Test: Infinity Reference-Serie

Der Startschuss zum eigenen Heimkino kann manche einem Mehrkanal-Fan ganz schön vermiest werden: Da hat man sich mühsam das nötige "Kleingeld" angespart, um sich dann anzuhören, dass es für den zur Verfügung stehenden Betrag doch eigentlich gar nichts Brauchbares gibt: Das, was man eigentlich als Komplettpreis für DVD-Player, AV-Receiver und Lautsprecher vorgesehen hat, soll nun für ein Lautsprecher-Set ausgegeben werden - Frust macht sich breit. Soweit zu einem nicht selten vorkommenden "Startproblem", für das es aber in der Praxis erfreulich gute Lösungen gibt: Die Infinity Reference-Serie beispielsweise. Zwar hält diese Produktreihe ein großes Angebot verschiedener Lautsprechertypen für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke bereit, als "klassisch" gilt aber in erster Linie eine Kombination: Als Frontlautsprecher den Infinity Reference 61 MkII, als Center den Reference 100 MkII und für die Surround-Beschallung die Regalbox Reference 1 MkII. Wermutstropfen leider: Im Handel ist das System nur noch selten zu finden (unter anderem ist es bei Hifi-Regler  zum Preis von 580 € erhältlich, auf Wunsch sind die Komponenten auch einzeln zu bekommen). Wir selber nutzen dieses Set zum Testen von Hard- und Software, und die gesamten zwei Jahre, die diese Kombination bei uns läuft, bereitete das Infitiny-System viel Freude und zeigt, dass ein ordentliches Surround-Lautsprecherset nicht gleich den finanziellen Rahmen sprengen muss. Erfreulich bei allen Lautsprechern: Die sehr saubere, akkurate Verarbeitung. Die Komponenten im einzelnen:

Infinity Reference 61 MkII

Auch wenn Design bei der Entwicklung der Reference 61 MkII sichtbar klein geschrieben wurde - die inneren Werte können sich sehen lassen: Mit einer Nennbelastbarkeit von 150 Watt und einer Maximalbelastbarkeit von 200 Watt empfiehlt sich die Standbox für den Einsatz an vielen AV-Receiver- und -Verstärkertypen. Von 40 bis 200 W reicht die empfohlene Verstärkerleistung, damit erschließt sich die Reference 61 MKII einem breiten Interessentenkreis. Der Frequenzgang reicht von 30 bis 22000 Herz, die Impedanz beträgt 8 Ohm. Die Bestückung des Dreiweg-Systems besteht aus 2 200 mm-Tieftönern, einem 100 mm Mitteltöner und einem 10 mm Hochtöner. 

Infinity Reference 100 MkII

Der Centerspeaker kann ebenfalls mit tadellosen Belastungswerten aufwarten. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 100, die maximale Belastbarkeit bei 150 Watt. Von 20 bis 150 Watt reicht hier die empfohlene Verstärkerleistung. Der Frequenzgang des Lautsprechers geht von 70 bis 20000 Herz, die Impedanz beträgt 8 Ohm. Ausgestattet ist der Mittenlautsprecher mit zwei 135 mm Tieftönern und einem 10 mm Hochtöner. 

Infinity Reference 1 MKII

Die Belastbarkeit der kompakten Regalbox: Maximal 80 Watt, Nennwert 50 Watt, die empfohlene Verstärkerleistung reicht von 20 bis 80 Watt. Dies hört sich nach nicht allzu überragenden Werten an, wird die Lautsprecherbox aber für den Surroundbetrieb eingesetzt, sind die Leistungswerte ausreichend, wie umfangreiche Praxistests zeigten. Das darstellbare Frequenzspektrum des 8-Ohm-Lautsprechers: 60 bis 20000 Herz. Ausgerüstet ist die Box mit einem 135 mm Tieftöner und einem 10 mm Hochtöner. 

Ausführliche Klangeindrücke: 

Besonders hervorzuheben gleich zu Beginn sind mehrere Faktoren: Da wäre zum einen die wirklich beachtlich hohe Belastbarkeit der beiden Reference 61 MkII-Hauptlautsprecher zu nennen, die im Rahmen unserer Hardware-Tests schon an vielen AV-Verstärkern und -Receivern arbeiteten und sich durch eine tadellose Performance auch bei forcierten Lautstärkepegeln auszeichneten. Zum anderen wäre die große Problemlosigkeit zu nennen, mit der das Infinity-System mit den verschiedensten Receiver- und Verstärkermodellen zusammen arbeitete. Dafür verantwortlich ist die angenehm neutrale, homogene Klangdarstellung der Lautsprecherkombination. Ebenfalls herauszuheben ist, dass sich diese Infinity-Lösung sowohl an den Heimkino- als auch an den Musikhörer wendet.

Im Rahmen unseres Testbetriebs machte dieses Set an vielen Komponenten Station, durchaus auch an welchen, die den preislichen Rahmen des Lautsprechersets deutlich sprengen, so zum Beispiel am Yamaha DSP-AX1, der mit stattlichen Leistungswerten glänzen kann. In der Praxis ergab sich aber im Heimkino-Betrieb eine äußerst gelungener Klangeindruck, den man vielleicht aufgrund der Datenblätter gar nicht erwartet hätte: Mit einem zweiten Reference 100 MKII-Center für den Back Surround-Betrieb  und zwei zusätzlichen Reference 1 MkII für die Yamaha-typischen Front-Effektkanäle stellte das Infinity-System eine ebenso preisgünstige wie überzeugende Leistung dar: So konnten die Lautsprecher das voluminöse Klangverhalten des DSP-AX1 sehr gut zur Geltung bringen und sorgten für eine füllige, detailreiche und differenzierte Surround-Klangkulisse. Immer wieder erstaunlich war für uns die präzise Stimmwiedergabe und das ordentliche Volumen bei der Darstellung von Effekten des recht kleinen Centerlautsprechers. Dieser begeisterte immer wieder mit sehr hoher Belastbarkeit und einem stimmigen, auch im Hochtonbereich detailreichen Klangbild. Ordentlich sind die Bassfähigkeiten der Frontlautsprecher, besonders hervorzuheben ist die für diesen Preis hervorragende Präzision ohne hörbares Verwischen des Basses. Das Volumen ist gut, wenngleich man hier, wie sich beispielsweise bei "Goldeneye" oder "Godzilla" zeigte, ein zusätzlicher aktiver Subwoofer empfehlenswert ist. Exzellent klappte die Zusammenarbeit, wie sich in der letzten Zeit herausstellte, mit den Yamaha-Modellen YST-SW320 und YST-SW800, wobei sich der große Yamaha-Woofer vor allem für diejenigen empfiehlt, die einen potenten Receiver/Verstärker nutzen und größere Hörräume beschallen wollen - den Infinity-Lautsprechern soll es recht sein: Mit den problemlos fahrbaren Pegeln empfiehlt sich das System auch für größere Hörräume um 40 bis 50 Quadratmeter - wird die letztgenannte Zahl allerdings überstiegen, sollte man sich nach belastbareren Lautsprechern umsehen, wenn man auch mal heftigere Lautstärken verzerrungsfrei und mit differenzierter Abbildung verwirklichen möchte.  Auch mit dem Yamaha-Receiver RX-V3000RDS harmonierten die Infinity-Komponenten sehr gut, da der Top-Receiver eine ähnliche klangliche Auslegung wie der Top-Verstärker DSP-AX1 hat. Dass die Infinity Reference 61 MkII auch im Stereobetrieb mit beachtlichen Fähigkeiten aufwarten kann, zeigte sich im Zusammenspiel mit einem "Spezialisten" auf diesem Gebiet: Der sehr musikalische Harman/Kardon AVR5000 lief in Kombination mit den Standlautsprechern zu bestechender Form auf und zeigte im Stereobetrieb eine plastische, im Hochtonbereich feinfühlige und transparente Wiedergabe. Aber auch im Mehrkanal-Musikbetrieb entpuppten sich der AVR-5000 und das komplette Reference-Set als hervorragende Spielpartner: Der frische, lebendige und nuancenreiche Klang des H/K-Receivers wurde tadellos zum Ausdruck gebracht. Wen wundert es, werden jetzt Kenner der Szene sagen, schließlich gehören Harman/Kardon und Infinity zu einem Konzern. Doch auch mit verschiedenen Denon-Modellen harmonieren die Infinity-Komponenten sehr gut: So beispielsweise mit dem AVR-1602 oder dem AVR-1802, hier könnten die Lautsprecher das gefällige Klangbild, das auch im Hochtonbereich mit feiner Auflösung gefällt, sehr fein abbilden und zugleich für eine hohe klangliche Homogenität sorgen. 

Fazit

Zugreifen: So lautet die klare Message an alle, die kostengünstig ein vollwertiges Lautsprechersystem suchen, das sich gleichermaßen an die Musikliebhaber und den Heimkinofreund richtet. Die großen Standlautsprecher klingen zum einen auch im Stereobetrieb erfreulich stimmig, zum anderen leisten sie im Bassbereich genug, so dass der Heimkino-Einsteiger, der sich mühsam sein Geld zusammensparen musste, zumindest für die erste Zeit auf einen aktiven Subwoofer verzichten und diesen dann später hinzukaufen kann. Zwar ist der Klangeindruck im Heimkinobetrieb dann merklich zurückhaltender, am differenzierten und plastischen Klangbild der Infinity-Lautsprecher hat man aber auch dann schon Freude. Sehr ordentlich agiert auch der vergleichsweise kleine Center und offenbart eine Natürlichkeit und ein Volumen bei der Stimm- und Effektwiedergabe, die man dem kompakten Lautsprecher gar nicht zugetraut hätte.  Hervorragend sind die Belastbarkeitswerte von Center und Hauptboxen, noch ausreichend die der Surroundlautsprecher. In der Praxis zeigte sich aber, dass auch die beiden Surroundboxen nur selten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getrieben werden konnten. Wer aber Mehrkanal-Musik in hoher Qualität hören möchte, sollte in Erwägung ziehen, sich zusätzlich für den Musikbetrieb zwei weitere Reference 61 MkII für den Surroundbereich anzuschaffen. Schnell sollte man auf jeden Fall sein, ganz gleich, welche Kombination bevorzugt wird: Denn diese Lautsprecher sind im Handel nur noch schwer erhältlich, und mehr Lautsprecher für weniger Geld gibt es kaum.

Mehr Klangqualität für weniger Geld ist kaum noch möglich

Obere Mittelklasse
Pro:
  • Hohe Belastbarkeit von Hauptlautsprechern und Center

  • Sehr gute Eignung für Musik und Heimkino

  • Gute Verarbeitung

  • Fast unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis

Contra:
  • Surroundlautsprecher könnten noch höher belastbar sein

04. Januar 2002 
Test: Carsten Rampacher

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