Test: Kenwood Chef

01.04.2002 (cr)

Nicht selten steht der Heimkinofreund vor einem schwerwiegenden Problem. In seinem Heimkinozimmer sieht jeder, dass er seinem Hobby ausgiebig frönt, aber in der Küche? Niemand wird dort erkennen, dass hier ein Home Cinema Freak ersten Ranges kocht und backt. Mit dieser Anonymität ist dank Kenwood nun Schluss. Mit der in exklusivem Alpinweiß lieferbaren Profi-Küchenmaschine "Kenwood Chef" kann der Heimcineast nun auch beim Zubereiten verschiedenster Speisen Flagge bekennen. Exklusiv bei AREA DVD trat nun ein Vorserienmodell zum ausführlichen Praxistest an. In den Handel kommen soll die exzellente verarbeitete, etwa 675 EUR kostende  Küchenmaschine voraussichtlich Ende Mai, bis dahin strebt Kenwood noch die NCX (Nouvelle Cuisine Experience) Ultra III-Zertifizierung an, die nur besonders widerstandsfähige und flexible Küchengeräte bekommen. 

Über NCX Ultra III

  • Die erste Nouvelle Cuisine Norm, die vollständig für digitale Küchenmaschinen entwickelt wurde
  • Neu ist die vollständige Erkennung des Back(!) Surround Kanals mit mehrstufig schaltbarem Rührteigexpander (Übernahmefrequenz wahlweise bei 3, bei 5, bei 6 oder bei 8 Eiern)
  • Neu: Neben dem Fast Back-Mode ist nun neu der " Slow Motion Longdrink Mixer", der zwischen dem Mix- und dem Rührsurroundkanal einen virtuellen Gin Tonic kreiert
  • Mittels einer Auto Flag Detection für die verwendete Backmischung wird sofort in den richtigen Zubereitungsmodus geschaltet. Dies funktioniert sowohl bei Dr-Oetker-codiertem als auch bei Mondamin-codiertem Backmaterial
  • Nur NCX Ultra III Küchenmaschinen haben einen MSM (MilchShakeMaker)-Direktanschluss auf der Geräterückseite. Mittels eines DMM (Die Milch machts)-Digitalkabel nimmt der in elegantem Chrom gehaltene MSM  (oben rechts im Bild) Kontakt zur Küchenmaschine auf.  Der MSM, im Lieferumfang des "Chefs" enthalten, arbeitet mit einer neuen 5-3-Pull Down Bewegungserkennung bei Apfelsinensaft, der nicht nur für mexikanische, sondern auch für spanische und italienische Apfelsinen funktioniert (allerdings ist, da die progressive spanische und  italienische Apfelsinensaftverarbeitung nicht offizieller Standard ist, ein Firmwareupdate via CD-ROM erforderlich)
  • Unsynchronisiertes Dreigang-Getriebe mit nachgeschaltetem Ringkerntransformator und Drehzahlwandler, damit kommt die Maschine auch mit extrem niederohmigen Sahnetorten zurecht

Nach unseren ersten Eindrücken dürfte die Neuentwicklung aus dem Hause Kenwood die NCX Ultra III-Hürden locker nehmen. Die Bedienung ist vorbildlich einfach, mittels des patentierten "Back Pressure Level Meters" (siehe links) ist es auch für den Küchenmaschinen-Neueinsteiger eine Leichtigkeit, steifen Schlagrahm oder einen perfekten Pizzateig zu zaubern. Doch das nicht noch nicht alles: Besonders die fließenden Gangwechsel des von zwei Analog Devices "Cream" 48-Bit DSPs angesteuerten Getriebes konnten vollauf überzeugen. Auch mit den niederohmigen Sahnetorten kam die Maschine bestens zurecht. Der zu Testzwecken mit der Maschine zubereitete Kabelsalat schmeckte vorzüglich, auch wenn ein versehentlich in das Rohmaterial geratener Scart-Stecker den bärenstarken Michimura-Elektromotor kurzzeitig lahm legte. Doch auch für solche unvorhersehbaren Zwischenfälle hat man bei Kenwood vorgesorgt: Mittels einer speziellen, rot eingefärbten Schmierflüssigkeit (oben links im Bild), die in einer separaten Flasche mitgeliefert wird, ist der festgefressene Motor in Sekundenbruchteilen wieder flott gemacht. Dieses in Kalifornien entwickelte Wundermittel schmeckt übrigens nicht nur der Küchenmaschine, sondern ist auch für den kulinarischen Genuss aus dem Glas durch den Benutzer bestens geeignet. Auf Sonderwunsch ist die Lieferung auch kistenweise möglich. 

Doch zurück zum Test. Auffällig war, wie vollmundig der virtuelle Gin Tonic schmeckte, hier wird schon fast die Qualität eines echten Barmixers erreicht. Hut ab, damit eignet sich die Kenwood-Maschine nicht nur für den Back- sondern auch für den Longdrink-Fan, der bislang immer im "Pure Direct"-Mode mixte. Hervorragend funktionierte die Auto Flag Detection - zumindest bei Dr. Oetker-codiertem Material. Hier wurde innerhalb kürzester Zeit der richtige Modus für den Back Surround Channel eingesetzt. Noch zu verbessern: Die Flag-Erkennung bei Mondamin-Rohmaterial. Hier ist allerdings auch zu beachten, dass ältere Backmischungen noch nicht vollständig für den Auto Detect Mode encodiert worden sind, daher erkennen die Mondamin-Decoder vieler handelsüblicher Küchenmaschinen den Back Surround Channel nicht richtig. Immer wieder eine Freude: Der mitgelieferte MSM. Die Bewegungserkennung des OD (Onkel Dittmayer)-203-Progressive Chips ist auch bei spanischen und italienischen Apfelsinen vorzüglich schnell. Kerne werden geschickt umgangen, das Saftpotential optimal genutzt. Das Firmwareupdate lohnt sich also auf jeden Fall. Insgesamt ist der Eindruck, den wir von diesem neuen Produkt gewinnen konnten, ohne Zweifel erstklassig. Ganz gleich, welche Speisen zubereitet werden sollen, der Kenwood "Chef" scheint das Zielprodukte schon zu kennen, bevor Sie die Rezeptidee aus der 19. Ausgabe von "Bild der Frau", Erscheinungsjahr 1998, wieder aus dem großen Stapel Altpapier gegraben haben. Mit seinen multifunktionalen Einsatzmöglichkeiten kommt der "Chef" der immer beliebter werdenden Idee des globalisierten Küchengeräts wieder einen guten Schritt näher. Wir zweifeln also keine Sekunde daran, dass diese ausgezeichnete Maschine auch das NCX Ultra III-Zertifikat erhalten wird - flexiblere Mixqualitäten sind eigentlich kaum noch denkbar.   

Mit dieser Küchenmaschine kann der nächste Heimkinoabend kommen 

Highend-Klasse

 

Pro:
  • Referenzwerte bezüglich des Rührkuchen-Leistungsprofils

  • Überragende virtuelle Barmix-Funktion

  • Auszeichnete Verarbeitung

  • Übersichtliche Bedienung

  • Bärenstarker Michimuri-Elektromotor

  • MSM im Lieferumfang

Contra:
  • Probleme bei der Auto Flag-Setzung bei Mondamin-codiertem Backmaterial

Test: Carsten Rampacher

01. April 2002