Vergleichstest: Mehrkanal-Endstufen von Audionet, Rotel und Vincent

07.06.2005 (lm)

Einführung

Manchmal kann es eben nie genug sein – leistungshungrige Lautsprecher, große Hörräume oder eben die Vorliebe nach brachialen Pegeln begründen den Bedarf an kraftvollen Endstufen. Doch abseits von simplen Kraftanwendungen sind Endstufen auch immer noch ein erheblicher Faktor für die Wiedergabequalität und Umsetzungsgüte eines jeden Filmes oder Musikstückes. Es wäre daher falsch, sich nur dann dem Einsatz einer neuen Endstufe zu widmen, wenn mitten in der effektgewaltigen Weltraum-Schlacht der plötzlich von diesem Leistungsabruf überforderte AV Receiver das Heimkino zu einer Schweigeminute zwingt. Um gegenüber der 1.500 €-Klasse der AV-Receiver auch wirklich große Schritte zu machen, testen wir 3 Mehrkanalendstufen im Preisbereich zwischen 3.000 und 7.500 €.

Sicherlich macht eine 7.500 €-Endstufe an einem Mittelklasse-Receiver nicht unbedingt Sinn, jedoch soll dieser Vergleich auch Aufschluss darüber geben, wie viel mehr an Leistung bzw. Klang in Verbindung mit der Vorstufe eines solchen Geräts möglich ist. Im Verlauf der Testreihen haben wir uns spontan entschlossen, zusätzlich zu den 3 Mehrkanalendstufen noch 2 weitere Vergleichsmöglichkeiten heranzuziehen: einmal gegenüber den internen Endstufen des Marantz SR8500, der für seine Gattung der AV-Receiver bis 1.500 € stellvertretend einspringt – und zum anderen haben wir auch hochwertige Stereoendstufen zu je 2298 und 2498 Euro antreten lassen. Ideale Rahmenbedingungen also, damit sich die 3 Kontrahenten in jeder Hinsicht beweisen können – und Ihre Preise rechtfertigen müssen. Hier die Teilnehmer in der Kurz-Vorschau:

Rotels RMB1095 dürfte mit großer Sicherheit eine der bekanntesten Mehrkanal-Endstufen sein, sie hat einen hohen Verbreitungsgrad und bewährt sich in vielen Systemen tagtäglich. Die RMB1095 ist eine 5 Kanal-Endstufe mit THX-Zertifikat und liegt bei 2999 €. 

Aus dem Hause Vincent kommt die SAV-P200-Endstufe, welche mit 2990 € praktisch preisgleich zum Rotel-Konkurrenten liegt. Unterschiede gibt es in der Anzahl der Kanäle, da die SAV-P200 bis zu 6 Lautsprecher versorgt. Rein äußerlich ist das Vincent-Produkt der Dampfhammer unter den Endstufen  -  wegen der opulenten Gehäuseabmessungen, die einer brachialen Optik zuträglich sind. 

Sind die beiden vorangegangenen Mehrkanal-Endstufen schon wahre Leckerbissen, so dringt der AmpVII von Audionet in allen Belangen (zumindest auf dem Papier) nochmals deutlich in höhere Dimensionen vor. Auch beim Preis, denn der AmpVII kostet in der Grundausstattung mit 5 Kanälen schon 7490 €, und wer die vollausgestattete Siebenkanal- Variante sein Eigen nennen will, muss sein Konto um ca. 9500 € erleichtern. 

Wir möchten in diesem Vergleich nicht einfach nur den klanglichen Aspekt herausstellen, sondern auch die Verarbeitungsgüte sowie die technischen Details, wenngleich die ausführlicheren Infos diesbezüglich noch ausführlicher in den jeweiligen Vor-/Endstufenkombi Tests zu finden sind. 

Verarbeitung

Vom Design her geht jeder Hersteller seinen eigenen Weg, die Rotel-Endstufe hat die Kühlrippen fast über die komplette Front hinweg – es bleiben lediglich 5cm in der Mitte übrig, die dann für Status-LEDs und den Geräteschalter genutzt werden. Rotel liefert die RMB1095 wie auf dem Bild in einer silbernen oder auch in einer schwarzen Version, wo dann auch das mittlere Element die dunkelste aller Farben trägt. 

Die SAV P200 von Vincent (ganz unten auf dem Foto) könnte optisch wohl kaum unterschiedlicher sein – Kühlbedarf hat auch sie zu genüge, doch werden diese durch großdimensionierte Öffnungen an der Geräteseite und auf dem Deckel befriedigt. Die Front stand somit den Vincent Designern zur Verfügung, um die eleganten Frontprofile mitsamt den Rundungen zu realisieren, was in Kombination mit der immensen Gehäusehöhe von 28cm für eine imposante Optik sorgt. Dieses Gerät gibt es ebenfalls in schwarz und silbern.

Vom Design her gesehen ist die Audionet-Endstufe das unauffälligste Produkt im Testfeld. Eine schlichte große Frontplatte prägt die Optik. Doch gänzlich zurückhaltend ist das Design nun doch nicht, denn ein DOT Matrix-Gerätedisplay, wie wir es von AV-Receivern oder Vorstufen kennen, ziert den AmpVII und sorgt für einen edlen Look. Um einmal wieder einen der berühmten Autovergleiche heranzuziehen – während speziell der Vincent SAV P200 wie ein getunter Golf GTI wirkt, versprüht der AmpVII eher den dezenten Chic eines Mercedes SL500. Sicherlich ist das Design letztlich aber sowieso Geschmackssache und sollte lediglich nochmals als Einstieg und zum Kennen lernen der Produkte dienen. 

In Punkto objektiv mess- und vergleichbarer Gehäusequalität gibt es durchaus deutliche Tendenzen festzustellen. Der Audionet AmpVII ist mit seiner perfekten, wunschlos glücklich machenden Verarbeitung in allen Belangen der mit deutlichem Abstand hochwertigste Kandidat, Schwachstellen gibt es keine. Bei den beiden preiswerteren Konkurrente  hat nämlich dort seine Stärken, wo der andere schwächelt:

Hier sehen wir die Anschlusssektion der RMB1095 rechts und vom SAV-P200 links. Sofort fällt auf, dass Vincent zum einen etwas kleinere, zum anderen nicht so schön verarbeitete Lautsprecherterminals bieten kann. Beim Rotel macht das Anstöpseln der Lautsprecher wesentlich mehr Spaß, das liegt vor allem an den leichtgängigen, aber dennoch fest zupackenden Terminals, die nicht viel schlechter sind als die Gegenstücke beim AmpVII. Doch auch beim Vincent bedeuten die nicht ganz so hochwertigen Anschluss-Terminals keineswegs eine richtig schlechte Handhabung, denn auch bei ihm lassen sich sämtliche Bananenstecker und auch größere Lautsprecherkabel zuverlässig und sicher befestigen.

Doch leider wird der gute Rotel-Eindruck beim Anblick des Gehäuses wieder geschmälert. Hier wurde kein besonders hochwertig anmutendes Material genommen, sondern einfaches, lackiertes Blech mit normalen Schrauben auf das Chassis geschraubt. In dieser Rubrik führt das Gerät von Vincent, die die SAV-P200 mit derart hochwertigen Gehäusematerialien bestücken, dass dieser fast dem AmpVII gefährlich werden kann. Wie sie sehen, besteht hier sogar die komplette Seite der Endstufe aus Aluminium, welches gleichzeitig mit den großen Kühlschlitzen und der dahinter liegenden Passivkühlung einen effektiven Wärmeaustausch ermöglicht. 

Doch letztendlich ist der AmpVII klarer Verarbeitungsmaßstab. Hier zum Vergleich die dort vorhandenen Lautsprecher-Terminals mit vergoldeten Kontakten und Schutzisolierung rund um die Anschlussfelder. Und was die Gehäusequalität betrifft, so zeigen die anderen Bilder sehr deutlich, dass hier nicht nur gute Gehäusematerialien zum Einsatz kommen, sondern sogar wirklich versteckte Details wie plan versenkten Schrauben ein Zeugnis außerordentlich hoher Qualität sind.

Technischer Aufbau

Den Einstieg in die technischen Daten der 3 Geräte soll uns diese Tabelle geben. Alle Angaben beziehen sich auf die offiziellen Hersteller-Werte und sind daher besonders hinsichtlich der Leistungsabgabe pro Kanal an 4 und 8 Ohm nur mit äußerster Vorsicht miteinander zu vergleichen. Die Daten des AmpVII beziehen sich auf die getestete Version mit 5 Kanälen.

  Rotel RMB-1095 Vincent SAV-P200 Audionet AMPVII
Anzahl Kanäle 5 6 5 - 7
Modular aufgebaut/

aufrüstbar

Nein Nein Ja – 5 Kanal Version Standard, auf 7 Kanal aufrüstbar per Modul
Architektur

Zentraler Ringkerntrafo

Zentraler Ringkerntrafo Mono-Aufbau mit bis zu 7 RK-Trafos
Leistungsaufnahme

800 Watt

Max. 2400Watt Max. 3600 Watt
Angegebene Leistung an 8 Ohm

5 x 200 Watt

6 x 200 Watt 5 x 150 Watt
Angegebene Leistung an 4 Ohm

5 x 330 Watt

6 x 250 Watt 5 x 250 Watt
Siebkapazität

176.000 mF

120.000 mF 246.000 mF
Gewicht

34 kg

45 kg 45 kg
Besonderheiten

THX Zertifiziert

- OSD, Phasenerkennung, 2 Stromanschlüsse etc.
Preis (UVP)

2999 Euro

2990 Euro ab 7490 Euro

Prinzipiell liegen alle 3 Endstufen auf einem sehr hohem Niveau, wobei ganz besonders der AmpVII als Vertreter der absoluten High-End Geräte-Gattung mit phantastischen Daten beeindruckt. Ein wichtiger Grund für diese Ausnahmestellung ist die Mono-Architektur, weil so jede der 5 Endstufen ihren eigenen Ringkerntrafo und Kondensatoren zur Verfügung hat. Zumindest auf dem Papier ist die Audionet Endstufe damit in der Lage jedem Kanal neben extrem viel Leistung auch eine ebenso hohe Stromlieferfähigkeit zu bieten, und dass ohne jegliche Beeinträchtigungen untereinander. Aus diesem Grund ist es besonders interessant, dass die Leistungsangaben in Höhe von 250Watt/4Ohm respektive 150Watt/8Ohm sogar die niedrigsten im Feld sind. Das lässt darauf schließen, dass Audionet bei seinen Messung schlichtweg zurückhaltender als Rotel und Vincent zu Werke geht. Außerdem gibt es für diese Angaben keine festen vorgeschriebenen Mess-Verfahren. So ist weder die Frequenz, noch die Dauer festgelegt, in der die Leistung gemessen wird. 

Dass der AmpVII so heraussticht, kann aber den Rotel- und Vincent Freunden egal sein, denn schließlich reden wir hier auch über eine völlig andere Preisliga, in der die Audionet spielt. Unter gleichen (finanziellen) Bedingungen liegen Rotel und Vincent zumindest auf einem ähnlicherem Level, wobei die technischen Daten im Direktvergleich klar für die RMB-1095 von Rotel sprechen. Wichtige Werte wie die Leistung des Netzteil oder die Siebkapazität (nähere Infos zu diesen Werten finden sie in diesem Pioneer VSA-AX10 Ais Test) liegen deutlich über denen der Vincent, wobei diese ihre Leistung für 6 Kanäle aufbringen muss. 
Etwas verwirrt hat uns die sehr unterschiedlichen Stromaufnahme-Angaben von 2400Watt (Vincent) und 800Watt (Rotel) , die auf unterschiedlich effiziente Netzteile hindeuten könnten.

Damit dieser Vergleich aber an Aussagekraft gewinnt und das hohe Leistungsniveau aller 3 Endstufen ersichtlich wird, haben wir hier von anderen Geräte-Gattungen deren Leistungs-Daten aufgelistet.

  AV-Receiver der 1000- 1500 € Klasse

Marantz SR8500

AV-Bolide der 5000 Euro Klasse

Pioneer VSA AX10Ai

Stereo-Endstufe der 2500 Euro Klasse

Rotel RMB-1090

Anzahl Kanäle 7 7 2
Leistungsaufnahme Max. 620 Watt Max. 725 Watt Max. 800 Watt
Angegebene Leistung an 8 Ohm 7 x 125 Watt 7 x 130 Watt 2 x 380 Watt
Angegebene Leistung an 4 Ohm Offiziell nicht
angegeben
Offiziell nicht angegeben 2 x 700 Watt
Netzteil-Leistung   880 VA  
Siebkapazität   66.000 mF  
Gewicht 15 kg 34 kg 38 kg



Im Vergleich mit diesen 3 unterschiedlichen Gerätetypen kristallisiert sich recht schnell heraus, dass reinrassige, hochwertige Stereo-Endstufen wie die Rotel RB-1090 nochmals deutlich mehr Leistung pro Kanal zur Verfügung stellen, bedingt durch den Wegfall von bis zu 4 weiteren Kanälen, die zum Beispiel in der Vincent SAV-P200 zusätzlich zur Disposition stehen. Auf der anderen Seite fällt jedoch recht schnell auf, wie wenig selbst ein potenter Pioneer VSA-AX10Ai-S gegen die Power der hier getesteten Mehrkanalendstufen entgegensetzen kann, ganz zu schweigen von einem „normalen“ 1500 € kostenden AV-Receiver. Hier haben wir zum Vergleich einmal die Endstufen-Sektion des Marantz SR8500 und darunter den Vincent SAV-P200-Leistungsverstärker.

Marantz SR-8500

Vincent SAV-P200

Vorweg sie bemerkt: Der Marantz SR-8500 ist in seiner Klasse ein wirklich vorzüglicher Receiver, der uns im Vergleich mit seinen Konkurrenten aufgrund der Pegelfestigkeit und starken Endstufen positiv überraschen konnte. Doch sehen Sie selbst: am Bespiel des Vincent SAV-P200 (rechts) , wo die 6 Endstufen mit ihren Transistoren und Kondensatoren das komplette, riesige Gehäuse ausfüllen, wirkt das entsprechende 7 Kanal Pendant des Receivers (links) ungleich kleiner.

Zwischenfazit: Leistung, technische Daten

Von den technischen Daten her zeigen sich alle 3 Testgeräte als sehr beeindruckend und untermauern dadurch auch gegenüber einem AV-Boliden ihre Daseinsberechtigung. Untereinander sind die Unterschiede jedoch ebenfalls enorm: Die Audionet AmpVII zieht beiden Geräten dank überlegenem Mono-Aufbau auf und davon, mit großem Abstand dahinter folgt Rotel, während die SAV-P200 von Vincent in dieser Rubrik das Schlusslicht bildet.

Trotzdem: Die hier gewonnenen Erkenntnisse sind mit äußerster Vorsicht zu genießen: zum Einen sind dies nur die Herstellerangaben, die durchaus, je nach Mess-Methode variieren können – und zum Anderen müssen sich die technischen Daten nicht zwangsläufig auch in besseren Ergebnissen beim Praxistest auswirken. Die klanglichen Eigenschaften stehen ja sowieso auf einem ganz anderem Blatt.

Abseits dieser Leistungsangaben zählt ebenso die Ausstattung und Bedienung der Endstufen – was bringen einem die besten technischen Daten, wenn nachher eine wichtige Funktion vermisst wird ? 

- Rotel RMB1095: wie es sich für eine Mehrkanalendstufe im 3000 Euro Segment gehört, wartet die RMB1095 sowohl mit Cinch- als auch XLR-Eingängen auf. Außerdem steht sogar ein DB25-Eingang zur Verfügung, der jedoch kaum an Vorstufen zu finden ist und recht teure, exotische Kabel verlangt. Per zentralen Kippschalten lassen sich gleichzeitig alle Terminals entweder dem Cinch – oder XLR Port zuordnen. Und es gibt sogar einen Punkt, wo die Rotel Endstufe gegenüber dem AmpVII von Audionet im Vorteil ist: Rotel ließ die 1095er THX-zertifizieren, was zumindest in einer komplett THX-genormten Wiedergabekette nicht unbedingt von Nachteil ist und außerdem ein Zeugnis darüber ablegt, dass die Roitel-Endstufe die nicht eben anspruchslosen THX-Leistungsanforderungen meistert. Über einen 12 Volt-Trigger-Eingang schaltet sich die Endstufe in Kombination mit einer Vorstufe aus dem gleichen Haus zu bzw. ab. Alternativ kann hierzu natürlich auch der zentrale Ein/Ausschaltknopf auf der Front benutzt werden. Direkt darüber informiert die RMB-1095 mit 6 LEDs über den Betriebszustand. Eine dieser LEDs signalisiert in blauer Farbe, dass die Endstufe eingeschaltet ist, während die restlichen 5 LEDs nur dann (in Rot) aufleuchten, wenn der betreffende Kanal Probleme verursachen sollte.

- Vincent SAV-P200: Klare Sache – zunächst einmal der zentrale Vorteil dieses Gerätes ist die sechste Endstufe, die weder bei der Rotel – noch der teureren Audionet (in der Standardausführung) zu finden ist. Doch nicht nur diese Dreingabe eröffnet dem Benutzer mehr Flexibilität, sondern auch die kanalabhängige Zuweisung des Einganges: Denn Vincent verzichtet zwar auf einen DB25-Eingang, integrierte aber sowohl XLR- als auch Cinch-Ports und stattete gleich jeden einzelnen Kanal mit einem Wahlschalter aus. In der Praxis ist dies ganz besonders vorteilhaft, da bei hochwertigen Vorstufen, (wie der Audionet Map V2) die XLR-Ausgänge der Frontkanäle gleichzeitig mit den Cinch-Verbindungen der restlichen Kanäle genutzt werden können. Auf einen 12V-Trigger-Eingang muss der Vincent-Kunde jedoch verzichten und fürs Einschalten den großen, auf der Front angebrachten Knopf betätigen. Den Status des Gerätes zeigen hier 6 blaue LEDs an, die durch permanentes Leuchten gleichzeitig auch die ordnungsgemäße Funktion der 6 Endstufen anzeigen. Leider aber lassen sich diese LEDs nicht dimmen, so sich dass im Heimkino-Betrieb unter Umständen ein etwas störender Einfluss ergibt.

- Audionet AmpVII: alle Vorzüge und Eigenschaften dieser Endstufe hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Vergleiches sprengen. Wenn Sie sich für dieses Modell interessieren, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf den vorangegangenen Test zu werden, wo alle Funktionen dieses Ausnahme-Gerätes ausführlich dargelegt sind. An dieser Stelle einfach nur mal eine kleine Aufzählung in Stichwortform: Geräte-Display, darüber per Knopfdruck einstellbar u.a. Cinch / XLR Zuweisung pro Kanal, Einschalttimer, Temperatur-Anzeige. Außerdem vielfältige Status-Meldungen in Textform, automatische Netzphasenerkennung inkl. Warnung bei nicht korrekter Verbindung, Ein- Ausschalttrigger besteht bei diesem Modell aus einem herkömmlichen Lichtleiterkabel und funktioniert zusammen mit den Audionet Surround Vorstufen Map1 und MapV2. Dazu kommt noch der modulare Aufbau, mit dem das Gerät auf bis zu 7 Kanäle erweitert werden kann. 

Fazit: technischer Aufbau, Bedienung

Die Siegesserie des AMPVII geht unvermindert weiter, deutlich bessere technische Daten markieren die Spitze des momentan technisch machbaren – und auch ergonomisch glänzt dieses Produkt mit vielfältigen, innovativen Funktionen auch dank dem einzigartigem Gerätedisplay. Die Kandidaten von Rotel und Vincent schneiden in dieser Rubrik gleich gut ab. Zwar kann das Rotel-Gerät etwas bessere technische Daten aufweisen, in 2 anderen wichtigen Aspekten hat aber die SAV-P200 die Nase vorne: Die sechste Endstufe und die flexiblere Eingangszuweisung gleichen den Vorsprung der RMB 1095 wieder aus.

Klangwertungen

Die Zeit des Geplänkels ist vorbei. Derjenige, der zwischen 3000 und 7500 € in eine dieser Endstufen investiert, fokussiert hauptsächlich die hörbaren klanglichen Fortschritte sowie die Pegelfestigkeit. Auch für uns ein sehr interessanter Test, denn nun müssen die Geräte wirklich überzeugende Leistungen erbringen, um ihre Preise zu rechtfertigen – und das, obwohl die Hersteller von AV-Boliden und gar AV-Receivern bei jeder neuen Gerätegeneration ebenfalls den Anspruch erheben, durch die integrierten hochwertigen, internen Endstufen dem Käufer den Griff zu einer externen, hochwertigen Endstufe zu ersparen, zumindest wenn keine extremst leistungszehrenden Schallwandler daran betrieben werden. 

Schwierige Anforderungen an unsere Test-Umgebung. Wir haben uns dazu entschlossen, den Endstufen zunächst einmal maximales Entfaltungspotential zu geben, damit wir die klanglichen Unterschiede klarer ausmachen können. Zu diesem Zwecke läuft der Großteil des Tests auf einer Audionet Map V2 mit EPS-Modul im Gesamtwert von 7700 €. Diese Vorstufensektion hat erst kürzlich im Test derart überzeugen können, dass es in der absoluten Luxus- und Highendklasse mit der "Masterpiece"-Auszeichnung gewürdigt wurde (zusammen mit dem AmpVII). Um auch praxisnähere Umgebungen zu simulieren, griffen wir zum Marantz SR-8500, einem sehr guten 1500 €-AV-Receiver, und testen damit im weiterem Verlauf des Testes die Klangsteigerungen der eingebauten Endstufen im Vergleich zu den externen Modellen. 

Für die Stereotests verwendeten wir die Vieta aus dem Hause Isophon. Dieses Modell ist mit einem Bandpass ausgestattet und erlaubt somit sehr tiefe und druckvolle Bässe, stellt aber dadurch auch enorme Anforderungen an die Endstufe. Bandpässe sind generell sehr niederohmig (bis zu 2 Ohm geht die Impedanzkurve nach unten), dazu kommt noch, dass die Vieta mit ca. 80db/1 Watt einen sehr ungünstigen, uneffektiven Wirkungsgrad besitzt. Hier muss die Endstufe also zeigen, was in Ihr steckt.  Komplettiert wird das Lautsprecher-Setup durch ein Nubert NuWave125 Surround Set , dass wir in diesem Fall ohne Subwoofer betrieben und für Film-Sequenzen verwenden.

Als Quelle dient uns der Vincent CD-S3 CD Player, die DVDs werden vom Denon DVD-3910 bereitgestellt. Des weiteren ist der Raum mit RTFS-Absorbern akustisch optimiert, um dem Klangeinfluss des Raumes zu minimieren und den Eigenklang der Testgeräte hervorzuheben.

Pegelfestigkeit

Diese Wertung wäre vergleichbar mit einem Wettrennen von 2 sehr sportlichen und einem super-sportlichem PKW auf einer Autobahn. Unter normalen Umständen bei üblichem Verkehr (entspricht in unserem Fall der normalen Kombination aus Hörraum / Lautsprecher und Rücksichtsfaktor bezüglich Nachbarn), können alle 3 Autos im gleichem Maße faszinieren und lassen extrem viel Freude aufkommen. Unter idealen Bedingungen, also einer komplett leeren Straße bei bestem Wetter, legt der Supersportwagen (in unserem Fall der AmpVII von Audionet) nochmals ein paar entscheidende km/h obendrauf und hinterlässt der Konkurrenz nur eine Staubwolke. Außenstehende Beobachter empfinden aber bereits alle 3 teilnehmende Autos als absolut überlegen und beeindruckend – und genau so ergeht es den Besitzern von AV-Receivern oder Boliden im Vergleich zu eine dieser Mehrkanalendstufen. 

Um wieder komplett auf unsere Heimkino-Geräte zurückzukommen: der AmpVII kann in extremsten Situationen zwar nochmals noch souveräner agieren und empfiehlt sich damit selbst für größte Hörraume, aber auch die anderen beiden Geräte legen eine derart überzeugende Vorstellung hin, dass unter normalen bis anspruchsvollen Bedingungen noch kein signifikanter Unterschied zum AmpVII zu erkennen ist. In fast allen Fällen dürften vorher entweder die Belastbarkeit der Lautsprecher, die Wohlfühlzone des eigenes Gehörs oder schlicht und ergreifend die Toleranz angrenzender Nachbarn erschöpft sein. Zwar hat auch ein AV Bolide wie zum Beispiel der Onkyo TX-NR5000E enorme Kraftreserven, kommt aber bei deftigen Pegeln jenseits der 96db mit den Vietas nach einiger Zeit an einen Punkt, wo die Kontrolle und Leichtfüßigkeit nachlassen. Dies ist zwar eine Situation, die die wenigsten Heimkino-Besitzer in der Praxis tatsächlich provozieren, aber in etwas geringerem Maße kann dieser Effekt am Ende eines mehrstündigen, lauten Filmgenusses auftreten, wenn zur finalen Schlacht sämtliche Lautsprecher die letzten Kraftreserven aus den Endstufen anfordern. Und just an diesem, bereits sehr hohen Niveau setzen eben die hier getesteten Endstufen an, um die Grenzen noch deutlich weiter nach hinten zu versetzen. Dies ist auch letztlich auch zum Schutz der Lautsprecher vorteilhaft, denn während ein blubbernder Bass nicht weiter schlimm ist, kann besonders bei günstigeren AV-Receivern der Hochtonbereich zum Clippen neigen, und somit neben der akustischen Atmosphäre auch den Hochtöner der Lautsprecher nachhaltig beschädigen. 

Fazit Pegelfestigkeit

Zwar ist auch hier der AmpVII wieder einmal das Maß der Dinge, profitiert aber nicht in besonders großen Maßen davon. Nun – der AmpVII ist mit Sicherheit einer der brachialsten und pegelfestesten Endstufen, der selbst größte Raume mit Leichtigkeit beschallt, aber abseits von solch eher seltenen Umgebungen spielen die Geräte von Vincent und Rotel auf einem Niveau wo unter normalen Begebenheiten keine Unterschiede festzustellen sind. Und noch Eines haben alle 3 Geräte gemeinsam: selbst AV-Boliden werden deutlich auf Distanz gehalten, wenngleich auch diese wiederum für einen sehr großen Teil der Käuferschaft mehr als ausreichende Pegelreserven zur Verfügung haben. Somit ist Eines klar: bei AV-Receivern bis hin zu 3000 Euro Klasse (den exzellenten Harman 7300 kann man diesbezüglich zu den 5000 Euro Boliden zählen) macht eine Aufrüstung durch eine diese Mehrkanalendstufen für Freunde gehobener Lautstärken deutlich mehr Sinn, als bei Boliden – wo es schon wirklich extreme Pegel bzw. Lautsprecheranforderungen sein müssen, die die vorhandenen Vorteile bezüglich der Pegelfestigkeit von Mehrkanalendstufen zur Geltung bringen. 

Klang

Wir testen hauptsächlich mit Musikmaterial, da diese höhere Anforderungen an die klanglichen Eigenschaften der Endstufen stellt und die Charakteristik besser zu erkennen ist als bei einem effektgeladenen Film. 

Beginnen wir mit dem direkten Vergleich zwischen dem Audionet AmpVII und der Vincent SAV-P200. Schon nach den ersten Hörminuten stellt sich heraus, dass die Audionet- Endstufe im Vergleich zum Vincent Gerät deutlich „verbindlicher“ spielt. Dies soll heißen, dass die Musik unverfälschter und echter an die Lautsprecher ausgegeben wird. Im Hörvergleich äußert sich das in einer etwas weniger basslastigen Darstellung, die aber in den tiefen Frequenzen dafür umso druckvoller und noch präziser umgesetzt wird. Der SAV-P200 legt dafür mehr Augenmerk auf eine effektvolle sowie intensive Darbietung: Zwar kann weder der unbändige Druck sowie Präzision der Bässe erreicht werden, die der AmpVII bereitstellt, doch für seine Preisliga offeriert die Vincent-Lösung ein sehr hohes Niveau. Man muss bei solchen Aspekten auch den preislichen Unterschied des AmpVII mit berücksichtigen. Nichtsdestotrotz erwiderte der SAV-P200 die beeindruckende, homogene Vorstellung des AmpVII auf seine ganz eigene Art: Die Musik wird einfach auf ein größeres Bass-Fundament gestellt und am anderen Frequenzspektrum durch dezente Betonung der Höhen markant interpretiert. In diesem Vergleich zeigt sich in einer überraschend großen Deutlichkeit, dass die klangliche Abstimmung des AmpVII vortrefflich gelungen ist: Stimmen geraten weder zu kräftig, noch zu schmächtig – und auch der immense Grad an Details trägt sein Übriges zu einem wahren Klanggenuss bei. In einem Punkt gelingt es der Vincent-Endstufe jedoch überraschend gut, auf Tuchfühlung zur Audionet zu bleiben: Beiden Produkten gemein ist die Fähigkeit, eine sehr groß wirkende Klangbühne aufzubauen, die in der Lage ist, die Musik vom Lautsprecher zu trennen und fast schon plastisch in den Raum zu stellen. Bleibt also festzuhalten, dass der AmpVII klanglich eine Liga höher spielt als der SAV-P200. Das soll jedoch nicht so interpretiert werden, dass die Vincent-Endstufe keine Reize hat. Ganz im Gegenteil: Besonders für Heimkino-Anwendungen passt diese klangliche Abstimmung sehr gut – dazu kommt noch eine fast ebenso guter Bühnenaufbau wie bei der edlen Audionet-Alternative.

Nun tritt auch Rotels RMB-1095 das vermeintliche schwere Duell gegen den deutlich teureren AmpVII von Audionet an. Doch – wer weiß – vielleicht erleben wir ja eine faustdicke Überraschung ? Aber auch hier stellt sich nach ein paar Hörminuten Gewissheit ein, dass gegen den AmpVII anscheinend kein Kraut gewachsen ist. Im weiteren Verlauf der Testreihen offenbart sich der klangliche Charakter der RMB1095 im Vergleich zur Audionet recht deutlich: konnte der Vincent SAV-P200 dem Audionet-Leistungsverstärker in Bezug auf den weitläufigen Bühnenaufbau dicht auf den Fersen bleiben, so war der RMB1095 in der Lage, bei der Detailherausarbeitung, besonders im hohem Frequenzbereich, seine Vorzüge zur Geltung zu bringen. Ansonsten spielte die RMB-1095 eher etwas zurückhaltend, denn wo den AmpVII eine vom Bass bis zu den Höhen sehr weitläufige Darstellung auszeichnet, klingt die RMB-1095 deutlich „kompakter“. Die einzelnen Musikinstrumente werden nicht so schön von einander getrennt, und vor allem der Bassbereich war etwas schmal. Wo der AmpVII im „Imperial March“ durch massive, intensive Beckenschläge förmlich zum Erleben der Musik auffordert, muss man beim Rotel förmlich nach dem Bass suchen. Besonders im Hintergrund begleitende Beats werden nochmals deutlich nach hinten gestellt, man hat daher das Gefühl, dass die RMB1095 alle Kraft und Energie des Bass-Bereiches zur phantastischen Herausarbeitung der Details ab den mittleren Frequenzen heranzieht. Aber – wie soll es auch anders sein- sie kommt auch in dieser Hinsicht kein Gerät an den vorzüglichem AmpVII heran. Wobei zugegebenermaßen der Rotel-Leistungsverstärker in dieser Rubrik so nahe an die Audionet-Lösung herankommt, dass erst wirklich fordernder Orchestermusik die Vorteile des AmpVII gegenüber dem RMB-1095 aufzeigt.

Das Beste heben wir uns zum Schluss auf: Dass der AmpVII die sehr viel günstigeren Mitbewerberprodukte deutlich im Griff hat, war zwar keineswegs selbstverständlich, aber ebenso wenig wirklich überraschend. Viel wichtiger – und prestigeträchtiger – um die Gunst das Käufers ist die direkte Gegenüberstellung beider 3000 €-Endstufen. Raum für große Überraschungen gibt es nun aber auch nicht mehr, denn im Vergleich zum AmpVII haben sich beide Klangauslegungen recht deutlich herausgestellt. Und so kommt es, dass sich beim Testen recht schnell die Vincent Endstufe als Spaß-Maschine entpuppt, und der Rotel RMB-1095 seine Vorzüge bei Detailliebhabern geltend machen kann. Die Klangcharakteristiken könnten kaum verschiedener sein, da besonders bei Rock/Pop Musik das markante Sounding der SAV-P200 zu einem kraft- und energiegeladenem Spektakel macht und auch in der Raumwirkung bei nur 2 Lautsprechern wesentlich besser in Tiefe und Breite gestaffelt ist. Diese Art von Musik, genauso wie Trance oder Techno ist einfach nicht die Lieblingskost der Rotel-Endstufe, denn dann kann die Detailpräzision der Höhen schnell als aggressives, weil höhenlastiges Klangbild empfunden werden. Ganz anders sieht es bei Klassikkonzerten oder orchestralen Filmsoundtracks aus, wo abseits vom zurückhaltendem Bass auch sehr feine Klangnuancen herausgeschält werden, die der Vincent-Hörer eher beiläufig und nebensächlich präsentiert bekommt. 

Extra für die beiden 3000 Euro Kontrahenten haben wir ihnen dann auch noch einige Film-Sequenzen zugespielt. Sie können es sicherlich schon erraten: Effektsequenzen wie im Pod Rennen aus "Star Wars Episode 1" vermag die Vincent Mehrkanal-Endstufe auch bei heftigen Pegeln, mit wuchtigen Bass-Attacken und knackigen Effekten, das Publikum wie ein Magnet anzuziehen und keine Sekunde wieder loszulassen. Vom Klangcharakter würde diese Endstufe also ganz eindeutig mit den ähnlich kraftvoll aufspielenden AV-Verstärkern Denon AVC-A1XV oder vor allem Pioneer VSA-AX10Ai-S harmonieren. Im Filmbetrieb hat die Rotel RMB-1095 Ihre Stärken an anderer Stelle: Sie betont die Stimmen sehr markant und arbeitet dadurch die stimmeigene Charakteristik sehr gut heraus. Zusammen mit dem generell hohen Detailreichtum glänzt diese Endstufe also eher bei Filmen, die dialoglastig sind, oder eine subtile Stimmung mit vielen kleinen Effekten aufbauen, wie zum Beispiel „Signs“. 

Am Ende des Tests standen nun die Unterschiede der einzelnen Geräte fest, wobei es im Falle von Rotel und Vincent unfair wäre, einen der beiden als klar besser zu titulieren. Uns persönlich hat der Vincent SAV-P200 mit seiner Klangauslegung an unserem Lautsprecher-Setup im Hörraum etwas besser gefallen, wobei ganz sicher auch die Rotel RMB-1095 seine Reize hat und seine Freunde auch weiterhin zahlreich finden wird. Jetzt wären nur all diese Klangeindrücke nur halb soviel wert, wenn wir sie nicht in Relation zu den Endstufen eines „normalen“ Gerätes setzen würden und daher haben wir speziell gegenüber den „3000 Euro Endstufen“ mehrere Vergleichsläufe gemacht und sehr interessante Aufschlüsse bekommen. Wichtig ist uns aber, dass diese Klangeindrücke dem Marantz SR-8500 gegenüber nicht negativ gesehen werden sollten, denn die anderen Geräte seiner Preisklasse (und zum Teil auch darüber) wären klanglich nicht besser – und zum Großteil sogar eher schlechter. 

Ganz ehrlich: Die ersten paar Sekunden der Wiedergabe mit dem SR-8500 überraschten uns mit einem anscheinend fast ebenbürtigen Klangniveau, was wir anfangs kaum fassen konnten – aber anders als zwischen den Mehrkanalendstufen untereinander offenbaren sich die Unterschiede nach und nach. Man darf einfach nicht erwarten, dass sofort nach dem Einschalten der berühmte „Aha-Effekt“ eintritt – wir würden die Vorteile der externen Mehrkanalendstufen eher als „Klein – aber – Fein“ betiteln, zumal man ja nicht vergessen darf, dass nun keine MapV2 Vorstufe mehr zur Verfügung steht, die sämtliche Klangdetails – quasi auf dem Silbertablett – zur Endstufe schickt. Trotz allem waren nach intensiven Hören doch signifikante Unterschiede in quasi allen Bereichen auszumachen. Um es positiv auszudrücken: Die externen Endstufen vermochten es, gegenüber den internen Endstufen im Receiver einen deutlich gelösteren und plastischeren Bühnenaufbau zu realisieren. Auch wenn der Vincent-Leistungsverstärker hierbei noch besser agierte als der Rotel, so sind diese Unterschiede marginal im Vergleich zum Receiver, wo die Instrumente und Stimmen im Direktvergleich eine zu starke Haftung an den Lautsprechern aufweisen und sich nicht frei im Hörraum ausbreiten. Und auch hinsichtlich der Klangdetails und Klangsouveränität konnten durch die Endstufe große Fortschritte gemacht werden. Dazu kommt noch, dass besonders bei heftigen Lautstärken auch die vermeintlich zurückhaltendere Rotel RMB-1095 mehr Bass-Druck und Intensität bereitstellte als der SR8500. Außerdem ist im Direktvergleich zu beobachten, dass der Receiver schlichtweg nicht so schnell spielen kann wie die Endstufen. Rasch aufeinander folgende Bass-Beats kamen mit dem Marantz gebremster und mit viel weniger „Drive“ rüber, so wirkte dann auch schnell das ganze Klangbild ziemlich substanzlos und leer. Unterm Strich ist also auch in einem solchen Fall die Aufwertung durch eine der Endstufen ein großer klanglicher Gewinn, der sich zwar nicht sofort nach ein Sekunden, dafür aber umso tiefgreifender und dezenter offenbart. 

So – eigentlich wäre das Thema nun endgültig abgehakt. AmpVII klar besser als Vincent und Rotel, die beide ihrerseits deutliche Vorzüge gegenüber einem normalen, klassischem AV-Receiver haben. Doch der AmpVII ließ uns nicht nicht ruhen. Für bald erscheinende Stereo-Tests hatten wir in unserem Hörstudio noch je eine hochwertige Stereo-Endstufe von Vincent und Rotel. Wir konnten der Versuchung einfach nicht widerstehen, auch diesen Quervergleich zu ziehen. Wie geht es wohl aus ? Kann eventuell eine der beiden Endstufen den AmpVII in die Schranken verweisen und sich für den Sieg im Mehrkanalvergleich revanchieren ? Oder hat der AmpVII sogar das Zeug, reinrassigen Stereokomponenten das Wasser zu reichen, was angesichts des Mehrkanalaufbaus alles andere als selbstverständlich ist ?

So kam es, dass sowohl der Vincent SP993 (2298 € ), als auch die Rotel RB-1090 (2499 €) ihre Testpremiere in einem Surround-Special feierten. 

Was uns hier sofort aufgefallen ist, dass die Vincent SP993 ziemlich laut aufspielt, so dass wir hier erst mal eine deutliche Pegelabsenkung vornehmen mussten. Aber auch anschließend war sie noch ein harter Gegner , weil nämlich die Klangbalance deutlich anders, um nicht zu sagen „besser“ als bei der hauseigenen SAV-P200 – und auch der Rotel RMB-1095 war. Die Höhen klingen zwar immer noch etwas dominant, sind dafür aber nun detaillierter und überragen sogar noch das Rotel-Niveau, was in Verbindung mit der nun ebenfalls gemilderten Bassanhebung mit gesteigerter Präzision dem Audionet-Gerät das Leben ziemlich schwer machte. Trotzdem gelang es auch ihr nicht, letztendlich auf die Audionet aufzuschließen. Das gesamte Klangbild ist immer noch detaillierter und hinter dem genau richtig dosiertem Bass hört man einfach noch mehr Schwärze und Kraft heraus, was sich mit zunehmender Lautstärke noch bekräftigte. Trotzdem kann sich die Vincent SP993 damit rühmen, am Nächsten an die Audionet herangekommen zu sein, was angesichts des verhältnismäßig günstigeren Preises beachtlich ist, denn die Rotel RMB-1090 blieb im Wesentlich dem Klangcharakter der 1095er Endstufe treu und konnte auch nur durch etwas besseren Bühnenaufbau und lediglich sehr geringfügig intensiverem Bass punkten. Beide Endstufen werden aber mit den hauseigenen Stereo-Vorstufen in einem Einzeltest noch in gewohnter Ausführlichkeit zur ihrer Test-Ehre gelangen und ihre gesamten Vorzüge und Klangcharakteristiken offenbaren. 

Fazit

Manche mögen im Angesicht der haushohen Überlegenheit des AmpVII eine ungerechte Testaufstellung prognostizieren. Und genau aus diesem Grunde haben wir bereits in der Einleitung darauf hingewiesen, dass mit dem Test ebenfalls hinterleuchtet werden soll, wie viel mehr Klang / Ausstattung etc. für einen nochmals deutlich höheren Preis erwartet werden kann. Und diese Antwort hat der AmpVII ganz eindeutig gegeben – nämlich deutlich mehr ! Mag man beim zurückhaltendem Design (trotz perfekter Verarbeitung) noch je nach Geschmack entscheiden können, doch setzt der AmpVII mit seiner Ausstattung und dem sehr harmonischem, detailliertem Klang die Konkurrenten objektiv betrachtet in große Bedrängnis. Sicherlich darf bzw. muss man solche Leistungen auch von einer solchen High-End-Komponente erwarten, die 7500 € kostet – aber hier kann der Käufer wenigstens sicher sein, einen (trotz des hohen Preises) absolut fairen und auch langfristig vorhandenen Gegenwert zu bekommen. Und genau weil dies keineswegs bei solchen Produkten immer selbstverständlich ist, geht der AmpVII aus diesem Test als klarer Sieger hervor.
 
Doch alleine durch den, für den Großteil der Heimkino-Fans utopischem Preis, lässt der AmpVII noch viel Freiraum auf dem Markt, so sich auch andere Produkte problemlos attraktiv positionieren können. Diese Chance nutzt sowohl der SAV-P200 von Vincent als auch die RMB-1095 aus dem Hause Rotel. Beide jedoch auf ihre höchst unterschiedliche Weise: Vincent bietet ein faszinierendes Produkt für den eher effekt- und bassfreudigen User an und spendiert neben der beeindruckenden Panzerschrankoptik mit sehr guter Verarbeitung obendrein noch einen sechsten Kanal. Selbst wenn mit diesem Gerät bloß eine 5.1 Konfigurationen befeuert wird, so hätte man zumindest die Möglichkeit einen Center, wie zum Beispiel den Nubert NuWave CS65 per Bi-Amping zu betreiben. Alles in allem also ein hervorragendes Produkt, besonders für den klassischen, filmlastigen Heimkino-Einsatz, welches sich mit der musikalischen, passenden Stereo-Endstufe SP993 sogar noch sehr gut zu einer äußerst potenten und attraktiven Komplett-Lösung ergänzen lässt. Völlig andere Tugenden findet der Rotel-Interessent: Das Streben nach maximalem Detailreichtum steht hier im Vordergrund. So positioniert sich die RMB-1095 nach wie vor als allererste Wahl für detailverliebte Mehrkanalgourmets, wie wir es in unserem ausführlichem Vor-/Endstufentest bereits vor diesem Vergleich eingestuft haben. Auch wenn unsere subjektive Wahl eher zu Vincent tendieren würde, so unterstreichen zahlreiche zufriedene RMB-1095 Besitzer jeden Tag aufs Neue, dass auch dieses Gerät seine Vorzüge hat und keinesfalls unterschätzt werden darf.

Test: Lars Mette
Redaktion: Carsten Rampacher
07. Juni 2005
 

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD