Test: DVD-Player Panasonic DVD-A350

Der A-350 ist das derzeitige Spitzenmodell von Panasonic auf dem europäischen Markt. Der Player hatte als erstes Gerät hierzulande sowohl einen Dolby Digital als auch einen MPEG2-Audiodecoder eingebaut, der das digitale Mehrkanalsignal in bis zu sechs analoge Signale umwandelt und an seinen Cinchbuchsen zur Weitergabe an einen AV-Verstärker ausgibt. Durch diesen Kombidecoder kann man unabhängig von dem Hickhack um den richtigen Audiostandard alle DVD´s sich mit dem Gerät anhören. Eine Ausnahme macht hierbei DTS. Da diese Mehrkanaltonvariante in Europa zumindest noch kein Thema ist, wird sie von dem A-350 im Gegensatz zu seinem US-Bruder A-310, der zumindest das DTS-Signal von der DVD an seinem Digitalausgang wiedergeben kann, auch nicht unterstützt.

Einen Dolby Surround-Verstärker ersetzt der im Panasonic eingebaute Decoder nicht, da der Prozessor lediglich "echtes" Dolby Digital 5.1 bzw. MPEG 5.1 dekodiert, ein Dolby Digital 2.0 oder MPEG 2.0-Surround-Signal jedoch nicht. Diesen Job soll der angeschlossene Verstärker übernehmen, der wohl in der Regel auch einen Dolby Surround-Decoder enthält.

Neben DVDs schluckt der Panasonic-Player auch CDs und die alten Video CDs. Schwierigkeiten bereiten ihm lediglich die selbstgebrannten CD-R´s, die die auf die DVD-Wiedergabe optimierte Laseroptik des Panasonic nicht lesen kann. Dies lässt sich auch nicht vermeiden, da der ein den DVD-Playern eingesetzte Laser ein ungleich kurzwelligeres Licht als normale CD-Player hat, um die auch viel feineren Pits der DVD auch lesen zu können. Im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern hat Panasonic auf eine zweite Optik für die CD- Wiedergabe verzichtet. Wer also auf "Selbstgebranntes" steht, sollte sich den Verkauf des alten CD-Players noch einmal überlegen.

Anschlüsse weist der Panasonic A-350 in Hülle und Fülle auf. Alleine für's Bild verfügt der Player bereits über zwei Cinch-Composite-Videoausgänge und eine S-Videobuchse. Zudem hält er noch zwei SCART-Buchsen parat, von denen man die erste wahlweise zwischen Composite Video,S-Video und RGB umschalten kann. Wenn möglich, sollte der Panasonic am besten zumindest über S-Video oder besser noch RGB angeschlossen werden, da gerade bei einem hochauflösenden Medium wie der DVD ansonsten ständig häßliche "Perlenketten" im Bild zu sehen sind. Praktischerweise kann man über die zweite SCART-Buchse auch noch das Signal eines anderen Gerätes durchschleifen, falls der Fernseher wieder einmal über zuwenig Videoeingänge verfügt. Für den Anschluß eines externen Audiodecoders steht außerdem noch wahlweise das Signal entweder über einen optischen oder koaxialen Anschluß zur Abnahme bereit.

Die Bedienung des Players geht mit der recht übersichtlichen und vor allem sehr handlichen Fernbedienung sehr einfach. Panasonic hat gegenüber dem Erstling A-100, der ja etwas schwerfällig zu bedienen war, dazugelernt: Beim A-350 lassen sich die meisten Befehle entweder direkt über einen Joystick oder die um diesen herum verteilten Tasten steuern. Bereits der in Europa nicht erhältliche A-350-Vorgänger Panasonic A-300 hatte ein ähnliches Bedienungskonzept. Verwunderlich ist indes, weswegen man von diesem Player nicht auch die Ansteuerung der Chapter und den Suchlauf mit Hilfe des Joysticks übernommen hat. Beim A-350 ist der Joystick nur für die Menüsteuerung gedacht - SKIP und SEARCH laufen über getrennte Tasten.
Weniger wichtige Tasten der Fernbedienung sind unter einer Klappe versteckt. Leider gehören dazu auch die Nummerntasten. Allerdings fällt dies nicht so stark ins Gewicht, da eine einfache Chapterauswahl über die Zehnertaste, wie man sie vom CD-Player gewohnt ist, auch mit dem A-350 nicht funktioniert: Hierzu muß man erst umständlicherweise DISPLAY drücken, das Chapter eingeben und dann über den Joystick bestätigen. Neben den DVD-Funktionen kann die Fernbedienung auch die Basisfunktionen eines Fernsehers quasi beliebiger Marke steuern, nachdem man die Fernbedienung auf den entsprechende Infrarotcode eingestellt hat.

Der Bildsuchlauf des A-350 läßt sich entweder über den Shuttle-Ring am Player oder die Suchlauftasten auf der Fernbedienung in insgesamt 5 Stufen regeln und läuft sowohl vor als auch rückwärts sehr ruhig. In der ersten Stufe bleibt sogar noch der Ton erhalten.

panasonicdvda-350osd.jpg (13584 Byte)Sehr komfortabel ist die menüunterstützte Benutzerführung des Panasonic. Nach Druck auf die unter der Klappe versteckte Setup-Taste erscheint ein recht ansprechendes On Screen-Menü, über das sich die Grundeinstellungen des Players verändern lassen. Neben den üblichen Einstellungen für die Sprache und Bildformat dient das besondere Augenmerk dem Menüpunkt "Lautsprecher": Für denjenigen, der den eingebauten Decoder des A-350 benutzen will, lassen sich hier die Pegel für die angeschlossenen Lautsprecher einstellen. Zur Überprüfung der korrekten Lautstärke ist ein Testtongenerator eingebaut. Bei der Einpegelung sollt man allerdings anstelle des Testtons des Verstärkers lieber eine DVD mit sehr gleichmäßiger Verteilung der Umgebungsgeräusche wie z.B. "Das Boot - Director´s Cut" verwenden, da man auf diese Art und Weise die Lautstärkeverteilung seinem eigenen Hörgeschmack besser anpassen kann.

Lobenswert ist hervorzuheben, daß der Decoderchip nicht einfach nur die diskreten Kanäle des Mehrkanaltons an die Cinch-Buchsen ausgibt, sondern auch bei fehlendem Center oder Subwoofer den Ton den Hauptboxen zumischt. Auch wenn nur ein passiver Subwoofer vorhanden ist, für den am Verstärker kein eigener Lautsprecherausgang vorhanden ist, macht diese Option Sinn, da ansonsten der Subwoofer gar nicht angesteuert werden könnte.
Wenn man die Einstellungen auf die Spitze treibt und auch die Surroundlautsprecher deaktiviert, so daß nur noch die Frontlautsprecher angesteuert werden, dann macht der Player einen ganz normalen Downmix von AC-3 5.1 auf Dolby Surround.
Leider harmoniert der Decoder nicht auf gleiche Art und Weise mit im MPEG 5.1 - Verfahren codierter Software:  Hier wird in dem Moment, wenn beispielsweise der Center-Speaker deaktiviert wurde, auch an die Surroundlautsprecher kein Signal mehr ausgegeben - Die Wiedergabe erfolgt in diesem Fall nur über die Frontlautsprecher, an denen allerdings ein vollwertiges Dolby Surround Signal anliegt. Grund: Der im Panasonic eingebaute Decoderchip kann keinen richtigen Downmix auf vier Kanäle machen.
Für diejenigen, die noch keine AC-3-taugliche Anlage besitzen, hat der Panasonic DVD-A350 ein zweistufiges "Virtual Surround Sound"-System eingebaut, daß Raumklang auch bereits mit zwei Lautsprechern ermöglichen soll. In der Tat klingt der Ton mit dieser Schaltung ein wenig räumlicher; ein wahres Klangwunder vollbringt sie allerdings nicht.

Auch NTSC-DVD´s schluckt der A-350 ohne weiteres (Mit dem entsprechenden Umbau auch solche aus Amerika). Die Bildwiedergabe erfolgt dann entweder in PAL mit 60 Hz oder über die SCART-Buchse via RGB.

Nun zum wichtigsten Punkt: Der Bildqualität. Den technologischen Vorsprung durch den 10 Bit-Videodecoderchip gegenüber dem Vorgänger A-100 kann man bereits auf den ersten Blick sehen: Das Bild ist hervorragend klar und scharf und bietet ein leichtes Plus an Detailauflösung. Die Eröffnungssequenz von "Contact" und die phantastischen Farben von "The Fifth Element" fließen mit diesem Player so ruhig wie Butter über den Bildschirm.
Der eingebaute AC-3-Decoder erfüllt zumindest seinen Zweck. Wunderdinge kann man aber nicht von ihm erwarten. Wer besseren Sound und mehr Einstellmöglichkeiten haben will, der sollte lieber zu dem günstigeren DVD A-150 ohne Decoder greifen und das gesparte Geld als Anzahlung für einen externen Decoder anlegen.

Insgesamt ist der Panasonic DVD A-350 ein phantastisches Gerät, das seinen Preis auf jeden Fall wert ist. Leider gibt es aber auch immer wieder Geräte aus der Serie, die Fehler aufweisen.

Preis: 1699 DM

Autor: Karsten Serck

Test: Juni 1998