Test: Harman Kardon AVR-435 (1/2)

15.06.2005 (cr) (khp)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume und des Testequipments

Einführung

Besonders hart umkämpft bei den AV-Receivern sind momentan die Spitzenplätze in der 1.000 € Liga. Hier warten alle darauf, die bisherige Preisklassen-Referenz, den Onkyo TX-SR702E, endlich vom Thron zu stürzen, was aber bislang keinem Gerät gelingen konnte. Nun nimmt der Harman Kardon AVR-435, gerade frisch renovierter Nachfolger des AVR-430, einen neuen Anlauf. Begünstigend auf dieses Vorhaben wirkt die Tatsache ein, dass die Harman Kardon AV-Receiver zwar optisch polarisieren und auch selten publicity-wirksame neue Features mitbringen, akustisch jedoch, wie der Harman Kardon AVR-7300 in aller Deutlichkeit zeigte, nicht nur auf der Höhe der Zeit sind, sondern viele Kontrahenten überflügeln können. Auch der AVR-335 bewies großes Potential und besiegte letztendlich sogar deutlich teurere Konkurrenten in unserem letzten AVR-Mastertest. Dies alles deutet darauf hin, dass auch der Siebenkanal-AV-Receiver AVR-435, ausgestattet mit neuer EZ-Plus Lautsprechereinmesssautomatik inklusive Equalizing, gute Chancen auf eine Top-Platzierung mitbringt. Bestätigt der Test diese Vermutung? 

Verarbeitung

Typische Harman-Optik

Tadelloses DOT-Matrix-Display

Sehr hochwertige Fernbedienung

#

Im Gegensatz zur Konkurrenz macht Harman Kardon aus dem Messmikrophon nicht nur einen schnöden Gebrauchsgegenstand, sondern schon fast eine Skulptur

Der Lautstärkedrehregler sieht schön aus, ist aber vom Anfassgefühl her nicht überzeugend

Insgesamt ist der 435 wieder ein typischer HK-AV-Receiver, die zweifarbige Optik und leider auch die Kunststoff-Frontblende haben sich gegenüber dem Vorläufer AVR-430 nicht geändert. Weiterer bleibender Kritikpunkt ist der Lautstärkedrehregler, der zwar mit seiner blauen Beleuchtung schick aussieht, allerdings bei näherer Betrachtung wenig edel wirkt. Die Führung ist ebenfalls nicht sonderlich präzise, so dass wir zur Lautstärkeregulierung lieber die Fernbedienung verwenden.

Als sehr gut empfinden wir das großflächige, zweizeilige Punktmatrix-Display. Lobenswert ist, dass HK auf eine sehr hochwertige, vorprogrammierte und lernfähige Fernbedienungseinheit vertraut, erfreulicherweise sorgt auch das mitgelieferte Messmikrophon für Freude, es wirkt sehr hochwertig verarbeitet, zudem ist im Lieferumfang sogar noch ein Stabaufsatz (aus Metall!) enthalten, der auf einem Fotostativ mit kleinem Gewinde befestigt werden kann, um dann auf diesen Aufsatz das Mikrophon zu schrauben. 

Vor- und Nachteile in der Übersicht:

Pro:

  • Fein auflösendes DOT-Matrix-Display

  • Stabile, hochwertige Gerätefüße

  • Edle Fernbedienung

  • Sauber verarbeitetes Anschlussterminal

  • Hochwertiges Messmikrophon

Contra:

  • Frontplatte aus Kunststoff

  • Haptisch nicht überzeugender Lautstärkedrehregler

  • Klappe auf Frontblende mit billig wirkender Aufklappmimik

Bewertung
Aufbau, Ausstattung und Anschlüsse

Innenleben des AVR-435 mit ungewöhnlicher Lösung für die Gerätekühlung (tunnelartiger Aufbau in der Gerätemitte)

Der innere Aufbau des Geräts ist etwas ungewöhnlich, wobei hier besonders der Aufbau der Geräte-Kühlung mit tunnelartig aufgebautem Kühlsystem gemeint ist. Der AVR-435 verfügt über eine gemischt passiv-aktive Kühlung, das heißt, dass bei sehr hoher Belastung kurz der Ventilator einspringt. Aufwändig geraten ist die D/(A-Wandler-Sektion mit hochwertigen Bauteilen. Sehr gut meinten es die Harman-Ingenieure mit der sehr reichlich aufgetragenen Isolationsflüssigkeit rund um die Trafo-Sektion, was zum einen die Geruchsintensivität gerade bei kräftigem Gebrauch unnötig steigert und zum anderen einem appetitlichen optischen Anblick nicht unbedingt förderlich ist.

Sehr aufwändig geriet Harman-typisch der Aufbau der Stromversorgung und der Elko-Abteilung. Hier baut HK auf eine getrennte Stromversorgung für zwei Endstufengruppen: Die Front- und Surroundlautsprecher werden von einer eigenen Sektion bedient, und der Center- sowie de Back Surround-Boxen von einer weiteren Abteilung. Nur für Front-/Surround-Kanäle stehen zwei Elkos mit jeweils 12.000 Microfarad zur Verfügung, während für Center/Surround Back je 8.200 Microfarad bereitstehen. Die unterschiedlichen Werte resultieren aus den unterschiedlichen Belastungsbedingungen, denn die Back Surround-LS werden weniger stark gefordert wie z.B. Front- oder normaler Surroundlautsprecher (Ausnahme: 7-Kanal Stereo) oder der Center, der dann bei lastintensivem Betrieb beinahe den vollen Strom zugeführt bekommen kann (dann reiht die Kapazität von 2 x 8.200 Microfarad mehr als aus, da die Back Surrounds bei plötzlichen Signalspitzen selten viel Spontanstrom benötigen). Mit dem Handling maximaler Stromstärken von +/- 40 Ampere werden sehr respektable Werte erreicht. Die Leistungsangaben sind mit 7 x 65 Watt betont zurückhaltend, werden aber für einen Bereich von 20 Hz bis 20 kHz garantiert.  Das Chassis ist ordentlich aufgebaut und steif sowie solide. 

Das Einmesssystem selber unterscheidet sich von der Arbeitsweise her deutlich von den Lösungen der Konkurrenz und auch von dem System im AVR-335. Während das System im 335 lediglich die elementaren Einstellungen (Lautsprechergröße, Lautsprecher-Abstand, Lautsprecher-Pegel) kümmert, verfügt das System im 435 zusätzlich über eine EQ-Einmessung (wie die Konkurrenz z.B. von Denon, Yamaha, Pioneer). Anders als die Konkurrenten führt der Harman zudem eine Near- und Far-Klangfeldmessung durch - mehr dazu später in der Bedienungswertung.  Sehr zu loben ist das umfangreiche Zubehör inklusive zweiter Fernbedienung für die zweite Hörzone und inklusive einem hochwertigen Netzkabel. Auch als sehr löblich empfinden wir das Vorhandensein eines richtigen Netzschalters, so wird unnötiger Stromverbrauch im Standby-Betrieb eliminiert. 

Umfangreiches mitgeliefertes Zubehör

7.1-Preout, 8-Kanal-Direkteingang, viele digitale Eingänge: Gut bestückte AVR-435-Rückseite

Was bietet der 435 ansonsten für Besonderheiten? Wenden wir uns dem Anschlusspanel zu, das recht reichhaltig bestückt ist. Drei digitale optische Eingänge und ein digitaler optischer Ausgang befinden sich auf der Geräterückseite, drei koaxiale digitale Eingänge und ein entsprechender koaxialer Ausgang. Die farblich markierten Lautsprecherterminals sind von ihrem Nutzen her Geschmackssache. Es finden sich ferner gleich drei YUV-Eingänge (mit hoher Bandbreite, HDTV-ready) und ein 8-Kanal-Direkteingang sowie ein kompletter 8-Kanal-Pre-Out.  Auch eine RJ45 Netzwerkstecker-Buchse, die für das A-Bus-System vorgesehen ist, hält der AVR-435 bereit: Wird der AV-Receiver zusammen mit einer optionalen A-BUS-Tastatur oder einem A-BUS-Steuermodul (Harman Kardon AB 1) verwendet, ist die Beschallung angrenzender Nebenräume komfortabel und ohne zusätzlichen externen Endverstärker möglich. Um den AVR-435 zusammen mit einer oder 2 AB 1-Steuereinheit zu verwenden, ist die Verbindung der Tastatur bzw. des Moduls, das sich im Nebenraum befindet, über eine standardmäßige CAT 5-Ethernet-Verkabelung herzustellen (wird für Computer-Netzwerke verwendet), die speziell für die Installation in der Wand geeignet ist. Die Verbindung auf der Seite des Receivers erfolgt über einen standardmäßigen RJ-45-Stecker entsprechend den mit dem A-BUS-Modul gelieferten Anweisungen. Weitere Informationen zu A-BUS findet man auf der Website www.a-bus.com.au

Ein optischer und ein koaxialer Digitaleingang finden sich unter der Klappe auf der Gerätefront

Des Weiteren stellen wir fest, dass, getreu dem aktuellen Trend, der AVR-435 auch multiroom-fähig ist (Wahlweise können die Back Surround-Endstufen für eine 2. Hörzone verwendet werden oder aber  es kann mittels Cinch-Ausgängen eine eigene Endstufe für Multiroom angeschlossen werden) und sehr umfangreich mit S-Video- und Stereo-Cinch-Terminals bestückt ist. Leider fehlen digitale Highspeed-Interfaces, die sich auch immer mehr an AV-Receivern bürgerlicher Preisklassen durchsetzen werden, insbesondere zu denken ist hier an HDMI-Verbindungen. Harman-typisch gibt es auf der Gerätevorderseite einen sehr reichhaltig bestückten Front AV-Eingang, der sowohl einen optischen als auch einen koaxialen Digitaleingang umfasst. So können alle Arten mobiler Peripheriegeräte schnell Anschluss finden. Eine bidirektionale RS232 Schnittstelle sorgt für Einbindungsmöglichkeiten in Haussteuerungssysteme. Für den Anschluss weiterer Komponenten an den AVR-435 sind eine geschaltete und eine ungeschaltete Netzbuchse auf der Rückseite vertreten. 

Das Decodersortiment ist sehr reichhaltig, neben den Standarddecodern ist auch wieder die Harman-Eigenentwicklung Logic 7 vertreten, wie die Konkurrenz von Dolby und DTS (Pro Logic IIx inklusive aller Einstellmöglichkeiten im Music Mode bzw. Neo:6) auch mit Musik- und Filmton-Betriebsart ausgestattet. Einen MP3-Decoder sowie verschiedene Decodiermöglichkeiten für Surroundsound bei Verwendung von nur zwei Lautsprechern bzw. bei Verwendung eines normalen Stereokopfhörers sind ebenfalls zu nennen. Nicht die Stärke des Harman sind weitere Surround-DSPs, auf diese hat man bei Harman Kardon noch nie gesteigerten Wert gelegt  - für uns kein echter Nachteil, lieber ein hervorragendes Logic 7 als lieblose DSPs. Mit "Hall" und "Theater" gibt es zwei (überflüssige) Versuche mit an Bord. 

Des Weiteren gibt es selbstverständlich eine AV Delay-Funktion (Lip Sync), die Laufzeitunterschiede zwischen aufwändig bearbeitetem Videosignal und dem Audiosignal kompensiert. Wer manuell einmisst, wird sich über das aufwändige manuell justierbare Bassmanagement freuen, hier können verschiedene Werte für die einzelnen Lautsprechergruppen eingegeben werden. 

Der HK AVR-435 bietet auch eine Upsampling-Möglichkeit auf 96 kHz

Vor- und Nachteile in der Übersicht:

Pro: 

  • Sehr aufwändige D/A-Wandlungsplatine

  • Getrennte Stromversorgung für Front/Surround und Center/Back Surround

  • Ungewöhnlicher, aber effektiver Aufbau der passiv-aktiven Kühlung

  • Logic 7 als dritter Surroundaufpolierer mit an Bord 

  • Einmesssystem mit EQ

  • Umfangreiche manuelle Optionen inklusive selektivem Bassmanagement

  • Insgesamt reichhaltige Anschlussbestückung

  • Front AV mit optischem und koaxialem Eingang

  • Mitgeliefertes Zubehör in sehr guter Qualität (Metallstange für Mikro, Fernbedienung für die 2. Hörzone, hochwertiges Netzkabel)

  • Upsampling-Funktion

  • Richtiger Netzschalter vorhanden

Contra:

  • Keine digitalen Highspeed-Interfaces

  • Vorserienmodell mit zu viel Isolationsflüssigkeit auf dem Trafo

  • Ventilator für sehr empfindliche Naturen ein Nachteil

Bewertung Ausstattung, Aufbau, Anschlüsse

Zu Seite 2

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013