Test: Harman Kardon AVR-7300
Videoprozessor

Es ist erstaunlich, dass es Harman Kardon geschafft hat, für den sehr fairen Kaufpreis des AVR-7300 auch noch einen aufwändigen Videoprozessor mitbringt, der auf hochentwickelte Faroudja-Technologie zurückgreift. Einziger Nachteil: Mehr die normale DVD-Auflösung ist nicht drin, HDTV-Signale in 720p oder 1.080i werden nicht ausgegeben. Ansonsten aber ziehen wir den Hut vor den Leistungen des Harman in Bezug auf die Aufbereitung von Videosignalen: Gerade günstigere DVD-Player haben nicht den Hauch einer Chance gegen die geballte visuelle Power des Videoprozessors. Bei "Gladiator" z.B. begeistert der AVR-7300 mit erstklassiger Bewegungsadaption, einer natürlich-knackigen Bildschärfe, einem ausgezeichneten Kontrast und einer überragenden Detailarbeit. Die Schlacht gleich zu Beginn des Blockbusters wird durch die flüssigen, klaren Bewegungsabläufe, die praktisch ohne sichtbaren Detailverlust auf dem Bildwiedergabegerät erscheinen, besonders authentisch übertragen. Der AVR-7300 eröffnet völlig neue Perspektiven, denn im Grunde reicht hier ein ganz normaler DVD-Spieler völlig aus. Dieser führt die Interlaced-Signale (am besten über Komponente) in den AVR-7300 hinein, wo dann der Faroudja-Prozessor das De-Interlacing vornimmt. 

Verschiedene andere Szenen - besonders die Kampfszenen in den Arenen -beweisen bei "Gladiator" erneut, dass der Videoprozessor ganze Arbeit leistet. Er beeindruckt immer wieder durch die hervorragende Detaillierung auch bei schnellen Bewegungen. Störende Treppenmuster, Artefakte oder Blockbildungen sind praktisch nie sichtbar - für analoges YUV in normaler Auflösung ist das Ergebnis des HK so gut, dass nicht viele DVD-Player hier mitkommen. Da müssen schon Ausnahmetalente wie unser Onkyo DV-SP1000E her, um nochmalige Performance-Steigerungen zu bewirken. 

Erstaunt hat uns auch die Bildqualität, die der HK ermöglicht, wenn die Videosektion alles geben muss, also nicht nur der Videoprozessor gefragt ist, sondern wenn zusätzlich eine Normwandlung des Videosignals, in unserem Falle von Composite (auch "Video" genannt und die qualitativ schlechteste Übertragungsvariante, da das gesamte Videosignal zusammen in einer einzigen Cinchleitung übertragen wird), erforderlich ist. Bei "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" brachte der AVR-7300 ein ausgezeichnetes Ergebnis zustande. So sind typische Composite-Störungen wie Moiréeffekte oder unsaubere Konturen durch die Signalwandlung praktisch verschwunden, im Vergleich zur Anlieferung qualitativ hochwertiger analoger Videosignale (YUV) wirkt die Bildschärfe zwar auch hoch, aber nicht so harmonisch. Auch wenn man den "Enhance Level" erhöht, steigt zwar die Bildschärfe, dafür wirkt das Ergebnis nicht mehr so homogen und stimmig. Auch Konturen und Details zeigen, dass auch HK nicht zaubern kann. Das insgesamt erstaunlich klare und differenzierte Bild ist aber summa summarum eine faustdicke Überraschung. 

Die Einstellmöglichkeiten:

 

Das Video-Hauptmenü des AVR-7300 bietet folgende Einstellmöglichkeiten:

  • Source: Einstellmöglichkeit für den Eingang, der bearbeitet werden soll

  • Bei eigener Bezeichnung des Eingangs (es ist möglich, dass der Anwender jedem Eingang einen eigenen Namen zuweist) taucht diese Bezeichnung bei "Title" auf

  • Source Type: Hier wird das Wiedergabemedium eingetragen, z.B. ob ein Videorecorder oder ein DVD-Spieler am betreffenden Eingang eingesetzt wird. In den "Advanced"-Menüs können hier Einstellungen getroffen werden. Es ist möglich, die Bildqualität folgender Zuspieler zu optimieren: a) DVD, b) VCR, c) Cable Dig für digitale Kabelempfänger, d) Sat Dig für digitale Satellitenempfänger, e) Cable Analog für analoge Kabelempfänger, f) Sat Analog für analoge Satellitenempfänger, g) Camera Ana, für analoge Videokameras, h) Cable Dig, für digitale Camcorder oder Fotokameras

  •  Display Type: Hier kann das verwendete Bildwiedergabegerät eingestellt werden, zur Wahl stehen CRT (Röhren-TV), Bildformat auf 4:3 voreingestellt (lässt sich manuell auf 16:9 abändern), Project (für Front- oder Rückenprojektions-Bildwiedergabegeräten, Voreinstellung 4:3), Plasma für Plasma-Bildschirme, DLP für DLP-Projektoren und DLP-Rückenprojektionsfernseher (Voreinstellung Bild 16:9), LCD für LCD-TVs und LCD-Beamer (Bild-Voreinstellung 16:9)

  • Video Input Port: Entweder sucht der AVR-7300 in der "Auto"-Einstellung selbst nach einer Videosignalquelle, es kann auch manuell eine feste Quelle eingegeben werden (z.B. YUV)

  • Enhance Level: Die Höhe des Enhance Levels legt fest, in welcher Stärke die hochfrequenten (für die Detailwiedergabe verantwortlichen) Bildteile durch Berechnungen des Faroudja-Prozessors verstärkt werden. Durch die Erhöhung des Werts für das Enhancement wird die Bildschärfe hochgezogen. Je nach Quellmaterial und Bildwiedergabegerät kann die Einstellung variiert werden. Wir raten,  bei ausgezeichnetem Quellmaterial, das auf prinzipiell scharf wiedergebenden Bildwiedergabegeräten (Plasma oder LCD) dargestellt wird, vorsichtig mit der Einstellung zu sein. Bei Röhrenfernsehern, die ein nicht so extrem scharfes Bild haben, kann der Wert höher eingestellt werden. 

  • "In Aspect Ratio" - legt das Bildformat fest, in dem das Eingangssignal vorliegt.

Video-Enhanced-Menü 1:

  • Noise Reduction: Rauschreduktion

  • X-Color Suppressor: Reduziert Moiré-Effekte bei Composite-Quellen

  • DCDi Interpolation: Faroudjas DCDi-Technik berechnet jeden einzelnen Bildpunkt in Relation zu den umliegenden Pixeln und legt die Ausrichtung des Bildpunktes flexibel neu fest. So verhindert DCDi effektiv störende Blockbildungen und unpassende Treppenmuster.

  • Filmmode Detect: Bei Aktivierung dieser Funktion wird eine Filmvorlage als eine solche erkannt, was sich darin zeigt, dass die ursprüngliche, Film-typische Bildwiederholungsrate durch den Angleich der einzelnen Frames wiederhergestellt wird.

  • Filmmode Edit Detect: Hier wird bei der Wiedergabe von Sequenzen, die von Original-Filmvorlagen stammen, nach Unterbrechungen der Frame-Folge abgesucht, derartige Unterbrechungen werden ausgeglichen.

  • Fleshtone Noise Reduction: Der Prozessor optimiert seine Arbeitsweise auf eine bestmögliche Wiedergabe von Hautfarbe und Gesichtern bei gleichzeitiger Rauschreduktion

  • Composite Video Enhance: Optimierung von Helligkeits- und Farbsignalen sowie Schärfeoptimierung   

Video-Enhanced Menü 2:

  • VCR Sync Time Enhancer: Diese Option korrigiert ungleichmäßige Signale, die häufig bei Videorecordern auftreten. Der positive Effekt ist vergleichbar mit der Tracking-Einstellung bei konventionellen Videorecordern

  • Test Video: Die hier verfügbaren Testsignale werden für die Werkseinstellung des Videoprozessors im AVR-7300 verwendet. Das Testbild kann  vom Anwender z.B. zum Check des Bildwiedergabegeräts verwendet werden.

  • Out Aspect Ratio: Bildformat des ausgegebenen Bildsignals

  • Brightness: Einstellung der Bildhelligkeit

  • Contrast: Einstellung des Kontrastes

  • Saturation: Einstellung der Farbsättigung

Insgesamt überzeugt die Videosektion des AVR-7300 auf der ganzen Linie. Es ist höchst beeindruckend, welche gute Qualität und welche umfangreichen und effektiven Einstellmöglichkeiten HK offeriert.

Bewertung Justagemöglichkeiten Videoprozessor
Bewertung Bildqualität
Fazit

Der Harman Kardon schlägt die versammelte AV-Verstärker- und Receiverelite mit einer Souveränität, die wir nicht erwartet hätten: Gut, wir warten noch auf die neuen "Schlachtschiffe" AVC-A1XV (Denon) und TX-NR5000E (Onkyo), diese sind aber mehr als doppelt so teuer, und es ist in Anbetracht der Premiumleistungen des "Schnäppchens" AVR-7300 fraglich, ob sich akustisch der Mehrpreis tatsächlich lohnt oder ob in erster Linie Ausstattungsfanatiker und Liebhaber, die auch optisch geeignet untermalen wollen, den bestmöglichen, eindrucksvollsten AV-Verstärker/-Receiver zu nutzen, den Mehrpreis berappen sollten. Dass sich objektiv betrachtet klanglich noch sehr viel tun wird, darf bezweifelt werden, weil der Harman einfach unverschämt gut ist: Er bietet eine Pegelfestigkeit fast auf professionellem Niveau und schlägt sogar den Marantz SR-12S1 - der HK meistert höchste Pegel im 50 Quadratmeter-Hörraum mit einer Souveränität, die kein Konkurrent auch nur annähernd erreicht. Alle anderen Kontrahenten bis auf den ebenfalls bärenstarken Marantz werden locker auf Distanz gehalten, dazu zählen auch hervorragende Konkurrenten wie der Yamaha DSP-Z9 oder der Pioneer VSA-AX10i-S -  der HK sticht den Rest der AV-Receiver- und Verstärkerwelt also beileibe nicht nur durch den günstigen Preis, sondern vor allem durch die exorbitant hohe Pegelfestigkeit aus. Dass er bei der Heimkino- und Mehrkanal-Musikwiedergabe ebenfalls die mit Abstand besten Ergebnisse erzielt, die wir jemals hören durften, sorgt für weitere Glanzlichter. Passend dazu brilliert er auch mit den besten Surround-Aufpolierer-Ergebnissen, die wir bislang notiert haben. Was den Stereosound angeht, beweist der AVR-7300 ebenfalls seine Ausnahmestellung und schlägt selbst hochwertige Stereoverstärker der 1.000 €-Liga problemlos  Der superbe Faroudja-Videoprozessor sichert bei normal auflösenden Signalen eine erstklassige Bildqualität - die gesamte Videosektion ist durchdacht und arbeitet höchst effektiv. Echte Schwächen hat der HK keine, wer natürlich einen Ausstattungsumfang wie bei einer 6.000 €-AV-Maschine erwartet, wird das ein oder andere Feature vermissen - aber für 2.499 € bietet der Harman nicht nur ein Optimum, sondern akustisch das Beste, was es derzeit gibt. Daher erhält er als erster AV-Receiver unsere "Masterpiece"-Auszeichnung. Bestmögliche Qualität auch noch finanzierbar zu machen, verdient allerhöchste Anerkennung. 

Harman weist die Konkurrenz in die Schranken: Unter Berücksichtigung des Preis-/Leistungsverhältnisses ist der AVR-7300 der beste AV-Receiver überhaupt
Gesamturteil:
 
Masterpiece
 Bester bislang getesteter AV-Receiver-/Verstärker (Stand 12. Januar 2005)
Test 12.01. 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:
Pro:
  • Mit Abstand beste Performance  bei höchsten Lautstärken

  • Beste Pegelfestigkeit aller bislang getesteten AV-Verstärker und -Receiver

  • Absolut souveräne, extrem druckvolle Filmton-Wiedergabe

  • Klare, perfekt aufgebaute, zupackende und extrem präzise Mehrkanal-Musikwiedergabe

  • Überlegene Integration aller Surround-Aufpolierer

  • Für AV-Receiver weit überragender Stereoklang

  • Hervorragende Videosektion

  • Aufwändiger, professioneller innerer Aufbau des Geräts

  • Extrem günstiger Preis

  • Sehr flexible Anschlussbestückung

  • Audio-Delay an Bord

  • Durchdachte Bedienung

Contra:
  • Gerätefront aus Kunststoff

  • Keine digitale Hochgeschwindigkeitsschnittstelle

Die technischen Daten
Modell

AVR 7300

 

 

Typ

High End 7.1 AV-Receiver

Unverb. PE incl. MwSt.

€ 2.499,-

 

 

Leistung:

 

Ausgangsleistung RMS/8Ohm bei Betrieb aller Kanäle gleichzeitig

7 x 110 W RMS

Ausgangsleistung RMS/8Ohm im  Stereobetrieb

2 x  125 W RMS

Verstärkerart

HCC +/- 75 Ampere

Klirrfaktor

0,07%/8Ohm

Frequenzgang @ 1W (-3dB)

10 Hz – 130 kHz

Rauschspannungsabstan (IHF-A)

> 100 dB

Stromversorgung

Ringkerntransformator mit getrennten Netzteilen für Pre-Main und Front und Rear Kanäle

Max. Leistungsaufnahme

1.36 KW (bei 7 Kanal Nennleistung)

Unterstützte DSP-Formate

 

DTS / DTS ES Discrete, Matrix / Neo:6

Ja

DTS 96/24

Ja

Dolby Digital / Dolby Digital EX / Dolby Pro Logic II / Dolby Pro Logic IIx

Ja

Logic 7 / VMAx

Ja

Circle Surround

-

MP3 / WMA

Ja

HDCD

Ja

Dolby HeadPhone / Dolby Virtual Speaker

Ja

Virtual Surround

Ja

Multi Channel Stereo

5/6/7

Other Surround Modes

3

 

 

Ausstattung Audio

 

Analog Ein-/Ausgänge

8 (inkl. Front)/ 6 (Inkl. Front)

Opt. Digitalein-/-ausgänge

4 (inkl. Front)/ 2(Inkl. Front)

Coax. Digitalein-/-ausgänge

4 (inkl. Front)/ 2(Inkl. Front)

Digital Upsampling

Ja

DA-Wandler

24 bit/192kHz

Digital Processor

Crystal  49400

Quadruple Crossover Bassmanagement

Ja

SACD-/DVD-A Bassmanagement  bei 6/8-Kanal Direkteingang

Ja

Ausstattung Video

 

Composit Ein-/Ausgänge

6 (inkl. Front)/ 4 (Inkl. Front und Monitor)

S-Video Ein-/Ausgänge

6 (inkl. Front)/ 4 (Inkl. Front und Monitor)

Componenten-Ein-/Ausgänge

3 / 1

Bandbreite der YUV Eingänge

100 MHZ

 

 

Video-Bild-Bearbeitung

 

Digitale Video -Formatwandlung

FBAS<->S-Video<->YUV

DCDi Prozessor

Faroudja 2300

Noise Shaped Video

-

Progressive Scan Video Ausgang

Ja

Sonstiges

 

Vorverstärkerausgäng

7.1 Kanäle

Subwoofer Ausgang

Ja

8-Kanal Direkteingang

Ja

Multi-Room Audio Ausgang analog

Ja

Multi-Room Video Ausgang

Ja

Bidirektionale RS 232 Schnittstelle

Ja

DC Triggers

Ja

Front Speaker A+B

Surround Speaker A+B

Konfigurierbare  Rear Kanäle für Multiroom

Ja

D.Bus In/Out

A-BUS Multiroom Ausgaänge

Ja (2)

Externe IR In/Out

Lip-Sync  Time Delay

Bis 80 ms

 

 

Maße (B x Hx T)

440 x 194 x 521 mm

Ausführung

Silber-Aluminium

Gewicht

28,6kg

Ausführung

Silbern/Schwarz 2-farbig

Test: Carsten Rampacher

12. Januar 2005

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