Test: AV-Receiver Harman/Kardon AVR-5550
09.09.2003 (cr)

Equipment
Für unter 1.500,-- EUR bekommt man bereits kraftvolle und doch
kultivierte AV-Receiver, die zusätzlich mit einer kompletten, praxisgerechten
Ausstattung auf Kundenfang gehen. Zu den besonders verlockenden Alternativen
gehört zweifelsohne der Harman Kardon AVR-5550, der für 1.399,-- EUR in den
Preislisten steht. Wie inzwischen fast schon üblich, bringt der AVR-5550 sieben
Endstufen für eine komplette 7.1-Anlage mit.
Selbstverständlich wird Digital EX, DTS
ES Matrix/Discrete 6.1, Dolby Pro Logic II und DTS Neo:6 decodiert - was
fehlt, ist ein nur DTS 96/24-Decoder, den verschiedene Konkurrenten inzwischen
anbieten. Mitgeliefert wird dafür als
dritter und - wie wir finden, sehr überzeugender - Surround-Aufpolierer das von
der Harman International-Tochter Lexicon entwickelte Logic 7. An FTC-Ausgangsleistung stehen (20 Hz bis 20 kHz, bei 0,07 % Klirrfaktor, beide
Kanäle ab 8 Ohm) 70 Watt pro Kanal im 5.1/6.1/7.1-Betrieb zur Verfügung, 85
Watt sind es im Stereobetrieb.
Herzstück des AV-Receivers ist der neues Crystal DSP Prozessor mit besonders hoher
On-Chip-Speicherkapazität (Dolby Digital- und DTS pull-up-tables werden nicht
extern, sondern direkt auf dem Chip "on bord" gespeichert), was die
Ladezeiten der Menüs verkürzen und die Rechengenauigkeit erhöhen soll. Einem
gepflegten Klangbild zuträglich sind die audiophilen 192 kHz/ 24 Bit
D/A-Konverter, die verbauten AKM DACs sind diskret aufgebaut,
haben ein extrem niedriges Grundrauschen und einen höheren Signal-Rausspannungsabstand. Die
Verarbeitung des Geräts macht außen und innen einen hochwertigen Eindruck.
Noch besser machen würde sich der AVR-5550 aber, wenn zumindest Teile der
Gerätefront anstatt aus (allerdings optisch und haptisch überzeugendem)
Kunststoff aus Metall bestehen würde.
Harman Kardon garantiert eine hohe
Leistungsfähigkeit
Bei Harman Kardon traf man umfangreiche technische und konstruktive Vorkehrungen, um eine hohe
Leistungsfähigkeit unter nahezu allen möglichen Betriebsbedingungen zu garantieren.
Besonders zu nennen ist die duale Stromversorgung für Front- und
Surroundkanäle, der AVR-5550 verfügt über je ein Netzteil für die vorderen (Front L, C, R) und die Surroundkanäle. Damit
hebt sich das Gerät von einem beträchtlichen Teil seiner Konkurrenten ab, die oftmals nur ein Netzteil integriert
haben. Dieses eine Netzteil kann für den Stereobetrieb durchaus ausreichen,
wer jedoch das Gerät mit nur einem Netzteil im Multi-Channel Dolby Digital oder DTS Betrieb
gern über längere Zeit mit hohen Pegeln betreibt, kann Leistungsschwächen,
darauf folgende Dynamikverluste und erhöht auftretende Verzerrungen feststellen.
Dieser Schwäche möchte man bei HK entgegen wirken: Die Stromversorgung besteht aus jeweils eigenen Trafo-Anschlüssen und Hochleistungskondensatoren. Damit
soll gewährleistet sein, das alle Kanäle eine mehr als ausreichende Stromversorgung
auch unter extremen Bedingungen besitzen. In allen Testreihen, die wir
durchführten, konnte der AVR-5550 auch tatsächlich mit erstklassigen
Belastungswerten glänzen.
Noch weitere konstruktive Vorkehrungen traf Harman Kardon, um
die Leistungsfähigkeit zu optimieren. Dazu gehört auch die High Current Capability
(HCC, auf deutsch Hochstromfähigkeit): Watt pro Kanal sind laut HK nur eine unvollständige Leistungsangabe für
Verstärkerendstufen, denn in Bezug auf die Dynamik und Wucht der Wiedergabe zähle
in erster Linie die Stromstärke. Ein souveräner Umgang auch mit kritischen
Leistungsspitzen ist hier gefordert. Daher legt man bei HK auf eine hohe maximale
Stromstärken-Fähigkeit der hauseigenen AV-Receiver Wert. Harman Kardons HCC ist ein umfassendes Konzept, das bei der Trafo-Qualität anfängt, die Größe der audiophilen Ladekapazitäten, den diskreten Aufbau der Ausgangsverstärker und den minimalen Einsatz negativer Rückkopplung beinhaltet.
Die Vorteile in der Praxis sollen sich in Form von einem straffen Bass, einem
besseren Einschwingverhalten und einer tadellose Präsenz bei jeder Lautstärke
zeigen.
Die 7 Kanal-Endstufen des AVR-5550 sind aufwändig ausgeführt.
Die ultrabreitbandigen Verstärkerkanäle sind, so Harman Kardon, in der Lage, jede
6.1/7.1 Quelle, gleich welcher Film- oder Musikformate in hoher akustischer
Güte wiederzugeben. Der hochwertige Verstärkeraufbau soll eine weitaus bessere Phasenlinearität, größere Dynamikreserven vor allem im Hochtonbereich und einen akkuraten Frequenzverlauf im
Hörspektrum garantieren. Wer übrigens im "Haupt-Hörraum" eine 5.1 Konfiguration
bevorzugt, kann die übriggebliebenen beiden Back Surround-Endstufen so konfigurieren, dass
sie als Zone II –Amps in einer zweiten Hörzone einsetzbar sind. Um eine
hervorragende Thermik zu garantieren, integrierte HK ein durchdachtes Temperatur-Management: Weil bei beiden neuen Receivern die Anzahl der Kanäle erhöht wurde, ist das
geräteinterne Temperatur-Management immens wichtig. Harman Kardon
geht die die Realisierung eines optimierten Kühlsystems aus zwei Richtungen an, um die maximale Verstärkereffizienz mit absolut sicherer Dauernutzung zu
verbinden. Man wählte eine Mischung aus passiver und aktiver Kühlung, zunächst gibt
es massive Kühlkörper in Verbindung mit sorgfältigem Platinenlayout. Zusätzlich hat
HK einen extrem leisen Lüfter entwickelt, dessen Einsatzpunkt und
Geschwindigkeit von einem integrierten Temperaturmonitorsystem gesteuert wird. Dieses System schützt die Receiver vor Überhitzung bei gleichzeitiger Minimierung des Lüftergeräusches.
In unserem Test überzeugte die Auslegung des Lüfters voll und ganz. Aufwändiges
Bassmanagement
Doch nicht nur in Bezug auf das Layout der Endstufen und der
Stromversorgung, auch in Bezug auf das oftmals leidige Thema Bassmanagement und
die klangoptimierte Integration aller Lautsprechergruppen bieten der AVR-4550
und der AVR-5550 neue Lösungsvorschläge. So verfügt der neue Crystal DSP Prozessor
über ein Bassmanagement für bis zu 8 Kanäle und einer 48 bit tiefen Präzision. Diese
besonders saubere Signalverarbeitung ist entscheidend für die originalgetreue Verteilung der Bassanteile auf die einzelnen Lautsprecher der jeweilig eingesetzten Systeme, um so die bestmögliche Wiedergabe zu garantieren. Darüber hinaus erlaubt das Bassmanagement die „Rückführung“ des LFE – Kanals in die L&R-Frontkanäle wenn ein mehr an Basswucht erwünscht
ist (natürlich nur sinnvoll in Verbindung mit großen Frontlautsprechern).
Doch HK hat noch mehr Pfeile im Köcher, denn für diese AV-Receivergeneration
entwickelten die HK-Techniker des "Triple Crossover System". Dieses “3-Wege Frequenzweichen-System”
erlaubt es dem Hörer, zwischen drei unterschiedlichen Übernahmefrequenzen für die
Front-LS, den Center und die Surroundspeaker zu wählen, um das maßgeschneiderte Optimum aus allen Lautsprechern seines Heimkinos zu holen.
Hier leistete Harman Kardon wirklich Pionierarbeit, denn meist ist es nur üblich, begrenzte Filteroptionen (nur eine
Übernahmefrequenz für alles) zur Verfügung zu stellen. Zur
Funktionsweise: Bei Systemen, bei denen Standlautsprecher als Fronts, oder Lautsprecher unterschiedlicher Marken oder Modelle eingesetzt werden, erlaubt
das Triple Crossover System dem Anwender, das Bassmanagement auf die individuelle Lautsprecherbestückung
abzustimmen. Ein entsprechender Menüpunkt zur Justage findet sich unter
"BASS MGR: INDIVIDUAL" im On Screen Display. Hier kann man individuell
konfigurieren, mit welcher Übernahmefrequenz die einzelne Lautsprechergruppe
arbeiten soll. Möchte man alle Boxen mit identischer Übernahmefrequenz
betreiben, kann man im OSD die "BASS MGR: GLOBAL"-Einstellung
(Werkseinstellung) beibehalten. Zum umfangreichen Bassmanagement des AVR-5550
gehören auch die fein dosierbaren LFE- Übergangsfrequenzen. Der AV-Receiver
erlaubt eine in Vergleich zu den Vorgängern breitere Palette an Übergangsfrequenzen zwischen den Kanälen. Zusätzlich zu den
schon bislang verfügbaren 80 Hz, 100 Hz und 120 Hz können bei den neuen Receiver auch 40 Hz, 60 Hz bzw. 200 Hz
ausgewählt werden.
Harman Kardon rät, aus den Daten der Lautsprecher die relevanten „unteren Grenzfrequenzen“ übernehmen. Falls eine exakte Anpassung nicht möglich ist, wählen
ist die nächst höhere Möglichkeit oberhalb der tiefsten Lautsprecherfrequenz
zu verwenden, um ein Bassloch bei der Wiedergabe zu vermeiden.
Auch DVD Audio-Player, die über kein internes Bassmanagement
verfügen, finden im AVR-5550 den richtigen Partner, denn das Gerät verfügt
über ein digitales Bassmanagement für den 6/8-Kanal Direkteingang. Mit den
OSD-Menupunkten "6 CH DVD AUDIO und 8 CH DVD AUDIO" bietet der AVR 5550 ein komplettes digitales Bassmanagement für DVD-A- oder SACD-Player ohne
integriertes Bassmanagement an, wenn sie mit allen 6 oder 8 Audioausgängen an den AVR 5550 angeschlossen sind.
Bei dieser Verbindung werden die analogen in digitale Signale gewandelt und das
"Triple Crossover" Bassmanagement kann wie mit jeder beliebigen Digitalquelle genutzt
werden - dies optimiert auch hier die Anpassungsmöglichkeiten an das
verwendete Lautsprechersystem. Bei 5.1 Anschluss werden die nicht belegten Eingänge
auf Stumm geschaltet, um unerwünschte Störgeräusche zu vermeiden. Wenn der verwendete
DVD-A- oder SACD-Player ein eigenes Bassmanagement hat, kann das im Receiver integrierte einfach über die Eingangswahl
"6 CH DIRECT INPUT oder 8 CH DIRECT INPUT"
abgeschaltet werden.
Anschlussbestückung
Nicht nur den Themen Lautsprecheranpassung und
Bassmanagement-Verfeinerung widmete man sich bei Harman Kardon - auch die
Anschlussbestückung und Signalflexibilität sollen nicht zu kurz kommen. So
verfügt der AVR 5550 über fünf Video-Eingänge (Composite und S-Video). In
diesem Zusammenhang interessant ist die S-Video Signalwandlung: Alle S-Video Ein- und Ausgänge produzieren automatisch ein normales Videosignal an den
Composite-Buchsen, was die Anschlussoptionen innerhalb eines Heimkinos
erleichtert und die Verbindung auch zu älteren Fernsehern und
Aufnahmegeräten ermöglicht. Wer einen größeren Gerätepark aus digitalen
Zuspielern und Aufnahmesystemen (z.B. MiniDisc-Spieler, DAT-Deck, DVD-Player,
CD-Player) unterhält, wird sich über die reichhaltige Bestückung mit
digitalen Anschlussmöglichkeiten freuen: Es gibt sechs Digitaleingänge sowie drei
Digitalausgänge.
Zwei Video-/Aufnahme-Ausgänge, ein komplettes Set an Vorverstärkerausgängen für alle Kanäle sowie ein farbkodierter 8-Kanal-Direkteingang
komplettieren das Angebot. Projektorenbesitzer werden besonders die breitbandigen HDTV-kompatiblen
YUV-Anschlüsse zu schätzen wissen. Zusätzlich zu den Video- und S-Video- Anschlüssen sind
im AVR-5550 YUV-Buchsen zum Anschluss von HDTV-Komponenten und/oder
DVD-Playern, die Progressive Scan unterstützen, integriert.
Wer seine Peripheriegeräte an die YUV-Anschlüsse anschließt, vergrößert
die Video-Bandbreite (von 10 Hz – 8 MHz) auf 10 Hz – 35 MHz. Der AVR 5550
bringt zwei Eingänge
(DVD und Video 2) und einen Monitorausgang mit. Zum einfachen, kurzzeitigem Anschluss externer AV-Komponenten (Walkman, Camcorder oder Spielkonsole/PS2)
sind auf der Front des AV-Receivers Audio- und Video-Buchsen (inkl. S-Video) sowie ein
koaxialer und ein optischer Digitaleingang integriert.
Doch das ist noch nicht alles: Die AV-Buchsen auf der Front sind beim
AVR-5550 zusätzlich schaltbar. Die Fronteingänge (analog und digital)
können via Fernbedienung in Ausgänge umkonfiguriert werden. Der entsprechende Modus wird mit LED’s angezeigt. Grün für Ein- und rot für Ausgang.
Eine RS 232 Schnittstelle für Haussteuerungssysteme gehört ebenfalls zur
Anschlussbestückung des AVR-5550.
Weitere Ausstattungsmerkmale:
Der AVR 5550 wird mit einer gut verarbeiteten, vorprogrammierten
und lernfähigen Fernbedienung ausgeliefert, die nicht nur die Funktionen der Harman
Kardon Receiver und der meisten HK-Geräte kontrollieren kann. Auch viele Geräte anderer bekannter Marken, inklusive CD-Player, TV-Geräte, Kabeltuner usw.
sind mit dieser Kontrolleinheit zu steuern. Neben der vorprogrammierten Code-Bibliothek
ist der IR-Controller des AVR 5550 in der Lage, zusätzliche Codes zu „lernen“ die nicht im Speicher enthalten sind. Da bei der Vorprogrammierung nicht immer alle Funktionsbefehle der Fremdmarke zur Verfügung standen, d.h. nicht alle Funktionen übernommen werden konnten, eignet sich die Lernfähigkeit auch zur Ergänzung solcher Befehlslücken.
In die Fernbedienung ist auch die EZSet-Funktion integriert, deren Vorzüge bereits
von anderen HK-AV-Receivern bekannt ist. Mit EZSet ist es leichter, die Wiedergabepegel und deren Verteilung auf die Lautsprecher ohne lange Hörsitzungen und ohne einen
zusätzlichen Schalldruckmesser zu konfigurieren. Um
das Surroundsystem zu kalibrieren, wird vom Hörplatz aus EzSet
aktiviert, automatisch wird mit einem Testonprogramm der Pegel aller Lautsprecher
angepasst. Bei unseren umfangreichen Testreihen
funktionierte EZSet hervorragend und war eine echte Arbeitserleichterung
beim Einpegeln. Zusätzlich verfügt der AVR-5550 noch über eine
zweite, kleine Fernbedienung zur Steuerung der Grundfunktionen bzw. der zweiten
Hörzone.
Zu den weiteren interessanten
Ausstattungsmerkmalen gehört neben dem integrierten HDCD- und MP3-Decoder auch
die programmierbare Einschaltlautstärke. Bei vielen A/V-Receivern wird die Lautstärke gespeichert, wenn Sie das Gerät ausschalten. Das kann manchmal sehr laut sein. Beim
AVR-4550 und dem AVR-5550 kann man die Einschaltlautstärke vorprogrammieren, so dass der Receiver immer den gleichen Pegel abgibt, wenn er eingeschaltet wird, gleichgültig wie laut
vorher gehört wurde. Die Einstellung wird im Menu ADVANCED SELECT vorgenommen. Auch
gehört der AVR-5550 zu den wenigen verfügbaren Receivern, die für den A-Bus-Betrieb vorbereitet sind. Bei Verwendung eines optionalen Moduls oder Keyboards genießt man alle Vorteile des Multi-Zonen Betriebs, ohne einen zusätzlichen Verstärker zu benötigen.
Um den AVR mit einem zugelassenen A-Bus Produkt zu benutzen, verbindet man sie einfach mit einem Standard
Cat. 5 Kabel (Computer-Netzwerk). Das Kabelende (am AVR) wird nach den Instruktionen des A-Bus Moduls mit einem RJ 45 Stecker versehen.
Eine weitere Installation oder Justage ist nicht notwendig, da der A-Bus
Stecker im AVR die Ein- und Ausgangssignale des Keyboards an die richtigen Quellen für Verstärkung, Tonsignal und
Lautstärke sendet. Der Signalausgang an die A-Bus Buchse wird vom Multiroom System des AVRs bestimmt und dessen Menus können unverändert weiter benutzt werden. Insgesamt
überzeugt der AVR-5550 in der ersten Disziplin vollauf, denn die verwendeten
Baugruppen sind hochwertig, die Konstruktion wurde mit Liebe zum Detail
durchgeführt, und die Auswahl an Anschlüssen ist vorzüglich. Somit sichert
sich der Harman Kardon die volle Punktzahl.
Ausstattung      
Bedienung
Das Bedienkonzept des Harman Kardon AVR-5550 kann ebenso wie bei anderen
getesteten AV-Receivern aus gleichem Hause überzeugen. Die Fernbedienung weist mit der sich nach untern verjüngenden Form eine
Harman Kardon-spezifische Eigenart auf, die in der Praxis aber keine ergonomischen
Nachteile mit sich bringt, im Gegenteil: Die Kontrolleinheit liegt tadellos in der Hand, und auch an die Tatsache, dass ein Heimkino-AV-Receiver häufiger
in für den Filmgenuss via Projektor abgedunkelten Räumen eingesetzt wird,
wurde bei Harman Kardon erfreulicherweise gedacht: Die Fernbedienung ist mit einer
kompletten Beleuchtung versehen, die über eine Taste zu aktiveren ist. Unter diesen Bedingungen wirken sich auch die
recht zahlreich vertretenen Knöpfe nicht negativ aus. Sehr gut gefällt, dass
das Navigationskreuz an zentraler Stelle untergebracht wurde. Nicht ganz perfekt
ist das Gefühl bei der Arbeit mit den Cursortasten und dem Enter-Button: Die Steuerung
könnte noch präziser vonstatten gehen, so muss man oft mit Nachdruck die selbe
Taste nochmals drücken. Ein weiteres Merkmal des AVR-5550 die
automatische Lautsprecher-Einpegelung mittels der "EZSet"-Funktion.
Dieses Feature bringen die teureren AV-Receiver von Harman Kardon
löblicherweise schon seit geraumer Zeit mit. Die Einpegelung der Lautsprecher
erfolgt mit sehr guter Präzision.

Zur einfachen Bedienung des AVR-5550 trägt auch das gut
strukturierte On Screen Display (OSD), optisch nüchtern dargestellt, seinen Teil bei.
Selbstverständlich gibt es eine per OSD einfach einstellbare
Subwoofer-Übernahmefrequenz (40/60/80/100/120/200 Hz anwählbar), ebenfalls
kann das oben bereits beschriebene Triple Crossover System via Bildschirm-Menü
konfiguriert werden. Einfach ist auch die Zuweisung der digitalen Ein- und
Ausgänge möglich. Die Tasten direkt am AV-Receiver sind ordentlich zu
bedienen, die aufgeräumte Gerätefront erleichtert alle Einstellarbeiten klar.
Der Lautstärkedrehregler ist zwar aus Kunststoff und nicht aus Metall, haptisch
macht das Drehrad aber einen guten Eindruck und ist präzise zu justieren. Das
Display hat eine sehr angenehme Größe und einen guten Kontrast, weist aber
bedauerlicherweise keine DOT Matrix Darstellung auf, wie sie viele Konkurrenten
bieten.
Bedienung      
Ton
Filmtonwiedergabe
Im Filmbetrieb erbrachte der Harman Kardon AVR-5550 Leistungen, die man nur
als weit überdurchschnittlich bewerten kann. Begeistert hat das Testteam vor
allem die erstklassige Pegelfestigkeit. Auch in Hörräumen von 40 Quadratmetern
waren dem AV-Receiver noch problemlos sehr hohe Pegel zu entlocken, was das
Potential der hochwertigen Endstufen sehr gut verdeutlicht. Keinerlei
Dynamikeinbrüche oder ein Basspegelverlust konnten entdeckt werden - lediglich
sprang nach einer Stunde harter Dauerbelastung der sehr leise Lüfter kurz an,
um das Gerät effektiv so weit herunterzukühlen, dass die Erhitzung wieder
absolut im grünen Bereich lag. Im Gegensatz zum recht lauten Ventilator des Onkyo TX-DS989
aber störte die aktive Kühlung beim AVR-5550 den Filmspass kaum. Nach
erfolgter Kühlung schaltete sich der Ventilator auch für einen großen
Zeitraum wieder ab, während der Onkyo-Ventilator etwas zu häufig ins Geschehen
eingriff. Sehr gut harmoniert der HK AVR-5550 mit hochwertigen Lautsprechern,
daher setzten wir auch, um das volle Potential unseres Testkandidaten
auszuschöpfen, zwei erstklassige, testerprobte LS-Sets ein, die wir bereits von
langen Hörtestreihen an verschiedensten AV-Verstärkern und -Receivern sehr gut
kennen. Nur so ist dann gewährleistet, dass man die Güte der akustischen
Qualitäten des Harman Kardon festlegen kann.
Und diese akustischen Qualitäten bewegen sich wirklich auf Top-Niveau, mit
einer großartigen Klarheit und einer beeindruckenden Präzision trug der Harman
Kardon die Eröffnungsschlacht um das Land Mittelerde im "Herrn der
Ringe" zum Zuhörer. Ob Schlachtgeschrei, galoppierende Rösser oder
das Klappern von Schwertern, keine Effektart wird auch nur annähernd
oberflächlich vom AVR-5550 wiedergegeben. Mit viel Sorgfalt nimmt sich das
Gerät jedem unterschiedlichen Effekt an und bringt ihn hervorragend zur
Geltung. Wer hier eine noch tiefere, durchsetzungskräftigere und feiner
strukturierte Effektdarstellung möchte, muss deutlich mehr investieren und sich
z.B. den Harman/Kardon AVR-8500, den Yamaha DSP-AZ1
oder den Denon AVC-A11SR im direkten Vergleich
anhören. Eine solche Mehrinvestition kann sich, neben den genannten Vorteilen
bei der Effektwiedergabe, auch dann lohnen, wenn sich der Hörraum auf einer
Größe von 45 bis über 50 Quadratmeter erstreckt. Auch, wenn der AVR-5550 für
seine Klasse mit Spitzen-Belastungswerten glänzen kann, ziehen die genannten
Kandidaten im großen Heimkinoraum doch spürbar davon.
In seiner Preisliga jedoch realisiert der Harman-Receiver praktisch ein
Optimum, dies wird auch bei "Sleepy Hollow" (DTS ES Discrete 6.1)
erkennbar, wo die glasklare Effektdarstellung im Front- und im Surroundbereich
besonders überzeugen kann. Exzellent eingebunden ist der Back Surround Kanal,
mit hervorragender Transparenz stellt der AVR-5550 alle Effekte dar, die über
den zusätzlichen diskreten Back Surround Kanal laufen. Die saubere
Hochtonwiedergabe, die auch bei sehr hohen Pegeln fast in vollem Umfang erhalten
bleibt, charakterisiert den AVR-5550 ebenfalls. Hier erarbeitet er sich bei
großen Lautstärken einen kleinen Vorsprung gegenüber der starken Konkurrenz
von Denon (AVR-3803) und Yamaha (DSP-AZ2)
heraus, die zwar auch bei extremen Pegeln keine nennenswerten Einbrüche bei der
Hochtonwiedergabe hinnehmen müssen, aber im direkten Vergleich etwas
angestrengter klingen und gerade schrille Schreie oder sehr lautes Rufen nicht
mehr ganz so souverän in den Hörraum tragen wie der Harman Kardon. Mit seiner
Auslegung, die auch einen straffen, präzisen und dennoch voluminösen
Bassbereich beinhaltet, eignet sich der AVR-5550 auch bestens für die
Wiedergabe der Filmsequenzen auf der THX Ultimate Demo DVD. Die "Pod
Race"-Sequenz aus "Star Wars Episode 1" managt er mit beinahe
schon spielerischer Leichtigkeit - hier wird deutlich, was in dieser Preisklasse
an Ausdruckskraft und schierer Wucht inzwischen möglich ist. Gerade dieser
Ausschnitt zeigt aber auch das Potential besonders guter, günstiger AV-Receiver
sehr gut auf: Auch wenn verständlicherweise nicht die Durchsetzungskraft und
der Bassdruck (gerade bei hohen Pegeln) des Harman Kardon erreicht werden kann,
so schlägt sich der 629 EUR kostende Yamaha RX-V740
brillant und realisiert für seinen Kaufpreis das momentan technisch Mögliche -
und dies gelingt dem AVR-5550 einige Preisklassen höher auch. Mit
unnachgiebigem Bassdruck und einer herausragenden räumlichen Weite präsentiert
der AVR-5550 den klassischen THX Broadway Trailer. Hervorzuheben ist auch die
tadellose Reproduktion von Quellen, deren Tonqualität nicht mehr ganz dem
höchsten Level entspricht. Hier haben die HK-Entwickler erfolgreiche Arbeit
geleistet, denn so homogen gaben frühere HK-AV-Receiver-Generationen nur
durchschnittlich abgemischte Tonspuren nicht wieder.
Mehrkanal-Musikwiedergabe
Bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe zieht der AVR-5550 ebenfalls alle Register
seines Könnens. Beeindruckend war bei Johann Sebastian Bachs Violinenkonzerten,
Bachwerkeverzeichnis 1042 und 1041, vor allem die überragende Brillanz, die
wesentlich mit verantwortlich ist für die mitreißende Gesamtdarstellung. Die
Art, wie der Harman-Receiver mit Bachs Musik umgeht, wird auch anspruchsvolle
Musikliebhaber überzeugen, denn hier wird nicht einfach emotionslose,
technisch-kühle Arbeit geboten, sondern eine reine, ungefilterte, sensible
Übertragung steht im Mittelpunkt. Der Hochtonbereich ist sehr klar gezeichnet,
mit Liebe zum kleinen, zunächst unscheinbaren Detail. Was die
Detaileinarbeitung und -akzentuierung angeht, agiert der AVR-5550 schon in
einer höheren Liga und kann seine Konkurrenz - wenn auch nur minimal, aber, das
geeignete Equipment vorausgesetzt, hörbar - distanzieren. Gleiche
Kunststücke einige Preisklassen darunter vermochten kürzlich dem Yamaha RX-V740
gelingen, der ebenfalls für sein Geld außerordentlich gute Leistungen an den
Tag legte. Im Vergleich werden die Vorteile des mehr als doppelt so teuren
Harman Kardon natürlich schon offensichtlich: Noch souveräner, noch
akzentuierter und vor allem im großen Hörraum hörbar durchsetzungskräftiger
agiert der AVR-5550, der zudem mit seiner stimmigen, sehr sauberen
Detaileinarbeitung Großes zu leisten vermag. Unser Fazit: In den jeweiligen
Preisklassen stellen gerade diese beiden Geräte eindrucksvoll zur Schau, was
möglich ist. Der preisgünstige Yamaha stellt mit seinem überzeugenden
Leistungsprofil anspruchsvolle Aufsteiger voll und ganz zufrieden, während der
AVR-5550 ein Geheimtipp für alle diejenigen ist, die eigentlich mit einem
nochmals weitaus teureren AV-Receiver geliebäugelt hatten. Wenn man keine
riesigen Hörraume, die klar über 40 Quadratmeter messen, beschallen möchte
und kein sündhaft teures, extrem anspruchsvolles Lautsprechersystem verwendet
(selbst mit diesen kommt der HK; siehe Testequipment, übrigens klar), reicht in
vielen Fällen der immer noch erschwingliche AVR-5550 problemlos aus, um auch
Musik-Liebhabern die Performance zu bieten, die sie suchen.
Zurück zu unseren Testreihen, wo der Harman Kardon auch bei der DTS Music Experience DVD (Tonspur DTS ES Discrete 6.1) brilliert.
Zu nennen ist insbesondere die untadelig präzise Effektwiedergabe, zu loben ist
ebenfalls die
sehr hoch liegende akustische Gesamtharmonie. Der Bassbereich erklingt rund und
mit dem nötigen Druck, hier bringt es der AVR-5500, wenn er gefordert wird, zu
Spitzenleistungen, die die experimentalfreudigen Musikstücke zu einem wahren
tieffrequenten Feuerwerk werden lassen: Mit Nachdruck werden Basssalven in den
Hörraum geschleudert, selbst ohne aktiven Sub oder bei zurückhaltender
Einstellung des aktiven Basses (wichtig in dem Fall, dass aktiver Subwoofer plus
Stand-LS verwendet werden: Der Bass muss vom
aktiven Subwoofer UND entsprechend geeigneten Hauptlautsprechern ausgegeben
werden, ist der aktive Sub allein aktiv und werden alle tiefen Frequenzen auf
ihn umgeleitet, ist die Basswiedergabe bei sehr zurückhaltender Einstellung
systembedingt zu wenig ausdrucksstark und besitzt zu wenig Durchsetzungskraft)
bringt der HK in Verbindung mit hochwertigen, bassstarken Standlautsprechern ein
hervorragendes Resultat zustande.
Nicht, dass die Konkurrenten bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe nichts zu
bieten hätten, im Gegenteil: Mit dem Denon AVR-3803 und dem Yamaha DSP-AZ2 hat
der AVR-5550 zwei äußerst hartnäckige Gegner. Der Yamaha bringt bei normalen
Pegeln auch ein besseres Volumen mit als der HK, der Denon wirkt zunächst
nochmals etwas schneller im Antritt - denn in dieser Einzelwertung erbringt der
3803er besonders gute Werte. Doch wenn die Pegel heftiger werden, zieht der
Harman Kardon davon: Mit unerschütterlicher Souveränität bringt er Bachs
wunderschöne Musik exzellent zur Geltung, und auch, was das sehr gute Volumen
angeht, kann sich der Harman minimal vom Yamaha distanzieren, der genauso wie
der Denon bei hohen Lautstärken etwas angestrengter wirkt. Dies lässt sich
aber nur nach ausführlichen Hörtestreihen auseinander differenzieren,
hervorragende Geräte sind sowohl der HK als auch die beiden Konkurrenten. Wer
sich entscheiden möchte, sollte zuvor ausgiebig testen.
Sehr gut geeignet ist der HK auch für den DVD Audio-Betrieb. Bei unserem
DVD-A-Sampler "Breaktrough" der renommierten Klangexperten von
Dabringhaus&Grimm konnten die geschmeidigen, auch bei hohen Pegeln akustisch
rein agierenden Endstufen absolut überzeugen. Eine feinfühlige, schwungvolle
Stimm- und Instrumentaldarstellung sorgte für den Eindruck von Esprit und
Leichtigkeit bei der Wiedergabe. Sehr gut funktionierte das elektronische
Bassmanagement, das wirkungsvoll dann eingesetzt kann, wenn der verwendete DVD
Audio-Player über kein geräteinternes Bassmanagement verfügt. Gerade bei
älteren Modellen ist dies häufiger der Fall.
Logic 7
Logic 7 ist ein harter Konkurrent für
Dolby PLII, denn bezüglich des Volumens und der Brillanz wird eine Menge geboten. In der
7.1 Konfiguration laufen alle 7 Lautsprecher und der aktive Subwoofer voll mit.
Musikbetrieb
Laut HK soll im Musik-Betrieb folgendes realisiert werden:
-
Besonders für Stereomaterial (zum Aufpolieren auf Surround)
geeignet
-
Verbreiterung der Klangbühne
-
Größere Räumlichkeit im Surround-Klangfeld
-
Volle Integration des aktiven Subwoofers
Bezüglich der Stimmwiedergabe bei klassischer oder bei
Jazzmusik erbringt Logic 7 sehr gute Leistungen, denn die Stimmen werden exakt,
charismatisch und mit einem natürlichen Volumen wiedergegeben. Voraussetzung
ist aber, wie wir bereits in früheren Tests festgestellt haben, der Einsatz
eines hochwertigen Centerlautsprechers. Ein wenig dynamischer, müde klingender
Center macht die Vorteile von Logic 7 wieder zunichte. Aufgrund der gesamten
Performance des AVR-5550 sollte man aber in jedem Fall hochwertige Lautsprecher
und keine günstigen Systeme "von der Palette" einsetzen. Doch nicht nur die Stimmdarstellung,
auch die räumliche Dichte fällt im Logic 7-Betrieb überzeugend aus. Dies führt zu einer tiefen,
klaren und exakten Reproduktion des Surround-Soundfeldes. Besonders
offensichtlich wird dieser Vorteil, wenn alle 7 Lautsprecher eingesetzt werden.
Gerade Musik mit einer breiten, weichen Surround-Klangkulisse (wie z.B.
Entspannungsmusik mit beruhigenden Panflötenklängen) kommt mit einem
erstklassigen Panorama zur Geltung. Auch bei klassischer
Musik (verschiedene Sampler mit besonders hochwertig aufgenommenen Musikstücken
standen hier zur Verfügung) kapituliert Logic 7 nicht, sondern erreicht in den
Punkten Brillanz, Management der Dynamiksprünge und Facettenreichtum Werte, die
über dem größten Teil der Konkurrenz mit Pro Logic 2 liegen. Nur der Denon AVR-3803
und der Yamaha DSP-AZ2 besitzen eine extrem gut
integrierte PLII-Funktion, die fast ebenbürtige Leistungen möglich macht. Was
die Klarheit der Hochtonwiedergabe und die Dynamik der Surround-Klangkulisse
angeht, kann sich der Harman Kardon aber trotzdem knapp vor der PLII-Konkurrenz
behaupten, was eindrucksvoll die Güte von Logic 7 untermauert.
Extra-Modus für Bassliebhaber
-
Logic 7 Enhanced primär für Musikbetrieb (nur 5.1
Konfiguration)
-
Breitere und tiefere Wiedergabe, Bass kommt von allen Seiten
Tatsächlich: Wer noch mehr Bassvolumen wünscht und dafür auf
die Mitarbeit der Back Surround Lautsprecher verzichten kann, für den arbeitet
der Enhanced-Modus genau richtig: Es werden die tiefen Frequenzen zwischen 40
und 120 Hz nicht nur dem Subwoofer, sondern auch den Haupt- und den
Surroundlautsprechern zugeführt. Zwar ist die
räumliche Darstellung aufgrund des fehlendes Einsatzes der Back
Surround-Lautsprecher nicht ganz so intensiv, dafür gefällt der sehr
kraftvolle Bassbereich - Voraussetzung ist allerdings, dass die Haupt- und
Surroundlautsprecher auch für die Wiedergabe der tiefen Frequenzen geeignet
sind. Hier sollten auch im Surroundbereich entsprechend voluminöse Boxen
arbeiten, um ein exzellentes Basserlebnis sichern zu können. Besonders
basskräftige House- und Techno-Musik klingt im Enhanced-Modus sehr dynamisch
und durchsetzungsstark, so dass in Verbindung mit der außerordentlich guten
Pegelfestigkeit, echte Disco-Atmosphäre aufkommt.
Cinema-Modus
Laut HK soll mittels des Cinema-Modus folgendes realisiert
werden:
-
Besonders für z.B. Dolby Surround-codiertes Material
vorgesehen
-
Höhere Verständlichkeit des Centerkanals
-
Bessere Ortbarkeit des Klanggeschehens
-
Besonders viel Detailreichtum auch in Bezug auf die
Surround-Klangkulisse
-
Volle Integration des aktiven Subwoofers
Im Hörbetrieb überzeugte Logic 7 auch im Cinema-Modus.
Hervorzuheben ist die klare Stimmdarstellung ebenso wie die erstaunlich gute
Einarbeitung auch kleinerer Effekte wie z.B. Meeresrauschen, entfernte Rufe oder
das Rascheln von Blättern im Wind. Gerade in Bezug auf die Feinarbeit bietet Logic 7 nochmals etwas bessere
Leistungen als Pro Logic 2 - selbst wenn das Konkurrenzsystem von Dolby
erstklassig integriert ist, wie beispielsweise im Yamaha DSP-AZ2 oder im Denon
AVR-3803. Zwar wirkt PLII Movie in Bezug auf den Bassdruck in manchen
Situationen, gerade im Yamaha DSP-AZ2 und im Denon AVR-3803, etwas zupackender, was die Brillanz und die Feinfühligkeit der
gesamten Vorstellung anbetrifft, sichert sich Logic 7 aber einen hörbaren
Vorsprung, weil die Aufbereitung des Materials mit mehr Liebe zum Detail
erfolgt. Sehr weitläufig erscheint, vor allem, wenn alle sieben Lautsprecher
eingebunden sind, die Surround-Klangkulisse, die ein breites, gleichzeitig
präzises Panorama zeichnet.
Dolby Pro Logic 2
Im direkten Vergleich mit dem ausgezeichneten Logic 7 fällt
Dolby PL 2 etwas ab. Dies ist zum einen auf die exzellente Logic 7-Integration
zurückzuführen, hängt aber auch mit der Tatsache zusammen, dass HK auf eine
Einbindung der Einstellmöglichkeiten im Music Mode verzichtet und dem Käufer
lediglich die "Light-Version" mit festen Werkseinstellungen im Music
Mode mit auf den Weg gegeben hat. Damit kann man aber in der täglichen
Hörpraxis gut leben, denn Logic 7 ist mehr als ein tadelloser Ersatz, und
außerdem klingt der AVR-5550, wenn man als eingefleischter Dolby-Befürworter
unbedingt Pro Logic 2 verwenden möchte, auch im PL 2-Betrieb alles andere als
schlecht. Dass der Harman Kardon besonders feinfühlig agiert, wird auch hier
deutlich, denn die Detaileinarbeitung ist auf tadellosem Level. Was den
Bassdruck angeht, notieren wir gute, aber keine überdurchschnittlichen
Resultate. Hier muss sich der HK dem Yamaha DSP-AZ2 und dem Denon AVR-3803
geschlagen geben, die beide mit einem äußerst kräftigen Bass auftrumpfen
können. Auch im PL 2 Music Betrieb ist der Einsatz eines hochwertigen Center
Lautsprechers ratsam, denn da die Center-/Front-Balance nicht (wie bei der PL 2
Version MIT Einstellmöglichkeiten im Music Mode) verstellt werden kann, ist der
Center (je nach Software in Einzelfällen etwas zu kräftig) deutlich hörbar an
der Gesamtwiedergabe beteiligt. Setzt man dann einen nicht allzu hochwertigen
Center bzw. eine Box mit einem zu geringen Gehäusevolumen ein, ist die
Homogenität und die Harmonie nicht auf allerhöchstem Niveau, ebenfalls wirkt
die Stimmwiedergabe dann aufgrund der unzureichenden Spezifikationen des Centers
zu gepresst und zu wenig souverän. Im Pro Logic 2 Movie Modus schlägt sich der
AVR-5550 sehr gut - gäbe es nicht Logic 7, das ein noch breites
Surroundpanorama zeichnet und mit einer noch präziseren Stimmwiedergabe
aufwarten kann.
Stereo
Im Stereobetrieb erzielen Harman Kardon-AV-Receiver schon beinahe
traditionell so gute Ergebnisse (ähnlich wie die Marantz-Geräte), so dass sich
die Konkurrenz immer daran messen muss. Auch der AVR-5550 macht hier keine
Ausnahme und brilliert bei unseren audiophilen Test-CDs mit Klassik- und
Jazz-Musik mit seiner plastischen und sauber durchzeichneten
Wiedergabecharakteristik. Sehr exakt zeichnet der Harman Kardon eine virtuelle
Bühne vor den Zuhörer - hier werden die Klassenunterschiede zwischen Geräten
mit großer Preisdifferenz dann doch deutlich. Während unsere Referenz in der
600 bis 700 EUR-Klasse, der Yamaha RX-V740,
mit seinen für diesen Preis tadellosen Stereoqualitäten vollauf überzeugt,
zeigt der HK deutlich, was für mehr Geld geboten werden kann: Der
Hochtonbereich ist hörbar transparenter, das tonale Gesamtgebilde wirkt
filigraner und ausdrucksstärker - und dies in Anbetracht der Tatsache, dass man
bereits dem RX-V740 mitnichten einen flachen und emotionslosen Klang vorwerfen
kann. Auch bei Stimmen wird deutlich, dass der AVR-5550 selbst in seiner
Preisklasse zu den Top-Offerten gehört, denn mit Liebe zum Detail arbeitet der
AV-Receiver ein exaktes Profil der Eigenheiten, die eine Stimme einzigartig
werden lassen, heraus. Doch die Konkurrenz hat gegenüber früher stark
aufgeholt. Ganz besonders trifft dies auf den exzellent aufspielenden Denon AVR-3803
zu, der mit einer tadellosen Dynamik und einem sehr frei aufspielenden
Hochtonbereich dem HK dicht auf den Versen bleibt. Der Denon wiederum wird
hartnäckig vom Yamaha DSP-AZ2 verfolgt, der
ebenfalls recht differenziert klingt und, auch im Vergleich zu anders
gesoundeten früheren Yamaha-Modellen, mit einem sehr zupackenden Bassbereich
aufwarten kann.
Klang Film      
Klang Mehrkanal-Musik      
Klang Dolby PLII/Logic 7      
Klang Stereo      
Fazit
Harman Kardon stellt mit dem AVR-5550 erneut eindrucksvoll unter Beweis, dass
man zurzeit beim Bau hochklassiger AV-Receiver ganz vorn mitspielt. Besonders
überzeugen kann der Harman mit seiner herausragenden Pegelfestigkeit, seinem
antrittsstarken und präzisen Bassbereich und seinem brillanten, sauberen
Hochtonbereich. Auch bei großen Lautstärken im 40 (!)-Quadratmeter-Hörraum
agiert der 5550er noch höchst souverän. Die Konkurrenz schläft hier nicht,
alle Firmen, die momentan besonders empfehlenswerte Geräte herstellen (z.B.
Marantz, Denon, Onkyo, Yamaha und Pioneer) haben, gerade, was die
Pegelfestigkeit und die Leistungsfähigkeit der Endstufen angeht, inzwischen
auch einen beachtlich hohen Standard erreicht - so dass in der täglichen
Hörpraxis auch bei regem Betrieb kaum Schwächen durchscheinen. Doch mit einer
so unerschütterlichen Souveränität wie unser AVR-5550 geht keiner zu Werke.
Die Unterschiede sind zugegebenermaßen nicht groß - aber wer wirklich
Pegelfanatiker ist, weiß den "langen Atem" des Harman Kardon zu
schätzen. Doch der AVR-5550 ist nicht nur "Kraftmeier", und hier
kommen wir zum nächsten herausragenden Merkmal. Obwohl er noch nicht - in Bezug
auf die Preisklasse - zur sündhaft teuren Bolidenklasse gehört, bietet er
sowohl überragende Kraftreserven und einen imposanten Antritt als auch
Kultiviertheit und Sorgfalt auf sehr hohem Niveau. Gerade die Liebhaber
klassischer Musik werden ihre Freude am Harman Kardon haben, denn seine detailreiche,
frische und beschwingte Vorstellung sorgt für eine sehr tiefe, emotionale
Musikdarstellung, auch nur Anflüge akustischer Oberflächlichkeit sind dem
Gerät absolut unbekannt. Durch diese gelungene Auslegung muss man weder im
Mehrkanal-Musik- noch im Heimkino-Betrieb irgendwo Abstriche machen. Doch auch
eine traditionelle HK-Domäne, die Stereowiedergabe, verdient Beachtung. Die
Plastizität ist sehr gut, die Dynamik begeistert auch hier, und der
Hochtonbereich ist sauber durchstrukturiert. Hier muss aber hinzugefügt werden,
dass die Konkurrenz hörbar aufgeholt hat. In einer anderen Liga in Bezug
auf den Stereoklang spielen die HK-AV-Receiver nicht mehr. Besonders harte
Widersacher sind der 1545 EUR kostende Yamaha DSP-AZ2
und der Denon AVR-3803 für 1499 EUR, die beide
einen sehr erwachsenen Stereosound mitbringen. Akzente setzt der AVR-5550 mit
seiner durchdachten und umfangreichen Ausstattung. Besonders zu loben sind das
aufwändige und effektiv arbeitende "Triple Crossover System", die
passend gestuften Subwoofer-Übernahmefrequenzen und der voll ausgestattete
6/8-Kanal-Eingang. Die gesamte Anschlussbestückung präsentiert sich, gerade
mit den umfangreichen Front AV-Verbindungsmöglichkeiten, reichhaltig und
praxisgerecht. Echte Nachteile sind dem AVR-5550 fremd, wir vermissen lediglich
ein DOT Matrix Display (das Harman Kardon bei den ganz neuen Limited Modellen
AVR-505 und AVR-507 aber verbaut), eine DTS 96/24-Decodierfunktion und die
Einstellmöglichkeiten im PL2 Music Mode. Diese kleinen Nachteile können aber
nichts daran ändern, dass der AVR-5550 auch über seine angestammte Preisklasse
hinaus ein besonders gutes Angebot ist. Obwohl er preislich noch in die obere
Mittelklasse passen würde, ist er aufgrund seiner Performance und seiner
umfangreichen Ausstattung bereits ein würdiger Vertreter der Oberklasse.
Extreme Pegelfestigkeit, ein kräftiger Bass und
eine brillante Gesamtdarstellung sind die Kennzeichen des Harman Kardon AVR-5550

Oberklasse
Test 09.09.2003
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
- Extrem belastbare, geschmeidige Endstufen
- Solider, präziser und voluminöser Bassbereich
- Hochtonwiedergabe erfolgt mit überragender Brillanz
- Dynamische Effektdarstellung
- Logic 7 mit exzellenter räumlicher Dichte
- Fein auflösender Stereoklang
- Sehr flexibles Bassmanagement
- Großzügige und durchdachte Anschlussbestückung
- Insgesamt einfache Bedienung
- Verwendung hochwertiger Baugruppen
Contra:
Die technischen Daten:
-
AV-Receiver
-
Sinus-Ausgangsleistung (20 Hz bis 20 kHz, bei 0,07 %
Klirrfaktor, beide Kanäle ab 8 Ohm) 70 Watt pro Kanal im
5.1/6.1/7.1-Betrieb, 85 Watt im Stereobetrieb
-
Dolby Digital (AC-3), Dolby Digital EX und Pro Logic II
-
DTS 5.1, 6.1 ES Matrix, Discrete, Neo 6 Prozessor
-
Logic 7 5.1 & 7.1, VMAx, HDCD und MP3 Dekoder
-
Audiophiler, diskret aufgebauter 192kHz 24 Bit Digital/ Analog Konverter
-
Ausgangsleistung: 70WRMS x 7 Surround, 80WRMS x 2 Stereo, THD <0,07%, 20Hz-20kHz an 8 Ohm
-
Vorprogrammierte und lernfähige A/V Fernbedienung (beleuchtet) mit EzSet & LCD-Display
-
6 Digitaleingänge, 3 coax & 3 optisch
-
Front Panel Digitaleingänge (coax and optisch)
-
3 Digitalausgänge (inkl. 1 x Front Panel coax)
-
Breitbandige HD TV kompatible Komponenten Video Ein- & Ausgänge
-
Video 4 Ein- & Ausgänge auf dem Front Panel
-
Duale Stromversorgung (Secondaries x 2)
-
Diskret aufgebaute, HCC-fähige, breitbandige Verstärkerstufen
-
OSD On Screen Display
-
8 Kanal Direkteingang mit elektronischem Bassmanagement
-
S-Video Ein- & Ausgänge
-
Multi-Roomfähigkeit für Audio mit Zone II Remote Control
-
Kanäle 6 und 7 können für Multi-Room eingesetzt werden
-
Gewicht: 20 kg
-
Maße: (B x H x T in mm): 440 x 165 x 435
-
Lieferbare Farben: Schwarz
-
Preis (UVP): 1399 EUR
Testequipment:
Test: Carsten Rampacher
Testassistent: Matthias Walther-Richters
09. September 2003
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|