zu editieren, wird mit den Möglichkeiten sehr zufrieden gestellt. Einziger Verbesserungswunsch wäre noch die Möglichkeit, auch den Menühintergrund nachträglich ändern zu können.

Bewertung

 

Fazit

Der erste DVD-Recorder auf dem europäischen Markt ist ein Gerät, welches endlich auch bei DVD-Aufnahmen eine bessere Qualität ermöglicht, als man sie von analogen Videorecordern bislang kannte. Die Qualität der Aufnahmen ist prinzipiell gut, allerdings sind selbst in der höchsten Qualitätsstufe noch leichte Fehler zu entdecken. Hier ist durchaus noch Verbesserungspotential vorhanden. Sehr verblüffend ist aber die Möglichkeit, auf schnellem Wege DVDs mit richtigen Menüs erzeugen zu können, die sich von der Funktionalität nicht von bespielten DVDs unterscheiden. Die schnellen Zugriffszeiten auf dem Datenträger sind wirklich ein großer Fortschritt gegenüber bandbasierten Aufnahmeformaten. Allerdings sind die bislang möglichen Aufnahmezeiten neben dem hohen Preis für Aufnahmegeräte und Medien noch ein Handicap, welches die schnelle Ablösung des normalen Videorecorders noch nicht ganz möglich macht. In Sachen Qualität und Aufnahmedauer hat das zu Unrecht weitgehend unbeachtete D-VHS-Format bislang noch die Nase vorn. Ein ideales Gerät dürfte der Recorder allerdings für betuchte Hobbyfilmer werden, die ohne zusätzliche Authoring-Software hier ihre eigenen Aufnahmen auf DVD überspielen können.

Gesambewertung:
Pro:
  • Gute Wiedergabequalität von vorbespielten DVDs

  • Komfortable Editiermöglichkeiten

  • NTSC-Aufnahme und Wiedergabe

  • Umfangreiches internes Authoring-System

  • Schnelle Aufnahme ohne umständliche Finalisierung der DVDs

  • Solide Verarbeitung

Contra:
  • Hoher Preis des Geräts und der Aufnahmemedien

  • Nur relativ kurze Aufnahmezeit möglich

  • Keine einfache Umschaltmöglichkeit zwischen den verschiedenen Qualitäts-Modi

  • Leichte Bild-Defizite selbst im besten Qualitätsmodus

  • Ergonomie der Fernbedienung nur zufriedenstellend

  • Keine Sicherheit zur Wiedergabe der Aufnahmen auf allen herkömmlichen DVD-Playern

Verantwortlich für den Test: Karsten Serck

25.10.2001