Test: Audionet Map V2 mit EPS-Modul und Amp VII (3/5)
03.06.2005 (lm)
Raumeinmessung/-anpassung Carma V2.0 Software
Audionet verfolgt bei dieser Thematik eine andere Philosophie als die meisten anderen Hersteller. Während Denon beim Vorzeigeprodukt AVC-A1 XV eine vollautomatische Einmessprozedur mit der Einmessung von bis zu acht Punkten integriert, geht Audionet in die komplett andere Richtung:
Die MapV2 ist anstelle einer automatischen Einmessungsroutine mit einem voll parametrischem Equalizer ausgestattet, welcher anhand von mittels des PC ermittelten Daten eingestellt werden sollte.
Die hierfür empfohlene Software kommt ebenfalls von Audionet und trägt den Namen Carma V2.0, was sich aus „Computer Aided Room Analyser“ ableitet. Freundlicherweise stellt Audionet diese Software kostenlos als Download auf ihrer Homepage zur Verfügung, so dass sich auch Besitzer anderer Geräte mit dem Thema Raumakustik auseinander setzen können. Richtig perfekt wäre es, wenn dieses Programm als CD-Version auch gleich im Lieferumfang der Vorstufe enthalten wäre, so dass der Download und das Suchen der Software für die Käufer entfallen würde.
Doch vor dem Ausmessen des Raumes steht erst einmal der Besuch bei einem Elektronikhändler an, denn ein omnidirektionales Messmikrofon wird grundsätzlich noch benötigt – außerdem empfiehlt sich auch die Investition in ein entsprechendes Stativ.
Audionet empfiehlt für CarmaV.2.0 das omnidirektionale Messmikrofon ECM8000 von Behringer, welches zusammen mit einem dafür benötigten Vorverstärker um die 100 € kostet. Wir können es nachvollziehen, wenn Stimmen laut werden, die es nicht angebracht finden, bei einer 6000 € Vorstufe überhaupt noch irgendetwas zukaufen zu müssen – hier sollte man ein wenig großzügiger sein und entsprechendes Equipment in geeigneter Form beilegen. Es lohnt sich definitiv, mit Carma zu arbeiten, denn man ist mit diesem Equipment in der Lage, wesentlich genauer die akustischen Eigenschaften des Hörraumes
kennen zu lernen, als bei einer still und heimlich ablaufenden automatischen Einmessung. Abgesehen davon werden Audionet-Geräte ohnehin nur von ausgesuchten Fachhändlern vertrieben, welche meistens sowieso vom Kunden darum gebeten werden, diese Einmessung gleich bei der Auslieferung und Installation Vor-Ort zu übernehmen.
Dennoch: für den etwas versierten (und Interessierten) Heimkino-User stellt die Inbetriebnahme der Software keine unschaffbare Hürde dar, es sollte jedoch eine Grundsätze beachtet werden, um eine möglichst genaue und aussagekräftige Messung zu erzielen:
- Der für die Messung benutzte PC (oder das eingesetzte Notebook) darf im Raum absolute keine Eigengeräusche (Festplatten, Lüfter etc.) produzieren. Empfehlenswert sind daher zum Beispiel moderne Notebooks mit Intel Centrino-Prozessor, die im Stromspar-Betrieb jegliche Lüfter ausschalten. Sollten Sie über kein entsprechendes Notebook oder einen komplett lautlosen PC verfügen, empfehlen wir, diese Hardware außerhalb des Hörraumes aufzustellen und entsprechend lange Kabel zu benutzen.
- Die Verwendung des Line-In Anschlusses beim PC/Notebook ist absolute Pflicht, da der Mikrophon-Eingang in fast allen Fällen unterhalb 50hz falsche Werte generiert.
- Während dem Messvorgang muss absolute Stille herrschen. Selbst in einem vermeintlich ruhigen Raum mitten in der Nacht liegt der Geräuschpegel bei ca. 15db/a (zum Vergleich: in einer ruhigen Bücherei sind es 35db/a). Sie müssen also (selbst in der Nacht) mit 75db messen, damit sie 60db über dem Grundrauschen liegen! Sollte während – oder kurz vor der Messung Straßen-/Schienen- oder Luftverkehr zu hören sein, brechen Sie die Messung ab und warten mindestens 3 Minuten, bis die Nachvibrationen größtenteils abgeklungen sind.
Sind alle Zubehörteile gekauft, und am PC ( oder geliehenem Notebook) richtig verkabelt, kann der Spaß losgehen:
Kurz zur Übersicht: so präsentiert sich das Programm. Oben bei den Menüleisten [1] werden die Software-Einstellungen sowie die Kanalwahl [2] gemacht ; im Hauptfenster [3] erscheinen dann später die Mess-Ergebnisse, welche sich direkt durch Verschieben der EQ Punkte [4] bearbeiten lassen.
Messungen können auf zweierlei Arten durchgeführt werden:
- interner Signalgenerator: PC/Notebook muss hierfür digital mit der MapV2 verbunden werden und dafür konfiguriert sein, DTS Signale durchzulassen. Bei dieser Vorgehensweise wird pro Kanal ein kurzes Rauschen generiert. Vorteil: schnellerer Messablauf, da direkt vom PC aus, die geänderten Equalizersettings ausprobiert werden können, ohne diese vorher in die Map eingeben zu müssen. Nachteil: Mehr Aufwand bei Verkabelung, bei vielen Soundkarten muss hierfür erst ein wenig an der Konfiguration geändert werden.
- Externe Mess-CD: wie das Hauptprogramm lässt sich auch die Mess-CD von der Audionet Homepage runterladen. Nach dem Brennen auf eine normale CD liegt Track1 als DTS 5.1- Stream vor, während Track2 als „normales“ PCM Stereo Signal vorliegt. Bei diesem Messverfahren wird zusätzlich zu einem kurzen Rauschen ein ca. 2 Sekunden langer Sweep benutzt. Vorteil: keine zusätzliche Verkabelung PC-> Vorstufe notwendig, lässt sich schnell und einfach mit jedem DVD Player abspielen , außerdem ist diese Messung aufgrund des „Sweeps“ noch etwas genauer. Nachteil: Equalizeränderungen können nicht direkt vom PC aus simuliert werden und müssen vor jedem Testlauf manuell in der MapV2 eingegeben werden.
Erläuterung zum genauen Vorgehen (Installieren des Programms, Kalibrieren des Mikrophons) sind ebenfalls auf der Audionet Homepage in Form einer ausführlichen Anleitung verfügbar, so dass wir in unseren folgenden Ausführungen mehr auf den eigentlichen Sinn und Zweck der Software
eingehen als auf deren komplette Bedienung.
So sieht nun beispielsweise das Mess-Ergebnis aus. Das Programm zeigt momentan durch die Linie [1] die gemessenen Werte des rechten Frontlautsprechers an. Bevor es nun an die Optimierung mit Hilfe der Equalizerpunkte geht, sollte jedoch ein gewisses Grundverständnis in punkto Raumakustik vorhanden sein. Es macht keinen Sinn „auf gut Glück“ mit Parametern zu hantieren, ohne die Bedeutung der gemessenen Werte, oder der Änderung durch den Equalizer zu kennen. Schauen wir uns also noch einmal das Ergebnis genau an:
Die vertikale Achse ist links in db/c Schritte unterteilt [2] und gibt den Pegel (also die Lautstärke) eines Geräusches an. In der horizontalen Achse wird eine Unterteilung der Frequenzen [3] gemacht, beginnend ganz links mit 20hz (dies entspricht der Hörgrenze des Menschen im tiefen Frequenzbereich), und endend auf der rechten Seite der Skala mit 20.000 Hz ( was schon deutlich über dem Hörbereich der meisten Menschen im hochfrequenten Bereich liegt). Abgekürzt gesagt: Der Verlauf der Messlinie sagt aus, wie laut am Messpunkt (Position des Mikrophons) die einzelnen Frequenzbereiche wiedergegeben wurden. Unter perfekten Bedingungen (Lautsprecher, Sitzplatz, Raum) sollte es eine exakt gerade Linie sein, was aber in „Nicht-Labor“ Umgebungen fast nie zu erreichen ist. Davon abgesehen wird Musik oft nur dann als „klingend“ empfunden, wenn eine gewisse Raumeinwirkung vorhanden ist, so dass es daher weder unser, noch das Ziel von Audionet bzw. CarmaV2 ist, einen linealgeraden Frequenzgang zu realisieren. Es geht vielmehr mehr darum, 80-90% der wirklich störenden Raumeinflüsse stark zu mindern, ohne dabei den Klangcharakter der Lautsprecher grundlegend zu verfälschen.
Zurück zu unserem Mess-Ergebnis. Wie recht gut zu sehen ist, hat unser Lautsprecher (bedingt durch Raumgröße, - Bedämpfung und Aufstellung) einen stark überhöhten Bass-Pegel bei 40hz, welches nichts anderes ist, als das berüchtigte Bass-Dröhnen. Dieses möchten wir nun bekämpfen:
Nun kommen die Equalizerfunktionen der MapV2 ins Spiel: Per Maus werden nun einfach nacheinander die einzelnen Equalizerpunkte [1[ völlig frei auf der Frequenzskala platziert. In unserem Fall nehmen wir also Equalizerpunkt1 (EQ1) und positionieren ihn auf Höhe des 40hz Peaks. Spätestens jetzt werden die Vorteile eines voll parametrischen Equalizers klar:
Neben der völlig frei auf der Frequenzskala platzierbaren EQ-Punkte können wir nun nicht nur den Grad der Anhebung oder Absenkung (Gain) festlegen, sondern auch die Wirkungsbreite (Q) [2] dieses EQs auf der horizontalen Ebene.
In unserem Fall also haben wir uns daher zur Bekämpfung dieser Bass-Überhöhung für eine ca. 8,5 db Absenkung bei 40hz mit einer mittleren Wirkungsbreite entschieden. Das Programm errechnet daraus sofort die zu erwartende Wirkung (gelber Graph) [3] – zum Vergleich wird die ursprüngliche Messung in Form des grünen Graphen [4] ebenfalls noch dargestellt. Wie Sie sehen, haben wir bewusst die Überhöhung nicht komplett
linearisiert, da ein im Bass gnadenlos linearisierter Lautsprecher besonders bei niedrigern Pegeln sehr dünn klingt. Nun erfolgt zur
Kontrolle der Hörtest. Denn nichts wäre schlimmer, als dass wir (auch aufgrund eventuell nicht ganz exakten Messwerten) wegen dem Programm eine Klangänderung bewirken, die uns in der Praxis nicht gefällt. Allen Raumeinmessungen und Auswertungen zum Trotz:
Das Gehör sollte letztlich immer noch das wichtigste Mess-Instrument bleiben. Zurück zu unserer EQ-Änderung:
Wir haben nun die Bass-Überhöhung gemildert und testen dies mit der Musik, die dann auch nachher bevorzugt gehört wird. Wichtig ist dies aus folgendem Grund:
Angenommen, der Bass würde nach der Messung dünn und kraftlos klingen – was wäre wohl der Grund dafür? Nun – es wäre ein typischer Fehler, denn das Mess-Signal besteht aus einem relativ langem Signal, welches den Raummoden genügend Zeit gibt einzuschwingen – und somit die Erhöhung bewirkt. Man nennt dies den eingeschwungenen Zustand. Wer also ein zu großes Loch in den Frequenzgang schneidet, hat bei kurzen (also nichteinschwingenden) Tönen wie zum Beispiel einer Bass-Drum einfach zu wenig Bass. In einem solchen Fall wäre es daher ratsam, entsprechende Testmusik laufen zu lassen und den EQ gleichzeitig schrittweise wieder soweit anzuheben, bis sich ein
entsprechend trockenes und zugleich kraftvolles Klangbild ergibt.
Doch bevor wir nun einen neuen Messvorgang starten und überprüfen, inwieweit die Simulation des Programms bei der Änderung durch EQ1 richtig lag, müssen wir die MapV2 mit den gewünschten EQ1-Parametern füttern. Die hierfür notwendigen Angaben ( Frequenz, Gain und Q) errechnet das Programm auf Knopfdruck automatisch und zeigt es in einer kleinen Tabelle an.
Wunderbar – unser Testlauf hat gezeigt, dass diese Bass-Überhöhung erfolgreich gemildert werden konnte, so dass wir uns nun noch 2 anderen Problemstellungen widmen:
Die Auslöschung bei 100hz [1] etwa lässt sich aufgrund physikalischer Begebenheiten nicht grundlegend verhindern. Wenn einmal bestimmte Frequenzen am Hörplatz nicht ankommen, lässt sich dieses nicht einfach durch eine Anhebung derselbigen ändern. Aus diesem Grund ist es in HiFi-Kreisen generell eher üblich, bei Einsatz von Klangreglern immer nur Frequenzen abzusenken und nur seltenst anzuheben. Dennoch ist der Equalizer in der MapV2 zur Anhebung leichter Senken oder als Werkzeug zur „Geschmacks-Justage“ mit einem positiven Wirkungsbereich von bis zu +6db ausgerüstet. (Absenkungen sind bis –12db möglich). Eine anderer vorteilhafter Einsatzzweck bietet sich auch dann, wenn, wie in unserem Hörraum, der Raum aufgrund absorbierender Dachschrägen bei bestimmten Frequenzen mitschwingt und bestimmte Frequenzen mindert. Hier kann durchaus durch eine Anhebung ein wirksamer Ausgleich erfolgen. Wichtig ist aber bei einer solchen Vorgehensweise, dass die Endstufe auch potent genug ist, um auch bei heftigen Pegeln bis zu 6db mehr Leistung im kraftzehrenden Tiefbassbereich zu bringen. Bei unserem AmpVII haben wir dieses Problem natürlich nicht.
Hier haben wir einmal zum Demonstrieren versucht, die Auslöschung bei 100hz mit +6db zu kompensieren, was sichtlich gute Ergebnisse gebracht hat. Abhilfe bringen bei anderen Zuständen, wo die Auslöschung durch ungünstige Reflektion (also Überlagerung bei bestimmten Frequenzen) nur elementare Änderungen an Sitzplatz, Lautsprecheraufstellung oder der Raum. Wichtig an dieser Stelle aber der Hinweise: selbst wenn Ihr Hörraum von diesem Problem betroffen ist, in der Realität beim Hören macht eine kleine Auslöschung nicht viel aus. Solange nicht zu viele Frequenzen breitbandig von Auslöschungen betroffen sind, gehören solche Einbußen zur normalen, hinnehmbaren Raumakustik und sind in fast jedem Hörraum mehr oder minder stark anzutreffen. Abhilfe bei solchen Problemen sind daher eher in der Benutzung von speziellen HiFi-Absorbern zu suchen, die durch spezielle Schaumstoffe sogar sehr tiefe Frequenzen quasi „aufschlucken“ und somit keine bzw. deutlich weniger Reflektionen durch die Wände zurückgeworfen werden, die ansonsten eben die Auslöschung am Sitzplatz
hervorgerufen hätten.
Nachdem wir nun über die Einsatz- und Arbeitsweise eines Equalizers im Bassbereich berichtet haben, wenden wir uns nun den mittleren – und hohen Frequenzen zu. Während wir im Bassbereich relativ einfach als Ziel hatten, eine annähernd lineare Wiedergabe hinzubekommen, müssen wir ab dem mittleren Frequenzbereich eine weitere Komponente miteinbeziehen: nämlich die Zeit.
Frühe Reflexionen (durch Wände etc.) unter 50ms kann das menschliche Ohr nicht vom eigentlichen Direktschall des Lautsprechers trennen. Es passiert folgendes: zunächst wird der direkt vom Lautsprecher abgegebene Schall wahrgenommen und hinsichtlich der Richtung des Klangereignisses ermittelt. Die in den ersten 50ms eintreffenden Reflexionen werden dann zu dem wahrgenommenem Direktschall addiert und verursachen somit einen Klangbrei. Wichtig ist deswegen, dass diese ersten Reflexionen durch Absorber unterdrückt werden. Keinesfalls sollte der EQ dazu dienen, diesen Frequenzgang wieder gerade zu biegen, denn wie Sie sich nun vorstellen können, würden wir immer nur die Summe aus Direkt- und Diffusschall bearbeiten, was in einem absolut falschen und unnatürlichem Klang enden würde. Viele AV-Receiver mit Einmess-Verfahren berücksichtigen diese Komponente gar
nicht oder vollkommen unzureichend. Dies ist auch der Grund, warum viele Hersteller (besonders aus dem High-End Segment) erst gar keine automatisch einmessenden Systeme integrieren und den Kunden versuchen klarzumachen, dass
kein Auto-EQ System in fast allen Fällen besser ist als eine noch so ausgeklügelte Einmessung.
Doch auch noch den 50ms bedarf der Frequenzgang unserer Beachtung: Ab 50ms bis hin zu (in Extremfällen) mehreren hundert Millisekunden später treffen dann die restlichen Reflektionen ein und verfälschen den eigentlichen Originalklang, in dem bestimmte Frequenzen mehr reflektiert werden, als andere. Im gewissen Maße ist diese Klangbeeinflussung allerdings nicht nur tolerabel, sondern sogar gewollt, denn wie in der Einleitung erläutert, „klingt“ ein Lautsprecher komplett ohne Reflektionen auch wieder nicht. Die Audionet Software Carma V2.0 hat aber zur Optimierung und Justage dieser Faktoren daher noch 2 weitere Zusatzfunktionen integriert:
Hier sehen Sie eine grafische Auswertung der Nachhallzeit. Eigentlich ist dies die gleiche
Ansicht wie schon im zuvor besprochenen Hauptfenster, nur eben mit der Zusatzanzeige von jeweils absteigenden „Scheiben“ im Vordergrund. Diese Scheiben beschreiben, wie schnell der Schall in den einzelnen Frequenzen absorbiert – und daher NICHT reflektiert wird. Da im Bassbereich nicht zwischen Direkt- und Diffusschall unterschieden werden kann, ist hier wie schon gesagt eine Lineariserung sehr effektiv und sinnvoll. Bei einer Anwendung mit dieser Methode im Hoch- und Mitteltonbereich bei hohen Nachhallzeiten würden wir somit immer nur an der Summe von Direkt- und Diffusschall ansetzen, und somit mehr Klangfehler – als Verbesserung erzielen.
Aus diesem Grund bietet die Software noch die Funktion, die Messwerte zeitabhängig anzeigen zu lassen. Hier stellen wir beispielsweise ein, dass nur die ersten 50ms der Messung berücksichtigt werden sollen, damit wir bei der Bearbeitung der EQ Punkte ohne den wahrnehmbaren Anteil des Diffusschalles arbeiten, so dass wenigstens der als Direktschall wahrgenommene Schallanteil größtenteils stimmt. Ein anderer, fast schon einfacherer Ansatz ist der, einfach nur die sogenannte erste Wellenfront zu bearbeiten. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dies die eigentlich direkte erste Schallwelle, wo noch keine Beeinflussung des Diffusschalls vorliegt. Diese Welle ist die hinterste im zuvor erklärten Waterfall Diagramm. Sie sehen also, dass trotz der ausgeklügelten Equalizerfunktionen der MapV2 weder die Grenzen der Physik umgangen
werden noch dass HiFi Absorber dadurch unnötig sind. Eher im Gegenteil: Die richtige Vorgehensweise ist die, dass der Raum mittels Absorbern mit einer geringen – als auch linearen Nachhallzeit ausgestattet wird. Spezialisierte Anbieter von HiFi Absorbern wie RTFS empfehlen eine weitäsgehende Linearisierung und Bedämpfung mit Nachhallzeiten zwischen 0,2 und 0,3 Sekunden. Normal eingerichtete Wohnzimmer weisen jedoch eher Werte jenseits der 0,6 Sekunden auf. Sie sehen also, das in diesem Bezug unser Hörraum dank der Absorber im Mittel- und Hochtonbereich überdurchschnittlich gut bedämpft ist und ein Eingriff mittels EQ nicht notwendig ist.
Grundsätzlich jedoch muss man speziell in diesem Zusammenhang sagen, dass „Gut ist, was gefällt“.
In allen Belangen kann der Besitzer einer MapV2, die Klangcharakteristik erreichen, die gewünscht ist – egal ob nun darauf besondere Beachtung von (annähernd) linearen Frequenzverläufen oder dem Thema Diffusschall gelegt wird. Die MapV2 gibt
ihrem Anwender mit je 5 EQ Punkten für Front, Center und Sub sowie 3 EQ Punkte für bis zu 4 Rearlautsprecher (fast) völlige Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit. Mit ein bisschen Mühe lassen sich damit wesentlich passendere Eingriffe umsetzen, als es alle automatisierten Einmessvorgänge der AV-Boliden können. Denn diese operieren
eher "unsichtbar" und stellen Sie als Anwender vor vollendete
Tatsachen - nur, wenn Sie manuell optimieren (was bei den Boliden meist Standard
ist), werden die Messpunkte offengelegt. So vielfältige Einstelloptionen wie
bei der MapV2 finden sich aber nicht. Dazu kommt noch, dass dort in den seltensten Fällen eine wirklich sinnvolle Tiefbass-Linearisierung durchgeführt wird (wenn überhaupt) und auch die Unterscheidung zwischen Direkt- und Diffusschall entweder gar nicht – oder unzureichend gemacht wird. Der Grund dafür liegt in der deutlich höheren Rechenleistung der Map – da insgesamt bis zu 32 gleichzeitig aktive, vollwertige EQ-Punkte in Echtzeit berechnet werden, was neben der Dekodierung der Datenstreams und anschließendem DSP Processing enorme Anforderungen an das Gerät stellt. Dank Carma kann man mit bedachtem und richtigem Einsatz des EQs aus einem sehr guten Hörraum einen perfekten – aus einem schlechten Raum einen guten/erträglichen machen.
Fazit technischer Aufbau:
Alles was Audionet auffährt, markiert die Spitze der technischen Möglichkeiten bei bestmöglichster Qualität. Noch nie haben wir solch konsequent und intelligent eingesetzte Technik gesehen, von den grundlegenderen Dingen wie dem getrennten Stereo/Surround Aufbau der Vorstufe bis hin zu durchdachten, jedoch nie
überflüssigen Details wie die Temperaturanzeige bei der Endstufe. Dies wird auch beim EPS deutlich, denn schließlich bietet kein
anderer uns bekannter Hersteller zur nochmalig besseren Stromversorgung einen eigenen Baustein an, obwohl
bereits das integrierte Netzteil der MapV2 mit hohem Aufwand gefertigt wird. Die hohe Qualität der Stromversorgung und Leistung, welche dann das EPS explizit für die Vorstufe zur Verfügung stellt, würde sogar
manchem hochwertigen AV-Receiver für die komplette Stromversorgung gut zu Gesicht stehen. Selbstverständlich sind alle Geräte dadurch in der Bewertung zunächst einmal direkt auf „6 Punkte Kurs“ , was im Falle der Endstufe und des EPS auch direkt ohne Umschweife zutrifft.
Und obwohl die Vorstufe MapV2 technisch ein wahrer Leckerbissen ist, so kommen wir leider nicht umher, auch ganz klar auf die Ausstattungsdefizite hinzuweisen: so wünschen wir uns neben
zusätzlichen DSP-Programmen eine PL2x Matrix bei DTS in einem 7.1 Setup. Außerdem sind schlicht und ergreifend bei größeren Anlagen zu wenig Anschlüsse an der MapV2 enthalten, so dass es ernsthafte –
besonders bei digital anzuschließenden Geräten - Kapazitätsprobleme gibt. Schaut man jedoch über diese beiden Mankos hinweg, erfreut das Gerät in technischer Hinsicht mit einer vorbildlichen und mustergültigen Anpassbarkeit an Lautsprecher und Hörraum, die dank flexiblen Bass-Managements und komplett parametrischen Equalizer den Konkurrenten in technischer Hinsicht
kaum eine Chance geben. Als kleiner Hinweis auf die beiden Kritikpunkte haben wir trotz der ansonsten faszinierenden, aufwändigen technischen Umsetzung einen halben Punkt abgezogen.
Bewertung Vorstufe MapV2:     
+ Audiosektion bislang in unerreichter Perfektion und Güte, extrem hochwertige Bauteile
+ vorbildlicher, sauberer Innenaufbau mit kurzen Signalwegen
+ Zwei komplett getrennte Audiobereiche für Surround und Stereo
+ Viele, verschiedene Upgrades ( Videofunktionen) werden angeboten
+ Hersteller ist sehr kundenfreundlich in bezug auf Updates
+ Das Bass-Management ist das bislang beste, welches wir gesehen haben.
+ Umfangreicher und wirkungsvoller Equalizer
+ Rechengenauigkeit sowohl beim Bass-Management und EQ sehr hoch
+ Evtl. falsche Phasenlage des Stromanschlusses wird überprüft und ggf. am Display angezeigt
- Wenig Anschlüsse – insbesondere Digitaleingänge gibt es zu wenig
- Sehr magere DSP Sektion ; kein PL2x bei DTS möglich.
Bewertung EPS-Modul:     
+ Vorbildlicher, sauberer Innenaufbau mit kurzen Signalwegen
Bewertung
Endstufe AmpVI:     
+ Kompromisslose Konstruktion mit 2 Stromanschlüssen
+ Jeder einzelne Kanal besitzt seinen eigenen Ringkerntrafo
+ Endstufe ist modular aufgebaut, was Service- und Aufrüstfreundlichkeit verbessert
+ Gerätedisplay anstelle von LEDs
+ Vielfältigste Konfigurationsmöglichkeiten (Einschalten, XLR/Cinch pro Kanal auswählbar)
+ Evtl. falsche Phasenlage des Stromanschlusses wird überprüft und ggf. am Display angezeigt
+ Lüfter sind von außen sehr gut zugänglich und lassen sich bei Bedarf leicht reinigen
+ Lüftungsmanagement ist sehr effizient und benötigt die aktive Kühlung seltenst
- Leider keine komplett passive Kühlung
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