Test: Audionet Map V2 mit EPS-Modul und Amp VII (1/5)

03.06.2005 (lm)

Einführung

Normalerweise legen fast alle unsere Receiver- oder Verstärker Testgeräte eine weite Strecke in eines unserer Hörstudios zurück: Der Großteil kommt aus Fernost, andere Komponenten aus den USA oder aus Großbritannien. Unsere Testgeräte, welche diesmal im Fokus stehen, hatten eine deutlich kürzere „Anfahrt“: Die MAP2, das EPS-Modul und der AmpVII sind  Highend-Bausteine aus dem Hause Audionet, einem kleinen, feinen deutschen Anbieter, und sie kommen aus einer Stadt, der Herbert Grönemeyer sogar einen Song und einen Album-Titel gewidmet hat: Bochum, früher eher für Kohle und Stahl bekannt. Beweist uns das Audionet-Luxuspackage im Test, dass auch rund 20.000 € nicht zu viel Kohle fürs edel verarbeitete Stahl ist?


Wer stolze 5990 € vom Sparkonto abruft, bekommt eine optisch zurückhaltende, jedoch elegante Vorstufe, die gleichzeitig alle modernen Features wie 7.1 und PL2x für das Heimkino-Vergnügen – aber auch die komplette Stereosektion der edlen Stereovorstufe Pre1 G1 (2590 €) beinhaltet. Mit dieser technischen Basis empfiehlt sich die MapV2 als Universaltalent für anspruchsvolle Heimkino- und Mehrkanal-Musikhörer, die aber auch sehr gern Musik in Stereo genießen und von ihrer Vorstufe verlangen, dass sie auch auf dem Gebiet der lupenreinen Zweikanal-Übertragung sehr firm ist. Des weiteren lässt sich die feine Bochumer Handwerkskunst noch mit vielen angebotenen Extras wie beispielweise einem HDMI Ausgang variabel , je nach Gusto des Anwenders, konfigurieren.



Doch mit dem Kauf der Vorstufe allein ist es nicht getan, denn sie benötigt ja noch Endstufen, um dem Hörraum zusammen mit einem passend dimensionierten Lautsprechersystem Leben einzuhauchen. Audionet bietet hierfür den AmpVII an. Diese Mehrkanalendstufe besticht ebenfalls eher mit zurückhaltender Eleganz als ausufernden Gehäuseabmessungen. Aber schon der Blick auf das Datenblatt lässt erahnen, zu welchem hohen Leistungsniveau dieses Gerät fähig ist.: 250 Watt an 4 Ohm pro Kanal bei gleichzeitiger Belastung; gleich 2 Stromversorgungen werden benötigt, um ein solches Potential realisieren können. Die aufrüstbare Modulbauweise unterstreicht ebenfalls das Streben nach Perfektion. Den AMPVII gibt es in der 5 Kanal Basisversion für 7490 Euro, der mit 7 Endstufen dann komplett bestückte AmpVII hat gar einen Wert von 9470 Euro (und bringt übrigens stattliche 58 kg auf die Waage – dies sollte man bei der Auswahl des Racks bedenken).



Um sowohl den Lautsprechern als auch der Vorstufe maximale Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, kommt in unserem Test-Setup noch ein weiterer, ganz besonderer Baustein zum Einsatz, nämlich das sogenannte EPS im Wert von 1690 Euro. EPS steht für Enhanced Power Supply – und hat eigentlich eine ganz einfache Aufgabe: Die bestmögliche Art der Stromversorgung der Vorstufe MapV2 sicherzustellen. Zwar kann man sicherlich die MapV2 auch ohne EPS betreiben, doch Audionet verspricht mit diesem ausgelagerten, aufwändigen Netzteil für die Vorstufe eine nochmals deutliche Klangsteigerung. 

Fleißigen Kopfrechnern wird es bereits aufgefallen sein, dass diese Kombination einen Gesamtwert von etwas über 15.000 Euro darstellt und somit mit Abstand die Höchstmarke aller bislang bei Area DVD getesteten Verstärker bzw. Vor/Endstufenkombis markiert. Keine Sorge – wir haben nicht den Bezug zum Geld verloren, die hier fälligen Summen addieren sich mit den entsprechenden Boxen, Wiedergabe- und Quellgeräten etc. schnell in Bereiche, wo man wirklich mühelos auch schon gut ausgestattete Neuwagen der Mittelklasse kaufen könnte! Oder anders ausgedrückt: solche Summen werden vielerorts als Anzahlung für eine Wohnung- oder Hausfinanzierung genommen. Aus diesen Gründen müssen solche Komponenten auch den höchsten klanglichen Erwartungen standhalten und in Anbetracht der alternativen Investitionsmöglichkeiten den Besitzer jeden Tag aufs Neue begeistern.

Fernab von „bürgerlichen“ Sichtweisen existiert aber ebenfalls eine immer größer werdende Heimkino bzw. HiFi-Fan-Gemeinde, die fortwährend auf der Suche nach dem Heiligen Gral der Akustik ist, und hierbei auch die größten finanziellen Hürden meistern, um dem Optimum immer ein Stückchen näher zu kommen. 

Inwieweit unser Testensemble diese allseits extrem hohen gesteckten Erwartungen erfüllen kann, soll unser ausführlicher Test zeigen. Um einen Bezug zu bereits bekannten Geräten zu ermöglichen, werden wir insbesondere zu den erst kürzlich getesteten Rotel ( RMB1098 + RSB1095 / 7500 Euro) und Vincent ( SAV C2 + SAV P200 / 4200 Euro) Vor-/Endstufenkombinationen sowie unserem AV-Boliden Masterpiece, dem Onkyo TX NR 5000 (5500 Euro) Vergleiche ziehen.

Da wir Ihnen ein möglichst genaues Bild unserer Eindrücke schildern möchten, ist dieser Bericht sehr umfangreich ausgefallen..

(Unsere Bewertungen beziehen sich auf die komplette Gerätekombination, wenn nicht anders angeben).

Verarbeitung


Wie schon der Einführung angedeutet, bestechen die Audionet-Komponenten eher mit zurückhaltender Eleganz, als mit neuen Weltrekorden hinsichtlich der Gehäusegröße oder Eye-Catchern wie dem spektakulären, eingebauten TFT des Rotel RSP-1098 dienen zu können. Trotzdem wird aber auch schon beim erstem Anblick dieser Komponenten sehr schnell deutlich, dass hier extrem hochwertige Geräte stehen – egal ob die strengen Blicke die Frontplatte, Gehäusefüße oder das Display fokussieren, stets trübt kein einziger Makel den perfekten Eindruck. Alles wirkt wie aus einem Guss, selbst die kleinsten Details offenbaren keine Verarbeitungsschwächen.

Audionet überlässt dem Kunden einige Freiheiten bezüglich der Farbzusammenstellung – zur Auswahl stehen silber und schwarz für die Frontblende sowie rot und blau beim Gerätedisplay. Unsere Testgeräte entsprechen der laut Audionet, beliebtesten Zusammenstellung silber/blau. Auf dem Foto sehen sie übrigens den CD Player ArtV2 in schwarz/blauer Kombination.

Die MapV2 wurde so konstruiert, dass kein großer Lautstärkeregler die dezente Optik beeinflusst, stattdessen genügen ihr 4 kleine Chrom-Knöpfe, welche passgenau und mit Liebe zum Detail in die Frontplatte integriert wurden, ein exakt definierter Druckpunkt sowie ein mechanisch „sattes“ Klick-Geräusch zeugen von Langlebigkeit. 


Im Gegensatz zu fast allen anderen Geräten begibt sich die MapV2 nicht auf Lizenz- bzw. Featurejagd und ist daher nicht mit den (inzwischen besonders bei AV-Boliden) üblichen, breiten Logos verunstaltet. Es ist dem Gesamt-Design und der Erscheinung sehr zuträglich, dass je nur ein kleines, zurückhaltendes Dolby- und DTS-Emblem angebracht wurde. 

Eine weitere, sehr schöne und edle Detaillösung sind die plan eingeschraubten und farblich zum Gerät passenden Inbus-Gehäuseschrauben, die daher deutlich weniger auffallen und ebenfalls wiederum zur noblen und dezenten Erscheinung beitragen. Ganz besonders die Rotel RMB-1095 fällt in diesem Vergleich wegen dem schlichten lackiertem Blechgehäuse und normalen Blechschrauben stark ab und kann daher nicht das Niveau der Audionet-Vorstufe halten. 

Selbst von unten macht die MapV2 eine sehr gute Figur, da hochwertige Gerätefüße zum Einsatz kommen – und zudem bei allen Komponenten das gleiche Design haben. Hier hat nicht nur Rotel Schwierigkeiten, sondern besonders Vincent überraschte uns mit 3 verschiedenen Gerätefüßen bei 3 unterschiedlichen Geräten. 

Alle Details würden aber nichts nützen, wenn die elementaren Verarbeitungskriterien Gehäusematerial und Gerätedisplay nicht ebenfalls höchsten Ansprüchen genügen würden.
Doch auch hier wird nur das Bestmögliche geboten – die 1 cm dicke, massive Aluminiumfrontplatte mit polierter, glatter Oberfläche distanziert selbst die "Verarbeitungsmeister" bei den AV-Boliden nochmals. Doch auch wenn uns hier die Map V2 (wie gewohnt) sehr überzeugte, so müssen wir an dieser Stelle noch einmal die herausragende Materialqualität der Vincent Vor-/Endstufenkombi erwähnen, die hinsichtlich der Frontplatte dasselbe extrem hohe Niveau bei deutlich geringeren Preisen erreicht. In der Summe der Gehäusequalität zieht die Audionet dann aber wieder vorbei – der passgenaue Deckel aus Aluminium – und auch das Material der Rückseite können mit hochwertiger Anmutung auch an diesen versteckten Stellen absolut begeistern. 

Das Gerätedisplay der MapV2 ist eine Augenweide. Unter reinen design-technischem Aspekt betrachtet, bietet das zweizeilige, pro Zeile 16-stellige Display einen Hochgenuss für das Auge. Jeder einzelne Pixel, der hier abgebildet wird, kann ohne Probleme erkannt werden. Dank der recht großen Schrift ist auch das Ablesen der Informationen bei etwas größeren Abständen sehr gut möglich. Des weiteren lässt sich diese Anzeige in mehreren Schritten dimmen, was (leider) nicht bei allen Geräten Standard ist und speziell bei der Vincent Vor-Endstufenkombi zu Problemen führen kann. 

Auch anschlussseitig gibt es keinen Grund zur Klage. Mit Ausnahme von 4 Digitalschnittstellen sind sämtliche Audioanschlussfelder preisklassengemäß vergoldet, um bestmöglichsten Kontakt zu gewährleisten. Allen Anschlüssen gemeinsam sind die hochwertige Machart sowie eine sehr genaue Einpassung und ein bombenfester Sitz. Somit ist nicht nur eine sehr effektive und verlustarme Anbindung der Peripheriegeräte sichergestellt, sondern auch die Langlebigkeit aufgrund der soliden und unerschütterlichen Bauweise. Lediglich ein ganz kleines Manko trübt das Bild: Die beiden optischen Digitalports sind mit herausnehmbaren Steckern – und nicht (wie beispielsweise beim Onkyo TX-NR5000E) mit automatisch reinklappenden Staubklappen versehen. 

Komplettiert wird die sehr hochwertig verarbeitete Vorstufe durch eine Fernbedienung, die löblicherweise dem Status des Hauptgerätes voll und ganz gerecht wird.

Beigelegt wird ein Touch-Screen Controller mit 8 Hard Key-Tasten. Die Farbe der Fernbedienung ist sowohl hinsichtlich des Covers als auch beim Touchscreenbereich, dem silber/blauen Hauptgerät nachempfunden. Die Anfassqualität der Fernbedienung ist trotz des Verzichtes auf Aluminium hervorragend. In unserer mehrwöchigen Testphase sind nicht einmal die sonst (bei vielen anderen Fernbedienungen) üblichen knarzenden Batteriefachabdeckung auszumachen gewesen. Dazu kommt noch, dass das blaue Touchscreen nicht nur sehr sensibel auf Befehle reagiert, sondern automatisch beim Einschalten der Beleuchtung den notwendigen Grad an Intensität bereitstellt. Nach Ablauf (der veränderbaren) Beleuchtungszeit dimmt die Beleuchtung langsam weg. So wünschen wir uns eine Fernbedienung, denn beim Blick auf die Rotel RSP-1098 wird schnell klar, dass ergonomische- aber auch äußerlich gute IR-Geber nicht selbstverständlich sind. Ganz klarer Pluspunkt also für die MapV2.

Die Vorstufe konnte uns also in allen Belangen sehr überzeugen, so dass wir uns nun den anderen beiden Geräten widmen. Im Wesentlichen wird hier glücklicherweise das Niveau der Vorstufe gehalten: Edle Anmutung und bis in das Detail hervorragende Verarbeitung.


Das EPS-Modul kostet alleine immerhin schon soviel wie manch hochwertiger AV-Receiver. Daher darf man auch bei dieser eher schlichten und kleinen Komponente ein perfektes Verarbeitungsniveau erwarten. Diese Anforderung erfüllt das EPS mit Bravour – zwar hat es gar keine Bedienknöpfe – und hinten gibt es außer 2 Stromanschlüssen nichts, jedoch wurde das komplette Gehäuse mit der gleichen großen Sorgfalt wie die Vorstufe fertiggestellt, so dass beide Geräte nahtlos übereinander stehen und fast kein Bruch in der Verarbeitungsgüte zu verzeichnen ist. Nur im Detail gibt es minimale Kritik: leider hat das EPS in einem Detail eine etwas andere Konstruktion als Map V2 und AmpVII: Das Gehäuse seitlich ist nicht grade, sondern leicht abgerundet, was jedoch nicht zu stark auffällt. Aufmerksame Zeitgenossen dürften außerdem bemerken, dass die blauen LEDs nicht ganz den gleichen Farbton wie das Gerätedisplay der MapV2 haben. 



Zu guter Letzt widmen wir uns der Endstufe AmpVII. Durch die fast 20cm hohe Frontplatte aus massivem, 1cm dickem Aluminium wirkt sie nobel und respekteinflößend zugleich, obwohl auch hier andere Geräte nach Außen hin wesentlich mehr Gigantismus auffahren, wie beispielsweise der Vincent SAV P200. 

Als Besonderheit verwöhnt die AmpVII seinen Benutzer mit einem Display, ähnlich dem, was auch in der MapV2 zum Einsatz kommt. Auch dieses Display überzeugte uns in gleicher Manier wie auch schon der Vorstufe mit sehr guter Ablesbarkeit und millimetergenauer Einpassung in die Frontplatte. Keine von uns bisher getestete Endstufe wurde mit solch einem Aufwand gefertigt, da die meisten anderen Produkte lediglich über kleine Status-LEDs verfügen. Im Falle von Vincent SAV P200 lassen sich dessen grell blau leuchtenden LEDs nicht einmal dimmen, während das Display des AMPVII sogar in den gleichen Schritten wie bei der MapV2 gedimmt werden kann. 


Auf der Rückseite begeisterte uns der AmpVII mit sehr hochwertigen Anschlüssen. Die Lautsprecherterminals könnten zwar noch ein wenig größer ausfallen, doch der Aufwand und die Perfektion, der hier betrieben wird, ist insgesamt beispiellos. Jede Lautsprecherklemme ist so konstruiert, dass das Kabel von der Seite eingeführt wird, die der anderen Klemme am Entferntesten ist. Ferner sind sämtliche Anschlüsse vergoldet, sehr griffig und lassen sich sehr leichtgängig festdrehen. 

Was uns auch noch sehr gut gefallen hat, ist die Kunststoff-Schutzabdeckung, so dass zwischen dem Gehäuse und den Lautsprecherkabeln auch dann kein Strom fließen kann, wenn das Kabel nicht sorgfältig eingeführt wurde. Hier zeigt sich einmal mehr die Detailverliebtheit der Bochumer.

Fazit Verarbeitung:

Eine wahrhaft traumhafte Verarbeitung und ein zeitloselegantes Design. In jeder Hinsicht, beispielsweise bei der Fernbedienung oder der Lautsprecher-Terminals, wurde alles richtig gemacht. Wir hatten bis dato noch kein Geräte in unseren Testräumen, die wirklich in allen Rubriken einen derart hohen und vor allem auch langlebigen Verarbeitungsstandard bieten konnten. Ganz besonders in der Rubrik der High-End Vor-/Endstufenkombinationen sind diese Tugenden enorm wichtig, da ein schneller Austausch der Geräte im Regelfall aufgrund des Preisgefüges nicht stattfindet. Die Konkurrenten aus dem Hause Rotel und Vincent sind zwar weitaus günstiger, können aber dennoch viele Detaillösungen von den Audionet-Komponenten anschauen, wo einfach vom Gerätefuß bis hin zur versenkten Gehäuseschraube alles bis in das letzte Detail durchdacht ist. Für diese Perfektion ist selbstverständlich die Höchstpunktzahl in der Verarbeitungskategorie fällig.

Bewertung:

Vorstufe MapV2:
+ Verarbeitung auf Top Niveau ( Gehäuse, Display etc.)
+ sehr hochwertige Anschlüsse auf der Rückseite, größtenteils vergoldet
+ noble Fernbedienung 
- Mini-Kritk: Staubschutz der optischen Digitaleingänge sind nur Stecker und keine Klappen

EPS Modul:
+ Verarbeitung auf Top Niveau 
- leider nicht ganz exakt das gleiche seitliche Gehäusedesign wie AmpVII und MapV2
- Farbe der LEDs haben nicht ganz den gleichen Farbton wie das MapV2 Display

Endstufe AmpVII:
+ Verarbeitung auf Top Niveau ( Gehäuse, Display etc.)
+ alle Lautsprecheranschlüsse vergoldet und sehr hochwertig ausgeführt
+ Endstufe mit eingebautem Display anstelle LEDs 

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