Großes Special: Die AV-Irrtümer
Wer sich eine neue AV-Anlage anschaffen möchte, sieht sich keiner leichten
Aufgabe gegenüber. Nicht nur, dass das Sortiment an Komponenten praktisch kaum
noch zu überschauen ist - auch grassieren viele "allgemeine
Weisheiten", was der AV-Ein- und Aufsteiger braucht und was nicht. Oftmals
werden globale Aussagen getroffen, die aber gar nicht auf alle Fälle zutreffen,
und leider kommt es ebenfalls vor, dass Aussagen getroffen werden, deren
Inhalt einfach falsch sind und dem "Newbie" einen nicht oder nur
schwer gangbaren Weg aufzeigen. Wir wollen verschiedene, öfters
getroffene Aussagen in Bezug auf DVD-Player und AV-Verstärker/AV-Receiver-Lautsprechersysteme
aufzählen und kommentieren, um den Weg zum neuen Equipment so einfach und
übersichtlich wie möglich zu gestalten.
DVD-Player
1. Es muss ein Marken-DVD-Player sein. Alle No-Name-Geräte taugen
nichts.
Diese Aussage stimmt, so allgemeingültig ausgedrückt, nicht. Natürlich gibt es
No-Name-Billigangebote, an denen höchstens der Name klanghaft ist. Aber man
kann einen solchen Satz nicht verallgemeinern, denn verschiedene No-Name-Player
sind viel besser als ihr Ruf. Außerdem: Zwar befestigen einige Markenanbieter
zwar ihr Logo auf den Playern und rüsten die Geräte vielleicht noch mit einem
Gehäuse im Design des jeweiligen Herstellers aus - das, was im Inneren des
DVD-Spielers arbeitet, ist aber nicht hochwertiger oder sogar identisch mit dem,
was sich zu weitaus günstigeren Preisen in den No-Name-Playern findet.
Zusätzlicher Vorteil für die Liebhaber umfassender Multimedia-Wiedergabe: Viele
No-Names sind hier noch flexibler als Markenplayer und geben auch exotischere
Formate wie MP3PRO oder XVCD und Mini-DVD wieder. Natürlich kann man auch
die These, dass ein No-Name aufgrund dieser geschilderten Tatsachen einem
Markengerät grundsätzlich vorzuziehen wäre, nicht zu einer allgemeingültigen Aussage erweitern. Es gibt sehr wohl Markenhersteller
wie Pioneer, JVC oder Panasonic, die viel an den Playern selbst entwickeln und
deren Geräte eine sehr ansprechende Bildqualität zu einem Preis realisieren,
der nicht über dem der Wettbewerber und maßvoll über No-Names liegt, die im
direkten Vergleich eine nicht ganz so hohe Bildgüte aufweisen. Daher raten
wir: Ein individuelles Anforderungsprofil erstellen. Wer es multimedial sehr
flexibel mag, ein gutes (nicht überdurchschnittliches) Bild wünscht und es
verkraftet, wenn mal die ein oder andere DVD nicht läuft bzw. Abstriche beim
Bedienkomfort hinzunehmen, kann einen No-Name-Player kaufen. Wer für einen
fairen Preis ein sehr gutes Bild und einen ansprechenden Bedienkomfort wünscht,
auf eine besonders umfangreiche Wiedergabe von Sonderformaten aber verzichten
kann, findet in einem Markengerät eines erfahrenen Anbieters den besseren
Spielpartner. Die Finger lassen sollte man von extrem billigen No-Names
und von Markenplayern, die zu einem teuren Preis billige Technik
mitbringen.
2. Mehr als 150,-- bis 180,-- EUR muss man doch gar nicht mehr für einen
DVD-Player ausgeben
Wer solche globalen Aussagen trifft, verkennt, dass nicht jeder Käufer das
identische Anforderungsprofil mitbringt. Wer beispielsweise den DVD-Player nur
unter seinen Fernseher stellt, um ab und zu Filme zu schauen, oder wer
zusätzlich zum TV eine kleine, ordentlich klingende Surroundanlage betreibt,
muss wirklich nicht mehr mehr ausgeben: Wer sich etwas Mühe bei der Suche
macht, findet zu diesem Preis qualitativ überzeugende Einsteigergeräte, die
auch noch Spaß machen. Wer das Hobby Heimkino jedoch erst nimmt und dazu
vielleicht noch eine besonders gute Musikwiedergabe wünscht, ist in diesen
Preisklassen schlicht und einfach falsch aufgehoben. Teurere Geräte sind
aufwändiger aufgebaut, verwenden nicht nur eine hochwertige Baugruppe, sondern
die ganze Peripherie stimmt. Es nutzt nichts, z.B. einen hochwertigen Video-D/A-Wandler
zu verbauen, wenn der Rest der verwendeten Komponenten im Innenleben des
DVD-Spielers gar nicht in der Lage ist, mit dieser Güte Schritt zu halten. Erst
der DVD-Player als Gesamtes gesehen bestimmt die endgültige Qualität von Bild
und Ton. Und diese Hochwertigkeit in jedem Detail bieten erst teurere Geräte.
Genauso falsch ist es allerdings, dass sich jeder - auch derjenige, der völlig
normale Ansprüche stellt und nichts Überdurchschnittliches möchte - einen
teureren DVD-Player kaufen muss. Dies ist wirklich nur dann sinnvoll, wenn man
den Mehrwert der größeren Investition auch tatsächlich nutzt.
3. Auch preisgünstige DVD Audio- und/oder SACD-Player sind rundherum
empfehlenswert - wieso mehr bezahlen?
Dies ist so nicht richtig, denn es sprechen mehrere Fakten gegen sehr
preisgünstige Player mit DVD Audio und/oder SACD-Wiedergabe. Zum einen kosten
hochwertige Audio-Baugruppen, die unerlässlich für ein sauberes Klangbild
sind, Geld: Entsprechende D/A-Wandler, eine aufwändige Stromversorgung und ein
entsprechend aufgebautes Chassis und Gehäuse sind Grundvoraussetzungen für ein
gelungenes Klangbild. Eines muss man sich nämlich klar vor Augen führen: Der
Klangvorsprung von DVD Audio/SACD gegenüber einer normalen CD oder einer
DVD-Video ist nur mit dem entsprechenden Equipment herauszuhören. Das heißt
nicht, dass man gleich ein 15.000,-- EUR-Lautsprechersystem an einem 5.000,--
EUR-AV-Verstärker und einem 4.000,-- EUR-DVD-Player betreiben muss, aber eine
ansprechende Wiedergabekette sollte man schon haben. Wie unsere Testberichte
zeigen, muss man kein Vermögen mehr dafür berappen. Wir raten: Ab 450,-- bis
500,-- EUR kann man klangstarke DVD Audio-Player kaufen, die auch gehobenere
Ansprüche zufrieden stellen (wenngleich hier die Gehäuseverarbeitung auch eher
guter Durchschnitt ist. Wer auch hier ein Maximum möchte, muss mindestens
900,-- bis 1.500,-- EUR ausgeben). Günstige Geräte müssen nicht schlecht klingen,
eine DVD Audio-Ansprüchen voll gerechte Hochton- und Detailwiedergabe kann der
Käufer aber nicht erwarten. Mancher preiswerte DVD Audio- oder SACD-Spieler
klingt aber recht homogen und dynamisch.
Fazit: Wer 150,-- bis 300,-- EUR bezahlt, sollte DVD
Audio eher als Zusatzfeature sehen - ein Zusatzfeature, das man nicht unter
allen Voraussetzungen nutzen kann, denn diese
preiswerten Geräte bringen, zumindest momentan, kein geräteinternes
Bassmanagement mit. Da man die meisten DVD Audio-Player (außer den
Highend-Geräten mit i.link oder Denon Link, mehr dazu in unserer DVD-Player-Kaufberatung)
mittels des
6-Kanal-Ausgangs an den 6-Kanal-Eingang des AV-Receivers anschließt und der
AV-Receiver dem Hörer keinerlei Eingriffsmöglichkeiten in Bezug auf das
Bassmanagement bereit stellt, sondern das vom DVD Audio-Player angelieferte
Tonsignal direkt ohne weitere Bearbeitung an die Endstufen weiterleitet, hat man
Pech gehabt, wenn man ein hochwertiges Subwoofer-/Satellitensystem einsetzt,
denn: DVD Audio setzt in der Theorie fünf identische, große Standlautsprecher
voraus. Die Einstellung für solche Boxen im internen Setup ist "large"
- dieses Format wird automatisch bei jeder Box gewählt, auch wenn z.B.
Satelliten betrieben werden, die im Bassbereich überhaupt nicht aktiv sind.
Eine Basssignalumleitung, die den Bass auf den aktiven Subwoofer umleitet, ist
bei diesen preisgünstigen DVD Audio-Playern nicht integriert. Daher müssen
dann die Satelliten die gesamte Wiedergabe übernehmen, Folge ist, dass die
Übertragung des Bassbereichs gar nicht stattfindet. Daher sollten,
zumindest für vorne, zwei Lautsprecher, die auch den Bassbereich möglichst
komplett abdecken, verwendet werden, wenn man die DVD Audio-Funktion von solchen
preisgünstigen Geräten überhaupt effektiv nutzen möchte.
4. Jeder PAL Progressive-Player erbringt im Zusammenspiel mit einem
Videoprojektor oder einem geeigneten anderen Bildwiedergabegerät ein
hervorragendes Bild.
Diese Aussage ist auch nicht richtig. Wie unser Progressive Scan -
Special zeigt, ist es nicht ein leichtes Unterfangen, ein exzellentes
Progressive San-Bild zu erzielen. So beeindruckend die Vorteile in der Theorie
auch sein mögen (keine störenden horizontalen Linien mehr, daraus resultierend
eine bessere Detail- und Bewegungsdarstellung), so kläglich sind die Resultate,
gerade bei günstigen Geräten, oftmals in der Praxis. Denn die richtige
Aufbereitung von Film- und Videomaterial ist aufwändig und nur mit
entsprechender Technik - die nicht billig in Bezug auf die Integration ist
- zu realisieren. Um eine solche Aufbereitung geräteintern durchzuführen, ist
ein sogenannter De-Interlacer notwendig, der seine Arbeit mehr oder weniger gut
verrichtet. In der Praxis kommen manche günstigen DVD-Player, die prinzipiell
über eine PAL PS Bildsignalausgabe verfügen, dann mit einem einem sehr simpel
arbeitenden De-Interlacer, der nicht über eine gesonderte Kennung von Film- und
Videomaterial verfügt und somit eine sehr einfache, schlichte
De-Interlacing-Methode bei Filmmaterial anwendet, was zu einer Bildqualität mit
nicht optimaler Bildschärfe, einer nicht perfekten Bildruhe und
Interferenzerscheinungen führt. Diese Faktoren führen auch zu einer nicht vollends
zufriedenstellenden Detailwiedergabe. Details wirken nicht sauber
durchstrukturiert und unruhig. Andere Geräte haben insgesamt Probleme bei
der Erkennung des Quellmaterials und wenden dann unter Umständen die falsche
Form des De-Interlacings an, was sich ebenfalls in Bildfehlern (z.B. Rückkehr
des Players in den Interlaced-Modus oder Klötzchenbildung beim Abspielen von
Videomaterial aufgrund falscher Quellmaterialanalyse)
niederschlägt. Für die Besitzer von PAL Progressive-tauglichen
Rückenprojektionsfernsehern oder Röhren-TVs mit nicht allzu großer
Bilddiagonale mögen diese Nachteile unter Umständen teilweise und je nach
Umfang noch tragbar sein, für das Zusammenspiel
mit einem guten Einsteiger-Projektor (der mit Preisen ab ca. 1.400,-- EUR auch
längst nicht mehr unerschwinglich sein muss) sind solche Player aber
ungeeignet, da man auf großen Bilddiagonalen gnadenlos die Schwächen in Bezug
auf die Bildqualität sieht. Selbst manche teureren Geräte sind nicht frei von
Fehlern. Wir raten daher, die ins Auge gefasste Kombination von
Bildwiedergabegerät und Progressive DVD-Spieler vor dem Kauf genau zu
untersuchen. Wer übrigens auch seine NTSC-DVDs wiedergeben möchte, sollte
besonders auf Nummer sicher gehen: Mit dem Aufkommen günstiger PAL PS Player
kommt es bedauerlicherweise auch stellenweise in Mode, dass keine echte NTSC
Progressive-Wiedergabe mehr möglich ist, sondern dass NTSC-Material einfach auf
PAL gewandelt wird - mit negativen Folgen, die sich in Form von Bildruckeln und
Schärfeverlusten zeigen.
5. HDMI- und DVI-Komponenten sind alle kompatibel zueinander
Wer mit dieser Annahme den Kauf entsprechender Gerätschaften angeht, wird in
vielen Fällen bitter enttäuscht sein, denn genau diese Problematik zeigt den
Wahrheitsgehalt der alten Weisheit "Grau ist alle Theorie" sehr schön
auf. Viele Komponenten laufen miteinander einfach nicht, woran es liegt, weiß
manchmal noch nicht einmal der jeweilige Hersteller. Daher raten wir in jedem Fall, die
Wiedergabekette vor dem Kauf auf eine einwandfreie Funktion zu untersuchen.
6. Video-Equalizer am DVD-Player sind grundsätzlich überflüssig
Hier muss man direkt hinzufügen: In leider nicht wenigen Fällen könnte man
fast zu dieser Ansicht kommen, dass diese Aussage richtig ist. Denn oftmals
erfüllen Video-EQs nur die Aufgabe, den (vermeintlichen) Spieltrieb des
Besitzers zu stillen. Es gibt aber Geräte wie z.B. die Pioneer-Player DV-668AV
und DV-868AVi oder den Denon DVD-A11,
die ausgezeichnete interne Videoequalizer mitbringen, die, eine gewisse Geduld
und eine gewisse Fachkenntnis vorausgesetzt, eine wirkungsvolle visuelle
Optimierung möglich machen. Eines darf man jedoch selbst bei hervorragenden
Video-EQs nie denken: Dass man so aus einer schlechten visuellen
Ausgangssituation (unbefriedigendes Quellmaterial, nicht geeignetes
Bildwiedergabegerät) ein brillantes Bilderlebnis holen kann.
AV-Verstärker/-Receiver und Lautsprecher
1. Preisgünstige Subwoofer-/Satellitensysteme, die bei Supermarktketten oder
bei den großen Unterhaltungselektronik-Discountern angeboten werden, reichen
für normale Höransprüche völlig aus.
Wer so denkt, kann sich um jegliche Art von Heimkino- und
Surround-Sound-Spaß bringen. Denn selbst gesetzt dem Fall, dass man keine
übertrieben hohen Ansprüche an die Klangqualität hat, sind billige Subwoofer-/Satellitensysteme,
die von knapp 100,-- bis rund 300,-- EUR angeboten werden, kaum dazu geeignet, Freude zu
verbreiten. Auch, wenn es Ausnahmen gibt (Teufel
bietet beispielsweise sehr günstige Subwoofer-/Satellitensysteme an, die einem
normalen Soundanspruch in nicht allzu großen Hörräumen zu einem großen Teil
gerecht werden), so sollte man in der Regel diese Offerten besonders genau auf
ihre akustischen Fähigkeiten untersuchen - denn um das Geld sang- und klanglos
abzuschreiben, sind auch 150,-- EUR zuviel. Besondere Vorsicht ist bei den
Angeboten im Supermarkt geboten: Hier dröhnen die aktiven Subwoofer, anstatt
Bassdruck zu liefern, die Satelliten erbringen nur ein mittenbetontes,
blechernes und monotones Klangbild, die Verarbeitung ist schlecht und die
maximalen Belastungswerte mögen sich auf der Verpackung gut anhören, in der
Praxis aber haben solche Angebote die Angewohnheit, die Segel meist schon bei
leicht forcierten Pegeln endgültig zu streichen. Daher: Lieber etwas mehr
investieren, ab rund 400,-- EUR gibt es bereits ordentliche Systeme - Ihre Ohren
werden es Ihnen danken. Besondere Vorsicht ist auch bei sehr
preisgünstigen Home-Cinema-in-a-Box-Systemen geboten. DVD-Receiver/Lautsprecher-Kombinationspakete
sind drastisch im Preis gesunken, doch die Leistung vieler dieser Offerten ist leider
meist noch niedriger als die finanzielle Aufwendung, die zum Kauf nötig ist.
Daher raten wir auch hier: Sorgfältig testen. In der Flut der Billig-Angebote
schwimmen einige wenige Anlagen mit Top-Leistung zum niedrigen Preis ganz oben
und sind das Geld auf jeden Fall Wert. Diese Lösungen müssen nicht
zwangsläufig von Markenanbietern sein. Auch bei den namhaften Herstellern gibt
es Volltreffer und Ladenhüter: Daher sollte der Interessent vor dem Kauf eines
Marken-Systems ebenfalls unbedingt Probe hören.
2. Der AV-Receiver mit der höchsten angegebenen Leistung ist immer der mit
der besten Performance.
Dieses öfters von so manchem Verkäufer (natürlich nicht von allen, es gibt
auch viele Verkäufer, die sich sehr gut auskennen!) hervorgebrachte Argument
muss auch kommentiert werden. Sicherlich, wer größere Hörräume
effektiv beschallen möchte, sollte sich auf jeden Fall einen leistungsstarken
AV-Receiver oder -Verstärker zulegen. Aber: Die Leistungsangaben der Hersteller
basieren teilweise auf völlig unterschiedlichen Messmethoden, so dass ein
unübersichtliches Wirrwarr von Leistungswerten entsteht, die nicht direkt
miteinander zu vergleichen sind. Wir raten daher, das ins Auge gefasste Gerät
lieber durch eigene Testreihen auf die Pegelfestigkeit hin zu überprüfen. Doch
die Leistungsangabe in Watt ist nicht allein aussagekräftig für die maximal
mögliche Performance. Für den Dynamikbereich und die Fähigkeit zur perfekten Impulswiedergabe kommt es
darauf an, wie viel Strom die Endstufen liefern. Daher ist die Hochstromlieferfähigkeit (HCC = High Current Capability) ein Leistungsmerkmal, das sich
auf praktisch alle Aspekte der Verstärkerkonstruktion auswirkt – vom Aufbau der Transformatoren und der Sieb-Elkos im Netzteil, über die diskrete Schaltungstechnik der Ausgangsstufen, bis hin zum äußerst fein dosierten Einsatz negativer Rückkopplung. Für den Hörgenuss bedeutet dies: Straffere Bässe, souveräne Impulsverarbeitung und eine
wirklichkeitsgetreue, nie unangenehm gepresste Wiedergabe bei jeder Lautstärke.
Ebenfalls ist anzumerken, dass bei den Angaben
"5 x 100 Watt" diese insgesamt 500 Watt in den meisten Fällen nicht
gleichzeitig erbracht werden können. Schon die Dimensionierung von
Kondensatoren und Trafo zeigen, dass zwar jeder Kanal maximal 100 Watt bereit
stellen kann, jedoch nicht bei gleichzeitiger voller Ausnutzung. In der Praxis
kommt eine gleichzeitige volle Ausnutzung aber in den Betriebsarten Dolby
Digital, dts oder Dolby PL2 nur sehr selten vor. Wer aber 5 oder 7-Kanal-Stereo hört, wird
hier alle Kanäle in voller Leistungsbereitschaft benötigen.
Auch sollte sich jeder Käufer bei echten Leistungsriesen fragen, ob er
dieses üppige Angebot überhaupt benötigt, denn extrem leistungsstarke, sehr
hoch belastbare Komponenten kosten noch immer sehr viel Geld. Sicherlich, ein
extrem leistungsfähiger AV-Receiver/-Verstärker macht auch bei weniger hohen
Lautstärken einen besonders souveränen Eindruck, es gibt jedoch auch
Kompromisslösungen, die den Spagat zwischen gelassener, kraftvoller
Leistungsentfaltung und finanzierbarem Kaufpreis schaffen. Nicht jeder braucht
einen AV-Boliden, der mit Kraftausbrüchen á la Godzilla den Nachbarn eine
fürchterlichen Schrecken einjagt. Außerdem: Kraft ist nicht alles, neben der
Power auch immer auf einen gefälligen Klangeindruck achten, besonders bei den
Lautstärken, in denen man normalerweise hört, und im Besonderen bei den
Quellen, die man bevorzugt (Filmton, Mehrkanal-Musik, Musik in Stereo).
3. Wenn ich eine Surroundanlage aufbaue, kann ich zusätzlich zu
meinen Hauptlautsprechern einfach noch einen Center, zwei Surroundboxen und
einen aktiven Subwoofer hinzukaufen, und habe ein ordentlich klingendes
Mehrkanal-Lautsprechersystem.
Hier heißt es: Aufpassen. Denn ansprechender Mehrkanal-Sound ist nur mit
akkurat aufeinander abgestimmten Komponenten möglich. Ganz besonders wichtig
ist die Abstimmung bei den Boxen. Wer einfach irgendwelche Lautsprecher
zusammenstückelt, darf sich nicht wundern, wenn das Surround-Sounderlebnis eher
bescheiden ausfällt. Hier ein paar Tipps: Am besten ist es, wenn alle
Lautsprecher von einem Hersteller und aus der selben Serie stammen. Dann sind
die verwendeten Komponenten, z.B. für Hoch-, Mittel- und Tieftöner, auch
dieselben, was für ein einheitliches Klangbild sorgt. Wer einen kärglichen
Center mit hochwertigen Standlautsprechern kombiniert, wird sich wundern, wenn
z.B. ein Flugzeug vorne von links nach rechts fliegt: Klingt es links noch wie
ein Düsenjäger, erhält man in der Mitte den Eindruck, dass es sich um ein
Segelflugzeug mit Hilfsmotor handelt. Rechts mutiert das Segelflugzeug mit
Hilfsmotor dann wieder zum Jet. Um diesen gerade vor kundigem Auditorium etwas
peinlichen Effekt zu verhindern, sollte man Center und die linke und rechte
Hauptbox schon in Bezug auf die akustischen Eigenschaften aufeinander abstimmen.
Auch die Surroundlautsprecher dürfen nicht falsch dimensioniert sein, sonst
können ähnliche klangliche Probleme auftreten wie die eben beschriebenen
Phänomene. Was den aktiven Subwoofer anbetrifft, so kann man hier, wenn man die
Lautsprecher einzeln kauft, auch auf ein anderes Fabrikat zurückgreifen. In
Bezug auf die Leistungsfähigkeit sollte der aktive Subwoofer aber zum Rest des
Systems passen und nicht unterdimensioniert sein.
4. Man packt die Komponenten aus, schließt sie an und legt los
Auch wenn dieses "Plug&Play-Prinzip" der Traum vieler
Einsteiger ist, so sind doch selbst bei der einfachsten Heimkino-Komplettlösung
Einstellarbeiten zu verrichten, ohne die der Mehrkanal-Spaß nicht beginnen
kann. So ist es wichtig, Pegel und Verzögerungszeit korrekt einzustellen. Wozu
der Aufwand? Ganz einfach: Damit der gesamte Klang stimmig ist, muss der
Lautstärkeeindruck, den die unterschiedlichen Lautsprecher erwecken, am
Hörplatz exakt identisch sein. Es ist wenig überzeugend, wenn beispielsweise
die Surroundboxen, die ganz in Ihrer Nähe montiert sind, so laut dröhnen, dass
Sie schon beinahe Kopfschmerzen bekommen, während Sie von den Stimmen, die
eigentlich der Center übertragen sollte, nichts mitbekommen. Daher ist es
unbedingt von Nöten, dass Sie die Pegel der unterschiedlichen
Lautsprechergruppen, die in der Praxis meist in unterschiedlichen Abständen vom
Hörplatz aufgebaut sind, angleichen. Die Justage der Verzögerungszeit ist
ebenfalls wichtig. Denn eine korrekte Einstellung sorgt dafür, dass auch bei
unterschiedlicher Entfernung der Boxen vom Hörplatz das Tonsignal bei allen
Lautsprechern zur gleichen Zeit ankommt. Wer einen aufwändigeren AV-Verstärker
oder AV-Receiver gekauft hat, muss sich auch noch um die Zuordnung der
Digitaleingänge kümmern (z.B. CD-Player -> Optischer Eingang 1, DVD-Player
-> Koaxialer Eingang 2).
5. Große Lautsprecher laufen im internen Setup auf "large",
kleine Boxen hingegen auf "small"
Die Zuordnung im internen Setup hängt nicht von der Gehäusegröße ab,
sondern von den Frequenzen und der gesamten akustischen Auslegung der
Lautsprecher. Natürlich, Lautsprecher mit einem entsprechend dimensionierten
Gehäuse liefern in den meisten Fällen schon einen besseren Klang in tiefen
Frequenzbereichen und können daher eher auf "large" gestellt werden
als kompakte Regalboxen, die im Tieftonbereich nicht mehr viel zustande bringen.
Diese Regel insofern zu verallgemeinern, dass große Boxen immer auf "large"
laufen können, stimmt aber auch nicht. Es gibt durchaus auch Fälle, wo das
Klangbild bei der "small"-Einstellung besser ausfällt. Wichtig: Wer
die Frontboxen auf "small" stellen will, muss unbedingt für die
Tiefbasswiedergabe einen aktiven Subwoofer anschließen.
6. Wer "State Of The Art" Surround-Klang möchte, sollte auf 6.1
oder 7.1 aufrüsten.
Extended Surround - immer mehr Heimkino-Fans schwören darauf. Wie unser Special über die Extended Surround-Tonformate
zeigt, bringt eine 6.1- oder eine 7.1-Anlage auch tatsächlich ein nochmals intensiveres
Klangerlebnis. Doch um jeden Preis sollte man nicht auf 6.1 oder 7.1 aufrüsten.
Zwar bieten immer mehr AV-Receiver die dafür erforderlichen technischen
Merkmale (entsprechende Decoder, sechs oder sieben Endstufen), und auch der
Aufpreis für die zusätzlichen Lautsprecher ist in vielen Fällen tragbar, aber
wenn die räumlichen Bedingungen nicht stimmen, nutzen auch die besten
technischen Voraussetzungen nichts. Daher: Nur wenn man z.B. noch genügend
Abstand zwischen dem Ohr des Hörers und den Back Surround-Lautsprechern hat
(mindestens 1,5 Meter), ist das Klangerlebnis besser im Vergleich zu einer 5.1
Konfiguration. Wer die Hörposition in direkter Nähe zu den Back Surround Boxen
einrichtet, wird mit ziemlicher Sicherheit einen weniger überzeugenden Klang
als bei einem herkömmlichen 5.1 Aufbau als Ergebnis haben. Auch wichtig: Um ein
stimmiges akustisches Gesamterlebnis genießen zu können, müssen die Back
Surround-Lautsprecher in identischer Höhe wie die Surround-Lautsprecher
montiert sein.
7. Zusätzliche DSP-Programme taugen grundsätzlich nichts.
Damit wir uns richtig verstehen: Auch Dolby Pro Logic 2, Dolby Pro Logic 2x,
dts Neo:6 und Logic 7 sind mittels schneller DSP-Chips realisiert und liefern
tadellose Leistungen. Bei diesem Punkt soll es jedoch um die zusätzlichen vom
jeweiligen Hersteller individuell hinzugefügten DSP-Programme gehen, die
auf so klanghafte Namen wie "Multi-Dimension Theatre",
"Hall" oder "Musical" hören. Wer sich so manches einfach gemachtes DSP-Programm anhört, wird zu dem Entschluss kommen, dass dieser Satz
einfach stimmen muss. Denn viele DSP-Programme verdienen nur ein Prädikat:
Grauenhaft. Selbst verschiedene teure Geräte bekannter Hersteller, die
ihre Prioritäten nicht unbedingt auf die zusätzlichen DSP-Programme, sondern
eher auf andere Elemente legen, bringen in Bezug auf die Performance der
Zusatz-DSPs keine befriedigenden Leistungen. Es gibt aber sehr wohl
AV-Verstärker und -Receiver, die gute und praxisnah entwickelte DSPs mitbringen
(z.B. von Yamaha, Onkyo oder Pioneer). Wichtig ist es auf jeden Fall, dass man
die DSP-Programme noch individuell konfigurieren kann (z.B. in Bezug auf die
Hörraumgröße, das Hallverhalten etc.) Daher: Vor dem Kauf ausführlich
testen, wenn man auf DSP-Programme gesteigerten Wert legt.
Weiterführende Links
Hier erfahren Sie mehr über Heimkino-Technik:
Hier erfahren Sie alles Wissenswerte und Beratung zum Equipment-Kauf:
26. Februar 2004
Text: Carsten Rampacher
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