Test: Harman Kardon AVR-630

16.06.2004 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume

Overview

Bereits der Harman Kardon AVR-230 für 599,-- EUR konnte in unserem Test mit exzellenten Resultaten positiv auffallen - anscheinend ist die aktuelle Harman Kardon AV-Receiver-Generation besonders gut gelungen. Ob sich diese Feststellung auch nahtlos auf das 1.299,-- EUR kostende Topmodell der Serie, den AVR-630, übertragen lässt, soll ein ausführlicher Test klären helfen. Die Voraussetzungen sind nicht einfach für den 630er, denn in der Preisklasse, in der er antritt, herrscht insgesamt ein überdurchschnittlich hoher Standard. Besonders zu erwähnen ist beispielsweise der Denon AVR-3805, der mit State-Of-The-Art-Ausstattung und exzellenten klanglichen Eigenschaften für 1.349,-- EUR angeboten wird und mit seinem gesamten Gerätekonzept auch sehr versierte Mehrkanal-Anwender anspricht. Von unten machen Yamaha und Marantz gehörig Druck, Yamaha zeigt mit dem RX-V1400, was für 850,-- EUR alles möglich ist, und Marantz stürmt mit dem SR-7400 an die Spitze der 1.000,-- EUR-Preisklasse - der antrittsstarke, gut ausgestattete AV-Receiver bietet mehr als manch teureres Gerät.

Der AVR 630 wurde von den Harman Kardon-Ingenieuren aber gut ausgerüstet, um ausreichend Paroli bieten zu können. Zu seinen Merkmalen gehören sieben hochstromfähige Verstärkerkanäle mit ultrahoher Bandbreite mit einer Leistung 7 x 75 Watt bei 8 Ohm - das klingt spontan nicht gerade nach Leistungsüberschuss, doch wer sich anschaut, welche Messprozedur diesen Leistungsangaben zu Grunde liegt, weiß, dass hier ein starker AV-Receiver vor ihm steht: Bei 20 Hz – 20 kHz, mit einem Klirrfaktor von < 0,07 % und einer gleichzeitigen Ansteuerung aller Kanäle. Die Hochstromfähigkeit von ± 50 Ampere ist beeindruckend, Stromspitzen verarbeitet der in schwarz-silbern gehaltene AVR-630 somit souverän. 192 kHz/24-bit-Audio-D/A-Wandler, ein hochwertiger CS 49400-24-bit-Dual-Core-DSP-Prozessor von Cirrus Logic mit 32-bit-Nachbereitung und die Decodierung aller gängigen Surround-Sound-Formaten sind weitere Ausstattungsmerkmale. Bestandteil der im AVR 630 eingesetzten Technologien bilden zudem auch die HDCD- Aufbereitung sowie die umschaltbaren vorderseitigen Audio/Video-Eingänge und koaxialen Digital-Audioeingänge. 

Weiterhin verfügt der AVR 630 über ein vollständiges Digitalbassmanagementsystem mit 4-Wege-Frequenzweiche für alle Eingänge, einschließlich der analogen 6/8-Kanal-Direkteingänge, so dass die Wiedergabe hoch aufgelöster Digital-Audioformate (z. B. DVD-Audio oder SACD) problemlos mit jedem beliebigen Lautsprechersystem (dieses sollte aber für die SACD/DVD Audio-Wiedergabe schon einigermaßen hochwertig sein) erfolgen kann, auch wenn der DVD Audio- oder SACD-Player nicht über ein geräteinternes Bassmanagement verfügt. Eine A/V Sync-Verzögerung zur Synchronisation von Audio- und Videosignalen, eine RS-232-Anschlussfähigkeit zur bidirektionalen Fernsteuerung und für Upgrades von Firmware und die neuentwickelte, attraktive EzSet-Fernbedienung mit 2-zeiligem LCD-Display gehören ebenfalls zur Harman-Package. Dolby Virtual Speaker- und Dolby Headphone-Aufbereitung; MP3-Wiedergabe sowie Tunersteckplätze, die künftige Upgrades für die HD Radio™-Technologie gestatten, machen den AVR-630 fit für die multimediale Welt. Für Anwender mit Interesse an Multiroom-Installationen ist zu erwähnen, dass der AVR 630 über A-BUS Ready-Anschlussoptionen und eine Vielzahl von digitalen wie auch analogen Video/Audio-Anschlüssen verfügt, wozu unter anderem zwei zuordenbare HDTV-kompatible Videoeingänge, sechs digitale Audioeingänge sowie vorderseitige S-Video-Eingänge und -Ausgänge zählen. Im Lieferumfang ist weiterhin auch eine Zone II-Fernbedienung für den Mehrraum-Betrieb vorhanden. 

Verarbeitung

Die Verarbeitung des AVR-630 ist tadellos - wenngleich wir uns für die Front anstatt hochwertigem Kunststoff lieber noch edleres Aluminium gewünscht hätten. Erfreulich ist, dass Harman Kardon bei den neuen AV-Receivern nun ein attraktives, fein auflösendes DOT-Matrix-Display integriert hat - endlich ist Schluss mit dem "Uhrenradio-Design" der Displays früherer HK-AV-Receiver-Generationen. Hochwertig wirkt auch der blau illuminierte Lautstärke-Drehregler. Die Funktionstasten direkt am Gerät hinterlassen ebenfalls einen guten Eindruck.

Schön anzusehen: Das großflächige DOT-Matrix-Display des AVR-630

Edel: Blau leuchtender Lautstärke-Drehregler

Auch die Rückseite des AVR-630 überzeugt, alle Anschlüsse sind sauber eingepasst. Die mitgelieferte Fernbedienung ist - zu unserer großen Freude - von überdurchschnittlich guter Qualität, was auch Details wie die sorgsam gummierte Rückseite belegen.

Ein schickes Design und eine hervorragende Verarbeitung zeichnen die mitgelieferte Fernbedienung aus 

Bewertung
Features und verwendete Baugruppen

Harman Kardon hat sich neben einem feinfühligen Klang mit extrem leistungsstarken, belastungsresistenten Endstufen einen Namen gemacht. Diese Tradition möchte auch der AVR-630 erfolgreich fortführen, daher haben ihm die Harman-Techniker hochstromfähige Verstärkergruppen mit besonders hoher Bandbreite und leistungsstarken Endstufen mit auf seinen Weg gegeben.  Durch diesen Aufbau wird laut Harman eine naturgetreue und dynamische Klangwiedergabe von digital hoch aufgelösten Musik- und Tonaufzeichnungen möglich. Selbst bei weniger leistungsstarken Lautsprechern ist eine fehlerfreie Frequenzübertragung im hörbaren Bereich, eine geringere Verzerrung, eine tadellose Phasenlinearität sowie ein erhöhter Hochfrequenz-Spielraum garantiert. Dass dies nicht nur leere Versprechungen sind, beweisen später unsere Testreihen. Was die wahl der Lautsprecher angeht, müssen wir aber schon hier etwas widersprechen - ein hochwertiges, klangstarkes Lautsprecher-Ensemble sollte man dem AVR-630 auf jeden Fall gönnen.

Damit selbst bei deutlich über dem Durchschnitt liegenden Betriebsanforderungen ein sicherer und zuverlässiger Betrieb und maximale Effizienz gewährleistet werden können, verfügt der AVR-630 über einen Kühlventilator, dessen Laufgeschwindigkeit über ein mikroprozessorgesteuertes Kontrollsystem reguliert wird. Hierdurch soll sichergestellt sein, dass das Gebläse nur dann aktiviert wird, wenn es erforderlich wird und die Lautstärke den Gebläselärm überdecken kann. Auf diese Weise wird gleichermaßen die Überhitzung des Geräts vermieden, während bei leisen Tonsequenzen kein störendes Gebläsebrummen zu hören ist. In unseren Testreihen funktionierte dieses System insgesamt gut, nach harter Dauerbeanspruchung konnte man das Summen des Ventilators aber doch vernehmen - ab und zu war er auch bei leisen Filmsequenzen, die auf ein großes "Effekt-Donnerwetter" folgten, aktiv. Für uns lautet daher das Fazit zum Thema Kühlung: Besser eine komplett passive Kühlung verwenden, wie es z.B. die Konkurrenz von Denon macht. Vorbildlich dagegen ist, dass Harman für die Front- und die Rear-Kanäle getrennte Netzteile für eine optimale Performance einsetzt. 

Die Lautsprecher-Einstellmöglichkeiten beinhalten auch ein ausgeklügeltes Bassmanagement

Kennzeichen des AVR-630 ist ferner sein ausgeklügeltes Bassmanagement. Um ein Höchstmaß an Klangleistung erzielen zu können, müssen moderne Kompaktlautsprechersysteme und hochauflösende Mehrkanal-Gerätekomponenten im Verbindung mit einem A/V-Receiver betrieben werden, mit dem deren volles Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Dies gilt insbesondere für Abspielgeräte mit DVD-Audio und/oder SACD-Funktionalität, bei denen es häufig, gerade wenn es sich um ein älteres oder ein preisgünstigeres Modell handelt, an einem angemessenen internen Audiobassmanagement und ausreichenden Frequenzumleitungsoptionen mangelt.
Daher übernimmt der AVR 630 die Kontrolle über die Bassfunktionen, auch wenn der 6/8-Kanal-Externeingang angesteuert wird. Bei unserem Testgerät besteht die Möglichkeit, die Ausgangssignale über eine „Bypass-Schaltung“ entweder direkt weiterzuleiten oder zunächst digitalisieren zu lassen, damit durch Einsatz des Bassmanagementsystems auch dann eine optimale Klangleistung erzielt wird, wenn die signalspeisende Gerätekomponente über kein eigenes internes Bassmanagement verfügt. Ein Bassmanagement mit 4-Wege-Frequenzweiche erlaubt die Auswahl aus sechs verschiedenen Frequenzen für das vordere, mittlere, das Surround- und das rückwärtige Surround-Lautsprecherpaar (links/rechts). Auf diese Weise kann der Audiosignalausgang auf jede Lautsprechergruppe abgestimmt sowie der optimale Frequenzbereich und die volle Leistung aller Lautsprecher im 7.1-Kanal-System erzielt werden.  Die Vorteile dieser Lösung: Das Bassmanagementsystem mit 4-Wege-Frequenzweiche erlaubt eine exakte Anpassung auch an individuelle Lautsprecher-Systemlösungen.  Zusätzlich hierzu können auch unterschiedliche Übernahmefrequenzen für verschiedene Programmquellen bestimmt werden, wodurch sich der Signaleingang für die Wiedergabe von Musik- und Tonaufnahmen optimieren sowie auf das jeweilige Lautsprechersystem abstimmen lässt. 

Von einem rund 1.300,-- EUR kostenden AV-Receiver erwartet der Kunde zu Recht umfangreiche Decoding-Möglichkeiten - der AVR 630 möchte da keine Ausnahme machen und verfügt beispielsweise über Dolby Digital 5.1 EX, DTS ES Matrix/Discrete 6.1 und DTS 96/24. Dolby Pro Logic IIx ist in Kürze als Upgrade über die Harman Kardon-Website downloadbar - auf "eigene Gefahr" können sich die Besitzer des 630ers hier PL IIx herunterladen. Wer die Installation lieber einem Spezialisten überlassen möchte, kann gegen einen noch nicht feststehenden Aufpreis das  Upgrade auch aufspielen lassen. Ebenfalls wird in Kürze Pro Logic IIx in den AVR-630 und auch in den AVR-430 ab Werk eingebaut, ein exakter Termin, ab wann die AV-Receiver mit Dolbys aktuellstem Surround-Aufpolierer vom Band laufen, ist noch nicht bekannt. Schon jetzt bringt der HK-Receiver die Dolby Virtual Speaker-Aufbereitung mit, auch bei der Verwendung von nur zwei Lautsprechern wird zumindest ein brauchbares Surround-Sound-Hörerlebnis möglich. Zudem bietet der 630er auch Dolby Headphone-Aufbereitung sowie integrierte MP3-Dekodierung. Zudem sorgt beim AVR 630 die HDCD®-Aufbereitung (High-Definition Compatible Digital®) für eine optimierte Klangqualität beim Abspielen von CDs. 

Natürlich ist der AVR-630 mit Logic 7 ausgestattet - wie alle HK-Receiver, da Logic 7 eine Eigenentwicklung von Harman International ist. Logic 7 dient, ebenso wie DTS Neo:6 und Dolby Pro Logic II,  der realistischen Mehrkanal-Wiedergabe sowohl von matrixkodierten Tonaufzeichnungen als auch 2-Kanal-Stereoaufnahmen mit Stereodekodierung (im Gegensatz zur Monodekodierung bei anderen 6.1-Formaten) für die rückwärtigen Surround-Kanäle. Logic7 ist kompatibel mit 96 kHz-Signalquellen und bietet zwei Hörmodi „Cinema“ (Kino/Film) und „Music“ (Musik), die jeweils die Wiedergabe von matrixkodiertem Filmton bzw. von Stereo-Musikaufzeichnungen, wie unseren Praxistests auch zeigen, deutlich verbessern. Im Ergebnis führt dies zu einer sauberen Tiefenstaffelung, einer hohen räumlichen Dichte und einer guten Kanaltrennung. Ebenso verfügt der Harman Kardon auch über die VMAx® Virtual Theater-Audioaufbereitung, bei der es sich um ein DSP-Verfahren zur Surround-Sound-Klangerzeugung aus lediglich zwei Lautsprechern. Auch für den Betrieb mit einem normalen Stereokopfhörer ist VMAx ausgelegt. Vorteilhaft: Beim AVR 630 können die Lautsprecherkanalpegel für jede Programmquelle und jedes DSP-Format bestimmt werden (z.B. kann der Subwoofer-Pegel für das Abspielen von Filmen im Mehrkanal-Modus anders eingestellt werden als für das Abspielen von CDs mit Stereo-Musikaufzeichnungen).

Die audiophilen Liebhaber und somit Harmans Stammkundschaft wird ebenfalls aufhorchen, denn für eine gute Auflösung und Kanaltrennung sowie einen außergewöhnlichen Dynamikumfang ist der AVR-630 mit 24-bit/192 kHz-Audio-D/A-Konvertern in HiFi-Qualität und entsprechend hochwertigen DSP-Prozessoren ausgestattet. Im AVR 630 kommt der neueste 24-bit-Dual-Core-DSP-Prozessor von Cirrus Logic® mit 32-bit-Nachbereitung zum Einsatz, um um ein Optimum an Leistung bei der Audiowiedergabe zu erzielen, was sich besonders in einem sauberen, von feinen Details durchzeichnenden Klangbild wiederspiegeln soll. Dass die Stärken des 630ers auch noch in ganz anderen Disziplinen liegen, werden später unsere Klangtestreihen zeigen.

Für Multiroom-Anwendungen empfiehlt sich der AVR 630 auch. Die für den Back Surround-Betrieb vorgesehenen Verstärkergruppen können wahlweise, wenn im Hauptraum eine 5.1-Konfiguration ausreicht, für  die Stereobeschallung in einem zweiten Hörraum verwendet werden. Bei dieser Konfiguration lassen sich die Lautsprecher sowohl im Hauptraum der 5.1-Installation als auch im Nebenraum des Audiosystems von jeweils einer anderen Audiosignalquelle speisen. Auf diese Weise eröffnet sich die Möglichkeit, in einem Raum einen DVD-Film mit 5.1-Surround-Sound anzuschauen, während in einem anderen Zimmer gleichzeitig Musik in Stereoklang aus einer anderen Gerätekomponente (CD-Player oder Tuner des Receivers) gehört werden kann. Zudem sind diese Receiver mit separaten Audiovorstufen ausgerüstet, wodurch es möglich wird, ein Multizonen-System unter Verwendung von externen Verstärkern wie dem PA 4000 oder PA 2000 von Harman Kardon mit Leistung zu versorgen.

Beim AVR 630 wurde zudem das A-BUS Ready-System integriert, was den einfachen Anschluss mehrerer Zonen oder Räume ohne zusätzliche externe Verstärker gestattet. Beim A-BUS®-System wird ein standardisiertes Cat.5 Ethernet-Kabel verwendet, um die Verbindung zwischen der RJ-45-Buchse auf der Rückseite des Receivers in dem einen Raum zum A-BUS-kompatiblen AB 1-Verstärker-/Steuermodul von Harman Kardon im anderen Raum herzustellen. Das AB1-Modul sorgt für die Verstärkung der Stereo-Audiosignale und regelt gleichermaßen auch die Lautstärke. Aufgrund des integrierten IR-Sensors ist zudem auch die Verwendung der Standardfernbedienung Zone II möglich, die bei allen drei Modellen mitgeliefert wird und zur Steuerung der Receiver als auch sonstiger kompatibler Gerätekomponenten von Harman Kardon dient.

Der Harman Kardon AVR-630 kann sich insgesamt durch eine reichhaltige Ausstattung gut in Szene setzen. Besonders zu erwähnen wären der konfigurierbare 7.1-Eingang und das Bassmanagement. Nur der Denon AVR-3805 bietet aufs Ganze gesehen noch mehr: Mit einer Hochgeschwindkeitsschnittstelle (Denon Link), einer komplett passiven Kühlung und einem ausgeklügelten Auto Room Setup System erreicht der AV-Receiver Traumwerte in Bezug auf die gebotenen Features. 

Bewertung 
Anschlüsse

Was die Anschlussmöglichkeiten angeht, präsentiert sich der AVR-630 gut bestückt. Besonders zu loben ist das Front AV-Terminal mit optischem und koaxialem Eingang. Ferner können beim AVR-630 die vorderseitigen Audio/Video- sowie koaxialen Digitalaudioeingänge des AVR 630 so umgeschaltet werden, dass sie als Signalausgänge fungieren und hierdurch den Anschluss eines Camcorders, CD-Recorders, Videorecorders, eines tragbaren Audiogeräts oder einer sonstigen Komponente zum Abspielen oder Aufzeichnen erleichtern. Auf der Geräterückseite stehen ein 6/8-Kanal-Externeingang ebenso zur Verfügung wie Vorverstärkerausgänge für 7.1 Kanäle. Mit zwei optischen und zwei koaxialen Digitaleingängen präsentiert sich das Sortiment an digitalen Anschlussmöglichkeiten in durchschnittlicher Form. Zwei HDTV-fähige YUV-Eingänge und ein YUV-Ausgang eignen sich für den Anschluss hochwertiger Videokomponenten. Durch die eingebaute A/V-Delay-Funktion ist sichergestellt, dass Audio- und Videosignale synchron zueinander laufen - durch Upscaling oder die Progressive Scan-Signalarbeitung hat das Videosignal bei aufwändiger Nachbearbeitung eine längere Laufzeit. Eine RS232-Schnittstelle findet sich ebenfalls beim Harman Kardon.

Bewertung 
Bedienung

Aufgeräumt und praktisch: Die Fernbedienung

Zu bedienen ist der AVR-630 insgesamt einfach. Maßgeblichen Anteil daran hat die ausgezeichnete Fernbedienung, die trotz einer beträchtlichen Anzahl an Tasten durch ihre ausgewachsene Größe recht übersichtlich ist - noch größer dürfte sie aber nicht sein, denn dann läge sie nicht mehr gut in der Hand.  Die einzelnen Tasten sind klar beschriftet, die großen zentral angeordneten Funktionselemente liegen praktisch zur Hand, nur der Druckpunkt dürfte noch etwas klarer definiert sein. Das kleine LC-Display stellt eine weitere Steigerung des Bedienkomforts dar, denn beispielsweise bei der EzSet-Einpegelung wird der aktuelle Status dem Anwender anzeigt. Was die verwendeten Abkürzungen bedeuten, kann man in der Bedienungsanleitung nachschlagen. 

Die Arbeit des EZSet-Systems kann man auf dem Display mitverfolgen

Im Gegensatz zu den vollautomatisierten Lautsprecher-Einmeßsystemen, die Pioneer, Denon oder Yamaha einsetzen, kümmert sich Harman Kardons EzSet lediglich um die Einpegelung der Lautsprecher. Andere Funktionen sind nicht vorhanden, das Time Alignment z.B. muss ebenfalls manuell vorgenommen werden - was sich aber in der Praxis als nicht allzu kompliziert entpuppt. Alle weiteren Einstellarbeiten können über das übersichtliche On Screen Display vorgenommen werden.

Umfangreich: Die Einstellmöglichkeiten beim AVR-630

Wer ohne das OSD Justagen vornehmen möchte, kann sich über das gut ablesbare und kontrastreiche Gerätedisplay freuen. Auch die Bedienelemente am Receiver selber sind recht einfach zu verwalten, unten am AVR-630 befindet sich noch eine Klappe, unter der auch der Front AV-Ein-/Ausgang untergebracht ist. 

Bewertung
Ton

Testequipment

Pegelfestigkeit

Ein Harman Kardon AV-Receiver mit mangelhafter Endstufen-Performance - das geht nicht. Kräftiges Zupacken auch unter härtesten Bedingungen ist gefragt - und dieses kräftige Zupacken bietet der AVR-630 auch noch nach vier Stunden Dauereinsatz im hochpegeligen Bereich. Das einzige, was minimal störte, war der ab und zu anspringende Ventilator, der sich durch ein leises Summen bemerkbar macht, das in normal lauten und erst recht in lauten Film- oder Musikpassagen völlig untergeht und nur in Szenen, in denen leise Dialoge oder fast völliges Schweigen herrscht, hörbar wird. Laut Harman soll der Ventilator nur bei hohen Belastungen, wenn Effektgewitter durch den Hörraum brausen, anspringen - wenn auf ein solches Effektgewitter allerdings eine leise Sequenz direkt folgt, kann es schon einmal sein, dass der Ventilator noch kurz nachkühlt. Hier holt der Denon AVR-3805 mit komplett passiver Kühlung einen Vorsprung für sich heraus. Ansonsten kann der AVR-630 sich in allen Lebenslagen bestens behaupten. Immer agiert der AV-Receiver souverän und locker, nie wirkt der Klang gepresst oder in Bezug auf den Bassbereich dünn. Auch im 40-Quadratmeter-Hörraum setzt sich unser Testkandidat hervorragend in Szene, mit unnachgiebiger Kraft werden Effektsalven durch den Hörraum geschoben - auch wenn der Lautstärkeregler im obersten Bereich der Skala heimisch geworden ist. Was den Bassdruck betrifft, kann sich der Harman sogar noch am bislang führenden Denon AVR-3805 "vorbeimogeln", wobei der Denon seinerseits den Vorgänger des 630ers, den Harman/Kardon AVR-5550, in die Schranken verweisen konnte. Nun schlägt Harmans "Endstufen-Imperium" zurück - was der AVR-630 hier auf die Beine stellt, verdient höchste Bewunderung, der Nachdruck ist immens und sorgt dafür, dass sich auch der ebenfalls äußerst basskräftige Konkurrent von Onkyo, der TX-SR701E, knapp hinten anstellen muss, wenn es um den Bassdruck bei höchsten Pegeln geht. Mit dieser Auslegung sorgt der Harman dafür, dass seinem Besitzer viele Anwendungsmöglichkeiten offen stehen. So ist es kein Problem, bassstarke Standlautsprecher und keinen aktiven einzusetzen, wenn beispielsweise viel Musik und nicht allzu viel Filmton gehört wird. Wer oft und gerne actiongeladene Blockbuster anschaut, dem raten wir aber auf jeden Fall, sein Sortiment an Surround-Komponenten noch um einen leistungsstarken Aktivsubwoofer zu ergänzen. Insgesamt brilliert unser Test-Receiver in der Disziplin Pegelfestigkeit praktisch ausnahmslos - bei diesen entschlossen zupackenden und hoch-pegelfesten Endstufen verzeihen wir auch den in einigen wenigen Fällen etwas "vorlauten" Ventilator.

Filmton

Harman Kardon AV-Receiver litten nie an Leistungsmangel, waren von ihrer akustischen Auslegung aber eher zurückhaltend. Vor allem feine Details konnten sie äußerst ansprechend, mit größter Sorgalt, wiedergeben. Bei großen Effektgewittern standen sie zwar rasch "Gewehr bei Fuß", trotzdem fühlten sie sich eher der absoluten Natürlichkeit verpflichtet - doch das ist nun anders. Was sich bereits beim AVR-5550 andeutete, findet hier seine konsequente Fortsetzung: Der AVR-630 marschiert mit ungeheurem Druck voran. Bei "Master and Commander" tosen die Wellen mit ungeheurem Nachdruck durch den Hörraum, und selbst Szenen, in denen kleinere Effekte im Mittelpunkt stehen, poliert der Harman akustisch eindrucksvoll auf: Kleine, subtile, tieffrequente Anteile werden bereits mit einer Kraft wiedergegeben, die jederzeit andeutet, zu welchen "Untaten" der unschuldig aussehende AV-Receiver in der Lage ist. Er lässt den Zuhörer jederzeit spüren, zu was er fähig ist, demonstriert seine Kraft, dadurch wirkt er ungeheuer beeindruckend  - ihm würde man spontan alles zutrauen, wenn man die heftigen Kraftausbrüche bei den verschiedenen Filmbeispielen einmal gehört hat. Auch bei "Ronin" bringt der Harman die nervenaufreibenden Verfolgungsjagden bestens zur Geltung, bei "Behind Enemy Lines" spielt sich der AVR-630 durch das überragende Management der großen Dynamiksprünge in den Vordergrund. Doch nicht nur Krawall machen kann der 630er - er imponiert auch mit einer sorgfältigen Integration kleiner akustischer Details. Bei "U-571" schafft er es dadurch, auch in den Pausen, in denen keine Wasserbomben auf das U-Boot und seine Umgebung niedergehen, für den Eindruck unerträglicher, nervenzerfetzender Spannung zu sorgen. Der AVR-630 ist, ebenfalls wie der Pioneer VSA-AX10i-S in der Bolidenklasse, ein sehr emotional agierendes Gerät - hier bevorzugt Harman wirklich eine neue Auslegung, denn eine solche Begeisterung beim Auditorium haben frühere Receiver-Generationen von HK nicht ausgelöst. Dass hier ein Ausnahme-Talent entstanden ist, merkt man auch beim zweiten Teil der "Mumie": Mit gewaltigem Nachdruck marschiert die Armee des später vernichtend geschlagenen Skorpionkönigs, mit einer weiten, detaillierten und mit einer ausgezeichneten Tiefenwirkung versehenen Surround-Klangkulisse lässt der AVR-630 den Zuhörer mitten ins turbulente Geschehen eintauchen. Die Stimmwiedergabe ist ebenfalls ausgezeichnet und erreicht beinahe das Niveau des hier führenden Denon AVR-3805, der hier aber weiterhin führend bleibt. So klar, charismatisch und frisch stellt Stimmen sonst kein anderes Gerät dar, das preislich noch finanzierbar ist und somit nicht in die sündhaft teure Klasse der Luxus-AV-Boliden gehört. 

Bei "Minority Report" und bei der "Bourne Identity" greifen ebenfalls die Vorzüge des AVR-630, der hier mit seiner Durchsetzungskraft, seinem Volumen und dem weitläufigen, präzisen Klangbild für glückliche Gesichter beim Auditorium sorgt. Die große Souveränität, die schon fast unbändige Kraft lässt jede Effektsalve zu einem Erlebnis werden. Mit Nachdruck wird auch der Music Score präsentiert - trotzdem gehen Details nicht unter. Wie sieht nun der AVR-630 im Vergleich mit dem "Überflieger" Denon AVR-3805 aus? Antwort: Der AVR-630 bietet noch mehr Feeling in Bezug auf unmittelbare Kraftausbrüche, auf der anderen Seite aber vernachlässigt er die Detailarbeit keinesfalls. Der Denon kann sich in Bezug auf die akustische Gesamtharmonie noch besser in Szene setzen. Es gibt kaum ein anderes Gerät, das so angenehm klingt, ganz gleich, in welcher Preisklasse. Zugleich schafft der 3805er das Meisterstück, nie langweilig oder unemotional zu tönen, sondern für eine komplette, tief gehende Wiedergabe zu sorgen. Beim Harman ist alles etwas "krasser": Er lässt stärker als der Denon seine Muskeln spielen, lässt eine schrille Stimme auch mal ungehindert durch den Hörraum schreien, lässt kleinere Basseffekte bereits zu einem großen Spektakel werden, während der AVR-3805 hier mehr auf eine harmonische Klangbalance setzt. Mit seiner Auslegung stellt der AVR-3805 ein echtes Universaltalent dar, das bei praktisch jeder Art von Quellmaterial eine gelungene, ausgewogene klangliche Lösung bietet. Der Harman kann sich als äußerst reizvolle Alternative etablieren: Mit seinen Bärenkräften und zugleich mit seiner guten Detailarbeit ist er ein gelungener AV-Receiver. Bei qualitativ weniger ausgewogenem Quellmaterial allerdings klingt er nicht mehr ganz so homogen wie der Denon, der selbst aus nur ausreichender Software noch beachtlich viel herauszuholen weiß. Bei effektgeladenen Titeln erreicht der Harman im Gegenzug einen noch höheren Spaßfaktor durch eine extrem druckvolle Darbietung großer Effektkombinationen, verliert aber an Boden gegenüber dem AVR-3805 durch seine etwas unausgewogenere Verteilung. Die Übergänge zwischen lauten und leisen Szenen, zwischen Explosionen und Dialogen, Verfolgungsjagden und Strandspaziergang, wirken beim Denon stets rund, harmonisch und sauber strukturiert. 

Mehrkanal-Musikwiedergabe

Harman Kardon-AV-Receiver sind schon vom Erbgut her "musikalisch vorbelastet" - schließlich gehört die hervorragende Wiedergabe insbesondere von anspruchsvoller, differenzierter Musik schon seit Generationen mit zum Repertoire der Harman-Geräte, genauso wie das meist etwas eigenwillige Design. Da macht der AVR-630 keine Ausnahme, neu ist nur, dass er nicht nur bei Beethoven, Mozart oder Vivaldi für große Freude sorgt, sondern dass er sich auch mal mit  - sagen wir sehr stark jugendorientierter - Musik bestens zurecht kommt. Verständlicher ausgedrückt: Der Harman profitiert auch bei druckvollen Hip Hop-Stücken mit häufigem Tempowechsel und verschiedensten Bass-Arten von seiner Antrittsstärke und der Dynamik sowie den Reserven seiner Endstufen. Die gerade bei Hip Hop-Tracks sehr deutlich ausfallenden Übergänge und den harten, monotonen Sprechgesang liegen dem extravagant aussehenden AV-Receiver offensichtlich. Voraussetzung für ein akustisches Spektakel der Extraklasse sollte aber hier ein überdurchschnittlich belastbares Lautsprechersystem sein. Den AVR-630 bringt kaum etwas aus der Ruhe, wenig standfeste Lautsprecher sind es dann, die für Verzerrungen, Dynamikeinbrüche und eine unzureichende Hochton- und Basswiedergabe bei kräftigen Pegeln sorgen. Wir raten zu entsprechend ausgelegten Systemen, mit denen der AV-Receiver richtig seine Möglichkeiten entfalten kann. Wer viel Musik hört, und auch eine druckvolle Heimkino-Wiedergabe mit viel Effektgewalt realisieren möchte, dem können wir beispielsweise das Nubert nuLine-Set empfehlen. Wer Platz sparend überragende Heimkino-Lautsprecher aufstellen möchte und trotz der kompakten Lautsprecher-Abmessungen nicht auf eine tadellose Musikwiedergabe verzichten mag, dem können wir das Teufel System 5 in EX-Konfiguration ans Herz legen. Höchst elegant und dabei klanglich überraschend gut ist das Jamo D4. Auch Infinity, ebenfalls zum Harman-International-Konzern gehörig, bietet mit der Beta-Serie verschiedene Lautsprecher an, aus denen man klangstarke Mehrkanal-Systeme aufbauen kann. Was die Infinity Beta-Schallwandler wirklich können, wird in Kürze ein ausführlicher Test klären helfen. Trotz aller neu hinzugewonnenen Talente bietet der AVR-630 aber auch noch ein großes Potential, um die klassische Harman-Klientel anzusprechen: Klangverwöhnte, hörerfahrene Klassik-, Jazz- und Bluesliebhaber. Mit seiner emotional-tiefgehenden, durch den transparenten, sauberen Hochtonbereich und den zupackenden, kräftigen Bass sowie die feinfühlige Filigranarbeit gekennzeichneten Wiedergabe empfiehlt er sich uneingeschränkt für die Aufgabe, differenzierte Musik auch mit allen Facetten wiederzugeben. So hochwertiger das Quellmaterial, umso überzeugender die Darstellung - der HK mag durchschnittliche Aufnahmen eher weniger, sie klingen zwar nicht schlecht, andere AV-Receiver holen hier aber mehr heraus. Dafür können diese erwähnten anderen AV-Receiver nicht den Hörspaß bieten, den der Harman bei erstklassigem Quellmaterial filterlos entfaltet: Eine Stimm- und Instrumentalwiedergabe, die so klar und mitreißend ist, dass dem Publikum ein tief gehender Eindruck von dem jeweiligen Musikstück vermittelt wird. Der AVR-630 schafft es, die Musik nicht nur darzustellen, sondern faszinierend wiederzugeben. Dies macht er nicht durch vordergründige Effekthascherei, sondern durch eine konsequent klare und komplette Ausnutzung der Möglichkeiten herausragenden Quellmaterials. Der AVR-630 nutzt alle Möglichkeiten, er kann man feinen, aber zugleich prägnanten Hochton-Abmischungen ebenso ausgezeichnet umgehen wie mit einem voluminösen, aber dennoch präzisen Bass. 

Dolby Pro Logic 2/Logic 7/DTS Neo:6

Mit Dolby Pro Logic 2, DTS Neo:6 und Logic 7 bringt der AVR-630 gleich drei Surroundaufpolierer mit, die alle über einen Musik- und einen Filmmodus verfügen. Besonders gut hat uns Logic 7 im Music-Modus gefallen. Mit weiträumiger, feinfühliger Auflösung und einem angenehm straffen, präzisen Bass ist eine Wiedergabe möglich, die selbst verwöhnten Ohren schmeicheln dürfte. Die Antrittsstärke des AVR-630, bereits in den vorangehenden Teilwertungen gelobt, kommt hier voll zum Tragen. Im Cinema-Modus überzeugt Logic 7 beim Aufpolieren von Pro Logic-Soundtracks oder Zweikanal-Quellen durch eine lebendige Surround-Klangkulisse und eine immer gegebene, klare Stimmverständlichkeit. Dolby Pro Logic II Music klingt im direkten Vergleich zu Logic 7 Music hörbar matter und kann im Hochtonbereich nicht ganz die Brillanzwerte des Harman International-Systems erreichen. Das Volumen bei der Basswiedergabe ist bei PLII etwas größer, was allerdings auf Kosten der Präzision geht: Die Bässe klingen etwas verwaschener. Bei Pro Logic II Movie sind ebenfalls Unterschiede heraushörbar: Die Surround-Klangkulisse klingt etwas monotoner, nicht so feinfühlig aufgebaut wie bei Logic 7, und die Stimmen der Akteure tönen dumpfer und nicht ganz so klar. Hier bleibt die Frage zu klären, wie sich Pro Logic IIx, das bald im AVR-630 integriert sein bzw. per Upgrade erhältlich sein wird, sich im Vergleich zu Logic 7 schlägt. Und DTS Neo:6? Hier zeigt sich, dass der "dienstälteste" Surround-Aufpolierer immer noch erstaunlich gut mithalten kann. Gefällig ist vor allem der lebendige Stil, in dem Neo:6 Musikstücke vorträgt, mit Schwung und Esprit werden so z.B. Live-Konzerte zu einem hörenswerten Ereignis. Die Präzision geht in Ordnung, ist aber nicht so hoch angesiedelt wie bei Logic 7. DTS Neo:6 Cinema gefällt ebenfalls durch die dynamische, klare Wiedergabe, in akustisch sehr lebendigen Räumen kann sich das Hallverhalten von Neo:6 aber etwas nachteilhaft auf das Gesamtergebnis auswirken - die Klangcharakteristik ist dann zu hallig und zu wenig natürlich. 

Stereoklang

Was die Stereoqualitäten angeht, zeigt sich Harman Kardons große Erfahrung auf dem Gebiet des Baus von hochgradig musikalischen AV-Receivern. Mit viel Sorgfalt und Feingefühl operiert der AVR-630, zeigt hier insbesondere sein zweites, detailverliebtes Gesicht und holt auf diese Art auch feine Nuancen aus allen Musikstücken. Bei diesen Tugenden ist es eigentlich viel zu schade, den wohlklingenden AV-Receiver mit der Wiedergabe eher undifferenzierter Musikstücke zu beauftragen - hochwertige Klassik- oder Jazz-CDs beziehungsweise Blues-Sampler in bester Aufnahmequalität eignen sich besonders gut, um die Talente des AVR-630 ans Tageslicht zu befördern. Das Piano, das Violoncello, die Geige, das Cembalo, das Saxophon oder den Bass - der Harman schafft es vortrefflich und wie kaum ein anderer AV-Receiver dieser Preisliga, die Instrumente wohl strukturiert und höchst charismatisch erklingen zu lassen. Der Geist der Musik, "the spirit of music" - beim 630er sind diese pathetischen Worte keine bloße Floskel, sondern haben tiefere Bedeutung. Mit seiner sorgfältig modellierten, immer vor Esprit sprühenden, aber nie in der Art der Darstellung zu penetranten Art und Weise durchwirkt der große Harman-Receiver den Hörraum mit genau dem Flair, das der Interpret des jeweiligen Musikstücks in den Fokus seines Vortrags zu stellen gedachte. Das feine Abklingen eines Pianos, ein facettenreich geblasenes Saxophon - hier wird Musik durch die komplette Darstellung begreif- und fühlbar. Selten konnte überhaupt ein AV-Receiver für so viel Begeisterung, für ein so großes Maß an Emotion sorgen - hier kann man nur gratulieren. Mit dieser hochklassigen Leistung verweist der AVR-630 die gesamte Konkurrenz souverän auf die Plätze - selbst so gut abgestimmte Geräte wie der Denon AVR-3805 oder der Pioneer VSX-AX3 müssen sich hinten anstellen. Verwunderlich ist auch, dass der AVR-630 in den Punkten Detailpräzision, Raumgefühl und Tiefenstaffelung auch seinen Vorgänger AVR-5550 noch hörbar schlägt. 

Bewertung Pegelfestigkeit
Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Surround-Aufpolierer
Bewertung Klang Stereo
Fazit

Schade: Fast hätte der AVR-630 als zweiter AV-Receiver nach dem Denon AVR-3805 unser Referenz-Prädikat erhalten - denn mit weit überdurchschnittlicher Performance der bärenstarken Endstufen, dem höchst kraftvollen Antritt im Bassbereich, dem superben Stereoklang, dem aufwändigen, praxisgerechten Bassmanagement, der Oberklasse-Fernbedienung, den hochwertigen Baugruppen und der reichhaltigen Auswahl an Decodern erfüllt der Harman fast alle Ansprüche, die man überhaupt an einen AV-Receiver stellen kann - selbst weitaus teurere Modelle bieten kaum mehr. Da muss man dann schon zu Boliden vom Schlag eines Pioneer VSA-AX10Ai-S oder eines Yamaha DSP-Z9 greifen, und diese sind zwar genial, aber für die Mehrheit der Heimkino-Fans unerschwinglich. Für die 1.299,-- EUR, die er kostet, erreicht der AVR-630 also exzellente Bewertungen - dass es trotzdem nicht ganz für die Referenz-Einstufung reicht, liegt an einigen wenigen Faktoren, die Harman problemlos bei der nächsten AV-Receiver-Generation beheben könnte: Zunächst raten wir, eine komplett passive Gerätekühlung einzuführen. Zwar hält sich der Ventilator, der dem Gerät bei hohen Betriebstemperaturen Kühlluft zufächelt, meist akustisch im Hintergrund, in einigen wenigen Momenten störte das leise Summen jedoch. Des Weiteren ist das Problem, dass der komplett passiv gekühlte Denon AVR-3805 mit einem brillanten Auto Room Setup antritt, und nach der Definition unseres Referenz-Prädikates braucht ein Gerät, das diese Einstufung erhält, alles an Features, was momentan dem Stand des Möglichen entspricht - und der 3805er brilliert mit dem momentan schnellsten und besten Auto Room Setup auf dem ganzen Markt. Da kann der HK mit seiner zwar gut arbeitenden, aber technisch nicht so umfangreichen EzSet-Einpegelungssteuerung nicht mehr ganz mithalten. Auch bringt der AVR-630 keine digitale Highspeed-Schnittstelle mit, die der AVR-3805 in Form von Denon Link ebenfalls bereit hält. Was die Anschlussbestückung angeht, liegt der 3805er auch knapp vorn.  Insgesamt aber kann sich der AVR-630 so gut in Szene setzen, dass er für die Liebhaber eines überdurchschnittlich druckvollen Antritts, eines aufwändigen Bassmanagements oder eines exzellenten Stereoklangs auf jeden Fall die erste Wahl darstellt. Insgesamt gesehen etabliert sich der HK mit seinen überragenden Leistungen als rundherum gelungene Alternative zum Denon AVR-3805. Beide Geräte demonstrieren eindrucksvoll, dass man heute, um einen umfassend ausgestatteten und einen brillant klingende AV-Receiver zu erstehen, kein Vermögen mehr investieren muss. 

Power-Machine oder Feingeist  - der AVR-630 beherrscht beide Extreme auf höchstem Niveau
Gesamturteil:
 
 Oberklasse
Test 15.06. 2004
Preis-/Leistungsverhältnis:
Pro:
  • Überragende Antrittsstärke

  • Klare, prägnante Stimmwiedergabe

  • Weit überdurchschnittliche Pegelfestigkeit

  • Sehr gute Detailauflösung

  • Hervorragender Stereoklang

  • Praxisgerechtes, flexibles Bassmanagement

  • Konfigurierbarer Mehrkanal-Externeingang

  • Sehr hochwertige Fernbedienung

  • Gute Verarbeitung

  • Vielfältige Anschlussmöglichkeiten auf der Gerätefront

Contra:
  • Keine komplett passive Kühlung

  • Keine digitale Hochgeschwindigkeitsschnittstelle

Die technischen Daten
  • AV-Receiver

  • Decoder für: Dolby Digital/DTS 5.1, DTS ES Matrix/Discrete 6.1, Dolby Digital 51. EX, Dolby Pro Logic II, DTS Neo:6, Logic 7 mit 96 kHz-Fähigkeit, DTS 96/24, Dolby Virtual Speaker, Dolby Headphone, VMAx für Surround-Simulation/Surround-Simulation via Kopfhörer, HDCD, integrierter MP3-Decoder

  • Leistung: 7 x 75 Watt bei 8 Ohm, 20 Hz – 20 kHz, Klirrfaktor  < 0,07 %,  gleichzeitige Ansteuerung aller Kanäle. 2 x 90 Watt (8m Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,07 % Klirr) im Stereobetrieb, hochstromfähige Endstufen (±50 A), Frequenzgang @ 1 W (-3 dB): 10 Hz – 130 kHz, Rauschabstand (IHF-A) 95 dB, Stromversorgung mit Line-Transformator mit getrennten Netzteilen für Front- und Rear-Kanäle

  • 192 kHz/24-Bit audiophile D/A-Wandler

  • Hochwertiger DSP-Prozessor Cirrus ® CS 49400

  • Bassmanagement mit Vierfach-Frequenzweiche

  • Multiroom-System mit zuweisbaren Endstufen

  • Anschlüsse: 5 A/V-Eingänge, 5 S-Video-Eingänge, 4 analoge Audio-Eingänge, 2 HDTV-fähige Komponenteneingänge, 1 Komponentenausgang, 2 optische, 2 koaxiale Digitaleingänge auf der Rückseite, 1 koaxialer, 1 optischer Digitaleingang auf der Gerätefront, 1 optischer, 1 koaxialer Digitalausgang auf der Rückseite, 1 koaxialer Digitalausgang auf der Gerätefront, 6/8-Kanal-Extern-in mit Nutzung des geräteinternen Bassmanagements, Vorverstärkerausgänge (Pre-Outs) für 7.1 Kanäle, RS232-Schnittstelle

  • AV-Verzögerungsschaltung (AV Delay) für die Laufzeitanpassung von Audio- und Videosignal

  • A-Bus-ready

  • HD Radio-Upgrade-Steckplatz

  • Fernbedienung: EzSet, 8 Geräte Lern- und programmierfähig, hintergrundbeleuchtet mit zweizeiliger LCD-Anzeige

  • Abmessungen (H x B x T): 165 mm x 440 mm x 435 mm

  • Gewicht: 18,6 kg

  • Farbe: Silber-Schwarz

  • Preis (UVP): 1.299,-- EUR

Test: Carsten Rampacher
Assistent: Matthias Walther-Richters

16. Juni 2004

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