Test: DVD-Player Philips DVD-623

10.06.2002 (cr)

Finish, Features und Laufwerk

Philips hat sein komplettes DVD-Player-Programm gründlich überarbeitet - für uns ein guter Grund, sich einmal mit dem neuen Basismodell, dem DVD-623 für einen Listenpreis von 279 EUR, auseinander zu setzen.  Leider ist der Testauftakt nicht so, wie wir uns einen gelungenen Auftritt vorstellen: Die optische Anmutung des DVD-623 kann nicht überzeugen. Die aus billigem Kunststoff hergestellte Frontplatte ist von der Wertigkeit her in keinster Weise besser als die gebotene Qualität vieler No-Name-Geräte. Hier sollten sich die Verantwortlichen bei Philips einmal überlegen, ob es sinnvoll ist, dem Kunden gleich auf den ersten Blick so überdeutlich zu zeigen, dass überall, um die immer niedrigeren Preise zu realisieren, der Rotstift angesetzt wurde. Dass es Philips auch viel besser kann, zeigen die teureren Modelle - wenigstens einen Bruchteil dieser Gene hätte man auch dem Basismodell spendieren sollen. Das grob auflösende Display in aufdringlicher Farbgebung vermag ebenfalls keinen Eindruck der Hochwertigkeit hervorzurufen. Nur die sehr leise und gut gedämpft herausfahrende Laufwerkslade ist sehr zu loben, hier kann der DVD-623 voll überzeugen. Überhaupt das Laufwerk - früher nicht unbedingt eine Stärke der Philips-Player -  kann man bei unserem Testgerät nur Worte der Anerkennung darüber verlieren: Leise, schnell und zuverlässig geht es seinem Dienst nach.

Die multimedialen Talente des Philips sind größer, als man aufgrund der Spezifikationen im Katalog denken würde: Denn im Katalog ist die MP3-Wiedergabe nicht als vorhandenes Feature aufgeführt, was für einen 280 EUR-Player bei der momentanen Marktsituation keine gute Ausgangsposition für hohe Verkaufszahlen schaffen würde. Die MP3-Wiedergabe ist, gerade in der Einsteigerklasse, vielen Konsumenten sehr wichtig geworden. Aber keine Sorge, problemlos liest der Philips MP3-CDs ein. Zwar ist die Tonausgabe nur über den analogen Ausgang möglich, aber die Klangqualität ist sehr gut. Hier ist eigentlich bei allen Playern der dieses Jahr erschienenen neuen Generation ein deutlicher Qualitätssprung ausfindig zu machen, genauso wie bei der Abspielsicherheit: Aussetzer sind bei vielen Geräten inzwischen selten geworden, und inmitten dieser insgesamt bezüglich der MP3-Abspielsicherheit gelungenen Playergeneration setzt der DVD-623 mit seiner exzellenten Abspielsicherheit ein Highlight: Aussetzer kennt das Gerät praktisch nicht mehr. Die MP-3-Features sind bescheiden: Keine Angabe des Titels (auch nicht mit beschränkten Zeichen für den Dateinamen), kein Random Play, nur eine "Repeat"-Funktion wahlweise für den einzelnen Titel oder den gesamten Ordner stehen auf der Ausstattungsliste. SVCDs, gebrannt nach vcdhelp-Muster, gab der DVD-623 problemlos wieder, lediglich ein kurzes Ruckeln am Anfang war während unserer Testläufe zu beobachten. 

Unbefriedigend ist die Anschlussbestückung: Nur ein koaxialer Digitalausgang, kein S-Video-Hosidenausgang und zudem noch eine Scartbuchse, die zwar RGB-Signale, aber kein S-Video ausgeben kann - noch weniger geht nicht. Wenn man berücksichtigt, was ein Toshiba SD-220E für weniger Geld (249 EUR UVP) realisiert, dann sollte Philips wirklich einmal seine Produktstrategie neu überdenken. Denn es ist klar, dass bei den Basismodellen gespart werden muss - aber solchen Minimalismus sollte man dem Kunden ersparen. So bleibt dem DVD-623 eine nur durchschnittliche Bewertung in der ersten Disziplin nicht erspart: Zwar ist das Laufwerk ebenso tadellos wie die MP3-Abspielsicherheit, der nicht überzeugende Qualitätseindruck und die unterdurchschnittliche Ausstattung verhindern aber ein besseres Ergebnis.

Bewertung Finish, Features

 

Bedienung

Die On Screen-Menüs des DVD-623 sind übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen. Auch die auf Anforderung schnell und leise herausfahrende Laufwerkslade ist in dieser Klasse vorbildlich. Weniger gut: Die drei Funktionsknöpfe auf der Gerätefront wollen manchmal nach dem ersten Druck den erteilten Funktionsbefehl nicht ausführen. Nicht begeistern kann die Fernbedienung. Zwar ist der Aufbau mit dem zentral angeordneten Navigationskreuz völlig in Ordnung, die Tastengruppen sind klar voneinander abgegrenzt, aber der schwammig Druckpunkt der Tasten gefällt ebenso wenig wie die unbefriedigende Reichweite und die entschieden zu kleinen Druckknöpfe im unteren Bereich des IR-Controllers. Dass die einzelnen Kapitel beim Kapitel überspringen zwar auf dem Gerätedisplay, nicht aber auf dem OSD auftauchen, ist ebenfalls nicht sonderlich praktisch.  Die aufdringliche Farbgebung des grob auflösenden Displays ist auch nicht dazu angetan, das positive Punktekonto des Philips aufzustocken. 

Bewertung 

 

Bild

Der Philips DVD-623 setzt in der Bildwertung keine neuen Akzente. Zwar ist die Bildschärfe gut, aber, wie sich bei den 16:9-Real-Testbildern der DVD-Discovery zeigt, nicht überragend. Hier bietet die Konkurrenz von Grundig und Toshiba das gewisse Etwas mehr an Gesamtbildschärfe,  und auch der gerade auslaufende Pioneer DV-444 kann sich vor dem Philips, der etwa auf dem Niveau des Sony DVP-NS305 liegt, platzieren. Die Detailtreue des DVD-623 ist voll befriedigend, wie sich an den Testbildern mit den Zahnrädern, den Goldmünzen und mit dem Hühnerei zeigt, bieten andere Player gerade bei der plastischen und genauen Darstellung feiner Strukturen aber mehr. Was die Farbdarstellung des über RGB (Scart-Kabel: Monster Video 2) angeschlossenen Players anbetrifft, so zeigt sich in der Werkseinstellung ein zu wenig brillantes Bild mit zu wenig ausdruckskräftigen Farben. Wem dies nicht gefällt, der kann entweder bezüglich Sättigung, Helligkeit und Kontrast selber nachregeln oder aber eins der vorprogrammieren Bildfelder verwenden: Hier stehen "Intensiv", "Natürlich", "Weich" und "Animation" zur Verfügung.  Spontan könnte man denken, der "Intensiv"-Modus würde sich am besten eignen, der etwas wenig aussagekräftigen Farbwiedergabe auf die Sprünge zu helfen. In der Praxis aber ist das Ergebnis dann nicht vollkommen überzeugend, da nun die Farben zu knallig und zu intensiv wirken. Dazu ist das Gesamtbild zu hell. In der "Natürlich"-Einstellung, die uns summa summarum am besten gefallen hat, ist die Farbwiedergabe dann bei der DVD-Discovery zwar in Ordnung, in den Punkten Brillanz und Klarheit aber noch immer nicht überdurchschnittlich. Die Einstellung "Weich" ist  nicht empfehlenswert, weil das Bild dann zu verwaschen und unscharf wirkt, gerade die akkurate Wiedergabe von Konturen ist dann sichtbar eingeschränkt. Der "Animation"-Einstellung mit den hochgezogenen Farbintensitäts-, Helligkeits- und Kontrastwerten ist für einige Zeichentrickfilme zu gebrauchen, hier sollte man im Zweifel ausgiebig testen. Bei der Code 2-DVD des "Planeten der Affen" erwies sich wiederum die "Natürlich"-Einstellung als die empfehlenswerteste, da die Schwarzwiedergabe ebenso in Ordnung war wie der gesamte Kontrastumfang. Bei "Gladiator" (Code 2) war es dem Philips leider nicht möglich, ein gefälliges, homogenes Bild zu erzeugen. Die Beobachtungen im einzelnen: In der "persönlich"-Einstellung ist es aufgrund der grob gerasterten Regler kaum zu schaffen, ein differenziertes Bild zu erhalten. Die Einstellung "intensiv" sorgte für eine deutlich sichtbare Überbetonung der Wüsten-Farbtöne (Beispiele: Laufzeit 44:22, ab Laufzeit 48:00). Die "Weich" -Einstellung, die einen unschärferen, verwascheneren Bildeindruck produziert, ist ebenso wenig geeignet, ein in allen Belangen gefälliges Bild als Ergebnis zu erzielen.  Nichts getan hat sich beim Layerwechsel: Noch immer ein deutlich hörbare Tonaussetzer, das Bild bleibt gut sichtbar stehen.  

Bewertung 

 

Ton

Hier kann der Philips überzeugen. Der Digitalton ist transparent und klar, auch wenn hier keine neue Bestleistung erbracht wird, liegt der Player doch gut im Klassendurchschnitt. Erfreulich: Auch die analoge Wiedergabe ist brauchbar. Zwar sollten wahre Klang-Freaks ihren alten CD-Player besser behalten, aber für den normalen Hörer reicht die Leistung des DVD-623 aus: Die Homogenität und die Plastizität sind voll befriedigend, der runde Bassbereich gefällt gut.

Bewertung 

 

Fazit

Der Philips DVD-623 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während die zwar nur über den analogen Ausgang mögliche MP3-Wiedergabe mit guter Klangqualität und hoher Abspielsicherheit überzeugen kann, ebenso wie das im Vergleich zu früheren Modellen deutlich leiser gewordene Laufwerk, das zudem schnell sowie sehr zuverlässig agiert, und der ordentliche Digitalton, missfällt die sehr billige Anmutung des DVD-Spielers. Gerade die Verarbeitung war bislang für nicht wenige Käufer ausschlaggebend, dass ein Markengerät ins Heimkino kam. Nur das Markenemblem auf der Frontblende reicht als Rechtfertigung in Bezug auf den qualitativen Eindruck aber nicht aus, sich einen Markenplayer gegenüber einem Noname-Gerät zuzulegen. Leider ist die Materialanmutung des DVD-623 keinen Deut besser als bei vielen No-Names, im Gegenteil: Es gibt durchaus Geräte im No-Name-Bereich, die optisch schon mehr hermachen. Auch die Fernbedienung überzeugt nicht: Zwar sieht das Teil gar nicht schlecht aus, der unexakte Druckpunkt der Tasten vereitelt aber eine problemlose Bedienung. Die Bildqualität des Philips ist nicht dazu angetan, die anderen Nachteile durch überdurchschnittlich gute Leistungen aufzuwiegen: Zwar ist das Gesamtergebnis in Ordnung, aber gerade die nur befriedigende visuelle Brillanz, die aus der in der Werkseinstellung zu zurückhaltenden Farbgebung herrührt, und die ebenfalls nur befriedigende Detailtreue zeigen, dass es in der Einsteigerklasse sichtbar bessere Player gibt. Leider helfen hier auch die "Smart Picture"-Einstellungen wenig, die zwar etwas Besserung bezüglich der Farbkraft bringen, aber trotzdem keine ausgewogene Wiedergabe garantieren: Denn in der "Intensiv" Einstellung wirken die Farben dann merkwürdig überbetont und zu knallig. Die Einstellung "Natürlich" ist insgesamt die gelungenste Variante aber bezüglich der Homogenität gibt es trotzdem bessere Player. Zu guter Letzt ist die Anschlussbestückung ebenso dürftig wie die MP3-Features. Da der Kaufpreis auch nicht sonderlich günstig ist, bleibt dem Gerät nur ein durchschnittliches Testergebnis. 

Der DVD-623 erbringt lediglich durchschnittliche Leistungen

Einsteigerklasse
Preis-/Leistung:
Pro:
  • Tadellose MP3-Abspielsicherheit

  • Guter Digitalklang

  • Sehr gutes, leises Laufwerk

Contra:
  • RGB-Bild mit nur befriedigender visueller Brillanz

  • Zu dürftige Ausstattung

  • Nicht überzeugende optische Anmutung

  • Verbesserungswürdige Fernbedienung

Technische Daten:
  • DVD Video-Player mit 96 KHz/24-Bit Audio D/A-Wandlern

  • Videoausgänge: 1x SCART (mit RGB), 1 x Cinch (Composite)

  • Audioausgänge: Digital 1 x koaxial
    analog:: 1 x Cinch 2-Kanal Downmix

  • Smart Picture mit 5 Einstellmöglichkeiten

  • Farben: Schwarz, Silbern

  • Maße (B x H x T in cm): 43,5 x 7,5 x 21,5

  • Gewicht: ca. 1,9 kg

  • Preis: 279 EUR (UVP)

Testequipment:
  • AV-Verstärker Denon AVC-A1SE mit Upgrade

  • Frontlautsprecher Mirage FRX-9

  • Centerlautsprecher Mirage MC-2

  • Surroundlautsprecher Mirage FRX-Rear

  • Back Surround-Lautsprecher Mirage FRX-Rear

  • Aktiver Subwoofer Magnat Omega 380

  • TV Grundig Lenaro 92 MFW 92-6110/9 DVD