Wer siegt in der 400 EUR-Liga? Denon AVR-1905 gegen Pioneer VSX-D814

27.10.2004 (cr)

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Ein Maximum für wenig Geld

Noch nicht lang her ist es, da wechselten für AV-Receiver mit umfangreicher Ausstattung und solidem Aufbau sehr stattliche Geldbeträge den Besitzer - unter 700 bis 800 EUR war wenig zu machen, wenn man ein qualitativ hochwertiges und reichhaltig ausstaffiertes Gerät einkaufen wollte. Doch die Zeiten ändern sich - nicht nur, dass die Konjunkturflaute für ein Umdenken sorgt, auch werden elektronische Baugruppen immer günstiger. Beide Faktoren führen zu einem kumulativen Effekt - verschiedene Hersteller setzen der Schar der potentiellen Käufer, der das Geld größtenteils nicht mehr so locker in der Brieftasche sitzt, umfangreich ausgestattete, prima verarbeitete AV-Receiver zum Spartarif vor. Zwei besonders beeindruckende Beispiele für eine gelungene Kombination aus Qualität und Preiswürdigkeit sind der Pioneer VSX-D814 und der Denon AVR-1905, beide für 399 EUR zu haben. Die zwei Kontrahenten sind durch ausgezeichnete Resultate bereits in ihren Einzeltests sehr positiv aufgefallen, so dass sich folgerichtig die Frage aufdrängt, welches Modell im direkten Vergleich die Nase vorn hat.

Finish

Denon: Spitzenmäßig in dieser Klasse  - Gerätefront aus Aluminium

Pioneer: Auch schön gemacht, aber Front nur aus Kunststoff

Eine edle Metallfrontplatte und ein echtes DOT-Matrix-Display sind in der 400 EUR-Liga nur sehr selten anzutreffen - umso erfreulicher, dass der AVR-1905 gleich beide Ausstattungsmerkmale mitbringt. Der Pioneer muss passen, hier muss eine Kunststoff-Frontplatte genügen, die, dies muss man zur Ehrenrettung hinzufügen, recht hochwertig gemacht ist. Als Display dient ein einfacheres Exemplar mit Semi-DOT-Matrix-Auflösung: Sieht nett aus, bei genauerem Hinsehen jedoch entdeckt man die im Vergleich zum Denon niedrigere Auflösung. Die Geräterückseite ist bei beiden Modellen sehr gut verarbeitet, hier gibt es keinen Anlass zur Kritik. Das Gleiche gilt für die Fernbedienungen, Pioneer und Denon liefern Exemplare mit, die für die Preisklasse absolut angemessen sind. Der Innenaufbau der AV-Receiver ist erstaunlich sorgfältig - wer einen wüst hineingeworfenen Haufen aus Platinen und Kondensatoren erwartet, der bei manch preisgünstigem Exemplar nicht unüblich ist, wird sehr angenehm überrascht sein. Besonders beim Denon macht der hochwertige Kühlkörper und alle verwendeten Baugruppen einen wirklich rundherum überzeugenden Eindruck. 

Denon: Sehr sauberer Innenaufbau auch beim günstigen AVR-1905

Denon: Richtiges DOT-Matrix-Display

Pioneer: Nicht so fein auflösend wie beim Denon-Konkurrenten

Insgesamt endet die Verarbeitungswertung mit einem Sieg des Denon AVR-1905. Der Pioneer bietet zwar auch eine sehr ansprechende Qualität, durch die Alu-Front, das Punktmatrixdisplay und die überdurchschnittlich akkurate Aufbereitung des Geräteinneren geht der Denon aber verdient in Führung.

Ausstattung

Großer Unterschied: Während der Pioneer sechs je 100 Watt starke Endstufen mitbringt, ist der Denon mit seinen jeweils 115 Watt kräftigen Endstufen ein echtes Siebenkanalgerät. Zwar kann beim Pioneer die sechste Endstufe zum Anschluss von zwei Back Surround-Lautsprechern aufgetrennt werden, sieben gleich starke Einheiten wie beim Denon sind aber noch besser. Beide AV-Receiver treten mit leistungsfähigen DSP-Prozessoren mit hoher Rechengenauigkeit (Pioneer: Motorola, Denon: Analog Devices) an, die ein präzises und schnelles Decoding ermöglichen. In Bezug auf die Formate herrscht Gleichstand, beide beherrschen alle aktuellen Standards: 

  • Dolby Digital 5.1 

  • Dolby Digital 5.1 EX

  • Dolby Pro Logic IIx 

  • dts 5.1

  • dts ES Matrix/Discrete 6.1

  • dts Neo:6

  • dts 96/24

Ebenfalls verfügen sowohl Denon als auch Pioneer über 192 kHz/24-Bit D/A-Wandler und 96 kHz/24-Bit A/D-Wandler zur Digitalisierung analoger Signale (z.B. zur Nachbearbeitung von analog eingehenden Stereosignalen mittels Dolby Pro Logic IIx oder dts Neo:6). Auch einige von den Herstellern selbst entwickelte DSPs sind mit an Bord, während man diese bei Denon getrost vergessen kann, sind die Pioneer-DSPs gar nicht schlecht. Im Gegensatz zum Denon verfügt der Pioneer über MCACC (Multi-Channel Acoustic Calibration) in automatischer Version. Mit dem VSX-D814 bekommt nun auch ein wirklich preisgünstiger AV-Receiver die vollautomatische Version dieses sehr betriebssicheren und ausgereiften Kalibrierungssystems. MCACC misst die akustischen Charakteristika der individuellen Hörumgebung, berücksichtigt Nebengeräusche,
Lautsprechergröße und -abstand und überprüft sowohl Kanal-Verzögerungen als auch -Lautstärken. Nachdem das mit dem Receiver gelieferte Mikrofon angeschlossen wurde, optimiert der Receiver die Lautsprecherkonfiguration und Frequenz-Ausgleichseinstellungen anhand einer Reihe von Prüftönen. 

Alternativ kann natürlich auch manuell konfiguriert werden, mit Justagemöglichkeiten für die Entfernung der Lautsprecher vom Hörplatz für die manuelle Einstellung der Verzögerungszeit. Ebenso kann, wie gewohnt, die LS-Größe eingegeben werden, wobei Pioneer hier immer Lautsprecher-Gruppen vorgibt (z.B. FS - CS - SS, Front small, Center small, Surround small). Wem dies zu lange dauert, der greift zum "Quick Setup": Besonders ungeduldige Zeitgenossen können ihren VSX-D814 mittels dieser Funktion in wenigen Minuten betriebsfertig einstellen. Natürlich ist eine ausführliche manuelle oder eine MCACC-basierte, automatische Justage exakter - aber wenn es, aus welchen Gründen auch immer, besonders rasch gehen muss, kann man durch die Eingabe der verwendeten Lautsprecherkonfiguration, der Raumgröße (3 Einstellungen) und der Hörposition (3 Einstellungen) schnell alles elementar Wichtige regeln.  

Der Denon hat kein automatisches Einmesssystem für das verwendete Lautsprechersystem, trumpft dafür aber mit einem sehr präzisen Setup für die manuelle Einstellung auf. Während der Pioneer mit seinen lediglich drei Subwoofer-Übernahmefrequenzen (100, 150, 200 Hz) bei manueller Einpegelung wenig praxisgerechte Einstellmöglichkeiten bietet, brilliert der AVR-1905 mit feiner Abstufung (40/60/80/100/120/150/200/250 Hz), die eine wirklich genaue Anpassung an die verwendeten Lautsprecher gewährleistet. Auch - selten in dieser Preisklasse - bringt der AVR-1905 ein On Screen Display mit. Sogar ein Video->S-Video-Konverter ist auf der Featureliste des denon vertreten - ein sehr reichhaltiges Ausstattungspaket fürs Geld. Aber auch der Pioneer trumpft mit sehr guten DSP-Programmen und MCACC auf, so dass wir insgesamt in der Ausstattungswertung den AVR-1905 knapp vorne sehen - dank durchdachten Details und vollwertiger siebter Endstufe. 

Anschlüsse

Die Anschlussbestückung ist bei beiden Modellen sehr gut. Wer viele digitale Zuspieler hat, fährt mit dem VSX-D814 besser, denn er hat einen optischen Digitaleingang mehr (Denon 3 inklusive Gerätefront, Pioneer vier inklusive Gerätefront, zudem verfügen beide Modelle über jeweils einen koaxialen Digitaleingang auf der Geräterückseite). Sowohl Pioneer als auch Denon bringen einen optischen Digitalausgang mit. Der Denon brilliert mit gleich drei Komponenteneingängen, der Pioneer belässt es bei zweien. Wer leistungsfähigere externe Endstufen anschließen möchte, kann dies bei beiden AV-Receivern erfreulicherweise tun: Der AVR-1905 verfügt über einen 7.1-Vorverstärkerausgang, der VSX-D814 über einen 6.1-Pre Out. Ein 5.1 Eingang zum Anschluss eines DVD-Audio- oder SACD-Spielers ist bei beiden Kontrahenten ebenfalls Standard.  Ein Front AV-Eingang ist bei Pioneer und Denon Bestandteil der Ausstattung, nur der Pioneer jedoch offeriert zusätzlich einen S-Video-Anschluss (Denon: Nur Video-Composite) auf der Gerätefront.

Denon: Front AV-Eingang mit optischem Digitalanschluss und normaler Video-Beschaltung

Pioneer: Besserer Front AV-Eingang mit zusätzlicher S-Video-Beschaltung. Links in die kleine Buchse wird das Mikrofonkabel eingesteckt

Fazit: Der Denon verfügt über einen Komponenteneingang mehr, der Pioneer schlägt mit einem zusätzlichen optischen Digitaleingang und mit einem S-Video-Eingang auf der Gerätefront zurück. Daher: Der Pioneer gewinnt die Anschlusswertung.

Bedienung

Denon: Sehr übersichtliche Fernbedienung mit zu tiefem Navigationskreuz

Pioneer: Navigationskreuz optimal positioniert, aber weniger übersichtlich

Beide Konkurrenten sind sehr einfach zu bedienen. Der Pioneer verfügt über das Plus des sehr zuverlässig und recht genau arbeitenden MCACC, der Denon bringt ein besonders exaktes manuelles Lautsprecher-Setup mit, das über das beim Pioneer nicht vorhandene On Screen Display sehr einfach zu handhaben ist. Beide Geräte haben relativ viele Tasten auf der Gerätefront, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist die Bedienung dieser Funktionselemente aber unproblematisch. Nur die kleinen schwarzen, in der Praxis jedoch eher selten benötigten Funktionstasten des AVR-1905 sind nicht optimal durchdacht, da zu klein und zu kontrastarm. Das Display des Denon ist zwar recht klein, durch die hohe Auflösung und den sehr guten Kontrast ist es aber trotzdem tadellos ablesbar. Das gröber auflösende Gegenstück beim VSX-D814 gerät knapp ins Hintertreffen. Im Alltag sind beide AV-Receiver sehr angenehme Partner, dies geht auch auf das Konto der Fernbedienungen, die nur im Detail leichte Mängel haben: Beim Denon ist die Navigationseinheit zu tief platziert, beim Pioneer sind die Kontraste (hellgraues Gehäuse der FB, graue Bedientasten) nicht perfekt. Auch ist die Beschriftung beim Pioneer etwas unübersichtlicher. Der VSX-D814 schlägt mit seinem etwas klareren Tastendruckpunkt dafür zurück. Fazit: Beide Geräte sind sehr einfach zu handhaben, Gleichstand. 

Klang

In Bezug auf die Pegelfestigkeit muss der AVR-1905 eine kleine Schlappe hinnehmen: Zwar unterliegt er nur knapp, aber bei hohen Pegeln packt der VSX-D814 noch eine Spur entschlossener zu. Dafür wird der Pioneer etwas heißer, während der Denon sich zwar erwärmt, aber stets im "grünen Bereich" bleibt - ein Beweis für die effektive passive Kühlung. Was die Filmtonwiedergabe angeht, kann man dem AVR-1905 nur eine für diesen Preis nahezu hundertprozentig gelungene Auslegung attestieren. Er bietet eine im Vergleich zum Pioneer höher liegende akustische Gesamtharmonie, das Klangbild wirkt in sich schlüssiger und differenzierter aufgebaut. Gerade in Filmsequenzen, in denen keine brachialen Effekte durch den Hörraum donnern, schlägt die Stunde des Denon: Kleine Rauminformationen für die Surroundkanäle stellt er sorgfältiger dar und schafft somit das authentischere Mehrkanal-Ambiente. Stimmen gibt der Pioneer klar verständlich und von der Auslegung her neutral wieder - somit gute Ansätze für ein vernünftiges Gesamtergebnis. Wieder schlägt der Denon jedoch voll zu und profiliert sich zusätzlich mit einer feineren Abstufung, gerade bei hohen Frauenstimmen arbeitet der AVR-1905 stimmtypische Charakteristika mit mehr Akribie heraus. Bei großen Effekten packt der Pioneer für seine Preisliga sehr kräftig zu und sorgt für heftige Bassausbrüche. Der Denon jedoch lässt fast genauso viel Effektwucht aufkommen, strukturiert alle Arten von Effekten aber noch sauberer durch - keine Frage: Der AVR-1905 ist ein absoluter Volltreffer. Dies zeigt sich auch bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe. Schon der VSX-D814 macht seine Sache erstaunlich gut, dies beweist deutlich, dass auch der Pioneer nach wie vor sehr empfehlenswert ist. Der Denon aber spricht mit seiner feinfühligeren, mehr auf Kleinigkeiten achtenden Wiedergabe noch mehr an. Trotzdem bietet er in Passagen, in denen nach einer sehr nachdrücklichen Wiedergabe verlangt wird, ein kräftiges akustisches Fundament, so dass man den kleinen Denon ohne Übertreibung als preiswertes Universaltalent bezeichnen kann.  Mit einem räumlich eindrucksvollen Surround-Klangfeld im Pro Logic II-Betrieb setzt der Denon wiederum die Benchmark. Auch die Front-Klangkulisse mit ausgezeichneter Tiefenwirkung ist außerordentlich gelungen und weist im Hinblick auf die gebotene Qualität manches größere und teurere Gerät in die Schranken.  Im DTS Neo:6 Music-Mode klingt bei beiden AV-Receivern besonders klassische Musik oder Jazz-Musik besser als in Pro Logic IIx, das sich mit dem kräftigeren Bass und dem höheren Volumen eher für Dance- oder Rockmusik empfiehlt. Der AVR-1905 brilliert im Direktvergleich bei Neo:6 Music mit noch mehr Spritzigkeit und Dynamik, gleichzeitig ist der Bass noch klarer definiert. Im Stereobetrieb klingt der Denon reifer, weil klarer und fundierter, während der Pioneer zwar einen sehr kräftigen Bass mitbringt, insgesamt aber weniger gut detailliert und auch im Hochtonbereich nicht so frisch klingt. Bilanz: Der erwachsener und ausgewogener klingende AVR-1905 bietet für seine Preisklasse praktisch ein Optimum an Klangqualität. Der Pioneer muss sich trotz geringfügig besserer Pegelfestigkeit, geschlagen geben, denn er agiert nicht so differenziert und harmonisch wie der AVR-1905.

Eins muss man an dieser Stelle aber klar stellen: Gerade derjenige Anwender, der in hervorragender Qualität Klassik oder Jazz  - ganz gleich, ob in Multichannel oder in Stereo - hören möchte, ist in dieser Preisklasse generell falsch aufgehoben. Ohne die sehr guten Leistungen unserer Kontrahenten schmälern zu wollen, sollte man im potentiellen Käufer keine falschen Hoffnungen wecken. Wer in ansprechender Form die beiden angesprochenen Musikstile hören möchte, sollte sich nach preislich höher liegenden Alternativen umschauen. Sowohl bei Pioneer (VSX-1014) als auch bei Denon (AVR-2805) finden sich noch finanzierbare, bestens geeignete Angebote. AVR-1905 und VSX-D814 empfehlen sich daher in erster Linie für Musikhörer mit normalen Ansprüchen und insbesondere für preisbewusste Filmliebhaber, die eine tadellose Wiedergabemaschine für ihre Filmesammlung auf DVD haben möchten. Hier erfüllen der Pioneer und insbesondere der höchst ausgewogene Denon problemlos auch leicht gehobene Ansprüche, sofern der Hörraum nicht wesentlich über 25 Quadratmeter groß ist.

Fazit

Insgesamt schlägt der überragende Denon AVR-1905 den Pioneer im direkten Vergleich. Der Denon tritt mit sieben vollwertigen Endstufen an, ist im Geräteinneren aufwändiger konstruiert und belegt mit seiner hochsoliden Verarbeitung inklusive Metallfrontplatte und DOT-Matrix-Display, dass sehr gute Qualität nicht teuer eingekauft werden muss. Bei den Klangwertungen hinterlässt der höchst ausgewogene AVR-1905 ebenfalls den erwachseneren Eindruck. Der Pioneer gibt jedoch einen ausgezeichneten Zweitplatzierten ab - bei der Endabrechnung muss er sich nur knapp geschlagen geben. Er verfügt über das automatische Lautsprecher-Einmesssystem MCACC und über eine noch minimal höher liegende Pegelfestigkeit, außerdem ist die Anschlussauswahl noch durchdachter und die mitgelieferten DSP-Programme klingen besser. Insgesamt macht man - und das ist für Einsteiger sehr erfreulich - mit keinem der beiden AV-Receiver etwas falsch. Mehr Qualität und Ausstattung fürs Geld ist momentan nirgendwo anders zu finden. 

Mit dem momentan besten Gesamtpaket in der 400 EUR-Liga schlägt der Denon AVR-1905 den Pioneer VSX-D814
Denon AVR-1905

Testsieger 400 EUR-Duell
27. Oktober 2004


Text: Carsten Rampacher

27. Oktober 2004

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