Test: Harman/Kardon AVR-5500

 

DTS ES Matrix/Discrete 6.1, DTS Neo:6, Dolby ProLogic II, Logic 7 in 7.1-Konfiguration, im Fünfkanal-Surround-Modus (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) eine Leistung von 75 Watt sowie eine Leistungsaufnahme, die mit maximal 694 W auf extrem hohem Niveau liegt - der neue, 15,9 kg schwere Harman/Kardon AVR-5500 für 1299 EUR glänzt schon auf dem Datenblatt mit exzellenten Werten. Grund genug für uns, diesen AV-Receiver der neuen HK-Generation einem genauen Test zu unterziehen. Die verwendete Technik ist von hoher Güte: Crystal-DSPs sorgen für eine qualitativ überzeugende Signalverarbeitung. Besonderen Wert legte man bei Harman/Kardon auf ein effektiv arbeitendes Bassmanagement, das in allen neuen AV-Receivern zum Einsatz kommt. Der Crystal DSP-Prozessor soll laut HK über ein doppelt präzises (48 Bit Präzision) Bassmanagement für bis zu 8 Kanäle verfügen. In der Praxis ist damit gewährleistet, dass der Einsatz mit den verschiedensten auf dem Mark befindlichen Lautsprechersystemen akkurat vonstatten geht. Im Testbetrieb konnte der HK gerade im Bassbereich mit hervorragenden Leistungen auftrumpfen, doch dazu weiter unten mehr. Die neuen audiophilen 192 kHz/24-Bit Audio-DACs von AKM, die mit niedrigem Grundrauschen und einem höheren Signal-Rauschspannungsabstand vor allem für Musikliebhaber für eine präzise und klare Wiedergabe sorgen soll, setzen weitere Akzente, die klar machen, dass Harman/Kardon mit diesem AV-Receiver auch sehr anspruchsvolle Musikhörer und nicht nur pegelvernarrte Heimkino-Fans ansprechen möchte. Als praktisch erweist sich die Tatsache, dass ein komplettes Set an Fronteingängen vorhanden ist, die koaxiale Digitalbuchse kann wahlweise als Ein- oder Ausgang genutzt werden. Für den entsprechenden Bedienkomfort sorgt die EZSet-Funktion, die mittels eines in die beleuchtete Fernbedienung integrierten Mikrophons die Lautsprecher einmisst. Dies funktioniert in der Praxis absolut reibungslos, somit kann man diese schnelle und effektive Art der Einpegelung praktisch uneingeschränkt empfehlen. Nicht konsequent genug angegangen wurde das Thema Wiedergabe von Dolby Digital EX codiertem Material: Möchte man eine DVD mit Dolby 5.1- oder Dolby Digital 5.1 EX Ton anhören, so muss man bedauerlicherweise auf das Mitwirken der Matrix verzichten, denn sie arbeitet nur im DTS-Betrieb. Hier allerdings auch bei normaler DTS 5.1-Software, im OSD ist die entsprechende Option einstellbar. Die Flag-Erkennung bei DTS ES Matrix/Discrete 6.1 klappt, wie üblich, schnell und problemlos. 

Uneingeschränkt tadellos ist die Verarbeitung des AVR-5500. Dies gilt auch für die Fernbedienung. Ungewohnt präsentiert sich die Geräterückseite, die soliden Schraubverschlüsse für die Lautsprecher sind jeweils für den einzelnen Speaker unterschiedlich farblich gekennzeichnet, was in der Praxis weder entscheidende Vor- noch Nachteile mit sich bringt. Auf der Rückseite finden sich im kompletten Pre-Out-Sortiment für alle Kanäle auch die beiden Pre-Outs für die erforderliche Endstufe für die Back Surround-Lautsprecher sowie insgesamt vier digitale Eingänge und zwei digitale Ausgänge. Damit bietet der Harman ein klassenübliches Sortiment, zu loben sind die doppelt vorhandenen Digitalausgänge. Wer übrigens noch nach der passenden Endstufe sucht: Harman Kardon hat selber zwei Angebote im Sortiment: Die Vierkanal-Endstufe PA-2000 mit 4 x 45 Watt (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) für 499 EUR und die Achtkanal-Endstufe PA-4000 mit 8 x 45 Watt (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) für 1199 EUR.  

Bewertung
 
Bedienung

Dem Bedienkonzept des Harman Kardon AVR-5500 kann man nur Lob zollen. Zwar weist die Fernbedienung mit der sich nach untern verjüngenden Form eine Harman Kardon-spezifische Eigenart auf, die in der Praxis aber für keinerlei ergonomisch bedingte Schwierigkeiten sorgt, im Gegenteil: Der IR-Commander liegt gut in der Hand, und auch an die Tatsache, dass ein Heimkino-AV-Receiver häufiger in für den Filmgenuss via Projektor abgedunkelten Räumen eingesetzt wird, wurde bei Harman Kardon löblicherweise gedacht: Die Fernbedienung ist mit einer kompletten Beleuchtung versehen. Unter diesen Bedingungen wirken sich auch die recht zahlreich vertretenen Knöpfe nicht negativ aus. Sehr gut gefällt, dass das Navigationskreuz zentriert untergebracht wurde, weniger überzeugend ist das Feeling bei der Arbeit mit den Cursortasten und dem Enter-Button: Die Steuerung könnte noch präziser vonstatten gehen. Sehr gut gelungen ist die automatische Einpegelung mittels der "EZSet"-Funktion: In wenigen Bedienschritten kommt hier auch der Neueinsteiger ohne große Schwierigkeiten zum Ziel, besonders effektiv kann vorgegangen werden, wenn man sich zuvor kurz in die gut verständliche Bedienungsanleitung eingelesen hat. Hier werden alle Funktionen des AVR-5500 in ordentlichem Stil beschrieben. Zur einfachen Bedienung des Harman-Receivers trägt auch das gut strukturierte On Screen Display, optisch nüchtern dargestellt, seinen Teil bei. Ohne Probleme kann man so auch die Sonderfunktionen anwählen. Das große Display am Gerät selber vereint Vor- und Nachteile: Sehr gut gelöst ist die komplette beleuchtete zusätzliche Darstellung des gewählten Eingangs, so kann, auch wenn auf dem Hauptdisplay gerade die Einstellparameter der neu zu justierenden Funktionen erscheinen, trotzdem schnell der angewählte Eingang betrachtet werden. Ebenfalls sind auf der linken Displayhälfte alle möglichen Tonformate aufgeführt, beim gerade aktiven leuchtet neben der Anzeige ein (zu kleiner und farblich nicht differenzierter) Punkt. Nachbessern sollte Harman Kardon bei der Auflösung: Dass hier kein DOT-Matrix-Display seinen Dienst verrichtet, ist ein kleiner optischer Schönheitsfehler. Die Ablesbarkeit geht aber in Ordnung. 

Bewertung
Ton

Testequipment:

Software:

  • Mission To Mars (Code 2 Tonspur DTS ES Discrete 6.1)
  • Gladiator (Code 2, DTS 5.1 Tonspur)
  • DTS Music Experience Studio Voodoo
  • Independence Day (Code 2 DD 5.1)
  • Wild Wild West (Code 2 DD 5.1)
  • Top Gun (Code 2, Dolby Digital 2.0 Surround., deutsche Tonspur)
  • Der Schatten der Vergangenheit (Code 2, Dolby Digital 2.0 Surround., deutsche Tonspur)
  • Peter Tschaikowsky, Der Nussknacker (Code 0, DD 5.1)
  • TDK Collection, Staatsoper unter den Linden, Berlin: Berliner Philharmoniker unter Daniel Barenboim, Ludwig van Beethovens 8. Symphonie (Code 0, DD 5.1)
  • Toni Braxton, Secrets (Audio-CD)
  • Peter Tschaikowsky, 1812 Ouvertüre (Audio-CD)
  • Carl Orff, Carmina Burana (Audio-CD)
  • Diverse Trance/Techno-CDs, qualitativ gute MP3-Aufnahmen auf CD

Bei unseren ausführlichen Hörtests konnte der AVR-5500 ohne jegliche Einschränkung begeistern. Die problemlos möglichen Pegel liegen in einem derart hohen Bereich, dass bei "Independence Day" im 25 Quadratmeter-Hörraum Lautstärken erreicht werden, die selbst ordentlich abgestimmte Kinos in den Schatten stellen - und die klangliche Präzision ist dabei von einer sehr hohen Qualität: Die Brillanz im Hochtonbereich ist ebenso überragend wie der Basseinsatz: Selbst OHNE angeschlossenen aktiven Subwoofer rufen die Attacken der hochbelastbaren Endstufen Aufregung bei den Nachbarn hervor. Kommt zusätzlich noch ein kräftiger aktiver Subwoofer wie unser Magnat Omega 380, der bestens mit dem Harman harmoniert, zum Einsatz, dann sind dem Bassdruck kaum Grenzen gesetzt - den Schlussstrich zieht hier die persönliche Schmerzgrenze. Dynamisch und passend abgestuft, untermauert die stimmige Surround-Klangkulisse den Gesamteindruck. Hier hat Harman gegenüber den schlanker ausgelegten Vorgängern klar eins draufgesetzt - mit dieser ausgezeichnete gelungenen Abstimmung ist der AVR-5500 eine Heimkinomaschine ersten Ranges., was auch beim bass- und effektgeladenen Actionspektakel "Wild Wild West" deutlich wird. Angesichts dieser Qualitäten mag man dem Harman/Kardon AVR-5500 auch verzeihen, dass die internen Decoder Dolby Digital EX-codierte Software nur als 5.1-Version verarbeiten - die Back Surround Matrix lässt sich im DD-Betrieb nicht manuell aktivieren. Trotzdem ist die Surround-Klangkulisse klanglich erfreulich komplett, wenngleich nicht verschwiegen werden sollte, dass gerade was die klangliche Fülle und die komplette Darstellung von Effekten, die durch das ganze Surround-Klangfeld laufen, mittels zusätzlicher Matrix nochmals eine Spur besser gelingen würde. Im DTS-Betrieb kann allerdings durch eine entsprechende Option im OSD erreicht werden, dass bei allen DTS-DVDs grundsätzlich die Back Surround-Lautsprechern mitlaufen. Bei der Code 2-DVD von "Gladiator" konnte sich der AVR-5500 mit mitlaufenden Back Surround-Lautsprechern hervorragend in Szene setzen: Ein angenehm klares Klangbild von hoher Präzision ging mit dem bei Bedarf extrem kraftvoll zupackenden Bass und einer eindrucksvollen Detailwiedergabe einher. Sehr pointiert, mit natürlicher, angenehmer Klangcharakteristik arbeitet der AVR-5500 Stimmen ins tonale Gesamtgefüge ein. Keine Frage: Gerade in dieser Disziplin belegt der Harman Kardon AVR-5500, genauso wie bereits der Vorgänger, einen Spitzenplatz. Exzellent kam der Harman Kardon mit der DTS ES Discrete 6.1 Tonspur des Weltraum-Abenteuers "Mission To Mars" zurecht: Eine facettenreiche Darstellung der verschiedenen Surroundeffektarten wollte dem Receiver ebenso gut gelingen wie der Aufbau einer soliden und gefälligen klanglichen Grundtonkulisse. Mit kräftigem Antritt haucht der AVR-5500 den heftigen Wirbelstürmen, die den Aufenthalt auf dem "Roten Planeten" nicht unbedingt ungefährlicher manchen, das richtige Leben ein; mit lautem, immer exakt ortbarem Krachen prasseln herumfliegende Gesteinsmassen auf dem virtuellen Planetenboden im Hörraum nieder. Der Music Score ertönte detailliert und klar.  Ein ähnlich guter Eindruck entstand auch beim Abspielen der DTS-DVD vom "Studio Voodoo" (Tonspur DTS ES Discrete 6.1): Eine sehr saubere Effektortbarkeit, eine hervorragende Wiedergabe von Split Surround Effekten und die sehr facettenreiche Surround-Klangkulisse sorgten hier für große Zufriedenheit beim Tester. Herausragend gab der AV-Receiver unser zum Testen immer wieder gern genommenes Stück "Lamentatio" wieder. Der Choralgesang, der dem Stück seinen ungewöhnlichen Charakter verleiht, ist nur schwer richtig wiederzugeben: Er darf nicht zu sehr im Vordergrund sein, ebenso wenig aber sollte die Wiedergabe zu einem undefinierbaren Brei verkommen. Wie es richtig geht, zeigt mit klarer, aber nie übertriebener Akzentuierung der AVR-5500: Kein Zweifel, gerade bei den feinen Nuancen erzielt der Receiver eine besonders überzeugende tonale Aufbereitung.

Diese Auslegung kommt dem AVR-5500 auch bei der differenzierten Mehrkanal-Musikwiedergabe zu Gute: Ludwig van Beethovens 8. Symphonie, dargeboten von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Daniel Barenboim in der Staatsoper unter den Linden 1998, ertönte zur vollen Zufriedenheit des Testers. Sowohl die gebotene Gesamtharmonie war auf einem hohen Niveau als auch der Einbau kleiner Details. Exzellent, mit warmer, aber nie undifferenziert-monotoner Klangcharakteristik, meistert der AVR-5500 das schwierig wiederzugebende Waldhorn. Das zeigt, dass der Receiver ein Meister im Umgang mit allen Instrumenten eines großen Orchesters ist, denn beispielsweise auch die Streicher wurden transparent, differenziert und klar wiedergegeben. Dabei ist besonders beachtlich, wie fein der Harman den Hochtonbereich zeichnet, ohne diesen über zu betonen: Hier ist eine gerade für Musikliebhaber höchst interessante Kombination aus Harmonie und Präzision entstanden. Überzeugend managt der Receiver die Dynamiksprünge beim Einsatz des gesamten Orchesters: Hier reagieren die hoch belastbaren Endstufen blitzschnell, um mit einem beeindruckenden Volumen das komplette Orchester originalgetreu im Hörraum abzubilden. Tschaikowkskys "Nussknacker" in DD 5.1 bestätigten die gute Form des Harman Kardon: Zwar erreichte hier der  - auch nochmals teurere - Yamaha DSP-AX3200 bezüglich des gebotenen Volumens nochmals bessere Werte, was aber die feinfühlige Detaillierung im Musikbereich anbelangt, da schlägt die große Stunde des Harman Kardon: Sowohl den exzellenten Yamaha DSP-AX3200 als auch den mit einer beeindruckenden Mischung aus weitläufiger Räumlichkeit und guter Hochtonauflösung antretenden Denon AVR-3802 lässt der Harman Kardon bei der Detaildarstellung und der Ausarbeitung instrumentenspezifischer Charakteristika hinter sich. Hier zeigt sich eben, dass ausführliches Probe hören durch nichts zu ersetzen ist, denn eine sehr gute klangliche Auslegung bieten alle genannten Geräte. Welches Leistungsprofil im individuellen Fall am meisten zusagt, sollte der Käufer in aller Ruhe mit seinen Prioritäten abgleichen - gerade der Freund klassischer Musik dürfte am AVR-5500 aber, soviel sei schon mal erwähnt, seine große Freude haben.  

Doch der AV-Receiver kann noch mehr: Mit Logic 7 in der 7.1 Konfiguration, Mode Music, stellt Harman/Kardon alle anderen am Markt befindlichen Stereo-To-Surround-Aufpolierer in den Schatten. Da der AVR-5500 auch Dolby ProLogicII integriert hat, hörten wir gegen, zusätzlich ließen wir mit dem Kenwood KRF-X9995D noch einen AV-Receiver auflaufen, bei dem die Integration von Dolby PLII besonders gut gelungen ist. Außerdem verfügt der Kenwood über alle Einstellmöglichkeiten im Music Mode, die bei den Harman-Modellen leider fehlen. Doch alles Einstellen beim Kenwood konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass in den Punkten Räumlichkeit (bei Logic 7 in der 7.1 Konfiguration laufen ALLE 7 Lautsprecher mit, auch der aktive Subwoofer wird, falls vorhanden, mit eingebunden), Hochtonbrillanz und Bassgewalt eine neue Evolutionsstufe erreicht wurde: In all diesen Disziplinen stellt Logic 7/ 7.1 alles bislang gekannte in den Schatten. Damit ist dieser Modus auch durchaus für die Liebhaber klassischer Musik kein Tabu mehr, denn der bislang noch ein gutes Stück von der Perfektion entfernten Hochtonwiedergabe hat man sich bei Harman mit Erfolg gewidmet: So klang Tschaikowskys "!812 Ouvertüre" sehr klar und prägnant, auch die Streicher verwischten nicht, sondern behielten einen Großteil der im Stereobetrieb vorhandenen detaillierten Darstellung. Herausragend agierte Logic 7/7.1 bei Carl Orffs "Carmina Burana": Gleich zum Auftakt begeisterte der Surround-Aufpolierer mit einem großartig aufbereiteten raumgefühl. Nur im Bassbereich war ein leichtes Verschwimmen feststellbar, was sich aber in beachtlich engen Grenzen hielt. Die Wiedergabe der Choralstimmen verliert gegenüber dem Stereo-Modus kaum an Brillanz, hier wurde tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Wer noch mehr Bassvolumen wünscht und dafür auf die Mitarbeit der Back Surround Lautsprecher verzichten kann, für den hat Harman/Kardon auch die passende Lösung: Im Logic 7 Enhanced-Modus, der laut Bedienungsanleitung besonders für die Musikwiedergabe vorgesehen ist und nur im 5.1-Betrieb funktioniert, werden die tiefen Frequenzen zwischen 40 und 120 Hz nicht nur dem Subwoofer, sondern auch den Haupt- und den Surroundlautsprechern (die dann, um einen Effekt zu erzielen, entsprechend gut für die akkurate Basswiedergabe gerüstet sein müssen) zugeführt. Bei unserer Test-CD (Toni Braxton/Secrets) funktionierte dies ganz vorzüglich, mit einer voluminösen, zugleich aber nie unpräzisen, sondern angenehm klaren Wiedergabe konnte der Harman hier Akzente setzen. Aber auch gerade die Liebhaber effektbetonter Trance- und Progressive House-Musik dürften viel Freude an diesem Modus haben, zumal auch hier wieder die extreme Belastbarkeit der Endstufen auffällt: Auch partytaugliche Lautstärken meistert der AVR-5500 ohne Probleme - die nächste Feier im Partykeller kann also ruhig kommen. Bei diesem Möglichkeiten, die Logic 7 bietet, wird sich die Hand des Benutzers nicht mehr so oft in Richtung der Aktivierungstaste für Dolby PL II bewegen, obwohl die Light-Version von Dolby PLII trotz der fehlenden Möglichkeiten für die Justage von den Harman-Entwicklern erstaunlich gut integriert wurde: Die Basswiedergabe ist ebenso überzeugend wie die Präzision. Damit ist ProLogic weit davon entfernt, veraltet oder ein schlechter Stereo-To-Surround-Aufpolierer zu sein, nur: Das Bessere ist des Guten Feind, genauso erging es vor noch nicht allzu langer Zeit dem bei seinem Erscheinen im Jahr 2000 ebenso hochgelobten DTS NEO:6, als Dolby PLII die Bühne der Heimkinotechnik betrat.  Logic 7 hat übrigens genauso wie DTS NEO:6 Cinema und Dolby PL II Movie auch eine Variante für die Filmtonwiedergabe integriert. Auch die Cinema-Version (Test-DVDs: Top Gun Code 2/Der Schatten der Vergangenheit Code 2) kann überzeugen: Analog angeschlossen, ist das Ergebnis mit einem weitläufigen Raumeindruck und einer erstaunlich klaren Klangcharakteristik sehr beachtlich, auch wenn der etwas mittige Gesamtwiedergabe auch das tadellose Logic 7 7.1 Cinema nicht wegzaubern kann. 

In der Harman/Kardon-Paradedisziplin Stereo-Klang (Yamaha DVD-S1200 digital angeschlossen) enttäuscht auch der HK-5500 keinesfalls: im Gegenteil, bei Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Violine und Orchester, e-moll opus 64, überzeugt der AV-Receiver mit einer exzellenten Gesamtharmonie, einer feinfühligen Hochtondarstellung und einer sehr guten Plastizität. Somit leisten die hochwertigen D/A-Wandler ganze Arbeit. Dieser exzellente Gesamteindruck setzt sich bei Carl Orffs "Carmina Burana" mit einer wunderbar klaren Wiedergabe, die gerade auch fein auflösende Instrumente detailliert zeichnet, nahtlos fort. Mit seiner erfreulich neutralen, präzisen und nie verwaschenen Darstellung kann der AVR-5500 einen ordentlichen Stereoverstärker ersetzen,  ohne dass der HK-Besitzer mit wie auch immer gearteten akustischen Enttäuschungen leben müsste. 

Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Stereo-To Surround
Bewertung Klang Stereo
 
Fazit

Der Harman Kardon AVR-5500 ist ohne Zweifel ein besonders gut gelungenes Gerät. Während man sich bei den raschen Wechseln der Gerätegenerationen heutzutage oftmals fragt, wo denn beim neuen Modell der Fortschritt zu finden ist, gehen die Entwickler bei Harman Kardon anscheinend mit dem richtigen Sachverstand und nicht übereilt an die Planung der neuen Modelle. Daher hat der AVR-5500 in allen Belangen ein Stück zugelegt: So ist der Heimkinoklang kräftiger, akzentuierter, die Endstufen treten nun bärenstark an, auf der anderen Seite versteht es der AVR-5500, schon wie der Vorgänger, bestens, auch kleine Feinheiten ausreichend zu berücksichtigen. Besonders gut gefällt immer wieder die feinfühlige Stimmwiedergabe. Wer Stereo-Musik in Surround-Version genießen möchte, liegt beim AVR-5500 ebenfalls richtig: Mit dem neuen Logic 7/7.1 bearbeitet der AV-Receiver mit einem hervorragenden Ergebnis Zweikanal-Aufnahmen: Das Klangbild ist luftig und weitläufig, der Hochtonbereich ertönt differenziert, und mit der gebotenen Performance im Bassbereich kann man nicht nur zufrieden sein - sie ist schlichtweg das Beste, was Stereo-To-Surround-Aufpolierer zurzeit leisten können. Dolby PLII hat knapp das Nachsehen - vor allem dann, wenn das Feature so hervorragend integriert ist wie im Konkurrenten von Denon: Der AVR-3802 klingt im PLII Music Modus nach wie vor ausgezeichnet. Im Gegensatz zum Harman Kardon ist im Ausstattungsumfang des Denon die Komplettversion von PLII inklusive aller Einstellmöglichkeiten im Music Mode enthalten. Überhaupt dürfte der AVR-3802 der härteste Konkurrent für den neuen Harman Kardon sein: Beide Geräte bieten eine Qualität und ein Potential, das man auch in weitaus höheren Preisregionen ohne weiteres nicht voraussetzen kann. Erfreulich dabei ist aber, dass durch die unterschiedliche Prioritätensetzung beider Geräte die verschiedenen Ansprüche der Kunden optimal bedient werden: Der AVR-3802, den man aufgrund seiner hervorragenden Ausstattung mit sieben kräftigen Endstufen auch "Mr. Extended Surround" nennen könnte, überzeugt mit einem unschlagbaren Ausstattungspaket und einer hervorragend funktionierenden Matrix auch bei Dolby Digital-codierter Software. Damit bietet der Denon ein Surround-Klangerlebnis erster Güte. Dem Harman Kardon fehlt zum vollkommenden Glück hier eine Matrix, die auch im Dolby Digital-Betrieb einzusetzen ist. Ebenfalls muss, möchte man DTS ES-Qualität genießen, noch eine weitere Stereoendstufe für die Back Surround Kanäle her. Ausstattungs- und Back Surround-Fanatiker, denen eine weitläufige Surround-Klangkulisse über alles geht, sollten also nach wie vor zum Denon greifen. Die Schwerpunkte des Harman Kardon liegen auf anderen Gebieten: Zum einen sind die verbauten Endstufen qualitativ das Beste, was man in dieser Klasse kaufen kann. Dass es so schwierig ist, einen 1299 EUR-AV-Receiver durch kompromissloses Pegeltreiben in Verlegenheit zu bringen, mag man kaum glauben. Maßstäbe setzt der Harman Kardon auch im Stereo-Betrieb. Feinfühliger, sauberer und transparenter spielen höchstens reine Stereo-Verstärker - aber kein anderer AV-Receiver dieser Preisklasse. Dazu kommt ein ausgefeiltes Bedienkonzept mit der sehr gut funktionierenden automatischen "EZSet"-Lautsprecher-Einpegelung mittels eines Messmikrophons, das in die Fernbedienung integriert ist. Auch dieses praxisgerechte Feature bietet außer Harman Kardon kein anderer Hersteller in dieser Preisklasse. Gerade diejenigen Heimcineasten, die keine Lust verspüren, ewig lang mit einem Sound Level Pressure Meter herumzuexperimentieren, werden "EZSet" sehr schnell zu schätzen wissen. Harman-gewohnt akkurat präsentiert sich die Verarbeitung. So sieht die Bilanz des AVR-5500 äußerst erfreulich aus: Zusammen mit dem AVR-3802 ist er in der Klasse bis 1400 EUR zur Zeit das beste Angebot. 

Der neue AVR-5500 stürmt sofort an die Spitze seiner Klasse
Gesamturteil:
 
Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis:

 

Pro:
  • Endstufen mit überragenden Kraftreserven
  • Überragender Mehrkanal-Musikklang
  • Bester Stereoklang seiner Klasse
  • Hervorragender Klang bei der Filmwiedergabe
  • Logic 7/7.1 mit überdurchschnittlicher Performance
  • Einfache Bedienung
  • Sehr gute Verarbeitung
Contra:
  • Keine Back Surround-Matrix bei der Dolby Digital 5.1/5.1 EX-Wiedergabe

  • Dolby PLII ohne Einstellmöglichkeiten im Music Mode

 

Die technischen Daten:
  • Decodiert Dolby Digital 5.1/DTS 5.1, DTS ES Discrete/Matrix 6.1
  • Surround-Aufpolierer: Dolby ProLogic II, Modi Cinema oder Music (Light-Version ohne Einstellmöglichkeiten) 
  • DTS NEO:6, Modi Cinema oder Music  
  • Logic 7/7.1., Modi Cinema oder Music  
  • Leistung im Fünfkanal-Surround-Modus (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) 75 Watt pro Kanal
  • Maximale Leistungsaufnahme: 694 W
  • Anschlüsse: Achtkanaleingang, Achtkanal-Pre-Out, 2 optische/2 koaxiale Digitaleingänge, ein optischer/ein koaxialer Digitalausgang, 4 AV-Eingänge, FBAS/S-Video-beschaltet, 2 AV-Ausgänge (FBAS/S-Video-beschaltet), 1 Monitor-Ausgang (S-Video/FBAS), 2 Komponenteneingänge, 1 Komponentenausgang, 2 Audio-Eingänge (CD/Tape), ein Audioausgang (Tape), 1 Front AV-Anschluss mit S-Video/FBAS-Beschaltung, 1 optischer und 1 koaxialer Anschluss auf Frontplatte
  • Beleuchtete, vorprogrammierte und lernfähige Systemfernbedienung mit EZSet-Funktion zur Einpegelung der Lautsprecher mittels eines integrierten Messmikrophons
  • Maße (B x H x T in mm):440 x 165 x 435
  • Gewicht:15,9 kg
  • Farbe: Schwarz
  • Preis: 1299 EUR

Test: Carsten Rampacher

03. April 2002 

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