Test: AV-Receiver Kenwood KRF-X9070D

21. Februar 2003 (cr)

Ausstattung

Der Kenwood KRF-V9060D ist ein voller Erfolg: Mit attraktiver Optik, sehr guter Ausstattung inklusive vielen Surround-Aufpolierern, einem THX Select Zertifikat, einem ausgewogenen, dynamischen, bassstarken Klangbild und fairen Kaufpreis (729 EUR UVP) trifft er den Geschmack einer breiten Käuferschicht. Da es nicht unbedingt leicht ist, ein so gutes Gerät noch entscheidend zu verbessern, ging man bei Kenwood kein großes Risiko ein und entwickelte den Nachfolger KRF-X9070, der bald erhältlich sein wird, nach dem Motto "Evolution anstatt Revolution". So blieb die umfangreiche Ausstattung unangetastet, lediglich im Inneren des AV-Receivers wurde etwas gefeilt: Feintuning an der Gehäusesteifigkeit, am Netzteil und an diversen anderen Baugruppen sollen nun das entscheidende Stück Mehr an Sound bringen, um die schlagkräftige Konkurrenz in diesen Preisregionen auch weiterhin in Schach zu halten. im Preis ging man etwas nach unten: 699 EUR wechseln den Besitzer. Ob das "Facelift" auch tatsächlich gelungen ist, soll dieser Test des neuen Kenwood-Geräts klären helfen.

Viel geboten bekommt der Kunde auf jeden Fall auch diesmal wieder für sein Geld, denn es handelt sich hier um einen absolut voll ausgestatteten AV-Receiver zum Mittelklassepreis, der praktisch alle Features mitbringt, die für einen Heimkino- und Mehrkanalmusik-Betrieb mit ordentlicher Performance notwendig sind. Angefangen von den sechs eingebauten Endstufen, die jeweils 100 Watt stark sind, über die THX Select Zertifizierung und die Dolby Digital 5.1 EX- DTS ES Discrete/Matrix 6.1-Decodierung bis zur großen Auswahl an Surround-Aufpolierern (Dolby ProLogic II in Vollversion, DTS Neo:6 und Smart Circle Surround II) ist alles mit an Bord. Die Anschlussbestückung ist gut, inzwischen aber nicht mehr überdurchschnittlich: So gibt es insgesamt vier Digitaleingänge und einen Digitalausgang, für die Video-Fraktion stehen unter anderem zwei Komponenteneingänge und ein Komponentenausgang zur Verfügung. 

 

Wer sein System nach THX Surround EX Anforderungen mit zwei Lautsprechern für die Back Surround-Konfiguration aufbauen möchte, kann dies ebenfalls tun: So kann via Pre-Out eine zusätzliche Endstufe angeschlossen werden, die dann die beiden Back Surround Kanäle anstatt der einen Back Surround-Endstufe, die integriert und für den Betrieb mit einem Back Surround-Lautsprecher ausgelegt ist, befeuert. Apropos Lautsprecher: Ganz gleich, mit welchen Boxen er betrieben wurde, erstaunlich war und ist auf jeden Fall, was im Musikbetrieb mit dem ausgezeichneten CS II (das in Geräten anderer Hersteller mit weniger Einstellmöglichkeiten und ergänzenden Klangoptimierern nicht ganz begeistern konnte!) und den sonstigen Zusatzfunktionen des KRF-X9070D alles möglich ist. Allerdings, dies möchten wir an dieser Stelle hinzufügen, kommt es natürlich auch auf den persönlichen Hörgeschmack an. Aber gerade diejenigen, die sich häufiger bass- und effektgewaltige Stücke anhören, haben vielerlei Möglichkeiten, das Sounderlebnis nachhaltig zu optimieren. Hier kommt ein Überblick über die reichhaltige Ausstattung des KRF-V9070D:

Die Bassunterstützung "TruBass" im CS II-Betrieb und ihre Wahlmöglichkeiten für die verbesserte Bassausgabe: 

  • TruBass OFF
  • TruBass SW (nur wirksam auf Subwoofer)
  • TruBass L/R (nur wirksam auf den linken und den rechten Frontlautsprecher)
  • TruBass SW + L/R (TruBass wirksam auf den Subwoofer und den linken und den rechten Frontkanal)

Bei allen TruBass-Ausgabearten kann der Pegel zwischen 0 ( = "off") und 10 eingestellt werden, wobei sich Werte von 2 bis 7, je nach Geschmack und Boxenequipment, in der Praxis empfehlen - besonders gut, gerade bei bass- und effektstarker Musik, fährt man mit der mittleren Einstellung, also "5".

So funktioniert TruBass:

Bezüglich der Basswiedergabe arbeitet das System folgendermaßen: Wenn nach der TruBass-Theorie 2 Frequenzen zum menschlichen Ohr gelangen, z.B. 150 Hz und 100 Hz, werden folgende Frequenzen registriert: 

  • 100 Hz
  • 150 Hz
  • 150+100 Hz=250 Hz
  • 150 Hz-100 Hz=50 Hz

Die tatsächlich gehörten tiefen Frequenzen kommen jedoch nicht direkt vom Lautsprecher. TruBass generiert daher, um diesen Effekt zu erreichen und tiefe Frequenzanteile aus dem Signal zu gewinnen, Differenzsignale, die vom menschlichen Gehirn als Tiefbass registriert werden. Die TruBass zugrunde liegende Technologie ist daher kein Equalizing-Effekt, sondern psychoakustischen Ursprungs.  Arbeitsweise: Ein 80 Hz-Frequenzanteil beispielsweise hat bei 160 und 240 Hz seine harmonischen Vielfachen, die von fast allen Lautsprechern wiedergegeben werden können. TruBass filtert nun die 80 Hz-Grundwelle heraus und nutzt die Oberwellen 1. und 2. Ordnung. Zwei Dinge ermöglichen diese Vorgehensweise: Zum einen das nichtlinear arbeitende menschliche Gehör, zum anderen die Tatsache, dass das Gehirn aus den beiden harmonischen Vielfachen die Differenz bildet, die der ursprünglichen Grundwelle, also den genannten 80 Hz, entspricht. Dies klingt kompliziert, in der Praxis aber ergeben sich laut Kenwood und SRS folgende Vorteile: Geringere Anforderungen an die Verstärkerleistung ermöglichet kleinere Geräteabmessungen, auch geht von den Tiefbasssignalen, die mittels TruBass erzeugt wurden, kein Körperschall aus. Die unerwünschte Bassübertragung in Nebenräume wird ebenfalls reduziert. Gleichzeitig verbaut Kenwood noch zwei weitere "Special Features: 

Zusätzlich zu TruBass kommen mit Speaker EQ und Active EQ zwei Systeme hinzu, die sich die Vorteile der TruBass-Funktion für ihre ihre Arbeitsweise zunutze machen. Im Fokus bei beiden Features liegt die Verbesserung der Wiedergabequalität beim Betrieb von Subwoofer-/Satellitensystemen zusammen mit AV-Receivern. In dem Preissegment, in dem der KRF-X9070D vertreten ist, verwenden nicht wenige potentielle Käufer hochwertige Subwoofer-/Satellitensysteme, sei es aus Platz- oder aus Kostengründen oder wegen der Flexibilität bei der räumlichen Integration. Selbst unser exzellentes Teufel-System hat recht kompakt bauende Hauptlautsprecher, im Musikbetrieb konnten bezüglich des Klangbildes im CS II Betrieb nochmals Verbesserungen realisiert werden, die zwar nicht revolutionäre, aber doch hörbare Ausmaße hatten. Aufgabe von "Speaker EQ" ist es, den bisher nicht wegzudiskutierenden Nachteilen wie beispielsweise der nicht voll befriedigenden Dynamik, dem "Klangloch" zwischen der unteren Grenzfrequenz der Satelliten und der Übernahmefrequenz des Subwoofers, entgegen zu wirken, wobei hier die Aufgabe beim Teufel-System, das sowieso praktisch mit einem sehr runden Klangbild ohne Klanglöcher gefiel, sehr einfach ausfiel. 

Speaker EQ für Subwoofer/Satellitensysteme unterschiedlicher Größen:

  •  Equalization der Satellitenlautsprecher zur Frequenzganganpassung (Small/Middle/Large, wobei sich die Größenmaße auf die Abmessungen von Satellitenlautsprechern beziehen. So ist "small" die richtige Einstellung bei einem System mit sehr kleinen Satelliten wie z.B. dem JBL SCS138, "middle" ist bei etwas größeren System wie beispielsweise dem Quadral 3100 aktiv angemessen, und die "large"-Justierung verbessert sogar bei Boxensets wie dem Teufel System 5, das eigentlich der üblichen "Satelliten-Größe" schon entwachsen ist, die Wiedergabegüte in Richtung eines sehr harmonischen Klangbilds)
  • "Bass Track" soll ein Clippen des Subwoofers (bei Sub/Sat-Systemen oftmals sehr kritisch, gerade bei günstigen Systemen mit wenig leistungsstarken Subwoofern) verhindern. Der Level kann im Setup des AV-Receivers eingestellt werden
  • Speaker EQ linearisiert den Frequenzgang

Zuätzlich gibt es die Funktion Active EQ mit folgenden Aktionsfeldern:

  • Active EQ Music: Active EQ  kompensiert im Zusammenspiel mit Speaker EQ noch effizienter  die "Lücke" im Frequenzgang (bei Sub/Sat-Systemen) als bei alleiniger Aktivierung von Speaker EQ. Beide Funktionen in Kombination stellen somit die Realisierung eines gefälligeren, runderen Klangbilds sicher.
  • Active EQ Cinema: Hier wird eine Dynamikerhöhung vorgenommen, um ein lebendigeres Klangbild zu erreichen
  • Active EQ TV: Hier wird der Sprachfrequenzbereich angehoben, um die Sprachverständlichkeit zu optimieren

Aufgabe von Active EQ:

  • Harmonisierung des Frequenzgangs über den gesamten Wiedergabe-Frequenzbereich bei aktivierter Speaker EQ Schaltung
  • Perfekte Integration von TruBass
  • Verbessert die Grundtonwiedergabe bei Satellitenlautsprechern
  • Soll auch bei Standlautsprechern eine Klangverbesserung mit Tieftonbereich sicherstellen

Weitere Einstellmöglichkeiten im CS II-Betrieb:

  • Center Focus: Auch wenn die Beschreibung der Bedienungsanleitung hier nicht allzu genau ist: Im Grunde handelt es sich hier um die Funktion, die unter dem Namen "Center Width Control" bei Dolby PLII Music anwählbar ist. Man kann den Wirkungsbereich des Centers von "Off" (nur Signalausgabe über die Hauptlautsprecher) bis zu "+ 10" einstellen (in dieser Position übernimmt der Center einen großen Klanganteil, zu empfehlen ist ein Wert von 3 bis 7, je nach der Qualität des Centers und dem persönlichen Hörempfinden)
  • Rear Delay: Für eine optimierte Wiedergabe über die Surroundlautsprecher kann hier die Delayzeit zwischen 0 und 25 ms variiert werden. 
  • CS II Gain: Anhebung des Eingangspegels in einem Einstellbereich zwischen 0 und 18.

Diese ganze Funktionsvielfalt ist nicht nur in der Theorie imposant, sondern bringt auch in der Praxis verschiedene Vorteile, vor allem im Musikbetrieb:

  • Auch weniger hochwertige Medien, wie z.B. MP3-CDs mit MP3-Files in unterschiedlicher Qualität, klingen erstaunlich voluminös. So steigt die Gesamtharmonie des Klangbilds ebenso wie die Güte der Basswiedergabe. Hier sollte allerdings beachtet werden, dass eine maßvolle TruBass-Einstellung ein deutlich verbessertes Klangbild bringt, eine überzogene Einstellung jedoch gnadenlos die Schwächen der Tracks offen legt und einen viel zu dominanten, hohl klingenden Bass erzeugt. besonders krass ist dieser Effekt, wenn die TruBass Einstellung "SW" (= Subwoofer) gewählt ist und dann der Sub viel zu dominant und unpräzise durch den Hörraum dröhnt. Wer praktisch vollwertige, nur von den Ausmaßen her sehr kompakte Hauptlautsprecher verwendet wie unsere Teufel-Boxen des Systems 5, der fährt mit der Einstellung "L/R +  SW" am besten, das Klangbild ist so angenehm voluminös, rund und Raum füllend, ohne unangenehme "Nebenwirkungen" wie Dröhnen oder eine unpassende Überbetonung. 
  • In diesem Zusammenhang können auch weniger hochwertige Medien mit höherem Pegel als in der Normaleinstellung gehört werden
  • Auch bei sehr guter Software gibt es positive Nebeneffekte: So ist die Wiedergabe sehr klar und homogen, auch hier sind die ohne Störungen oder Verzerrungen realisierbaren Pegel hoch. Der gesamte Bassbereich wirkt harmonisch und wie aus einem Guss. 
  • Dem Klangbild wird Aggressivität entzogen. Eine zu dominante Hochtonwiedergabe weicht einer angenehmeren, trotzdem transparenten und klaren Darbietung

Zusätzliche Ausstattungsmerkmale:

Eine exzellente Basswiedergabe scheint den Kenwood-Entwicklern sehr wichtig zu sein: Eine spezielle "Bass Boost"-Schaltung (nur im Stereobetrieb, analog oder digital) hebt den Bass von der Einstellung "0" direkt auf die Maximal-Einstellung "10", was mit dem entsprechenden restlichen Equipment und der entsprechenden Software für Bass-Fans durchaus eine positive Erfahrung sein kann, bei weniger basskräftigen Lautsprechern und/oder schlecht aufgenommener oder musikalisch nicht passender (Klassik/Jazz) Software macht sich die "Bass Boost"-Schaltung durch Dröhnen und einer unpassenden Überbetonung des tieffrequenten Bereichs eher nachteilig bemerkbar. Aber als Hilfsmittel, um Klassik- und Jazz-Aufnahmen den richtigen Glanz zu verleihen, sieht man den Bass Boost bei Kenwood auch keinesfalls an. Und für den Trance- und Techno-Fan ist er auf jeden Fall sehr gut geeignet. Zusätzlich bringt der KRF-X9070D auch noch eine (ebenfalls für den analogen/digitalen Stereobetrieb gedacht) Loudness-Reglung mit. Weiteres Feature: Mittels der "Surround Mix"-Funktion im Setup läuft die Back Surround Matrix immer mit, auch im Dolby PLII-Betrieb.

Zusammen mit der exzellenten Ausstattung mit Surround-Aufpolierern und der sehr hohen Wertanmutung des gesamten Geräts verdient sich der KRF-X9070D ebenso wie sein Vorgänger sechs Sterne in der ersten Disziplin.

Bewertung
Bedienung

Der KRF-V9070D wird mit einer neu entwickelten Fernbedienung ausgeliefert, die besser in der Hand liegt als der relativ klobige IR-Controller des Vorgängers, dafür wirkt das neue Teil etwas weniger hochwertig. Die Anzahl der vorhandenen Tasten ist immens, dafür ist die Aufteilung in verschiedene Funktionsgruppen recht gut gelungen. Nicht ganz anfreunden können wir uns hingegen mit der Tatsache, dass die Tasten insgesamt zu klein sind, außerdem fehlt eine Beleuchtung für eine einfachere Bedienung im abgedunkelten Heimkinoraum. Praktisch das griffgünstig untergebrachte Navigationskreuz  des IR-Controllers. Kleines nettes Detail: Es gibt wie beim 9060er ein kleines LC-Display, das das gerade angewählte Gerät anzeigt (Multi-Brand-FB, also wird z.B. "DVD" oder "TV" angezeigt). Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass die gesamte Funktionsvielfalt nur mittels des sehr schön auflösenden Gerätedisplays eingestellt werden kann. Hier wäre ein On Screen Display noch immer ein Verbesserungsvorschlag. Die hochwertigen Funktionstasten am Gerät inklusive des edlen Metall-Lautstärkereglers gefallen sehr gut, ebenfalls die einfache Wahl des zu aktivierenden Eingangs mittels einer Funktionstaste pro Eingang auf der Gerätefront. Der Drehregler für den "Listen Mode" erweist sich auch als praxisgerecht, denn nacheinander folgen Dolby Pro Logic II Music, Dolby Pro Logic II Movie, CS II Cinema, CS II Mono, CS II Music usw., so muss man, möchte man beispielsweise eine CD in Dolby PLI Music anhören, nicht noch irgendwo nach einem Umschalter zwischen Movie- und Music-Mode suchen, sondern kann komfortabel am Drehrad eine Position weiter drehen. Somit ist insgesamt ein ordentlicher Bedienkomfort gegeben, nur sollte man, als weitere Evolution beim Nachfolger, die Fernbedienung noch etwas komfortabler und hochwertiger gestalten.

Bewertung
 
Ton
Testequipment 1:
Testequipment 2:

 

Film und Musik

Bei den Soundtests konnte sich der KRF-X9070D erwartungsgemäß ebenso gut in Szene setzen wie der Vorgänger. Die Performance-Unterschiede zum KRF-X9060D sind minimal, wer also den Vorgänger besitzt bzw. ihn jetzt noch erwerben möchte, handelt sich akustisch keine wirklich nennenswerten Nachteile ein. Im direkten Vergleich beider Geräte ist ein minimal spontaneres Ansprechen des KRF-X9070D herauszuhören, gerade bei heftigen Effektgewittern hat man den Eindruck, als böte der 9070er ein noch etwas unmittelbareres Leistungserlebnis. Unsere Testläufe mit den sehr gut abgemischten DVDs von "Gladiator", "Star Wars Episode 1" und "Pealr Harbor" zeigen, dass der 9070er, wie auch schon der 9060er, große Kraftreserven besitzt, die auch unter mehrstündiger Dauerbelastung kaum hörbar nachlassen. Problemlos kann selbst ein 40 Quadratmeter-Raum in ein kraftvolles Heimkino verwandelt werden, hier hat der Kenwood allerdings mit dem extrem kraftvollen Pioneer VSX-D811 einen hartnäckigen Konkurrenten, und auch der antrittsstarke und hoch belastbare Pioneer SA-HE200 kann gerade in dieser Disziplin überzeugen. Was wir aber an dieser Stelle auf jeden Fall hinzufügen wollen: Auch, wenn die genannten AV-Receiver selbst beim Betrieb ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer sehr respektable Dynamik-, Dauereinsatz- und Spitzenbelastungswerte erzielen, so sollte man bei der Auswahl des Lautsprecherequipments nie die Preisklasse aus den Augen verlieren, in der die Geräte zuhause sind. Extrem leistungshungrige LS-Boxen mit einem kritischen Lastverhalten sind an derartigen Receivern der oberen Mittelklasse nicht ohne Einschränkungen zu betreiben. Hier sollte man also wohl abwägen, was für Boxen zum Einsatz kommen. Billige Sub-/Sat-Systeme von der Palette, um das andere Extrem anzusprechen, sind klanglich eine ebenso wenig überzeugende Lösung, da man in diesem Falle Lautsprecher einsetzt, die in viel tiefer angesiedelten Leistungsklassen zuhause sind und somit nur für den absoluten Einsteiger überhaupt in Frage kommen und eigentlich immer nur eine kurzfristige Notlösung darstellen. 

Für echtes Heimkino-Feeling ist außerdem, selbst bei der Verwendung größer ausgelegter Standlautsprecher für die Frontbeschallung, ein entsprechend leistungsstarker, pegelfester und sauber abgestimmter aktiver Subwoofer eine sehr empfehlenswerte Lösung. Auch wenn die gebotene Leistung ohne aktiven Basslautsprecher für diese Preisklasse absolut überzeugend ist und man kurzfristig auch ohne aktiven Sub glücklich sein kann, sollte man mittelfristig schon die Anschaffung eines zusätzlichen "Bassisten" in die Budgetplanung aufnehmen. Mit dem entsprechenden, stimmigen Boxenset erreicht der KRF-X9070D exzellente Dynamikleistungen bei allen angesprochenen Test-DVDs. Wir können beide zum Test verwendeten LS-Sätze sehr empfehlen, der Heimkinoliebhaber wird sich vielleicht noch etwas mehr mit unseren Teufel-Boxen anfreunden, während der Musikfreund die Monitor Audio Bronze bevorzugen würde. Hier raten wir vor dem Kauf zu einem umfangreichen Probe hören und zu einem Blick in unseren Lautsprecher-Guide. Wie auch der Pioneer und sein Vorgänger beweist sich der KRF-X9070D lals "Power-Engine" und liefert eine gewaltige, dabei klanglich stets klare und facettenreiche Surround-Klangkulisse, die auch den oder die Back Surround Lautsprecher sehr ansprechend, homogen und richtig akzentuiert integriert. Dies dürfte der Action- und Sci-Fi-Fraktion besonders gut gefallen, zusätzlich kommt noch die durch das Re-Equalizing (THX Select Postprocessing) die sehr harmonische und nie unangenehm überbetonte Hochtonwiedergabe hinzu, somit kann man auch locker 80 Prozent des maximal möglichen Pegels fahren, ohne dass aggressive, hochtönergefährdende Höhen das Vergnügen schmälern. Auch die sehr homogene, natürliche Wiedergabe der Stimmen kann überzeugen, hier bietet der Kenwood ohne Zweifel Top-Niveau und distanziert bezüglich der Qualität der Stimmdarstellung auch die oben genannten Konkurrenten, die in Bezug auf die gelungene Abstufung des Kenwood minimal den Kürzeren ziehen - eklatant sind die Unterschiede aber nicht.

Es gibt auch bei den Liebhabern klassischer Musik unterschiedliche Präferenzen. Da gibt es zum einen die Fraktion, denen die Einarbeitung des letzten musikalischen Details und eine leichte, facettenreiche Natürlichkeit am wichtigsten ist.  Genauso aber suchen die "Dynamiker" nach einem für sie passenden Gerät: Antrittsvermögen, eine gewisse Souveränität auch bei kraftvollen Orchestereinsätzen und ein entsprechend voluminöses Klangbild sind hier die Kriterien. Wer beide Welten auf einem sehr hohen Level miteinander verbinden möchte, das muss man an dieser Stelle hinzufügen, ist in dieser Preisregion falsch. Wer Detailperfektion, Feingefühl, Antrittsstärke und maximales akustisches Volumen, und alles ohne nennenswerte Abstriche, wünscht, muss in die "Bolidenklasse" ab 2500 EUR aufwärts einsteigen, wo er Kombinationen aus "Feingeistern" und "Heimkino-Kraftbolzen" finden wird. 

Für die "Dynamiker-Fraktion", die im besonderen auch Wert auf ein sehr lobenswertes Preis-/Leistungsverhältnis legt, ist der KRF-X9070D sehr empfehlenswert. Was er beispielsweise aus Ludwig van Beethovens "Symphonie Nr. 6, Pastoral", abgelegt auf einer Naxos "Musical Journey" DTS 5.1/DD 5.1-DVD, macht, ist aus diesem Sichtwinkel betrachtet hervorragend: Ein sehr kraftvolles, energiegeladenes Klangfeld legt sich wie ein dichter Teppich über den Hörraum, so dass man sich wirklich wie "mittendrin anstatt nur dabei" fühlt. Die Einarbeitung kleiner Einzelheiten erfolgt beim KRF-X9070D mit etwas besserer Akzentuierung als beim Vorgänger, trotzdem ist es nach wie vor so, dass diese Wertung nicht die Paradedisziplin auch des 9070ers ist. Er lässt lieber seine Muskeln spielen und schwingt sich zu Pegeln auf, die, in Verbindung mit geeigneten Boxen, höchst beachtlich sind und den Eindruck vermitteln, dass der Kenwood auch solche Aktionen mit einer erstaunlichen Gelassenheit angeht. Die Erwärmung des AV-Receivers ist zwar deutlich, negative Einflüsse auf Dynamik und Pegelfestigkeit ließen sich aber auch nach mehrstündigem Dauereinsatz kaum ausmachen. Um einen problemlosen Einsatz auch über mehrere Stunden möglich zu machen, raten wir aber, dem Gerät genug "Luft zum Atmen" zu geben und es nicht einfach irgendwie ins AV-Rack zu quetschen - wer dies macht, braucht sich über Hitzeprobleme nicht zu wundern. Dies ist auch keinesfalls eine Thematik, die nur den hier getesteten Kenwood betrifft, sondern eine Vielzahl von AV-Receivern. Wer aber das Gerät fachgerecht aufbaut, wird auch bei anderen Mehrkanal-Musik-DVDs mit hochwertigen Tonspuren seine Freude an der stimmigen Wiedergabe haben: Die gleichen Höreindrücke konnten wir beim Neujahrskonzert 2002, abgelegt auf einer TDK DD/DTS 5.1-DVD, machen, wo der KRF-X9070D die auf der DVD zu findenden Walzer mit viel Schwung und einer tadellosen Lebendigkeit wiederzugeben wusste.

Hervorragend agiert der Kenwood KRF-X9070D im Zusammenspiel mit Circle Surround II Und Dolby PL II. Besonders die Musik-Modi beider Surround-Aufpolierer überzeugen durch eine weiträumige Darstellung und eine solide Basswiedergabe. Gerade bei CS II sollte man aber a) der richtigen Einstellung die nötige Zeit widmen und b) die Einstellungen der gerade verwendeten Software anpassen. Welche Möglichkeiten es dazu gibt, ist bereits weiter oben im Test ausführlich beschrieben. Mit der richtigen Einstellung ermöglicht CS II eine nochmals minimal passendere Darstellung als Dolby PLII, wobei hier anzumerken wäre, dass auch die verwendete Software eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt - neben dem eingesetzten Lautsprecherequipment. Insgesamt klingt der KRF-X9070D im CS Music Mode nochmals eine Idee dichter, klarer und basskräftiger als unser letztes Jahr getesteter KRF-X9060D. Dass sich, wie damals herausgehört, die Basswiedergabe im PLII Music-Betrieb noch runder ist, konnten wir diesmal nicht mehr nachvollziehen, das im CS II-Mode Gebotene ist gerade für Liebhaber auch kräftiger Techno-, Trance- und Dance-Bässe wirklich imposant. Wer also solche Musik häufig und gern hört, sollte den KRF-X9070D auf jeden Fall in die engere Wahl ziehen, wenn der Neuerwerb eines AV-Receivers in dieser Preisklasse ansteht.

Akkurat eingestellt, schwingt sich CS II Music auch bei anderen Musikarten zu beachtlichen Leistungen auf. Wie rund und harmonisch, präzise und klar Johann Sebastian Bachs "Preludes&Fugues", gespielt von Simon Preston, ertönen, ist erstaunlich. Selbst die Einarbeitung der gerade bei einer gewaltigen Orgel schwierig komplett und akzentuiert darstellbaren kleinen Zwischentöne und Nuancen ist gelungen, auch wenn hier deutlich wird, dass für sehr anspruchsvolle und hörerfahrene Stereo-Liebhaber nach wie vor an einer Stereo-Wiedergabe nichts vorbeigeht, gerade die minimalen musikalischen Feinheiten kommen mit hochwertigem Stereo-Equipment besonders gut zur Geltung. Dies trifft aber nicht auf das Raumgefühl, bei der Orgel-Wiedergabe auch nicht von unerheblichem Interesse, zu. Hier bietet CS II Music mit einer ausgeglichenen, natürlichen Darstellung einen beachtlichen und überzeugenden Standard. Dolby PLII klingt im direkten Vergleich etwas weniger ausdrucksvoll und von der Charakeristik her leicht zurückhaltender, die Höhen wirken nicht ganz so frei und klar.  Wie sich die Unterschiede zwischen CS II Music und Dolby PLII Music insgesamt auswirken, wird aber auch in nicht unwesentlichem Maße von den verwendeten Lautsprechern und von der gehörten Software abhängig sein.

Im Stereoeinsatz sind die Leistungen des KRF-X9070D minimal besser als beim Vorgänger, was sich jedoch nicht in einer Veränderung der Bewertung niederschlägt. Im Wesentlichen besitzt der KRF-X9070D minimal mehr Feingefühl und ein etwas sensibleres Ansprechverhalten sowie eine etwas verbesserte Plastizität. Diese kleinen Unterschiede lassen sich aber nur in längeren Hörvergleichen ausfindig machen, somit sieht der KRF-X9060D in dieser Disziplin keinesfalls "alt" aus. Immer noch ist der Stereoklang vom runden Bassbereich und der gefälligen Gesamthomogenität geprägt, beides Faktoren, die auch stundenlanges Hören ohne Probleme ermöglichen. Der Hochtonbereich ist gut eingearbeitet, die Brillanz ist auch einem ordentlichen Level. Erfahrene Stereohörer wünschen sich hier noch nochmals mehr Lebendigkeit und eine noch passendere Ausbalancierung. Im gewünschten Maße werden sie dieses Grad an Perfektion aber an keinem AV-Receiver der Preisklasse des KRF-X9070D finden können, hier ist es ratsam, zusätzlich zum Surround-Equipment noch eine weitere, auf reinen Stereo-Betrieb ausgelegte Anlage zu betreiben.

Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Dolby PLII/CS II
Bewertung Klang Stereo

 

Fazit

Mit dem KRF-X9070D hat Kenwood auch nach dem "Facelift" ein exzellentes Topmodell im Programm, das, wie auch der Vorgänger, durch viele Qualitäten überzeugen kann. Zunächst einmal wäre die hervorragende Eignung sowohl für den Heimkino- als auch den Mehrkanal-Musikbetrieb zu nennen, gerade wenn man ein antrittsstarkes und kraftvoll agierendes Gerät sucht, das aber bezüglich der Detaileinarbeitung trotzdem ein gutes, wenn auch kein überragendes Niveau bietet. In beiden Disziplinen besticht der Kenwood durch seine außerordentlich gute Dynamik, die sich in einem spontanen Leistungsbereitschaft ebenso zeigt wie in der klar aufgebauten Effektkulisse, die auch durch ihre füllige Räumlichkeit,besonders im Extended Surround Betrieb, positiv auffällt. Wer also ein Liebhaber von Action- und Sci-Fi-Filmen ist, findet im KRF-X9070D das passende Gerät. Die verbauten Endstufen gefallen durch Kraft in jeder Lebenslage und zeigten auch nach mehrstündiger Dauerhatz praktisch keine Ermüdungserscheinungen, auch wenn sich der AV-Receiver spürbar erhitzt. Die Kombinationsmöglichkeiten mit verschiedenen LS-Sätzen sind vielfältig, und selbst ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer erbrachte der Kenwood im Bassbereich, aber auch bezüglich der maximal möglichen Dauerperformance eine respektable Leistung. Insgesamt ist der KRF-X9070D genauso wie sein Vorgänger ein AV-Receiver, bei dem es Kenwood wiederum geschafft hat, einen breiten potentiellen Käuferkreis anzusprechen. Nur der Musikliebhaber, dem Natürlichkeit und Feinfühligkeit über alles geht, dürfte sich vom KRF-X9070D nicht in dem Maße angesprochen fühlen, auch wenn hier die  - zugegebenermaßen nicht revolutionären, sondern evolutionären - Unterschiede zum KRF-X9060D liegen: Der KRF-X9070D agiert minimal gefühlvoller und arbeitet kleine musikalische Feinheiten minimal akzentuierter heraus, beim Antritt wirkt er zudem noch eine Idee spontaner. Leicht verbessert in den Punkten Klarhgeit und Plastizität präsentieren sich die ordentlichen Stereo-Wiedergabequalitäten. Diese kleinen Vorzüge des "Neulings" degradieren den KRF-X9060D aber keinesfalls als zum "alten Eisen" gehörig, denn nur im längeren Vergleich fallen die klanglichen Veränderungen auf. Somit ist der KRF-X9070D eine behutsame, aber auf jeden Fall gelungene Weiterentwicklung. Nur eine hochwertigere, komfortablere Fernbedienung sollte Kenwood bei der nächsten Generation beilegen, der IR-Controller des Vorgängers wirkte erwachsener, wenngleich auch diese Fernbedienungseinheit Spielraum für Verbesserungen bot. Als kleines "Trostpflaster" ist der "Neue" dafür 30 EUR günstiger zu haben.

Kenwood kann sich mit dem KRF-X9070D souverän an der Klassenspitze behaupten

Obere Mittelklasse
Preis-/Leistung:
Pro:
  • Überragende Heimkino- und Mehrkanal-Musik-Performance

  • Leistungsstarke Endstufen mit hoher Dauerbelastbarkei

  • Gegenüber dem Vorgänger leicht verbesserte Detaileinarbeitung

  • Dolby PLII und SRS CS II mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

  • Große Auswahl an elektronischen Zusatzfeatures

  • Prima Stereoklang

  • Hochwertige Verarbeitung

  • Sehr ansprechendes Preis-/Leistungsverhältnis

Contra:
  • Kein On Screen Display

  • Fernbedienung verbesserungswürdig

 

Technische Daten
  • AV-Receiver mit Dolby Digital EX und DTS ES Matrix/Discrete 6.1
  • THX Select-Zertifikat
  • Circle Surround II/Dolby ProLogic II Vollversion/DTS NEO:6
  • 6 x 100 W (RMS) mit Linear Trait Transistortechnik
  • In 7.1 Konfiguration THX Surround EX Betrieb möglich
  • 6. Endstufe wahlweise für Back Surround oder Subwoofer nutzbar
  • Multiroom-Betrieb möglich
  • 32-Bit Melody DSP 
  • 5 DSP-Modi
  • Active EQ/Speaker EQ/Subwoofer Remix
  • Eingänge analog Audio: Tape /MD, CD/DVD, Phono MM, Video1, Video2, Video3,6-Kanal-Eingang (auch für DVD-Audio), Front A/V
  • Eingänge Video: Video1, Video2, Video3, Front A/V, DVD (FBAS und S-Video), 2 x YUV-Komponenteneingang 
  • Eingänge digital: 2 x optisch, 2 x koaxial (24 Bit, 96 kHz) 
  • Ausgänge analog Audio: Tape/MD, Monitor, Video1 
  • Ausgänge digital: 1 optischer Digitalausgang
  • Ausgänge Video: Video1 (FBAS und S-Video), Monitor (FBAS und S-Video und YUV-Komponentenausgang 
  • Pre-Outs für alle Kanäle inklusive Surround Back für Anschluss einer Endstufe für 2 Back Surround-Lautsprecher (THX Surround EXD-Betrieb)
  • DVD Audio-tauglicher Sechskanaleingang
  • RDS-Tuner mit 40 UKW/MW-Festsenderspeichern
  • Neue, vorprogrammierte und lernfähige Fernbedienung mit LC-Display
  • Energiesparender Standby-Trafo  mit einem Stromverbrauch von < 1 W
  • Lieferbar in schwarzer oder silberner Ausführung
  • Abmessungen (B x H x T): 440 x 159 x 392 mm 
  • Gewicht: 9,8 kg
  • Metallfrontplatte
  • Kaufpreis 699 EUR

Test: Carsten Rampacher

21.02.2003 

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