AV-Receiver-Mastertest: Was können AV-Receiver von 250 bis 1.900 € ?
(Teil 2)
Testequipment:
-
Alle Geräte getestet mit dem identischen Lautsprechersystem Pioneer S-H810V, S-C80 und S-F80
und identischer Verkabelung von Oehlbach
im gleichen Hörraum
-
Zuspieler: Denon DVD-2910, Denon DVD-1910
-
AV-Receiver-Referenz: Harman Kardon AVR-7300
Test-Medien:
-
Peter Tschaikowsky, 1812 Ouvertüre/Hamlet op. 67 (CD,
Stereo(Pro Logic IIx/DTS Neo 6/u.U. Logic 7
-
Ludwig van Beethoven, Pastorale (DVD, Dolby Digital 5.1)
-
DJ Networx Volume 24 (CD, Stereo(Pro Logic IIx/DTS Neo 6/u.U.
Logic 7)
-
DVD Audio-Music Sampler von DTS (DVD-Audio)
-
Frankie goes to Hollywood, Rage Hard, the Sonic Collection (SACD-Multichannel)
-
Top Gun, Soundtrack (SACD-Stereo)
-
Human League, DARE! (SACD-Stereo)
-
Die Mumie kehrt zurück (Dolby Digital)
-
Gladiator
-
Pakt der Wölfe
-
Master and Commander
-
Harry Potter und der Gefangene von Askaban
-
Star Wars Episode 2
-
DTS Demo DVD 7 und 8
Klang
Kenwood KRF-V5090D
Bereits der Kenwood klingt für seinen geringen Kaufpreis voll
befriedigend, so dass Neueinsteiger mit relativ geringem finanziellen Aufwand
einen AV-Receiver erwerben können, der frei von störenden Schwächen ist.
Klar, gerade bei klassischen Musikstücken fehlt es an Brillanz und Transparenz,
aber das insgesamt homogene und gleichmäßige Klangbild erfreut das Ohr des
Hörers, dies gilt für 5.1-DVDs ebenso wie für CDs, die mittels
Surroundnachbearbeitung auf ein Multichannel-System angepasst werden. Dolby Pro Logic 2x ist
sehr gut integriert und punktet mit gutem Bass und ordentlicher Struktur. Neo:6
von der DTS-Konkurrenz hingegen klingt etwas flach und ausdruckslos. Wacker
schlägt sich der KRF-V5090D, wenn SACD- oder DVD-Audiomaterial eingelegt wird.
Die Endstufen ermöglichen einen recht dynamischen, erstaunlich klaren Klang.
Der akustische Unterschied zwischen dieser sehr guten Leistung und der voll
befriedigenden Leistung bei digitaler Signalzuführung zeigt klar Stärken und
Schwächen des Kenwood: Die Endstufen sind erstaunlich leistungsfähig und
anscheinend auch recht hochwertig, während bei der Vorstufe inkl.
D/A-Wandler-Sektion im Vergleich wohl preisklassengemäß etwas gespart
wurde, hier bleibt gerade im Hochtonbereich einiges an Brillanz und Transparenz
hängen, was die Endstufen ohne Schwierigkeiten herausholen würden.
Bei der Filmtonwiedergabe gefällt die überraschend präzise
Effektdarstellung auch z.B. bei bidirektionalen Effekten, während die
räumliche Wiedergabe etwas zu inhomogen wirkt. Bei kraftvollen Effektsalven
gerät der Kenwood dann an seine Grenzen und strukturiert einzelne Details nicht
mehr sauber durch, der Effekt klingt dadurch etwas dröhnig und konturenlos. Die
Stimmwiedergabe ist gut, im Vergleich zu teureren Modellen aber etwas flach.
Bei der Pegelfestigkeit merkt man zwar den Preisunterschied
deutlich, denn hier markiert der KRF-V5090D schon das Schlusslicht in diesem
Testfeld. Aber: Für rund 250 € eine beachtliche Leistung, auch wenn bei hohen
Pegeln ein etwas angestrengt wirkendes Klangbild und keine räumlich
absolut gleichmäßige Klangverteilung herauszuhören sind.
Verbesserungswürdig: Das etwas zu hohe Grundrauschen.
Onkyo TX-SR602E:
Aufgepasst: Der Onkyo warnt vor dem lauten Einmessvorgang

Fürs
"Prüfkomitee": Die Ergebnisse des Auto-Setups 
Korrekt:
Die Einstellungen des Onkyo sind gar nicht schlecht. Crossover gäbe es bei
unserem Boxenset noch die Möglichkeit 60 Hz, aber insgesamt fällt das Ergebnis
gut aus 
Der
TX-SR602E bietet noch einen auch manuell nutzbaren EQ für jeden Kanal 
Bass-Feintuning:
Auch für den aktiven Sub gibt es drei einstellbare FrequenzbänderZum Auto Setup: Direkt nach
Anschluss des Mikrophons fragt der Onkyo, ob das Auto Setup gestartet werden
soll (per Gerätedisplay und per OSD). Die Einstellungen machen bis auf den zu
niedrigen Subwoofer-Pegel einen vertrauenserweckenden Eindruck, der große
Unterschied beim Pegel für die Fronts resultiert aus den stark
unterschiedlichen Bedingungen bei der Aufstellung. Gleich
zu Beginn erbringt der Onkyo bei der SACD- und DVD-Audio-Wiedergabe äußerst
respektable Ergebnisse, denn die Endstufen treten dynamisch und ausdrucksstark an - obwohl mit 699 € noch preislich sehr fair, markiert der
TX-SR602E bei "Rage Hard" (Frankie goes to Hollywood) und "Ain't
no Bidness" (Insane Clown Posse, DTS DVD-A-Sampler) beachtliche Leistungen. Auch bei
höheren Pegeln agiert der Onkyo souverän und bietet immer
noch einen sorgfältigen Aufbau von Stimmen, Effekten und Instrumenten. Erst,
wenn man sich der Maximallautstärke nähert, merkt man an kleinen akustischen
Unsauberkeiten doch die Preisklasse - daher ist es umso beeindruckender, wie
hier der Harman Kardon AVR-335, rund 100 € teurer, vorbeizieht, er legt
einfach noch ein paar Briketts nach und spielt noch souveräner und freier
auf. Mehr "Feuer" als der Onkyo bietet auch der Pioneer
VSX-2014i-S. Werden herkömmliche
Musik-CDs von Pro Logic 2x und DTS Neo:6 für die Surroundwiedergabe
präpariert, so eignet sich Pro Logic IIx aufgrund der voluminöseren und besser
strukturierten Wiedergabe hörbar besser. Insgesamt setzt sich der Onkyo hier
ausgezeichnet in Szene und beeindruckt durch seinen präzisen Bass, dem jegliche
unpassende Verwaschenheit abgeht. Trotzdem wird ein sehr gutes Volumen
offeriert. Lobenswert auch die sehr saubere, vielschichtige
Stimmwiedergabe. Klassische 5.1-DVDs liegen dem TX-SR602E,
denn er baut mit viel Liebe zum Detail auf, bietet ein solides Bassfundament,
das aber nicht mit unpassender Gewichtung negativ auffällt - im Gegenteil: Die
höchst ausgewogene, lebendige Wiedergabe mit leichtfüßig wirkendem,
transparenten Hochtonbereich ist auch bei teureren Modellen keinesfalls
selbstverständlich. Dynamiksprünge werden mit Gelassenheit und raschem Antritt
problemlos gemeistert. Bei hohen Pegeln jedoch zeigt sich, dass HK AVR-335 und
auch der Pioneer VSX-2014i-S hier vorbeiziehen, der Onkyo wird dann nicht mehr
so gelassen. Der große Bruder Onkyo TX-SR702E
ist hier weitaus besser als der 602er, er liegt gerade bei der Wiedergabe
klassischer DVDs ganz weit vorn und schlägt hier sogar Pioneer und Harman. Es
wird immer wieder deutlich, dass der 702er Onkyo in jeder Hinsicht ein besonders
guter Wurf ist. Bei der Filmtonwiedergabe offeriert der
Onyko beachtliche Qualitäten, denn seine Effektdarstellung ist von
hoher Klarheit, feinem Aufbau und stets exakter Ortungsmöglichkeit geprägt.
Bei der Wiedergabe der seismischen Bomben (Star Wars Ep. 2, Kapitel 28)
überzeugt der TX-SR702E mit tadellosem Effektaufbau. Die sehr klar ertönende
Stimme von Django Fetts geklontem Sohn Boba beweist, wie gut akzentuiert der
TX-SR602E Stimmen wiedergibt. Das Gefühl dichter Räumlichkeit vermittelt er
sehr gut, aber nicht ganz so gut wie der HK AVR-335, das gesamte Klangbild ist
auch bei kräftigen Pegeln homogen und von hoher Lebendigkeit geprägt. Geht es
extrem laut zu, agiert der Harman AVR-335 jedoch noch gelassener und
bringt mehr Struktur ins Klangbild. Auch wirkt der Hochtonbereich des HK
bei sehr hoher Lautstärke aufgeräumter. Hier muss schon der TX-SR702E als
Vergleichsmaßstab herangezogen werden, der auch bei sehr hohen Pegeln im
Hochtonbereich noch brillant und gelassen klingt und so auch den HK
schlägt. Der Antritt des 335ers ist aber selbst dem Onkyo TX-SR702E überlegen,
hier setzt der Harman Kardon AVR-335 momentan die Akzente. Harman Kardon AVR-335: Insgesamt
muss sich der TX-SR602E also dem Harman Kardon AVR-335 akustisch
geschlagen geben, der insbesondere bei der Pegelfestigkeit nicht nur dem
Onkyo, sondern auch seinem "kleineren Bruder" AVR-235 und dem Pioneer VSX-2014i-S
keine Chance lässt, wobei der 2014er insgesamt dem HK nahe kommt, ohne mit ihm
aber auf Augenhöhe zu stehen. So klar, gelassen und souverän wie der 335er geht sonst nur
noch der mehr als doppelt so teure Pioneer VSX-AX5Ai-S mit hohen Pegeln um. Bei
unseren SACD- und DVD-A-Stücken (Stücke siehe Onkyo) spielt
er die Stärken seiner Endstufeneinheit gnadenlos aus und
beeindruckt mit Dynamik, Kraft und viel akustischer Harmonie, summa summarum
eine exzellente Vorstellung. Bei klassischen 5.1-DVDs (Ludwig van
Beethoven, Pastorale) bringt der Harman seine Fähigkeit, viel Sorgfalt auch auf
die Darstellung kleiner Details anzuwenden, höchst Gewinn bringend ein und
sichert sich weitere Pluspunkte. Die Hochtonwiedergabe ist beim Onkyo zwar
luftiger, der Harman aber agiert bei sehr kräftigen Pegeln aber deutlich
gelassener und wird nie aggressiv, sondern bewahrt immer ein stimmig aufgebautes
Klangbild. Herausragend auch die Fähigkeiten bei der räumlichen Darstellung,
hier wird auch der TX-SR602E auf Distanz gehalten. Bei allen Testreihen
imponiert die wie aus einem Guss wirkende Front-Klangkulisse. Beim
Surround-Aufpolieren von herkömmlichen CDs lässt der Harman der
Konkurrenz keine Chance. Die Krönung im HK ist allerdings nicht das hauseigene
Logic 7, sondern die erstklassige Pro Logic IIx-Integration, die die mit Abstand
beste im gesamten Testfeld darstellt. Alles passt: Der zupackende Bass, die
hervorragende Effektkulisse, die natürliche Raumwirkung, und die
exzellente Stimmwiedergabe. Logic 7 ist nur unwesentlich schlechter, während
Neo:6 durch den schmaleren Bass und das insgesamt leicht fade wirkende Klangbild
abfällt. Bei der Filmtonwiedergabe setzt der HK ebenfalls
Akzente: Er stellt räumlich am besten dar und schafft so das
"berühmt-berüchtigte" und allseits beliebte Gefühl, wirklich mitten
im Geschehen zu sitzen. Er bringt bei den Explosionen der seismischen Bomben
(siehe Star Wars Ep.2, Kapitel 28) eine nicht nur für seine Preisklasse schlichtweg
sensationelle Wucht ein, ohne den Aufbau zu vernachlässigen - selbst bei sehr
hohen Pegeln bleibt der HK auch für kleine Feinheiten offen, was insgesamt dazu
führt, dass der HK auch bei der Bewertung der Filmtonwiedergabe das Testfeld
mit erstaunlicher Souveränität anführt. 
Klare
Anweisungen zu Beginn des Auto-Setups 
Nichts
für Redselige: Während des Einmessvorgangs fordert der 335er zu strikter Ruhe
auf 
Nun
geht es los - EZSet + im Einsatz 
Einfach,
aber gut: Der Harman misst relativ wenig, was dabei herauskommt, überzeugt
aber Das HK-Einmesssystem
agiert schnell und zuverlässig, auch wenn es beim 335er recht schlicht
von der Arbeitsweise und vom Funktionsumfang her ist - was den Verdachtsmomenten
Nahrung gibt, dass die Präzision nicht allzu gut sein kann -, so spricht die
Hörpraxis eine andere Sprache: Der HK misst deutlich stimmiger ein als der
bereits gute, aber in dieser Disziplin nicht überdurchschnittliche Onkyo.
Ein aufwändiger EQ fehlt allerdings. Akustische Bilanz:
Top-Vorstellung ohne jede Einschränkung, der Harman wird unser Sieger der
Klangwertung - Respekt vor dieser Leistung, schließlich ist er bei Weitem nicht
das teuerste Gerät im Test! Pioneer VSX-AX5Ai-S: 
Das
Einmesssystem im Einsatz 
Die
vorgenommenen Einstellungen des internen EQ Der VSX-AX5Ai-S ist mit Advanced MCACC ausgestattet
- also dem neusten automatischen Einmesssystem von Pioneer, welches theoretisch weitaus
präziser misst durch eine deutliche Erweiterung der zu ermittelnden Parameter.
Störend ist, dass MCACC mehrere Bestätigungen (Drücken der Enter-Taste)
während des Einmessvorgangs verlangt. Andere Geräte wie der HK oder der Onkyo
hingegen ziehen die Messungen zügig ohne weiteres Zutun des Anwenders durch.
Das mitgelieferte Mikrophon ist sehr einfach gehalten, gegen das sehr edle
HK-Micro und das nüchterne, aber recht hochwertige Onkyo-Micro hat es optisch
keine Chance. Vorteil: Beim VSX-AX5Ai-S tauchen trotz des aufwändigen Einmessvorgangs keine
nervenden Fehlermeldungen auf. Durch die große ermittelte Datenmenge nimmt der
Einmessvorgang beim Pioneer allerdings mehr als doppelt so viel Zeit wie bei den
Konkurrenten in Anspruch. Leider ist das Ergebnis nicht so gut, wie wir es
erwartet haben, denn die Einstufung unseres ebenfalls von Pioneer stammenden
LS-Systems als "large" für alle Komponenten (inklusive Center!!)
passt nicht. Der Center, von Onkyo und Harman als "small" erkannt,
sollte auch genau in dieser Einstellung betrieben werden. Die
EQ-Einstellungen verlangen im Detail nach Feintuning in Bezug auf eine etwas
vollmundigere Wiedergabe. Akustisch
beeindruckt die hohe Präzision und die feine Auflösung, die der Pioneer bei
allen DVD-Audio- und SACD-Testbeispielen zustande bringt. Sehr sorgfältig und
exakt modellieren die Endstufen eine vielschichtige Kulisse, die allerdings ein
sonst Pioneer-typisches Merkmal vermissen lässt: Den richtigen Nachdruck. Hier
fehlt, salopp gesagt, der Pfeffer, der Bassbereich wirkt etwas müde und fade.
Hier stemmt der AVR-335 mit seiner nachdrücklichen, beeindruckend kräftigen
Wiedergabe klar die Bestwerte in diesem Teilnehmerfeld. Der Pioneer bietet
dafür die höchste Klarheit im Hochtonbereich auf. Geht es
darum, herkömmliche CDs für die Wiedergabe über ein Multichannel-LS-System
nachzubearbeiten, kann Neo:6 mit besseren Werten als PLIIx aufwarten. Der
Eindruck sich fein ausbreitender Räumlichkeit wird hier sehr schön vermittelt.
Gerade für Klassisches sehr gut geeignet. PLIIx wirkt etwas gepresster und
unharmonischer in Bezug auf die Homogenität. In beiden Modi trumpft der Pioneer
mit seiner sehr guten Feinarbeit und dem brillanten Hochtonbereich, auch bei
hohen Pegeln, auf. Insgesamt aber ist er recht zurückhaltend ausgelegt, was
dafür sorgt, dass er das Faszinationspotential des AVR-335 nicht erreicht wird.
Wer es jedoch höchst präzise und sehr feinsinnig mag, ist mit dem VSA-AX5Ai-S
sehr gut bedient, selbst mancher Bolide muss sich in Bezug auf die Detaillierung
geschlagen geben. Dies zeigt sich auch bei Ludwig van
Beethovens "Pastorale", wo die Detaillierung ebenfalls wieder
vortrefflich ist. Er modelliert eine vielschichtige, tiefgründige Klangkulisse
heraus, bei plötzlichen Orchestereinsätzen allerdings beeindruckt er zwar
wiederum durch den tollen Aufbau, lässt es aber etwas am nötigen Nachdruck
fehlen. Genau diese extrem natürliche, sehr präzise
Wiedergabe ist nicht unbedingt Garant für ein eindrucksvolles akustisches Bild gerade
bei Actionfilmen. Der Pioneer klingt nuanciert, detailliert, ausgewogen und sehr
klar, aber auch unspektakulär, wie ein Musterschüler, der alle Aufgaben des
Lehrers mit Fleiß und Sorgfalt erledigt, allerdings ohne rechte Phantasie. Die
Pegelfestigkeit ist ohne Fehl und Tadel. Er vermittelt zwar nicht dieses
eindrucksvolle Leistungsgefühl des HK AVR-335, der einfach immer mächtig
voranschiebt, meistert aber hohe Lautstärken aber genauso souverän und lässig.
Auch extreme Lautstärken schränken die Brillanz des Hochtonbereichs und die
Freude bei der Detaillierung nur unwesentlich ein. Harman
Kardon AVR-235 An die glamourösen Leistungen des großen Bruders
AVR-335 kann der 200 € günstigere AVR-235 nicht heranreichen - und
zwar in keiner Disziplin: Am nächsten kommt der dem 335er noch bei der DVD-Audio- und
SACD-Wiedergabe, was damit zusammenhängt, dass es eigentlich nur minimale
konstruktive Differenzen beim Aufbau der jeweiligen Endstufeneinheiten gibt.
Trotzdem muss sich der 235er auch hier dem 335er geschlagen geben, denn er
klingt weniger dynamisch, Effekte werden mit etwas geringerer Wucht und
Nachdruck präsentiert. Der Bassbereich ist nicht ganz so ausgewogen. Die Hochtondarstellung ist ebenfalls bei
großen Lautstärken nicht mehr so souverän und gelassen. Bei der Surround-Nachbearbeitung normaler CDs
fällt der AVR-235 ebenfalls nicht nur hinter den AVR-335, sondern auch hinter
den Onkyo TX-SR602E zurück. Alle drei Surround-Aufpolierer Logic 7, PLIIx und
Neo:6 bringen nur ein begrenztes Faszinationspotential mit. Am besten wirkt hier
immer noch Logic 7 Music durch die recht lebendige Darstellung, während die
beiden anderen Systeme durch das flache und zu wenig klar strukturierte
Klangbild noch weiter abfallen. Insgesamt auch die sehr klare Empfehlung: Gleich
zum exzellenten 335er greifen. Diese Aussage wird durch das
nur durchschnittliche Feingefühl bei der Wiedergabe klassischer 5.1-DVDs weiter
zementiert. Etwas gelangweilt und ohne rechte Durchsetzungskraft plätschert
hier das Geschehen vor sich hin. Zu einer mehr als gerade noch guten Zensur
reicht es hier nicht. Dass kein "befriedigend" als Ergebnis zu
verzeichnen ist, verdankt der 235er dem insgesamt guten Raumeindruck und dem
ordentlichen Präsenztonbereich. Auch bei der Filmtonwiedergabe
ist kein Land für den 235er im Vergleich zum 335er in Sicht. Alles klingt im
direkten Hörvergleich, als wäre einmal ein Teppich vor den Lautsprechern, der
dann beim 335er einem kräftigen, klaren, extrem dynamischen, direkten
Klangeindruck Platz macht. Der AVR-335 bietet ein Faszinationspotential wie ein
kleiner Bolide, beim 235er sieht es hier merklich fader aus. Die
Surround-Klangkulisse lässt es an Nachdrücklichkeit fehlen, die
Stimmwiedergabe ist weniger präzise. Gerade hinten im Surroundbereich
einschlagenden Effekten fehlt das gewisse Etwas, das für einen bleibenden
Eindruck beim Publikum sorgt: So klingen große Explosionen nicht
nachdrücklich und heftig genug. Aufs Ganze gesehen muss fairerweise
hinzugefügt werden, dass auch der 235er ein guter AV-Receiver ist - aber eben
nicht mehr und nicht so ein Überflieger wie der 335er. Erklärungen für das
erstklassige Abschneiden des AVR-335 und das eher durchschnittliche Abschneiden
des AVR-235: Der AVR-335 hat gegenüber dem AVR-330 einen gewaltigen Sprung nach
vorn gemacht und wird unsere neue Referenz in der Preisklasse bis 1.000 €. Er
hat nochmals an Kraft zugelegt und detailliert nun im Gegensatz zum 330er
überragend. Die Pegelfestigkeit ist absolut erstklassig. Der AVR-235 ist nicht
nur auf dem Stand des 230ers stehen geblieben - er wirkt im Vergleich zum
Vorgänger insgesamt etwas unharmonischer. Nicht immer also ist der Nachfolger
besser als der Vorgänger. Die akustischen Unterschiede zwischen den beiden
Harman-Modellen liegen anscheinend an zwei Faktoren:
-
Die nur geringfügigen Änderungen in der Endstufensektion
haben in Bezug auf die Gesamtperformance beim 335er offensichtlich große
Wirkung
-
Die Vorstufe des 335ers ist weitaus gelungener abgestimmt
Pioneer VSX-2014i-S Mit
normalem, also dem hinlänglich bekannten MCACC ausstaffiert, startet der 2014er
den Einmessvorgang, der leider wiederum damit endet, dass alle Lautsprecher,
also auch der Center, als "large" erkannt werden, in der Praxis ergibt
sich so kein runder Klang, der Center gehört auf "small". Ansonsten
sind die Einstellungen praxisgerechter als beim edleren Advanced MCACC, wo wir
mehr manuell nachkorrigieren mussten. Zu loben gegenüber dem einfachen
HK-Auto Room Setup ist, dass ein vollwertiger EQ die LS mit einmisst. Der viel teurere
VSX-AXVSX-AX5Ai-S muss in Bezug auf die akustische Faszination eine Niederlage
gegenüber dem 2014er einstecken, denn bei der DVD-Audio- und SACD-Wiedergabe
bringen die eigentlich weitaus weniger aufwändig konzipierten Endstufen des
kleineren Modells eine dynamischere und mitreißendere Klangkulisse - die
zweitbeste in Bezug aufs Faszinationspotential hinter dem Harman Kardon AVR-335.
Die Detaileinarbeitung und die Transparenz im Hochtonbereich sind zwar hörbar
schlechter als beim VSX-AX5Ai-S, dafür geht es beim "little Brother" mit
mehr Nachdruck und Spaß voran, da er nicht jeden Ton auf die Goldwaage stellt,
um dann letztendlich eher wie ein sehr präziser, fleißiger, sorgfältliger,
analytisch denkender Buchhalter zu wirken - an einen solchen erinnert der VSX-AXVSX-AX5Ai-S manchmal. Auch
beim Aufpolieren normaler CDs geht beim VSX-2104 mehr - er bietet genau
den Nachdruck, den Pioneer-Fans möchten und schätzen. Gerade im
PLIIx-Music-Modus lässt er es äußerst forsch angehen und reiht sich hinter
dem Harman Kardon AVR-335 ein, der das beste Volumen und den druckvollsten Bass
bietet. Der 2014er macht richtig Spaß, auch wenn die Präzision und die
Feinmodellierung beim VSX-AXVSX-AX5Ai-S besser sind - dies reicht aber nicht, um den 2014
hinter sich zu lassen. Klassische
5.1-DVDs gibt der VSX-2014i-S sehr klar und mit ausgezeichneter Dynamik wieder. Die
locker-leichte Lebendigkeit, kombiniert mit der guten Detaillierung (die
allerdings nicht das Niveau des VSX-AX5Ai-S erreicht) sorgt für Stimmung beim
Testteam. Klasse zweiter Platz hinter dem AVR-335, und wiederum hat der VSX-AX5
das Nachsehen - nur Feinarbeit und Präzision alleine machen noch kein
perfektes Klangbild aus. Bei der Filmtonwiedergabe setzt
sich der 2014 ebenfalls gegen den VSX-AX5Ai-S durch und kann insgesamt den
zweiten Rang in diesem Teilnehmerfeld für sich beanspruchen. Die
Surround-Klangkulisse ist lebendiger, vermittelt viel mehr Flair und Kraft. Die
Stimmwiedergabe ist praktisch der des VSX-AX5Ai-S ebenbürtig, nur wenig Präzision
fehlt. Der Nachdruck, den der 2014er bei allen Sequenzen vermittelt, ist weitaus
deutlicher spürbar als beim "großen Bruder", der wiederum in den
"feingeistigen" Wertungen Präzision und Sensibilität in Führung
geht - zu wenig in Anbetracht des deftigen Mehrpreises. Die
Pegelfestigkeit ist, wie schon beim 1014er mit identischer Endstufensektion
herausgehört, absolut überragend, nur der AVR-335 wirkt noch etwas
gelassener bei hohen Lautstärken. Dies zeigt sich besonders beim noch etwas
druckvolleren Bass und beim noch ausgewogener wirkenden Hochtonbereich des AVR-335. Klangwertung:
-
Harman Kardon AVR-335
-
Pioneer VSX-2014i-S
-
Pioneer VSX-AX5Ai-S
-
Onkyo TX-SR602E
-
Harman Kardon AVR-235
-
Kenwood KRF-V5090D
Fazit
Harman Kardon AVR-335:
Nicht das teuerste Gerät gewinnt - nein, der Harman Kardon
AVR-335 macht die Pace und sichert sich durch den überlegenen Sieg in der Klangdisziplin auch die Gesamtwertung. Chancenlos sind selbst die beiden teureren
Pioneers, was vor allem daran liegt, dass der AVR-335 beim Nachbearbeiten von
normalen CDs für den Surroundbetrieb die Konkurrenz fast schon deklassiert.
Aber auch bei der Wiedergabe von echtem Multichannel-Material kann keiner dem
335er folgen. Das Auto-Setup funktioniert zuverlässig und konnte im Testbetrieb
mit stimmigen Werten aufwarten, das mitgelieferte Mikrophon überzeugt durch die
mit Abstand hochwertigste Ausführung. Bei den Einmessungen schien es auch mit
der größten Präzision vorzugehen. Kleine Schwächen wie der Lautstärkedrehregler,
die Frontplatte aus Kunststoff sowie die nicht programmierbare
Fernbedienung können dem 335er den Sieg nicht mehr nehmen.
Der brandneue AVR-335 führt sich bestens ein und sichert
sich mit überlegenen akustischen Eigenschaften den Gesamtsieg

Obere Mittelklasse

Mastertest-Gesamtsieger
Pioneer VSX-2014i-S:
Der Pioneer VSX-2014i-S sichert sich den zweiten Platz und
schlägt somit den weitaus teureren VSX-AX5Ai-S. Dies zeigt, dass das teurere
nicht automatisch das bessere Modell ist, der kleinere der beiden AV-Receiver
bietet mehr Spaß beim Hören: Effekte donnern mit hörbar mehr Nachdruck durch
den Hörraum, der Bass schiebt kräftiger an und das gesamte Klangbild wirkt
lebendiger und dynamischer. Das altbekannte MCACC konnte auch in diesem
Test erneut überzeugen und misst recht präzise und passend ein. Auch fernab der ausgezeichneten akustischen
Leistungen sind beim zukunftsweisend mit i.link ausgestatteten 2014er keine
Schwächen in Sicht. Wer i.link und den beim VSX-2104 serienmäßigen
Videokonverter nicht braucht, kann auch zum praktisch
ebenbürtigen, aber deutlich günstigeren VSX-1014 für 799 € greifen. Wer i.link nutzen möchte, findet in diesem Pioneer-Modell die momentan
günstigste Offerte.
Der zukunftssichere VSX-2014i-S überzeugt durch Ausgewogenheit
auf hohem Level

Obere Mittelklasse

Mastertest 2. Platz
17. Februar 2005
Der Rest des Feldes in alphabetischer Reihenfolge:
Harman Kardon AVR-235:
Der AVR-235 kommt über ordentliche Leistungen nicht hinaus.
Nirgendwo scheinen echte Glanzpunkte durch, er wirkt akustisch matter und
weitaus weniger mitreißend als der überragende große Bruder, der hier den
Testsieg einfahren konnte. Dies ist schon etwas merkwürdig, da der 235er
eigentlich bis auf minimale Unterschiede auf das identische Endstufenlayout
setzt - alle ausführlichen Testreihen sehen den 335er klar vorn. Bilanz:
Der AVR-235 ist kein schlechter AV-Receiver - aber von
einem Spitzenplatz in seinen Preisgefilden doch ein Stück entfernt. Tipp:
Lieber 2 Monate länger sparen und den exzellenten 335er nehmen.
Der AVR-235 setzt in keiner Disziplin neue Akzente, bricht
aber auch nirgendwo ein - ein guter AV-Receiver also, aber keine Glanzleistung

Mittelklasse
Mastertest
17. Februar 2005
Kenwood KRF-V5090D:
Der mit Abstand günstigste Teilnehmer im Testfeld präsentiert
sich als problemloses Einsteigergerät, das mit insgesamt voll befriedigendem
Klang, ordentlicher Ausstattung und prima Verarbeitung frei von echten
Schwächen ist. Mittels Pre-Out und 2 zusätzlichen Endstufen (z.B. ein alter
Stereoverstärker) ist der KRF-V5090D eine sehr preisgünstige Lösung, um eine
7.1-Anlage zu konfigurieren. Nur die Lautsprecher-Klemmverschlüsse sollten
zumindest für Front- und Centerkanäle nicht mehr zum Einsatz kommen. Für 249
€ aber eine rundherum erfreuliche Leistung, die mit unserem Prädikat
"Preistipp für Einsteiger" belohnt wird.
Problemloser Einsteiger-AV-Receiver mit ordentlichem Klang
Einsteigerklasse

Preistipp für Einsteiger!
17. Februar 2005
Onkyo TX-SR602E
Den Onkyo ereilt ein ähnliches Schicksal: Auch er hat
keine Chance gegen seinen "großen Bruder" TX-SR702E, der mit 999 €
zwar sehr viel teurer ist, dafür aber trotz sehr ähnlicher Optik und
vergleichbaren Leistungswerten eine so deutlich bessere Performance bietet, dass
auch hier das Mehr-Geld sehr gut angelegt ist. Allerdings ist der 602er
Onkyo dem Harman Kardon AVR-235 hörbar überlegen, was die 100 € Aufpreis schon
rechtfertigt - allerdings ist dann zu bedenken, dass der AVR-335 wiederum nur
100 € teurer im direkten Vergleich zum Onkyo TX-SR602E ist. Aber wem die
zweifarbige Harman-Optik mit Kunststofffront nicht gefällt, der findet im 602er
eine sehr gut verarbeitete, edel wirkende Alternative (bis auf den bei unserem
Testgerät wackeligen Gehäusedeckel) mit durchdachter Ausstattung, ausgezeichneter Fernbedienung und
erstklassigem Bedienkonzept. Der Klang ist frisch und klar, bei hohen
Pegeln jedoch wirkt der TX-SR602 deutlich angestrengter als der 702er.
Edel wirkender, seriös auftretender AV-Receiver mit
erstklassigem Handling

Mittelklasse
Mastertest
17. Februar 2005
Pioneer VSX-AX5Ai-S:
Leider kann das mit Abstand teuerste Gerät im Test seinem
eigentlich daraus erwachsenden Führungsanspruch nicht uneingeschränkt gerecht werden.
Verantwortlich dafür ist hauptsächlich der etwas unemotionale, unter streng
analytischen Gesichtspunkten jedoch präzise und sehr differenzierte Klang. Der
VSX-AX5Ai-S ist kein AV-Receiver, der durch Nachdruck, Frische und Kraft das
Auditorium von den Stühlen reißt. Er agiert eher wie ein talentierter
Mathematiker und entschlüsselt alles, was an Filmton oder Musikalischem
vorgesetzt wird, mit großartiger Sorgfalt. Für einen Top-Platz reicht das
jedoch nicht, denn auch Faszination und erlebte Emotion gehören zu einem
erheblichen Teil mit zum Multichannel-Feeling. Unglücklicherweise kann auch das
Bedienkonzept nicht restlos begeistern, Ursache ist hier die hoffnungslos
überfrachtete und zudem durch die immense Dicke etwas unhandliche
Fernbedienung. Spitzenklasse: Die aufwändige Gehäuseverarbeitung ist allen
anderen Konkurrenten deutlich überlegen, rechtfertigt den Mehrpreis und erreicht Bolidenniveau.
Der Ausstattungsumfang überzeugt ebenfalls praktisch restlos, das
Einmessmikrophon ist für ein knapp 1.900 € teures Gerät aber deutlich zu
billig ausgeführt. Advanced MCACC konnte sich in unseren Testreihen nicht vom
normalen MCACC absetzen, im Gegenteil - die MCACC-Ergebnisse waren
stimmiger.
Brillant verarbeiteter und erstklassig detaillierender
AV-Receiver, dem es allerdings etwas an Faszinationspotential fehlt

Oberklasse
Mastertest
17. Februar 2005
Kommentar der Tester:
Dieser Vergleich war in vielerlei Hinsicht interessant. Zum
ersten beweist das Endergebnis nachhaltig, dass nicht automatisch das teuerste
Gerät auch das beste sein muss. Zum zweiten zeigt das Resultat, dass auch die
besten Firmen nicht immer nur Volltreffer landen können, schließlich
entwickeln überall auch nur Menschen, von denen nicht verlangt werden kann,
dass permanente Höchstleistungen auf gleichbleibendem Niveau geboten werden -
das Beispiel hierfür ist der Pioneer VSX-AX5Ai-S, der nach durchweg
erstklassigen Beurteilungen von Pioneer Home Theatre-Produkten nun erstmals mit
einen zwar ordentlichen, aber nicht überwältigenden Prädikat den Testraum
verlässt. Dieses Ergebnis muss jedoch noch weiter kommentiert werden, denn es
zeigt auch ein anderes, beängstigendes Merkmal, nämlich die Schnelligkeit, mit
der die Entwicklung im AV-Receiver/-Verstärker-Business vorschreitet. Der
VSX-AX5Ai-S ist in Bezug auf seine Grundkonstruktion bereits mehrere Jahre alt,
während der VSX-2014i-S, der sich die Plattform mit dem VSX-1014 teilt,
deutlich jünger ist. Das Ergebnis, welches dem 2014er ein dynamischeres
Klangbild mit deutlicherem Nachdruck bescheinigt, stellt unter Beweis, dass der
VSX-AX5Ai-S in die Jahre gekommen ist - sein Konzept ist ausgereizt, die
"jungen Wilden" ziehen vorbei, mit mehr Faszination zum günstigeren
Kurs. Dass der "Grandseigneur" VSX-AX5Ai-S immer noch Maßstäbe bei
Verarbeitung, akustischer Detaillierung und Präzision setzt, reicht
einfach nicht mehr aus. Und die für sich betrachtet hervorragende
Pegelfestigkeit wird auch vom viel günstigeren HK AVR-335 erreicht. Dass es
auch nicht ausreicht, eine ältere Plattform durch hochmoderne Features jung zu
halten, zeigt das Thema Advanced MCACC, auch dieses Hightech-Einmesssystem
brachte dem VSX-AX5 keine Vorteile ein. Das herkömmliche MCACC des 2014ers
arbeitete im direkten Vergleich sogar effektiver. Anscheinend ist die Abstimmung
von Advanced MCACC hier im Gegensatz zum vortrefflichen VSX-AX10Ai-S hier nicht
ganz so gut geglückt.
Das sind jedoch noch lange nicht alle Erkenntnisse aus den
Testreihen. Wir bleiben vorerst beim Thema Pioneer, verbunden mit einem großen
Lob. Zwar sind die 300 € Mehrpreis, die für den VSX-2014i-S anfallen, heftig,
doch der 2014er ist trotzdem der günstigste AV-Receiver (Stand: 18. Februar
2005, Bemessungsgrundlage: UVP des Herstellers) mit i.link. Wer darauf
verzichten möchte, kann den 799 € kostenden VSX-1014
nehmen, der für seinen Preis nach wie vor Erstklassiges bietet.
Wenden wir uns nun dem Gewinner dieses Vergleichstests, dem
Harman Kardon AVR-335, zu. Harman feiert hier nach dem Durchmarsch des
AVR-7300 innerhalb eines kurzen Zeitraums den zweiten großen Sieg, der umso
höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, wie bärenstark die Konkurrenz
aufgestellt ist. Also viel Grund zur Freude bei Harman Kardon - aber es gibt
noch einiges zu tun. Obwohl technisch ganz an der Spitze beim Business mit
bezahlbaren AV-Receivern, ist der Name Harman Kardon als Marke für exzellente
AV-Receiver trotzdem noch nicht in aller Munde. Dass dem so ist, haben sich die
"Harmänner" größtenteils selbst zuzuschreiben. Wo andere Firmen
beispielsweise bei den Farben dem Kunden die Wahl lassen (meist schwarz oder
silbern bzw. titan/schwarz/Yamaha), bietet HK seine Geräte mit beeindruckender
Sturheit seit Generationen immer nur in einer Außenfarbe bzw. einer
Farbkombination an. Auch das ungewöhnliche Design, zu dem leider auch
grundsätzlich eine Kunststofffront gehört, sorgt nicht überall für
Begeisterung. Eine Optik, die etwas mehr dem "Mainstream" folgen und
edler wirken würde, könnte hier Harman wichtige Vorteile in Bezug auf den
Marktanteil verschaffen. Auch sorgte so mancher HK-Receiver in der
Vergangenheit durch technische Defekte für Aufsehen. Dies ist zwar unserem
Eindruck nach Schnee von Gestern - unsere Testgeräte glänzten alle durch
vorbildliche Zuverlässigkeit - trotzdem dauert es eine Weile, bis die Nachteile
den Ruf der Firma betreffend wieder ausgebügelt sind. Die Vorzeichen dafür
stehen gut, denn mit dem aktuellen Produkt-Portfolio braucht sich Harman
wirklich nicht zu verstecken. Unbedingt für einen Erfolg auf breiter Front in
höheren Preisklassen erforderlich ist aber, dass sich HK Themen wie i.link und
HDMI nachhaltig öffnet, denn nur mit den herkömmlichen analogen und digitalen
Schnittstellen versehen, hilft auch das beste Endstufenlayout im Kampf um die
Hightech-Käuferschaft nicht weiter.
Zum Thema Onkyo lässt sich eigentlich nicht viel sagen.
Zweifelsohne ist Onkyo eine der stärksten Marken im Segment momentan, weil hier
genau die Ratschläge mit großer Konsequenz verfolgt werden, die bei HK bislang
ungehört im Nebel verhallten: Das Auge entscheidet mit, daher sind auch die
günstigen Onkyo-Modelle extrem hochwertig aufgemacht. Mit Ausnahme des
wackeligen Gehäusedeckels traf das auch auf den von uns getesteten TX-SR602E
zu. Auch technisch gibt es wenig zu beanstanden, nur erreicht der 602er eben
nicht das Top-Niveau des größeren TX-SR702E,
der erstklassig aufspielt. Der 602er ist trotzdem ein edler, sinnvoll
ausgestatteter AV-Receiver. Insgesamt sollten sich viele Marken vor Onkyo in
Acht nehmen, denn während anderswo mit üppigen Features und vordergründigem
Nutzen um die Gunst der Käufer gebuhlt wird, sichert sich Onkyo still und
heimlich durch das konsequente Streben nach sinnvollen Optimierungen und nach
hervorragender Produktqualität einen ständig wachsende Anzahl an
Mehrkanal-Liebhabern.
Kenwood bringt mit dem KRF-V5090D im Einsteigersegment Farbe ins
Spiel - prima, auch absolute Newbies sollen die Möglichkeit haben, ein
zeitgemäßes, gut ausgestattetes, ordentlich klingendes und simpel zu
bedienendes Gerät einzukaufen. Insgesamt jedoch würden wir von Kenwood mehr
erwarten, schließlich sind wir es aus der Vergangenheit gewohnt, dass
glorreiche Kenwood-AV-Receiver in einem so starken Teilnehmerfeld wie dem hier
präsentierten bei den Gesamtsiegern auftauchen. Der Name Kenwood braucht neuen
Spirit, ein neuer Hightech-Anspruch muss her - wie wäre es mit einem
netzwerkfähigen, THX-zertifizierten 7-Kanal-Receiver mit Auto-Setup und USB-
sowie HDMI-Schnittstelle, vom Pricing her round about 1.000 €? Mit einem
solchen innovativen Produkt könnte Kenwood inzwischen zur Konkurrenz
abgewanderte Käufer mit ziemlicher Sicherheit zumindest teilweise
zurückgewinnen - und dass die Qualität bei Kenwood immer noch stimmt, beweist
uns schließlich der kleine 5090er.
Test: Carsten Rampacher, Karl-Heinz Pöppl
18. Februar 2005
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|