Preview in unserem Hörraum: Denon AVC-A1XV

17.02.2005 (lm) (cr)

Der Denon AVC A1 XV ist momentan in aller Munde, nicht nur aufgrund der bislang extrem verheißungsvollen Bewertungen seitens der Fachpresse, sondern eben auch durch die Tatsache, dass dieser Verstärker mehr als irgendein anderes Gerät vor ihm Gigantismus in Reinkultur darstellt.

Auch wir haben uns ja bereits mit einem ausführlichen Preview mit Denons neuestem Surroundboliden auseinandergesetzt, basierend auf einer ausführlichen Demonstration im Denon-eigenen Testraum in Nettetal. Genau aus diesem Grund liefern wir Ihnen nun noch eine zusätzliche Klang- und Praxisbeurteilung nach, die in einem unserer eigenen Hörräume stattgefunden hat.  Als eines der ersten Magazine überhaupt können wir sogar schon Vergleiche zum etwa zeitlichgleich erschienenen ( und fast preisgleichen) Mitstreiter aus dem Hause Onkyo, dem TX NR 5000 ziehen:

Testbedingungen:

Um zu sehen, zu welchen Leistungen die Boliden in der Lage sind, haben wir folgendes Setup bereitgestellt:

Um dem Denon auch erweiterte Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, haben wir testweise die Front- und den Center Lautsprecher mit ABL Modulen ausgestattet und an leistungsstarke Endstufen vom Typ „Vincent SP993“ gehängt. Dadurch sind die beiden Front Lautsprecher in der Lage bis 27hz , der Center bis 40hz, zu kommen. (-3db Punkt)

Unser Hörraum misst dieses Mal 4,5x5,5 Meter und wurde durch 4 Cornerblocks sowie einem Wallpanel von der Firma RTFS akustisch optimiert, um den Diffusschall zu minimieren und die Nachhallzeiten zu linearisieren.

Gute Randbedingungen also, damit der Denon zeigen kann, was akustisch in ihm steckt.

Klang 

Schon direkt nach dem Auspacken und erstmaliger Inbetriebnahme begrüßt der Denon AVC A1 XV den Käufer mit einem typischen „Denon- Klang“: allgemein ein sehr harmonischer, angenehmer Klang im Mitten- und Hochtonbereich. Im direkten Vergleich schafft es der Onkyo TX-NR 5000E aber noch ein wenig besser, den verschiedenen Bass-Anteilen mehr Konturen und Präzision zu verschaffen, wobei auch auch erwähnt werden muss, dass der Onkyo hier an der Spitze des gesamtes Bolidenfeldes steht, und sich auf Augenhöhe mit "Bassspezialisten" wie dem Pioneer VSA-AX10Ai-S messen kann. Beim Vergleichen der beiden Klang-Charakteristika kann man bilanzierend weniger von einem „besseren“ oder „schlechterem“ Klang sprechen – Der Onkyo legt viel Wert auf ein luftiges, „klares“ Klangbild mit knackigem und präzisem Fundament, während der Denon AVC-A1XV in den Mitten etwas fülliger klingt, was trotz des ebenfalls überdurchschnittlich klaren Hochtonbereiches in der Summe etwas dunkler bzw. kräftiger klingt als der Onkyo. 


Hierbei muss unserer Meinung nach noch unbedingt erwähnt werden, dass bei solch hochkarätigen und außergewöhnlichen Verstärkern alle als unterschiedlich ermittelten Klangnuancen unbedingt in Einklang mit den Lautsprechern sowie der Raumakustik gesehen werden müssen, da wir uns in einem Bereich befinden, wo die klanglichen Unterschiede im Verhältnis zur generell hohen Wiedergabequalität eine ausführliche Erläuterung bedürfen.  Die hier dargestellten Klangbeschreibungen finden ihre akustische Bestätigung sowohl beim Wiedergeben von Stereomusik als auch bei DVD-Filmen. Beiden Kandidaten ist gemeinsam, dass die Stereowiedergabe (besonders bei hohen Pegeln) im „Pure“ (Denon) bzw. „Pure Audio“ (Onkyo) Modus hörbar transparenter und feinauflösender ist, und die Bässe präziser dargestellt werden. 

Kommen wir zum Bereich Room-Eq/Einmessung:

Der AVC A1 XV buhlt um die Gunst des Käufers, indem eine bislang unerreichte und präzise Raumeinmessung versprochen wird. Als eine der Besonderheiten wird im Vergleich zu allen anderen Boliden nicht nur ein einziger Messpunkt beim Einmessen benutzt, sondern bis zu acht verschiedene Positionen. Wie im Preview schon erläutert, wird dann eine Einstellung errechnet, die innerhalb der Hörzone ein gleichmäßiges und realistisches Abbild des Klanges ermöglichen soll. Hierfür bediente sich Denon der Spezialisten von  Audyssey, welche im Bereich Profi-Kinoakustik tätig sind und zu den Top-Adressen in der Branche zählen.

In unseren bisherigen Testreihen hat sich herausgestellt, dass man auch unbedingt alle acht Messungen durchführen sollte, selbst wenn die eigentliche Hörzone (in unserem Hörraum ein 2er Ledersofa) nicht besonders groß ist. Solch eine Messung könnte zum Beispiel so aussehen, dass man zuerst am Hauptsitzplatz, dann links und rechts 50cm daneben, gefolgt von 3 Messungen links/rechts/mitte auf der Sofalehne und zu guter Letzt noch 2 Messungen 10cm vor dem Sofa durchführt. Natürlich müssen alle Messungen auf Ohrhöhe gemacht werden, so dass sich der Einsatz eines Statives empfehlt. Das mitgelieferte Mikrofon ist identisch mit dem des Denon AVR-3805 und hat für Stativbefestigung bereits ein Schraubgewinde.

Interessant war, dass das Ergebnis dieser Messungen im Mittel- und Hochtonbereich stets fast gleich war. Durch die jeweils leicht veränderten acht Einmesspositionen lieferte der Denon aber zuweilen recht unterschiedliche Ergebnisse in der Bass-Abstimmung, was sich in den variierenden Übernahme-Frequenzen zeigte. So wurden zum Beispiel unsere Nubert NuWave125 einmal als „Large“ erkannt und bei anderen Messungen als „Small“ mit Trennungen bei 40 und 80hz. Durch die jeweils angepasste Einpegelung der beiden AW1000-Subwoofer war der Klangeindruck bzw. die Klangabstimmung jedes Mal trotzdem sehr ähnlich. Die Tests mit unseren ABL-Modulen per externen Endstufen parierte der Denon vorbildlich und erkannte so zum Beispiel den Center nicht mehr als „small“ mit Trennung bei 60 oder 80hz, sondern nun mit Trennung bei 40hz oder als „large“. Das zeigt uns 2 Dinge:

1.) Das Einmesssystem arbeitet sehr fein und exakt und berücksichtigt selbst kleinste Änderungen an der eingemessenen Zone und 

2.) Es wird trotz unterschiedlicher Bass-Einstellungen in der Hörzone immer der gleiche Sound hergestellt, so dass hier also eine sehr variable und situationsabhängige Errechnung vorgenommen wird, um dem gewünschten Klangbild nahe zu kommen.

Nach Einmessung und Auswertung errechnet der Denon AVC A1 XV 3 verschiedene Konfigurationen:

1.) Audyssey Einstellung
2.) Front Einstellung ( Center und Rearspeaker werden vom Klang den Front-LS angepasst)
3.) Flat Einstellung ( alle Lautsprecher werden auf einen ähnlichen Klang getrimmt)

Zusätzlich kann sich der versierte Benutzer eine dieser Einstellungen in einen „Costum“ Mode laden, um per 9 Band-Equalizer den Klang nach eigenem Geschmack zu variieren.

Unsere folgenden Aussagen beziehen sich jedoch komplett auf die neue Audyssey-Einstellung im Vergleich zur klassischen Darbietung ohne Room-Eq.

Natürlich würde es keinen Sinn machen, eine pauschale Aussage über den zu erwartenden Art des Eingriffes in ein individuelles Lautsprecher Setup zu sagen, da es ja gerade der Sinn dieses System ist, spezifische Änderungen aufgrund der Lautsprecher und Raumakustik vorzunehmen.

In unserem Fall war das Ergebnis, dass der Center Nubert NuWave CS65 (ohne ABL) im Hochtonbereich etwas abgesenkt wurde, während die Mitten zwischen 2- und 5 kHz um einige dB dazubekommen haben. Da aber viele Einstellungen, wie die Zeitkorrektur kompletter Frequenzbereiche des Audyssey Modus, in den Settings unsichtbar bleiben, wäre es falsch, die Wirkungsweise dieser Raumanpassung als auf die Mitten- und Höhenänderungen minimiert zu betrachten.

In der Praxis stellte sich dann auch relativ schnell heraus, dass (bei korrekter Einmessung), die gesamte Darbietung des Filmes packender und realistischer rüberkommt. Es werden zwar natürlich auch sämtliche Rear-Lautsprecher miteingemessen und justiert, jedoch lässt sich der Zuwachs an realistischer Darbietung am leichtesten durch die Stimmen aus dem Centerkanal beurteilen. Die Sprachverständlichkeit steigt an – „N-laute“ , welche sonst gerne mal etwas dumpf und „genuschelt“ erklingen, sind nun deutlich klarer zu hören. Personen wie „Gandalf“ (HDR) werden in unserem Test-System nun ebenfalls „körperhafter“ und mit mehr Realismus dargestellt, übertrieben formuliert, könnte man sagen, dass der „Room-EQ Off“ Modus im Vergleich dazu einen Klang offeriert, der räumlich näher an den Lautsprecher gebunden ist. Beim Audyssey-Betrieb hingegen sind die Klangstrukturen losgelöst von den Lautsprechern, die Klänge bzw. Stimmen werden bessern in den Raum gestellt. Bei der Wiedergabe der Star Wars-Hymne in "Episode 4" gelang es dem Audyssey-Modus, die eher dominant klingenden Fanfaren zu Gunsten einer insgesamt besseren Transparenz etwas zu in Bezug auf die Gesamtgewichtung abzuschwächen, so dass nun auch bislang eher versteckte Musikinstrumente wie das Glockenspiel mit mehr "Gleichberechtigung" zu hören sind. 

Was uns ebenfalls noch aufgefallen ist, spielt sich im Bereich der Bass- und vor allem Tiefbass-Wiedergabe ab: mit aktiviertem Audyssey-Modus werden Basseffekte nun wesentlich differenzierter und „greifbarer“ dargestellt. Mit manch anderem Verstärker hörten sich viele Explosionen immer gleich an ; so dass mit dem Denon AVC A1 XV besser klar wird, ob im Film nun ein eine kleine Tretmine, oder ein komplettes Hochhaus in die Luft fliegt. Bei Bedarf schleudert der Denon dann ein Tiefbass-Gewitter ab, dass an Präzision und Wucht nicht einmal vom Onkyo oder Pioneer erreicht wird. Hier setzt er sich dann klar über die, im Normalmodus herrschende Denon Klangphilosophie hinweg. Wir haben dann noch einen Testgemacht und die Raumakustikelemente aus dem Hörraum entfernt. Im Normalfall (bzw. Normalmodus) haben wir in diesem Raum einen deutlich schwammigeren Bass – nach einer neuen Audyssey Einmessung konnte hiervon ein Großteil abgefangen werden, so dass dieser Ansatz vielleicht für Leute interessant wird, die bislang aus asthätischen Gründen Abstand von Absorbern genommen haben. Die ideale Lösung wird unserer Meinung nach, aber nur durch die Kombination aus beidem erreicht, da auch ein solch ausgefeiltes und komplexes Mess-System wie in dem neuen Denon nicht die Tücken der Raumakustik vollständig überwinden kann.

Erfreulich ist die Temperaturentwicklung: Selbst beim Einsatz über mehrere Stunden wurde der AVC-A1XV nie mehr als handwarm, die für absolute Notfälle installierten Lüfter waren nie zu hören. 

Fazit der ersten Testwoche in unserem eigenen Hörraum:



Wer dem Thema Highend-Room-EQ offen gegenüber eingestellt ist , sollte sich den Denon genauer anschauen. Aufgrund des authentischen und natürlichen Klangergebnisses wird so mancher Heimkino-Fan absolut begeistert sein - wobei es durchaus Sinn macht, durch verschiedene Experimente zu Erfahrung sammeln bei der Einmessung mit maximal acht Punkten, um so die optimale Justage zu ermitteln.

Anhänger der klassischen, puristischen Fraktion, die möglichst wenig klangbeeinflussende Faktoren in einem Verstärker haben wollen, erhalten auch abseits von Audysseys Room EQ einen grundsoliden, typischen Denon Referenz Verstärker, der jedoch je nach persönlichem Geschmack und den eingesetzten Lautsprechern mit dem Onkyo TX-NR5000 verglichen werden sollte.

Mitte März werden wir in einem großen Boliden Round-up noch einmal alle aktuellen Verstärker einem intensivem Vergleich unterziehen und auch hiervon unsere Eindrücke schildern. 

17. Februar 2005
Tester: Lars Mette

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