Test: Harman/Kardon AVR-3550

 

Die Preisklasse zwischen 500 und 750 EUR ist bei den AV-Receivern zurzeit besonders interessant. Mit dem Yamaha RX-V630 für 549 EUR, dem 599 EUR kostenden Denon AVR-1803 (18.9.2002) und dem THX Surround EX/THX Select-Gerät Kenwood KRF-V9060D (729 EUR) gibt es gleich drei überragende Geräte, und mit dem Pioneer VSX-D811 (649 EUR) scharrt bereits ein weiterer erfolgversprechender Kontrahent in den Startlöchern. Allen genannten Geräten gemein ist die Extended Surround-Tauglichkeit, Dolby Digital 5.1 EX und DTS ES Compatible 6.1 wird mindestens decodiert (dies tut der Yamaha, der dafür von allen am günstigsten ist), die anderen setzen mit DTS ES Matrix/Discrete 6.1-Decodern noch einen drauf. Also maximale Ausstattung zum minimalen Preis, gerade Feature-Fans werden mit den rundherum überzeugenden Geräten mit Sicherheit glücklich. Doch es gibt auch noch Hersteller, die in dieser Preisklasse eher den 5.1-Traditionalisten, der gut auf die Extended Surround-Tonformate verzichten kann, entsprechende Modelle anbieten, deren Reize in ganz anderen Disziplinen liegen: Ein solcher Hersteller ist ohne Zweifel Harman Kardon, und so decodiert der nagelneue, 699 EUR kostende AVR-3550 zwar keine Extended Surround-Tonformate, dafür liefert er andere, gerade den anspruchsvollen Musikhörer überzeugende Argumente: So liefert HK audiophile 192 kHz/24-Bit D/A.Wandler für alle Kanäle mit, die Leistungsangaben (Leistung im Fünfkanal-Surround-Modus (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) 65 Watt pro Kanal) klingen zwar nicht berauschend, wer aber weiß, dass Harman Kardon unter sehr harten Bedingungen misst, wird bereits ahnen, dass auch der AVR-3550 wieder jede Menge Kraft bereit stellen wird. 

Als weiteres "Schmankerl" bringt der im typischen Harman Kardon-Design gehaltene hochwertig verarbeitete AV-Receiver das klanglich sehr überzeugende Logic 7 mit, so dass zusammen mit dem ebenfalls vorhandenen Dolby Pro Logic II (ohne Einstellmöglichkeiten im Music Mode) gleich zwei empfehlenswerte Surround-Aufpolierer mit an Bord sind. Auch eine gut aufgebaute, prima verarbeitete Fernbedienung gehört mit zur Harman-Package, dem Bedienkomfort zuträglich sind das sehr gut arbeitende Lautsprecher-Einpegelverfahren EZSet, das eine exakte Lautstärkeanpassung der Lautsprecher mittels eines in die Fernbedienung integrierten Messmikrophons möglich macht, und ein klar strukturiertes On Screen Display.  Die Anschlussbestückung ist der Preisklasse angemessen, unter anderem gibt es vier digitale Eingänge und zwei digitale Ausgänge. Auf Komponenten-Ein/Ausgänge, die die Konkurrenz teilweise mitbringt, verzichtet man bei HK, ebenso auf Pre-Outs (die man in Anbetracht der sehr leistungsfähigen Endstufen aber auch nicht zu sehr vermissen wird). Nur der obligatorische Subwoofer-Pre-Out ist vorhanden. 

Bewertung
 
Bedienung

Hier gefällt zunächst das ausgezeichnete, "EZSet" genannte und von anderen Harman Kardon Modellen schon bekannte Feature, das mittels eines Messmikrophons in der Fernbedienung für die richtige Einpegelung der Lautsprecher sorgt. Nach knapp 3 Minuten ist meist schon alles vorbei, die Klangkulisse ist stimmig, wirklich jeder Lautsprecher ist am Hörplatz gleichlaut zu hören. Kurz in die ausführliche Bedienungsanleitung geschaut, und schon kann es losgehen - das ist eine Vereinfachung, die gerade dem Einsteiger großen Nutzen bringt. Umso unverständlicher erscheint es uns, wieso Harman Kardon bei der Einstellung der Delay-Time auf die altmodische und wenig komfortable Eingabe in Millisekunden (ms) setzt. Diese Eingaben sind für den Center und für die Surround-Lautsprecher zu machen. Die Berechnung der Center Delay Time als abstraktes Beispiel: Vom Abstand der Frontlautsprecher zum Hörplatz wird der Abstand des Centerlautsprechers zum Hörplatz abgezogen, diese Zahl dann durch 30 geteilt. Das Ergebnis ist die Verzögerungszeit in ms. Konkretes Beispiel: Die Fronts sind 300 cm vom Hörplatz entfernt, der Center 240 cm, dann errechnet sich die Verzögerungszeit für den Center wie folgt: 300 - 240 = 60, 60:30 =2, also 2 ms. Dies ginge mittels einer Eingabe für alle Lautsprecher, die in Metern vom Hörplatz aus gerechnet inzwischen bei vielen, auch preiswerten AV-Receivern möglich ist, weitaus einfacher. Ansonsten gefällt der Bedienkomfort auf der ganzen Linie. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, die Tasten sind insgesamt gut aufgeteilt, das Navigationskreuz mit mittig platzierter Enter-Taste ist zentral untergebracht und der Druckpunkt der einzelnen Tasten ist o.k., wenngleich manche Tasten etwas zu sensibel sind. Sehr erfreulich ist, dass der AVR-3550 ein komplettes OSD mitbringt, was in dieser Klasse alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Dieses OSD ist klar aufgebaut, so ist z.B. auch die Zuweisung der Digitaleingänge oder die Justage der Lautsprechergröße sehr einfach. Die Bedienung der Tasten am Gerät selber stellt den Heimcineasten ebenfalls vor keine Schwierigkeiten.

Bewertung
Ton

Testequipment:

 


Klang Film


Hier bietet der AVR-3550 gerade bezüglich der Kraft der fünf eingebauten Endstufen eine großartige Leistung. Bei der Wiedergabe von "Star Wars Episode 1, The Phantom Menace" spielte der AV-Receiver auch ohne die Hilfe eines aktiven Subwoofers hervorragend auf. Die Basskraft war wahrhaftig enorm, so dass man als Käufer des HK eine Übergangszeit sehr gut ohne aktiven Basslautsprecher auskommen kann. Hier raten wir ganz klar: Lieber den HK zunächst mit 2 größer volumigen Standlautsprechern für den Frontbetrieb einsetzen, anstatt sich gleich irgendeinen preisgünstigen aktiven Subwoofer zu erstehen, an dem eigentlich nur eins gefällt: Der niedrige Preis. Lieber länger auf ein höherwertiges Modell sparen, dieses bringt dann auch echte Freude und sorgt für ein hervorragendes Bassfundament mit einer richtigen Paarung aus Volumen und Präzision. Da sind dann natürlich noch deutlich hörbare Verbesserungen im Vergleich zum Höreindruck ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer. Fest steht auf jeden Fall, dass der HK mit seiner großen Kraft auch eine tadellose Effektwiedergabe möglich macht, die Surround-Soundkulisse ist sehr gut aufgebaut. Nicht verschwiegen werden sollte aber an dieser Stelle die Tatsache, dass hier die Konkurrenz im Extended Surround-Betrieb doch Vorteile für sich verbuchen kann: Kenwood KRF-V9060D und Denon AVR-1803 klingen ganz besonders dann, wenn 2 Back Surround Lautsprecher angeschlossen sind (beim Denomn kann die eine Endstufe auf 2 Back Surround-Lautsprecher aufgeteilt werden, beim Kenwood ist dies mittels externer Endstufe realisierbar), noch dichter, räumlicher und von der Effektgestaltung her reichhaltiger. Auch der Yamaha RX-V630 mit der Möglichkeit, einen Back Surround Center anzuschließen, bietet hier ein Plus an Volumen und räumlicher Dichte. Der Harman Kardon macht diesen Nachteil mit seiner sehr differenzierten, klaren Stimmwiedergabe wett, doch hat er mit dem in dieser Disziplin überragenden Denon AVR-1803 einen ebenbürtigen Gegner. Ist die Film-Software weniger gut als nun die genannte, hervorragend abgemischte Star Wars-DVD, ist es der Yamaha RX-V630, der uns immer wieder überrascht: was er, auch mit Hilfe seiner teilweise ausgezeichnet gelungenenn DSPs auch noch aus mittelprächtigen Abmischungen in jeder Beziehung herausholt, verdient allen Respekt. Bleibt der Kenwood KRF-X9060D, der mit seinem extrem heftigen Antritt und der reichhaltigsten Surround-Klangkulisse auch nach dem Auftauchen des AVR-3550 die erste Wahl für diejenigen sein wird, die viel Action- und Sci-Fi-Filme anhören. Geht es allerdings um die schiere Dauerleistung bei hohen Lautstärken, also sollten gleich mehrere Filme in Folge in heimkinotauglicher Lautstärke angehört werden, schlägt die große Stunde des HK: Obwohl die Konkurrenz keinesfalls schwächliche Endstufeneinheiten verbaut, zieht der HK mit der großen Gelassenheit, die seine Endstufen auch im hochpegeligen Dauereinsatz an den Tag legen, an allen vorbei. Auch wenn der HK nur 5 Endstufen mitbringt, die fehlende 6. Endstufe macht der HK durch die überragende Performance wett. Auch bei "X-Men" (Code 2) kommt der HK sehr gut zur Sache, mit einem stimmigen Volumen und einer ausgezeichneten, klaren Hochtonwiedergabe kann er ebenso punkten wie mit der passenden räumlichen Herausarbeitung und Platzierung auch kleinerer Effekte. 


Klang Mehrkanal-Musik

Bei Johann Sebastian Bachs Violinenkonzert, Bachwerkeverzeichnis 1042 (auf einer Naxos Musical Journey DTS/DD 5.1-DVD) begeistert der AVR-3550 mit seinen glasklaren und präzisen Klangbild. Ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer ist der hochwertige Receiver problemlos in der Lage, ein natürlich klingendes, nie zu dominantes, aber dennoch solides Grundfundament im Bassbereich zu schaffen. Liebevoll und akkurat versteht des der Harman Kardon, musikalische Feinheiten zu integrieren. Auch andere AV-Receiver dieser Preisliga arbeiten inzwischen mit einer beachtlichen Präzision, das Besondere an der HK-Offerte ist aber, wie stimmig der Receiver es zudem versteht, Feinheiten ins Gesamtklanbild einzuflechten, ohne die exakte Darstellung in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Die hohe Brillanz, mit der das Gerät gerade die Streicher wiederzugeben weiß, gefällt ebenso wie die tadellose räumliche Arbeit, die der AVR-3550 leistet. Dabei ist zusätzlich noch zu loben, dass die Höhe der Lautstärke beinahe keine Rolle zu spielen scheint, praktisch unbeeindruckt liefert der AV-Receiver kultivierte Leistung, erst bei sehr forcierten Pegeln merkt man doch, dass hier leistungsstärkere und weitaus teurere Geräte einen Vorsprung bezüglich der Souveränität der Darbietung verbuchen können. In dieser Klasse aber, das steht außer Frage, beeindruckt die Geschmeidigkeit und die Leistungsfähigkeit der verbauten Endstufen ungemein. Mit seinem klaren, frischen, aber dennoch im Bassbereich nicht schmalen Klangbild empfiehlt sich schon dieser recht kleine HK-Receiver für den anspruchsvollen Musikliebhaber. Dies wird ebenso bei Mozarts Symphonie Nr 40, Köchelverzeichnis 550 (auf einer Naxos Musical Journey DTS/DD 5.1-DVD) deutlich, hier begeisterte uns der Harman Kardon wiederum mit seiner feinen, detaillierten akustischen Zeichnung der Streicher, die mit der nötigen Prägnanz ertönen, ohne aber jemals auffällig dominant zu werden. Eine sehr gute Hochtonwiedergabe, auch von Streichern, haben in diesen Preisregionen inzwischen schon einige AV-Receiver , denn gerade bezüglich der akkuraten Darstellung hoher Frequenzen hat sich einiges bei der Konkurrenz getan. Aber bei HK versteht man es, sich mit dem AVR-3550 weiterhin einen kleinen Vorsprung in dieser Disziplin zu sichern: Die herausragende Mischung aus Detailreichtum und sprühendem Esprit macht fast die Interpretation möglich, der AV-Receiver liebe es, diese Art Musik wiedergeben zu dürfen. Jedenfalls wird so die Spielfreude der Musiker auch denjenigen Hörern sehr anschaulich verdeutlicht, die mit klassischer Musik eigentlich nicht allzu viel am Hut haben. Doch der AV-Receiver kommt auch mit völlig anders gearteter Musik problemlos zurecht und entfaltet seine überdurchschnittlichen Talente ebenso bei der Scorpions-DVD "Acoustica": Charismatisch gibt er die charakteristische Stimme des Sängers wieder - hierbei sollte der Musikfreund, der zwei hochwertige Lautsprecher für Front links/rechts einsetzt, aber dazu einen eher kleinvolumigen Center kombiniert, bedenken, dass er mit dieser Zusammenstellung das beachtliche Können des HKs nicht ausnützen kann. Optimal ist natürlich eine dritte, identische Standbox als Center zu verwenden, diese räumlich unterzubringen, gelingt aber verständlicherweise in der Praxis eher selten. Daher raten wir, einen zu den Standlautsprechern klangcharakteristisch passenden, möglichst hochwertigen und nicht zu kompakten Centerlautsprecher zum Einsatz zu bringen. Der Höreindruck dankt es einem: So frisch, gut akzentuiert und klar, wie die Stimmen dann ertönen, kann man voll und ganz zufrieden sein. Sehr schön arbeitet der AVR-3550 auch die Live-Atmosphäre des Konzertes heraus, die Beifallsbekundungen des Publikums ertönen raumfüllend und realistisch.

Klang Surround-Aufpolierer

Gleich zwei Stereo-Ton-Surround-Aufpolierer, Logic 7 und Dolby Pro Logic II, stehen dem Besitzer des HK-Geräts zur Verfügung, beide können wahlweise in einem Kino- oder einem Musik-Modus betrieben werden. Uns interessierten wie üblich die musikalischen Qualitäten, und die lassen gerade bei Logic 7 wieder aufhorchen: Besonders beeindruckt die saubere Stimmwiedergabe, die bezüglich der Klarheit und der Präzision kaum hinter der Stimmgüte im Stereobetrieb abfällt. Nur, weil der HK, wie man weiter unten lesen kann, im Stereobetrieb derart überragende Leistungen erbringt, ist doch noch im direkten Vergleich ein Unterschied heraushörbar. Das natürliche Raumgefühl und die Hochtonwiedergabe sichern Logic 7 einen kleinen Vorsprung vor Dolby PLII, das zwar für die Freunde basslastiger Musik mit mehr Volumen antritt, in den Punkten Brillanz und Präzision aber abfällt. Letztendlich bleibt es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, welcher der beiden Surround-Aufpolierer besser gefällt. Von Vorteil wäre es, wenn Harman Kardon bei der nächsten Überarbeitung am besten gleich beiden Surround-Aufpolierern noch eine Einstellmöglichkeit für die Klanganteile, die zum Center geführt werden sollen, mitgeben würde. Bei Pro Logic II gibt es diese prinzipiell bereits und kommt auch in verschiedenen AV-Receivern der Konkurrenz zum Einsatz ("Center Width Control"), HK verbaut aber lediglich die "Light"-Variante von PLII ohne die Einstellmöglichkeiten im Music Mode. 


Klang Stereo

Bezüglich der Güte der Stereowiedergabe hat sich auch in den günstigeren Preisklassen Erfreuliches getan. Diejenigen, die behaupten, die Hersteller würden an den neuen Modellen immer nur noch mehr verdienen wollen, indem sie billig zu realisierende Features hineinpacken, aber an den elementaren Dingen sparen, sollten sich einmal, ohne voreingenommen zu sein, verschiedene AV-Receiver, z.B. von Denon oder Yamaha, im Stereobetrieb anhören. Viel klarer und aussagekräftiger ist der Klang geworden, dazu homogener und plastischer. Der Vorsprung, den Harman Kardon in der Disziplin Stereowiedergabe hatte, drohte komplett dahinzuschmelzen. Doch das behutsame Facelift, das aus dem AVR-3500 den AVR-3550 machte, setzte anscheinend genau am richtigen Punkt an: Der AVR-3550 kann sich, vor den ebenfalls überraschend guten Denon AVR-1803 und Yamaha RX-V630/730, an die Klassenspitze der AV-Receiver bis 750 EUR setzen. Dies verdankt der Harman Kardon zwei Faktoren: Zum einen der überragenden Bassarbeit, angenehm rund, aber dennoch höchst präzise, zum zweiten der hervorragenden Brillanz der Höhen. Die Klangcharakteristik vereint Klarheit und Harmonie, Feinarbeit und dynamischen Antritt, wie der AV-Receiver bei Felix Mendellsohn-Bartholdys 1. Symphonie zum Ausdruck brachte. Dass ihm auch kräftige Dynamiksprünge nichts ausmachen, zeigte sich bei Peter Tschaikowskys "1812 Ouvertüre", wo der HK auch bei hohen Pegeln sehr gefällig agierte und eine exzellente Plastizität bieten konnte. 

Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Dolby PLII/Logic 7
Bewertung Klang Stereo

Fazit

Es ist schon beeindruckend: Fünf Firmen geben zur Zeit bei den bezahlbaren Consumer-Geräten, Sparte AV-Receiver, den Ton an - und zwar praktisch in jeder Preisliga: Denon, Yamaha, Kenwood, Pioneer und Harman Kardon. Nun hatten wir die Konkurrenz von Yamaha, Kenwood und Denon bereits hier zum Test, und es folgt auch in den nächsten Wochen der Pioneer VSX-D811. Nun, es ging in diesem Test darum, zu beurteilen, was Harman Kardon den praktisch voll ausgestatteten AV-Receivern entgegen zu setzen hat. Nach dem Test steht nun fest: Es ist eine ganze Menge, aber es gab auch eine Menge zu verteidigen. Gerade der differenziert aufspielende Denon AVR-1803 war den traditionell sehr musikalischen Harman Kardon-Receivern mit seiner exzellenten Wiedergabe im Mehrkanal-Musikmodus und mit seiner tadellosen, sehr gefälligen Stereowiedergabe eng auf den Fersen. Hier war es vonnöten, durch ein sanftes, aber klanglich spürbares Facelift zurückzuschlagen, und so ist es an der Zeit, in eine neue Stereo-Dimension vorzudringen: So klar, plastisch und detailliert der AVR-3550 klingt, ist es eine wahre Freude, im zuzuhören. Nicht, dass darum die Konkurrenz, die gerade im Stereobetrieb enorme Fortschritte zu verzeichnen hat, plötzlich völlig hinten dran ist - aber die Leistungen des AVR-3550 sind so gut, dass selbst erfahrene Hörer es vermutlich nicht glauben wollen, dass hier nicht ein reinrassiger Stereoverstärker am Werk ist. Die Sauberkeit des Klangs, gepaart mit einer hervorragenden Spielfreude, die durch eine gelungene Kombination aus Dynamik und Detailreichtum ebenso gekennzeichnet ist wie durch eine unglaubliche Brillanz in den Höhen, sorgt dafür, dass der AVR-3550 hier in einer eigenen Liga spielt. Daher sollte man aber eins bedenken: Wer den wunderschön gesoundeten AVR-3550 betreibt, sollte dem Gerät auch wohlklingende Standlautsprecher als Spielpartner gönnen. Selbst ein noch so gutes Sub/Sat-System, und es gibt einige Offerten, die summa summarum einen hervorragenden Level erreicht haben, schafft es nicht, das imposante Potenzial des Harman Kardon umzusetzen. Doch auch sonst trumpft der AVR-3550 auf: Im Mehrkanal-Musikbetrieb gefällt seine sehr lebendige und trotzdem sehr feinfühlige, in die Tiefe gehende, nie oberflächlich-flaue Darstellung der verschiedenen Test-DVDs. Hervorragend arbeitet wiederum das Logic 7-System, auch die PLII-Integration ist gut gelungen. Schade nur, dass es bei keinem der beiden Surround-Aufpolierer eine Kontrolle der Klanganteile gibt ("Center Width Control"), die zum Center-Lautsprecher geführt werden. Hier wäre es ratsam, nachzubessern. Kaum noch etwas zu verbessern gibt es bezüglich der Leistungsfähigkeit der verbauten Endstufen: Das hier Gebotene ist in dieser Klasse das Optimum. Nicht vergessen darf man aber, dass die Konkurrenz für dasselbe Geld schon sechs Endstufen und eine Decodierung verschiedener Extended Surround-Tonformate mitbringt - dies hat der Harman Kardon nicht. Die Souveränität aber, mit der dem AVR-3550 auch noch höchste Pegel oder mehrstündige Belastungen von der Hand gehen, ist bestechend. Nie wirkt der AV-Receiver angestrengt, die Kraft kommt einfach, ohne nennenswerte Anzeichen irgendeiner Belastung. Damit die Verhältnisse im richtigen Licht erscheinen, wollen wir aber darauf hinweisen, dass es keinesfalls so ist, dass die Endstufen der Konkurrenz von schwächlicher Natur sind, auch wenn immer wieder in Beiträgen, deren Inhalt meist auf ungünstig dimensioniertem und/oder abgestimmtem Equipment beziehungsweise auf praxisfremden Messungen beruht, von angeblichen Leistungsproblemen die Rede ist - weder der Denon AVR-1803, noch der Kenwood KRF-V9060D oder der Yamaha RX-V630 leiden unter Leistungsmangel, im Gegenteil: Gerade diejenigen, die behaupten, früher sei ja immer alles besser gewesen, sollten sich mal von allen Vorurteilen frei machen und die aktuelle Generation an AV-Receivern dieser Preisliga einmal ausgiebig austesten. Dann werden auch kritische Hörer feststellen, dass es nirgendwo ernsthafte Leistungsprobleme gibt, auch nicht bei forcierten Pegeln, auch nicht im mehrstündigen Dauereinsatz und auch dann nicht, wenn kein aktiver Subwoofer als tatkräftige Unterstützung angeschlossen ist. Der Unterschied zum HK liegt nur in der nochmals größeren Gelassenheit, die der AVR-3550 an den Tag legt. Ansonsten kann der AV-Receiver mit seiner gut gelungenen Fernbedienung, dem hervorragend arbeitenden Einmesssystem EZSet und einer tadellosen Verarbeitung punkten. Auch das Vorhandensein eines gut aufgebauten OSDs wird positiv im Testprotokoll vermerkt - weniger gern sehen wir es allerdings, dass die Einstellung der Delay-Time zu umständlich ist. Am Top-Testergebnis des neuen HK-Receivers ändert dies aber nichts mehr. 

Im Musikbetrieb bietet der AVR-3550 in dieser Klasse die besten Leistungen
 
Mittelklasse
Test 07.10.2002
Preis-/Leistungsverhältnis:

 

Pro:
  • Brillante musikalische Fähigkeiten
  • Endstufen mit überragender Dauerperformance
  • Natürlicher, weitläufiger Filmton
  • Logic 7 und Dolby Pro Logic II
  • Hervorragend arbeitendes EZSet zum Einpegeln der Lautsprecher
  • Exzellente Fernbedienung
  • 192 kHz/24-Bit-D/A-Wandler für höchste Klanggüte
  • Sehr gute Verarbeitung
Contra:
  • Keine Extended Surround-Funktionen

  • Delay-Time-Einstellung unpraktisch

Die technischen Daten:
  • Decodiert Dolby Digital 5.1/DTS 5.1
  • Dolby ProLogic II, Modi Cinema oder Music (Light-Version ohne Einstellmöglichkeiten) 
  • Logic 7, Modi Cinema oder Music  
  • Leistung im Fünfkanal-Surround-Modus (Sinus (FTC), 20 Hz bis 20 kHz, Klirr < 0,07 %, an 8 Ohm) 65 Watt pro Kanal
  • Leistungsaufnahme im Leerlauf 72 W, Maximale Leistungsaufnahme: 580 W (2 Kanäle werden angetrieben)
  • Drei AV-Eingänge (S-Video-beschaltet) und zwei AV-Ausgänge 
  • 6-Kanal-Eingang
  • 4 Digitaleingänge (2 x optisch, 2 x koaxial)
  • 2 Digitalausgänge (1 x optisch, 1 x koaxial)
  • Systemfernbedienung mit EZSet-Funktion zur Einpegelung der Lautsprecher mittels eines integrierten Messmikrophons
  • On Screen Display
  • Maße (B x H x T in mm):440 x 168 x 390
  • Gewicht:12,0 kg
  • Farbe: Schwarz
  • Preis: 699 EUR

Test: Carsten Rampacher

07. Oktober 2002 

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